Skip to main content

Full text of "Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



mpt RCSEAflCH usnAMES 

3 3433 07438607 "3" 





''^^^^^^^^'^ 



ARCHIV 



FÜR DAS 



STUDIUM DER NEUEREN SPRACHEN 
UND LITTERATÜREN. 



BEGRÜNDET VON LUDWIG HERRIG. 

HERAUSGEaKBEK 

VrtN 

ALOIS BRANDL UND ADOLF TOBLER. 



LVL JAHRGANG, CIX. BAND, 

DER NEUEN SERIE IX. BAND. 






BRAUNSCHWEIG. 

D&UCK UND V£RLAO VON GEORGE WESTEKMANN. 

1902. 



THE Nt-W vo: .. 
PUBUCLlBRAR'i 

äH8tö3 




liilialts-Verzeichnis des CIX. Bandes, 

der neuen Serie IX. Bandes. 



Abhandluneen. 

^ Seite 

Profetfuor Dr. Ludwig Hölschcr f. Von EriistMeyer 1 

Die Märchen dotf Mnsäu», vornehiulicli nach Stoffen und Motiven. Von Erich 

Bleich. III. (Schlufs) 5 

Za den (Quellen defl 'EIsopus' von B. Waldis. Von Arthur Ludwig Stiefel 240 

Die fSeschiehte des Wortes 'Zigeuner*. Von LeoWicner 280 

Die Lieder der IIb. Sloane 2593. Von Bernhard F ehr 33 

Die Ahfa3:iung8zcit von 'Rectitudines singularum personarum' und agn. 'aferian*. 

Von F. Li eher mann 73 

Zur altenglischen Bedeutungslehre. Von Fr. Klaeber 305 

Frühmittelengliäche und anglofranzösischc Glossen aus Digby 172. Von Max 

Förster 314 

Matteo Bandello nach seinen Widmungen. Von IL Meyer. II. (Schlufs) . 83 

ErgUnzungeD zu den Werken Claude Tilliers. Von Max Cornicelius . . 107 

Claude Tillier als Pamphletist. Von BlaxCornicelius. 1 338 

Kleine Mitteilungen. 

Zur nie. GcncMS & Exodus. (V. Holthausen) 120 

Knfrlisch der (Jewerke. (F. Liebermann) 127 

nyron und Chateaubriand. (Otto Kitter) 128 

Zur Etymologie von ne. o*)ze. (Otto Ritter) 128 

Zum Bedeutungswandel apricnm > abri. (Otto Ritter) 120 

Zu Schmeding, Über die Wortbildung bei Carlyle. CW. Franz) .... 120 

Zum angelsäehifischen Krönungseid. (F. Liebermann) 375 

A ngelsAchsischer Protest gegen den Cölibat. (F. Lieb ermann) . 376 

Angelsäcb. 'fische IIss. in Burtoii im 12. Jahrhundert. (F. Liebermann) . .'176 

Spiellcute und Narren im 14./15. Jahrhundert. (F. Liebermann) . 377 

Zum angelsächsischen Davidbild. (F. Liebermann) 377 



rv 

Noch cHimsl fra. *as(. (Engen Hfraog) 

Die LsndeuhlHchl tii^i Abüiikir (179!)) nud ibre Durale IIuk).- I»i Ttiiera. 
(O. Sthulicl 

Beurteilungen und kurze Anzeigen. 

Heinrich von Kleisl. Sein Lebsii uDd bpiue Werk«. Eiu BeilriiK xui- Kkisl- 

Ldttcritur von Ilnbprt nidettihcr. (Reinbold Steig) 

Briefe uns der Fdlbicii der dputacb*Q Philologie an Qpoi^ Friedrich Benecke. 

Hit Anmerknnf;en begleitet und bemugegeben von KndufT naisr. 

(S. Singer) 

Oltu BehsKhel, Die d<-Dl sehe Sprache, 2. neabeirlieltelG Auflikge. (J. SohuU) 
K™riid BnrdHeh, Waither von der Vogelweide. PhilologJKhe und bUlo- 

riBChe Fomcbungeii. Erster Teil. (K, Hunpe) 

C. Dictricb. Grundlagen dw VälkervertehreBpruuhe. EntivOrfe filr deji 

Auf- nnd Anabau einer denkriebtigen neulralen KunatBpriLcbe ■!■ zu- 

künllige Scbriflspracbt, pventnel! auch Sprechaprnclie fdt den inter- 

nationiilBn Verkehr. (Hichurd M. Meyer) 

S. Priedninnn. Grammalies tedeeca eon eaercizi, lettore e voeibaluio eti- 

mologico. Secunda ediiiQne. (E. Bavet} 

Jenny von Gersten bergk. Ottilie vun Qnethe und ibre Sühne Watther 

und Wolf in Uripfen und peraüijichen Erinnerungen. (Georg Min de -Pen et) 
Jnknb Gerzoii, Dia jddiBcIi-deutachi' Sprache. Eine graminatisch-leiikulist'lu' 

ITn le rauch II iig ibrea deulachen GrnndbestandpB. (J. Sclmti) . . 




V 

Seite 
An introduction to the mcthods and materials of literary criticiam. The 
bai!>«8 in aesthetics and poetic« by Charles Mills Gaylay and Fred 

Newton Scott (R. Fischer) 407 

Beowulf ajid the fight at fHnnsbarg. A translation into modern English 
prose, with an introduction and notes by John R. Clark Hall. (Wil- 
helm Dibelius) 403 

D. Asher, Dia Fehler der Deutschen beim mündlichen Gebrauch der eng- 
lischen Sprache. Übungsbuch fttr höhere Lehranstalten und sum Selbst- 
nnterricht. Achte Auflage, herausgegeben von Ph. Hangen. (Albert 

Herrmann j 190 

Maurice Hewlett, New Canterbury tales. (R. Fischer) 43.3 

Erla Hittle, Zur Geschichte der altenglischen Präpositionen *mid' und *wid' 

mit Berücksichtigung ihrer beiderseitigen Beziehungen. (Heinrich Spies) 404 
Geonn: Jürgens, Die Epistolae Uo-£lianae. Ein Beitrag zur englischen 

Litteraturgeschichte. (Georg Herzfeld) 421 

Richard Krüger und Albert Trettin, Lehrbuch der englischen Sprache. 
Nach praktischen Grundsätzen bearbeitet für Fortbildungs-, Handels- 
und Mittelschulen. (Albert Herrmann) 191 

S. Levett-Ycats, The traitor's way. (R. Fischer) 423 

Liebau, Gustav, König Eduard UI. von England und die Gräfin von Salis- 
bury. Dargestellt in ihren Beziehungen nach Geschichte, Sage und 
Dichtung, unter eingehender Berücksichtigung des pseudo-shakespeare- 
schen Schauspieli« *The raigne of King Edward the Third'. — König 
Eduard UI. von England im Liebte europäischer Poesie. (Arthur L. 

Jcllinek) 410 

Miuirten Maartcns, Some women I have known. (R. Fischer) .... 436 
EUkiard Mätzner und Hugo Bieling, Altenglische Sprachproben nebst 
einem Wörterbuche. U. Band: Wörterbuch. 13. Lieferung. (Wilhelm 

Dibelius) 169 

Carlyle, Sartor resartus, edited by Archibald McMechan. IV. (Schlufs). 

iH. Kraeger) 172 

Frf'd X»-wtuii Scott, H. Charles Mills (4aylay. 

Kfv. Walter W. Skeat, Notes on English etymology, chiefly repriuted 

froni the Transactions of the Philological Society. (Erik Björkman) . 162 
l'late-Kared, Englisches Unterrichtswerk. Lehrgang der englischen Sprache. 
II. Teil. Oberstufe zu den Lehrgängen von Plato-Karcs und Plate. Neu 

bearljeitet von G. Tanger. (Albert Herrmann) 1U2 

AIU:rt Trott in, s. Richard Krü;,'er. 

H. ü. Wolls, The flrst men in the nioon. (R. Fischer; 428 

H. <;. Wellr», The wheeU of chanco. (R Fischer; 43<» 

Yarnall. EUis, Wordsworth and the Coleridges, wlth other niemories, lite- 
rary and political. CA. Brandt) 180 

Pi«:'rre Aubry, s. Alfred Jcanroy. 

11 Libro delle tre scritture e i Volgari delle falsa scusc e delle vimitji di 

Bonvcsin de la Riva a cura di Leandru Biiulcne. (Adolf Tohl»ri 22C 



VI 

l/ouis liriLiicliD, a. Alfred Jesnror- 

Boccaccio- Fun de. Stücke aiu der bialuig vwlclioUeneD Bibliothek dea Dich- 
ters, daruulpr von seiner HiLod gescbriabeaea Fremdai uiid fägeueB, er- 

mittcll imd erwieiten von Osk&r Hecker. (Biebsrd Wendriner) . . 
trugen Herzog, UnterBuchnugeu la Hace de la Cbarit^'u aJtfransGsiecher 

Übcraelzung dee Alten Testamentee. (Alfred Rtup) 

I^ais et descorta Eran^ du XIII« liicle — texte et miitiqne — pablifo p*r 

Alfred Jcanroy, Loui* Brandin et Pierre Anbr;. (AdolT Tobler) . 

F. Köhler, Die Allilteralion bei Hanwd. (H. Hailwig) 

Moliire, LcB Pricieusei ridicoles. FUr den Schalf;cbraucli erkllrt von 

W. Mnneold. (K. ParUelle) 

Meinoirca de 1h Social« nio-philologlqne 4 Heleingrom. lU. (Adolf Tobler) 
Oicsr Mcy. Fraiikreicbs äcbulen in ihrem oi^auiichcn Bau und Ihrer hiatn- 

rieclicn Kniwickelung mit BerUckBichtigung der Deneeten KeformcD. Zweite. 

volUtändig umgearbeitete und weientlich vermehrte Auflage. (E. Pariaellc) 
Wilhelm Meyer aus Speyer, Fragmenta Bnrwi«. (Adolf Tnbler) .... 
Iiopc de Vega, Arie Nnevo de hazer comedias en eate tiempo. Publik et 

annole par Alfred Morel-Fatio. (Artnro FariuaUi) 

OcFtering. Uiübacl, Heliodor und Beine BedeuUng lUr die Litleratar. 

(Wohlfabn) 

Aniceto de Pag^s. Gran Diecionario de la Lengua Castellaiia aalorizadü coii 

ejempliva di' buenoa eacriturcs niitiKUus j mndeniua. (P. de Mugica) 
La iiovella provpnialc del Pappagallo (Ärnaul de CarcaBSfe). Memoria lettu, 

all» K. Accadi-mia di arebeologla, lettere c belle a 




Professor Dr. Lndwig Hölseher t. 



Am 4. April 1902 verschied zu Herford i. W. nach längerem 
Leiden der Professor a. D. Dr. K. 6. Ludwig Hölseher. Geboren 
daselbst am 16. Oktober 1814, erhielt er seine Vorbildung auf 
dem dortigen Gymnasium von Ostern 1824 bis Ostern 1832; 
studierte von Michaelis 1832 bis Ostern 1834 Theologie in Bonn 
und von Ostern 1834 bis Ostern 1837 klassische Philologie in 
Berlin^ wurde daselbst am 24. Juni 1837 auf Grund seiner Disser- 
tation De Lysiae oratoris vita et dictione zum Dr. phil. promo- 
vierty kam Neujahr 1838 als Probekandidat an das Gymnasium 
ZQ Herford^ Johannis 1839 als ordentlicher Lehrer an die unter 
Dr. Suffrian (später Provinzial-Schulrat in Münster) neu organi- 
sierte höhere Bürgerschule in Siegen. Hier blieb er nur kurze 
Zeit; denn bereits Ostern 1843 wurde er als Konrektor an das 
('yniDasium seiner Vaterstadt zurückberufen, an dem er nun in 
voller Rüstigkeit und mit reichem Segen 40 Va Jahr wirkte. 
" ^D seiner hervorragenden wissenschaftlichen und pädagogischen 
Tüchtigkeit wurde er 1860 zum Professor ernannt. Michaelis 
^^3 trat er in den Ruhestand. Bei seinem Abschied erhielt er 
^ Roten Adlerorden vierter Klasse und später bei der Feier 
^ines fünfzigjährigen Doktor-Jubiläums 1887 den Königlichen 
Kronenorden dritter Klasse. Von 1860 bis 1871 unterrichtete 
er auch an der von ihm im Verein mit Herrn Pastor Kleine 
g^ndeten höheren Töchterschule. 1843 vermählte er sich mit 
Margarete Leuthaus, mit der er in überaus glücklicher Ehe lebte, 
verlor jedoch seine Gattin schon im Jahre 1870 durch den Tod. 
Aach einen hofiiiungsvollen Sohn im Alter von fünfzehn Jahren 

ArehiT f. n. Spraob«n. OIX. i 



2 Profeeeor Dr. Ludwig Hdlecher f. 

geleitete er zum Grabe; in stiller, wetimutsvoller Ei^buog trug 
er diese PrüfuDgeD bis an sein Ende. 

Ausstattet mit reicheo Geistesgaben hatte er sich durch 
rastlosen Fleifs zu einem hervorragenden Schulmann und Ge- 
lehrten herangebildet. Was er als Lehrer geleistet, davon l^t 
die einmütige Anerkenniuig seiner zahlreichen Schüler beredtes 
Zeugnis ab. Die hohe Verehrung, welche er bei ihnen genols, 
zeigte sich ganz besonders bei der Feier seines Doktor-Jubiläums. 
Bei dieser Gelegenheit wurde ihm von ehemaligen Schülern eine 
Gabe von mehr als 2000 Mark überreicht, welche er als 'Hölscher- 
sches Stipendium' zur Unterstützung von Abiturienten des Her- 
forder Gymnasiums bestimmte. Dies gab Veranlassung, dais er 
aus eigenen Mitteln der Anstalt ein Kapital von 150 Mark über- 
gab, dessen Zinsen als Beihilfe zu den Reisekosten für Tum- 
fahrten an bedürftige Sekundaner — er war lange Jahre Ordi- 
narius der Sekunda — vergeben werden sollen. Er war un- 
ermüdlich tbätig und von grofser Gewissenhaftigkeit, Pünktlichkeit 
und Pflichttreue im Amt, er nahm sich aller seiner Schüler mit 
Rat und That an und bewahrte ihnen auch nach ihrem Abgange 




Professor Dr. Ludwig Höbeher f. ^ 

damit vielfach eine sehr mühsame Arbeit verbunden war. Alle 
gemeionfitzigen Bestrebungen sowie die Interessen seiner Vater- 
stadt sachte er nach Kräften zu fördern. Auch eine reiche 
Bficherkenntnis hatte er sich im Laufe der 2ieit erworben, wobei 
ihm zu statten kam, dafe er viele Jahrzehnte Verwalter der Gjon- 
nasial-Bibliothek war, ein Amt, welches er sogar noch nach seiner 
Pensionierung einige Zeit behielt Eine besondere Sorgfalt ver- 
wandte er auf die praktische Unterbringung und Aufbewahrung 
der Schulprogramme in der richtigen Erkenntnis, dafs, so gering 
man auch den Wert derselben als Einzelerzeugnisse veranschlagen 
mag, die Gesamtheit derselben doch eine nicht zu unterschätzende 
Summe von wissenschaftlich und didaktisch wertvollen Ergeb- 
nissen enthält. Und so ist dank seiner Fürsorge das Herforder 
Gymnasium eins der wenigen, das jedwedes Programm ohne 
sonderliche Mühe zur Verfügung stellen kann. Von seinem 
grofsen Sammeleifer zeugen auch seine hinterlassenen Manuskripte 
und Handexemplare, welche fast auf jeder Seite zahlreiche No- 
tizen aufweisen. Jede Konjektur oder Besprechung einer Stelle 
in Zeitschriften, Dissertationen oder Programmen notierte er in 
seiner Ausgabe, so dafs man nirgends bessere Auskunft dieser- 
halb erhalten konnte als bei ihm. So hat er z. B. für die Biblio- 
theca scriptorum dassicorum von Engelmann -Preufs unzählbare 
Berichtigungen und Zusätze beigesteuert. Für das Herrigsche 
Archiv, dessen Mitarbeiter er von Band V — LXXXHI gewesen, 
lieferte er unter anderem die Besprechung der Programme und 
Unterrichtswerke, welche sich auf den deutschen Unterricht und 
die deutsche Litteratur bezogen. Auch für die Neuen Jahrbücher 
für Philologie und Pädagogik hat er zahlreiche Recensionen ge- 
schrieben. Er war Mitglied vieler wissenschaftlichen Vereini- 
gungen und förderte deren Interessen meistenteils auch durch 
eigene litterarische Thätigkeit Gern besuchte er die gröfseren 
Versammlungen und trat mit den hervorragendsten Gelehrten in 
nähere Verbindung, die durch einen regen Briefwechsel fortgesetzt 
wurde. Mit freudigem Stolze pflegte er zu erzählen, dals er das 
Glück gehabt habe, bei der Jubelfeier dreier hochbedeutsameu 
Jubiläen die Festrede zu halten, bei der Millennarfeier des Ver- 
trages von Verdun 1843, der Goethefeier 1849 und der Schiller- 
f«er 1859. Dals er die Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches 

1* 



4 ProfesBor Dr. Ludwig Hölscher f. 

erleben durfte, erfüllte ihn mit besonderer Freude, und dem 
eisernen Kauzler bewies er seine Dankbarkeit, indem er dessen 
Brustbild in Lebenegröfse in seinem Studierzimmer vor sich batte 
uod ihm jährlich zu seinem Geburtstage ein Gratulationsschreiben 
sendete, auf welches er auch in den ersten Jahren eine eigen- 
bändige Antwort erhielt. — Als Mensch war er von seltener 
Anspruchslosigkeit, schlicht und einfach, stets gefällig und ent- 
gegenkommend, ein friedfertiger, dienstbereiter Kollege, in fröh- 
licher Gesellschaft ein gern gesehener Gast, der es auch ver- 
stand, durch Witz und schalkhaften Scherz die Unterhaltung zu 
würzen und bei gegebener Gelegenheit durch Toaste, welche sich 
stets durch eine feine Pointe und eine unerwartete geistreiche 
Wendung auszeichneten, die Hörer zu erfreuen. Er batte dn 
dankbares Gemüt, neidlos erkannte er die Verdienste anderer an 
und freute sich aufrichtig über jede wissenschaftliche Leistung. 
Nie versäumte er es, bei wichtigen Veranlassungen seinen Freun- 
den und Bekannten zu gratulieren. Die Wände seines Studier- 
zimmers waren bedeckt mit Photographien von Verwandten uud 
befreundeten Gelehrten, Karl Lachmann, Ludwig Wiese, Martin 




Die Märehen des Mnsäns, 

vornehmlicli nach Stoffen und Motiven. 



\J 



m. 

(Schlafs.) 



'Melechsala' giebt die Geschichte des Grafen von Gleichen, 
der, als Kreuzzügler von den Sarazenen gefangen^ lange Jahre 
im Kerker schmachten mufs^ ehe er durch die List seines ge- 
treuen Schildknappen zum Aufseher der sultanischen Gärten be- 
fördert wird. Als solcher gewinnt er die Liebe der Lieblings- 
tochter des Sultans^ Melechsala^ welche durch ein blumensymbo- 
lisches Milsverstandnis erst zu schamhaftem Erröten^ dann zum 
Geständnis ihrer Liebe veranlafst wird. Dies bringt nun wieder 
den Grafen in Verlegenheit. Er ist ja langst verheiratet, dazu 
ein Christ; was soll ihm die Sultanstochter, welche allerdings 
nicht ohne Eindruck auf ihn geblieben ist? Alle diese Scenen 
mit ihren Mifsverstandnissen, psychologischen Kreuz- und Quer- 
zQgen, nachdenklichen Überlegungen und Herzensqualen sind von 
erschütternder Komik; Musäus hat all seinen Humor und Laune 
aufgewendet, die Vorgänge in diesem Sinne auszugestalten. Jeden- 
falls bleibt dem Grafen nichts übrig, als mit der christlich ge- 
wordenen Melechsala zu entfliehen. In Rom erwirkt er mit 
Mühe einen Dispens, der dahin lautet, dafs er zwei Weiber 
nebeneinander ohne Schaden seiner und seiner Gattinnen Seele 
und Seligkeit haben dürfe. Die erste Gemahlin, ein verträgliches 
Weib und erfreut, den lange vermifsten Mann wiederzuhaben, 
nimmt nach einigem Zaudern Melechsala in das für drei Per- 
sonen hergerichtete eheliche Bett mit auf. 

Wir dürfen wohl annehmen, dafs Goethes 'Stella^ mit ihrer 
weichlichen Zerflossenheit und sentimentalen Unsittlichkeit nicht 
ohne Einflufs auf die Behandlungsart des Musäus gewesen ist. 



6 EKe MBrcheo des HdsSub. 

Dals Goethe den mittelalterlicheD Stoff ins Moderae übersetzte 
und, in der ersten Bearbeitung wenigstens, an eine glückliche 
Lösung in Gestalt einer Dreiehe denken konnte, erklärt sich 
durch seine konziliante Natur. Oder hätte er nur mit Swifts 
Vorbild in Gedanken gespielt und dessen Gefühle in virtuosem 
Nachfühlen wiederzugehen gesucht? So regten ihn ja auch 
Rousseau und das Geschick des jungen Jerusalem zum Werther 
an ; allein er hatte doch auch in Wahrheit Wertherstimmungen ! 
Immerhin war die ernsthafte Modernisierung des Stoffes «a 
Fehlgriff und tet von Geschmacklosigkeit, ethischer sowohl wie 
auch ästhetischer, nicht freizusprechen. Mittelalterlich-katholische, 
rein äufserlich geratene Ehegeechicbten in die moderne Innerlich- 
keit zu übersetzen, das Zusammensein dreier Leiber zum 
Ineinandersein dreier Seelen zu machen, ist unausführbar 
und widerlich; es müsglückt im liehen, wie Swifts Person, und 
in der Poesie, wie Goethes Stella beweist 

Musäus hat die mittelalterliche Staffage beibehalten und die 
äufeere Handlung im gro&eu und ganzen so belassen, wie er sie 
vorfand. Er hat dagegen den Personen moderne Empfinduugeu 
geliehen, mit so viel Witz und Laune, dul's man sein Urteil i 




Die Märchen des Musäus. 7 

wird. Musäus spielt öfter auf dieses fabelhafte Begebnis üb, 
hier aber erzählt er es in aller Treue und Ausführlichkeit^ denn 
es geht seinem im Gefängnis schmachtenden Grafen immer wieder 
als Erinnerung aus der Kinderstube durch den Kopf. Der Graf 
bedauert und betrauert, dafs die Zeit für so wunderbare Ge- 
schehnisse augenscheinlich vorüber — wodurch er zum rationa- 
listischen Skeptiker wird und für den Leser die Auflösung jeder 
märchenhaften Stimmung herbeiführt. 

Lachend über die Unglaublichkeiten christlicher Legende^ 
fromme Lügen mit feinem Spott verfolgend und durch lustige 
Konsequenzmacherei vernichtend, tritt uns Musäus auch in der 
anderen Episode entgegen, in der Legende von den Rosen der 
heiligen Elisabeth. Diese Fürstin vergifst nicht, wohlzuthun und 
mitzuteilen, da solche Opfer Gott Wohlgefallen. Den reichlichen 
Abhub der fürstlichen Tafel verwendet sie zur heimlichen Spei- 
sung der Armen, dennoch bemerkt von den höfischen Tellerleckem, 
welche dem Landgrafen die Gutthat seiner Gattin als Verschwen- 
dung ausixen und damit Eindruck machen. Als die liebe Hei- 
lige nun einstmals wieder vom fürstlichen Vorrat die Hungrigen 
speisen will, da tritt ihr plötzlich der gestrenge Herr Gemahl 
mit der barschen Frage entgegen, was sie denn da unter der 
Schürze berge. 'Rosen^, stottert Elisabeth hervor, für den guten 
Zweck eine Notlüge nicht scheuend. Allein der ungläubige Land- 
graf entfernt die deckende Schürze mit Gewalt imd erblickt — 
wirklich Kosen, zu seiner Beschämung und zur hohen Freude 
seiner erleichtert aufatmenden Gemahlin. Eine der wundervollen 
Blumen als Erinnerungszeichen am Hut befestigend, läfst der 
Landgraf seine Gattin ihren Weg fortsetzen, in dessen Verfolgung 
die duftenden Bösen wieder zu nährenden Würsten werden. Ob 
auch die Rose am Hute des Landgrafen diese Rückverwandlung 
durchgemacht habe, wird — nach Musäus — nicht berichtet. 

Wer diese Behandlung der Legende in ihrer Eigenart ver- 
stehen und würdigen will, der lese die Darstellung des gleichen 
Vorganges in Bechsteins Sagenschatz des Thüringer Landes nach, 
wo der naiv-gläubige Ton, der Volksüberlieferung entsprechend, 
festgehalten wird. Da findet sich nichts von Tellerleckem und 
Notlügen; da ist der Vorgang nicht so schlechthin - menschlich, 
so alltäglich-gewöhnlich erzählt, mit so eingehender psychologischer 



8 Die Märchen des MuafiuH. 

Motivierung rind ao lebhafter Vei-gegeowärtigung nach Malsgabe 
heute he rracli ender Gefüble, GcilaukeD und Stimmungen. Die 
Volkesage hängt an dem Wunder der Verwandluug, sie »taunt 
ob des Rosenwerdens der Kabrungsmittel ; alles drängt bei ihr 
auf das Wunder hin, und mit dem thatsächlichen Eintritt den 
Wunders ist alles vorüber. Dofs überhaupt Wunder geschehen, 
das ist das Wesentliche für die Legende; wenn eins geschiclit, 
sind auch mehrere möglich; jedes einzelne Wunder erfreut, weil 
es die allgemeine Annahme bestätigt. Allein Musäus glaubt an 
Wunder im allgemeinen nicht; jedes einzelne Wunder, als seiner 
allgemeinen Annahme widersprechend, wird aus der Welt ge- 
schafft. In unserem Falle durch Ziehen der Konsequenzen. 
Würste — so satirisiert und witzelt detailliereud Musäus — 
Würste werden zu Rosen, gut, ein Wunder. Rosen werden — 
hlols bei Musäus — wieder zu Würsten, gut, ein zweites, 
wiederh erstellendes Wunder. Aber Musäus hat den Landgrafen 
eine der Rosen an seinen Hut stecken lassen. Soll die nun auch 
zur Wurst werden? Musäus fragt, es zweifelnd, um zu zeigen, 
wie Wunder über Wunder nijtig sind, das eine AVuuder auf- 
recht zu erhalten. Die Legende kommt gar uiclit so weit; das 




Die Märchen des Musäns. 

Es darf nicht unerwähnt bleiben^ dafs Bechstein sich über 
die Behandlang; welche der heiligen Elisabeth bei Musaus wider- 
fahrt^ recht sehr erbost hat. Er verlangt mehr Respekt vor der 
Heiligen^ zumal sie gleichzeitig die Ahnherrin des Fürstenhauses 
gewesen, dem auch Musäus diente. Das sind nun Auffassungen ! 
Bechstein, der Stipendiat des Herzogs von Sachsen-Meiningen, 
hatte wohl mehr Veranlassung, sich vor der Ahnherrin seines 
Fürstenhauses respektvoll zu neigen. Hiervon jedoch abgesehen, 
ist es eine irreführende Bedeweise und sieht fast wie Verleum- 
dung aus, wenn von der Ejrankung fürstlicher Personen ge- 
sprochen und eine solche da vermutet wird, wo Musäus in Wahr- 
heit nur seine Freude daran hat, den blendenden Heiligenschein 
etwas erblinden zu lassen. Angesichts der Heiligkeit irgend 
einer Person fragt man gar nicht danach, ob sie ein einfaches 
Menschenkind oder eine Fürstin ist; sondern eben dieser An- 
spruch, heilig zu sein, rückt die betreffende Person stets, wenig- 
stens für Musaus und manche andere, in ein lächerliches Licht, 
weil 'Mensch' imd heilig' Begriffe sind, die nichts miteinander 
zu thun haben; wer sie aber dennoch zusammenbringt oder ihre 
Verbindung rechtfertigt, der thut es auf eigene Gefahr. Hier 
versündigt sich wahrhaftig doch immer nur der, welcher das 
Vorkommen heiliger Menschen behauptet, aber niemals der, wel- 
cher über solche gemachten Heiligen lacht; und es ist einfach 
genug, poetische Volksüberlieferungen, Dichtergröfsen und an- 
dere Helden für heilig und unantastbar zu erklären, um dann 
die anders Denkenden und Urteilenden mit leichter Mühe als 
Ketzer und Lästerer hinzustellen. Allein menschliche Meinung 
hat stets das Recht und nicht selten die Pflicht, gegen mensch- 
liche Meinung anzukämpfen! 

Rolands Knappen. Nach der Schlacht bei Ronceval 
verlaufen sich drei flüchtige Knappen Rolands im finsteren, un- 
wegsamen Walde. Endlich gelangen sie zur Höhle einer Hexe 
und werden gezwungen, einer nach dem anderen die Nacht bei 
ihr zu schlafen, wodurch sie sich verjüngt. Zum Dank erhalten 
die Gesellen ein Tüchlein (Tischlein deck^ dich), einen verrosteten 
Pfennig (Heckpfennig = Esel streck dich) und einen Däumling, 
der unsichtbar macht. Sie erproben die Kraft dieser Geschenke 
und beschlielsen, inmier beieinander zu bleiben. Als sie aber 



10 Die Märchen des MuaäuB. 

iD die Stadt kommen, wo die Königin Urraks mit ihrem Gatten 
Hof hält, da trennen sie sich, um einzeln ihr Glöck zu versuchen, 
jedoch mit dem g^nseitigen Versprechen, keiner den anderen 
zu verraten. 

Der Besitzer des Pfennigs thut sich zuerst hervor. Ek folgt 
ihm der Mann mit dem Tüchlein, welcher bald unersetzlich ist, 
da er dem königlichen Magen so wohlthuend schmeichelt In- 
dessen umschwärmt der dritte Kumpan unsichtbar und feenhaft 
die Königin und geniefst, körperhaft werdend, ihre Gunst. Er 
bringt den Obcrküchenmeister in Ungnade, indem er die zauber- 
haften Speisen spurlos verschwinden lälst Dieser aber verrät 
der Königin in seiner Bedrängnis die Wunderwirkungen des 
Tflchleios und wie seine beiden Genossen begabt seien. Es ist 
der Königin nicht schwer, den Heckpfennig und den Däumling 
in ihren Besitz zu bringen. Doch der beleidigte Gemahl läfst 
sie ins Kloster schaffen, so plötzlich, dafs sie die Kraft der Feen- 
gaben nicht mehr erproben und sie nicht einmal mit sich neh- 
men kann. Die nnscheinbaren Dinge wandern in den Kehricht. 
Die drei Gesellen aber, in der früheren Armut zusammentref- 
fend, ziehen als gute Kanieradeu weiter. Das Ganze könnte ein 




Die Märchen des Musäiu. 11 

Betrachtung der bedeutsamsten Motive^ wobei naturgemäls die 
Grimmsche und Perraultsche Sammlung sowie der Pentameron 
zunächst in Betracht kommen. DaTs ich, soweit möglich und 
zulassig, hier und da auch anderswoher Motive zur Vergleichung 
heranziehe, dals ich die Behandlungsart des Musäus nicht aufser 
acht lasse, ist bereits sichtbar geworden. 

Indem ich also die vergleichende Betrachtung in ihrer ganzen 
Wichtigkeit anerkennen zu müssen glaube, will ich hier eine Ver- 
gleichung der Motive der drei Rolandsknappen mit jenen der 
Grimmschen Märchen: ^^ischlein deck^ dich!' und 'Banzen, Hüt- 
lein und Hömlein' einrücken. Es liegt in unserem Stoffe keine 
unbedingte Berechtigung dazu, denn Musäus fand die Motive 
dieser beiden Märchen bereits verschmolzen vor, aber es ver- 
anlagt mich dazu die Bemerkung im dritten Bande der 'Einder- 
und Hausmärchen^ die drei Bolandsknappen hätten einige Ver- 
wandtschaft eben mit diesen Märchen. 

Der erste Teil der Bolandsknappen entspricht dem zweiten 
Teile des Tischlein deck' dich!' Die Abweichung liegt darin, 
daTs im Grimmschen Märchen die beiden älteren Brüder von dem 
diebischen Wirte um ihren Tisch und Esel geprellt werden und 
dafs der jüngere durch seinen Knüppel aus dem Sack das Ver- 
lorene wieder einbringt, während bei Musäus die beiden älteren 
Gesellen das unscheinbare Tellertuch und den verrosteten Pfennig 
w^werfen, der jüngere jedoch durch vielfache Versuche und 
liebevolles Eingehen auf das Wesen seines Däumlings plötzlich 
bemerkt, dafs er unsichtbar sei, und die Genossen durch diese 
Entdeckung veranlaTst, das Verschmähte zu suchen und in ver- 
ständigem Gebrauch zu erproben. 

Der zweite Teil des Märchens nähert sich in der Idee (von 
dieser nehmen wir hier allein Notiz) dem zweiten Teile des 
^Ranzen, Hütlein und Hörnlein', wo der glückliche Besitzer dieser 
Dinge Königs-Schwiegersohn wird, dann aber in einer schwachen 
Stunde von seiner Gattin zuerst um den Kanzen, welchen er 
durch die Macht des Hütleiu, dann um das Hütlein gebracht 
wird, welches er durch die Kraft des Hörnleins wiedergewinnt. 
Das Hömlein befreit ihn von seiner Königstocliter, welche die 
Ehe mit ihm als Mifsheirat angesehen und deshalb seiner ledig 
zu sein gewünscht hatte. 



Die HfirclieD des HosäuB. 



ni. 

Es bleiben uns nun noch jene Erzählui^n, welche in be- 
deutsamen Einzelheiten oder gar nur in einem besonders widi- 
tigen Zuge märcheobafte Bestandteile aufwfflsen. 

'Stumme Liebe' iat ein beredtes Zeugnis für die dichte- 
rische Kraft des Musäus. Es ist eine Novelle voll populSrer 
Haltung, humoristisch und auf jeder Seite Interesse weckend, 
Die Macht und das Wesen der Liebe wird sehr glücklich und 
drastisch zum Ausdruck gebracht, nicht ohne den Pfeffer sati- 
rischer Laune und Ironisierung, welcher dem unverliebten Leser 
die Erzählung von Liebesleid und -lust erst erträglich macht 
Man kann doch in gröfserer Gesellschaft, wie sie der Erzähler 
sich als Publikum denkt, von Liebesangelegenheiten nicht sprechen, 
ohne das eigenartige Gebaren und Treiben Liebender mit einem 
gemssen Humor zu behandeln; wenigstens wenn die Gesellschaft 
dahin gelangt ist, dafs sie die intimen Verhältnisse des Herzens 
als solche nicht zum Gegenstande der Darstellung und Erörterung 
zu machen vermag, ohne ihrem Zartempfinden Zwang anzuthun. 
Die Wiedei^be gewisser Gefühle ist nicht ohne weiteres und in 




Die Märchen des Musäus. 13 

Mutter dem reicheD Brauer^ dem ^opfenkÖDig'; einen Korb giebt, 
so ist das ein rein negatives Verhalten; ihre Wünsche zu äufsem; 
wagt sie nicht. Jede Gedankenr^ung und Gegenstrebuug Franzens 
aber, Meta zu gewinnen und das naütterliche Ideal des Freiers 
abzuändern, ist lediglich dazu angethan, eine verspätete Reue 
zu erwecken. Nur ein G^enmittel giebt es: Franz miils wieder 
reich werden. Darum zieht er nach Antwerpen, alte Aufsen- 
stände einzufordern. Doch die alten Schuldner seines Vaters 
finden heraus, dafs sie Gläubiger seien, und lassen ihn in den 
Sdiuldtnrm werfen. Verzweifelt tritt er den Rückweg an. Ein 
Schalk von Wirt überredet ihn, in einem spukhaften Schlosse 
zu übernachten. Das dort hausende Gespenst ist der frühere 
Schloisbarbier, welcher bei Lebzeiten auf Geheifs des übermütigen 
Herrn jedermann an Sann und Haupt glatt rasierte und, durch 
einen in gleicher Weise übelbehandelten frommen Vater ver- 
flucht, nun nach dem Tode so lange als Spuk sein früheres 
Wesen treiben mufs, bis ihm jemand denselben Dienst erweist. 
Franz wird dieser Erloser und zum Danke dafür angewiesen, 
einen Schatz zu heben. Aber nicht unmittelbar; sondern auf 
einen bestimmten Tag nach der Weserbrücke hinbefohlen, trifll 
er hier, als er sich nach langem Warten schon geäfft glaubt, erst 
ganz spät am Abend mit einem Invaliden zusammen, dem er 
auf Befragen erzählt, dafs ihn ein eigentümlich lebhafter Traum 
veranlafst habe, herzukommen und den ganzen Tag zu warten, 
leider vergeblich. Der Invalide ergeht sich nun in lehrreichen 
Betrachtungen darüber, dafs auch die lebhaftesten Träume keine 
Gewähr der Wahrheit in sich trügen. Nachdem er das ein- 
mal am eigenen Leibe erfahren, gebe er fürderhin nichts mehr 
auf Träume, wenn sie auch den gröfsten Anschein eines wirk- 
lichen Vorganges hätten. Neulich erst hätte er im Traum die 
deutliche Beschreibung eines Weges erhalten, welcher zu einer 
Stelle führte, wo ein grofeer Schatz vergraben liegen sollte. Diese 
in aller Breite gegebene Beschreibung des Invaliden erinnert 
Franz blitzartig an den väterlichen Garten und eine ganz be- 
stimmte Stelle darin. Er läfst sich jedoch nichts merken, sondern 
geht hin, gräbt nach dem Schatze und ist so glücklich, ihn zu 
finden; er nimmt ihn an sich, denn er erkennt in ihm Kleinodien 
und Gelder, die sein Vater für schlechte Zeiten der Erde :in- 



\i , Die Märchen des Musäus. 

vertraut Latte, olme dem Soha und Erben bei seinem plötzlichen 
Hinscheiden eine Unterweisuug geben zu köunen. Nun durch 
Erfahrungen gewitzigt und durcli die Liebe angespornt, nutzt er 
das Kapital aufs beste und ist infolge glücklicher Handelsunter- 
nehmungen und Geschäftsverbindungen bald reicher als je zuvor. 
Jetzt erst erscheint er als Werber bei Meta, welche schon zu 
dem Glauben gekommen war, der reiche Franz wolle nichts 
von ihr wissen. Dafs der Invalide gut fährt und iu eine mär- 
chenhaft glückliche Lage gelangt, ist bei dem tüchtigen Charakter 
Franzens und seinem Gefühl für Dankbarkeit selbstverständhch. 

Zwei sagenhaft« Züge, das rasierende Gespenst und der 
schätzetrüumende Invalide, sowie ilir gespensterhaftes, dem In- 
validen uubewLifetes Zusammenwirken würden eines Quellen- 
michweises bedürfen; denn die Haupterzählung ist vou einer der- 
artigen Einfachheit und Schlichthdt, dafs sie recht wohl den Er- 
findungen des Musäus zugerechnet werden kann. 

Das rasierende Gespenst biilst fortgesetzte Frevelthaten durch 
fortdauernd gestörte Grabesruhe; die immer wiederholte Schand- 
that ist recht eigeniutig, und die Erlösung vollzieht sich in wahr- 




Die Märchen des Musäus. 15 

ganzer Inhalt wäre in der Vorstellung 'rasierendes Gespenst' er- 
schöpft gewesen^ und des Musäus ganzes Bestreben wäre dahin 
gegangen, diese Vorstellung alle Stadien des Lächerlichen durch- 
laufen zu lassen. Dafs er dieses Ziel hatte, glaube ich gewifs; 
dals er in den Mitteln, dieses Ziel zu erreichen, auch nur irgend- 
wie eine Bekanntschaft mit dem Simplizissimus durchblicken 
lie&e, kann ich nicht sagen. 

Nodi weniger vermag ich Andrae beizustimmen, wenn er 
meint^ die Figur des Ritters Bronkhorst, bei welchem Franz auf 
seiner Reise nach Antwerpen Herberge findet, sei durch einen 
bestimmten Satz Grimmeishausens veranlafst worden. WeQ dieser 
Sat£ des ferneren ganz in der Nähe der Erzählung von den 
rasierenden Gespenstern steht, soll er sogar den klaren Beweis 
dafür abgeben, dais, wie nach ihm der Prugelritter, so nach den 
vier rasierenden Gespenstern das rasierende Gespenst des Mu- 
säus concipiert sei! 

Ritter Bronkhorst ist eine sehr drastische, äufserst kernige 
Figur, bei welcher ein wenig zu verweilen wohl verlohnt. Er ist 
ein abgesagter Feind aller Konvention; alles gesellschaftliche 
Vomehmthun imd alle gezierte Höflichkeit ist ihm in den Tod 
zuwider. Deshalb hat er die Gewohnheit angenommen, alle, die 
ihm in dieser Art entgegentreten, mit einer gehörigen Tracht 
Prägel aus seinem in guter Weise gastlichen Hause hinauszujagen. 
Franz, der diese, wie er glaubt, auch ihm sicheren Prügel wenig- 
stens verdienen will, benimmt sich mit grofser Ungeniertheit und 
'edelster Dreistigkeit^, was dem Ritter durchaus gefällt, weil er 
darin wahre, echte deutsche Herzlichkeit und Offenheit zu er- 
kennen glaubt. Franz wird nicht geprügelt, sondern sehr ehren- 
voll entlassen, worüber er sich wundert und vom Ritter aufgeklärt 
wird. Der Ritter ist eine vollkommene Lustspielfigur, Franz in 
seiner äufseren Keckheit und inneren Mutlosigkeit von komischer 
Wirkung; die ganze Episode ist psychologisch fein und wahr 
durchgeführt: sie rückt die Verschlagenheit Franzens ins beste 
Licht. 

Der Satz, welcher nach Andraes Meinung den Ritter Bronk- 
horst in der Phantasie des Musäus erzeugt hat, erzählt, wie 
Simplizissimus einen Mann durchkarbatscht, der ihm in weifser 
Verkleidimg Gespensterfurcht einflöfsen will. Wir denken dabei 



16 Die Mfirchea des Miufiiu. 

viel mehr an jenen Küster, der sich als Gespenst ausstaffiert«, 
um den in Furcht zu setzen, welcher auszog, das Gruseln zu 
lernen; der Küster aber wurde die Treppe hinuntergeworfen. 
Diese Erinnerung führt uns weiter. Das spukhafte Schlois des 
Muaäua hat nämlich recht viel von jenem, welches bei Grimm 
in dem 'Märchen von einem, der auszog das Fürchten zu lernen', 
und bei Bechstein in dem 'beherzten Flötenspieler* geschildert 
wird. Während aber die Helden dieser Volksmärchen die volle 
Wahrheit erfahren und auf ihr eigenes Verlangen und unter Ver- 
warDungen ins Schlofs geleitet werden, wird Franz bei Musäus 
Imlb getäuscht und halb gezwungen. Während der beherzte 
Flötenspieler von dem seines Geizes wegen zum Umgänge ver- 
dammten lind nun erlösten Schlofsherrn ohne weiteres einen gro- 
Tsen Schatz erhält, wird Franz auf die Weserbrücke bestellt, um 
daselbst das Nähere zu erfahren. Der Flötenspieler teilt den 
Schatz des Verdammten in zwei gleiche Teile, was dieser bei 
Lebzeiten hätte thun sollen, um einen davon den Armen zu 
geben, was er aber nicht gethan hat und der Flötenspieler jetat 
zu seiner Erlösung thun mufs, um dafür die andere, recht be- 
trät^btliühe Halfto zu bckonimeu. Franz dagegen erlöst das 




Die Märchen des Musäus. 17 

sdmftigen Wirte in ganz ausgiebiger Weise, indem es diesen in 
Angst und Geld zahlen läfst, sondern es ist von einer geradezu 
splendiden Dankbarkeit^ indem es sich durch einen grofsen Schatz 
levanchiert. Wie nun dieser Schatz gehoben wird und unter 
welchen Umständlichkeiten, das ist dem Musäus ganz eigentüm- 
G(k Das Ineinanderklappen der Thatsachen dabei ist sehr ko- 
misch und scheint der reinen Willkür des Dichters verdankt zu 
werden. Das Gespenst weils von einem Manne, der von einem 
Sdiatze weifs; Franz wird angewiesen, diese sehr im Unbestimmten 
gelassene Person auf der Weserbrücke zu erwarten. Der Invalide 
träamt von einem Schatze, den er zu heben sich nicht einfallen 
läist; Franz erdichtet einen Traum, um ihm sein Warten zu er- 
klären. Der Invalide erzählt dann, zum Beweise, dafs er auch 
an die lebhaftesten Träume nicht glaube, seinen Schatz-Traum, 
wobei Franz in der genauen Detailschilderung seines Vaters 
Garten erkennt. So wird bei Musäus ein Schatz erworben; man 
bon nicht sagen, dafs es einfach ist, und ich würde mich gar 
nicht wundem, wenn jemand g^enüber der billigen Art, bei 
chronischem Geldmangel einfach Schätze erträumen und die er- 
träumten dann auch finden zu lassen, in den gehäuften Zufällig- 
keiten des Musäus eine gewisse Ironie erblicken würde. 

Musäus glaubte weder an Teufel, Hexen, Kobolde, Ge- 
i^penster und gute Geister noch an geheime und doch sich offen- 
barende Wunderwirkungen der Natur. Er heuchelte auch nicht 
einen derartigen Glauben, imi dadurch etwa Einheitlichkeit der 
Stimmung und Geschlossenheit des Eindrucks zu erzielen, wie 
man das nennt. Es wäre ihm zuwider und gegen die Natiu* ge- 
wesen. Er schrieb für reife Menschen, worunter er sich I^ute 
vorstellte, welche selbst nachts um zwölf das Gruseln, allen Be- 
mühungen zum Trotz, nicht lernen würden. Dennoch — wenn 
man den Musäus tadeln will, so sagt man, er hätte nicht in der 
Stimmung verharren können, er sei nicht genug Künstler ge- 
wesen. Allein ich meine, wer das rasierende Gespenst so wie 
Mnsäus einführt, der versteht sich auf das Schaurige; und wenn 
er dabei nicht verharrt, so Hegt das in der lächerlichen Vorstel- 
i lung eines rasierenden Gespenstes, welches, je schauerlicher ein- 
geführt, um so komischer wirken mufs. Es ist aber billig, dafs 
<ter Dichter den Lesern in hellem Auflachen vorangehe; vom 

ArchiT f. n. SprMken. CIX. 2 



18 Die Märchen des Musäus. 

'Stimniungfesth alten' Icodd gar keine Rede seiD, und wer ein 
Lacheu verwehren will, wo es am Platze ist, der verdiente frei- 
lieh in lächerlichster Weise angelogen zu werden. Über alle 
Kunät und Stimmung geht die einfache Wahrheit der Natur und 
das richtige Gefühl für Scherz und Ernst. 

'Der geraubte Schleier' ist eine Doppelerzählnng, 
welche die ganz verschiedenartigen Geschicke zweier Generationen 
behandelt, und zwar so, dals das jüngere Geschlecht aus deu 
bösen Erfahnmgen des ältei-en eine Lehre zieht, wodurch eheliche 
Verbindung und eheliches Glück endschliefslich erreicht werden. 
Es ist dem durchaus entsprechend, wenn das unselige Schicksal 
der älteren Generation als Erzählung in der Erzälilung gegeben 
wird, indem einer der Beteiligten es einem aus dem jüngeren 
Geschlecht znr warnenden Nachachtung enthüllt. 

Dieser unglückliche Liebhaber ist der JBtxlge alte Einsiedler, 
ehemalige jung-ritterliche Benno, welcher, als Kreuzfahrer dunJi 
einen Sturm verschlagen, an einem Fürsteuhofe auf einer der 
Cykladen wirtliche Aufnahme findet. Er verliebt sich in die 
schone Fürstin Zoe, wird von ilir «ied ergeliebt und miifs den 




Die Märchen des Musäus. 19 

flfen und zur Stütze seines kraftlosen Alters an. Ihm auch 
hlt er kurz vor seinem Tode von dem Mifsgeschick^ welches 
betroffen. Friedbert legt nach Bennos Bestattung einen ge- 
ibringenden Handel mit den Nachlafsstücken des als heilig 
ihrten Einsiedeis an und harrt nach einträglichem Verkauf 
Reliquien am Weiher: er will nicht blofs mit viel Geld nach 
ise zurückkehren^ er will auch gleich eine Frau mitbringen. 
1 richtig! Drei Schwäne erscheinen. Friedberti bedachtsam 
listig, nimmt einen der Schleier und b^ebt sich in seine 
ose. Scheinbar eifrigem Beten hing^eben, sieht er bald eine 
^ne Jungfrau, Zoe die jüngere, vor sich, verschüchtert und 
flehenden Blicken; sie hat nach ihrem Schleier gesucht, bis 
sinkenden Nacht, jetzt sucht sie Unterkunft, welche Fried- 
gern gewährt, ohne sich auch nm* das mindeste merken zu 
sn. Was soll das arme Kind nun besseres thun, als sich in den 
{bereiten, rüstigen Schwaben verlieben? Stolz zieht er mit ihr 
ler Heimatstadt ein. Allein er macht seine Mutter zur Ver- 
ten. Diese nun erwähnt einmal, bei Friedberts Abwesenheit, 
in Zoe zufällig des Schleiers, giebt ihn ihr arglos, und Zoe — 
t auf und davon. Aber Friedbert liebt sie wirklich und 
t ihr nach. Er führt sich am Hofe der älteren Zoe als einen 
rben, ehrenfesten Ritter ein, erfährt, dafs die jüngere Zoe 
Liebe und Sehnsucht nach ihm in ein Kloster gegangen sei, 
innt die Zuneigung der Mutter Zoe, weil er einen von Benno 
vermachten, einst ihr gehörigen Ring besitzt, und endlich, 
I im Austausch für diesen Ring, Zoe die Tochter. 
Andrae hat die Chronik von Zwickau nachgelesen, wo der 
le dieser Stadt ab Schwanfeld erklärt und von einer ge- 
en Schwanhildis Ähnliches erzählt wird wie hier bei Musäus, 
her diese Überlieferungen kannte. Musäus hat dann den 
r zur antiken Ledasage in Beziehung gesetzt, wodurch er 
griechische Fürstinnen geriet Friedbert, der zu dem schein- 
Q Eremiten gelangt, vergleicht sich einigermafsen mit dem 
en Simplex, der gleichfalls ein dankbarer Schüler seines Ein- 
jIb wird. Ritter Benno wird durch seine Eröffnungen der 
iT von Friedberts Glück; der Einsiedel im Simplizissimus 
ü sich später als Simplex^ Vater dar, eine Beziehung, von der 
Musäus nichts zu finden ist 



»>• 



20 Die Märchen dee MusäuH. 

'Der Schatzgräber' ist eme sehr hübsche Erzählung, 
welche durchaus realistisch Jammer, Eleud, Leiden und Freuden 
einer in sich entzweiten Familie vorführt und die umgebenden 
Verhältnisse einer Kleinstadt liebenswürdig und treu Bchildert. 

Peter Bloch, ein heruutei^ekommener, von einem bösen 
Weibe geplagter und von einer guten, schönen Tochter aufrecht 
erhaltener Mann, hört in der Schenke, wie man mit Hilfe der 
Springwurzel tmermefsliche Schätze heben könne. Diese in seinen 
Besitz zu bringen, ist sein Verlangen, besondere um seiner lieben 
Tochter willen. Er zieht aus und hebt den Schatz. Allein er 
weiTs nicht, wie er davon in seiner Vaterstadt ohne viel Lärm 
und Aufliebens Genufs haben könnte; und hier hilft ihm nun 
ein junger Mensch aus, welcher in seine Tochter verliebt ist, 
aber die Mittel nicht hat, um sie in ein beht^Hches Heim za 
führen. Dieser erscheint als Freiwerber bei der zänkischen Mutter 
Ilse, und die Tochter Lucine wird dem reichlich Ausgestatteten 
gern gegeben. Kurz vor dem Hochzeitstage des jungen Paares 
trifft dann auch Peter Bloch wieder ein, scheinbar so arm wie 
er ausgezogen; nur er selbst und die jungen Eheleute wissen 




Die Märchen des Musäus. 21 

ihn reich. Peter Bloch will reich werden um seiner Tochter 
wOlen; die zauberhafte Kraft der Springwurzel macht ihn dazu. 
Auch sind Meta und Lucine von der gleichen Güte, Schönheit 
und bescheidenen Liebenswürdigkeit, so da(s man die eifrigen 
Bemühungen Franzens und Peter Blochs recht wohl begreift; 
beide sind von der gleichen Anmut und kemhaften Tüchtigkeit, 
von der gleichen Sittsamkeit und echten Keuschheit, man hat 
das Gefühl und die feste Überzeugung, ihre feurigen Liebhaber 
werden niemab kalte und betrogene Ehemänner darstellen; beide 
sind von wahrer Weiblichkeit ohne jedes sentimentale und zim- 
periiche Wesen. Sie haben eine ähnliche körperliche und geistige 
Anlage; aber sie sind nicht dieselben, keine poetischen Zwillinge 
oder Schwestern, sondern die vielleicht ziemlich ähnliche Anlage 
ist durch ganz verschiedene Verhältnisse und Umstände ganz 
anders gestaltet worden: Meta, heranwachsend unter der Hut 
einer sorgsamen Mutter, hat etwas Weicheres und Zarteres, wäh- 
rend Lucine in der Entzweiung von Vater und Mutter grofs 
wird, also schwerer geprüft und rauher gebettet; sie hat natur- 
gemäTs etwas Frischeres und zeigt im Kampfe der Eltern eine 
wahrhaft rührende Anhänglichkeit an den armen Vater, ohne 
doch im geringsten die Grenzen kindlicher Pietät zu überschreiten 
und der zänkischen, rechthaberischen Mutter etwa schonungslos 
gegenüberzutreten. Sollte ich zwischen beiden wählen, so würde 
ich Lucine den Vorzug geben, denn sie ist ein lebensvollerer 
Charakter oder wirkt wenigstens lebendiger als Meta. Sehr schön 
wird femer die reizvolle Anmut Metas geschildert, da ja durch 
sie der reiche Hopfenkönig veranlafst wird, das arme Kind ohne 
alle weiteren Umstände zur Gattin nehmen zu wollen. Ganz 
vortrefflich wird die holdselige Schönheit Lucinens charakterisiert, 
da ja durch sie ein kunstverständiger Maler so entzückt ist, dafs 
er sie in einem Venusbilde wiedergeben will. 

Die Fügung der Fabel hat aber auch eine ganz unverkenn- 
bare Ähnlichkeit mit dem 'geraubten Schleier^, insofern beidemal, 
dort wie hier, die wohlgenutzten Erfahrungen älterer Personen 
für die Geschicke jüngerer eine glückliche Wendung heraufführen. 
Friedbert und Peter Bloch erringen, was andere vor ihnen, sei 
es in verfehlendem Mifsgeschick, sei es aus mangelnder Kennt- 
nis oder Entschlossenheit, nicht erringen konnten: dieser die 



22 Die Märchen des MnBäaa. 

Schätze erachliefsende Springwiirael, jener deu Schwangestalt 
gebenden Sehleier. Ahnlicli wird dem Helden in der 'Stummen 
Liebe', Franz, das zu teil, was der überkluge Invalide uicht ein- 
mal zu erlangen versucht. 

Die Sagen von der Springwurzel und von wuiiderbareo 
Schleiern waren und sind weit verbreitet; Musaus lernt« eic 
kennen und verwertete sie in seiner Weise. Seine etwaige u 
Quellen aufsuchen zu wollen, wäre wohl vergeblich und nutzlos, 
da der Kern der ziemlieh gleichmalsig überUeferten Sagen von 
ihm nicht augetastet ist und die wichtigsten Züge beibehalten sind 

'Liebestreue' sollte eigentlich Liebesuntreue heifsen; denn 
die Erzählung zeigt, wie eine junge Witwe trotz der bindendsten 
Sch\vüre Treue nicht hält, sondern bricht. Das Ganze ist von 
feinster psychologischer Analyse getragen und mit geistreichem 
Raisonnement aufs glücklichste durchsetzt. Grisebach hat durch- 
aus gegenteilig — man darf wohl sagen abgeurteilt; er spricht 
voD Musäus als dem 'weimarischen Scbullehrer', der die lierrlicb- 
stcD Volksmärchen Stoffe verunstaltete'. Der Herr Konsul soll 
gütigst verzeihen, dals Musäua nur weimarisclier Gymnasialpro- 
fessor gewesen ist, daPs er blofs Theologie, uicht Juristerei stu- 




»- 



IC 



Die Märchen des Musäus. 28 

lieh preisen, dals er den 'neuen Tannhäuser' nicht gedichtet hat 
So ist er doch — selbst nach dem härtesten Urteile — nur ein 
behäbiger, manchmal etwas alberner Spiefsbürger gewesen. Hätte 
er aber den 'neuen Tannhäuser' geschrieben, so müfste man sagen, 
daTs er blasierten Herzens und ein unreifer Weltschmerzler ge- 
wesen sei. Dann hätte er sich an der deutschen Jugend ver- 
gangen. So hat er weiter nichts als 'Märchenstoffe verunstaltet', 
auch nach Grisebach. 

Tiiebestreue' ist eine kurze, knapp erzahlte Novelle von 
psychologischer und künstlerischer Folgerichtigkeit, nur zuletzt 
ins Märchenhafte auslaufend und darum unter den Volksmärchen 
berechtigt 

Ein taubenhaft zärtliches Liebespaar mag sich nicht denken, 
dals die Welt weiter gehen könne, wenn eines von ihnen mit 
dem anderen nicht körperlich oder wenigstens in treuem innigem 
Gedenken verbunden wäre. Besonders der Gattin will nichts 
Derartiges in das zugleich eifersuchtige Köpfchen; sie fürchtet 
im Falle ihres Todes eine ihr Gedächtnis verdrängende Neben- 
buhlerin und Nachfolgerin, weshalb sie ihren Gemahl veranlafst, 
einen für beide Teile verbindlichen Schwur ewiger, todüberdauem- 
da* Treue zu leisten. Darauf zieht der Gatte in den Krieg. Er 
fäOt im Kampfe, und bald erhebt sich über seiner Asche das 
steinerne Denkmal einer felsenfesten Treue und eines unentwegten 
Erinnems. Aber zarte Weiber haben keinen Stein an Stelle des 
Herzens; und wenn die trauergebeugte Witwe auch im täglichen 
Besuche des Grabmals den tiefsten Schmerz täglich von neuem 
mit aller Gewalt fühlt und den Eid täglich in herzlicher Be- 
kräftigung erneuert, — der Schmerz tobt aus, je rasender, desto 
eher, die Erinnerung auch an den besten, geliebtesten Gatten 
verblaGst, tot ist tot, und der sehnsüchtige Blick der blühenden 
Witwe wendet sich bald verschämt und ansteigend immer ver- 
langender nach dem treuen, frischen Knappen hinüber, der so 
sympathetisch, durch Trauergefühle für einen dritten, mit der 
verehrten Herrin verbunden erscheint und gewifs im Liebes- 
verhältnis von einem zum anderen, von Auge zu Auge, noch 
ganz andere, innigere Neigungen bethätigen würde, wenn der 
G^enstand seiner Gefühlserregung in holder, weicher Wirklich- 
keit und berückender Nähe vorhanden wäre. Der Page ist klug 



84 Die Märchen dea MusSub. 

genug, diese Ermderimg seiner Gefühle zu bemerken, und kühn 
genug, imi seine Herrin zu werben. Unter sürsem Erröten 
und halbem Eingeständnis ^veist sie ihn zunnchst ab. Wäli- 
rend nun der Page in der Fremde zum Ritter wird, lälst eich 
die Gräfin über die NichtVerbindlichkeit ihres Gelübdes von 
zustäudiger Seite aufklären. Von ihr gern gesehen, durch eigenes 
Verlangen getrieben, taucht der junge Ritter meder auf. Die 
Hochzeit wird festgesetzt; die mannigfachen Vorbereitungen dazu 
nehmen die glückliche Witwe so in Anspruch, daTs sie nicht 
mehr zu dem kupplerischen Grabmal kommt: auch ist dieses 
ja, gemäls den Wandlungen eines blutwallenden l<Vauenherzens, 
aus einem Stein der Erinnerung ein Stein des Austol'ses ge- 
worden. Nur einmal, als sie am Arme des Geliebten im moud- 
beschieneueu Lustgarten wandelt und rein zufällig an dem sonst 
gemiedenen Standbilde vorübergeht, sieht sie die steinerne Figur 
zu Wärme und Leben erwachen und mit dem Finger drohen. 
Andere Vorübei^eliende haben ähnliche Gesichte, und es ver- 
breitet sich das Gerücht, am Grabmonument des Grafen sei es 
nicht geheuer. Allein in dem Glück des neuen Liebeslebens, im 
Taumel der Vergnügungen und im Eifer der Hochzeitazurn stmigen 




Die Märchen des Mus&iu. 25 

der Trauer führt ganz UDgezwungen zur antiken Überlieferung 
hin ; es ist unserem modernen Empfinden entsprechender gestaltet 
Die Ephesische Dame läfst sich nämlich am Sarge des eben bei- 
gesetzten Gatten von dem galgenbewachenden Soldaten einen 
Trost zusprechen, der durch Befriedigung des sinnlichen Kitzels 
die Trauer des Herzens schweigen macht, und sie steht nicht an, 
ihren toten Mann nicht blofs geistig, sondern auch körperlich 
dranzugehen, indem sie seinen Leichnam hingiebt zum Ersatz für 
jenen, welcher vom Galgen gestohlen worden, während der Wächter 
das Amt des Trösters versah. Die antike Erzählung läfst dieses 
Weih ganz ungestraft ausgehen. Nun ist sie für sich selbst im 
Sinne der fj:^ählung allerdings schon genug bestraft, da ihr 
rasender Schmerz, ihr nicht zu stillendes Sehnen und ihre selbst- 
mörderischen Anwandlungen ohne weiteres in tosende Lust, be- 
friedigte Wollust und neue Keime pflanzende Lebensbejahung 
übergehen, womit ihr erstes Gebaren sich als ein gemachtes er- 
weist und als eine gewisse schauspielerische Bethätigung, welche 
das traurige Ereignis und die ungewohnte Lage zu fordern schie- 
nen. Allein ihr Verhalten g^en den toten Gatten forderte wohl 
eine Sonderbestrafung, wie sie die Jutta des Musäus erfährt; 
wenn eine solche nicht erfolgt, so liegt das ganz einfach darin 
l)egründet, dafs es nur darauf ankam, typisch an einem recht 
krassen Beispiel die Selbstbelügung und Verstellung des Weibes 
schlechthin nebst der natürlichen Geilheit ins Licht zu rucken: 
ganz boccacciohaft! 

Musäus überschrieb sein Märchen 'Liebestreue oder das 
Märchen ä la Malbrouk^. Diese Überschrift erklärt uns das Auf- 
treten des Pagen; denn sie zielt auf das Volkslied hin, in wel- 
chem der Page Marlboroughs der Herrin den Tod des Gatten 
berichtet. So geschieht es auch bei Musäus, und dieser beküm- 
merte Page in Trauerkleidung wird dann — das Volkslied weifs 
davon nichts — der stete Begleiter zum Grabmal und endlich 
b^lückter Liebhaber. 

Der Schlufs bietet die Motive des nickenden Gouverneurs 
und des steinernen Grastes aus der Don Juan -Sage. Don Juan 
gelangt zufällig zum Grabmouimient des von • ihm erstochenen 
Gouverneurs ; die Seele des Gemordeten vermerkt diese Anwesen- 
heit des Mörders recht übel und versucht, ihn wegzuschrecken. 



36 Die MärcheD des Musäus. 

Don Jiiiiri aber läfst id toller Laune {las Standbild zu Gaste 
laden, und dieses verfehlt nicht zu kommea. Dagegen meidet 
Jutta den Begrab nieplatz ihres ersten Gatten, und es geschieht 
in zuf billiger Unachtsamkeit, da(s sie einmal dahin gelangt; sie 
ist auch frauenhaft und schreckhaft genug, um vor dem drohenden 
Steinbild entsetzt zu fliehen. Don Juan ruft das Gespenst in 
frevlem Cberreiut herbei; Jutta durcli ihre Treulosigkeit. Don 
Juan verspottet den Geist des Mannes, welchen er gemordet hat; 
Jutta verletzt nur die Treue, welche sie dem Ijebenden zuge- 
scliworen hat. Don Juan wird durch die Stimme des entseelten 
Komturs gewarnt und zum Einhalten ermahnt; aber er geht zu 
neuen Frechheiten weiter. Ebenso wird Jutta durch die drohende 
Gebärde zur Umkehr aufgefordert; aber sie bleibt bei ihrem ver- 
brecherischen Vorsatz. Jutta soll keine Frevelthat, Don Juan 
soll keine ueuen Prevelthaten buchen. 

Da der Don Juan uns einmal in das Bereich der Opem- 
litteratur geführt hat, möchte ich nicht versäumen, die Verspot- 
tung bemerkbar zu machen, welche Mus aus dem Texte einer 
anderen Oper bat angedeihen lassen. Man kennt die thränen- 




Die Märchen des Musäus. 27 

elterUche Haus in Gestalt und Kleidung einer dort spukhaft um- 
gehenden Nonne zu verlassen. Sie findet jedoch ihren Ritter^ 
den ^schonen Fritz^^ zur festgesetzten Stunde nicht am fest- 
gesetzten Orte und kehrt wieder nach Haus zurück. Die Sache 
klart räch so auf: der ^schöne Fritz' war wohl zur richtigen Zleit 
an der vereinbarten Stelle gewesen, eine Frauengestalt war ge- 
kommen und hatte neben ihm im Wagen Platz genommen, worauf 
die Pferde, wie vom bösen Geist getrieben, dahinrasten, um end- 
lich sich selbst, Gefährt und Insassen in einen Abgrund zu 
Sturzen. Aus langer Ohnmacht erwachend, vermifste der 'schöne 
Fritz* seine Geliebte, erhielt aber dafür um jede Mittemachts- 
stunde den Besuch eines Gespenstes, einer Nonne, derselben, 
welche alle sieben Jahre das elterliche Haus seiner Verlobten 
durch ihr Umgehen beunruhigte und in deren Aufputz eben die 
junge Braut hatte entfliehen wollen. Ein Teufelsbanner befreit 
ihn von diesen Liebesbestürmungen des Skelettes; und als der 
'schöne Fritz* nach drei Jahren das Haus der schönen Emilie wie- 
der besucht, ist es ihm leicht, alle Verdächtigungen seiner Treue 
durch die Erzählung seines Abenteuers sieghaft zu zerstreuen. 

Naturlich hält es nicht schwer, sogleich an Bürgers Lenore 
zu denken und Musäus als durch Bürger beeinflulst anzusehen. 
Aber diese leichte Erinnerung bringt auch recht wenig ein. Man 
behauptet, Musäus habe, durch Bürger belehrt, das Gespenst in 
ein schauriges Liebchen verwandelt. Das scheint mir recht weit 
liergeholt und beruht auf leerer Vergleichung eines einzelnen 
Zuges, den man herausgreift. Allein es liegt auch eine Unge- 
rechtigkeit darin, wie sie der niemals begehen würde, der sich 
entschliefst, ein Ganzes immer als Ganzes zu betrachten und das 
Einzelne stets im Hinblick auf das Ganze in Vergleichung zu 
setzen. Die Sage von der schlüsselrasselnden Nonne oder der 
Aberglaube an eine dann und wann umgehende weifse Frau sind 
weit verbreitet; es ist auch bekannt genug, wie Schiller seinen 
Don Carlos hiervon Gebrauch machen läfst. Ganz ähnlich ist 
der fkitschlufs der Liebenden bei Musäus; nur tritt bei ihm die 
spukhafte Nonne thatsächlich ins Spiel, eine Wendung, die so 
wohl im Zusammenhange des Ganzen begründet ist und so vor- 
trefflich zu der Art des Musäus pafst, dafs gar kein Grund vor- 
Kegtj Bürgers Lenore herbeizuziehen; eine Wendung, die den 



2« Die Märchen des Mugfiu». 

Vorwitz der Liehenden in liart« Strafe ninitiit, Ha Eniilie eich 
über ihr Vertrauen äi^ert und au der Treue des Geliebten irre 
wird, während dieser durch die Liebes Verfolgungen des Skelettes 
nicht wenig leidet. Dafe die nächtliche Fahrt sich einige rmafeen 
dem Geapensterritt der 'Lenore' vergleichen läfst, ist bei der 
Ähnlichkeit der Situationen Belbatveratändlich ; wo aber die Schü- 
dernng zu ähnlich ist, als dafs sie sich blofs durch die Gleich- 
artigkeit der Geschehnisse erklären liefae, da bin ich geneigb 
ein komisches Spiel anzunehmen mit dem, was durch Bürgers 
Lenore gäng imd gäbe geworden war. Es ist ja doch alles 
Humor und Laune, hier wie sonst; und das Gespenst pafst dem 
Musäus deshalb so gut, weil es ihm Gelegenheit giebt, sieh 
an den Qualen der Liebenden zu weiden. Ein harmloses Ver- 
gnügen, da er und seine Leser wissen, dais endlich doch noch 
alles gut wird! 

Schlufs. 

Immer wieder ist es Liebe und Ehe, was dem Musäus St«ff 
zu seinen Erzähl iingcn gichl, Wer das Glück hat, führt die Braut 
heim. Friedbert im 'geraubten Schleier' hat dieses Glück; auch 




Die Märchen dee Mnaäus. 29 

Primislav in der Tdbussa^^ beide durch die besondere Huld uud 
Zuneigung der Nymphen aus den Reihen der Sterblichen empor- 
gehoben, beide schlechthin aus dem Haufen erkoren. 

Die feurigsten Liebhaber sind ohne Zweifel der Graf in der 
'Nymphe des Brunnens^ und der junge Jäger, der Anbeter Lu- 
cinens im 'Schatzgräber^; der Graf wird fiebrig-krank vor Sehn- 
sucht nach der schönen Unbekannten, d. i. Mathilde, der junge 
Jäger quittiert den Dienst und läuft davon, um das Original des 
Bildes zu suchen, das alle seine Sinne in Aufruhr gebracht hat. 
Dies Original ist Lucine; ihrer Gegenliebe sicher, aber alle Mittel 
entbehrend, irrt er melancholisch und lebensmüde umher, bis ihn 
Peter Bloch trifft. 

Wir finden musterhafte Ehen, so die erste Udos. Auch 
Crokus lebt in dauernder Harmonie mit seiner Nymphe, was 
vielleicht darin b^ründet ist, dafs sie sich stets nur von Abend 
bis Morgen sehen. Treffliche Kontraste geben die beiden Ehen 
Wackermanns in der 'Nymphe des Brunnens^ ab: die erste mit 
einer sanften, tugendhaften, eingezogen lebenden Hausfrau, die 
zweite mit einem jungen, raschen Weibe, welches in Lustbarkeiten 
und rauschenden Festen alles verthut Wackermann steht mit 
beiden gut; die eine redet ihm nicht drein, weil sie milde ist 
und sich auf ihre Hausfrauensphäre beschrankt, die andere des- 
halb, weil sie verschwenderisch ist und ihm schmeicheln mufs. 
Peter Bloch dagegen scheitert fast an der Ehe mit einem bösen, 
zankischen Weibe; denn indem er, auch durch eigene Schuld 
stufenweis sinkend, von der Gnade dieses Weibes leben mufs 
und ihrem ewigen Schelten ausgesetzt ist, verliert er beinahe 
jedes Ehigefühl und jedes vernünftige Streben; nur das Glück 
seiner Tochter liegt ihm noch am Herzen und spornt ihn an. 

Zwei fürstliche E^en sind nicht von den besten: Zoe im 
'geraubten Schleier' hat durch eigenes Verschulden von der Eifer- 
sucht ihres Gatten zu leiden; Urraca in den 'Rolandsknappen' 
\pir ist ein ausgesprochener Metzencharakter, und ihr Gemahl 
rangiert viel mehr unter den Verfressenen als unter den Ehe- 
herren, er bestraft seine Gattin schlieislich nicht, weil sie eine 
schamlose Dirne ist, sondern weil er sie daran schuld glaubt, 
dafs ihm ein überaus leckeres Gericht vor den Augen ver- 
schwunden ist. 



so Die Märchen Ate MuhSus. 

Gatte lind LiGbliabcr im Konflikt zeigt uns die 'Melechsala'. 
Der Graf hat ein geliebtes Weib daheim, aber der Zauber der 
schönen Sultans tochter bestrickt sein Herz trotz seines Wider- 
strebenSj und ihre Beharrlichkeit besiegt endlich jeden Wider- 
stand, so dafs die Dreiehe zu stände kommt. Diesell« Erzählung 
lehrt, wie die Noblesse auch in der Ehe obligiert; denn des 
Grafen Weib hält die Treue, während das Weib des gräflichen 
Knappen so lange nicht warten mag und ihren wiederkehrenden 
Gatten zum Hause hinausjagt, da sie bereits anderweitig ver- 
sehen ist. 

In 'Liebcatrene' äugelt eine junge Witwe nach einem jüngeren 
Knaben aus; der Jüngling seinerseits ist entzückt von dem Lieb- 
reiz des reifen Weibes. Leider hat Jutta sich in der ersten Ehe 
BO gehabt, dafs eine zweite Eheschliefsnng den Bruch eines hei- 
ligen Versprechens bedeuten wurde. Auch Richilde möchte ihre 
alternden Reize gern noch beizeiten dem blühenden jnugschönen 
Herzig in ehelicher Verbindung preisgeben. Allein es gelingt 
ihr nicht, der Stieftochter den Freier wegzuschnappen ; sie mufs 
die Strafe dafür erleiden, dafs sie den Gatten von der Gattin 
trennte und drei Personen elend und unglücklich machte, die 




Die Märchen des Masaus. 81 

zeichnen sie die Ldbussa aus^ welche auch ein eigenartiges Ele- 
ment des poetischen Stiles, Parabeln und Gleichnisse, in reicher 
Menge und in kunstvoller Gestaltung darbietet Anderes ist noch 
wichtiger und verdient noch mehr bemerkt zu werden, weil es 
dem lesenden Auge nicht, bemerkbar wird, sondern nur dem 
sdiarf hinhörenden Ohre. Es handelt sich um die Jamben, in 
wdchen das rasierende Gespenst grofsenteils spricht und welche 
ganz vortrefflich die lächerliche Feierlichkeit des Vorganges ver- 
anschaulichen. Übrigens wird auch das erste Auftreten des Ge- 
spenstes, seine ersten Handlungen, durch hastig jagende Jamben 
schauerlicher vorstellbar gemacht. Ebenso sind Metas eifersuch- 
tige Gedanken gleichfalls in der 'Stummen LiebeO recht glück- 
lich in Prosa- und Jamben-Mischmasch wiedergegeben. 

Musaus erzählt und rasonniert; diesem Grundsatze, alles 
mo^chst in eigener Person vorzutragen, ist es angepafst, wenn 
das Zwi^esprach auf das Mindestmafs beschrankt ist und nur 
dort b^^;net, wo entscheidende Wendungen der Handlung durch 
Rede und Gegenrede herbeigeführt werden, wo die Schärfe der 
Gegensätze am besten durch scharf gefafste Worte der Gegen- 
spieler zum Ausdruck kommt, wo das Aussprechen der Personen 
ihren Charakter ausspricht. Nur darf man nicht glauben, dafs 
Mnsäos versucht hätte, den Charakter des Sprechenden in der 
Wahl der Worte imd einer besonderen Fügung der Sätze zum 
Ausdruck zu bringen. Derartige sprachliche Differenzierungen 
lagen ihm fem ; seine Personen reden, wie er selbst geredet haben 
würde, wenn er an ihrer Stelle gewesen wäre, von ihren Gefühlen 
liesedt und ihre Ziele im Auge. Musäus war ein Kede- und 
Schreibkünstler, er pflegte die Kunst der Periodisierung, er strebte 
einen äufserst geglätteten und fliefsenden Stil an; seine Volks- 
märchen geben von Anfang bis zu Ende Zeugnis davon. An- 
dererseits ist er wieder von naturgetreuer Einfachheit der Ge- 
danken und Ausdrucksformen. Die Reden in der Libussa z. B. 
zeigen bei natürlicher Einfalt eine gewählte, sinnreiche und 
schwungvolle Beredsamkeit. 

Dafs Musäus auf mannigfache Vorgänge und Personen des 
Altertums anspielt, dafs er recht oft Modeströmungen und Zeit- 
genossen mit gelegentlichem Spotte trifft, ist bei seiner Kenntnis 
der Antike und des Hebraismus, sowie neuerer Zustände gar 



SU Die Mirchoi dee MubSus. 

nicht auffällig, wenn man die satiriBohe GruocIstimmuDg s^nei 
Volksmärchen nicht verkennt, wenn man immer gegenwärtig be- 
hält, wie ihm die witzelnde, geistreich räsonnierende Behandlmig 
des Stoffes die Hauptsache ist. Ja, das erstere ist mit an Be- 
weis für das letztere. Denn wer so gewandt und bereitwillig bei 
jedem Vorgang und jedem Charakter, welche im Rahmen dei 
Handlung liegen, aber an andere ähnliche Voigänge und Charak- 
tere erinnern, ebendieeen Kahmen verläfst, um mit einer gewissen 
aus Kenntnisreichtum erwachsenden Geringsdiätzung zu bemerken 
daTs das alles schon recht alt und gar nicht neu sei, — der er 
füllt ganz gewifs nicht das Ideal Spielhagenscber Romantecbnih 
und Erzählerkunst, indem er durch sachliche und sacfagemäTsf 
Behandlung den reinen Eindruck der Begebenheiten und zu- 
gehörigen Reden vermittelt, der ist kein schlichter Erzähler alter 
Stiles, wie sie, treuherzig und lebhaft interessiert, in ihrer Dar 
8t«Iluug zugleich den Eindruck auf das eigene Gemüt schilderr 
und mit ihrem Helden sich freuen und trauern, der steht nichl 
neben oder hinter dem Stoif wie Spielhagen, der lebt nichl 
in den Voi^ängen wie der Mann der alten Manier, sondern ei 
thront über der Handlung, weiten Blickes Umschau haltend, wo 




Die Lieder der Es. Sloane 2593. 



Die Hs. Sloane 2593 gehört der Mitte des 15. Jahrhunderts 
ao tmd ist ein kleines Büchlein in 12^ mit 36 Papierblättem. 
Die Sdirift ist klein, aber äufserst sorgfältig und niedlich, und 
bst kein Streifen der kleinen Seiten ist unbeschrieben geblieben. 
Auf die sonderbare Art der Schreibung hat schon Wright in 
seinen Songs and Carols aufmerksam gemacht Folgendes schei- 
nen die auffallendsten Absonderlichkeiten zu sein: seh für sh 
am Anfang eines Wortes (schyld), ch für sh am Ende (fleych), 
das Pronomen she ist durch che wiederg^eben, für das sh im 
Zdtwort shall steht x (xall, xul, xuld); qu oder qw für wh (qwil, 
qnan); s für c am Anfang des Wortes (soth, serteyn); z steht oft 
da, wo man es nicht erwartet (z. B. in hazt = hath); die Meta- 
Üiese des h kommt auch vor (z. B. ryth, 5 : 7, owth, rowth, bowth, 
44 : 3, 4, 5). Wright giebt den Palatallaut in myzt, lyzt etc. 
durch j wieder; es ist aber ein z, denn es ist genau derselbe 
I Bodistabe, der in dem zweimal vorkommenden ezyl (Essig) und 
in dezyryt (71 : 3) für den s-Laut verwendet wird. Christum 
Bt dnrch /pü (71 erste Linie), Jesus durch Üic, Jesu bald durch 
ftu, bald durch ffiü) wiedergegeben (im folgenden Te^jt findet 
oian Jesus und Jesu jeweilen ohne nähere Angabe aufgelöst). 

Das vorliegende Büchlein ist eine Sammlung von meistens 
geistlichen Liedern des 15. Jahrhunderts, die einst ziemlich ver- 
bietet gewesen sein müssen; Nr. 40 findet sich in noch zwei an- 
deren Handschriften, in Harley 541, fol. 214 a und in Wrights 
Privathandschrift (über die letztere s. weiter unten), die noch 
weitere sechs von unseren Liedern (Nr. 13, 23, 39, 46, 49, 73) 
enthält — Ein paar unserer Gedichte stehen unter dem Zeichen 

ArrhiT f. n. Sprachen. CIX. 3 



34 Die Lieder der Hb. Sloane 2593. 

der Keim such Uli g. Gottes Zorn bat die Menschen getroff ea. 
'Achtet auf die Zeichen der Zeit,' so tont es durch das 42. IJed 
(42 ; 65 fF. : Diuea sondes he hazt vs sent, here and also in oJ)ere 
place), und Nr, 53 erinnert au die drei teuern Jahre (1314^1317) 
und an die 'pe.stelens tweye* (53 ; 12). Unter der ersten Pestilenz 
dürfte das grofse Sterben vom Jahre 1348 zu verstehen sein 
{das, wie es auch im Liede heifst, kein Land verschonte; 53 ; 12, 
In euery cuntre nien gunne deye, deji left ueyper for lowe ne 
heye); die zweite Pestilenz liefse sicli mit der großsen Hungers- 
not und Pest, die sich über die Jahre 1439 und 1440 erstreckte, 
zusammenbringen, ein Ereignis, das dem Sänger noch frisch in 
der Erinnerung liegen konnte. Dies scheint auch einigermaisen 
der Fall zu sein; denn unmittelbar darauf kommt der Erzähler 
auf die ihn am meisten beschäftige nden Lokalheimsuchungen zu 
sprechen, die sich erst kurz vorher müssen zugetragen haben. 
In jenen bangen Zeiten ist es begreiflich, dafs Lieder ernsteren 
Charaktere, die aus jener angst- und sorgenvollen Stämmung 
heraustönten, die alle Stände, vor allem aber die Landleute und 
Bürger bedrückte, dem allgemeinen Bedürfnis am ehesten ent- 
sprachen. Memento niori (Nr, 16), alles ist eitel (Nr. 17), alles 




Die Lieder der Hs. Sloane 2593. 35 

feinen EhemaDo (Nr. 3). Selbst die tragischsten Gegenstande, 
wie der Kindermord zu Bethlehem (Nr. 40), wo die Kindlein 
wa, wa!, die Mütter ba, ba! schreien und Herodes a, ha! ruft, 
und die Passion Christi, in der die Juden einen Spiefs in das 
Herz des Erlösers stolsen und spöttisch dazu rufen: liaue |)u 
I)atP (70 : 17), entbehren einer humorähnlichen Anschauungsweise 
nicht. Granz verblüffend ist auch die Art der Steigerung, in der 
der Sanger die Leiden Christi oder besser die Bosheiten der 
Juden einander folgen lälst: die Domenkrone, die Kreuzigung 
mit den drei Nägeln, die Lanzenwunde, aber weitaus das ärgste, 
sagt er, Essig und Galle gaben sie dem Dürstenden zu trinken 
(44 : 27 — 30). Der G^enstand ist trotz der sichtlich frommen 
Gesinnung des Autors auf bänkelsängerische Weise behandelt, 
die Kontraste sind übertrieben, scharf: Mitleid und Liebe ohne 
Malsen für den Heiland und namenloser, erbitterter Hafs gegen 
die Juden, die falschen Verräter, die Höllenhunde (44: 25). Dabei 
sind die historischen Irrtümer bemerkenswert Der Stich ins 
Herz und der dargereichte Essig werden als die obersten Sprossen 
auf der Leiter der Leiden betrachtet, die Christus von den Juden 
widerfahren, während in der Bibel erst nach eingetretenem Tode, 
nadi überwundenem Leiden eine Lanze von einem römischen 
Kriegsknecht in die Lende der Leiche gestofsen wird und wiederum 
ein roher Kri^sknecht in einem schwachen Gefühl der Rührung 
einen Schwamm voll Essig an die Lippen des lechzenden und 
rufenden Gekreuzigten hält — Von der Hölle wird öfters recht 
kurz, aber anschaulich gesprochen; es brennt natürlich, und die 
Sander werden nicht nur vom Feuer gequält, sondern auch an 
den Galgen gehängt (12: 21); des Himmels geschieht nur einmal 
Elrwäbnnng, es ist ein Ort, wo es lustig zugeht (7: 12). 

Die wahren Perlen der Sammlung sind die Marien- und 
Weihnachtslieder. Nr. 13 erinnert durch ihren Anfang an das 
alte deutsche Kirchenlied: Uns ist ein^ Ros entsprungen Aus 
einer Wurzel zart In allen diesen Gesängen sind in schlichter 
Schönheit die ewig hochpoetischen Momente der Welhna(^hts- 
geschichte hervorgehoben: der Stern, der den Weisen auf den 
Weg leuchtet, die Hirten, die auf dem Felde schlafen, die Könige, 
die in der schlichten Hütte das Kindlein anbeten, Maria, die 
den kleinen Jesus wiegt und dabei singt. Am liebsten weilt der 

3* 



S6 Die Lieder der Ha. Sloane 2593. 

Sänger bei der Schilderung der Mutter Gottes. Sie ist für ilm 
nicht nur mild und retu, sondern vor allen Dingen schön und 
herrlich anzuschauen, die Vollendung der k5q)erlicLen weiblichen 
Schönheit, die 'saelde' (vgl. in 51: 15 ff.: lady, so louely, eo 
goodly to se, so buxsum in ])i body to be). 

Die behandelten Gegenstände bew^en sich zumeist in der 
gleichen Sphäre, in der religiösen, aber die Äbstufimgen sind 
mannigfaltig, ivie die folgende Zusammenstellung der Hauptmotive 
zeigt : 

1) Rein geistliche Lieder: a) Marienlieder: Verherr- 
lichung von Maria und Jesus, in 19 und 25; Maria wiegt ihr 
Kind und singt, 39 und 70; Die vier Buchstaben M, Ä, R, I, A, 49; 
Die Schönheit der Maria, 51; Maria Empfängnis, 52 und 65; 
Die fünf Freuden der Maria, 21 ; Maria unter dem Kreuz, 4.6, — 
b) Weiknachtslieihr : Einfache Besiugung der Thateuche, 24, 38, 
57, 58, 59, Öl, 69, 73, 74, 75; Uns ist ein' Ros entsprungen, 13; 
Die Prophezeiungen auf die Geburt, 5; Die Krippe und die dr« 
Könige, 6: Die drei Könige, 35; Ausführliche Geschichte der An- 
fjetung der drei Könige, 33 und 48; Die drei Könige und der 
Mord zu Bethlehem, 40; Der Mord zu Bethlehem, 71; Die Weih- 




Die Lieder der Hs. Sloane 259S. 87 

die mittelhochdeutsche Poesie, wo der volkstümliche Sinn für 
eine anschauliche Darstellung der Tugenden und Laster und der 
abstrakten Begriffe überhaupt sich uns durch die Anwendung 
konkreter Redeweisen so kräftig offenbart, erinnern mehrere 
Lieder unserer Sammlung, z. B. Nr. 10: Arglist und Gold treffen 
sich (gyle & gold to gedir are met); Begierde sitzt daneben, 
und Arglist wirft ihr Netz aus; Recht und Vernunft haben 
sich von hinnen gewendet; Arglist aber ist überall gern ge- 
sehen und zieht einher mit grofsem Gefolge (vgl auch 
20, 31 und 63). — Die Vergleiche sind selten, unselbständig und 
nidit ausgeführt, altbekannt, aber doch zutreffend und schön: So 
hell wie Gold in Glas schien der Stern in jener Nacht (35 : 8, ähn- 
lidi 65: 13); so still wie der Tau auf das Gras fällt, kam Christus 
in seine Mutter (25); wie die Lilienblume wird mein Fleisch ver- 
dorren (16 : 9). Daneben kommen auch die kurzen, in ein paar 
Worte verdichteten Vergleiche vor: weifs wie die Lilie, schwanen- 
weils (41) etc. Unter den musikalischen Mitteln ist die Variation 
mdireremal mit prächtigem Effekt angewendet; 25: he cam also 
stjrlle I>er his moder was, as dew in aprylle I>at fallyt on |)e 
gra$. he cam also stylle to his moderes bowr as dew in aprille 
[>at fallyt on |)e flour. he cam also stylle I>er his moder lay, 
as dew in aprille I)at fallyt on |)e spray; vgl. auch 16:10 u. 11. 
— Nicht nur die Schönheiten, auch die Laster der Volksdichtung 
sind unseren Sängern bekannt. Abgenützte Füllsel müssen in 
die Gedankenlücken treten (with outen lesyng 5:19; with outyn 
mys 41:37; with outyn nay 7:22; with oute skom 34:19; \vith 
oute stryf 34:15; in good fay 21:14; |)us rede we 51:21; Jus 
fynd we 35 : 4; 51 : 24; as I knewe 41 : 7; as |)u myzt here 41 : 15). 
Ganze Verse müssen oft derartige Füllsel beherbergen (as Clerkes 
redyn in her sequens 35:24; fer|)ere more as I zu teile 5:27; 
it was a ful fayr syte to se 40:16; a fayrer syte had I none 
sene 41 : 3). Die Kunst, während einer ganzen Strophe ^nichts^ 
zu sagen, hat sich der Sänger in 41 : 37 geleistet. 

Ich habe es mir nicht versagen können, eine kleine Zu- 
sammenstellung der formelhaften Elemente jener so überaus kräf- 
tigen volkstümlichen Dichtersprache zu machen, die durch Allitte- 
ratioD, durch Paarung sinnverwandter Ausdrücke, durch gegen- 
sdt^ Verstärkung, der verschiedenen Wortarten dem Klang 



av Die Licdir tict Hb. Sloone 2593. 

uiiü SiuD der Rede eine Gigeutümliche Färbung zu verleüien 
wuliste. Ich lialte mich in der EiiiteÜung au die von mir in 
meiner Dissertation (Die formelhaften Elemente in den alten eng- 
lischen Balladen, Basier Diss. 1900) befolgte Anordnung und 
möchte mir gestatten, auf die auffallende Übereiustiminiing der 
nun folgenden Zusammenstelhing mit meineu frühereu Formelu- 
verzeichnisaen aufmerksam zu machen, ein Umstand, der aufs 
neue beweist, wie ausgiebig unsere Sänger aus dem reichen Born 
der Volkspoesie geschöpft haben müssen. 

Ä. Coofdfnierung der Begriffe {Paarung sinnver- 
wandter Ausdrücke). ") Mit Allitteration : 1) Sithstantiv : /ace 
and /bte 19; 5; /'rynd and /b 10:4; 54:2 (now /rend now /bo 
72 : 1); yyh and ;/old 10 : 1; pow be Ayng and were coroun 12 : 4; 
moder and maydyn 25: 9; an ox and an as 23: 12; 33: 17; ^ump 
aud ^ridc 12 : 20; ney|)er in /jurpyl ne in /jalle 42 : 46; ryzt and 
reson 10:10; se and sond 17:7; «peclie ne spylle 4:7; (cur 
und (oun 12:3; in wel in wo 72; 14 (wel or wo 42 ; 55), — 
2) Adjekth: /ayr and /re 17:22; /'als and Myl 22:16; masyd 
and jfiade 4'J:4; melits and my\A 24:3; 70: 10; semiily aud sote 
34:3; for flo]ie [aud] scrte)ni 4:18; a(ifi' and »frong 12:11; 




Die Ueder der Hs. Sloane 2593. 39 

4 : 19; be it of old, be it of zyng 14 : 12; Pride is out and pride 
is inne 20 : 3.] 

B. Subordi/nierung der Begriffe: a) Sabstanti?: 
I. Substantiv 4~ Adjektiv: a) mit Ailitteration : iedlem 
iiyzt 13 : 16; Mysseful ierthe 21 : 12; ftiyte iody 49 : 9; my owyn 
dere rferiyng 70 : 2; drydful c^oniis day 7:2; ^ardyn ^rene 41 : 1; 
Aarde Aappys 42:2; Zeue Zordynges 4:11; Tnayde wyld 5:36; 
wiery «lan 65 : 1; wylde wiary 51 : 21; mekyl melody 70 : 7; mekyl 
merthe 70:8; wiuche wyzt 19:4; ryche aray 21:17; 33:20 
«orwenis «ad 42:2; turtle frewe 41:4; ß) ohne Ailitteration 
angel bryzt 70:9; fendes blake 16: 16; gabriel so bryzt 65:6 
god almyzt 5 : 31 ; swet Jesus 23 : 8; rych kyng 33 : 33, 37, 41 
lady bryzt 19:3; lord so fre 60:23; a fayr maydyn 70:3 
mayden bryzt 65 : 3, 10; moder dere 70 : 11; moder clene 21 : 20 
a louely rose 13 : 1 ; fayr sjrte 40 : 17; ffalse tretowres 41 : 17; wyn 
ful der 71 : 15; woman ful bryzt of hewe 41 : 5. — IL Sub- 
stantiv -f" Substantiv: 1) Apposition: a) mit Ailitteration: 
t>at mayde Ynary 6:2; 35:4; mary moder mayde myld 5:36; 
maiy moder meke and myld 24: 3; ß) ohne Ailitteration: bedlem 
[Mit fayr cete 40:76; he ... fmt blysful chyld 5:35; herowdes 
[>at mody kyng 40 : 20. 2) Qenitivverhältnis : a) mit Ailitte- 
ration: Äabe of ilys 65:18; godea ffmce 3:1; 34:11; wary of 
myzt 65:4; ß) ohne Ailitteration: child of pryse 35:13; fader 
of myzt 65:23; god of myzt 65: 1; kyng of myte 40:27. — 
in. Substantiv -}" ständige Begleitsätze: a) mit Ailitte- 
ration : a mayden |)at is makeles 25 : 1 ; ß) ohne Ailitteration : 
1) Verwendung der copula to be: his blöd fat was so red 48 : 
6,22; sehe I)at is bofe meke and myld 70:10; |)re shepperdes 
[mt wem ful hynde 41 : 19; schorges |)at wem bo|)e schaq>e and 
long 49:10; fe wyn |)at was so der 43:20; 2) Verwendung 
selbständiger Verben: (Die Attribute Gottes) cryst |)at deyid vp 
on pe rod 14:5; good |)at sit aboue |)e sky 49: 15; Jesu cryst 
[mt sit on heye 34:24; godie sone I)at sytit on hey 6:4; god 
[Mit alle mytes may 4:1; |)at eche lord is |)at |)at made alle 
t>inge 70:5; god |)at made se and send 17:7; he |)at made al 
mankynd 70:19; hym ... |)at hazt made al inankynde 5:40. — 
[Mit Ailitteration : gres |)at r/rowit on ground 64 : 3.) — b) Verb : 
L Verb -[" Adverb, mit Ailitteration: Äangyd Äye 12:21; 



40 Die IJeder der Hb. BloBne 2593. 

with sory sygliyng 72:3; (rewely trost 72:7. H Verb -f 
Substantiv: 1) Friiposifimiales Verhältnis: «) mit Anaomi- 
nation: bowndyn in a band 28:1; knel we oo our Icne 51:27; 
/i) mit Allitteration : with frewe (ongue he ioW |)e tale 41 :46; 
greB {tat gromt on on i/roand 64:3; y) ohne ÄUitteration : che 
wept water with her ey 49 : 13. 2) Substantiv + Verb als Siil- 
jfkt und Prädikat: u) mit Annomlnation : pe frost hym frt-s 
33:14; ß) mit ÄUitteration; the ^^me ,900 23:10; god ^raant 
19:21; grea {lat i/rowit on ^i-ound (54:3; 7} ohne ÄUitteration: 
{)er sprong a weU, a strem, a Jjorn 33 : 1, 5, 10. 3) Verb -\- Stib- 
atantiv ah Verb und Objekt: «) mit Aunomiuation : zetiyn vs 
zyßea 18:17; mytes may 4:1; offerid her offeryng 35:26; 
s^tcs |)at pey had se 40 : 56, ähnlich 41 : 3; sondes hazt sent 
42:65; told ^e tale 41:47; (i) mit AJIitteration : counsel I non 
can 42 : 39; get hym gre 10 : 3; zyfe grace 14 ; 6; /edyn my tyie 
3 : 18, 22, ähnlich 17 :'l2; 53 : 31 ; awendes »neek 12 : 2, 6, 10, 14, 
18,22; fiuTs ^ikyd 22:13; f^ew^e (eile 15:2; y) ohne ÄUitte- 
ration: ledyn ... t)e way 35:10; made solas 35:20. — c) Ad- 
jektiv (Adverb): I. Adjektiv -f Adverb: Vorliebe für füll: 
fwW /ayiu 72:22; fiill bare 16:3; fiill good 59:3. II. Adjek- 




Die Lieder der He. Sloane 2593. 41 

6) In Child's English and Scotch populär ballads : Nr. 36, 45. 

7) Im Archiv Bd CVII, Heft 1/2 : Nr. 6, 40, 70, 72. 

Die Lieder 13, 23, 39, 40, 46, 49, 73 sind auch nieder- 
geschrieben in einer Privathandschrift Wrights, die herausgegeben 
ist in Wright^s Songs and carols now first printed from a manu- 
script of the 15^*^ Century (Percy Society, XXIII), London 1847. 

Wright scheint nichts von Sandys' oben erwähnter Veröflfent- 
lichung gewulst zu haben; denn 1841 gab er drei schon von 
Sandys 1833 gedruckte Lieder wieder. 

Im folgenden ist Wrights Buch vom Jahre 1836 kurz mit 
Wright's Songs and carols bezeichnet; das Werk von 1847 er- 
hält den Zusatz P. S. XXm. 



I. 
2 a {>u wost wol lytyl ho is {>i foo. 

man, loke pu haue J>i8 gys: 
(quat) Bum eu^ pu xalt doo, 
of pi speche pe evil avysi 
Jm wost wol lytil ho is {>« foo. 

man rewle pi tungue in swych a gys c 
pat non mys speche come pe froo, 
for pan pu dost as pe wysi 
pu wost wol lytil ho is pi foo. 

Ivil speche I rede pu spys, 
lok to him pu seyst pi wil too, 
qwhepcr pu stonde walke or ryde! 12 

pw wost wol lytil ho is pi foo. 

pe bryd eeyde on his devys 
pu mytyst teile sum man p» woo; 
he wol it ever dublyd prys. 
pu wost wol lytil ho is pi foo. 

If pu wyt beryn a wey pc prys, 1*^ 

lestene pis song and synge per too 

of p» speche pe evil a vys 

pu wost wol lytil ho is piw foo. 

II. 

Now beping pe gentil man how ad am. 

Abgedruckt in Wright's Songs and Carols Nr. I. 



Die Lieder der H». Sloane 2593. 

III. 

1 alle maydeiiis for gud« groce 
norchepe ze seynt nicobä! 
In Wright'a Songs and Carola Nr. II. 



god |>at alle inyUa may, 
helpe vs at our end'mg daye! 

|tis Word, lordingge«, I vnderslonde 
may be lyknyd W aii husbonde 
[tat taket a ferine in to bis honde, 
tu zelde per of aerteyn pay. 

spende we a^])er speclie ne spylle, 
neylwi' for good ne for ille! 
we xuln zeuyu acounte« grylle 
beforn our lord on domye daye. 

leuG lordyngeJi, be war of {lie, 
for oftyn tyrae we don a mye. 
\i€r ia nora of vs Iwyg 

but pat we trcBpasyii euery day. 



word, lordyngea, ia biU a fayre: 




Die Lieder der Hs. S5loauc 2503. 43 

help VB mary, for |>an is nede, 
help to excusyn our misdede 36 

[a]8 {m art monewere at our nede, 
help vs |>an and sey not nayl 

V. 

4 a flos, de jesse virgula, 
laus Hin sit et glortal 

adam our fader was in blis 
and for an appil of lytil prys 
he loste "pe blysse of parädys: 

pro sua superbia. 6 

And alle |>at euer of hym cam, 
f)6 ryth weye to helle nam, 
bo^ ysaac and abraham, 
teste profecia. 

|)an |>ese proietes prechyd aforn 
|)at a chyld xuld be born 12 

to beye ^t adam hadde forlom 
sua morte propn'a. 

moyses ferst in his lawe told 

a chyld per xuld be born so bold 

to beye a zyn pat adam sold, 

sua nocte pessima. 18 

IstLSLC yrith outen lesyng 
profeciid in his prcchyng 
of jesse rote a üour xule spryng 
De virgine purica. 

Jeromy pat was so zyng, 
profecyid of his comyng 24 

pat is ver lord and kyng, 
omni patris gracia. 

fferpere more as I zu teile 

pSLU profecyid danyelle, 

of hys comyng he gan spelle 

gentibti^ in iudea. 3o 

Quan tyme cam of god almyzt 
pai wolde brynge mankynde to ryzt, 
In a maydyn he g&7i lyzt 
Que vocatwr raaria. 



Die Lieder der Hb. Sfoane 2598. 

Now is he bom, |>at blysful chyld, 
of mary moder mayde myld. 
fro |)e fynd he va scliyld 
qui creauit omnia. 

Pray we to hym wttA al our mynde 
{}at hazt mad al maMkynde, 
He brynge va alle to goode ende 
lu die DouiBBima. 



VI. 

Eya, Jesus hodie 
natus est de virgine: 
BleaBed he |)at mayde mary! 

InSandvfl, ChriHtmasCarolsS-i;; Wright, Specimens (P. 8. IV, Nr. f 
Archiv Bd. CVII, Heft 1/3, 8. 4S. 



VII. 



Gay, gay, gay, gay, 

{link on drydful domis day! 



Euery day [)m myzt lere 




Die Lieder der Hb. Sloane 2593. 45 

vni. 

wommen be boJ>e good andr trewe 
wytnesse of marje. 

In Wri^t's Songs and Carols Nr. III. Stark verändert auch in 
Hb. Harley 7358 (vgl. Wright a. a. O.). 

IX. 

5 b Jesu Jesu Jesu Jesu 

saf vs alle f>orwe {>i vertu. 

In Wright'e Spedmens (P. 8. IV, Nr. 8) ß. 6. 

X. 

Now go gyle gyle gyle. 
In Archiv Bd. CVII, Heft 1/2, 8. 49. 

XI. 

6 a Sjng we alle and sej we J)us 

Quan I haue in mj piu^ I now. 

In Wright'g Songs and Carols Nr. IV. 

XII. 

Synful man for godis sake 

I rede ]fai {m amen[des] map^e] ! 

|)ow Jm be kyng of towr and town, 

[>ow |>u be kyng and were coroun, 

I sette ryzt not be ^ renown, 

but if {m wylt amendy[8] make. • 

6 b ^i hast her is oper menys 

and so it xal ben quan ^ art hens, 
pi sowie xal a beye |)i synnys, 
but if {m wit a mendes make. 

|)ow fm be bope stef and strong 

and many a man {m hast do wrong, 12 

wellawey xal be |)i song, 

but if {>u wit a mendes make. 

man bewar, p« weye is sieder; 

J>tt xal slyde, |m wost not qweder; 

body and sowie xul go to geder, 

but if {m wit a mendes make. is 



46 Die Lieder der Ue. Sloane 2593. 

man ber not })i hei) to heye 

In puoipe and pride and velonye; 

In helle |iu xalt ben hangyd bye, 

but if Jm will amendes niak& 
DicMS Lied findet aich such in der zu Wrigbta Privatbesitz gcIiüreDdeii 
Handschrift, deren Inhalt er 1847 für die Fercy Society (vol. 2S) ver- 
öffentlichte; Song» and Cnrols ... from & Mb. ot the IS"' eentury, S- 44, 
In Wright» FaBBunjj fehlt jedoch die zweite Strophe ((vit hast her etc.); 
ferner nahen Strophe 4 und 5 die Reihenfolge vertaiiHcht (man be war, 
])« weye is flleder ist also in Wrights Hb. die letzte Strophe). 

XIII. I 

Of a rose, a louely rose, 

of a roae is al myn Bong. 

In Wrijrht'r, Songs and Carola Nr. V. Mit Ahweichnngen nueh in Wrigbta 

Privathandachrift (Percy Society vol. 2:(, 8. 21). 

XIV. 
7 a Man be war, be war, be war 
an4 kep pe pat pu baue no car. 
In WrighC and Balliwell's Reliquiae antiquae II, S. 165. 

XV. 
God be wit/i trewe f»e qwer he be 

In Wright and Hiilliwoirs Reliquiae antitjuae II, S. I(i5. 




Die Lieder der Hs. Sloane 2593. 47 

XVII. 

Gay» gay to be gay, 
I holde it but a vanite. 

zyng men {>at bem hem so gay, 

|)ey |)iDk not on domys day 

quan |>ey xul stonde in powre aray 

and for here dede« damnyd be. 6 

6od {Mit made se and sond, 
wtt^ blody woundys he xal stond: 
'come ze alle on my ryzt hond, 
ze chyldem {>at han seniyd me.' 

To wykkyd men Jesu xal say: 

*ze han led zowr lyf bo|)e nyzt and day, 12 

zour sowl in to a wykkyd way. 

out of myn syte wynd ze! 

Quan I was nakyd, ze me not clad; 
quan I was hungry, ze me not fad; 
quan I was in prison and harde be stad, 
ze wold not vysite me. 18 

|>«r fore myn chylderyn xuln han I wye 
|)at ilke joye, 'pat ilke blys 
|)at arte, hazt ben and alwey is 
befom myn angel[65] fayr and fre.' 

XVIII. 

Bewar, sqwyer, zeman and page, 
for seruyse is non erytage! 

8 b If |)M serue a lord of prys, 

be not to boystous in "pin seruys, 
damne not {>in sowie in non wys, 
for seruyse is non erytage! r> 

wynteris Yfeper and wowmanys {)owt 
and lordis loue schaungt/ oft; 
pis is "pe sore if it be sowt^ 
for seruyse is non erytage. 

now |)u art gret, to morwe xal I, 

as lordys schaungyw here baly, rj 

In pin wel|)e wert sekyrly, 

for seruyse is noji erytage. 



Die Lieder der Ha. Sloane 2593. 

man, Berue we god in alle wjee! 
he zal VB quityn our serufse 
and zeujn vs zjites moBt of pryse, 
heuene to ben our erjUige. 

TCTT. 
A. a, a, a, 
nunc gaudet maria. 

muy 18 a lady bryzt; 
sehe hazt a sone of meche myzt, 
ouer al |>is word die ib lyzt 
bona natalicia. 

mary is ao fayr of face and fote, 
and here sone so ful of (p)ote, 
ouer al pia word he ie bot« 
bona voluRtaria. 

mary ie so fajr of face, 
and here eone ao ful of groce. 
in heuene he make us a place 
cum Bua potencia. 

mary ie bo|)e goode and kynde, 
euer on vb che hazt mende 




Die Lieder der Hs. Sloane 2593. 49 

{)e secunde joye b In good fay 

was OD crystemasse day, 

bom he was of a may 

mih fader and sone and holy gost. 

|)6 {)redde joye wiih outyn stryi; 

'pat blysseful ber{)6 was ful ryf 12 

quan he ros fro ded to lyf 

wftA fader and sone and holy gost 

9 b pe forte joye, in good fay, 
was vpon halowyn {tursdajj]: 
he stey to heuene in ryche aray 
wiih fader and sone and holy gost. is 

pe fyfte joye witfe outyn dene: 
in heuene he crownyd his moder clene 
[y]t was wol wil pe eyr a sene 
Yiith fader and sone and holy gost 

XXIL 

Man, be war of {nn wowyng, 
for weddyng is j^ longo wo. 

loke er pin herte be set, 

loke {m wowe er |m be knet, 

and if {)u se {)u mow do bet, 

knet vp {)e heiter and let here gool o 

wyuys be bojje stowte and bolde, 

her husboTide^ a zens hem durn not holde, 

and if he do, his herte is colde 

how so euer {)e game goo. 

wede wif be wol fals I wys, 

for cum bo|)e halse and kys 12 

til onys purs pikyd is 

and |)ey seyn: *go, boy, gool* 

of madenys I wil seyn but lyül, 

for J)ey be boJ)e fals and fekyl 

and vnder 'pe tayl J)ey ben ful tekyl, 

a twenty deuel name let hem goo! u 

XXIII. 

aleluia, alelt^ia, alelma, a\e\uia,\ 
deo patri sit gloria! 

saluator mu/MÜ, domine, 
fader of heuene blyssid |m be! 

Archiv f. n. Sprachen. CIX. 4 



Die Liecter der Hs. SloAne 2S9S. 

]}ii gretyst a mayde v/itk on aue^ 

q?/e vocat^r maria. 
ad eeto nunc prdpicius, 
^u eendyst pi sone Bwete Jesus, 
man to be oome for loue of va. 

deo patrt sit gloria! 
Ne mentem sompnfw oprimat, 
betwyx an ox and an ae 
crjst hyni seif born be was 

de virgine maria, 
Te reformator sensuuNi 
bo|»e lydl and niekil and alle and s 
wolcurn pe tyme pat now le com. 

deo patri sit glcrml 
Glona tibi do»»ine, 
()re pcreonjs in treuyte, 
blyssid mot Jiey alle be! 

deo pabrt Bit glorta! 




Die Lieder der Hs. Sloane 2593. 51 

XXVU. 

Omnes gentes plaudite 

I saw myny bryddis setyn on a tre. 

In Wright's Songs and Carola Nr. VII. 

xxvni. 

IIa Adam lay I bowndyn, bowndyn in a bond^ 
fowr {)0W8and wyntcr {)owt he not to long; 
and ^ was for an appil, an appil {)at he tok, 
as derkes fyndyn wretyw in here book. 
Ne hadde |)e appil take ben, |>e appil taken ben, 
Ne hadde neuer our lady a ben heuene qwen. 6 
Blyssid be {)e tyme {)at appil take was! 
|)er fore we mown syngyn: deo grocias. 

XXIX. 

I haue a zong suster, fer be zondyn {)6 se. 

In Wright's Songs and Carola Nr. VIII. 

XXX. 

IIb Quan {)e cherye was a flot^r, pan hadde it non ston; 
quan {)e dowe was an ey, {)an hadde it non bon; 
quan |>e brere was on bred, pan hadde it non rynd; 
quan j[>e maydyn hazt {)at che louet, che is Yfith out longin. 

XXXI. 

AI {)e meryer is pat place 

'pe sunne of groce hym shyne^ jn. 

J)e sunne of grace hym schynet In 

in 07» day quan it was morn, 

quan our lord god bom was 

w»tÄ oute wem or sorwe. 6 

|)e sunne of grace hym schynet In 
on a day quan it was pryme, 
quan owr lord god bom was; 
80 wel he knew his tyme. 

|)e sunne of grace hy w schynet In 

on a day quan it was non, 12 

quan owr lord god born was 

and on |)e rode don. 

{)e sunne of grace hym schynet In 

on a day quan it was vndy[n], 

quan owr lord god born was 

and to |)e herte stongyn. ^^ 



Die Lieder der Hb. SIos 



3 2593. 



XXXII. 

I haue a newe gardyn 

and newe in be gunne. 

In Wright's SöBgs and CbtoIb Nr, IX. 

XXXIII. 

l^a eutliält oben eine Flickstrophe, die vielleicht zu ' 
liiirt; der übrij^eTeil von 12 a igt leer. 12 b ist die FortaeUung v 
desgei) Anfang ^sonderbarerweise auf 13a geschrieben steht. 

1 3 a t)ei- sprong a welle al at here fot 

^nt ai |)is Word a truyd (? turnj-d) to p 
(juaw Jesu cryst took fleych awl blöd 
of hie mod^ maria. 

Out of |)e welle sprang a strem 

fro patriarck h» Jerusalem 

til cryst hym seif a zen it nem 

of his moder etc. 
[Flickstrophe auf 12a: 
out of |)e hlosme sprang a porn 
quan god hymaelf wold be born 
he let v8 neuer be forlorn 

|)(il. bom was of uarie.] 




Die Lieder der Hs. Sloane 2598. 58 

ffor to pr68ente {)at ryche kyng 
and bis moder marie. 

melchiar was 'pe secunde kyng, 
he browte immens to bis offering 36 

for to presente |>at rycbe kyng 
and bis eta 

Jasper was 'pe pred kyng, 

he browte mjrres to bis offferynge 

ffor to presente pat rycbe kyng 

and bis etc. 42 

per pej offerid bere presens 
mth gold and myrrer and francincens ; 
and derke« redyn bere seqwens 
in epbifanye. 

Enel we down hym be fom 
and prey we to bym pat now is born; 48 
and let vs neuer be for lorn 
pat born was of marie. 

XXXIV. 

13b of alle pe spyce« pat I knowe, 
blyssid be pe qwete üourl 

qwete i^ bo{)e semely and sote; 

of alle spyces pat is böte; 

pe vertu sprynget out of pe rote. 

so blyssid be pe qwete flowr! 6 

pe secunde vers I sey befom: 
qwete (is) is kjmg of euery corn; 
Jesu bywself for vs was born. 
so blyssid be pe qwete flowr! 

pe J)redde vers y/ith godes grace: 
qwete is good in euery place; 12 

in qwete is porceywid godes face, 
so blyssid be pe qwete flowr! 

pe forte vers vfith oute stryf : 

of qwete is made pe Q}e) bred of lyf 

vs to receyuy^i in clene lyf. 

so blyssid be pe qwete flowr! I8 

pe fyfte vers witfi oute skom: 
qwete is a spyce, a wol good on, 



Die Lieder der Hb. Sloane 2593. 

kyng pat ts of euery com. 

HO blyssid be fw qwete floTtr! 
J)e sextc vers I xal itoi Beye: 
Jesu cryBt f>at eit on heye, 
he let V8 neuer for huwger dey. 

Bo blyssid be pe qwele flouri 

XXXV. 

Jie sterre bym sbeii bo{)e nyzt ajid day 

to lede |ire kyoges |)er owr lord lay. 

Jesu was bom in bedlem Jude 

of mayde [inajry, {)ui fynde we. 

out of pe est come kynges |»re 

wiüi rycbe preaentes as I zow eay. 

Äs I)ey went forth In here pas, 

'pe sterre schon al iu here fas 

na bryzt as gold wi't/i ine |ie glas, 

lo bedlem to ledyn hem pe way. 

kyng herowdM was most of pryse, 

he eeyde to pe pte kyngcs pat wem so wysi 

■go and aeket me zoiie cbild of pryse 




Die Lieder der IIa. Sloane 2593. 55 

kyng herowde wox wol ille; 

for po {)re kjnges comyn hym not tille 

for to fulfille his wykkyd wille, 36 

and to his knyte^ he gan say. 

kyng herowde^ wox wro{) a non, 
^ chylderin of israel he dede slon, 
he wende Jesu hadde ben ^e ton, 
and zyt he falyid of his pray. 

kyng herowde« deyid and went to helle. 42 
for swete Jesus ^at we spelle, 
god saf vs fro ^e peynis of helle 
and fro |)e wykkyd iyndes pray. 

XXXVI. 

Robyn lyth in grene wode bowndyn. 

In Ritaon'ö Ancient Sodks (ed. 1790); Wright's Songs and Carols Nr. X; 
(.^hild's English andScotch Populär Ballads Nr. 115 (Part V). 

XXXVII. 

15b Procedenti pucro Sine viri coitu 

— Eya nobis annti« esti — — Eya nobis annus est! — u 
yirginis ex vtero pleno sancto apiritxi 

glona! laudes! — gloria! laudes! — 

Dominus hodie factum est Daminus hodie factt^« est 
et immortalis. et immortalis. 

5<ine viri semine 7 Sine viri copia 

— Eya nobis annus est! — — Eya nobis annus est! — 
stsXus est de virgine. statte est ex maria. 21 
gloria! laudes! gloria! laudes! 

Dominus hodie factum est Dominus hodie fa^tus est 

et immortalis. et immortalis. 

In hoc festo determino 

— Eya nobis annus est! — 

Benedicamt^ dommo. 

gloria! laudes! 28 

Dominus hodie factti« est 

et immortalis. 

XXXVIII. 

16a A new zer, a new zer! 
a chyld was I born. 

In Wright's Specimens (P. S. vol. IV, 8) S. 8. 



Die Lieder der He. Blcume 2593. 



16b moder qiTjt as lylie flour, 

zour luÜTDg iassit mjn laDgour. 

Auch in Wrighte PrivethaadBchrift, und zwar fast wörtlich Qbereänstiinme 
daoach in Wright's Songs and Carola (P. S. toI. 23) S. 50. 

XL. 
17 a Reges de saba venienl^ 

aurum, tus, myrram Offerent 

aleluial 

New ie {lo twelpe day I come, 

|>e fader and Bone to geder arn notne, 

{>e bolj gost as |>e7 wero irone, 8 

god send t8 good newe zere! 

In feret 
I wil zu eynge wttft al tnyn myzt 
of a chyld so fayr in syzt, 
a maydyn bjm bar pia onier nyzt, 
aa it was bis wyUe, 12 

so atfUe! 
|)re kynges out of galylie 
kemyn to bedien» |)at cete. 




Die Lieder der Ha. Sloaoe 2593. 57 

and for |>e7 wente with here offeryng, sö 
and ^er {>ey come be njte 
In syzte. 

as quan |>ey comyn in to {)at plas 
f)er Jesu yrith bis moder was, 
f>ei made offeryng wttA gret solas 
witA gold, incens and mjrre, 42 

not ferre. 

as |)ey wem hom ward I went, 
{)e fader of heuene an aungyl sent 
to |>e |>re kynge^ {)at made present, 
ayid {)U8 to hem gan saye, 

or daye: 48 

'ray lord hazt wamyd zou of zour fon, 
be kyng herowde« ^t ze not gon; 
for if ze don he wil zu slonl 
ze gon an oper waye 
and trayeP 

18 a quan pey comyn botn to here cuntre, 54 
bly{)e and glad {)ey wem alle {)re 
of {)e sytes {)at j^ey had se: 
Jesu and mar! bryte 
be nytel 

*yf%th treson to vs gan he sayn, 
he trowid Jesu to han slayn.' 60 

In to egypt pei went ful playn; 
Josep was here gyde 
be syde. 

In to bedlem pei gunne pa8; 
|)e sterre gan shynyn in here fas 
brytter J)an euer schon sun/^e ni glas, ö«» 
Jesu wtt^ mari pei fonde 
in londe. 

Kyng herowde^ he made bis vow, 
grit plente of chylderin he slow, 
he wende J)er xuld a be Jesu, 
he falyed of bis praye, 72 

I saye. 

herowdc« was wod in rvalte, 

he slow scbylderi// ryzt gret plente 

In bedlem j^at fayre cete 

ne left he non on lyf 

wiüi stryf. 7« 



58 Die Lieder der Hb. Sloane 3593. 

])e chylderin of israel cryid wa wa 
[)e uiodertB of bedlew cryid ba ba, 
herowdes low and eeyd a ha, 
|)e kyng of Juwys is dede, 

iKit qwede- 
ISb ftl niyty god iu mageate, s* ' 

in 0« god pcrsonys {ire, 
bryng vs to pe bljsse Jiat is bi> fre 
and sende vb a good newe lere, 

In fere! 
Regee de eaba venient, 
aurum, tus, mirra ofier[eDt]. so 

Uiesi.'H eiost weit verbreitete Lied 1>eg^net une aulscrdeni in Wrigbte 
PrivntliniidKclirifl (gcdnicltt ia Wriglit^ Soogs and CarolB fP. 8. vol. 23] 
S, 4ü), in Haricv &41, fol. 2Ua (gwlruckt in Archiv Bd. CVII, Heft l/l, 
S. 55 und in Wrichfa öpecimena [P. 8. vol. 4, 3] S. 2^). Hier lin Sloane 
2593) lieut uns uio beste und voll stand igste FosBung vor; Harley und 
Wnghta Handschrift iveJBen ein bedeutend kOraerea Lied auf. 

XLI. 
As I weilt |)row a gardyn grene 
I fond an erber makyd fiil newe, 
a fayrere syte had I i 

1 turtel trewe. 




Die Lieder der Ha« Sloane 2598. 59 

|>ei told me |)at 'pej sungyn soo, 

for verbufn caro factum est 24 

zyt ferpcre more in |)at fryth 
I saw |)re kjnges comyn corown, 
I sped me faste to speke hem wyt 
and |>e lorde^ I knelid a down. 

[k) kynge« curteys to me gun rown 

and seydyn |)ei woldyn fare prest, so • 

*to bedlem hour now am we bown, 

for verbuw caro factum est* 

|)is is as meche for to say 

as godes sone be cum is fleych, 

he was bom pis ilke day, 

a blysful weye vs for to wych. 36 

|)ot may now mth outyn mys, 
here I wyte bo{)e most and lest, 
for che was pe cause I wys 
of verbum caro f actmn est. 

Godis sone be comyn is fleych 
]>at böte hazt of al our bale, 42 

19b a blysful weye vs for to wych, 

|)at mayde h3rm herberwyd in here hale. 

che curid pat louely in here sale, 

che hyld pat hyndin in here rest, 

mtJi trewe tunge che told J)e tale, 

ffor verbum caro factum est 48 

verbum caro is to say 

|)at godes sone be comyn is man, 

he was bom {)i8 ilke day 

to sauyn vs ^0 pe fend sathan. 

Jwt may J)at is qwyt as swan, 

che fed J)at lord vp on here bryst; m 

\ieriore I synge zu as I can: 

verbum caro factum est 

XLII. 

Be J)e way wanderj'ng as I went, 
for I st)dd for sorwenis sad 
for harde happys |)at I haue hent, 
murnyng makyd me masyd and mad 



Die Lieder der Ha. Slouie 2598. 

To a. lettere aloue I me ledde, 
yt wel was wretyw vp ou a wal, 
a blysful word per od I redde, 
waB: euere more |)ank god of al. 

yt I redde wel ferjjore more, 
wt'tA trew intent I took ^er ty\ 
cryBt may wel nur stat restore^ 
it is not to atrywe a gen his wil. 

he may vb Baue and ^t ia skyl, 
thynk ryit wel, we ben bis |iral, 
quat {>u t>ol}'st wo or yl, 
Euere more {>ank god of al. 

If {>at t>u waxe blynd or lame 
or ony euyl to |m be set^ 
pynk ryzt wel it is non schäme, 
viiitJi Bwycb gnice god hazt pe gret 

In sorwe and care if |>u be aet 
and {)i rychea begynne to falle 
I can not bo ^ may do bet 
|)an euere more pank god of al. 



If |m weide Jm wordel goode« 




Die Lieder der Hs. Sloane 2593. 61 

he was put in a powre a ray, 

neyper in purpyl ne in palle, 

in sympel wede üb I zu say 

and euere he {)ankyd god of aL 48 

ffor gode« loue bo do ze, 

he may zou bo{>e zeue and take, 

quat myschyf ze in be 

be hazt myzt zour wo to slake. 

fiul good a mende« he wil vs make 
If we to hjm wil caye or calle; 54 

quat wel or wo we ben in take 
Euere more {)ank god of aL 

21a If {>i fryndes fro |>e fayle 

and de{) hazt reft hem of here lyf, 
qwer fore xuldyst jm wepyw or wayle? 
it is not to stryue a geyn his wyL öo 

Thynk he made bo|>e man and wyf 
and {)at we alle ben his {)ral, 
quat wo |)t* sufieryst or how Jm J)ryf 
euere more |>ank god of al. 

Diues sonder he hazt vs sent, 

here and also in dpere place, 66 

tak we hem in good a tent, 

J)e sunner god wil sendyn vs groce. 

If zowr body be bowndyn in bas, 

lok zour herte be good and stal. 

Thynk he is zyt J)er he was 

and euere more pank god of aL "2 

ffor gode^ loue be not as a chyld 
ne mek {n seif not to stowt, 
but take witA good herte and myld 
pe good 'pat god sendet al a bowt 

J)aw dar I seyn with oute dowt: 
In heue blysse is made zot^r halle; 7s 

ryche and powre J)at ze lowe lowt 
and euere more {)ank god of al. 

21b |)is wordel good xuld in eres 
and eche man kynde wold be 
and partyn a bowtyn of here ryches 
to hew j^at arn in poucrte. st 



Die Lieder der Hei. älouie 2593. 

A vonder |)ing now maf ve sene 
]>at kynde loue s doun U falle, 
aon beter counsel can I mene 
|)an euere to |iank god of al. 

XLIII. 
Worchyp we bo{>e more attd lest« 
oryetes body furme of bred. 
It 19 bred fro heueae cam, 
fleych and blod of mary it nam; 
fibr |)e Bynnys of adam 
he Bched his blod |>at was ao red. 
he J)at osworf)! hie bred ete, 
|)e peyne of helle he xall gete 
my swete body awey to lete 
and maky« bis sowie to ben ded. 
lie {lat {>is bred bazt in mynde, 
he xal leuyn witA outyn ende, 
|>iB 13 bred to zeuyn a frende 
viiüi outjn qwyt, witft iniie rede. 
Oll scliyri; Jiursday al at ])c niSfi.-'e 
ri deHpel he feyde JiiaBe: 




Die Lieder der Ha. Sloane 2593. G3 

Thynk on hjm ^at hazt |>e bowth 

80 dere vp on pe rode tre. 6 

Thynk he cam for to ben bom 
to beyin a zen {)at was forlom 
many a M zer be fom 
out of bis owzt mageste. 

Thynk ])e juwis quan hym tokyn, 
hese desipel hym forsokyn; 12 

alle {)e veynys on hym schokyn 
for dowt of dej) wold he not fle. 

Thynk J)e cros he dedyw hym bere, 
garlond of pom he dedyn hym were, 
ffalse tretowre« J)at j)ey were. 
til he cemyw J)er he wolde be, i» 

Thynk he dedy» hym on pe rode! 
Thynk it was al for our goodel 
Thynk J)e juwys wyxin wode! 

22 b on hym pey haddyn non pete. 

Thynk how sore he was bowndyn! 
Thynk he sufierid harde woundys. 24 

of pe false helle howndys 
Yfith schorge and spere and naylys pre. 

Thynk, man, on ^e werste of alle: 

he zeuy» hym drynkyn ezyl and galle; 

hely for |)eyme he ga» to calle 

to his fader in trenite. 3ü 

Thynk man wyttcrly 

|)ink he bowt |)e bytterly 

ftbr sake J)i synne and to hym cry 

"pat he haue mercy vp on |)e. 

XLV. 

seynt steuene was a clerk in kyng herowdß« halle. 

1 Ritson'fl ADcieDt Songs (ed. 1790) S. 83; Sandys, Christmas Carolin 
■1183:'.) 8. I; Child's English and Scotch Populär Ballads Nr. 2:*, (Parti). 

XLVI. 

23 a Nowel! Mary, moder cu?n and se. 



Die Lieder der Hs. Slouie 9593. 
XLVII. 

23 b A! nunc gaudet ecclesia. 

leHtenyCz lordyngM boI>e grel6 a?id smale! 
lü Wright's Songs and Carola Nr. XI. 

XL VIII. 

24 a Man be glad in Halle and bour. 

In J)ia tyme cryat hazt vb sent 
In Wright's SpecimeDB (P. S. toL IV, ;i) S. II. 

XLIX. 
M tmd A and R and I! 
syngyn I wyl a newe aong. 

It were fowre letterj's of purposy: 
M and A and K and I 
J)o wem letteria of mary 
of hom al owr joye sprong. 

on 1« mowiit of caluory 

v/itli M anrf A ajirf R and I 

[»erc lie belyn his brytc body 

viiUi schorge^ ]wt wern bope suhiirp and lor 




Die Lieder der Hs. Sloane 2593. 65 

holy maydyn, bljssid |)tt be, 

godes sone is born of |)e 

pe fader of heuene worchepe we 

Regina celi letarel 6 

heyl wyf I heyl maydyn I heyl brytz of ble! 
heyl dowterl heyl susterl heyl ful of pete! 
heyl chosyn to |)o personya |)rel 
Begina celi letarel 

|>tt art empreeee of heuene so fre, 
worpi maydyn in mageste, 12 

now wordiepe we |)6 trenyte. 
Begina celi letarel 

25b lady, so louely, so goodly to se, 
so buxsum in {h body to be, 
{m art his moder for humylitc, 

Begina celi letarel is 

|>ese ben curteys Kynge« of soluntc, 
|)ey worchepyd 'pi sone wiüi vmylite, 
mylde mary, |)U8 rede we: 
Begina celi letarel 

80 grocius, so precyows in ryalte, 
{)U8 jentyl, |)ub good, {)us fynd we, 24 

per is non swych in non cuntre. 
Begina celi letarel 

And perfore knel we doun on our kne, 
pis biyssid ber|)e worchepe we, 
{)iB is a song: humylyte! 

Begina celi letare! 30 

LH. 

Syng we now alle a/nd sum: 
Ave Bex gentis anglorutn. 

In Ritson'H Ancient Songs (ed. 1790) S. 84; Wright's Songs and Carols 

Nr. XIII. 

Uli. 

26 a Man be wys and a rys 

and thynk on leyf pat lestemt ayl 

In Wright'ft Songs and Carols Nr. XIII. 
Arehir f. b. Spraehen. CIX. 5 



i Die Lieder der Hi. Sloone 2598. 

UV. 
Go bet penyl go betl 
for Im* m&t mekyn bo|ie frynd and fo. 
II Ritxon's Aiicient Sonp (ed. 1790) 8. 76; Wrigbt'e Songs and C 
Nr. XV. 

LV. 

We ben chapmen, lyzt o£ fote, 
[te fowle weyie for to fle. 
In Wright's Songs and Carole Nr. XVI. 

LVI. 
27 a Aue mam Stella, p% eterre an pe see, 
dei mater alma, blyesid mot xe be, 

abjue semper virgo, prey {li sone for me, 
felix cell porta, {>at I may to {>e. 

Gabriel ]>at archsngyl, he was maseanger, 

80 fayre he gret our lady wM an aue so clere: " 

heyl be fw maryl be {>u mary! 

ful of göiiw grdce ii«rf (]wyti nf Tiiercy. 




Die Lieder der Hs. Sloane 2593. 67 

LX. 

I may sejn to most and lest : 
yerhum caro factum est 

Jesu of his moder was bom, 

28 b for vs he werde garlond of |)om 

and ellys badde we ben forlorn. 

he tok his deth for most and last 6 

I sali zu teile good skele qwy 
|)at he was bom of mary, 
ffor he deyid on caluory 
he tok etc 

he wrowt vs alle wit^ his hond, 
|)e fende« woldyn adon vs wrong, 12 

he bowt vs a geyn witÄ peynys strong 
he tok etc. 

a (t)erche |)anne to him was fet, 

a spere to his harte was set, 

|)an seyde |)e juwys: 'haue jm |)at!' 

he tok etc I8 

|)e juwis zeuyn hyw drynk ezyl and galle 
quan Jesu after drynk gan csdla 
god let vs neuer in synne falle! 
he tok etc. 

Prey we to |)at lord so fre, 

for vs he deyid on a tre, 24 

at domys day our helpe he bei 

LXI. 

Nowel el el el el el eil 
Nowel el! bo|)e eld and zyng 

In Wright's Specimens (P. S. IV, 3; S. 15). 

LXII. 

29 a Prenegard! prenegard! 

|)U3 here I myw baselard. 

Id Wright's Songs and Carols Nr. XVII. 

LXIII. 

29 b I may seyn, and so mown mo, 
fat in semenaunt go|) gyle. 

In Wright and Halliweirs Reliquiae antiquao II, S. Wk 

5* 



Die Lieder der Hb. Sloane 2593. 

LXIV. 
SOa Kep |m tunge, |ii tunge, {n tungel 
wykyd tunge werk inew. 
In Wright and Halliwell'B Reliquiae ootiquae II, 8. 167. 

LXV. 
30 b Alma redemptoiis mater. 

Ab I laj Tp ou a nyzt, 
my powt waa on a mayde bryzt 
])at Dien callyn raary of myz^ 
Redemptor» mater. 

to her cam gabriel so bryzt « 

and Beyde: 'heyl, man, ful of myzt! 
To be cald |>u art a dyzt 

Redemp.' 
after {tat word |>at mayde bryzt 
a Ron conseyuyd god of myzt 
and par by wyBt men |>at che hyzt 12 

E. 




Die Lieder der Hs. Sloane 2593. 69 

LXIX. 

32 a Wolcum zol, f>u mery man 

In worchepe of |)i8 holj day! 

In Riteon'B Ancient Songs S. 81; Sandys' Christmas Carols S. 3; 
Wright's Speomens (P. S. vol. IV, 3; S. 4). 

LXX. 

lullay, myn lyking, my dere sone, my ewytyng! 
kdlay, my dere harte, my owyn dere darlyng! 
I saw a fayr maydyn syttyng and synga 

In Archiv Bd. CVII, Heft 1/2, S. 49. 

LXXI. 

*2b hostis herodis impie Christum venire quid times? non 

(erp*?) mortalia. 

Eumy herowde, {>u wekkyd kyng, 

qwy dredes "pu |)6 of criste« corayng? 

he dezyryt here non er|)ely ping, 

{)at heuene hazt at hie zeuyng. 4 

ibant magi quia videant stellam sequentes peruiant luminem. 

{)re kynge« per saw a sterre ful bryzt, 
I)ei folwyd it vfith al here myzt, 
bryztnesse |)ei saw |)row |)at lyzt 
{>ei knewe god with her zyfte« ryzt 8 

lauacra puri gurgiti^ selesti^ Augnus attigit pecco/a no^^ra. 

|)e welle hazt waschyn vs fro wo, 

|)e lomb of heuene is comyn vs to, 

he {)at synne neuer wold do, 

hazt waschyn clene our synnys vs fro. 12 

Douum genus potencie: aque rubescuntur idrie vnumque 
(toahracheinlich vinuw xu lesen/), 

33 a his myzt is chawngyd of newe maner: 

pe watör wyx red in pecher, 
[)e watör is turnyd to wyn ful der 
ageyn |)e kynde |)ow it were. I6 

Glona tibi datnine qui aperuisti hodie cum patre et (s) cow spirptu] 

in sempiterna secula, amen. 

louyng lord be to pe ay 

^t hazt schewyd ]^e to vs I)is day 

witfe fader and holy gost veray 

Jkit in pe word neuer fayle may. 20 



Dia lieder der Hb. Sloatie -2593. 

LXXII. 
Ab I me lend to a lend 
I herd a Bchepperde makyn a schowte. 
In Archiv Bd. CVII, Heft 1/8, 8. 50. 
LXXIII. 
33 b Mak we merthe for ciystM berthe 
and syng we zol til candümes! 
|)e ferste day of zol we han in mynde. 



LXXIV. 

mak ze mene ae ze mayl 

syng witA me, I zu prayl 

In patraa {>er bom he was. 

In Wright'u SoDgs and Carola Nr. XIX. 

LXIV. 
Kyrie, so kyrte eankyn 

syngyt merie wM a leyaone. 

Ab I went on zoi day in onre proaesayon 




Die Lieder der Hs. Sloane 2598. 71 

iu den Mund zu legen sei, die sich diese Verse gegenseitig zugesungen 
hätteD, um herauszufinden, welcher Partei die angesungene Person an- 
irehore, bo möchte ich gegenüber dieser allerdings ganz originellen Er- 
klärung meine in der Einleitung gegebene Auffassung aufrecht erhalten, 
dal's (laB Lied erst nach Beilegung der Zwistigkeiten, also frühestens nach 
Heinrichs VII. Thronbesteigung, als eine Verherrlichung der Tudors ent- 
sitanden ist« Beide Kosen werden ja gleich hoch gepriesen, und der 
Sänger fügt hinzu, dais die zwei eins geworden seien. Das Lded gleicht 
Skeltons Lobgesang auf Heinrich VIII. (Dyce vol I, S. IX). — Lied I 
auf S. 54 bildet den zweiten Teil eines Liedes in Harly 7338, 192 a (ge- 
<lruckt in Reliquiae antiquae I, 8. 284). Über dem Liede steht: Haisam 
^quiere made these II balads. Es beginnt: The worlde so wyde, the ayer 
^ remuable, sieben Verse; dann kommt: The more I goo, the forthere 
I am behynde. — Lied XXX auf S. 59 ist eine Umarbeitung eines Liedes 
in einer noch nicht veröffentlichten Handschrift der Bodleiana (Rawl. C. 
^13, fol. 4 Gb). In Bawlinson ist es dreistrophig. Die erste Strophe stimmt 
mit unserer Fassung überein bis auf die dfei letzten Verse. Das Lied 
heilst dort : Compleyne I may wher soo euer I goo, sythe I haue done my 
besye peyne to loue on best and no moo, that ath my loue now 
hathe dysdeyne and thys my loue now doeth refreyne alias 
OD hur all my trew loue ys loste whome of all creature« 
Itrustyd most. Die zweite Strophe setzt die alte Klage fort, die dritte 
i^t die helle Verzweiflung : therfore I may syng and handes wryng : alias, 
allaa and wele awey! — Wir sehen, dals der Verfasser des Fairfax-Ms.- 
Liedes ein längeres Lied genommen und dem gewöhnlichen, althergebrachten 
Gedankengang (Klagen und Verzweiflung ohne Ende) eine neue und ori- 
ginelle Wendung gegeben hat. — Lied XXXVI auf S. (53 findet sich 
ohne die Einleitung auf fol. 68 a in einer Handschrift des 15. Jahrhun- 
dert« auf der Cambridge University Library H. h. IV, 12, fol. 85 a (ge- 
druckt in E. E. T. S. XV von Fumivall, S. 111). Es fängt an: vpon 
a Crosse naylyd I was for the. Es verdeutlicht unsere oft unverständliche 
Fassung, die Auslassungen und Radierungen hat. Auf 71a, S. 64, Vers 
- und 3: For the gret constrent of there contricion, Gayne thomas Indes 
incrudelite; 78 a, V. 4 und 5: that tho V wellys plenteouse of fuyson may 
wach in vs alle surfetis reproueable; V. 7: now for {)i moder» meke medi- 
ta^ion. Eüne neue Inteq)unktion in Lied XI auf S. 54 giebt einen be- 
Wedigenderen Sinn: 

fol. 12 b: Now the lawc is led bo cicre coiicieiid füll sylde; 
covetise hath doniinacioii in ouery place; 
ryzt hath reuideucä iiethir iii towiie iie fyide; 
simulacion thcr is trcwly in ouery caso; 
consolacion the pore pepull no tynie hath; 
but ryzt men may fynd day ne * nyzt : 
adulacion now raynyth trewiy In eu«'ry mannys pyzt. 



' Du 'ne' ist natürlich anbegreiflich; man erwartet and. 



72 Die Lieder der He. Sloue 259S. 

AadeniDgen im Text: S. 52, 8a: 1. Stimme: woiea, 2. Summe: wavei 
a. 53, 10: lies vitk twa;ne statt witkout wayiie; S. 54, 12b: lies ryi 
ryzt, ayzt; S. 55, 14a: nyzt, lyzt; S. 5ö, 21a: liea and my acrrice eta 
and Service; S. 57, 31a: lies mystnist statt mj trust; 32a: oaryzhtfull; 
ryzt (2. Stimme: ry«t); 36a: myzt; 8. tiO, 55a: myzt, lyzt; 8. 62, OSi 
lies {>i statt I>at; S. C8, i>7a: liea dejnyd statt denyd, myzt; 71a: lit 
IdiIm; tnacle statt tiacle, 72a: pnde statt perde; T3a: lies abcd: cald ] 
fyve woundB bj computacioa — bc: may washe tb all — ad: from surfet 
reprovable; 8. 05, 82a: lyzt; S. 69, 118a: pytt, Tnrytt statt wryst; nyetJ 
lyzth, 

Nachträge zn Arohir Bd. GVI, 8. S62 ff. 

'Die Lieder der Hb. Add. 5665'. 
Auf S. 264, Z. 3 T. u. füge binzu : Wright's Specimens of old Chris 
mas Carola (Percy Society IV, 3), London 1841: 6 (auf S. 50), 7 (S. 51 
8 (S. 52), 9 (8. 55), 15 (8. 55), 92 {8. 5ö), 24 (S. 57), 35 (8. 53), 39 (8. 54 
Handys' Cbristmas Carob, London 1839: 6 (auf 8. 16), 7 (8. 17), 8 (S. 13 
21 1,8. 18), 35 {S. 14), 39 (8. 15). — Sowohl Wrigbt wie Sandys geben ir 
tiimitch das z mit 3 wieder. Es ist z zu setzen, denn dieses Zeichen wir 
vom Schreiber in Lied 3ij für den s-Laiit in dem dort dreimal yorkommei 
den bnptyzed verwendet. Sonderbar, dafs Wright fast regelmäßig u für 
lind V für u setzt (2. B. fol. 1B&: save us statt saue vs). — Änderungt 
im Text: auf S. 274, fol. 39b, Z. 3 lies heuynesse statt boDynesse. 




Die Abfassnngszeit \> 



von 



ieetitadines singolarniD persoDarnm' und ags. 'aferian'. 



1. Zeitalter der Reetüudines, 2. Hof recht von Tidenham. 3. Vomorman- 
oiscL 4. averian normaDnisch? 5. Lies aferian: mit Pferd fronen, (i. fz. 
ur«> nie Pferd. 7. aglat. averium : Vieh. 8. mengl. aver a) Vieh, b) Gaul 
wie Schott, aivre. 9. ags. eafor Pferd; aferian. 10. aglat. aff(e)ri Gäule; 
i^affre, 11. aglat. av(i)ra Arbeitsstute. 12. mengl. av^-Composita. 
13. aglat. averiare] agfz. average, 14. agfz. aver mit engl. Sinne 'Gaul'. 

1. Die angelsächsiscbe Abhandlung ^ über Recht und Pflicht der 
Leute auf dem Grofsgut eines Adligen ist überliefert in einer Hand- 
^rift von etwa 1125 und in der lateinischen Übersetzung des 
Quadripartitus um 1114. In jener Sammelhandschrift ist aller datier- 
bare Inhalt vor 1066 entstanden; da ihr Schreiber, der vielleicht 
nirgends selbst kompiliert^ eine der Gesetzsammlungen kopiert, die 
«loch Neuestes als noch gültig aufzunehmen liebten, und von Wil- 
helm L schweigt, so folgt er wahrscheinlich einer vor diesem ent- 
standenen Sammlung. Freilich, ihre Sprache stimmt mehrfach eher 
zur Zeit imi 1125 als zu Cnuts Zeitalter; doch darf dafür der mo- 
dernisierende Schreiber verantwortlich gemacht werden. Denn dieser 
bat auch die Laute und Endungen der Stücke von Ine bis Cnut 
öftere ins Mittelenglische geändert.^ Aus sachlichen, rechtshistorischen 
Gründen ist bisher nichts für eine Abfassung der Rectitudines nach 
1066 angeführt worden. Aus solchen spricht manches vielmehr da- 
gegen. Der Thegn in den Rectitudines nämlich, der nicht als ein 
boher Adliger oder als Grundeigner von mehr als einem Edelgute 



' Ed. Schmid Gesetze der Angela, 8. 370; meine Oes. der Ags. S. 144. 
' Vgl Wroblewski Über Gesetze Knuts 11 1 5tj. 



T4 Die ÄbfasBiiDgszeit vuu 'BectitudioeB siugul&ram penonaruin' 

oder zum Könige in beBondere naher Beziehung erscheint, ist dennoch 
nidit Vasall eines Barons, wie doch lÜSfi die Hegel mit nur wenigen 
AuBiiahmen gewesen wäre. Ferner übersetzt Quadripartitus den 
Thegn nicht etwa durch miles, und von Ritterdienatpflicht verraten 
Rectitudinea keine Spur, während sie die angelsächsische Staatslast, 
die aiu Gute hängt, deutlich ausdrücken. Sie schweigen sodann vom 
Dänengeld, über das ein Landwirt unter Wilhelm als druckende 
Grundsteuer bitler geseufzt hätte. Endlich verschwindet bald nach 
lOÜIi Englisch aus der Litteratur des Recht«, der Urkunde, des Ge- 
schäftes: wiederum mit wenigen Ausnahmen. Unser Verfasser, ein 
Gutsvogt, der Amt^genosBen belehren will, hätte also um 1085 Latei- 
nisch geschrieben; denn nur in dieser Sprache schrieb man damals 
Vorhandlungen zwischen Staat, Adel, Gutsvogt und Unterthanen auf. 
2. Dazu kommt, dafs die Rectitudinea bereite benutzt werden 
von einer noch angelsächsischen Schrift, nämlich dem Hofrecht von 
Tidenham. ' Freilich mit einer Urkunde voii 956, hinter welcher 
dieses (in einem (.'hartular des beginnenden 1*2. Jahrhunderte) über- 
liefert ist, hat es nichts zu thun; aber eine Spur normannischer 
Zustande verrät es nicht und wird von Maitland ^ in die Mitte des 
II. JiihrhundcrtB gesetzt [Üafa umgekehrt der Verfasser der Rcfli- 




und ags. 'aferian'. -75 

verfabt) ja wahrscheinlich erst nach 1017. Denn im Gegensatz zu 
den Homileten unter ^thelred II. beklagt sie nirgends die Friedens- 
störung durch Dänen und Parteikämpfe, die doch jeder Landwirt 
fühlen mulste; sie zeigt ferner den Freibauern in Beziehung zum 
Staat nur noch unter Vermittelung der Gutsherrschaft; sie legt die 
GutswirtBchaft in jener festen Organisation dar, welche die Nor- 
mannen einfach fortsetzten; sie schweigt von dem unter Eadward 
dem Bekenner abgeschafilen Dänengeld. Die neue Ausgabe datiert 
die Rectitudines daher 960 (c. 1025?) bis 1060. 

4. Ein Ejitiker im Athenaeum (1902, Apr. 5 p. 423), der Eng- 
lands Sprache und Verfassung im 11. Jahrh. offenbar genauestens zu 
beurteilen versteht, schreibt nun aber, als jene Datierung eben die 
Presse verlieis: *The averian of this text [nämlich des Hofrechts von 
Tidenham] seems clearly to be not the Anglo-Saxon aferian, but to 
be the verb corresponding to the Norman average; and the same.re- 
mark applies to the Rectitudines, with which these Tidenham customs 
aie Bo closely connected. Both are therefore, probably later in date 
tban the Norman Conquest' Aber erregt es nicht Bedenken, * dafs 
mitten in einem angelsächsischen Text, selbst wenn er erst etwa 1100 
entstanden wäre, schon ein englisches Verbum auftreten oder neu 
gebildet sein sollte, das abgeleitet wäre von einem normannischen 
li^wort, und zwar zur Bezeichnung für einen Begriff nicht etwa 
aus dem Lebenskreise der Regierung oder höheren Gesellschaft, son- 
dern aus jenen uralten bäuerlichen Einrichtungen, die 1067 der Nor- 
manne unangetastet liefs? 

5. Die in Tidenham abgeschriebene Stelle der Rectitudines 2 

■ 

zeigt auerian als eine bäuerliche Leistung für die Herrschaft zwischen 
ridm und lade kedan. Die andere Stelle, Rect. 4, lehrt uns über 
Fonn und Bedeutung des Wortes mehr: gif lie aferad, ne dcarf Jie 
y^jrean da hivile de his h/rrs ute bid. Niemand trennt dies aferad 
von jenem averian. Das f gilt Bosworth-Toller^ mit Recht ursprüng- 
b'cher als v. In der That zeigt Schreiber B sehr oft gauol, liue, wo 
3eine Vorlage gafol, life bot Ein umgekehrter Übergang von v m f 
ist fürs 11. Jahrhundert nicht nachgewiesen. [Es gehört nicht hier- 
her, dafs vereinzelt Lehnwörter aus dem Französischen im Mittel- 



* Dies bestätigt ein freundlicher Brief von Herrn Prof. Ed. Sievers. 

* S. V. aferian, ebenso Schmid Oes. d, Äga, S. 533. 



7ö Die AbtasBungBzeit voo 'Rectitudioea Bingularum perBonarma' 

englischen /" statt des v zeigen: safour pofferlc'] Freilieh die Bedeu- 
tung 'forttragen, entfernen', wie sie die Wörterbücber für ihr einzige* 
ä-f^.rutn^ haben, pafst in die Rectitudüie.« nicht. Deren Verfassei 
meint otfenbar ein gleich geschriebenes Verbuin mit der Bedeutung 
■durch Stellung eines Pferdes der Herrschaft Dienet leisten'. ' Schoi 
deehalb ist eine andere Wurzel erfordert 

6. Dieae kann nicht francouorm, aveir sein, der eubstantivierb 
Infinitiv, welcher ursprünglich 'Habe, Besitz', enger 'Fahrhabe' (ein 
schliefslich 'Geld', später auch 'Handelsware'*), noch begrenzter 'Vieh* 
auch im besonderen Sinne 'Haus- und Wirtschafte vi eh', * wie it 
Frankreich so in England seit dem frühesten DenkmaJ^ des Anglo- 
französischen'' bedeutet. Denn erstens heifst aveir dort nie*' 'Pferc 
allein' {gerade in derNonnandie vielmehr gern 'Kuh' und 'Schwein'^) 
dafs im Anglofranz. aveir für 'Pferd' vereinzelt und erst seit den 
13. Jahrb. vorkommt, '" erklärt sich durch Vermengiing mit einen 
englischen Worte. Zweitens müfete bei Latinisierung und Anglisie 
rung das Lehnwort e zeigen, wie im av6rium Frankreichs und Eng- 
lands wirklicli der Fall ist, während daneben Anglolatein avera, avrc 
und Mittelenglisch avef, ja, daraus abgeleitet, späteres Änglofranzö 
aisch affre'^ mit dem Sinne 'Pferd' kennen, wo e kurz oder gar nich 




und ags. 'aferian\ 77 

nischen^ Urkunde 1177.^ Nur aus Marseille wird avera lachalis 
'Milchkuh, -ziege' citiert^ Überaus häufig ist dagegen in Englands 
Mittelalter averium;^ so bedeutet melius averium Besthaupt (Abgabe 
beim Tode des Hintersassen), und zwar tarn de equis quam de aliis 
(mmalibu8\^ averia erklart Stubbs: 'all animals used in husbandrT';^ 
später heilst es auch 'Handelswaren'. ^ Dagegen die Übersetzung 
'Pferd allein' wird wieder erst seit Vermengung mit der englischen 
Wurzel möglich. ^ 

8. Mittelenglisch ^ heilst averfe), aveere, fhjavoir, ha/vour 'Habe, 
Besiti^ Eigentum, Reichtum'. *<> Mit Recht trennen ^^ davon aver 
'Arbeitsgaul' Matzner, Stratmann, Bradley (1891). Mätzner verbindet 
dies auch richtig mit lat aflri. [Wenn aber Mätzner und Strat- 
mann hierfür altnord. *afarr heranziehen, so streicht Bradley diese 
Verbindung mit Recht: solch ein Wort ist im Nordischen nicht 
nachweisbar. *^] Jenes germanische afer lebt noch mit der Bedeu- 
timg 'Arbeitsgaul, Schindmähre, Lastvieh' in Northumberlands und 
Yorbhiree afer, (hjaver,^^ hawfer^^ und Niederschottlands aiver, 

9. Das bisher fehlende Wort lautete angelsächsisch eafor, ^^ 
Gen. eafres 'Pferd', später, im 11. Jahrhundert^ afere, affra, Gren. -an 



* Ans Spanien belegt Du Gange die Form öfter. 

' Benedict! O, Ben/r, ed. Stubbs I 141 : melioret proprio avere (Geld). 
' Du Gange. Er belegt auch averum. 

* Viele Beispiele bei Du Gange; einmal tneliorem averiant, 

* Ann. tnonast. ed. Luard III 270 ; = bovem Ghron. Evesham. 267. 

* Sei Chart,, Olosa.; Luard zu Matth. Par. V 12. VI 344: 'cattle'. Vgl. 
<twria ad paseua Ann. monast. I 79. III 159. 161. 296; averia, sc, 3 vaceas, 
^ om in Three roUs of 1194 ed. Maitland 26. 

^ Gross II 20. " S. unten n. 14. 

* Matzner; Mayhew and Skeat; Stratmann ed. Bradley; Halliwell. 
» PbliL wngs ed. Wright II 226. 

" Gegen Skeat Etymol diet. : Mayhew ; Murray New Engl diei. 1 (1885), 
wo aber, trotz Skeats Protest, [Spelmans] Ableitung von oeuvre aus einem 
Dilettanten citiert wird; Wright DicU, dict. I 98. 

° Dies bestätigt mir freundlich Herr Prof. A. Heus 1er. 
° Spelman Oloas.; Halliwell; Wright. 

** Wright; Jamieson. Der Anlaut h ist unorganisch. 'An Einwirkung 
dorch heifer, ags. heafore ist kaum zu denken' (Sievers). 

** Die lautgeschichtliche Möglichkeit der Entwickelung zu aver be- 
stätigt mir freundlich Herr Prof. A. Brandl. 



79 Die AbfasBDQgBzeit von 'Itectitudinee eingulftrum personaTum' 

'Ärbcitestute'. Auch von einem anderen Pferdenameu hat der Angel- 
Bachse für jedes Geschlecht ein Wort: mearh, mera. Wie nun Aor- 
sian (entsprechend mhd. ylicrden, rand. perd«n) 'mit Pferd(en} ver- 
sehen', ' nicht blofs 'beritlen machen" bedeutet, so bildete der Eng 
länder (vielleifht Hnacr Verfasser zuerst, der eine ganse Reihe h 
geformter Verben bietet, die kein angelsächsisches Wörterbuch 
anderswoher verzeichnet) aferian: mit einem Gaul versehen, Pferde 
Spanndienst leisten. 

Ein Freibrief* Merciens von 844/8, erbalt«ii nur in «ner Ab 
Schrift dea 12. Jahrhunderts, aber wenigstens in den hier zu betrach 
t«uden Zeilen nicht als norraannisiert zu verdächtigen, befreit Bredoi 
ab ilUs eausis, quaa cumfeorme ^ et eafor ^tocUemua, ... a pasin . , 
equoTum ... siuc ministrorum eorum; quid ptura? ab omni iila itt- 
{■ommoditate iefres et cumfeorme, nisi istis causia quas hie tiomina- 
mus: praecotws uel nuncii bestimmter Art erbalten postum. Im aelboi 
Zusammenhange bieten Urkunden dieses Landes und Zeitalters hos 
pitnm refeetio neben tquus, cabaUus. Thorpe erklärt eafor 'a wil< 
boar", also als die Nebenform von eofor. ' Ganz sicher pafst dai 
nicht: dtis Wildschwein fand ohne menschüclie Hilfe in Merdeni 
Wäldern sciiic Mast. [Nur für zahme Ferkel erwähnt eine Urkunde 




und ags. 'aferian\ 79 

in Britannien. Er halt mit Recht einen Singular * affer ^ für möglich. 
Nachgewiesen scheint aber nur affrus, im ganzen selten, doch schon 
im Domesdaybuche I 165. Wie engl, afer, aver bedeutet es den 
Earrengaul, das Pflugpferd. Es steht als ein Stück der catalla = 
avma, d. h. des Viehbestandes, der Fahrhabe, neben Ochsen und 
höheren Pferden. ^ Einmal begegnet für affros auch averes, der spä- 
teren engl Form näher. ^ Dafs affri jemals 'buUocks', affra 'heif er' 
bedeute, wird wohl nur irrig behauptet^ 

Aus diesem Latein oder jenem Englisch schöpfte das Anglo- 
französisch des 13. Jahrhunderts: affre niederer Gaul, im Gegensatz 
zu eheval und zum Rind.^ 

11. Jenes Femininum 'Arbeitsstute' ergiebt sich nur aus anglolat 
(ttiera des Domesdaybuches und away avre in Peterborough und Ely. 
Wie in den Rectitudines hinter aferian: heafodwearde healdan steht^ 
so kennt das Domesday ^ an mehr als 60 Stellen besonders in Cam- 
bridge- und Hertf ordshire "^ die Grundlast inward 7 auera als vor 
1066 bestehend. Schon die stete Zusammenstellung mit jenem angel- 
sächsischen technischen inward *Wache innerhalb des Gebiets', das 
^ch unseren Wörterbüchern auch fehlt, hätte davor bewahren 
sollen, (wera für abgeleitet aus atmr zu erklären (in welchem Falle 
übrigens auch das Fehlen dieses auera auTserhalb Britanniens Be- 
<lenken erregen müfste). Offenbar liegen vielmehr zwei Lasten einer 
Besitzart vor, die schon vor 1066 einen formelhaften angelsächsischen 
Namen in zwei Wörtern tragen. Überall kann auera Dienst mit 

' Seine Beziehung zu frz. affaire bedarf keiner Widerlegung. Er über- 
setzt zwar 'iumenta uel caballi colonici', aber nur letzteres pafst zu allen 
»einen Citaten. 

* eataüa debitoris, exceptis bobus et affris carucae Gresetz von 1285 c. 18; 
ebenso um 1300 praeter boves et affros de earuca: Oesta aJbb. Ä Albani ed. 
ßiley II 78 f.; man pfändete averia, uidelieet equos, baves, affros; Thorne 
hei Du Gange. 

^ Dunstaple inventarisiert oves, boves 6, 8 averes, 1 palefridum, wo 
Luard falsch 'heifer' erklärt; Ann. monast. III 169. 

* Blount Tenures ed. Hazütt 411; Wcbb Roll of Swinfield LXVII. 
Vgl oben S. 77 Anm. 14. 

* ferrer les cheraus et les affres ; Walter of Henley ed. Laniond 92 ; 
i/fne Variante für eheval 8 ; chival ou affre est perdu, bof et räche 94. 

* I 200, 2 steht: 8 aueras et 8 inctcard . . et ^ heueward . . uirecomiii 
inuenerunt, 

' I 189—202 und 132—141. In Kent nur 2b 2; vgl. 14h. 



so Die AbfasBUD^zdt von 'Rectitudbes siugul&rum peraonaram' 

einem Pferde' heifsen, nirgendB 'Vieh allgemeiD'. Mit equus synonyp 
steht das Wort deuthch I 190: aufner anderen Leistungen reddun 
[lOSfi] 12 eq}tos et 12 inguardos; [dagegen] vor 1066 mm raidehar^ 
nisi auerras et ingtiardos.- Die hiquiaüio Eliensia^ sagt dafür aur 
(sprich avra), ebenso die Güteraufnahme Pet*rboroughs ' um 112; 
wo auch einmal oiirs steht. Hier tritt die «».ra in Gegensatz zu Rin( 
Schaf, Schwein, zu eqitoß indomitae. und einmal cum ptdh (Fohler 
auf, also deutlich als Ärbeitsstute, Konnte der Mittelvokal acho 
1125 verschwunden sein, so war r. in anera des Domesday nich 
lang, wie eine Ableitung aus aveir erfordern würde. 

12. Ferner erscheint arer- als erstes Glied in zahlreichen Zu 
.lamniensetzungen, die freilich nicht vor dem 1 2. Jahrhundert tiachweie 
bar sind, aber erstens nur angel.sächsische Wörter als zweite Gliede 
zeigen und zweitens zum Teil den Urkundenfälscbern des 12. Jahi 
hunderte passend schienen schon für Edwards des Bekenuers Zeil 
also zum Teil möglicherweise bereit« vor 1Ü66 gebildet waren, iy 
steht haverpeni in einer Urkunde um 1045," vieUeicht im 12. Jahr 
hundert interpoliert Neben diesem avarpeiiny bieten die Lexika 
avercom, 'land, -xilrer. Dam kommt aus dem Boldon book'' arer 
mnltk, -yrd ^ -herdt (Pflügen, als Entgelt für Viehweide *), femei 




und ags. 'aferiaii\ 31 

wenigstens nicht notwendig anzunehmen. Dafs der Mittelvokal nicht 
(wie in averium) fest war, hezeugt vielmehr die Variante (in Hss. 
seit 1150) avariare.^ Ursprünglich bezeichnet das Wort 'befördern 
(ziehen oder tragen) durch ein Pferd'; 2 später aber giebt'es averare 
tarn per averagia quam per pedes, ^ averagia in dorso, * ad pedes, * 

Letzteres Wort averagium könnte wie hidagium, bondagium von 
Anglolateinern gallischer Zunge oder Schulung aus einer germa- 
nischen Wurzel mit romanischer Endung gebildet sein. In der hier 
allein in Betracht kommenden Bedeutung 'Beförderungsdienst, ^ zu- 
nächst wieder durch ein Pferd, dann erst auf dem Menschenrücken', ^ 
fehlt es dem Französischen. [Allerdings hat Godefroy ^ die Bedeu- 
tung ^droit de corv6es'; allein seine beiden Citate stimmen dazu nicht: 
icdle maison ei apparienances pouvoient ckeoir en ruyne et encourir 
tngraves averages envers eulx (1382); baüli en averaiges seur O. Panier 
(c 1390).] Aus dem Mittellatein citiert Du Cange nur Beispiele aus 
Britannien; und seinem Bearbeiter Charpentier war averagium so 
fremd, dafs er an Erklärung durch avalagium (Abgabe in Aalen), 
(imria (Steuer zum Schadenersatz), arrivagium (Gebühr beim Schiffs- 
landen) dachte. [Aus averagium wieder entstand ein Verb averagiare^ 
und ein averagius *^ für den diesen Dienst Leistenden.] Dals hier 
frz. aveir, vermutlich durch averium, Einflufs geübt habe, ist wahr- 
scheinlich. Allein daraus allein mit Skeat ' ' das Wort zu erklären, 
ohne Einwirkung des Germanischen, wird erst dann richtig scheinen, 
wenn average in der Normandie so nachgewiesen wird, dafs eng- 



* Quadripartitus, Rect. 2 ; vgl. araragiumj -ius im Chron. Abingdon. 
II mi f. 24:i. 

* Rot. hundr. II 628 averare cum eqiw; Abingdon erwähnt dabei ex- 
poms 8%bi et equis II 42i'; das Chartularium de Ramsey I 50 sibi et 
^Ifro itistentationem. 

' Ramsey 1. c ; vgl. Hot. hundr. II G02 averavit cum corpore absque equo. 
' Ebd. I IS^ ; Neilson Ramsey p. 31». 

* Domesday of S. Paul» p. 81 ; vgl. Vinogradoff 286. 

' 'a beast of bürden' erklärt Stevenson zum Chron. Äbifigdon. II :M)S; 
<loch pafst auch da 'Spanndienste'. 

' MittelenglLscb lautet es average, schottisch arriage ; vgl. Skeat, Mur- 
^J, Wright. " La Cunie citiert nur Du Cange. 

* iuga areragiantia mit Spanndienst belastete Joche Landes ; Viuo- 
fradoff :'J)'.». "* Chron. de Abingdon II .! !:• araragii quwido redemit dp via. 

" Auch E. Mulier Etymol. Wb.: areraf/r von aver alt fr/. Ilalu«. 
Arrhiv f, n. Hpraeben. CIX. G 



K2 Die Abfassungazeil veii 'Itnet. siugul. pera.' und aga. 'Bferian'. 

ÜBclitT Eiiiflufa aufigeschloüseii bleibt Du CungcB C'itaL aus Le Be 
uäuilich niilieint nur nus einem beknnnlcn a iiglo f ran zöai sehen Voks 
bular abges dl rieben. 

14. Wie l)ei der Älinlicbkeit der SebriflKeichen zu erwarten, Lra 
bisweilen nreiitis an die Sielle von affrus, avera: so Bchon im Dome 
ilaj,' [|ann in einer Btauteurkunde von 11!)4;i und Malhene Paiis 
teilt die Pferde in 7tianni i-uncini sumnwrii veredarii averü. Etien? 
steht bisweilen Hn^jbfrK. aver, im Binne von aire, affrt Arbeitspfen 
neben rhiirü hof ■cacke-* Dft dieae Verengung der Bedeutung vn 
aiftV und areHum nur aus England beiegbar ist, so erfolgte si 
unter Einwirkung jenes englischen Wortes für *Gaur. 

' Uu Cnnge. 

' EM.; Stuhbs, Rog. Hoveden IV 1!)^: ai-rrius 'a furiit hurse*. 
' Ebd.; ed. Rjley U. abli. S. Altiani 1 .'iM. Ferner KniyAts Hoepiltälei 
l'iSS ed. Larkiii); j>. '21 : panlura pro Xaffrie 3 sol. i den.: pro ateno 41fai 
* Walter o£ Hentey 8ü. 92. 
BeriiD. F. Liebermann- 




\y 



Matteo Bandello 

nach seinen Widmungen. 



II. 

Drittes Kapitel. 

Bandello über Liebe, Ehe und die Bedeutung 

der Prau. 

Bekannt und interessant, wenn auch nicht immer vornehm, ist 
<^ie Stellung Boccaccios zu den Frauen. Schon in seiner Novelle von 
<ier Witwe auf dem Turm läfst er den verschmähten und angeführten 
Btudenten eine harte Rache nehmen. Eine harte Rache, ja, aber eine 
Rache, die, weil herausgefordert, menschlich und daher verständlich 
'^t; wenigstens verständlicher als die schwachmütige Entsagung eines 
I-iebhabers bei Nicc. Granucci (Diporto 8), der erst zwei Proben seiner 
Liebe siegreich besteht und sich dann von der platonischen Geliebten 
roit einem Hinweis auf da^ roh-sinnliche Nachtigallmännchen wie ein 
'Kummer Junge nach Hause schicken läfst. Einmal aber mufs der 
Verfai^ser des Dekameron persönlich eine sehr empfindliche Abwei- 
'^ung erfahren haben, wenigstens nach der furchtbaren Vergeltung 
zü sohliefsen, die er an der Frevlerin nimmt, die seine Vorzüge nicht 
zu würdigen wufste. Der *Corbaccio' ist eine Schmähschrift, die viel- 
^^\ch einzig dasteht in der Litteratur und den Ruhm ihres Verfassers 
sicherlich nicht erhöht hat* Auch von Bandello ist behauptet worden, 

' Nach Boccaccios urteil ist die Frau schwer von Auffassung, hoch- 
'^'itig. ;:eizig und starrköpfig, deshalb soll sie dem Manne unterthan und 
?j;hoNani i<ein, der ihr in allem und jedem überlegen ist. Mit einem 
Vorte, sie ist ein untergeordnetes Geschöpf, zu ernsten Dingen untaug- 
"*;h udJ nur zu Spindel und Rocken zu gebrauchen. Einige derbe Sprich- 
wörter lielegen noch diese Ansicht. Dafs derselbe Boccaccio zeitweilig 
•uch freundlicher über das weibliche (Jeschlecht dachte und es italienisch 
'^nd iHteiniscb zu verherrlichen suchte, ist ja bekannt, und man ersieht 
^mug. wie eng er sein lieben lang mit den Frauen verhunden war, wenn 
'iieKs IJand auch nie zu einer Fessel werden durfte. Seine innerste Über- 
zeugung ist nämlich doch, dafs man das Heiraten bosser den Narren, den 
Grofseii und dem niederen Volke überlasse, der Weise aber in der Philo- 



84 Matteo Bandello. 

dafs er wenig von den Frauen hielt. loh behaupte das Gegenteil; 
in ilim hat das weibliche Geschleuht einen eifrigen Verteidiger ge- 
funden, teils weil sein milder Charakter jede einxeitige UugerechtJg- 
keit verdamralfi, teils weil er persönlich das Glück hatte, viele aus- 
gezeichnete Frauen der RenaisBance kennen zu lernen und in nähe- 
rem, ja beständigem Verkdir den Zauber ihrer Unterhaltung zu ge- 
niefsen, teils endlich, weil ihm erst der Schulz hoher Frauen di( 
Mufse zu seinen Arbeiten, ja Unterkunft und das Leben selbst ge' 
währte. Auch der "C'ortegiano' dürfte ihn beeinflufet haben. Daff 
er zum mindesten Boccaccios boshafte Schrift durchweg verurteilt, bei 
aller sonstigen Verehrung vor dem grofeeu Novellisten, beweist wohl 
der Schlufs von Novelle 8, 52, wo die Gräün von Gajazzo über das 
Labiriiilü d'a/ntore sowie über den zeitgenössi sehen Dichter Carraelita, 
der es Boccaccio nachgemacht hatte, mit kurzen Worten den Stab 
bricht. Ihre Kritik läfst an Urwüchsigkeit nichts zu wünschen übrig! 
Da ^ich Bandello in seinen Widmungen oft über die Frauen 
äulscrt und von anderen italienischen Erzählern und Lustspieldich- 
Leni jener Zeit — ich nenne nur Macbiavelli, Porlini — Schlechte* 
genug von ihnen berichtet wird, «o dürfte es sich lohnen, auch ein- 
mal den anderen Teil bu hören. Im übrigen ist ja der Streit der 
Geschlechter uralt; ich erinnere nur an den weisen Thale,-;, der en 
als eines von drei ihm verliehenen Glücksgütern angesehen haben 
wll, als Mann und nicht als Weib geboren zu sein. Auch das Urteil 




Matteo Bandeilo. 85 

Furcht begründet ist! Liebe ohne Furcht ist also ein Unding, wie 
Camilla Scarampa so schön in ihrem Sonett sagt: 

Miftttraun und Liebe entsprangen zusammen, 

Keins kann ohne das andere sein. 

Prüfe ein jeder und sag', wie er's mein': 

Herz, das nicht fürchtet, steht nimmer in Flammen. (3, 23.) 

Ober nichts ist mehr geschrieben und geredet als über die 
Macht der Liebe. Täglich wird sie aufs neue von den verschiedensten 
Vorfällen bezeugt Sie ist unermefslich ; aber wie sie Gutes zu stände 
bringt^ wie Versöhnung und Ausgleich, so bewirkt sie auch Böses 
und Greuelsoenen aller Art (2, 42). 

Keineswegs ist die Liebe blind, sondern nach festen Gesetzen 
vollzieht sich ihre Verbindung mit den vier Temperamenten. Die 
Phlegmatiker verlieben sich nie oder selten. Die Melancholiker, 
deren natürlicher Trieb von der Schwere des Zorns niedergedrückt 
und untergehalten wird, fliehen die Liebe für gewöhnlich; gehen sie 
ihr aber einmal ins Garn, so wissen sie sich nicht mehr heraus- 
zuwirren und werden niemals wieder frei. Verlieben sich zufällig 
zwei Sanguiniker, so giebt es unter allen den zahllosen Zufälligkeiten 
io der Liebe kein flotteres und angenehmeres Spiel, kein zarteres 
Band und keine liebenswürdigere Kette: denn die Ähnlichkeit des 
beiderseitigen Blutes erzeugt gegenseitige Liebe, und die Lieblichkeit 
(lie8cr heiteren Gesinnung verleiht nach beiden Seiten Vertrauen 
und giebt die Hoffnung auf ein liebreiches, ruhiges Leben. Sind 
aber andererseits die beiden Liebenden cholerischer Natur, so liefern 
ne den Beweis, dais es keine wildere und lästigere Liebe giebt> da 
«e eine unerträgliche und langweilige Knechtschaft verursacht, voller 
Streit und Vorwürfe; wenn auch die Übereinstimmung der Neigungen 
eine gewisse Gegenseitigkeit des Wohlwollens erzeugen würde, so 
würde doch der entflammte, wütende, verblendete Zorn einen bestän- 
digen und jähzornigen Krieg von beiden Seiten im Gefolge haben, 
ffaj? wird aber der Fall sein, wenn einer der Liebenden ganz San- 
piniker ist und der andere durch Augen, Nase und in jeder Hand- 
lung Zorn sprüht? Infolge der Vermischung der Lieblichkeit und 
und des Frohsinns, die im Blute liegen, mit der starken, fast bitter- 
sauren cholerischen Galle erfahren sie abwechselnd Gutes und Böses, 
*'nd bald verstört, bald wieder das Gegenteil, schwimmen jetzt in 
einem Meer von Wonne und verzehren sich bald wieder in Schmerz 
ööd Kummer. Was geschieht ferner, wenn einer ganz der Melancholie 
verfallen und der andere ganz Sanguiniker ist? Dieses Band pflegt 
meistens dauernd zu sein, und diese Liebe kann man nicht elend 
nennen, denn die Milde des fröhlichen, heiteren Blutes raäfsigt die 
bittere Schwere der Melancholie. Ist aber von den Liebenden einer 
vom Kopf bis zu den Füfsen cholerisch und herrscht in dem anderen 
die traurige und giftige Melancholie, so entsteht aus dieser Liebe, 



S6 Matteo Dandello. 

wenn sie ja Liebe au helfsen verdient, eine verderhliche Pest Di 
heftige, zerseUciide Sinnwart des Choleriker» laslet ilernrtig jiuf den 
Melancholiker, dafs die Gröfse des Zorns, der zu ungeduldig ist, zi 
Wut, Ptrick, Dolch, Gift, kurz zu tausend Unthaten treibi und reiil 
und die melanchoIiBche Natur neigt zu bcBtändigein Jnniruern um 
zu bitter.4er Klage, bo dafs oft diese unglückliclie Licbo mit einei: 
elenden, schrecklichen Tode endigt, wie uns dn« Geschick der I>id( 
des Dichter» Lucretius und vieler anderer bewt-iKt I^^t dai> Naturel 
' zweier Liebenden grundverschieden, so wird nienml!^ zwischen ihnci 
Liebe erblrdien (2, 47), 

Von grofser Bedeutung kann die Liehe für die geistige Eni 
Wickelung des Ment'chen werden. Bildet sie schon den dümmstei 
um und macht ihn gewitzigt und sclilau — man denke an Cinrn: 
im Dekameron (fi, 1) — , wieviel mehr erst den klugen! (3, 27.) 

Eine Wirkung echter Liebe ist es ferner, dafs es dem Liebeiida 
nie an Stoff' zur Mitteilung an die Geliebte fehlt. Jeden Augenblicl 
entstehen vielmehr im Herzen neue Fragen, über die eine Aussprach 
erforderlich ist, wie unser Fratc sogar aus eigener Erfahrung zi 
melden weif^ (3, 44; aus der Zeit seiner Liehe zur Afencis). So an 
genehm, so bcHtrickcnd und meistens so tief ist in der That dii 
Liehesleidcnschaft in den Herzen der Männer von Bildung einge 
wurzelt, dnfs e^ keine Gewall, kein Wissen, keine Heiligkeit rocl 
irgend ein anderes Mittel auf der Welt giebt, um sich vor ihr be 
wahren zu können. Reihst in rohen Gemütern und in niedrigen 




Matteo Bandello. 87 

dafs die Ehe frei sei, weil wir alle von unserm Urahn Adam ab- 
stammten, und daf« demnach dav Mann sowie die Frau heiraten 
könne, wen sie wolle. Die endgültige Kntiiicheidung iiberiäfst man 
aber doch den Rechtsgelehrten, die ähnliche Zweifel mit dem Gesetze 
Inder Hand zu beurteilen wij»:»en! (3, BO.) 

Kann aber der Mann heiraten, wen er will, ohne seinen Stand zu 
entehren, so kann e.s auch die Frau; das ist Bandellos entschiedene 
Ansicht, und hier bricht er die erste Lanze für die damals noch durch 
viele Vorurteile beengte Stellung der Frau. Diese Erörterung knüpft 
Hch an einen ganz bestimmten, unerhört gewaltthätigen Vorfall jener 
Zeit Die Tochter Heinrichs von Aragon, zugleich Schwester des Kar- 
dinalB von Aragon, hatte sich nach dem Tode ihres ersten Gemahls, 
des Herzogs von Amalfi, mit einem sehr anstandigen, ehrenwerten 
Edelmann, Antonio Bologna mit Namen, der am Hofe zu Neapel ein 
hohea Ehrenamt bekleidet hatte, zum zweitenmal vermählt Diese 
Ehe achieo aber den Verwandten der herzoglichen Witwe eine aufser- 
ordentliche Schande zu ssein, und sie rasteten und ruhten nicht eher, 
als bis die arme Neuvermählte mit ihren Kindern grausam ums 
Leben gebracht und ihr Gemahl in Mailand fast vor den Augen 
»einer Freunde erschlagen war ((>. Oktober 1513). Zu diesen gehörte 
Bandello, noch in der letzten Stunde hatte er, leider vergeblich, 
gewarnt Empört über den Meuchelmord schreibt er: 'Es scheint 
mir in der That eine aufserordentliclie Thorheit der Männer zu sein, 
venn sie glauben, dafs ihre und ihres ganzen Hauses Ehre in dem 
Verlangen einer Frau beruhe. Begeht ein Mann einen Irrtum, und 
wi er noch so grols, so verliert seine Verwandtschaft deshalb ihren 
Adel nicht, und wenn ein Sohn von der alten Tüchtigkeit seiner 
tapferen Vorfahren abweicht, so verlieren diese deshalb ihre Würde 
nicht! Aber wir Männer machen die Gesetze, legen sie aus und ver- 
j«hen sie mit Erklärungen, wie es uns gut scheint Da nahm doch 
jener Graf, den ich nicht nennen will, die Tochter eines seiner Bäcker 
wr Frau, und warum? Weil sie reich war. Keiner hat ihn darum 
getadelt Ein anderer, auch ein sehr edler und reicher Graf, nahm 

Herzog von ürbino, wurde von 70-80 Personen in Kostüm, mit den 

Attribnten der olympischen Götter, diirgestcllt; die Aufffdirung, mit vielen 

»öderen Einlagen, dauerte von 9 bis 2 Uhr, also g«nz wie jetzt. Der Aus- 

pujg des Stückes ist folgender: Jupiter entscheidet die obige Frage «u 

Öuwten Junos und des jungen Ehepaaren. . . . la {sententia) aprobo eon 

noUe rasone, tra quäle qiiesta fu per VtUtima che se ognuno serrasse ver- 

finita, mancharia la generatione htimana et san'a coiitra In htstttutimic 

äirina: ertscite e mtdtiplieatniniy ccc. et per conscqiteus mancharia la rer- 

gimtä et aUegando vtolti pericoli de la fragüitä nostra conclnse piü serura 

ti laudabiU essere la vita matrimoniale. — Derselbe Cicgenstand, aber in 

jujdercr Beart)eituug, wurde bei der Hochzeit des Annibule ßentivoglio 

mit Lucrezia Este zu Bologna aufgefülirt. A. Luzio — R. llenier, Man- 

tova e Urbino, 21 u. Anm. 



m Mfttteo Bandello. 

(iio Toclilor eines Maultiertreibers ohne Mitgift zur Frau, biofB wi 
e^ ilim Bü ^ficl, unii jetzt nimmt sie Rang und Stellung einerGräl 
ein, und er ist Graf wie früher* (1, 26). In neuerer Zeit haben si< 
dann die Beispiele gemehrt, daTa Prinzessinnen Gelehrte nahmen ui 
<lie hüchstcn Witwen eich mit gräf]ichen Ehegatten begnügten. Ba 
(tello tritt in dieser Frage rückhaltlos für die Frau ein. 

Auch andere Italiener seiner Gesellschaft, und zwar vomehn 
treten für die freie Wahl in der Ehe ein, aber nur, soweit der Mai 
wählt, und besonders, wenn er recht viel Geld erheiratet Diese A 
sieht wird also schon damals, und zwar mit so viel Oynismus ai 
gesprochen, dafs es sich wohl lohnt, sie ebenfalls zu vernehmen. 

Ein Mitglied des Hauses Visconti hat sich geweigert, der Hoc 
zeit eine^ Verwandten beizuwohnen, der eine LSchlächterstochter geh 
ratet hat mit l'iÜOOÜ 8cudi Mit^ft, bar in die Hand gezählt, all 
in Gold. Bald darauf hat er den Schwiegervater mit der weifs 
Schürze gc.-'ehcn, wie er ein Kalb abstach und bis zum EUbog 
mit Blut besudelt war. Ein anwesender Astrolog erklärt dem ei 
rüsteten Standesherrn den Gedankengang seines Verwandten ; 
selbst ist von hohem Adel, der Adel eines Mannes hängt nienii 
von der Frau ab, sondern der Mann bringt der Frau ebenfalls d 
hohen Adel zu; demnach ist die Schlächterstochter nach der Hoc 
zeit nicht mehr Schlächterin, sondern von altem Adel und ist au 
dafür anzusehen. Nachdem nun noch mehrere derartige Beispii 
angeführt sind, verkündet einer das Urteil des Grafen Mandello 
dns folgen dermafaun lautet: 




Matteo Bandello. 89 

deren ins Wasser. An Tuch und Leder kaufen die Menschen das 
Beete, und bei der Frau sollte nur das Geld allein entscheiden! 
Einer der ersten Feudalherren der Lombardei unter Galcazzo Sforza 
nahm dein Herzog zur Liebe eines ganz verrückten Hauptmannes 
Tochter zur Frau. Das Ergebnis waren lauter ganz verrückte Kinder, 
die viele Erzdummheiten begingen und wohl deshalb das Geschlecht 
zu Grunde richten werden (1, 4). Hier erkennen wir Bandellos wirk- 
liche Ansicht 

Wenn unser Autor sich entschieden gegen einzelne Auswüchse, 
namentlich der rohen Spekulation, wendet, dagegen in einem anderen 
Falle einer Heirat entschieden das Wort redete so giebt er doch auf 
die Frage *heiraten oder ledig bleiben?' eine entschiedene Antwort 
nicht ab und konnte auch in seiner eigenen Stellung als Mönch sich 
nicht wohl in ein Dilemma begeben. Er stellt einmal alle Gründe 
für und gegen die Ehe zusammen, ^ die seit alten Zeiten bei verschie- 
denen Völkern Geltung hatten, und kommt dann zu dem Schlüsse, 
da& die Sache noch unentschieden, noch 'beim Richter anhängig sei', 
wie sein Lieblingsausdruck lautet, und nach seiner Ansicht auch 
immer unentschieden bleiben werde. Denn alle Tage schliefsen Men- 
schen den Ehebund miteinander, aber auch alle Tage kerkern sich 
Mönche und Nonnen hinter Klostermauern ein. So viel steht aber 
nach einstimmigem Urteil fest: wer heiraten will, nehme zur rechten 
Zeit eine Frau und warte nicht bis in die Jahre des Alters; denn 
eine gröfsere Thorheit giebt es nicht, als im Alter zu heiraten. Wer 
im Alter gar noch eine junge Frau nimmt^ die seine Tochter sein 
könnte, der schliefst eine Ehe, die zu Schaden und Schande auf 
beiden Seiten meistens sehr schlecht ausfällt (3, 57). Immer aber 
bleibt eine Heirat eine Glückssache; beim Melonen- und Pferdekauf 
wie beim Heiraten rauTs Gott es zum guten wenden, pflegte der erste 
Sforza zu sagen (8, 47). 

Die Liebe der Geschlechter findet durch die Ehe ihre gesetzliche 
Bestätigung. Die Einsetzung der Ehe durch Gott offenbart uns die 
Bibel zu Anfang der Bücher Mosis. Das Sakrament der Ehe ist 
»Iso di molta eccellenza e grandissimo misteio! 

Für das Verhalten der Ehegatten stellt Bandello folgende Vor- 
JKihriften auf. Zwischen Mann und Weib herrsche Eintracht und 



* Auf Wiederj^be dieser Grunde wird verzichtet, da sie ja nicht Han- 
«lellos eigene Ansicht darstellen. Ilinwei.son möchte ich aber auf den 
'GedaDken' eines feinen italienischen Kopfes neuerer Zeit: alle Kinder 
w^errlen trotz der gröfsten Mühe, die auf ihre Erziehung verwandt wird, 
darch die Berührung mit der Welt fast zweifellos schlecht, wenn sie nicht 
früher sterben. Thaies wollte nicht heiraten, weil Unglück und (Tcfahren 
der Kinder den Eltern so viel Unruhe 1 »ringen. Uesser und vcrnünfti^ivr 
wäre die Entschuldigung, dafs man die Schar der B(*>sewichter niclit ver- 
mehren wolle. Leopard I, Pensieri 14. 



!)(! Matteo Bandello. 

Friede. Jii der Unlerlmltung zeigu sieh der Mntin nicht tierisch und 
roh, deiiu Z;<id< uti> Kl*![iii)rkcib.'ij iiiaclit Ja» HauH zur irdischen 
Uölle. Der Mniin sei ferner gütig utid nieUAcliHuh. Die Frau da- 
gegen f'chwtige und ertrage, wah der Mann thuL bodrI leben die 
KhegutU'ii iji einem Narrc-iihauüc, und das Ende i^t die Scheidung 
oder ein Lelicti wie Kutzei und Hund. Unvullknmmen heilen und 
Bchwächen der Frnu soll der Mann Hecken und nie nicitt öflenüich. 
foiideni milde und im stillen zu heMfern RUchen. Einige Männer Bind 
iilier Kl) rücksichtslos, bo giflJg uud jrrilienhaft und hetrngon sich in 
und iiur^er dem Haueo derurtig, dafs die Frau weiser als Salomo 
und geduldt{;er alj^ der geduldigste Hiub sein müfste, um das aus- 
/uliidtcn und ihren Quälern noch zu dienen. Sehe jeder Mann zu, 
id» seine Frau klug oder unklug ist lat sie unglücklicherweise eine 
ThÖrin, so licdenke er doch, dafs er sie nicht anders regieren kanr 
als mit HnHt4'indJger Haft im Zimmer (1). Einer gescheiten Frau brauch 
der Maun nur einmal ihr Verhalten vurEuzeichneu, und sie wird ge 
hnrchen und sich überall ansländig benehmen. Mit diesem vollei 
Vertrnuen in das Verbalten einer klugen Frau schlierst Bandell- 
äeinc Eriuabnung ab, damit es nicht heifse, er als Münch habe gu 
reden. Nur fafft er seine Ansicht über das Leben der Ehegattöi 
noch eiiirual in den Satz zuBammen : wer heiratet, soll nfich der Lieb 
der Frau i:;trel)en — echt aus dem Gciete der Zeit, wo, wie nocl 
ji'lit vielfach in Ilalieii, die Ehe von den Eltern ohne Zuthun dei 
. wenigi^tcnp deß Miidchuns, abgeschlossen wurde 




Matteo Bandello. 91 

Zart (redicht, wie RofronlK)geii, 

Wird nur auf dunkloii (Jrund gezogen; 

Darum behugt «leni DIclitergenie 
Das Element der Melancholie. 

Trotz der besten Vorbaue ist das eheliche Lehen mancherlei 
Gefahren und Störungen uu8gei?etzt. Selten liegt die Schuld ganz 
auf einer Seite. Bandello spricht auch hierzu manches warnende 
und tadelnde Wort, um läs?sige Ehegatten an ihre Pflicht zu niahnen. 
Bei aller Achtung vor der Frau soll der Mann doch stet« ein wach- 
sames Auge auf sie Iiaben. Allzu grofsc Tx»ichtgläubigkeit den 
Frauen gegenüber ist durchaus nicht angebracht. Manche Ehe- 
luäiiner glauben zehn zuverlässigen Zeugen nicht, wenn die Frau 
leugnet: so haben sie sich den Zaum anlegen lassen. Dann ist es 
freilich kein Wunder, wenn solche Frau stark auf Abwege gerat, 
wenn mit Fingern auf sie gezeigt wird, und wenn schliefslich Güter, 
die den echten Kindern gebühren, Bastarden hinterlassen werden (4, 22). 
Weit mehr zu tadeln sind aber die Männer wegen harter Be- 
handlung der Frau, wenn sie nicht nach ihren Wünschen gehandelt, 
sondern gefehlt hat Sicherlich ist es eine grofse Grausamkeit zu 
nennen, führt Bandello aus, wenn wir allem nachjagen, was uns in 
den Sinn kommt, aber nicht zugeben, dafs die annen Frauen irgend 
etwas nach ihrem Sinne ausführen. Thun sie aber einmal etwas, 
das uns railsfällt, so wird gleich zu Strick, Dolch oder Gift gegriffen. 
Wie gut wäre es, wenn das Rad sich drehte und die Frauen einmal 
die Männer regierten! fügt unser Autor zornmütig hinzu (1, 26). 

Freilich geben ja oft die Frauen den Männern Anlafs zum 
Zorn. Bandellos vortrefflicher Freund Martin Agrippa pflegt zu 
iagen: der Frühling bringt in jedem neuen Jahre nicht so viel Laub 
und Blumen hervor, als die Frauen ihren Männern Streiche spielen ; 
füllte man diese alle niederschreiben, so würden sie mehr Bände als 
die endlosen, weitschweifigen Gesetze ausmachen (3,35). Bandello 
falbst erweitert diese Ansicht schon dahin, dafs zur Aufzeichnung 
der Streiche, die in der Ehe von beiden Seiten ausgeführt werden, 
alles Papier von Fabriano nicht ausreichen würde (3, 51). 

Besondere Feinde der Frauen sind die Studenten. Das weib- 
liche Geschlecht schwärmt zwar für Helden mit grofsen Schwertern, 
die his an den Mond reichen (schon damals!), und verachtet die 
'Studenten, die im bescheidenen Priesterkleid fast unscheinbar einher- 
?ehen: kennte es aber diese und ihre Talente besser, so würde es 
nicht mit ihnen scherzen. Denn die Frauen ziehen sicher den kür- 
zeren, wie schon Boccaccio mit Recht erzählt (Dek. 8, 7). Im Punkte 
'UVil/ ist einem Studenten niemals zu trauen, und hätte lin FAw- 
mann .\rgu8augen, ein Student käme ins liaus, wenn ein Weil) drin 
wäre. Spielt man ihnen wirklich eirnniil einen Streich, so zahlen sie 
ilin .sicherlich mit hundertfachen Zinsen zurück (4, 23). 



ti-> Mattoo Bandetlo. 

In den meisten Fällen aber, in denen sich die Frauen Tergehec 
^eben diu Männer selbst den AntaTs dazu, und zwar auf verBchieden< 
Weise. Gewölmlich durch ihre Eifersucht, die, wenn ohne Grund 
die Frau nur zur Untreue verleiten kann (2, 28; 2, 53). [Da wi 
iibcif oben gesehen haben, dafs ee keine Liebe ohne Furchig dai 
Geliebte zu verlieren, also ohne Eifersucht, giebt, so scheint Ban 
ilello aus dieser bösen Klemme schlechteniinga nicht herauezukom 
men.j Die Ehemänner, die gar zu leicht vertrauen, sind zwai 
leicht betrogen, aber ein Eifersüchtiger kam früher oder später noct 
immer nach Hornberg (3, 47). Die Eifersucht ist eine tödliche Pest 
die die Brust des Ei^rilTenen deritrtig durchsetzt, daTs der Krankt 
selbst nicht allein nichts Gutes davon hat, sondern auch andere kein« 
Kühe genief^cn läfst; insbesondere Eetzt er der armen Frau derartig 
zu, dafs sie die Toten um ihr TjOB beneidet. Einige Frauen sine 
allerdings so gerieben, dafs sie, sobald sie die ungerechte Eifersudi 
ihrer Männer bemerken, ihnen geben, was sie suchen, ihnen nämlicl 
das Wappen der Soderini, ein Hirschgeweih, aufs Haupt setzet 
(I, 34). Auffällig ist, dafs Bandello für die Eifersucht der Frai 
kein Wort des Tadels hat, obgleich diese doch gar nicht selten di 
kostbarsten Blüten treibt. Doch er nennt es überhaupt vertoren 
Mühe, gegen die Eifersucht zu predigen, (Ja sie schon die Quelle s< 
unzähliger Irrtfimpr ward (1, 20). 

Untrene im Falle ungerechter Eifersuclit findet also Bandelh 
ent^^chuldbar; worin finden aber die entsetzlichen Vei^hen ihre Er 




Matteo Bandello. 93 

jene Frau erstochen, erwürgt oder vergiftet sieht und ebenso die Ehe- 
männer sehr oft rait Dolch, Strick, Gift und anderen Mitteln von 
den geriebenen Frauen ums Leben gebracht, so suchen doch all- 
täglich die guten Ehemänner ihr Eigentum zu Hause zu sparen un<l 
lieber fremdes in Gebrauch zu nehmen und zu untersuchen, ob alle 
Frauen, die ihnen in die Hände geraten, mehr oder besseres als ihre 
eigenen besitzen. Aber glaubt auch ja nicht, dals die Frauen mit 
verschränkten Armen müfsig stehen, so dafs man von Gattinnen 
dasselbe sagen kann, was man von Strafsenräubern sagt. Alle Tage 
sehen sie, wie geköpft, gehängt, gevierteilt und verbrannt wird und 
die Galgen überall voller Missethäter hängen ; und trotzdem treiben 
sie es schlimmer als je' (8, 51). 

In diesem Urteil ergeht es den Frauen nicht besser als den 
Männern. Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Darum 
bekämpft Bandello auch ausdrücklich den Standpunkt einer hoch- 
geborenen Frau und Gemahlin eines lieben Freundes, dafs über 
solche Frauen, die sich nicht darum kümmern, ihre Ehre zu hüten, 
ewiges Schweifen walten müsse und sie weder erwähnt noch getadelt 
werfen düifttw- *Wie sollte man erkennen, dafs die Ehrbarkeit zu 
loben ist, wcM^ das Laster nicht verdien termafsen getadelt würde!' 
(1, 37.) Blinder Einseitigkeit kann man unseren Autor demnach 
nicht zeihen, und das verstärkt nur das Gewicht seiner Meinung. 

8o viel über Mann und Frau in der Liebe und Ehe. Vernehmen 
wir nun Bandellos Ansicht über das Verhältnis beider im allgemeinen. 

Den Männern liegt die natürliche Pflicht ob, die Frauen zu 
lieben, zu ehren, zu verehren und zu feiern; wohlverstanden alle 
Frauen, besonders aber die, die es wert sind. Viel weiter kann die 
Ritterlichkeit im Frauendienst kaum getrieben werden. ^ 

Lob aus dem Munde des Mannes bleibt stets ein wenig ver- 
dächtig, weil es aus zu grofser Liebe oder um die Gunst der Dame 
zu erwerben gespendet sein kann; die Anerkennung der Frau aus 
dem Munde der Greschlechtsgenossin ist unverdächtig; insofern gilt 
das Urteil der Frau mehr (3, 17). 

Die Verschwiegenheit im Charakter unseres Diplomaten und 
Autors haben wir schon kennen gelernt; sie gehört auch zu den 
Ordensvorschriften der Dominikaner. Neben der Eingangsthür zur 
Sakristei von S. Marco in Florenz, in jenem lauschigen, stimmungs- 

* Und diese Verehrung bleibt nicht blofs Theorie ; Bandello und seine 
Freunde bekunden sie auch in der Praxi». In Isabellas Gegenwart z. B. 
"werden zwar einige Geschichten erzählt, die man jetzt vor anstündigen 
Frauen nicht menr zum besten gäbe, jedoch war man damals weniger 
amperlich; bei besondere anstöfsigen und unsittlichen Erzählungen aber 
bemerkt unser Novellist des öfteren ausdrücklich, dafs sie in der Abwesen- 
heit der Fürstin (oder anderer Frauen) erzählt wurden, oder dai's man auf 
einen anderen Gesprächsstoff überging, sowie Isabellas bellende Hünd- 
chen da« Nahen der Herrin anzeigten (1, 17; r, :*.0 u. o.). 



Hl Matte« liandello. 

vnUen KliishiHiof gelegen, des^ii IlaUeii iler Pinsel Fra Angeliko 
üiul miiK'n'r KuiiBtler mit Freakcii scliuirickl«', ist ilcr MnrhTor Petni 
WalJu.-', einer der HnupUtreiler tlee Glaiilwiifi und eine der Säulei 
des DuiiiiiiikiiiiGrordeni<, mit dem Finger auf dem Munde dargostelil 
eine Geliünie, die dio Brüder täglich (in dag Gelabde des Schweigern 
injiUiien .sijUte. Verschwiegenheit ist nach ßandelloe Empfinden ii 
allen Dingen gut, st^ht dem Manne aber ganz besonder» gut in 
Frunfiidienst, denn jedes kleinafe (unvorsichtige) Wort befleckt nf 
dio Ehre einer Dame, die doch ihr sehÖHBtea Kleinod ist (1, 38). Wi< 
mancliGr cille Kavalier a]t«r und neuer Zeit würde zugleich üeint 
eigene Ehre besser gewahrt haben, wenn der feinfüiilige GrundBaU 
clicacg Mönches auch der scinige gewei^en wäre. Bandello war wirk- 
lich kein unwürdiger Freund des CastÄglione, der in seinem Cor 
tpgiano die Tugenden aufaiellte, die einen Mann von Ehre un*! 
hiifipcber Bildung zieren *ollt«ii, 

Unsfr Frale kennt aber sein Geschlecht und den waliren Wer 
vieler Worte, die zu achönen Frauen gesprochen werden, viel KU gul 
aU iliifci er nicht wissen sollte, wie selten namentlich die reine Ver 
i'iiruiig des Weihes nu finden ist. Begehren doch im allgemeinen dii 
Miiiiiicr so viel Frauen al» sie sehen und begnügen sicli eclt«n un« 
iiii' niil einer allein; und leider geschieht es alle Tage, dafü dii 
l'iiiucn ins Netx gehen wie die Schmetterlinge ins Licht. Einigt 
liiimii'ln wohl aus Unbedachtsamkeit, andere aber glauben wirklich 
r andere Vorzüge die Männer fe.-iseln i ' " ' 




Mattco Bandello. 95 

Gegenteil, rciflicheB Erwägen und Beraten kann einer Sache .stets 
nur förderlich sein (2, 24; 3, (>). Den Rat, alles recht zu bedenken, 
giebt unser Autor, merkwürdigerweise, bertonders für den Fall, wenn 
die Frauen etwas Böses thun wollen. Er rät ihnen zwar entschieden 
davon ah; thun sie es aber doch, dann sollen sie vorher ja alles 
überlegen, damit sie nicht, wenn sie etwa in die Klemme geraten, 
wie die Dummen ausrufen: O weh, daran hab ich nicht gedacht! (4, 8.) 

Gerade selbst alles gesunden Menschenverstandes bar müssen 
«iiejenigen sein, die da glauben, die Frauen seien nicht für die Wissen- 
schaften und für die Waffen befähigt Bandello geht hier sogar 
weiter als die kühnsten Frauenrechtlerinnen der Neuzeit, denn die 
militärische Laufbahn und die allgemeine Dienstpflicht sind, soviel 
ich weifs, noch nie von ihnen verlangt, wenn auch einzelne patrio- 
tische Mädchen in den Befreiungskriegen und sonst mit Auszeichnung 
gekämpft haben. Der Beweis erscheint unserem Autor überflüssig, 
flenn die alte und neue Geschichte in allen Sprachen zeigen uns 
würdige Frauen in beiden Fächern rühmlich erwähnt Wollten die 
Ellern es nur den Töchtern gestatten, es wäre noch so. Von den 
Frauen des Altertums führt er u. a. Penthesilea, Camilla, Tomyris, 
Zenobia, Sappho, von den neueren Ippolita Bentivoglio, Cec. Galle- 
rana, Cec. Scarampa, sowie ein edelmütiges Griechenmädchen an, das 
als Heldin gegen die Türken kämpfte (4, 1 9). 

Von der vollen Ebenbürtigkeit der Frauen ist also unser Autor 
im höchsten Grade überzeugt und sollte unter denjenigen, die zuerst 
für ihre volle Würdigung eintraten, einen Ehrenplatz einnehmen. 
^ine Bedeutung in dieser Hinsiclit scheint aber gerade von den 
Frauen noch nicht gewürdigt zu sein, vielleicht deshalb, weil seine 
Widmungen bis jetzt noch wenig untersucht waren. Er möchte sehen, 
was aus der Welt würde, wenn die Frau eines Tages die Herrschaft 
erlangte. 'Könnten sie einmal das Regiment führen und sich auf 
ila.« Studium der Kriegskunst sowie der Wissenschaft werfen, worin 
viele ohne Zweifel Aufserorden tliches leisten würden, dann wehe uns! 
Ich glaube wohl, dafs sie es uns tausendfältig heimzahlen würden und 
Uli"' den ganzen Tag mit dem Spinnrocken zur Seite und mit Haspel 
und Garnwinde sitzen liefsen! Und dann würde uns nur ganz rocht 
Kft'chehen, weil wir ihnen oft ohne Grund und ganz unscliieklichor- 
^ci'ie so viel Unrecht thun und sie sehr dienermäfsig behandeln* (1, IM. 

Aber die Frauen sind so edel von Natur, dafs sie sich in der 
Rache an den Männern bald beruhigen würden; so weich und von 
Herzen gut sind sie, dafs sie unsere Bitten bald erhcuen würden, 
^ieiin von Blut, Gift, Tod und Thränen ist ihre mitleidige Seele sehr 
wenig erbaut (1, 26). 

Wir wollen es ferner nur gestehen und die Wahrheit sapMi : 
nicht nur weit weichherziger sind die Frauen für gewöhnlich als wir, 
sondern sie verzeihen auch Beleidigungen unschwer. Einige siiul 



96 Motteo Bandello. 

vielleicht grau.soTii, aber mit Grund, und darum Eind die andere: 
noch lange nicht zu ladein, wenn sie dem ungemiifsigten Verlangei 
der Männer nicht Folge leisten und wie die Hunde da:i kalte Wasse 
fliehen, wenn Bie sich am heifsen verbrannt haben (2, 22). 

Nur eine schliiunie Eigenschaft tadelt Bandello an den Frauen 
und dag ist ihre Halsstarrigkeit Wie oft täuschen sich die Frauei 
in ihrem Verdacht und in vorgefafgten Meinungen! Und haben sii 
r'ich einmal eHvas in den Kopf gesetzt, so sind sie meistens sehr hart 
nückig und :<U>rriech und wollen ee auf keinen Fall aufgeben. Ja 
wenn sie i^elbst ihren offenbaren Irrtum erkennen, hören sie nichl 
auf, bei ihren falschen Ansichten zu verharren, was oft die Ursacht 
sehr grolsen Schadens ist. Alle Frauen sind eben nicht eines Temjjera- 
nients, da die Natur nicht überall gteirfi verfährt. Auch darf mac 
sie nicht deshalb verachten, weil hin und wieder eine schlecht voi 
Charakter ist. Im Gegenteil, wegen einer guten Frau, und derei 
gielit es viele, haben alle anderen auf Ehre und Achtung von seit«« 
der Männer Anppruch, und gar grausam gegen sie zu verfahren, is 
völlig unstatthaft. Je mehr ein Mann eine Frau ehrt, desto meh 
beweist er sich als vornehm und selber jeder Ehre wert (1, 27). Eii 
(■dies Wort, das uns schon an Schiller und Goethe erinnert. 

Nur einen Teil des weiblichen Geschlechts schliefst Bandellr 
nicht ein in seine Verteidigung der Frau, wie man wohl sagen kann, 
F,t> wind die verlorenen Kinder der Strafse. Ein Mann kann wohl 
! Kurtisane hängen, in der Hoffnung, i 







Matteo Bandello. 97 

1. Bandellos philosophische Ansichten. 

§ 1. Der Allmacht Qottes stehen wir taglich staunend gegen- Oott 
über, ohne den Grund ihrer Kraft und ihrer Äufserung zu begreifen. 
Ohne Gottee Willen fällt zwar kein Blatt vom Baum, aber rätselhaft 
bldben uns seine Wege immer. So können wir nichts thun als das 
Böse nach Kräften meiden und im übrigen zu Gott bitten (1, 14). 

§ 2. Die Unsterblichkeit der Seele ist aus dem Schrecken und Unsterblich- 
der Furcht bewiesen, die die meisten Menschen vor Zeichen und ^^^^ 
Geistern haben, besonders bei Nacht und Schweigen. Für normale 
Köpfe ist dies kein kleiner Beweis (nach Bandello) (3, 20). 

§ 3. Der Tod ist das Gewisseste, die Stunde des Todes das Tod 
üngewisseste. Sonderbar ist es, dals die Menschen trotzdem so wenig 
&n ihn denken. Nicht jeden Augenblick soll man den Tod vor 
Aogen haben; aber oft daran denken, dals man Mensch ist und also 
sterben mub, ist für jeden von höchstem Nutzen. Von der Religion 
ganz abgesehen, würde dieser Gedanke 'politicamente* wirken, näm- 
lidi die Gro&en lehren, die Gesetze achten und auf Hinterlassung 
eines guten Namens bedacht sein, die Verbrecher aber von der Sünde 
abhalten. Also würde das Leben ruhiger werden und das goldene 
Zeitalter wiederkehren (8, 15). 

§ 4. Mit unserer eigenen Mühe erreichen wir oft nichts, durch Mühe and 
Glück scheinbar alles. Den Grund weifs Gott allein, sonst hätten ^"^*" 
ihn die Philosophen ergründet (3, 22). Die Verehrung des Zufalls 
mag aber billig den Thoren überlassen bleiben; wir werden jenen 
Satiriker loben, der da sagte: O Zufall, wir Menschen machen dich 
wm Gottl (1, 14.) 

§ 5. Die irdischen Güter verleihen keine Glückseligkeit^ son- Wert der ir- 
dem diese wird erst den Guten oben von Gott bereitet dischen Güter 

§ 6. Alle Tage sieht man die Unbeständigkeit des Glücks; Wechsel des 
nichts Liebes giebt es auf der Welt^ dem es nicht bald seine Bitternis Glücks 
l>^Bcht Mit dieser lohnt es überhaupt imablässig diejenigen, die 
ihm vertrauen. Das ist der klarste Beweis dafür, dafs es nichts 
Festes unter dem Monde giebt (3, 7). Aber so war die Welt immer! 
Oft ist es sogar vorgekommen und wird immer wieder vorkommen, 
<ial8 der Gute die körperliche Strafe erleiden wird, die der Sünder 
gerechtorweise hätte erdulden sollen (2, 8). 

§ 7. Der unablässige Wechsel im Laufe unseres Lebens ist Der Mensch 
sicherlich etwas Wunderbares und sollte vom Menschen mit der ge- ^^ Glück und 
spanntesten Aufmerksamkeit und mit unbeirrtem urteil auf das ge- *™ ^^ ^^ 
naueste verfolgt werden. Ohne Mafs und Zahl sind diese Glücks- 
wechsel; tagtäglich erfolgen sie, bald im Glück, bald im Unglück. 
Da ist heute einer auf den Gipfel des Glücks erhoben, den du morgen 
im Abgrund des tiefsten Elends finden wirst Diese Erwägung scheint 
eines weisen Nachdenkens um so würdiger zu sein, als die ewige 

AtcUt f. n. SprAchen. CIX. 7 



98 Matten Bandello. 

Unbealändigkeit dea Glücks nicht lange nach einer Seite neigt Des- 
halb soll der Mensch, der sieb ins tiefste Unglück gestürKt sieht, 
dem klaren Lichte des gesunden Verstandes, womit ihn die Natur 
ausstatlele, als Führer und Leiter folgen. Richtet er sich danach, 
wird er sich nicht in den Abgrund der Verzweiflung stürzen, aus 
dem er sich niclit ao leicht wieder erheben kann. Vielmehr wird er, 
solange er lebt, ja selbst wenn er eich schon dem Tode mit schnellen 
Schritten nähert, bedenken, dals viele weit härtere Schläge und weit 
gröfseres Elend in unwürdiger Weise erduldet haben als er, dals 
diese aber mit dem Schilde der Geduld sich vortrefflich zu schirmen 
wufsteu und trotz des böswilligen Geschicks wieder emporgekommen 
und zu ihren früheren oder noch besseren Lebens verhältniaaen wieder 
aufgestiegen sind. Desgleichen sollte, wer sich schnell erhoben sieht, 
bescheiden an den Ursprung denken und liebenswürdig und gefällig 
sein. Lebten die Menschen nach diesen Grundsätzen, so verliefe 
unser Leben ohne Zweifel ruhiger, als es leider der Fall ist (3, 68). 
g >i. Das Leben sollte uns teurer sein als jedes irdische Gut. 
Das lelirt uns die eigene Natur, die uns antreibt, es auf jede mög- 
liche Weise zu erhalten; das lehrt uns sogar jedes unvernünftige 
Tier, das sich auch nicht greifen oder töten läTs^ sondern mit allen 
ihm von der Natur verliehenen Waffen für seine Erhaltung kämpft 
(3, 66), 
I § 9. Alles Unheil in der Welt kommt daher, daTs der Mensch 

Leidenschaften und unzähligen Gelüsten nicht widersteht, 




Matteo Bandello. 99 

Za dieaen Narren gehören solche, die andere wegen Fehler tadeln, 
die an ihnen selbst auffallen, auch solche, die gegen kleine Fehler 
der Nächsten streng und unnachsichtig sind, ihre eigenen ungeheuren 
TInthaten dagegen nicht sehen wollen; femer solche, die sich für 
sehr geweckt halten, obgleich sie von allen genasführt werden (1, 54). 
Auch anderen Streiche zu spielen, ergötzt viele, und diese halten sich 
ebenfalls für sehr witzig und gescheit Wird ihnen selbst aber ein- 
mal ein Schabernack zugefügt, dann geht es ihnen wie den Hof- 
nanen, die sich über hundert gelungene Streiche nicht so viel freuen, 
vie sie sich über einen einzigen ärgern, der ihnen selbst gespielt wird 
(1, 8). Thoren soll man sich vom Leibe halten. Wer sich unterfängt, 
sie zu leiten, wird oft angeführt (8, 49). 

§ 13. Jedes Lebensalter hat seinen eigenen Charakter, der den Die Lebens- 
anderen nicht zukommt^ und dessen Fehlen man ebenso tadelt wie ^^^^ 
iu Verschieben in eine ungehörige Zeit Dem Kinde gehört das 
Spiel, dem Jünglinge die Liebe — ohne sie wäre er ein Wilder und 
Grillenfänger — , die dagegen dem Manne und dem Greise nicht 
mehr eigen ist, den Greis vielmehr zur Zielscheibe des Spottes macht 
oder ihm den Verstand raubt (8, 83). 

§ 14. Die Macht der Tüchtigkeit ist sehr grofs; sie zieht nicht Macht der 
nur die Guten an, sondern lockt auch die Schlechten zur Verehrung Tüchtigkeit 
ond Achtung. 

Zu jeder Zeit, bei allen Völkern und in allen Weltteilen stand 
ciie Tüchtigkeit in höchster Achtung. Die tüchtigen Männer, ob 
Philologen, Philosophen oder Künstler, wurden von den mächtigsten 
I^ürsten und Republiken geehrt^ erhoben und reich belohnt 

Darum sollte jeder eifrig den wahren und guten Weg suchen 
(3,50; 1, 58; 2, 14). 

§ 1 5. Unter den Tugenden kann es keine Zwietracht und keinen Die Tugenden 
Gegensatz geben, z. B. zwischen Strenge und Milde (2, 49). 

Ob der Zweck die Mittel heiligt, verrät Bandello nicht Aber 
Handlungen wie Vergewaltigung und Überlistung, wenn sie zu ehr- 
lichem Zwecke, wie Heirat und Versöhnung, geschehen, erfahren 
wenigstens kein Wort des Tadels (2, 42). 

§ 16. Die Aufrichtigkeit verteidigt Bandello auf das entschie- Wahrhaftig- 
<ien8te, wie wir früher gesehen haben. Er beklagt^ dafe bei Dingen, ^^'^ 
4e wunderbar erscheinen, die Menschen oft an eine Fälschung durch 
den Schriftsteller glauben, ohne dafs sie dabei sich die Heiligkeit 
der Greschichte vergegenwärtigen, die mit Wahrhaftigkeit geschrieben 
werden muis (1, 51). Ein prächtiges Wort> von Historikern und 
Kirchenvätern leider nicht immer genug beherzigt 



Heil^blfitigkeU des Südländers, erklärt wird, wie andererseits der Germane 
sdne ruhige Überl^ung und Nachhaltigkeit nur der kälteren Temperatur 
seineB Nordens veraanken soll. 






i 



100 Hstteo Bandella 

1 § 17. Die Dankbarkeit gehört zu denjenigen Tugenden, die dei 

Menechen derartig umbilden, daTs der Weg für die anderen sitüichej 
Tugenden in ihm dadurch zugänglicher gemacht wird; denn ohn 
dieee kann er auch für empfangene Wohltfaaten nicht danhbar eeic 
Die Dankbarkeit ist ehrenvoll und löblich. Der Dankbare erweis 
allen Freunden, Verwandten und Wohlthätem bo viel Dank, als e 
kann, und bekennt sich täglich aufs neue als Schuldner, nicht nu 
in Worten, sondern in Thaten und Werken dea Geistes, und zeig 
dadurch, dafs er eher sich als die Wohlthaten des Freundes vei 
gessen könnte (3, 67). 

§ 18. Der Undank ist ein achändlichea, aehr tadelnswerte 
Laster. 'Daher habe ich mich stets bemüht, es zu fliehen, und be 
mühe mich auch jetzt noch, so weit ich kann, mich davon tu enl 
fernen' (1, 46). 

t § 19. Das Urt«il der Menge lautet: dumme Diebe sind mi 

dem Tode zu bestrafen ; wird ein kluger abgefa&t^ so thut allen seii 
Tod leid (3, 40). 

Äbnlicli ist auch jetzt noch die Stimmung in Italien, wenn ein 
berühmter — kein berüchtigter — Brigant abgefalst wird. Eben 
zur Zeit wird Musolino, gegen den ganze Kompagnien aufgebot«i 
sind, schon während seiner 'Praxis' in Hintertreppenromanen, dai 
Heft zu einem Soldo, als Held gefeiert Auch Richard VofB hat ii 
seiner Novelle 'Fra Checco* das 'harmlose' romantische Bandit«nweEer 
Italiens verklärt. Fra Cliecco war fader iet?l eben auch ein klut 




Matteo Bandello. 101 

Strafen der Sünder bestimmt Deshalb steht der Milde die Strenge 
nicht entg^en, wohl aber die Grausamkeit Ein geringeres Übel ist es, 
bei Werken der Justiz und der Gnade in der Milde zu weit zu gehen 
als in starrer Gerechtigkeit; denn leicht können wir in Grausamkeit 
verfallen, die nicht nur den Menschen so sehr mifsfällt^ sondern auch 
gänzlich Christi Lehre widerspricht, der, aller Grausamkeit abhold, 
vielmehr barmherzig ist und allen Sündern verzeiht» wenn sie auf- 
richtig Reue empfinden. Wehe uns selber, wenn Gottes Gnade nicht 
gröiser ist als seine Gerechtigkeit! (2, 49.) 

§ 22. Der Milde sehr entgegengesetzt ist das Laster der Grau- Graasamli 
samkeit Sie ist unnatürlich und unmenschlich besonders einem ^^ ^' 
toten Gregner gegenüber (2, 18). Sie ist eine tierische Roheit der 
Gesinnung, die weit mehr als die natürliche Vernunft uns heilst, die 
Bestrafung der Vergehen begehrt und den Fehltritt durch die Züch- 
tigung bei weitem übertreffen will : wirklich eine Gesinnung, die mehr 
vom Vieh als vom Menschen hat Weil nun der Zorn sehr oft un- 
seren Sinn derartig verdüstert, dafs er sich nicht mälsigen kann, und 
ihn so verblendet, dafs er uns das Wahre nicht erkennen laist, so 
pflegt man zu sagen, dals der Zornige niemals einen Verbrecher 
strafen solle, solange der Zorn ihn beherrscht und verblendet, weil 
er das richtige Mals nicht zu halten wüIste, das zwischen dem Zuviel 
und dem Zuwenig erforderlich ist (2, 49). 

§ 28. Der G^iz ist stets verdammlich, besonders an Geistlichen. Geiz 
Einem geizigen Priester ist ein Streich wohl zu gönnen (2, 1). 

Wer so geizig ist, dals er wie ein Hund auf Reisen lebt oder 
weder Freund noch Vetter kennte ^ wenn er Geld verdienen kann, 
wie z. R die Bauern aus Bergamo und aus Spanien, der verdient den 
schärfsten Tadel (4, 25). 

§ 24. Diejenigen Güter, die Gott uns verleiht, sollen von uns Freigebig! 
in der Weise übernommen und ausgeteilt werden, die unserem Stande 
entspricht Folgen wir dagegen einem regellosen Triebe, so handeln 
wir den Gresetzen der Freigebigkeit entgegengesetzt, die zu den höch- 
sten sittlichen Tugenden zählt und von allen heidnischen und christ- 
lichen Schrif steilem so sehr gerühmt ist (2, 1). 

§ 25. Der Stolz werde gemieden, besonders von Geistlichen; Stoi» un 
die Freundlichkeit gewinnt Liebe und Ehre (3, 82). Freundlich: 

§ 26. Schlimme Laster sind der Jähzorn und das Spiel. Ersterer jahzom i 
fährt zu Blutvergiefsen und Verleumdung. Das Spiel verleitet den 8?»^^ 
Menschen zuerst zum Geiz, dann zur Habgier, weil er immer alles 
wiederhaben will und doch nur verliert Alsdann brandschatzt er 
*Ue Verwandten und Freunde, um schliefslich mit Frevelthaten und 
^em schimpflichen Tode zu enden (3, 4). 

' Wat Vedder, wat Fründ; wer kein Geld hett, bliwwt mi von* Wagen! 
P^iderd. Sprichwort) 



102 



Matteo Baniiello. 



E- § 27. Sfihwatzhaftigkeit und Oberhebung verraten den Dummei 

und Bind zu tadeln (2, 17). 

§ 28. Das Schamgefühl treibt die Menechen, besonders dip 
Frauen als die Schwächeren, oft zu Tode. So eine Belogene um 
Betrogene wird von nachbarlicher Hartherzigkeit einfach hingemorde 
(3, 13). 

2. Bandellos Lebeueweisheit 

i § 29. Der gebildete Praktiker geht über den reinen Theoretiker 

ja zuweilen ist der blolse Praktiker ohne Bildung, aber mit langei 
Übung, schon demjenigen weit überlegen, der in derselben Sachi 
sehr gelehrt, aber ohne Erfahrung isL 

Diese Lehre beleuchtet Bandello mit der köstlichen Erzählung 
wie der kluge und gelehrte Machiavelli r^ich im Lager zu Lambrat 
bei heiJsem Sonnenbrände stundenlang umaonst abmüht, einige tau 
Kend Bewaffnete nach einem von ihm erdachten EserKier-Reglemen. 
aufzustellen, während der praktische Kriegs mann Giovanni dellf 
Bande Nere dieselbe Schar in einem Äugen bHck ordnet und beliebig 
exerzieren lüfst (1, 40). 
t § 3ü. Urteile sind oft schwer abzugeben, so lange eine Sacfa« 

t noch nicht zu Ende ist; daher werden im allgemeinen die Dinge 
nach dem Erfolge beurteilt. Der Verständige wird aber bei vielen 
Dingen sagen können, ob sie gut oder schlecht sind, obgleich zur 
Zeit das Ende gut au sein scheint. Sich zwecklos in Abenteuer zu 




Matteo Bandello. 103 

Höherer fein andeutet, so dals sie sich bessern oder' schämen, 4) stolze 
Seelen, die keinen Tadel, sondern nur Lob ertragen, in vertrauter 
Gesellschaft so gewandt mit Spott zu treffen weils, da(s die Dummen 
es gar nicht merken (1, 48). 

§ 82. Vom Erhabenen bis zum Lächerlichen ist nur ein Schritt; Extren 
Bel^e aus dem Gerichtssaal und von der Kanzel (3, 28). 

§ 33. Kleider machen Leute. ^ Dazu vgl. unter Kap. I dieser Kleide 
Abhandlung (Archiv CVIII, 834). machen l 

§ 84. II lupo muta ü pelo, ma non cangia ü vixio. Wer bei Macht dei 
guter oder schlechter Gewohnheit alt geworden ist, wird dabei sterben, woimiu 
Der gute Mensch kann auch zu Falle kommen, aber er bereut und 
sündigt nicht mehr; der böse thut wohl einmal Gutes, aber bald lälst 
er wieder ab und kehrt zum Bösen zurück (1, 6). 

§ 35. Höflichkeit gegen Fremde ist ein löblicher Brauch. Als Höflichli 
Vorbild kann jener Edelmann aus Mantua dienen, der ungebeten 
Fremde in sein Haus holt und sie berät (1, 88). 

§ 36. Zu groise Familiarität ruft Mangel an Achtung hervor Hcrrea i 
und ist oft die Ursache, dafe der Untergebene seinem Herrn nicht l>Jenei 
die schuldige Ehrerbietung erweist, vielmehr mit anmafslicher, kecker 
Vertraulichkeit sich sehr schwer vergeht Deshalb sollten sich Vor- 
gesetzte mit ihren Untergebenen nie so vertraut machen, dafs sie 
diesen Grelegenheit geben, ihren Herren geringere Achtung zu be- 
wdsen und in ihrer Anmafsung häfsliche und ungehörige Dinge zu 
b^ehen. Ebenso sollten die Diener, wenn sie sich von ihren Herren 
geliebt wissen, sich doch klug zu beherrschen verstehen und immer 
demütiger werden, jedenfalls aber die Freundlichkeit ihrer Herren 
mit möglichst wenig Dreistigkeit erwidern (3, 25). Glaubt ein Höf- 
iing oder Diener seinen Herrn tadeln zu müssen, so sei er niemals 
voreilig. Groise Ellugheit verrät der, der seinem Herrn einen Wink 
giebt, ohne in Ungnade zu fallen. Eine feine Bemerkung vermag 
oft viel. Gar manche überschätzen aber ihr Wissen und ihre Stel- 
lung sehr und möchten ihren Brotherrn ohne jede Rücksicht vor- 
nehmen, und zwar am liebsten in Gegenwart recht vieler Leute, um 
ihre Gewichtigkeit zu zeigen. Wenn der Herr nun auch vielleicht 
»eben Zorn zuweilen hinunterschluckt, so wird er ihn doch sicher 
dem Tadler aufs Kerbholz schreiben und zu geeigneter Zeit und Stunde 
dem ein Licht aufstecken, der ihm heimleuchten wollte. Darum mache 
ein kluger Hofmann oder Diener seinen Herrn mit Vorsicht und 
£igebenheit auf einen Lrtum aufmerksam, und zwar wenn sie ohne 
Zeugen sind (8, 26). 

Züchtigen soll man Diener nur einmal, sie ablohnen und sofort 



* Sehr im Gegensatz zu Bandellos Lebenssatz steht ein anderer Do- 
minikaDer, t'assayanti, in seinem Specchio della vcra penitenza, cap. 282; 1^, 
nach 8. Gregorio. 



104 Matteo Bandello. 

in Gottes Namen gehen lasaen, wiedemehmen aber niemale, Ebeni 
sind Möhren oder gekauft« Sklaven zu behandeln, veil sie oft sei 
böBartig sind. Darauf verstehen sich vorzüglich die Genuesen: habt 
sie einen Sklaven oder eine Sklavin, der Züchtigung verdient, i 
verkaufen sie ihn oder senden ihn nach Evizza (?) zum Salztragi 
(3, 21). 
I § 37. Wenn alle denkwürdigen Sachen aufgeschrieben würde 

so würde häufig die Zeit, die jetzt verschwendet oder mit Allotr 
hingebracht wird, dazu verwandt werden, angenehme and nfitzlicl 
Sachen zu lesen. Dann würden die Menschen auch oft die Gelege 
heil. Böses zu thun, fliehen (2, 40). 

§ 38. Erholung nach der Arbeit zu suchen, ist dringend anz 
raten. Das haben auch zu allen Zeiten edle Männer getlian, Rom 
und Griechen, wie Scipio, Laelius u. a. Es ist keinem zu verdenke 
die Seele von ernsten Dingen abzulenken und zu spielen, um d« 
Geiste wieder Kraft und Stärke zuzuführen. Dann kann er nachl: 
die Last der Arbeit, die stets Sorge und Unruhe mit sich brin 
widerstandsfähiger auf sich nehmen (2, 40; 2, 45). 

Vivete lieti! Lebt vergnügt! sollen nach Douglas' Unterauchtu 
die letzten Worte unseres Dominikanermönches gewesen sein (vj 
Tafel). Sie würden seine ganze heitere, harmonische Weltanschauui 
kurz und bündig enthalten. Wer gedächte dabei nicht des /uFf 
mit dem sich einst das lebensfrohe Griechenland begrüfst«! 




AKatteo Bandello. 105 

1505 B. mit Oheim in Florenz (S. BL Novella). Neigung zu Violante 

Borromeo {f 1506). 

1506 B. mit Oheim in Born und Neapel, wo Vincenz stirbt 
Alessandro und Ippolita BentivogÜo werden aus Bologna ver- 
trieben, lassen sich in Mailand nieder. 

1507 Rückkehr B.8 nach Mailand. Julius II. verlangt Auslieferung 

oder Vertreibung der Bentivogli aus Mailand. 
1507—12 B. thätig im Dienste der Bentivogli. 

1508 Bentivogli, aus Mailand verwiesen, gehen auf die Terra ferma. 

1508 (?) B.8 Reise über die Alpen nach Blois (2, 6; 4,« 16). 
Ba lateinische Übersetzung von Dekameron 10, 8. 

1509 ligue von Cambray gegen Venedig; Julius II. Feind Venedigs, 

zum Teil weil dieses die Bentivogli duldet 
14. 5. Franzosen schlagen die Venetianer bei Gfaiarad'Adda (8,82). 
18. 6. Einzug Ludwigs XII. in Mailand (3, 82). 

1511 Die Bentivogli gewinnen Bologna wieder. 

1512 11. 4. Schlacht od Ravenna. Die Bentivogli verlieren Bologna 

für immer. 
1512—15 Maximilian Sforza Herzog von Mailand. 

1513 6. 10. B. fast Zeuge der Ermordung des Antonio Bologna (1, 26). 
1515-47 Franz I. *^ ^ K o ^ 

1515 Sieg Franz' L bei Melegnano; Maximilian tritt zurück (l, 28 N.). 
1515—21 Lautrec Statthalter von Mailand. 
1515—25 B. bald in Mailand, bald in Mantua. En^er Verkehr mit den 

Oonzaga, besonders Isabella und Antonia. 
1515—27 Unerwiderte Liebe B.s zur Mencia in Mantua. 

1518 18. 4. Isabellas Sittenzeugnis für B. (vgL 3, 42). 
Heirat Camilla Oonzagas (1, 7; 2, 52; 4, 6). 

1519 20. 3. Francesco Oonzaga, (Gemahl Isabellas, f. 

1520 B.8 lateinische Oedächtnisrede auf Francesco.* 

1522 15. 8. Prospero Colonnas Sieg an der Bicocca (1, 27). 
Franz II. Sforza Herzog von Mailand. 

1523 B. Prior des Klosters von Crema. 

1525 Schlacht bei Pavia. B.s Habe in Mailand geplündert B. zur 

französischen Partei. 
1526—28 Alessandro (f 1532) und Ippolita Bentivoglio lassen S. Maurizio 
zu Mailand mit Fresken schmücken. 

1526 Sept B. im Lager des Giovanni delle Bande Nere (1, 40). 
Okt. Enthauptung der Gräfin Challant (1, 4). 

? Bemühungen des Markgrafen von Mantua in Rom, für B. 
zeitweilige Befreiung vom Zwange der Ordenstracht zu er- 
langen. 

1527 Mai Erstürmung Roms. 

Juni B. im Lager zu Viterbo (1, 41). 

1528 B. vermittelt oie Ehe zwischen Cesare Fregoso und Costanza 

Rangona. 
Vermählung der Violante Bentivoglio mit G. P. Sforza zu Fer- 
rara; anwesend B. und Filippo Baldi (2, 44). 
Iö28~4l B.s enge Verbindung mit Cesare Fregoso. 
1529—36 B. am Hofe Fregosos zu Verona. 

1530 Tre Parche* auf Fregosos Erstgeborenen Giano gedichtet (3 capi- 
toH). 
1536—37 B. mit Fregoso im frz.-ital. Heer gegen Genua und Piemont; 
mit Fr. auch nach Frankreich zum König. 

* Abgedruckt bei Hasi, a. a. O. Appendix II. 



106 Matteo Bandello. 

15S6— 38 'XI Canti' u. b. w. entstandeD. 

1537 — 41 B. mit den Fregoso in Castelgoffredo. 

1541 3. 7. Ceeare ermordet; Costanza aus Venedig verbannt 

1542 Ckwtanza zieht sich mit B. nach Bassens a. d. Garonne zurück. 
1542 — Lebensende B. am Hofe Costanzas. 

1544 'Canzona delle divine doti di Mad. Marg. di Francia' etc. (Tochter 

Franz' I.), mit Widmung in Proaa. 
? B. widmet der Köninn Margarete von Navarra seine Übersetzung 
der Ecuba des Euripides (4, 20). 

1545 'XI Canti' ^ruckt zu Agen bei Beboglio. 
1550 Giovanni di Lorena, Bischof von Agen, f- 

B. erhält das Bistum von Heinridi II., nebst der Hälfte der 

Einkünfte. 
1550 1. 9. B. von Julius III. als Bischof bestätigt 
1560? B. tritt von seiner Würde zurück. Giano Fr^oso folgt ihm 

(t 1586). 
1562?BandeUo + ' 

1554 Bandello, Le Novelle, Tomi 3, Busdrago, Lucca. 
1573 Bandello, Le Novelle, Tomo4, Marsilj, Lione. 

* Vgl. Douglas, Certain tragical discourscs of B. tranalated into Engliah ; dazu 
Giorn. Stör. 37, 148—51. 

Florenz. H. Meyer. 



Ergänzungen zn den Werken Clande Tilliers. 



\y 



I. Gedichte. 

Die vierbändige Ausgabe der Werke Tilliers^ die 1846^ zwei 
Jahre nach seinem Tode^ in Nevers bei C. Sionest erschienen 
ist, enthält bei weitem nicht alles, was Tillier zu seinen Leb- 
zeiten an verschiedenen Stellen in Clamecy und Nevers veröffent- 
licht hat. Schon die von Felix Pyat geschriebene Vorrede läfst 
das jeden Leser sofort erkennen. Sie erwähnt und kritisiert 
Tilliers Gedichte; die vier Bände aber bringen kein einziges. 
Unter den Citaten Pyats sind zwei längere, anscheinend wie die 
anderen aus Pamphleten genommen; die Werke enthalten diese 
Pamphlete nicht Das eine der «täte S. XVI ff. (Archiv CVm 
S. 92 ff. fast vollständig wiedergegeben) vermag ich noch immer 
nicht an die ihm gehörige Stelle zu verweisen; das andere 
S> LXn ff. findet sich in der ersten Sammlung der Pamphlete^ ^ 
im zweiten^ 1844 nach Tilliers Tod aus hinterlassenen Manu- 
skripten durch Freunde zu einem notdurftigen Abschlufs ge- 
brachten Bande. Die Abhandlung, der es entnommen ist, führt 
<ieQ Titel De la Poesie und enthält im wesentlichen eine für 
Tillier sehr bezeichnende Recension Victor Hugos, doch nur 
^en ersten, absprechenden Teil. Ein zweiter im übrigen nun zu- 
stimmender Abschnitt sollte, wie es scheint, folgen; aber die Er- 
örterung ist Fragment geblieben. 

Dasselbe Pamphletbändchen bringt zum Schlufs die drei 
^ten der hier neu abgedruckten Gedichte. Das vierte ist dem 

' Sie ist heute sehr selten geworden. Die Biblioth^ue Nationale in 
°^ hat ein YollstaDdiges Exemplar. Aufser diesem kenne ich nur noch 
^eB, in PriTatbedtz. 



108 ErgäDzuDgen zn den Werken Claude TQUen. 

Independant (v^. Archiv a. a. O. 8. 102) vom 25. August ] 
eotDommen, die drei letzten der Association (das. S. 106X J 
gang 1842. Eine nähere Besprechung für epSter vorbebal 
gebe ich liier zunächst den blofsen Text der Gedichte. Dod 
wenigstens so viel vorhemerkt, dals hesouders die politisi 
und social politischen nicht nur Stimmungen des Augenblicks, 
deru zugleich, in poetisch gesteigertem Ausdruck, Uberzengui 
wiedeigeben, an denen Tillier bis zuletzt festgehalten hat. 

1. La Franoe libre. 

vons, qui cbantez Bur la lyre, 
Un jour libre et Berein nur noa fronta a. brillä; 
Abandonnez votre äine an souffle qui l'inapire, 
Votre luth, sone lenra pied« ne aera point fonlä: 
Le luth eat libre enfio d'nn odieux scellä. 

France, France, ont-ils dit dons lenr folle penB^, 

Tee peuples fl^triH exptront 
Ces lauriera insolentB dont ma Tue est blees^; 
Des reis bumili^ je vengerai l'affront; 
J'^galerai leur lionte ä leur gloire paasfe: 
Le joiig, un joug sanglant, ^rasera leur front! 




ErgSnziingeD zu den Werken Claude Tilliers. 109 

Et lorsque la victoire eut fait tomber leurs annes, 
Qaand sur leurs fr^res morts ils r^pandaient des larmes, 
Ils disaient aux vaincus, fumants d'assassinats : 
Un citojen sait vaincre, il ue se venge pas. 

Et Yous, d'un jour sanglant inutiles victimes, 
Q4n^reux compagnons frapp^ avant le temps, 
VouB dont la mort ne fut qu'un crime apr^ des erimes, 
CFne lache de plus sur le lys des tyrans, 

Dites, quand la France est veng^, 
Voe mänes s'agitant sous leur sanglant linceuil, 
Et fiers d'avoir enfin une terre purg^e, 
N'ont-ils point tressailli dans Pombre du oercueil? 

France I un sang bien eher a coul^ de tes veines, 

Tu triomphe en habit de deuil, 
Mais sous tes pieds sanglants est un sceptre et des chaines, 
Idais ton front resplendit et de gloire et d'orgueill 
Comme un astre ^gar^ reparais dans l'espace, 
Parmi les nations viens reprendre ta place: 
A l'homme qui sera ton premier citojen, 
Dis: Comme moi, des lois porte l'^troit lien; 
J'ai longtemps dans ma main pes^ le diadöme: 
Instrument couronn^ de mon pouvoir suprSme, 
Tout r^dat de ton front n'est qu'un reflet du mien. 

Qn'ils marchent contre nous ces bataiilons d'esdaves, 
Du Nord et du Midi qu'ils marchent k la fois; 

Nous sommes les fils de ces braves 
Qui pos^rent leurs pieds sur le front de leurs rois. 
Que du Rhin ä l'Adour le tocsin sonne aux armes: 
Aux armes, citoyens; debout, debout, marchonsl 
Avant un repos libre, encore le jour d'alarmes. 
Sur leurs d^bris sanglants demain nous r^gneronsl 

Partout, partout le fer en un giaive se change; 
II brille, il est tranchant, il est pr^t k frapper: 
Qu'ils marchent; le serpent qui rampe sous la fange 
Peut-il forcer Paigle ä ramper? 1830. 

^* Hommage ä la memoire des citoyens morts 
dans les jonmöes des 27, 28 et 29 juillet. 

Fl^chissons le genou: sous cette croix sacr^e 

Leurs corps reposent sans linceuil; 
Mais ils ne laissent point unc cendre ignor^e: 
Sur ce pav^ sanglant la gloire raste en deuil. 



Ergantnngen zu den Werken Glsude Tülicn. 

Ce jour libre et serdn \ev6 sur cea livages, 

De leuT sang üb l'ont achet^; 
IIb en ont vu I'aurore k tr&ven des ouagn 
Et teurs reaUs Hanglants aeuk ont la libat4 

Si TEurope demonde et leur aom et lenr vie, 

NouB dirons: A U France ils oot donaö levis joare. 

Sait-oD qucllea gouttea de pluie 
Oot gonftä le torrsit qui renvene des biura? 

Hier, hier encore, iU passaient en Bilence, 
Un roi les appelait peuple esclave, tronpeaa; 
Kais l'immortalit^ pour eux däjä commence: 
Oa porl« envie ä leur tombeau. 

PleuroflB ici, rran9ais, pleurona; rnain anr leur cendre 
N'allona point entasBer des marbres et l'oubli: 
ijur ces pompee des morta une ombre aime ä deecendre 
l^a tyrans sur leur tombe out des marbree anssi. 

Mais a'il est autour d'eux quelque tron^on d'äp^ 

Qui dane la poudre resplendit, 
Quelque fcharpe eans Ijs et dans ie eang tremp^: 
A leur croix Immortelle attachona ce troph^; 
Ce eigne aur leur croix ä leur gloire auffit. 




Erginzmigeii zu den Werken Claude Tilliers. 111 

Pr^ du trdne, en secret, fructiüe et s'^l^ve. 
Domine enfin nos fronts et brave notre glaivel 

Que lenr courroux s'exhale en murmures, en'cris; 
MaU s'Us osent toucher ce sol avec des lys, 
Que leurs yains bataillons se perdent en nos plaines 
Ck>mme un amas neigeux aux roches suspendu, 
Qu'en ses flaues mugissants un yolcan a re9U. 
Alors, k Yos martyrs, offrez, offrez leurs chaines, 
Et qu'un sceptre insolent, plus puissant que les lois, 
Jamals ne pr^omine ä c6t^ de leur croix. 

Mais 11 est pour leur oendre encore un digne hommage; 

L'homme dont yous avez purg^ ce beau rivage 

Ne yeut point oublier que son front fut brillant: 

A son fils, yer impur qui deviendra serpent, 

II ose, il ose encor l^guer en h^ritage 

Ce soeptre dans le sang par yos malus ramass^, 

Et ce siMe de gloire aujourd'hui commenc^. 

Si ce vain rejeton d'un Yieil arbre en ruines, 

Un jour, au sol Fran9ais Yeut jeter ses racines, 

Avant son joug honteux subissons le tr^pas: 

ün penple libre tombe et ne se courbe pas. 

Ne laissons que la oendre aux esclaves qu'il traine; 

Que des palais bris6s seuls restent son domaine, 

Et que son drapeau blanc, blanc comme est le linceuil, 

N'ombrage de la France, h^lasl que le cercueil. 

Et YOUS, qu'en expirant ils l^guaient ä la France, 
Qui n'osant avouer le tourment de la faim, 

Venez vous asseoir en silence 
Sur les tombeaux de ceux qui vous donnaient du pain, 
Je voudrais soulager votre noble indigence; 
Mais cach^, comme vous dans Tombre et le silence, 
Et trempant comme vous mon pain de mes sueurs, 
Je ne puls vous donner que mes chants et mes pleurs. 

3. A Elle. 

Lorsque pensant ä toi, je jette de mon äme 

Pour adieux un doux chant 
A Tautomne qui meurt, comme une blanche femme 

Qui sourit en mourant, 

Disl vas-tu comme moi, mon ange, ma ch^rie, 

Par oes demiers beaux jours, 
Dans le chemin bord^ d'un pou (Vherbe fi^trie, 

R^vant de nos amours? 



den Werken Claude Tilliers. 

Ou par ce blimc soleil, blnnc comme un front bods rose, 

Oü k mort a passä, 
Viens-tu voir au vallon s'il reste quelque chose 

Du bonheur effacä? 

\'aa-tu, laiesajit tombet ta noire chevelare 

De ton beau front penchä, 
Ciierchant comme ud glaneur sur la päle verduro 

Quelqite gazon couch^? 

Pauvre« oi^eaux, qui n'ont que le bois qui friesoime 

Et qu'on na peat fermer, 
Eneemble pleurons-nous In snixon qui doub donae 

Uo nid pour nouti oimerT 

Dia-tu, loreque tu voia la brauche d£pouill£e 

Et qui frisaonne aux vents, 
Auge, difl-tu: notre Sme, Wlasl a'eat effeuiltöe 

Üomme eile pour lougtemp«! 

Dis-tu, quand lee oiseaux, vers un autre rivoge, 

Aux eieux Torit en ruban; 
Tela s'eo Tont nos amourti, dous oiseflux de pasaage, 

Dont l'aile c ' 




ErganzuDgen za den Werken Claude TUliers. 118 

Et ces enlacements pleins de si douces choses, 

Qu'ÜB appellent baiaer; 
FraiB papillons, toujours qui vont aux mdmes roses 

Ensemble se poser. 

Elle a ses pleors aussl, douce averse qu'essuie 

Un regard de tes yeux; 
Et oes nids oü l'on est sous l'^pine fleurie 

Comme un ange est aux cieux. 

Ahl de ce doux printemps, une heure, encore une heure, 

Car c'est toi qui le fais; 
Un regard de tes yeux, qu'il sourie ou qu'il pleure. 

Et puls rhiver apr^I 

4. Le po^te mendiant. ^ 

Au supplice de naltre, aux pleurs, k l'indigence, 

Pourquoi fus-je appel^? pourquoi 
Celle qui me re9Ut au seuil de l'existence 
N'eut-elle en m'^touffant, h^lasl piti^ de moi? 

Pourtanty en cette coupe am^re, 
Ta l^yre avait tremp^, tu pr^voyais mon sort: 
Au Heu d'un lait impur, il fallait, 6 ma m^rel 
Me donner un poison avec un chant de mort 

Le labonreur, au champ que sa main purifie, 
Etouffe un germe impur nourri dans les sillons: 

Aux riches seuls convient la vie; 
IIb sont le froment pur; nous, Pherbe et les chardons. 

Mais un chant de triomphe autour de moi r^sonne; 
Je suis libre, ont-ils dit: le peuple souverain 
Sur son front gigantesque a remis sa couronne, 
La libert^ revient, son niveau d'or en main. 

Moi libre ... Avec du pain qu'on me donne une chainc: 
Le serf plus que le pauvre a de f^licitä: 
Pleurer dans le vallon ou pleurer dans la plainc, 
Voilä pour nous la libert^. 

Je suis de seuil en seuil; oh, penible voyagel 
Je vais et je reviens : partout est la douleur, 
Le d^ain qui repousse et chasse avec outrage, 
Ou la piti^ qui donne en vous froissaiit le coBur. 



* Nach einer Abschrift, die ich Herrn Lutiguier, Iiistituteur uud Bibliothöcaire 
w^oiat io Clamecy, yerdauke. 

ArehiT f. n. Sprachen. CIX. 8 



Er^Eongen zu den W^en GUnde IlUien. 

A ce bonqaet commim qn'Ua nomment l'ezi>teDce, 
Od le fort, qui domiae et mange nn gluve en aukio, 
Nounit BOD emboupoiDt des BDenn de l'indigence, 
J'obtJeDB avec effort les miettes da feBtin. 

Un aoge i mee haillons pourtant daigna sonrire, 
S& main k mon berceau suapendit nne lyre: 
«Prends, va, prends, m'ft-t-il dit, ce hochet plein de fiel: 
•Pauvre enfajit, c'est pour toi tout ce qne fit le deL* 

Je grandis et ma main e'ägara Bur l'iToire; 

Mala l'ivoire u'a pu jeter 
Que de« accente plainüfa inconnus ä la gloire, 
Et que l'Mio des boia aeul Tonlut rfip^ter. 

L'amour, au front parä de rubaas et de soie, 
K^arde mes haillons et passe avec d^dain : 
L'amitiä qui aourit jamais n'a pris ma main 
Et fait luire en mon cceur ua court rajon de j'oie. 

J'envie au malheureux doiit l'ceil a'eet effac^, 
Son chieD, ce aeul ami que frappe ra parole, 
Pour lui de la pitiä qui recueille I'obole 
El luj l^be la main quand il eet repouasä. 




Ergänzungen zu den Werken Claude Tllliers. 115 

Pourtant, sur toufi lee fronte j'ai vu briller la joie, 
Voilä bien dane leurs mains la coupe du bonheur: 
Qa'ont ÜB de plue que moi, un ydtement de soie? 
H^lael et de plus qu'eux, moi j'ai peut-6tre un coeur. 

Vois-tu cet insecte volage, 
Aux ailee de soie et d'azur, 
D'un ÜB agit^ par Torage, 
Tomber dans un bourbier impur? 

Quand le printemps sourit, quand la fleur est nouvelle, 

Voia-tu le tronc mort et s^ch^ 
Que l'oüeau n'ose plus effleurer de son aile, 
Oü seul le ver impur sous la mousse est cach^? 

Voilä, Yoilä mon sort; aux haillons que je traine, 
Du bord de leur parure ils craignent de toucher. 
Ce globe est fait pour eux: ce globe est leur domaine; 
IIb d^fendront bientöt au pauvre d'y marcher. 

Dans leurs jardins grill^s j'ai vu la foule errante 
Croiser ses flots changeante et mMer ses couleurs, 
Comme dans la for^t, quand la brise naissante 
Melange les rameaux en fleurs. 

Debout avec un glaive, aux portes interdites, 
Un Soldat attentif veille en comptant ses pas: 
Leurs chiens peuvent franchir apr^s eux ces limites, 
Et nous, hommes d^chus, nous ne le pouvons pas. 

Eh! que n'emp^chent-ils aussi que de leurs f(^te6 
Un son n'arrive ä nous comme un faible soupir, 
Et que de ces berceaux qui pendent sur leurs t^tes, 
Un parfum d^rob^ sorte avec le z^phyr? 

De tous les monuments dont ils couvrent la terre, 

Le seul qu'ils daignent nous ouvrir, 
C'est r^glise oü nos fronts e'inclinent sur la pierre, 
Et l'infaillible hospice oü nous allons mourir. 

Qu'ont-ils de plus que nous? Tor qui vient de leurs ))^rc8, 
L'or qu'ils ont dans la fange en se baissant trouvi!;, 
L'or dont on a pay^ leurs vices mercenairoe, 
L'or qu'au faible orphelin leurs mains ont enlev6. 

Cet or, c'est la beaut^» qu'on cherche et qu'oii enceiiHe, 
Le bonheur qui sourit aux crödulee humains, 
La vertu qu'on rövfere et que Ton röcompense, 
La gloirc qui frappo des mains. 

8* 



Ergäniungen lu den Werken Claude Tilliers. 

Mais qoe fönt lee d^ains de ce brillant vulgaire, 
Qui n'a rien qu'an peu d'or de plus que mb TiJetaf 
Tont son äclat eet fait de bone et de pouBsifere: 
Je n'ai pour eee faux biens que des regards distraito. 

Que je trouve un abri, quelqne cbaume oü ma lyre 

Eibale en paix des sone perdus, 
Que j'aie i mee chanBoas le pätre pour Murire, 

Je ne demande rien de plus. 1831. 



5. La pauvre mendiante. 

Ce globe oü doub errons n'GBt pas notre patrie; 
Vers cee arbres riant« oü pend uu fruit si doux, 
Vera ce cbaurae qui met ä l'abri de 1a pluie, 
Ed vain, 6 uion eofant! tu tends la main et crie: 
Ce chaume, cee doux fruite, iU ne sont point i n< 

Des bommes en enclos out partagä la teire, 

Ils ne laiasent i l'orphelin 
Que l'aapect du soleil, I'ean qui le d^altSre, 
Et pour se reposer la pieire du chemin. 

Je t'ai congu dans les alarmes; 

Souvfnt diiTi^ ton beriM^ii nie! orip t'ont r^veill^; 




ErgSnzuDgeD zu den Werken Claude Tilliere. 117 

Ce morceau d'un pain noir qui t'a rassasi^ 
Et que ta main ^miette aux oiseaux de la nie, 
Dont le gazouiUement en passant nous salue, 
Tandis que tu donnais, moi je Tai mendi^. 

Quand le dimanche vient, aux portee de r^lise 
SouYent dans la poussiere avec le pauvre assise, 
Je courbe tout le jour mon front humili^; 
Mais du pauvre orphelin aucun ne prend piti^. 
Et la belle marraine k Fautel attendue, 
Qui va le sein par^ de rubans et de fleurs, 
Passe avec un sourire et d^toume la vue 
Pour ne point s'attrister k Taspect de nos pleurs. 

Souvent dans le hameau de chaumi^e en chaumi^re 
Je yais du malheureux b^gayant la pri^re, 
Et montrant nos haillons et le jour qui finit, 
Je demande pour toi Tasyle d'une nuit. 

Vous qu'un 6poux ingrat n'a pas abandonn^e, 
Dis-je, ä ce pauvre enfant qui vers vous tend les bras, 
Donnez un peu de paille aux pauvres destin^; 
Vos chiens ont un abri, nous, nous n'en avons pas. 
Mais Phumble villageoise ä ma voix attendrie, 
Nous donne avec regret un morceau de son pain; 
Elle craint de b^ir une m^re avilie, 
Et me dit: maintenant passez votre chemin. 

Je sais, 6 mon enfant, un plus heureux rivage, 
Mais je ne puls partir et m'^loigner saus toi; 
Quand ils repousseront ta main avec outrage, 
Qui te dirait encor: mon fils, embrasse-moi ? 

Et si tu grandissais au s^jour de la vie, 
Pauvre enfant, qu*y pourrais-tu voir? 
L'opprobre du matin faisant Thonneur du soir; 
La mis^re ä tout seuil amenant Ilnfamie, 
Et tout autel d^rt quand il n'est point dor^; 
Ud peuple, roi d^chu, par la faim d^vor^, 
Et le riebe faisant une ^ternelle orgie 
Du festin que le ciel pour tous a pr^par^. 

Si pourtant cet amour, cette source de flamme, 
Lorsque je t'ai con^u qui d^vorait mon äme. 
De mon sang dans le tien ^panchant ses ardeurs, 
ün jour, quand le printemps de Thomme est dans sa s^ve, 
Lorsque des passions le flux vient et s'^l^ve, 
Se r^pandait en cbants vainqueurs — 



Ergänzungen xu den Werken CUnde HUien. 

Mbih dod, panvre h^tier d'un triate nom de femme, 
Cumme de vaias Banglote qu'oo n'a pas entendiu, 
Laissc mourir an nom que le u6aat röcUme; 
La gloiro, au mibeu d'enx, eet un tonrment de plus. 

Voia couler ä noe piedB cette onde hoBpitolüie, 
Ainsi que aar les borde le catme eet d&Di eon stin; 
IJV, tu ne veira« plus pleurer ta panvre mfere; 
La, nouB n'aurons plus bald, lä, nous n'aurons plus faim. 
1842. 



6. A la Folie. 



Trop longtempe, (dmable folie. 
Tu vouhiR d^guiser mes manx ; 
Adieu, mon oreille vteillie 
S« fernie au bruit de tee grelote. 

Si parfoiB ta rusOD B^vbre 
Ecartait ton hochet trompeur, 
Et par un chemin eolitaire 
Voul^t mc conduire au bonheur; 



Mais Tofs eet eafant but la grto 
SMnit par nn calme trompeur, 
Livrer an flot qnl la soulftTe 
L'hamble nacelle du ptehenr. 

A pelne an l£ger brait d'orage 
A tionbM le repoe des ain. 
Et la fondre eet dane le nuage 
Huette encore et suis äclaire. 



Du bras que me tendait moD guide Sor l'onde, eucor tranquille et pui 




Ergänzungen zu den Werken Claude Tilliers. 



119 



^ songee riants du bei Äge, 
^ porttt du cid öchapp^, 
Aux sons d'une voix douce et sage 
^k de moi se sont dissip^. 



La raison, sans 6tre appel^e, 
Revient, et sur mon front blanchi 
Me montre une fleur effeuill^ 
Et le vide d'un l^ger pli. 



Trop longtemps, aimabie folie, 
Tu Youlus d^guiser mes maux; 
Adieu, mon oreille vieillie 
Se ferme au bruit de tes grelots. 



1842. 



7. Stanoes. 



Ange, A mon bien Celeste, 
I^ourquoi, si j'ai ton coeur, 
^e paa donner le reste, 
^pr^ l'encens la fleur? 

6ur ma l^vre brül^, 
Xjaiase un peu s'^paneber 
XjtL ooupe emmiell^, 
Qu'il ne faut que pencher. 

liaisse, dragon avare, 
Ijaisae lä ton tr^sor; 
Suis aux bois qu'avril pare, 
L'oiseau qui prend Tessor. 

Veux-tu donc, triste sainte, 
Sur ton front solenn el 
Garder la beaut^ peinte 
Pour les vers de Fautel? 

Devant ta froide niche 
A qui yient s'incliner, 
Divinite postiche, 
N'as-tu rien k donner 

Qua la blanche lumi^re 
De ta lampe d'argent 
Et de ton front de pierre 
Le carmin et le blanc? 

Quand dans Ponde ^tincelle 
Ta beaut^ douce ä voir, 
Dis-tu: je ne suis belle 
Rien que pour ce miroir? 



La pure et belle rose, 
Dis, a-t-elle un parfum, 
Du jour qu'elle est Meiose, 
Qui ne vienne ä quelqu'un? 

Est-il, quand ayril pleure, 
D'un nuage dor6 
Une goutte qui meure 
Sans mettre une herbe au pr^? 

Est-il, quand Taube rouvre 
Son oeil pareil au tien, 
Un rayon qui ne couvre 
Et ne r^hauffe rien? 

Daus un baiser de flamme 
Pourquoi laisser aller 
Ton &me avec mon äme 
Quelquefois se mßler? 

Pourquoi ta t^te blonde, 
Sur mes genoux tombant, 
Comme un saule sur l'onde 
Va-t-elle s'effeuillant? 

Pourquoi sous le feuillage 
Aller, quand tout fleurit, 
Tourterelle sauvage 
Qui ne fait point de nid? 

Quand k l'amour on dresse 
Un autel en son cceur, 
Ce qu'on garde est tristeese, 
Ce qu'on donne est bonheur. 



Erginzungen zu den Werken Cl&ude Tilliere. 



eher Ange de Ift terre, 
Si i'i^tniB ange aus cieox, 
D'^clat et de lumiäre 
Plug qiie toi radieuz, 

S&DS rcgret, sane 6change, 
Va, je t« donneraie 
De ma parure d'ange 
Tout ce que tu voudnÜB. 

Tiena, dirais-je, ä ton volle 
ÜD Saphir monque eneor, 
Prends la plus bdle litollc 
De mn couronue d'or, 

Va Buivre but mes tülee, 
Au ciel qul resplendlt, 
Cee feux, blanchee prunellcH 
Qul B'äveUlent ia auit. 



Ce trAne de Inmitire 
Dont je Buis deacendu, 
MetB-Ie pAa de ta mbre; 
Frends ma robe d'äu, 

Hais Uiase-moi, ma Munte, 
Hon cceor pour t'adorer, 
Et ma paupifere steinte 
H^lasl pouT te plenrer. 

Je ne suii qu'une fenille 
Anx parfums oubliäe 
Prts de« roflee qu'oa caeille 
Qul se fane i tn pieds. 

Je te demande en grtlceB 
Que, pour me ramaaser, 
Au chemin oü tu paasea, 
Tu daignea te baiüer. 

1S42. 



II. Eine Episode ans Mon oncle Benjamiti 
in seiner ersten Gestalt. 




Ergfinzuogen zu den Werken Claude Tilliers. 121 

des Werkes in Frankreich und bei uns^ wo es übersetzt allen 
landläufigen Universalbibliotheken angehört^ hat eine tiefer grei- 
fende und in die Ästhetik des Humors eingehende Untersuchung 
aufzudecken; hier will ich heute nur den Text einer später unter- 
drückten Episode aus der Feuilletongestalt des Romans wieder 
ans licht ziehen. 

Mon oncle Benjamin begann in der Association am 6. März 
1842, einem Sonntag, zu erseheinen. Leider hat sich selbst in 
Nevers kein vollständiges Exemplar dieser Donnersti^s und Sonn- 
tags ausg^ebenen Zeitung erhalten, die es nur auf drei Jahrgänge 
brachte, und deren Hauptredacteur Tillier zwei Jahre lang ge- 
wesen ist. Kur sechs Feuilletons mit Abschnitten des Romans 
bieten die Nummern, die noch aufzufinden dem überaus freund- 
lichen Bemühen Herrn Duminys, Stadtbibliothekars von Nevers, 
gelungen ist. Aber klein gedruckt, wie sie sind, geben sie zu- 
sammen doch einen nicht unbeträchtlichen Teil des Gtinzen. So- 
gleich die Nummer vom 6. März führt bis fast ans EInde des 
zweiten Kapitels, und die vierte Nunmier (vom 21. April) um- 
falst sogar den Inhalt der Kapitel 8 bis 10 und noch die zwei 
ersten Absätze des elften. Dann aber stockt die Arbeit. Die 
bevorstehenden Neuwahlen zur Deputiertenkammer geben dem 
politischen Redacteur so reichlich über dem Strich zu thun, dafs 
^ am 24. Juli die Fortsetzung erscheinen kann, die dann, in 
grofeerem und weiterem Druck, nur das jetzige elfte Kapitel 
zu Ende bringt. So belehren uns diese Fragmente doch einiger- 
malsen über die Entstehung des Romans. Sie bieten aber auch 
sonst nicht wenige stilistisch und für die Komposition be- 
merkenswerte Abweichungen, von denen zunächst die am meisten 
auffallende, eine ganze später gestrichene Episode, hier mitgeteilt 
werden soll. Sie schliefst sich an das jetzige sechzehnte Kapitel. 
Auch die Kapiteleinteilung fehlt noch in der Association; nur 
die zweite der erhaltenen Nummern trägt die Überschrift des 
dritten Kapitels der Buchausgabe. Der letzte Satz des sechzehnten 
Met sich im Feuilleton noch nicht; es heifst statt dessen: 

En ce cas, dit Guillerand) il faut que je fasse dire ä ma femme que 
je 8uis un peu gris, c'est-ä-dire, höre d'^tat de faire la classe. 
Vas-y toi-m^me, dit Arthus, afin qu'elle te croie inieux. 
£n ce moment, M. Dulciter, ce procureur dont nous avons d^jä eu 



122 F^rgünzungeD zu den Werken Claude TilJien. 

ocoaslon <ie parier iw präsent« & In port«; il avait un habit noir, une 
oulotti? ndire, une perruquc rouHse et des bas z^br&t; mais l'hommej 
l'hnbit, le^i ba» et la perruque ^taient h! secs, que vous euseiee dit que le 
l«iil. avait 6l6 cuit au four. 

Messioure, dit-il, en fainaot une petite rfv^rence ajgrelette, ponmia-je 
avoir l'honneur de parier ä M. Rathery? 

Inipoepiblf, dit Rapiii, devinant la miasion dont il ötait charg^ 
M. Rathery est au tit, il a le tranaport; le chagrin de se voir emprisonn^ 
lui a dotini! une ßfevre chaude. 

Ce pauvro M. liathery, dit Dulciter, je suis d^olä du mAlhenr qni 
lui est arrivi^, et je vous prie, maltre RapiD, de lui eo t^moigner mes 
reg rot«. 

Quand j'aurai un moment i moi, dit Rapin, je ne manquerü p«> de 

Ältin, pouraiiivit Dulciter, c'est ä M. Boutron Iid-in6nie que je vou- 
drais parier. Mon dient CastorSuni a obtenu une contrainte par corps 
contre M. Rathery pour quelques ehapeaux qu'il lui doit; il sait que voui 
urex rintention de libilrer votre ami envers Bonteint, belle et g^n^reuae 
Rction, dont je vous fäücite tous, Mceaieurs, et il m'a chargä, aRa de reteoir 
M. Rathery en priaon, de diSposer sa penslon meiiBuelle entre lee uiaiiiE 
du gefllier. 

Et voilä, dit Arthus, comnie vous prencz part au malheur de M, Rathery " 

Qup vonlez-vous, niOQ bou M. ArthuB, dit Dulditer, j'ai fait tout c- 

que j'ai pu pour diJterminer mon dient i, sc d('8ist«r de sat poursuite 




Ergänzungen zu den Werken Claude Tilliers. 128 

Mais, dit Arthus, ce n'est pas un verre de Bordeaux qui yous Tötera, 
▼otre raison? 

0hl M. Arthus, que penseraient de moi mes clients s'ils apprenaient 
que je m'abeente de mon ^tude pour gobeloter. 

L'expreBsion est peu polie, dit M. Minjdt; pour que nous roubliions, 
il faut que yous buYiez un Yerre de Bordeaux ä notre sant^. 

Puisque yous Texigez, honorable M. Minxit 

n est dans la Yie d'insurmontables tentations. Dulciter se laissa 
s^oire pär le Bordeaux; 11 en accepta un second Yerre sans objection, et 
le troisi^e il se Yersa lui-mtoe. 

On 6tait arnv^ au Champagne, mais lentement, comme y arriYaient 
toujoon les amis de mon onde; le premier eiere de Dulciter Yint lui an- 
noncer qu'un Client Youlait lui parier. 

VouB direz ä ce client, s'^cria Arthns, que M. Dulciter n'a pas le 
temps de l'entretenir ä cette heure. 

Oui, Scripturus, ajouta Dulciter, yous lui direz que je n'ai pas le 
temps de l'entretenir k cette heure, que je suis ä d^jeüner aYec des amis — 
^ il bat one rasade de Champagne. 

Mais, dit Bapin, que penseraient de yous yos clients s'iis yous Yoyaient 
Abd gobeloter. 

Ne YOUS inqui^tez pas de cela, M. Bapin, et Yersez toujours. 

Mais YOUS oubliez, confr^re, que dans notre ^tat il faut toujours 6tre 
Qialtre de sa raison. 

Verse donc, Bapin, s'^ria Dulciter, ou je t'enYoie mon Yerre ä la t^te; 
et en disant cela il se laissa tomber le front sur la table et s'endormit 
la t^te dans son assiette. 

Qu'allons nous faire maintenant de ce dröle qui a eu la pr^tention 
<ienou8 persiffler, dit Bapin. 

II faut, dit Parlanta, le porter sur la paille au milieu des prisonniers. 

NoD, dit GuiUerand, il est fabricien, il faut l'aller mettre dans son 
^c d'oeuYre. 

Ce n'est pas cela, r^pondit Arthus, il faut larder sa perruque comme 
QQ foie de Yeau et la mettre k la broche, nous la lui ferons manger h son 
reteiL 

Fi donc, dit Milletot,* il n'y a rien d'ing^nieux dans tout cela, je 
vais lui attacher un distique derri^re le dos. 

Voyons ton distique, dit Arthus. 

Diable, dit Milletot, tu es bien press^: crois-tu donc qu'un distique 
■^ fait en aussi peu de temps qu'il t'en faut pour d^vorer un poulet ? 

C'est que j'ai grand'peur, rdpliqua Arthus, que Dulciter ne seit do- 
ßri«^ SYant que tu n'aies trouv6 ton premier h^mistiche. 

Sur ces entrefaites revinrent Benjamin et Machecourt. La questioii 
^t soumise ä mon oncle. 

M. Boutron, dit Benjamin, avez-vous une civiiire? 



* Der Millot-Rataat der Buchau:«gal)o. 



124 ErgfinziiDgen sa den Werken Claude TiUkn. 

J'en ai une demi-doimiiie k Totn Mcrice. 

Et pourrieE-vons doub procnrcr nn psqnet de chandeUoT 

Vingt, si vouB voulee, H. Baüiery. 

En ce cas, dJt mon oncle, void ce qnll fallt fain. Novm nuttioi 
Duiciter sur la dvifere avec k nappe pai-demua en goiee de linoeoU. Nn 
cntourerons ladite dvibre de chandeUea allumäeB ponr qne la cJioM pn 
duiee pluB d'effet, et doiu portavDB le drAle procÖHdonnellatteot jnaqn 
ea port«. Si nous pouTion« avdr deuz violona, ce aeralt eaoon miea 

C'eet cek, a'^cribrent tona lea conTiveB, Toilft le piogramme anM& 

Oui, dit Milletot, et nous äcrirons mon dlstique aar aon triooni& 

La chose fut es^utfe ^ai qne mon oncle Tavait piopoate. Le cc 
tf'ge fut ä peine aorti de la priaon, qu'nne foule d'enfanta et de ctulei 
fie rassemblbrcnt autour et le BuiviTent en pooaBant lea ezlamationB d'oaa 
en pareil caa. Le bruit de ta marche triomphale de Duldts ae r^paa.« 
par la ville. On accotmit de tontee parte; lea raea rq;orgeaient de monc 
de bruit et de riree fona, comme au meilleur jour de catnavaL Tont 
brouhaba enivrait mon oncle, mais 11 ne fala^t ilen paraltre de aa j« 
et marcbaJt l'^pöe une tm täte dn cort^ auasi grave qne all arait t 
un daJB aar la Ute. On paaaa devant la maiaon dn bailli. 

Si Dous profitiona, dit mon oncle, de l'inatant oü Doldter eat aobliii 
ponr lui faire rendre vigite k M. le boilliT 

Cela seroit & propoa, dit Rapin, car le bailli dte partout Dnlcit« 
comme ud bomme modMe. 

Oul, r^pondit M. Minxit, maie ce aeralt inutUe, le bailli eat parti < 




firgänzungen zu den Werken Claude Tilliers. 125 

onprOnglicfaen Gestalt Dicht wohl eiörteru; und leider ist die 
Nummer, in der sie steht (vom 16. Oktober 1842), die letzte 
der erhalten gebliebenen. Die Art, wie Frau Dulciter zuletzt 
noch eingeführt wird, läfst eine weitere Aktion auch dieser Ge- 
stalt in dem Roman erwarten. Vielleicht fand Tillier schliels- 
lieh, daTs es des Bechems doch zu viel werde in seinem Buche, 
nnd dais zudem diese Dulciter- Episode zum Teil den Aufzug 
der Berausditen in Kapitel 11 wiederhole. Seine ersten Leser 
werden ihm jenen Vorwurf schwerlich gemacht haben. Der 
Wein gedeiht reichlich dort zu Lande, und aus dem 17. Jahr- 
hondert bis heute haben sich die Strophen der Chanson bachique 
Adam Billauts erhalten, die Arthus auf der gemeinsamen Fahrt 
nach Corvol anzustimmen beginnt: 

Aussitdt que la lomi^ 
Vient redorer no0 cöteauz, 
Je commence ma carri^re 
Par visiter mes tonneauz; 
Ravl de revoir l'aurore, 
Le verre en main je Ini dis : 
Vois-tu Bur la rive more 
Plus qu'ä mon nez de rubis? 

Beriin. Max Cornicelius. 



Kleine Mitteilangren. 



Zur ma. Qenesia & EzoduB. 

[n die.^ser Dichtung kommt zweimal ein Subst saut vor, das 
. im Glc ■ ■ ■ ■ ---.--- 

. V. ms 



r durch 'entreaty übersetzt Die Stellei 



r seri'J, 7ie mede ne leold he Jar 

oiter <m nigl dreehett nuiwMr, 

K\, V. 2021 f. for scrid, ne dret ne mai gke bigflm 

for lo don htm chantlted forgetet». 

Das erste Mal ist von EJiezer die Rede, der nicht länger bei Laban 

bleiben will, das andere Mal von Putifar? Weibe, die Joseph in \-fx- 

führen sucht. Die Quelle für jene Stelle (cap. 00 der Hiet echol.) 




Kleine Mitteilungen. 127 

V. 1833 f. Jacob toas wo dat he ü foraoe. 

And serod kirn 80, dat aum he dor tok, 

ier handelt es sich um die Begegnung zwischen Jakob und Esau, 
obei jener seinem Bruder grofse Greschenke bietet 

y. 2023 f. Oflen ghe drette, often ghe sorod, 
Oc (d ü toas him olike lod. 

)ie Situation ist dieselbe wie die oben in V. 2021 f. geschilderte. 
)ie Quelle giebt (cap. 90): ut eocoraret Joseph, während es in der 
übel, Gen. 39, 10, heifst: molesta ercU adolescenti, 

V. 2695 f. He hüef dar, Tarhis him ecrod, 

dog tpas him dat surgerun ful Jod, 

lier wird erzählt, wie die äthiopische Königstochter Tarbis sich in 
foses verliebte und ihn zu halten suchte; vgl. Comestor Ex. cap. 6: 
cn acquievit itocor, — Surgerun ist offenbar für surgeum = surjum, 
e. scjoum verschrieben. 

Aus den angeführten Stellen geht hervor, dafs Morris die Be- 
eutung des Subst scrid mit 'entreaty', die des Verbums scriden mit 
ntreat, solicit, urge' richtig wiedergegeben hat Aber höchst zweifei- 
aft ist die Herleitung des letzteren von ae. scrtdan 'schreiten', wie 
;hon Mätzner, Sprachpr. 1, 79, Anm. zu V. 2021, bemerkt hat; auch 
lüftte dann srid, sriden geschrieben sein, da ae. acr- in O. & Ex. 
)nst als «r- {= ne. shr-) erscheint, vgl. ariden, arifte, srud = ae. 
rydan, scrift, scrud. Es bliebe also nur skand. Ursprung übrig 
^gl. Björkman, Scand. Loanwords p. 132); aber gegen diese An- 
ahme (Herleitung von aisl. skrida) spricht die Bedeutung doch 
benf alls ! 

Ich glaube vielmehr, dafs scrid, scriden, scrod einfach für strid, 
triäen, strod verschrieben * sind und das Subst strid = aisl. strid 
streit, Plage, Strenge, Härte', das Verbum striden = aisl. strida 
breiten, plagen, ärgern' ist In romanischer Form erscheinen die- 
elben Wörter in unserem Gedichte als strif und striuing. Danach 
lürfte der Artikel scrid bei Stratmann-Bradley und das Citat *Gen. 
!^ Ex. 2G95' unter scriden zu streichen und zwei neue Artikel ein- 
zusetzen sein! 

Kiel. F. Holthausen. 

Englisch der Gewerke. 

F. B. Bickley gab The Little Red Book of Bristol (Bristol and 
Und. 1900, 2 Bde. 4) heraus, ein Stadtbuch, 1344 angelegt, da8 
aufeer dem gröfsten lateinischen Teile sehr viel Französisches des 

^ Nach freundlicher Mitteilung des Herrn Prof. Skeat in Cambridge 

)ietet die Hs. an den betreffenden ötellen wirklich c, nicht /. Aber sonst 

ind dieee Buchstaben mehrfach verwechselt worden, und er fügt hinzu: 

dare say jou are quite right in correcting sc to st in all the instances.' 



128 Klebe Afi (teil ud gen. 

14. Jahrhiuiderls (vereinzeh noch bis 1439), und seit etwa 1430 audi 
manches englische Stück enthält. Hier, aber auch in den anderen 
Partien, finden dich viele technische Ausdrücke besonders des Haud- 
werks und Marktverkebrs. Einige notiert das Glossar. — Aus Quellen 
um 1410 Kanuiielt die Namen der eugllsclien Gewerbe Wylie, Hist. 
uf ... Henry IV, IV (1839). 

Berlin. F. Liebermann. 

Byron and Chateaubriand. 

In einem Aufsatze in Bd. 30, Heft 2 der 'Englischen Studien 
hat E. Koeppel ausiuführe.n gesucht, dafs Byron für die Geetal 
seiner Astarte Chateaubriands Erzäldung "Renfi' vorgeschwebt hab« 
Es sei mir gestattet, darauf hinEUweisen, dafs bereits George San« 
einmal flüchtig auf die Möglichkeit oder Walirscheinlichkeit diete 
YerhäItni;?BeEt aufmerk.'^am gemacht liat. In ihrem 'Essai sur le drana 
fanlastiijue' lesen wir nämlich: '[Ici,] Manfred raconte l'^pisod 
d'Astarl^ qui a le tort de reasembler il rhistoire de Renß et d'Amfli' 
de M. de Clmteaubriand; mais ceci s'est fait, i) coup sür, !l l'inau d< 
Byron: son g6nie €t&h fait de teile aorte que les r^miniscences i 
]>renaient souvent la forme de l'inapiration.' Chateaubriand selbsi 
hat ja gelegentlich — nicht ohne ein lebhaftes Gefühl der Befrie- 
digung — von seinem EinHusse auf Byron gesprochen; vgl. namenir 
lieh die Memoire.1 d'oulre- iombe II (184D), S. 152 ff. Endlich eei 
)ch kuiz eine ÄuTserung von ChSnedolJf ciljert: 'Manfred : " 




Kleine Mittdlungen. 129 

me. Wortes wös < ae. wös der Form wpse gegenüber älterem wgse 
zum Siege verhelf en hat; weniger dürfte an einen dialektischen Ein- 
schlag (vgl. me. gg, h^\ darüber Luick, Untersuchungen § 112, 148) 
zu denken sein. 

Berlin. Otto Ritter. 

Zum Bedeutungswandel ajpricum > abri. 

G^en den Schlufs seines Artikels über Ähri {Bomania lY 848) 
sagtBugge: 'Un changement analogue du sens se trouve dans les 
langues scandinaves, oü hlyr temp6r6, hlyja fovere, mettre ä Pabri, 
appartiennent au radical hU, abri.' Eine noch stärkere Analogie 
zeigt das ae. Adj. gehleow (zu hHofwJ 'Schutz'; na lew 1. lauwarm, 
2. gegen Wind und Wetter geschützt), das nicht blofs die Bedeutung 
'wann, mild', sondern direkt 'sonnig* zu haben scheint, wie denn 
auch einmal bei Wright-Wülker (386, 31) *apricitas' mit Meowd (na 
^ih 1. Wärme, 2. *abri') glossiert wird. 

Berlin. Otto Ritter. 

Zu Sohmeding, Über die Wortbildung bei Carlyle. 

In meiner Besprechung von 0. Schmeding, Über die Wortbildung 
bei Carlyle (Morsbachs Studien zur engl. Philologie, 5), im Archiv 
Bd. CVTH, 8. 208 ff. habe ich dem Verfasser den Vorwurf gemacht, 
dab er aus dem New English Dictionary und aus Mätzner, Gram- 
matik, manches wörtlich übernommen resp. übersetzt hat, ohne das 
Übernommene als solches besonders zu kennzeichnen. Ich habe in- 
dessen übersehen, dafs er in der Einleitung zum U. Hauptteil S; 227, 
-28 ausdrücklich auf die ausgiebige Benutzung der genannten Werke 
binweist. Ich freue mich, dies im Interesse des Verfassers und des 
Herausgebers nachträglich konstatieren zu können. Das Princip, 
nach dem der Verfasser citiert, kann ich indessen nicht gutheüsen. 
Bne genaue Aufklärung über die Benutzung der Quellen erwartet 
Dian entweder in jedem einzelnen Falle an der betreffenden Stelle 
oder in der Einleitung resp. in dem Vorwort zu dem ganzen Buch, 
^0 ich sie vergeblich suchte, aber nicht in der Einleitung zu einem 
Teile desselben. Aufserdem ist bei wörtlicher Entlehnung die Be- 
nutzung von Anführungszeichen schon deshalb geboten, weil der 
Leser und vor aUem der Recensent in die Lage gesetzt werden nmfs, 
Fremdes von Neuem leicht zu scheiden, ohne selbst Quellenstudien 
niachen zu müssen. Die Verwendung von Anführungszeichen, wie 
«e bei wörtlicher Übernahme allgemein üblich ist, hätte auch, wenn 
die Quelle nicht genannt worden wäre, jedes Mifs Verständnis aus- 
geschlossen — man erwartet eben eine solche. Doch all dies ist 
gegenüber der oben genannten Quellenangabe des Verfassers für die 
rorhegende Frage nebensächlich : die fides des Verfassers steht auTser 

AtoUt f. n. SprMh«n. OIX. 9 



ISO Kleine Mitteilungen. 

allem Zweifel. In Aobetracht der eoust sehr tüchügeo Leistung ge- 
reicht es mir zur besonderen Befriedigung, dies hier featslellen zu 
können. 

Tabingen, 15. Mai 1902. Vf. Franz. 

Noch einmal fra. sage. 

Schuchardt hat in seinen 'Romanischen Etymologien I' (Sitzungs- 
berichte d. Wiener Äkad., phil.-hisL Kl. CXXXVni) den Versuch ge- 
macht, frz. sage Eowie die entsprechenden Wörter der anderen roma- 
nieohen Sprachen aus lat sapiätus herzuleiten, indem er (fürs Fran- 
zösische auf der Stufe sabidu) Einmischung der Endung -tu artnimmL 
So ?ehr nun dieser sein Artikel sich durch umfassende Kenntnis der 
romanischen Wortbestände und scharfsinnige Beurteilung des Ma- 
terials auszeichnet, sind mir doch in wichtigen Punkten Bedenken 
geblieben, die mich an dieser Etymologie zweifeln lassen, obwohl 
Schuchardt denselben vorzubeugen gesucht hat 

Und zwar sind es folgende: 1) Gerade für jenes Gebiet, das die 
charakteristischesten Formen bieten mufste und bietet, lälst sich ein 
solcher Tausch der Endungen nicht nachweisen, wie häufig er aucb 
auf anderen Gebieten sein mag: für das proveiizaliseh-franzöaisclie 
Gebiet. Ein solcher Tain^ch ist hier auch von vornherein nicht zu 
erwarten; soll er vorkommen, so ist er analogisch; ist er analogisch, 
j niüHsen Wörter in genügender Zahl oder von genügender Wichtig- 




Kleine Mitteilungen. 131 

6. Paris erkannt hat^ tfb^, arede, dann t^vede, arede, dann teve, 
are» Die Gründe des längeren Vernarrens des Mittelvokals sind un- 
schwer ausfindig zu machen; die Wörter waren einerseits beeinfluist 
von der Umgangssprache der Gebildeten, die die lateinische Wort- 
gestalt länger festhielten und vielleicht noch tebidu u. s. w. sprachen. 
Das konnte der niedrige Mann nicht nachahmen, weil es seiner Laut- 
gewohnheit widersprach, aber er näherte seine Sprechweise der der 
Gebildeten möglichst an, und er sprach tebede, wie er anede, chaneue, 
figed^ sprach, letzteres die korrekten Formen. Andererseits war dabei 
wohl das Bestreben maisgebend, den Stamm deutlich hervortreten 
za lassen, wie er in anderen Worten bestand, es gab damals gewils 
noch allenthalben ein tebour, tepore, vielleicht noch ein tebeir aus 
tepere, ein polar etc. Das also die Erklärung, die ich für die rich- 
tige halte. Wäre hier nun, wie Schuchardt meint, Endungstausch 
eingetreten, so konnten die Resultate zweierlei sein; entweder noch 
tdm, ariu, daraus wäre *teje, *ar^e oder aire entstanden, davon 
finden sich nun jene gar nicht, aire resp. ayre ist zwar zweimal bei 
Gdfr. belegt, ist aber dort sicher östliche Nebenform mit i-Epenthese 
w arre, wie sich ja auch bairfrje für barre findet, vgl. auch Görl. 
Burg. DiaL S. 26, wo Formen wie gairarU, airdoir, chairette, mairx; 
oder es wäre — und dies nimmt Schuchardt für teve an — die En- 
dung nicht mehr in der Gestalt iu, sondern in der i übertragen wor- 
den; dann bieten sich aber erstens als Ausgangspunkt der Analogie 
nur ganz wenige Adjektiva, die auf Muta 4~ Liquida -^ iu — viel 
mehr als fbriu und vielleicht propriu werden es kaiun sein — , denen 
man einen solchen Einflufs kaum zutrauen kann; zweitens wäre der 
Vorgang dann aber ein ganz wesentlich anderer als der in sage, wo 
er um beträchtliches älter sein müfste, so dafs man sich auf teve 
kaum berufen könnte. Hätte er wirklich etwas Analoges, so hätten 
doch mindestens Nebenformen davon Kimde gegeben; aber es findet 
sich ebensowenig wie nach der einen Seite ein *tege, nach der an- 
deren ein *save (oder *8eve?). Vgl. noch heutiges wallon. saiw aber 
/fn (Seh. 89, 78). 

Ahnlich verhält es sich im Provenzalischen, wo die Verhältnisse 
für die Übertragung entschieden günstiger wären. Um so entschei- 
dender, dals sich aprov. nichts findet (Seh. 69). Die moderneu For- 
men aber, die Seh. 29 anführt, beweisen nichts. Wenn sich in aprov. 
«^ (Fem. -eza) heute limous. kübi ' e in i gewandelt hat, so kann 
doch das nicht auf eine Stufe mit dem Wandel von sabidu zu sabiu 
gestellt werden; und man kann nicht einmal in diesem einen ersten 
'Pionier' sehen, weil man sonst ein etymologisches BewuTstsein x\\\- 



* Wenn das coubi bei Mistral wirklich so, niclit koidn zu lesen ist. 
Die ()rthon'a|)hie Mistrals ist in solchen Fällen bekanntlich zwei-, wenn 
oicbt dreideutig. 



i'ä'd Kieiiie Mitteilungen. 

iiehnieii würdt^, das nie vorhanden gewesen ist Um dies 211 erkeanei^ 
ist wohl nicht einmal notwcDdig, deSs man eich die nprOT. Fonnea 
deuten könne. Immerhin will ich das hier versuchen. 

Proparosylona sind im heutigen ProvenzaÜsclien (weni^tene in 
den mit der Schriftt-prache verwandten Dialekten) gerade so unmög- 
lich wie im Französischen etwa dea 13. und 14. Jahrhunderts, dar- 
gegen ist die Auswahl der Äusgäuge parosytoner Wörter gröläer; 
es kommen e{sj, i(s), o(sj, on (in Marseiile z. B. auch -ni, -eis) in Be- J 
tracbt. Während nun einereeits bei volkBlümlicben Wörtern sich ia J 
Proparoxytonis (von der Formel lat. :fxn) unter dem Druck der e 
wähnten Unmöglichkeit der Äccent verschoben hat: lagrtmo, lemtn 
(seminat), ouryuiiw (aprov, örguene), fabrigo, lamji^so (lampada), vid- 
leicht auch courpouro (corpora), peiidouh (pendulat), vgl. ML I g ö" 
war es andererseits möglich, lateinlBche und andere fremde Wörl«r, 
die direkt, nicht auf dem Umweg übers Französische kamen, im 
Gegensatz zum Französischen mit Beachtung des Äccenis zu über- 
tragen, wobei jene Endung gewählt wurde, die am besten die lata- 
iiische wiedergab; bo apoaio {apoatolus), conse (cousul), önis (onji), 
qudsi, viesli (vestis), eatäsi (extasis), esclii«si (eclipsis); waren (" 
lateinischen Ausgänge -tum, -ia u. s. w., so verblieb wie in le(zter«n 
Worten i: prese.nm, vitöri, rnalrimdni, encenäi {vgl. fra. incenäie), fdd, 
especi; dazu Ia gdrdi (ital. guardia), demerni (wohl aus ital. iJemoRW]; 
ebenso war i das Naheliegendste, wenn Endungen wie -üüs, -icm Ta^ 
lagen: dhi (habitus 'Klosterkleidung^, pörti (porticue); vgl. auch fiJfi 
(David), langu. Iräfi, rouerg. tränfi (aus kat-span. oder it. Iraflfjkc), 
doli (aus älterem ilalU, und dies wieder aus sp&n. oder kaL dalitj, » 
mag sich acbliefslich auch die Neigung angefitellt haben, frz. {', bc 
sonders nach Zischlauten, durch > wiederzugeben: tränsi und esträn'ii 
(aus les transes), äänsi (daupb.), testimouniägi, daurägi (mars.). um! 




Kleine MitteiluDgen. 183 

promifsform lebte, tebio,^ So wird es wohl auch bei rdnci, cöubi ge- 
wesen sein, neben denen rance und coube vorhanden sind. 

2) Nun aber komme ich zu dem entscheidenden Einwand, sapi- 
dt» 'sdimackhaft' hat sich ja in Frankreich in der Form, die wir vor- 
auszusetzen haben^ gehalten, sabidus 'schmackhaft' und Schuchardts 
»ahidus 'weise' müfsten ja nun eine Zeitlang nebeneinander gestanden 
haben; warum die Endung immer nur und konsequent bei diesem 
vertauBclit^ nie bei jenem ? Das ist doch höchst auffällig. Mit dem 
Wort Differenzierung ist hier gar nichts gewonnen ; Differenzierung 
kann ja nur dort eintreten, wo die Sprache aus irgend einem Grunde 
Gewidit darauf legt, Wörter für verschiedene Begriffe auseinander- 
zohalten, wo Verwechselungen eintreten könnten, wenn sie zusammen- 
fallen. Differenzierung mag der Qrund gewesen sein, warum in 
mimtffu > enemi das e sich länger hielt; hier haben wir die Gegen- 
sätze eneim — ami, die auseinandergehalten werden mufsten, und 
durch das Wirken der Lautgesetze wären die Worte einander zu 
ähnlich geworden; aber welche Nötigung bestand bei sabidics? Das 
eine Wort wird ausschliefslich von Speisen u. dgl., das andere wäre 
von Personen gebraucht; die Gefahr, dafs die beiden Begriffe ver- 
wechselt würden, hätte höchstens bei Kannibalen bestanden. 

Ich meinerseits halte an dem Etymon sapius fest Freilich 
fasse ich dieses anders als Schuchardt S. 7 — 13. Mit dem Petroni- 
schen nescgms oder nesapvus hat es wohl gar nichts zu thun. Man 
bedenke aber, dafs es im Lateinischen neben sdo ein seius gegeben 
hat Als nun in dem gröfsten Teile des romanischen Gebietes sapere 
an die Stelle von scire einrückte, empfand man das Bedürfnis nach 
önem Verbaladjektiv, das sich so zu diesem Verbum verhalte wie 
fdus zu sdo; gab es aber damals noch (i)scio, (ijscis, (ijsdt und da- 
Deben (ijscius, und gab es wohl auch noch nesdo, nSscis, niscit neben 
niseins, so konnte zu sapio, sapis, sapit das Verbaladjektiv nicht 
anders gelautet haben als sapius. Man könnte sardisch sabiu ein- 
wenden, da im Sardischen sich scire gehalten hat. Aber abgesehen 
davon, dafs hier auch ursprünglich sapere in der Bedeutung *wissen' 
bestanden haben mag, das nicht durchgedrungen wäre, kann das 
Wort einer der vielen Hispanismen, die diese Insel aufzuweisen 
hat, sein. 

Auch von der lautlichen Seite sind, wie ich glaube, die Schwierig- 
keiten nicht unüberwindbar. It sapio statt zu erwartendem *sappio, 
öeap. sapio statt *saccio können sich einfach durch Annahme eines 
Bnflusses von seiten des Verbs erklären. Dabei Avill ich nicht ver- 
hehlen, dals ich dieses toskanisch-neapolitanische sapio (neben, resp. 
vor savio) überhaupt nicht für ein bodenständiges Wort halte; man 

* Aach die umgekehrte Angleichung findet .statt, worauf schon ML 
1. a. 0. hlDgewieeen hat: mask. coubia, tebis. 



134 Kleine Mittdlungen. 

eiitidinl« es aus dem NorditalieniBchen, nur machte man es t 
nächst mundgerechter. Da man recht wohl wufBte, d&TB nordi 
toskaniächero sapere entsprach, so bildete eich die Proportion 
samo =: sapere : x; x =^ aapw; d. b. man bildete das Adjelc 
dem toBkanischen Stamm nach dem MuBter des uordit^iei 
Wortes. 

Auch die provenzaliacbe Form sabt erklärt eich aus äh 
Ursachen. Wurde der Zusammenhang mit saber gefühlt, so is 
ersichtlich, dals b tüi p eintreten konnte. — Daneben giebt 
provenzalische Form savi, die zu keiner der bisher voi^eb: 
Etymologien paTst. Schuchardt sieht darin "eine franiÖBiereni 
norditalieniaierende Form' (8. 70). Ich weifs keine andere Erk 
Dafe man aber diese Form gerade deshalb bevorzugt habe, da 
Wort für 'weise' von sabe 'schmackhaft* um so venchiedener 
für mich natürlich ganz unannehmbar und undenkbar. 

Was endlich frz. sage (dial. sott») betrifil, so steht allerdi 
sonstige Behandlung von }>j im Wege. Aber eines ist zu be< 
daTs die Bedingungen hier und in den anderen anführban 
spielen nicht ganz die gleichen waren. Um Schuchardt« dgei 
liehe Worte anzuführen (S. 3): Gldcbheit der Bedingungen j 
ja überhaupt gar nicht; 'sie läfst sich weder unmittelbar noch 
Wirkungen erkennen ; wir sehen überall Verschiedenheit ( 
liingungen und Wld die tillergröfste ohne Wirkung, bald dii 
kleinste mit Wirkung'. In den sonstigen Beispieler 




Kleine Mitteilangen. 185 

lung von pj je nach dem auslautenden Vokal ist nun nichts gewon- 
nen, solange sie nicht begründet ist Meyer-Lübke hat Rom. Gramm. 
I 588 gezeigt, dals, um die Verschiedenheit der Entwickelung in 
Fällen wie cpde, cgte zu erklären, angenommen werden mufs, der 
Kwischentonige Vokal sei in Proparoxytona früher gefallen wenn a, 
als wenn ein anderer Vokal auslautete, und andere, z. B. Rydberg, 
haben sich dieser Ansicht angeschlossen. Nun verschmolz aber das 
Hiatus^' mit Labialen nicht so früh als mit anderen vorhergehenden 
Konsonanten, sondern blieb noch längere Zeit mit Silbenwert stehen 
(wie z. R das Provenzalische zeigt), so dafs die der Formel -^Lab i- 
entsprechenden Wörter länger Proparoxytona waren ; wir dehnen nun 
die frühere Annahme konsequent auch auf diese aus — sei es, dafs 
wir durch Annahme eines halbkonsonantischen Gleichlaute unsere 
Fälle mit denen Meyer-Lübkes in vollständige Parallele setzen wollen: 

natika sepiia -aitku sapiiu 

natka sepha „ „ 

„ „^ -adeg^ »oheye 

naica sepca -^gf sabgq, 

sei es, dals wir uns begnügen, zu sagen, das i sei infolge dieser Ten- 
denz vor a früher zum j geworden als vor u, vor letzterem erst, als p 
bereits intervokalisch zu h geworden war. Nach dem Gesagten wäre 
also Mask. sage, Fem. * sacke die theoretisch richtige Form; wie ge- 
wöhnlich trat die Ausgleichung nach dem Mask. ein, das bei diesem 
Wort wohl bedeutend häufiger als das Fem. gebraucht wurde. 

Die erörterten Gründe bewegen mich also, das Etymon von 
nge etc. doch noch lieber in dem gar nicht belegten sapius als in dem 
spat, aber doch hie und da auftauchenden (Seh. 74 AT.) sapidus 'weise' 
lu suchen. Nur noch ein Wort zu diesem letzten. Nehmen wir ap, 
dab *8apius in der gesprochenen Sprache ziemlich häufig war: es ist 
nun bekannt, wie sehr die Verfasser und Schreiber sich scheuten, 
derartige Vulgarismen in ihrer dem klassischen Latein je nach ihrer 
Bildung mehr oder weniger angenäherten Sprache zu gebrauchen. 
Es ist also wohl nicht zu verwundern, wenn sapius trotz seiner Häufig- 
keit nicht zu belegen ist Man wufstc eben, dafs man im klassischen 
Latein nicht so gesagt hat. Drängte sich dem Verfasser oder Schreiber 
das Wort einmal auf, so suchte er nach dem entsprechenden klassisch- 
lateinischen Wort; meist wohl wird ihm da das richtige * sapiens^ ein- 
gefallen sein; aber manchmal mag er doch, vom ähnlicheren Klang 
verführt, zum anderes bedeutenden, also falschen ^sapidtis' gegriffen 
liaben; namentlich solchen, denen das Latein nicht die Muttersprache 
war, konnte das leicht begegnen. 

Mag dem nun wie immer sein, von der Existenz oder Nicht- 
existenz eines lat sapidus 'weise' hängt die Richtigkeit der Herleitung 
von frz. sage aus * sapius nicht ab, und diese Ableitung gegen 



130 lOeine MltteUungen. 

Schuchardt, Punkt I S, zu verteidigen, ist der eiue Zweck diesea Ät- \ 
tikels. Der audere ist aber, zu zeigeji, daTe bei der Scliucbardtscbeil 
Etymologie wichtige Bedenken ujibeseitigt bleiben, über die man 
leicht, freudig berührt von bo mancher schönen, das Richtige treffenden I 
Erörterung und betäubt durch die Fülle des Ciebotenen, zu leichten 
Schritt«« hinweggehen könnte, oder die auszusprechen man gegen sein 
Gewigeen den Mut nicht findet, weil gar selten wer im stände sein 
dürfte, das Schuchardt^che Feuer 'aus gleich schweren Geschützen' 
zu erwidern. Und dafs ich es nicht im stände bin, dessen bin idi 
mir ja dabei vollständig bewulst. 

Prag. Eugen Herzog. 



Die Landschlacht bei Aboukir (1799) und ihre OarateUung 

bei Thiers. (Mit zwei Karten.) 

In gleicher Weise, wie ich in dieser Zeitschrift den ersten Feld- 
zug Deaais' in Ägj'pten besprochen habe, ■ möchte ich die Land- 
Bchlacht bei Aboukir und ihre Darstellung in Thiers' Kxp4dition en 
£gypte einer Kritik unterziehen. Denn auch sie enthält eine Reibe 
dunkler Funkte, die in unseren Ausgaben nicht immer die nötige 
Beachtung gefunden haben. 

Thiers* sagt: Quand Bonaparle apprii lea dilaits du dibarque- 
Mienl (des Turcs), ü quitia le Caire sur-le-champ et fit du Caire d 
i de ces marciies exlraordinaires dont il atxiit dontii 




(HarrimiiHih in Jit Miüe liegenii {Beckmann und Scbaunsland), i«l. — 
seilen, dazwischen liegend (Grube-KUtt und LeitriUJ. Die Aca- — 
ilguie bezeichnetes als lerme didaclique. Qui est entre-deux=^ 
Te.mps, espaee, eorps, idies inlsTtnidiairee. Ha.tifeH — 
Darmeeteter giebt folgende Erklärung: En parlant des chose^ ^ 
qui, etanl place e»tre deux termes, aert de Irartsition <X« 
t'tin ä l'autre. Temps, corpa inlermsdiaire. 

Nach verechiedenen deutschen HerauBgebern mülste man über- 
setzen in der Mitte (liegend) zwischen oder einfach zwisoben 
Aloxandria und Aboukir. Man mürst« also annehmen — di«s 
erscheint mir wenigstens als das Natürlichste — , dafs Birkot auf der 
Straise Alexaadria-Aboukir liegt Aber mau braucht kein grofser 
Kenner militärischer Ding« zu sein, um einzusehen, dafs ein Punkt 
in dieser Lage nicht besonders zum Konzentrieren verschiedener 
Heeresabteilungen geeignet ist. Er muTs ofienbar so gelegen sein, 
dafg man nach allen Seiten hin Front machen kann. Die Feinde 
müssen auf der Halbinsel Aboukir womöglich festgehalten und, »eon 
sie ausbrechen wollen, sowohl auf einem Marsche nach Alexaudria 
als auch auf einem solchen nach Rosette atigegriflen werdeu können. 
AuTserdem muTs der Ort so gelegen sein, dais man schnell zur Bani 
sein kann, wenn die Feinde vielleicht eine Landung auf dem Wege 
Aboukir - Rosette oder noch weiter östlich versuchen sollten. Va^ 
endlieh muTs man auch mit der Möglichkeit rechnen, dafs Mourad- 
Bey von Süden her mit seinen Keilern herankommt. 

In hohem Grade zweifelhaft ist es aber schliefsÜch, ob man 
intermSdiaire die rein örtliche Bedeutung 'zwischen (swei Ort* 
Schäften) liegend' geben kann. Nach den französischen Wörterbüohwn 
bezeichnet es eigentlich nur etwas, was vei'mittclt, was den Obergang 
von einem zum anderen bildet. Thiers sagt einmal: L'ßgypte, fiait, 
sdoH Bonaparte, U. verilabk point intermSdiaire enlrc l'EuTujifi 
vi l'Inde. Das heilst doch nur: der vermittelnde Punkt, das Binde- 




Kleine Mitteilungen. 139 

eignet Denon trifil damit das Rechte, aber seine Worte sind noch 
zu anbestimmt. 

Weit genauer sind die Angaben Berthiers in seiner 'Relation 
des Campagnes de Napoleon en [j^gypte et en Syrie'. Er sagt: Bona- 
parte se cUcide d prendre cette position au viUage de Birket, situe 
älahauieur d'un des angles du lac Madiä, d'oü Von se porie 
igakmerU sur FEter, Rosette, Aleaxindrie et Abouquir, Die Worte 
'ä la kauteur d'un des angles du lac Madi& sind zwar noch vieldeutig, 
aber durch den weiteren Zusatz, dafs man von Birket aus nach vier 
Hauptpunkten marschieren kann, wird ihm doch schon eine Lage 
bei dem Lac Madieh südlich vom Lac d'Edkou, wenn auch noch nicht 
ganz bestimmt^ angewiesen. Es kommt noch hinzu, dafs Berthier 
bereits bei der Beschreibung des Marsches von Alexandria nach 
Damanhour im Juli 1798 die Brunnen bei Beda und Birket er- 
wähnt hat 

Endlich Napoleon. In seinen Commentaires berichtet er uns, 
dals er von Damanhour nach Birket marschiert sei, und giebt den 
Ort auf der Karte an. Er liegt danach am Canal du Nil ou 
d'Alexandrie, zwei Stunden von dem Dorfe Leloha entfernt In 
seiner Correspondance, die die Befehle an seine Unterfeldherren 
enthalt und besonders wichtig ist für die Bestimmung seiner mili- 
tärischen Stellungen, sagt er: Birket est d une lieue de Leloha, und 
diese Angabe bin ich geneigt für die richtige zu halten. 

Birket^ genannt auch Birket-Gheytas zum Unterschied von einem 
anderen Birket, liegt also in der 'Wüste', auf demselben Wege, den 
Bonaparte schon einmal, nur in umgekehrter Richtung, eingeschlagen 
hatte. Das klingt zuerst etwas befremdend, wenn wir an die unsäg- 
lichen Leiden und die Verzweiflung der französischen Truppen 
denken, als sie durch diese Gregend marschierten. Aber der erste 
Marsch im Jahre 1798 war unter besonders ungünstigen Umständen 
ausgeführt worden. Es war Anfang Juli, zur Zeit der gröfsten Hitze 
and des niedrigsten Wasserstandes des Nils, die Brunnen verschüttet 
und die Dörfer, deren es eine ganze Anzahl am Wege gab, von den 
Einwohnern verlassen. Das Jahr vorher (1797) hatte es keine Über- 
schwemmung in diesen Gegenden gegeben, »o dafs sie allerdings einer 
Wüste glichen. Aber Napoleon hebt selbst hervor, dafs diese Land- 
Strecken sonst vom Nil befruchtet werden. Bourrienne sagt von 
ihnen: les vastes plaines du Bohahireh, qui n'est poini un deseri, 
eomme on Va toujours r6p6U, ^ Und Marmont berichtet uns ausdrück- 
lich, wie er sich bemühte, Getreide und Lebensmittel auf diesem 
Kanal von Ramanieh nach Alexandrien zu schaffen ; wie ein Damm 

* Allerdings sagt er zwei Seiten weiter: Les Arahes harcelaicnt snns 
eesse rarmSe; üs cwnblaient et infectaient les citernes et les puits dejä st 
rares dans le dSsert/ Offenbar steht er unter dem Eindruck der damals 
wüstenähnlichen Beschaffenheit der Gegend. 



Klei: 



■ Mitteilungen. 



/IL licidiii Seiloii lieeeelbeii angelegt wurde, claniit dag Wasser eine 
hestimiiite flöhe erreichte, und wie dieser Damm von Beinen Truppen 
bewacht werden muTEt«, damit nicht die Anwohner Löcher hinein- 
bohrten und auf diese Weise das Wa^er für ihre Felder entzogen, 
ehe die allgemeine Durchstechung von Staats wegen angeordnet wurde. 

Für den Marsch nach Birket und Alexandria wurden aufserdeia 
noch besondere Vorsieh tämafsregeln getroffen, Murat wurde voraus- 
geschickt, um besonders die Brunnen in Birket und Beda reinigen, 
oder neu graben und Stroh und Gersl« an bestimmten Orten nieder- 
legen zu lassen. 

Betrachten wir uns jetzt das Dorf Birket, ao müssen wir sagen, 
dafa es vortrefflich gewaJilt und ein Punkt war, von dem aus man 
nach allen Seiten mit Erfolg vorgehen konnte oder, wie Thiere sagt, 
manmvvrer selon les circonslances. 

Um ein richtiges VerBtändnis für die Operationen Bonaparle« 
zu gewinnen, ist es ferner durchaus nötig, dafs wir uns den Lac 
Madieh etwas genauer betrachten. Er spielt, wie wir weiter unten 
sehen werden, in dem Schlachte aber ichte Thiers' eine etwas seltsame 
Rolle und hat das Schicksal gehabt, dafs er auf den meiGten oeueren 
Specialkurten falsch dargestellt ist 

Zur Zeit der ägyptischen Expedition ist der Lac Ma- 
dieh nicht geschlossen, sondern steht mit dem Mittel- 
ländischen Meere durch eins Einfahrt in Verbindung. 
Die Karten, welche ihn aU geechlüseeD darstellen, geben seinen 
späteren Zustand wieder.' Jetzt existiert der See überhaupt 
nicht mehr. 

Napoleon g^ebt die Breite dieser Einfahrt auf 100 toiaee, dai 
heilst auf ungefähr 175 Meter, an. Wilson sagt von ihr im Jahre 
1803: Ike passage is ahout two hundred yards wide, and uyu 
niada aboui eigkleen years since by Ike sea breaJcing dmon the äih, 
which had bf.en buill gges back lo recover from the ocean thal counb 




Kleine Mitteüungen. 141 

sehen, dals er sie in seinen Anordnungen für die Schlacht auch dies- 
mal berücksichtigte. 

Ehe wir die eigentliche Halbinsel Aboukir selbst betrachten, 
empfiehlt es sich, zuerst die Bewegungen und Truppenverschiebungen 
zu verfolgen, die auf dem von uns besprochenen Terrain von Bona- 
parte vorgenommen werden. Er bezeichnet als seine Operationslinie 
Alexandria, Birket und Rosette. Marmont soll in Alexandria den 
linken Flügel, er selbst in Birket das Centrum und Kleber in Ro- 
sette den rechten Flügel haben. 

An Desaix ergeht die Weisung, sich aus Oberägypten nach 
Kairo zu ziehen. Kleber, der sich in Damiette, und Reynier, der sich 
in Belbeis befindet^ erhalten den Befehl, allmählich heranzurücken. 
Henou, der in Rosette ist, soll das rechte Ufer des Einganges in den 
Lac Madieh besetzen und die vielleicht dort befindlichen Kanonen- 
boote der Türken vernichten oder daraus vertreiben. Sollten feind- 
liche Truppen in gröfserer Menge zwischen der Einfahrt und Rosette 
landen, so soll er sich nach Birket zurückziehen. 

Bonaparte selbst begiebt sich von Kairo mit drei Divisionen 
nach Ramanieh. In Kairo läfst er einige Truppen unter General 
Dugua zurück. 

Den 20. Juli bricht Murat mit der Avantgarde von Ramanieh 
ftuf. Sie besteht aus der Kavallerie, den Dromedariern, den Grena- 
(iieren und einem Bataillon Infanterie. Er hat, wie oben schon er- 
wähnt, den Auftrag, die Brunnen in stand zu setzen, Stroh und Ge- 
treide an geeigneten Stellen zusammenzubringen und vor allen Dingen 
aoch die Verbindung mit Alexandria herzustellen und häufige Pa- 
trouillen zwischen dem Madieh- und Edkou-See hindurch nach dem 
Dorfe Edkou (das auf der Strafse Rosette-Aboukir liegt) und nach 
Rosette selbst zu schicken. Es geht aus diesen Befehlen deutlich 
hervor, dafe Bonaparte eine Landung auf einer Stelle gegenüber dem 
E^kou-See für nicht unmöglich hielt. 

Zwei Tage nach dem Abmarsch Murats, den 22. Juli, bricht 
<laä Heer von Ramanieh nach Damanhour und Birket auf. Da die 
Meldungen einlaufen, dals der Feind sich auf der Halbinsel Aboukir 
fetgesetzt hat, marschiert man schon am folgenden Tage nach 
Alexandria. Bonaparte findet die Festungswerke in gutem Zustande, 
läist Marmont als Befehlshaber dort zurück und schickt nur noch 
einen Teil der Garnison unter dem Befehle des bis jetzt Marmont 
unterstellten Generals Destaing auf dem Wege nach Aboukir voraus. * 

' Thiers sagt, dals Bonapartc MarmoDt getadelt habe, weil er nicht 
den Versuch gemacht hatte, die Türken an der Landung zu hindern. Mau 
hsit 8chon von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, dafa (lies unzu- 
treffend ist. Abgesehen davon, dafe Marmont wirklich abniarschierle, um 
mit einem Teil seiner Truppen — er hatte überhaupt nur 1200 Mann in 
AJexandria — die Besatzung des Forts und der Redoute zu verstärken, 



H2 Kleine Mittoilongen. 

Am Naciimitiage des '24. Juli begiebt er sich mit dem Hauptqi 
nach Puib^, daa ungefähr in der Mitte zwischen Atexandria und 
Aboubir liegt In der Nacht vom 24. lum 25. Juli treffen dort Mural, 
Ijaiines und Ilampon ein. Bei Tagesanbruch setet sich das Heer 
in Bewegung, als Führer der Avantgarde Murat mit 400 Reitern 
und der Brigadegeneral Dcstaing mit drei Bataillonen und xwei Ge 
schützen. 

Am 25. morgens steht das Heer am Eingange zur Halbinsel 
Lannes hat den rechten Flügel, Destaing den Unken. Murat und 
LanuBse befinden sich im Centrum. £benda ist auch Bonaparte. 

Davout ist halbwegs zwischen Alexandria und Aboukir mit znei 
Eakadronen und 100 Dromadariern aufgestellt, um gegebencnfaik 
mit Truppen Marmonts Mourad-Bey abzuhalten. AuTsrätlem bildet 
K16l)er die Reserve. Er ist dem Hauptheere gefolgt und trifft am 
2ö. abends auf dem Schlachtfelde ein. 

Ehe wir zur Entwicklung der Schlacht übergehen, empfiehlt u 
sich, die Abschnitte aus Thiera anzuführen, die sich auf die Be- 
schreibung der Halbinsel Aboukir und die auf ihr errichteten Be- 
festigungen beziehen. 

Les Turcs ocatpaient le fond de la presqutU, qui est fort ftroHt. 
IIa elaient couverts par deux lignts de relranehements. A wnc itm- 
Heue en avant du viUage d' Aboukir, oii itail leur camp, ils avaienl 
CMXupe deux mamelons de sable, appuyant l'un ä la mtT, 
au lac de Madieh, et formant ain&i leuT droile ei fouf 




Kleine Mitteilungen. 148 

*u lac Madie h. L'espace auveri itait oceupS par l'ennemi, et balayä 
or de nombreuses canonnieres. 

Wir haben nach dieser Beschreibung zwei Befestigungslinien. 
Die erste, die den Franzosen am nächsten liegt, wird gebildet durch 
iwd Hügel, von denen der eine sich ans Meer lehnte als der rechte 
be^ichnet wird (vom Standpunkt der Türken aus) und von 1000 
Mann besetzt ist Der andere, der linke, soll sich an den Madieh- 
see anlehnen und ist von 2000 Türken besetzt In der Mitte 
endlich zwischen diesen beiden Hügeln soll sich ein Dorf befinden, 
das ebenfalls von ihnen besetzt ist 

Ich will kein Gewicht darauf legen, dals dieses Dorf, welches 
zur ersten Verschanzungslinie gehört, nicht in der Mitte zwischen 
den beiden Hügeln, sondern hinter ihnen, allerdings von beiden gleich 
weit, ungefähr 1 Y^ Kilometer, entfernt liegt Das ist nur eine gering- 
fögige üngenauigkeit Das Verkehrte dieser Beschreibung und das, 
was das Schlachtenbild entstellt^ liegt darin, dafs Thiers seinen linken 
Hagel an den Lac Madieh anlehnt 

Die beiden Hügel liegen an den beiden Seiten der 
Halbinsel, die von dem Mittelländischen Meere bespült 
werden. Der linke — wir l>ezeichnen immer von dem Standpunkte 
der Franzosen aus — heilst auch Montagne oder Monticule du 
Cheik, der rechte Monticule du Puits, genannt nach dem 
BroDnen, der in unmittelbarer Nähe liegt und wegen seines Wasser- 
reichtumes von grofser Bedeutung für die Gegend war. 

Der erste Irrtum, in den Thiers in Bezug auf die Lage der 
Hügel verfällt» hat nun aber einen zweiten nach sich gezogen. Er 
giebt die Lage der Red oute falsch an. Der eine Laufgraben 
soll sie mit dem Meere verbinden, der andere soll sich nach dem 
Lac Madieh hinziehen, jedoch so, dafs zwischen ihm und dem See 
ein Zwischenraum bleibt» der von Kanonenbooten bestrichen wird 
^d aulserordentlich gefahrvoll zu passieren ist Die Redoute 
liegt jedoch ungefähr drei Kilometer vom See entfernt, 
io der Spitze der Halbinsel, die an dieser Stelle vielleicht 
^00 Meter breit ist, und die an ihren beiden gegenüberliegenden 
Seiten nur vom Mittelländischen Meere bespült wird. Hinter 
<ler Redoute liegt ungefähr 225 Meter entfernt das Dorf Aboukir 
und hinter diesem das Fort 

Was hat nun wohl bei Thiers diesen Irrtum veranlafst? Ich 
glaube nicht fehlzugehen, wenn ich den Kanonenbooten die Schuld 
zuschreibe. Er hat irgendwo in seinen Quellen gelesen, dafs auf 
dem Lac Madieh Kanonenboote gewesen sind, und dafs diese den 
Franzosen Schaden zugefügt haben, folglich — so hat er nach meiner 
Vermutung geschlossen — müssen diese es gewesen sein, die den 
offenen Raum zwischen dem Wasser und dem einen Arme der Re- 
loute beschossen, und die Redoute selbst mufs nach dem Lac Madieh 



144 



Kleine Mitteil ungeu. 



zu gelegen liabeo. Leider hat er aber dabei vergeasen oder nie 
gewuTat^ dafe auch auf den beiden Seiten der Halbinsel, die na^ 
dem Mittelländischen Meere zu liegen, sich türkische Kanonenbou 
befanden und die Franzoseu beachoBBen. 

Ich komme auf meine Vermutung durch den Umstand, da 
wirklich in den Lac Madieh znölf Kanonenboote eingefahren wäre 
und den Franzosen zu echafTen machten. Aber das war im Anfao. 
der Schlacht Lannes befehligte den rechten Flügel und hatte dei 
Auftrag bekommen, den Mouticule du Pults zu nehmen. Zu diestc 
Zwecke mufate er am Lac Madieh entlang marschieren. Auf difsen 
Wege nun bekam er ein heftiges Sanouenfeuer in seine rechte Flankt 
Bonaparte gab infolgedessen dem Artilleriegeneral Songie Befehl 
sofort Geschütze auffahren zu lassen, und diese fügten den tüi 
kischen Schiffen ganz bedeutenden Schaden zu. Die Lage der letzlerei 
wurde aber geradezu kritisch, als sie sahen, dafs der General Menoi 
die rechte Seite der Einfahrt in das Mittelländische Meer besetil 
und sich anschickte, sie auch seiueraeita zu beschieTsen. Sie fürcii 
l«ten, im Madiehsee vernichtet oder eingeschlossen zu werden, uni 
flohen deshalb schleunigst wieder ins offene Meer hinaus. 

Um Thiers' irrige Auffassung zu erklären, lälet sich noch ein 
andere Thatsache anführen, die vielleicht viel mehr ins Gewicht fäll 
als das oben Gesagte. Bonaparte hat einmal denselben Feh 
ler begangen, indem er behauptete, der Feind habe sei 
nen linken Flügel an den Lac Madieh angelehnt. In dei 




[ 






Kleine Mitteilungen. 145 

Der weitere Verlauf der Schlacht ist von Thiers anschaulich 
geschildert Destaing greift den linken Hügel an, Murat umgeht ihn, 
and den eingeschlossenen Feinden bleibt nichts anderes übrig, als 
sich ins Meer zu stürzen. Auf der rechten Seite dasselbe Manöver. 
Darauf gehen Destaing und Lannes gemeinsam gegen das Dorf vor 
und werfen auch hier die Feinde in das Meer. Der Kampf um die 
zweite Linie, die Redoute, ist hartnäckiger, aber die Anstrengungen 
der Franzosen sind wiederum mit Erfolg gekrönt Die Verteidiger 
finden ihren Tod in den Wellen. Freilich mufs an allen Stel- 
len, in denen hier Thiers den Lac Madieh erwähnt, dafür 
die Reede von Aboukir eingesetzt werden, denn nur dort 
und in dem gegenüberliegenden Teile des Mittelländischen Meeres 
fanden die Türken ihren Tod. Auf beiden Seiten waren türkische 
Kanonenboote, die auf die Franzosen schössen und, wenn wir Mar- 
mont^ Eug^e Beauharnais u. a. glauben dürfen, sogar auf ihre eigenen 
Leute feuerten, um sie zur Rückkehr in die Schlacht zu zwingen. 

Nach der Einnahme der Redoute geht es ins Dorf Aboukir, wo 
sich das Lager Mustapha Paschas befindet Murat selbst dringt in 
das Zelt des Vezirs ein. Dieser feuert auf ihn seine Pistole ab und 
verwundet ihn, nicht, wie Thiers sagt, leicht, sondern recht schwer, 
denn die Kugel geht ihm durch den Unterkiefer. Aber die Wunde 
beilt vortrefflich und läfst auf dem schönen Gesichte Murats kaum 
eine Spur zurück. 

In das Fort Aboukir ziehen sich ungefähr 1500 Mann zurück. 
Acht Tage lang leisten sie den kräftigsten Widerstand, dann werden 
sie durch den Hunger gezwungen, sich zu ergeben. 

Das ist die Schlacht bei Aboukir, wie ich sie mir nach den Be- 
richten der Mitkämpfer und den Tagebüchern und Armeebefehlen 
Napoleons zusammengestellt habe. 

Es geht aus den obigen Auseinandersetzungen hervor, dais die 
Darstellung Thiers' an mehreren Stellen der Berichtigung bedarf, 
aber wenn man einmal den Grundirrtum des Schriftstellers aufgedeckt 
hat, kann man die Schüler leicht dahin bringen, dafs sie die übrigen 
daraus entspringenden Fehler selbst finden. Da wir aulserdem die 
verschiedenen Vorbereitungen und die mannigfachen Stellungen 
kennen, die die einzelnen Heeresabteilungen einnehmen muTsten, ehe 
man zum Entscheid ungskampfe vorrückte, so ist die Landschlacht 
bei Aboukir in hohem Orade geeignet, den Schülern ein anschau- 
liches Bild von der grofsartigen Kriegskunst Bonapartes zu geben. 

Gera, Keuls. O. Schulze. 



Jkichii f. lu SprAohen. CIX. 10 



Beorteilangen und kurze Anzeigen.^ 



F. Paulseu, Die deutschen Uaivergitüteo. Berlin, A. Asher & C«., 
1902. 575 S. 

Fnst künote en ein bedenkliches Zeichen scheinen, wie die deutHcbeii M- 
duDgüBnataltcn sich 'auf sich seLbst zu beeinneo' anfangen. Auf Harnackfl 
glänzende 'Geechichte der Uerliner Akademie' folgt Paulsens erechöpfende 
Daratellung der 'Deutachfn Uni verHi täten'; wie wünschenettert wnre Dim 
dritt«ne eine Darstellung des deutacbcn Ofuinndjums, wie ea wirklich i^ll 
Freilich wäre Hie noch schwieriger. Humack gab die Biographie eine^ 
grpfseu Individuums, Paulaen legt die PorträW von vielleicht Kwaiuig 




Beurteiluiigen und kurze Anzeigen. 147 

müidteD, begegnet so häufig, daüs der Ethiker hier fast ganz hinter dem 
Verteidiger zurückzutreten scheint. Wenn etwa gegenüber gewissen Nach- 
teilen der akademischen Freiheit in Deutschland darauf hingewiesen wird, 
dais in England und Amerika trotz strengerer Gebundenheit die Zustande 
schwerlich erfreulicher seien, so könnte man dies sicherlich zugeben, die 
deutsche Libertät der Universitatsjugend durchaus wahren wollen und 
dennoch jenen Übelstanden ernstlicher auf den Leib rucken, als es das 
wohlmeinende Vertrauen des Verfassers thut. Möglich wäre es doch, daDs 
wir dieselben Vorzüge hie und da auch noch etwas billiger erkaufen 
könnten. Allerdings fehlt es auch bei Paulsen selbst keineswegs an be- 
heragensworten Verbesserungsvorschlägen, z. B. betreffs der Wohnungs- 
verhiltnisse der Studenten (Studienhäuser S. 466) oder betreffs der Ein- 
richtung des Studienganges (unverbindliche Studienpläne S. 418). Auch 
manche Bedenken fehlen nicht, neben solchen, die Referent teilt, z. B. 
wegen Überhandnähme der Prüfungen (S. 435 f.) oder wegen steigenden 
Abfitandes zwischen akademischen und Volkskreisen (S. 149 f. u. ö.), auch 
solche, denen ich mich nicht anzuschliefsen vermag, wie betreffs der an- 
geblichen Qefahr eines zu starken Prozentsatzes jüdischer Akademiker 
(S. 210). Je seltener nach Paulsens eigener Ansicht sich in Deutschland 
wieder ein so fester Boden zu ruhigem, vorurteilslosem Kennenlernen für 
diejongen Leute der verschiedenen Stände, Landschaften und Bekennt- 
nine bietet, desto mehr scheint es mir wünschenswert, dafs dieser Boden 
recht häufig gerade von denen betreten werde, deren Unglück es nur zu 
häufig ist, dafs sie ihre christlichen Mitbrüder nicht genau genug kennen 
Qod von ihnen nicht genügend gekannt werden. 

Aber jene Verbesserungsvorschläge und diese Bedenken können doch 
dem Werke im ganzen jenen Charakter eines vielleicht zu sicheren Opti- 
mismus nicht ndimen. Vielleicht würde doch die Wirkung, die von dem 
^rtrefflichen und vielfach unentbehrlich zu nennenden Werke ausgeht, 
>Qf den Leser und besonders auf die Zukunft eine noch tiefere sein, wenn 
der Schüler und Verehrer Fichtes stärker in den energisch fordernden 
Ton dieses mächtigen Volkserziehers eingegangen wäre. Paulsen, der sich 
(S. XII) seiner glücklichen Citate mit Recht freuen darf, hätte gegen den 
'ohl unzweifelhaft zunehmenden 'schweren Miisbrauch des Biers' man- 
ches Wort etwa bei Lagarde finden mögen, das kräftiger als seine eigene 
ilfahoung die Gefahren hervorhebt, die hier für die moralische Gesund- 
heit unserer Gebildeten liegen. Auch über das Duell hätte man vielleicht 
ein weniger vorsichtiges Distinguo gewünscht. Man braucht keineswegs 
gewisse Grenzfälle zu leugnen, in denen der Zweikampf beinahe raora- 
ÜRche Notwendigkeit wird, und kann sich doch fragen, ob die allgemeinen 
Bestimmungen der Notwehr nicht zur Strafminderung oder Strafbeseitigung 
aoch hier vollkommen genügen. 

Doch in den bisher erwähnten Beispielen steht schliefslich im weseut- 
h'chen nur Meinung gegen Meinung, und so mag der vielerfahrcne Pädagog 
mdgllcherweise recht behalten, auch gegen das, was sich anderen Be- 
obachtern darzubieten scheint. Denn als einen Pädagogen haben wir Puul- 

10* 



11^ Ilf urleil uiigeii uud kurze Anzeigeo, 

ai4i iij i|ii>L'iii Werke Jocli vor iillezD auzuaeliea, uod nenn er sich lueti)^ 
^CDUg gegeu deu Ausdruck 'UochBdiul-P&dsgogilt' erklärt, wird man deiL«. 

erfolgreichen Verfasser dieses mit Recht der itudiereuden Jugend DeuUch 

landB gewidmeteu Werkes doch wohl sagen dQrfeu, er habe damit ein au»~ 

gezeicliDetea, bis dahin fehlendee Stück Hochachul- Pädagogik gegeben. 

Aber bisweilen glaube ich doch zu ««hen, dals dieser Optimismus ^radcEOi 
zur irrigen Zeichnung der thateächlicheu VerhältniMe führt. Und zwari 
in doppeltem Sinne: die einheimischen Verhältnisse vrerden oft zu [ 
stig, die fremden zu ungünstig geschildert. So ist, um nur einiges heraua- 
zugreifen, das Monopol der 'Exauiensprofeseoren' doch wohl erhebticii 
mächtiger, als Faulsen annimmt, und die Stellung der l'rivatdocenleii 
nicht ganz ao idylliach, wie er sie ausniftlt. Auch hier wäre aus Biogi«- 
phien namhafter Gelehrten, z. B. von Carl Hase oder Gustav Frrjtag, 
manche Korrekturnot« beizubringen. Auf der anderen Seite erhält tnaii 
von dem Verfasser den Eindruck, als sei die Vorbildung der franzÖsiscliea 
Juristen eine so gut wie völlig wertlose. Aber sollte L. von SavigDj' 
sie nicht ebensosehr unterschätet haben, wie es sein Grofsvater thal! 
Über den.Üote Napoleon lauten die Urteile der modernen Juristen doch 
wohl wesentlich anders als in dem 'Beruf unserer Zeit zur OeeetzgebuDg*. 
und der französiKthe Richterstand iiat trotz niancher juristischen Dn- 
gliicksfälle der letzten Jahre wohl immer noch das Re<:ht, üch neben dra 
Mitgliedern unnercr wahrlich auch nicht unfehlbaren Judikatur seheii i' 
lassen. 

Im Qbrigen ist die hiBtoriBche DnrEtellimg Paulseoa, wie eich ba ihn 
VDU selbst versteht, ebenso klar ab zuverlässig. (Aufgefallen ist mir dtii. 
dafe bei der historischen Obersicht der Uni versitätsgrün düngen die jQDget« 
der almae mattes vergessen ist: Czernowitz, bei deren Eröffnung Schmollff 
als Vertretet der nächst jüngsten Strafsbur^er Hochschule das beröhmte, 
wenn auch vielleicht etwaa zu stolze Wort aussprach: 'deutsch sein heiftl 
arbeiten'.) Wer kennt denn auch das Material zur Geschieht« des ge- 
lehrten Unterrichts in Deutachland, wie es seilt Geschicht»chreiber kemil! 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 149 

letzterem Punkte möchte ich mir freilich wieder einen Privatwiderspruch 
erlauben. Die Sitte, in seine Bücher Randbemerkungen kritischer oder — 
lyrischer Natur zu machen (S. 408), hat sicherlich ihre praktischen Vor- 
teile; aber sind diese so grols, dais den Studenten eine solche im Grunde 
doch barbarische Art der Bücherbehandlung noch eigens angeraten werden 
mois? Ich meine, sie raüfsten eher dazu angehalten werden, den Bespekt 
vor der Arbeit anderer auch hier zu lernen. Mein Buch ist mein Freund ; 
ich habe mich nur ganz selten entschlieisen kennen, ihrer eins mit solchen 
Skkyenzeichen zu brandmarken, und meine benutztesten Bücher danken 
mir das noch heute. 

Nor einen Punkt vermiist man in Paulsens so vollständiger Darstel- 
lung, allerdings einen, den man nach dem Titel zu allererst erwarten 
wSrde: dbe kurze Charakteristik der einzelnen deutschen Universitäten. 
Gestreift wird das ja einmal in der historischen Übersicht (besonders für 
Halle und Göttingen), dann in dem resümierenden Schlufskapitel. Und 
man begreift es ja auch, welche Kücksichten den Verfasser hinderten, 
etwa in der Weise Carl Heuns (Claurens) Ratschläge für die studierende 
Jugend zu erteilen. Aber eine knappe Skizze wenigstens der hervorragend- 
sten Typen hätte man doch gern gesehen : die Arbeits-Universität neben der 
füre Bummeln, die grolsstäd tische neben der kleinstädtischen, die Prinzen - 
Universität (Bonn), die Patricier-Universität (Basel), die Universitäten auf 
mehrsprachigem Boden mit ihrer eigenartigen Pionierstellung (Prag, Strafs- 
burg); endlich, worauf Paulsen selbst deutet, die von einer einzelnen 
Fakultät dominierten Hochschulen (wie früher das theologische Jena oder 
Erlangen, das medizinische Würzburg). 

Eine fundamentale Frage, in der Paulsen mit grofser Entschiedenheit 
Stellung nimmt, ist die das ganze Buch durchziehende Abneigung gegen 
alles Parteiwesen und besonders das politische. Ich glaube sogar, dals er 
hierbei selbst etwas zu sehr Partei ist. Niemand wird verkennen, wie 
gro(se Gefahren für die Wahrhaftigkeit und die Gerechtigkeitsliebe jegliche 
Parteinahme mit sich bringt; trotzdem möchte der EinfluTs der Partei- 
interessen auf den Charakter doch vielleicht etwas überschätzt sein. Wir 
haben es doch oft genug erlebt, dafs auch in eifrigen Parteigängern noch 
Raum blieb für objektive Erkenntnis; zumal die politische Kichtung ja 
doch immer nur einen kleinen Ausschnitt der zahllosen Interessen über- 
haupt berührt Indes wäre diese Frage an sich als eine rein akademische 
in dieser Recension kaum zu berühren, wenn nicht der Verfasser auch 
sehr ernsthafte praktische Folgen daraus ziehen würde, und zwar in dop- 
pelto* Hinsicht: für den Docenten und den Studenten. Zunächst vertritt 
er sehr energisch die Anschauung, dafs der Gelehrte dem politischen Leben 
überhaupt fem zu bleiben habe. Wir vermögen uns diese Anschauung 
nicht anzueignen. Eine politische Teilnahme erscheint uns als ein ge- 
sundes Symptom öffentlicher Verhältnisse. Um so gesunder, je allgemeiner 
sie alle Kreise durchdringt Ist aber thatsächlich eine solche politische 
Regsamkeit Torhanden, so scheint es uns in höherem Grade gefährlich, 
wenn der G^ehrtenstand sich ausschliefst. Gefährlich für die Gelehrten, 



160 BeurtdluDi^n und kurxe Aüzeigen. 

für die PnuUeD ja xelbst beatändig hervorhebt, ilftfs eie sich ja nicht tÜK < 
eine besotidere Kaste abaoodern dürften; gefährlkh aber &uch für da« I 
Volk, (ieradc weil dem Marioe der Wissenschaft eine allgemeioe An- , 
Behauung der Dinge aus seiner täglichen Arbeit zu erwachsen pflegt, irt j 
er geeignet, iu die Kleinlichkeit des politischen Lebens heilsame grölsere 
Gesichtapunlitc hineinzutragen. So kann ich denn auch keinesiregs dem 
beitreten, dols die bisherige politische Thätiglfeit der Proferisoren gegen 
nie xeuge. Für die Paulekirche berufe ich uiich auf einen Kenner wie 
Binding; ist ja doch fast alles Beste in unserer jetzigen ReichaTerfikssoEg 
aus den Entwürfen dee FrofessoreDi>arlAmenlB hcrvorgc wachsen. Aber 
auch für spatere Zeiten erscheint mir jenes landläufige Urteil durchaus 
ungerecht. Wie viele unserer besten Errungenschaften sind politiachnn 
Professuren t\> verdanken! Wir hätten das Ohervcrwaltungsgericht nicht 
ohne den Professor Gndst; die Grundlagen unseres Komptflbilttälsgesetut 
gehören dem Professor Vircbow. Nicht xa gedenken, wie vieles von »pe- 
ciellen VorBorgebestimmungen etwa für Hygiene, Unterricht, höheres Dil- 
dungswesen ganr. und gar auf den Schultern der akademischen Politiker 
ruht. Und wer soll denn schliefsücb unsere Parlannente fflUenT Be- 
denken sprechen auch gegen den Beamten, den Industriftllon — uud 
nicht zum wenigsten gegen den Bern feparlamen tarier! Und auf der an- 
deren Seite — igt wirklich die Kur der völligen politiflchen Desillusie- 
nieruDg, die Paulscn den Studenten anrät, wünschenswert? tch furcht«, 
die EntläiiPcliungen kommen friih genug. Snll man nicht der Jugenil 
das edle Recht der eini^eitigen Begeisterung uu verkümmert 




BeurtdlongeD und kurze Anzeigen. 151 

wiederholt die häufig gehörte Prophezeiung, unsere politischen Parteien 
seien im Berufe, sich völlig in Interessengruppen aufzulösen. Gewiis ist 
(UraD vieles wahr; aher ebenso sicher, wie allemal in politischen Parteien 
diejenigen BevÖlkerongsschichten, in denen sie den stärksten Wiederhall 
gefunden hatten, den Kern bildeten, ebenso sicher erwächst aus Partei- 
gruppen von egobtischer Grundstimmung frfiher oder später eine politisch 
angeregte Partei. Auch hier wird der Student nicht einfach über den 
Gnippen stehen, sondern wie jeder andere sich eine Meinung bilden, die 
aus der Diagonale seiner angestammten Interessen und seiner angeborenen 
KdgUDgen erwächst. Das ist natürlich, und so dürfte es auch nicht ganz 
schädlich sein. 

unsere Jugend neigt dazu, auch in grofsen Tagesfragen von unpoli- 
tische Art Partei zu ergreifen; und auch hier warnt der Verfasser viel- 
leicht in zu eindringlicher Weise. Nietzsche ist gewifs geeignet, die Jugend 
zu Terwirren, während die Gefahr, die eine sogenannte Nietzsche-Gemeinde 
mit sich bringen soll, nach Zeitlers neuerlichen treffenden Ausführungen 
gewils zu groXs angeschlagen wird. Aber dennoch schdnt es mir nicht 
ganz gerecht, in welchem Tone Paulsen vor der Jugend von jenem grofsen 
Anreger spricht, dessen Genialität er freilich nicht verkennt. Es sollte 
ihn doch bedenklich machen, dafs jene Verse, die er selbst spöttisch auf 
den 'Um werter aller Werte' anwendet, von Goethe gegen Paulsens hoch- 
Terehrten Meister Fichte gerichtet waren. Jener Ton einer feinen Ironie, 
der dem Yerfasser so wohl zu Gesicht steht, steigert sich hier gelegentlich 
etwas zu sehr, fast ins Überreizte. Ich habe oft genug beobachtet, dafs 
juDgen Leuten kaum etwas Heilsameres widerfahren kann als eine innere 
Erschütterung, wie sie nun einmal unter den Neueren kaum ein zweiter 
gleich Nietzsche hervorbringt. Mag nachher sich ergeben, was da mag, — 
dafür gilt, was Paulsen selbst so schön über die Wagnisse eines Studiums 
bei liberalen Theologen ausgeführt hat. 

Jener gesundbürgerliche Grundton, der das ganze Buch beherrscht, 
und der (z. B. S. 123 f.) zu höchst beachtenswerten Ausführungen über 
die Orden und Ehrenzeichen für Professoren leitet, mag ebenfalls gelegent- 
lich etwas zu weit führen. So, wenn der Verfasser meint, Akademien 
seien überflüssig, und was sie leisten, könnten Gelehrtengesellschaften mit 
minderem Pomp ebensogut vollbringen (S. 210). Wir möchten ein wissen- 
schaftliches Herrenhaus neben den übrigen wissenschaftlichen Korporatio- 
nen, oder meinetw^en auch über ihnen, doch ungern entbehren. Har- 
nacks Werk hat doch wohl den Beweis für die Existenzberechtigung der 
Berliner Akademie erbracht. Eine grofse Anzahl von Aufgaben der wissen- 
schaftlichen Organisation kann wohl eine gewisse Centralisation kaum 
entbehren, die ihrerseits ohne eine staatliche Autorität in unserem indi- 
vidualitätssüchtigen Deutschland nicht zu erlangen ist. 

Haben wir mancherlei gegen das schöne Werk vorgebracht, so möchte 
doch dies alles nur sagen, nach welchen Richtungen es die Wirksamkeit, 
die es ohne Zweifel ausüben wird, noch zweckmäfsig erhöhen könnte. In 
maochen Punkten, wie gesagt, steht wohl füglich nur unbelehrbar Mei- 



152 Beiirtdluugcti und kurze Ajizelgen. 

nimg gegen Meiuung, In ancieron hnheii vielleicht doch des Verfaeser--, 
Tageaden gewisse Fehler mit eich gebracht, die noch zu heilen närei::» 
dnmit das ßuch ga.az und gar im Rleinea das Bei, was die deutschen UdS- 
verBitäten im Grofsen sind: eloe BilducigaauBtalt, in der jeder gern veat-- 
weilt, und die keiuer ohue Bereicherung verlä&t. 

Berlin. Richard M. Meyer. 

KoDrad Burdach, Walther vou der Vc^Iweide. PhilologJBclie 
und historische Forschungen. Erster Teil. Leipzig ISOO. 
XXXin, 320 S. ' 

Giebt es wirklich jene trennende Kluft zwiacben mittelalterlicher Ge- ■ 
HcbichtHwiesenechaft und Philologie, die Burdach Überbrücken mScJiUf t 
In der Theorie kaum. Von einer zünftischen AbschliefBung und Gering- 
scbfitzung der beiden Disciplinen gegeneinander kann im Emat nicht wolil 
geredet werden. In der Praxis ist zuzugeben, dafs die beeonderen Auf- 
gaben, welche die Quellen dee früheren Mittelalters den nistorikem stellten, 
bisher ein engeres Verhältnis zur klassischen als zur germ an i sehen Pbiln- i 
logie begründet haben, und dafg an germanistiBch gut geschulten Hi&lo- 
rikern noch heute empfindlieber MHngel herrscht, während neuerding« 
auch die klasaiRch philologische Bildung der OeschichtaforHcher stark im 
Rüekgang ist. DaTs auf der anderen Seite manchem Litlerarhistorika 
eine gründlichere Vertiefung in die zeitgen68siBchen Geschieh t«quellen nur 
fCrderlieh sein könnte, soll ebensowenig bezweifelt werden, und wenn nun ' 
von dorther der ernstliche Versuch gemacht wird, in die historische For- i 
Bchung selbständig einzudringen , um daraus für die eigenen Stndien 
Frucht zu ziehen, so glaube ich doch nicht, dafe einer meiner engeren 
FachgenosBcn so thöricht nein sollte, darüber hochmütig die Achseln tu 




Beurteüungen und kurze Anzeigen. 158 

dem mittelidterlichen Litterarhistoriker die Versuchung nahe genug, mit 
unzureichenden Belegen sichere Ergebnisse erzielen zu wollen, und an- 
regeod können auch solche Erörterungen sein; aber stetige Fortschritte 
wird die Forschung doch nur machen, wenn man sich immer des Grades 
der Unsicherheit klar bewufst bleibt. 

Aaf ein breit gehaltenes Vorwort über die EIntstehung der Arbeit, 
das beinahe ein Stück Selbstbiographie genannt werden kann, folgt zu- 
nächst ein Abdruck des bereits 1896 in der Allgemeinen Deutschen Bio- 
graphie erschienenen Lebensbildes Walthers von der Vogelweide. Da es 
also schon sdt mehreren Jahren vorliegt, da über manche wichtige Punkte 
ein Urteil erst nach Veröffentlichung der Untersuchungen des zweiten 
Teiles möglich ist, und da endlich die rein litterarhistorischen Fragen für 
meine Besprechung weniger in Betracht kommen, so begnüge ich mich 
mit einigen kurzen Bemerkungen darüber. Unzweifelhaft hat der Ver- 
fasser es sehr geschickt verstanden, in knapper, anschaulicher Darstellung 
den Lebensgang des Dichters zu schildern und den Leser zugleich in die 
Hauptfragen der Forschung einzuführen. Wohlthuend berührt die Wärme 
des Tones, fast überschwenglich erklingt hier und da die Lobpreisung. 
Ich wenigstens möchte z. B. den materiellen Rücksichten stärkeren Ein- 
flufs auf die politische Parteinahme des Dichters zuschreiben, wenn ich 
auch fürchten mufs, dals der Verfasser glaubt, aus mir spräche nur 'kurz- 
sichtige Übereilung oder der Stumpfsinn eines verhärteten Gefühls\ Und 
auch seine Dichtung würde mir schärfer charakterisiert scheinen, wenn 
die S. 115 nur angedeutete Begrenzung seiner Kunst etwas mehr hervor- 
gehoben wäre. Um ein paar Einzelheiten herauszuheben, so hat mich der 
Nachweis, dais Walther den Rittergurt nicht empfangen habe (S. 9 ff.), 
nicht überzeugt. Die Anrede an die Ritter in seiner Elegie (125, 1 ff.) 
erklärt sich zur Genüge daraus, dafs für Walther durch seine geringen 
Mittel dne Teilnahme an der Kreuzfahrt von vornherein ausgeschlossen 
war, ebenso wie der Gegensatz zu Wolfram von Eschenbach aus dem 
Unterschied von Temperament und Besitz. — Wäre 'von der Vogelweide' 
nur ein Dichtername, was der Verfasser S. 26 nicht ganz von der Hand 
weist, so würde man nach dem lateinischen Sprachgebrauch der Zeit er- 
warten, in den Beiserechnungen des Bischofs Wolfger von Passau zu lesen : 
'Walthero cantori dicto (cognomento oder dgl.) de Vogelweide*, und war 
man etwa zu eilig, das 'dicto' zu schreiben, so hätte man sich auch wohl 
mit dem 'Walthero cantori' begnügt. — Recht geprefst erscheint die Aus- 
deutung des Spruches 21, 25: *Nü wachet uns göt zuo der tac' (S. 18 ff.). 
Wenn die Mäntel der Mönche und Regularkleriker insgesamt 'cappae' 
heiiJBeny warum sollen sich dann die Worte 'geistlich leben in kappen 
trioget' gerade 'unwiderleglich' auf den Kardinalsmantcl des Legaten Guido 
und den Doktormantel seines Begleiters beziehen? Und wenn einmal die 
Vorzeichen des jüngsten Tages in unmittelbarer Anlehnung an die Bibel- 
stelle Marc 13, 12: 'Tradet autem frater fratrem in mortem et pater 
filiom' geschildert werden, warum mufs dann Walther mit den Worten 
'der bruoder slnem bruoder liuget' an den griechischen Usurpator 



154 Beurteilungen und kurie Anzeigen. 

Alesios III. gedacht haben, der seiocu Bruder vom Thtou gestürzt 
und geblendet hatte? Es bliebe nuuinehr 'der vater' zu cnmtt«lii, dec 
■bi deni binde untriuwe findet'I — Wie künstlich ist ferner die Auuahme 
(S. 75), gerade Walthera Verae gegen den Erachtum der Geistlichk«! 
hättet) Feinden Ottos IV. als Unterlage für ihre Aegriffe gedient, nnd 
daa hätte dem Dichter, wie Verfasser nicht zweifelt, die Ungnade des 
Kaisers eingebracht! Ott« wird »in Gut damala eben für andere Zwecke 
gebraucht haben, und die Enttäusohung darüber führte zum Part«iwechael 
Walthers, — Das Scheltgedicht auf den weinlcargen Abt von Tegerasee 
wird S. Tii umgedeutet oJh eine Verteidigung der geschidigteu AlOnche, 
denen ihre Weinberge bei Bozen gewaltsam eotrissen sind, wie Verfasser 
aue einer darauf bezüglichen Urkunde Ottos IV. entdeckt Für dne solche 
Auffassung bieten die Verse selbst nicht den geringsten Anhaltspunkt, 
und man würde sie daher als verfehlt betrachten müssen, auch wenn 
W. Erben nieht im Neuen Archiv XX, US ff. nachgewiesen hÜtte, daTs es 
sich bei dieser Urkunde um Verwechselung Ottos IV. mit Otto HI. handelt- 
Der Schwerpunkt dee Buches liegt in den beiden der Darstellung bei- 
gegebenen Untersuchungen, von denen die erste den Zeitpunkt von Wnl- 
thers Scheiden aus ösl«rreicb in den FrQhsommer 1108 festlegen möchie. 
Man hat jedoch den Eindruck, als habe auf diee Ergebnis bereite die zweite 
Untersuchung unwillkürlich eingewirkt. Jedenfalls i»t kein Grund er- 
sichtlich, warum Walther nicht schon während der Abwesenheit des Her- 
Kogs Friedrich den Wiener Hof einmal verlassen haben sollte, und so 
gewinnt mau für die Anseizung dea berühmten Spruches; 'Ich hörte ein 




Bearteilungen und kurze Anzeigen. 155 

der Kölner Königschronik S. 107 stark abgeschwächt ist. Ganz offenkundig 
ist oben die Anlehnung an die Bibelworte Act. 4y 26: 'Astiterunt reges 
terrae et prindpes convenerunt in unum adversus Dominum et adversus 
Christum eins', und ich möchte wenigstens zur Erwägung stellen, ob nicht 
dieselben Worte auch Walther vorschwebten, als er dichtete: 'die zirkel (der 
principes, die mit selbständigen Wahlplänen gegen den Vertreter der Reichs- 
gewalt zusammenkommen) sint ze h6re, die armen künege dringent dich*. 

Schon diese Vertrautheit mit den Vorstellungen und dem Sprach- 
gebrauch der R^erungskreise läfst auf irgend welche näheren Beziehungen 
Walthers zur staufischen Hofgesellschaft schlielsen, und dafs der Spruch 
nicht Tor österreichischen Landherren, sondern im Kreise der Keichs- 
ministerialen gesungen ist, diese Folgerung Burdachs wird wohl ebenfalls 
allgemein anerkannt werden. Welcher Art indes diese Beziehungen ge- 
wesen sind, bleibt völlig unsicher. Schon die Berührung mit irgend welchen 
staufischen Ministerialen genügt meiner Ansicht nach vollkommen, um 
das Eingehen Walthers auf die allgemeinsten Gedankengänge der damaligen 
Reichspolitik zu erklären. Daus aber der Dichter von den Beamten der 
staußschen Kanzlei geradezu als offiziöses Organ benutzt worden sei, wird 
durch die Ausführungen des Verfassers auch nicht einmal wahrscheinlich 
gemacht. Die angeblichen Anklänge seiner Sprüche an offizielle Schrift- 
stücke, die das erhärten sollen, sind allgemeinster, ud bestimmtester Art, 
und die sehr gepreiste Ausdeutung des Verfassers ändert daran nichts; 
schwerlich wird er mit dieser Annahme allgemeine Zustimmung finden. 
Direkte Beziehungen Walthers zur Kanzlei Philipps sind nicht gerade un- 
möglich, aber mehr laust sich darüber bislang nicht sagen. 

Ebenso ist dann das künstliche Gebäude, das aufgeführt wird, um 
die Datierung jenes wichtigen Spruches mit Ende Juni 1198 zu erweisen, 
unhaltbar und bereits durch die Ausführungen von Wilmanns (Ztschr. 
f. d. A. 45, 427 ff.), wie mir scheint, völlig erschüttert. Noch ausdrück- 
licher, als schon er es gethan hat, möchte ich den Widerspruch betonen, 
der darin liegt, dals ein begeisterter staufischer Anhänger dem Gegenkandi- 
daten Otto sogar noch vor seiner Krönung den Titel eines armen Königs 
im obigen Sinne zubilligen sollte, während er das Königtum Philipps, 
solange er nicht offiziell gekrönt sei, negiert. Im übrigen will ich Wil- 
manns Argumente nicht wiederholen und nur noch auf die Unwahrschein- 
lichkeit hinweisen, dais ein Dichter, der Fühlung mit den Hofkreisen, 
nach Bnrdach gar Beziehungen zur Reichskanzlei hatte, noch in den zwan- 
ziger Tagen des Juni eine scharfe Spitze gegen den König von Frank- 
reich gerichtet haben sollte, mit dem Philipp am 29. Juni ein Freund- 
schaftsbündnis schlois. Derartige Verträge werden nicht von heute auf 
morgen gemacht, eine Annäherung und wenn auch kurze Verhandlungen 
muCsten vorhergehen, und wahrscheinlich hatte Philipp II. August etwaige 
eigene Wünsche doch bereits zurückgedrängt und eine staufenfreundliche 
Schwenkung seiner Politik vollzogen, sobald die gefährliche und aussichts- 
volle wölfische Thronkandidatur auf den Plan trat, also seit etwa Ende 
März. Sodann möchte ich Burdachs TIyi>othese eine weitere Stütze neh- 



156 



Benrtdlnngai und lata» Audgm. 



men, indem ich bestrette, dab bä dm WahNorgliigBi des Jahiei II 
Huf Seiten der niedenhönischeti Paitd die Tendeoi wiltate, die Zihi i 
Wahlberechtigten in beschrSnken (B. 248 ff.). Ei gmflgt «in Termte ■ 
die in dieser Hinsieht auch toq Beeliger dnichans uierbnntai Di 
legungen von Ljndner, Die deatadien EOnignrahkn 8. 96 S. Nun ff 
daTa den freien Herren nnd Hinisterialsn dw Beoht dea EonWDMa n 
enthalten, die Bedeutung der Hnld^nng, dv Aoclunatlon tmd des Tn 
eidea herabgedrückt werden sollte, däb die rtanflechen Bdchnninistariali 
darauf eine leiden achaftliche Antwort fanden, Indem aie die ErSnui 
Philipps in Kmax — was doch nor Notbdidf, kein 'mmUtdur Tnxof 
war ~, und zwar unter der — doch gmns Mlbetreittlndlleliai — Tri 
nähme des ganzen Volkes voliciehat wolltoi, diese nnd so ■"■'■fp'^ andd 
der hier vorgebrachten Belianptnngen >ind eben nor BehaaptongMi. 

Walthers Spruch ist nicht eine 'poetisdie ümsohrdbong* d« Eil 
ladung Eur Mainzer KrQuungsIeica', sondern mit WUmaoss In die Zait dt 
ÜDBicherheit und Spannung vor der Hlrxwahl PliiUpps m setxgn; tn 
lieb Dicht mit OewiTsheit eben in Jene lUntage, dran editm BÄelta 
Boichorat hat in der Hiat. Ztkhr. 46, 140 flbenrägoid jamsbgimwma, dal 
die Annahme, die Fürsten bitten FhDipp anfingjloh nur mm Biidii 
defenaor wShlen wollen, dann eavt, w<ai]ge Tage ipiter, lam KAnig, ni 
baltbar iat, wenn aie auch in den Darstellnngen, aelbet io der neneatt 
von G. Winter, noch immer fortlebt. Nicht darin alao kOnnen die Wort 
'die Zirkel aint ze hSre' ihre ErU8rung finden, wohl aber in dm eeJt etv 
Weihnachten immer deutlicher herrortretenden Bestrebungen deutscbc 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 157 

jerm. SS. XXX, 578 n. 7 und 382 n. 1. Zu dem von Walther in dem Gedicht 
26, 8 ausgesprochenen Bekenntnis, er könne sich nicht zu dem Grebote 
der christlichen Moral aufschwingen, auch den Feind zu lieben (vgl. S. 92), 
möchte man die Worte Eberhards von Bamberg über Friedrich Barbarossa 
in Parallele setzen: 'nondum perfecte didicit etiam inimicos diligere' 
(Bahew. Gesta Frid. IV, 22 8. 211). Daus Otto IV. nicht schon 1198 sich 
der Kurie gegenüber urkundlich verpflichtet hat (vgl. S. 153 — 155), ist 
neuerdings von Krabbo, Neues Archiv XXVII, 515 ff., sichergestellt. Die 
Politik Heinrichs VI. scheint mir 8. 161 derjenigen seines Vaters gegen- 
Aber etwas überschätzt zu sein. Trifels ist oft als Staatsgefängnis be- 
nutzt; dais Bichard Löwenherz dort Achtung vor den Krönungsinsignien 
des Reiches lernen sollte (S. 163), ist eine seltsame Vorstellung. Die Be- 
lehnuDg Richards mit dem Arelat (S. 167) hat doch schwerlich statt- 
gefunden, vgl. Bloch, Forsch, z. Politik ICaiser Heinrichs VI. S. 73 n. 3. 
Vorrechte der Erzbischöfe von Köln und Trier bei der Königswahl sind 
io staufischen Kreisen gewiis nicht anerkannt worden. Von den beiden 
Quellenbelegen S. 227 enthält der eine keine Anerkennung, bezieht sich 
der andere auf Bechte bei der Krönung. Wenige deutsche Königswahlen 
sind 80 l^gal vollzogen wie die Friedrichs I. (vgl. S. 232). In dem Ver- 
trage Philippe mit Frankreich (S. 245 n. 1) ist die römische Kaiserkrönung 
üu Auge gefafet ; die deutsche Königs wähl mochte man gelegentlich auch 
als ein 'eligere in imperatorem' bezeichnen, weil der deutsche König 
eoipso designierter Kaiser war, mit Kaiserkrönung aber kann stets nur 
die römische, durch den P&pst zu vollziehende gemeint sein. Die An- 
nahme des 8. September für den Tag der Krönung Philipps ist nicht ganz 
80 unbegründet, wie S. 255 n. 1 gemeint ist; vgl. Reg. imp. V, 57. Die 
von Bretholz angenommene Verwechselung des Meifsncrs mit Otto von 
Meran, die S. 295 gebilligt wird, ist nicht haltbar, vgl. meine Abhandlung 
Hist Vierteljahrschrift III, S. 187. Zu der demokratischen Anschauung, 
die 8. 297 näher ausgeführt wird, darf ich vielleicht ergänzend auf einen 
Aufsatz von P. Richter, 'Die Teilung der Erde' hinweisen, da er an einer 
für Litterarhistoriker etwas entlegenen Stelle: in Schmollers Jahrbuch für 
^Gesetzgebung etc. XXIII, 25 ff., gedruckt ist. Konradin würde von den 
faxenden Sängern schwerlich König genannt sein (vgl. S. 302), wenn er 
^ea Titel nicht eben aus seinen Frbreichen Sicilien und Jerusalem her- 
S^leitet hätte; dais er der Sohn eines Königs war, ist dafür gewifs ohne 
^ofluis gewesen. Endlich erscheint mir die chronologische Bestimmung 
von Walthers Besuch in Lübeck S. 310 sehr unsicher. 

Bonn. K. Hampe. 

Die Sprache der Buren. Einleitung, Sprachlehre und Sprachproben. 
Von Heinrich Meyer, Dr. phil., Assistent am Deutschen (Grimm- 
schen) Wörterbuche. Göttingen, Wunder, 1901. XVI, 105 S. 

Durch die Arbeit niederländischer und kapholländischer Gelehrten ist 
^Q den späteren Jahren die Sprache der Buren Gegenstand wissenschaft- 
b'cher Forschung geworden. Die im Volke selbst herrschende Meinung, 



L's llciittt'iliiiJgi^n unii kurze Anzögen. 

'iit Hinii Villi uieiliTlandiscIj«! !jprai-hgeltbrlen vou Rang geteilt iviirtie, 
wonach die Eigenart des 'AirikaniBoheD' dem europäischen NiederlÜDdisch 
gegenüber in dem Einflule des Prftnzösisch dei im 17. Jahrhundert nacli 
Eapland ausgewanderten Hngenonen zu suchen Bei, hat sich als irrig et- 
wieeeo; die romanischen Elemente im EaphoMudischeo entsCaminen einen 
ajidereti Idiom, dein es eine nicht geringe Zahl von LehnwCrt«rQ uod, 
wie ea scheint, auch wichtige grammatische Eigentümlichkeiten verdsnit; 
das MalaaiBch-Porlugie«ische (Kreolische), zur Zeit der mSchtigen Oft- 
indiachen Compagnie die allge^mein verbreitete 'lingua fraitoa' im Gebiete 
des Indischen Oceana und der angreni«oden Küstenhmde. Im wtMW- 
lichen aber erscheint die Sprache der Buren al« eine ran niederländiMhe, 
iu der Volkssprache des 17. Jabrhunderla wurzelnde Mundart, die, n»cb 
einem fremden Weltteil Terpflauzt. eich zu einem 'hypenuialj-liicben'. 
von allen früheren und jetzigen Dialekten des Holländischeu abwt^icheiidGU 
Spiachgebilde entwickelt hat, eine !ktnndart, die in ihrem Verhältnli tu 
den Idiomen der Eingeborenen oder ltiimigrant«a nicht- nieilerlönditcher 
Herkuuft siegreich gewesen ist und in jüngerer Zeit grofse Gebiet« dw 
inneren Südafrika erobert hat, ohne iu der alten Kapkolunie durch «ia^ 
sieh immer mehr ausbreitende Englische verdrängt zu werden. Frslicl) 
hat sie sich, wie die st«te wachsende Anzahl von Lehnwörtern und AugU- 
ciamen zeigt, der Einwirkung jener überlegenen Bivalio nicht entxiehcD 
können. Ansätze zu einer Litterutur hat sie eret aus uuseren Tag«o nU 
verzeichnen ; sonst galt im schriftlichen Verkehr von jeher daa Xleder- 
ländücbe, zugleich die Sprache der öffentlichen und häuslichen Andacht 
und die amtliche Sprache in beiden Biirenrepu büken, als solche auch iiu 
Kapland neben dem Englischen anerkannt. 

Zur Orientierung ober die afrikAniicfae gpraehe (und Litteratiir) bieten 
sich verschiedene Aufsätze und Arbeiten dar. Von wissenschaftlichsm 
Wert sind besonders W. J. ViljoeDS 'Beitrage but Geschichte der C«p- 
HoUänd Ischen Sprache' (Straisburg 18911), D. C. Heaeclings Aufsatz 'Ret 
Hollaudsch in Ziddafrika' (in 'De Gida' 1S9T) und desselben Verfasser« 



BearteilungeD und kurze Auzeigen. 159 

Ich beschränke mich im folgenden auf einige wenige Bemerkungen 
ni dem sprachgeschichtlichen Teil der Einleitung, der im wesentlichen ein 
Auszug aus dem oben erwähnten Festschriftaufsatz ist, und dem gram- 
matuchen Abschnitt, indem ich beide in einem Zusammenhang erörtere, 
din um so mehr, weil der Verfasser in letzterem keine blofs beschreibende 
Diretellung liefert, sondern, freilich in einigem Widerspruche zu seinem 
in da Vorrede S. VIII ausgesprochenen Grundsatz, es keineswegs an 
ipnchwissenschaftlichen Erörterungen fehlen läist. Hierin, in der In- 
konsequenz, womit dergleichen Erwägungen bald gegeben werden, bald 
wegbleiben, sehe ich einen Mangel der Meyerschen Sprachlehre. Nicht 

I tdten zieht der Verfasser das Holländische zum Vergleich an, bei ein- 
leben Formen um eine Übereinstimmung mit dem holländischen Sprach- 
gebnuich festzustellen. Wo ein solcher Vergleich fehlt, verfällt der Leser 
leidit dem Irrtum, dais er specifisch afrikanische Spracheigentümlichkeiten 
▼or sich habe. An einigen Stellen führt die Ausdrucksweise des Verfassers 

■ dirdrt zu einem solchen Irrtum. So wird es dem Leser ganz fern liegen, 
dals beispielsweise Formen wie goeie für goede, kwaaie für kwade, rooie 

I tör fiMxfe, geleeie für geleden auch gut niederländisch sind, in der unge- 
iwoog^en Verkehrssprache sogar die einzig üblichen; dals ochendy aavens, 
«noeto, 08 u. dgl. ebenfalls im Holländischen für oehtend, des aronds, des 
^Mesto, al8 gesprochen werden ; ferner dals nicht nur ßälie, sondern auch 
**^ ja sogar kuüie (ältere Spr. heurlie aus heur lieden) auch holländische 
Personal- und Possessivpronomina sind; da& auch die niederländische 

I Umgangssprache das männliche Pron. Pers. zugleich für Substantive weib- 
Hch» Form gebraucht, demnach etwa eine preek oder eine grammaire mit 
^ bezdchnet anstatt des in der höheren Sprache allein gültigen xij, xe; 
dafe jijj je gleichfalls im Holländischen das in der gewöhnlichen Rede 
pedantisch klingende unbest. Pron. tnen ersetzt; dals die pleouastische 
Verwendung von om vor Infinitiven ebenfalls in der Sprache des Hol- 
länders wuchert (vgl. Beispiele wie trachienj besluiten om tets ie doen; ik 
^ geen tust {gelegenheut) om dit ie doen) ; dafs der Gebrauch von als für 
^riftsprachliches dan nach Komparativen, von leggen für liggen ganz ge- 
'infige Erscheinungen im gesprochenen Holländischen sind; dafs Aus- 
drücke wie mijn vroua familie nichts speciell Afrikanisches an sich haben, 
und dergleichen mehr. Wenn etwa bei der Konstruktion Marie se boek, 
^ikinders kulle baeke auf Obereinstimmendes in der niederländischen Volks- 
sprache hingewiesen wird, verlangt die Konsequenz einen ähnlichen Hin- 
i^eis bei feuls ie feul, das sich in der platten Sprechweise veuls te veid (für 
9(id(8) ie veel) des Holländischen wiederfindet; dasselbe gilt von den Verbal- 
/ormen moiy mosi für moei, moest und anderem. Es interessiert mehr, zu 
erfahren, in welchen Punkten die Burensprache zu dem gesprochenen Hol- 
ländisch stimmt, als dals sie vom Schriftholländischcn stark abweicht; 
darum wäre bei ihrer Darstellung, insofern sie nicht eine rein beschreibende 

ist, besonders jenes zu berücksichtigen. Der Ausländer, der es nicht 

durch persönlichen Verkehr mit Eingeborenen kennt, kann vieles aus der 

heutigen Roman- und Novellenlitteratur der Niederländer lernen, wo Um- 



160 B«art«UnDgen und knne Aaadfim. 

gangs- und Volkssprache rdchlich Twtrotoi ^d. Nodi «ctngnidHr f^ 
die richtige Beurteilung dei Bnraiispraehe wlre du Stadium dv bekannb 
Amsterdamer Dichter des 17. JahrhondcrtB, die in ünm Waricn tob di 
«lamaligen Volkssprache einen ansgedduitan Oebraudi nuwhtai. £! 
flüchtiges Hineinlesen in Bradero, Hooft oder CoitBr gnBgt, wn Mlbi 
zu erkennen, wie Tide EigoitaBiildikeitan dM AfrfflcMdMdHD au da 
Muttersprache stammen. Uui sieht, d«ls die mditen, wena nlelit tili 
hier erwähnten SpracheigentOmllchkeiten benUi dem medarilndboh jm 
Zeit angehörten. Ich vendclue als gldd>tBlls alte Formen, die äaäAM 
kaniBche aus dem enropSischen Niederländisch hat, du meii heute in de 
holt. Älitagsrede geliufige fftafaiw für MaOander, afl w w d sr (iiejtr EL N) 
algar {allegaer; ana at gadet, nicht ai U gadtr, Ueyer 8. 71); mm in de 
Bedeutung 'wenig' (Hey ei S. 61 ; vgL ndL « 
die noch in der jetzigen niederlSndisclieo Volknfredu aehr t 
Verbformen broehi, dacht, gtbroeU, gtdoelU, aJMk. bng, dog, gahngt ff 
einem altoi Vokaliemus, der dem englischen 
weiter kot, begoa ('für hm, begon), im heutigen 1 
eittzelmundartlich zu bellen. Es zeigt sidi bin, dftb die B«nne(nefa 
einige alte Nebenformen zShv bewahrt hat ala d' _.-.- — 

dische. Vielleicht hat sie ebenfalls im reflexi*iKhe& C 
jektformen des Fron. Pers. eine alt« Qepflogenhdt fortgeaetat, die da 
Mitteln icdertändischen in Übereinstimmung mit dem Englisch-Frieeiscbe 
(und Sächsischen) eigen war. 

Schwieriger als die Überränstünmungen cwisohsn der Bnrensprad 




BeurtdluDgen uod kurze Anzeigen. 161 

tau, teerdy kon, moes, wou — die Infinitivform beim Verbum sowohl das 
Priflens als das Präteritum ersetzt (en hij gaan terug na aijn hroera en si 
'und er ging zurück zu seinen Brüdern und sagte'; Josef sien toen dat 
kuUe bang fer hom ü 'Josef sah, dafs sie Angst vor ihm hatten*) und 
f dAS Kreolische, in Übereinstimmung mit dem Malaiischen, denselben Zu- 
sammenfall der Zeitformen {de kumi 'er üst*, de dja kumi 'er als*, Schuchardt 
S. 210) aufweist ? Beispiele für einen ähnlichen Gebrauch des holl. In- 
fmitivs führt Schuchardt S. 149 aus dem Kreolenholländisch auf Java an. 
Ich vermute, daüs die Verbindung von stcuin mit Infinitiv zum Aus- 
druck einer durativen Handlung (Meyer S. Ah) ebenfalls im kreolischen 
Sprachgebrauch wurzelt und also mit der portugiesischen Konstruktion 
es/or und Gerundium zusammenhängt (Schuchardt S. 212). Nur aus 
maUÜBch-portugiesischen Sprachgewohnheiten heraus verständlich erscheint 
mir das Adj. dood im Sinne von Präs. 'stirbt' in cd di ree dood op (Meyer 
S. 40, 48) ; vgl. mal. maii 'sterben* und 'tot*, örang mäti = kreol. djenti 
wore'tote Menschen* (Schuchardt S. 209). Andererseits ist wohl zuzugeben, 
dals einige der von Hesseling angeführten Fälle ebensogut oder richtiger 
ohne die Annahme fremder Beeinflussung erklärt werden können. Ins- 
besondere gilt dies Erscheinungen, die in die Lautlehre gehören. So z. B. 
braucht wohl das fehlende -/ in kerfsy vemuf, sug nicht notwendig auf die 
Aussprache holländisch redender Eingeborenen zurückgeführt zu werden 
(vgl. Mmu/* schon bei Cats, Spaens Heydinnetie, Zwolsche Herdr. v. 42, 1427 : 
^ is een diep remuf in syn gdaet te lesen etc.). Sicher ist wohl die 
Eodungslosigkeit des Infinitivs {s$t ki, ge, le etc., ndl. xeggen, hebben, geven, 
^9^) einer rdn lautlichen Entwickelung zuzuschreiben, die in der nieder- 
ländischen Abwerfung des schliefsenden -n ihren Beginn hat. Wenn Verben 
fie gaan, doen, sien etc. eine Form auf -t (urspr. 8. Sg. Präs.) als finite 
Verbalform gebrauchen können {ons siet neben ons sien gegenüber ons 
^*»Mk, ons loap etc.), hängt dies vielleicht damit zusammen, dafs die En- 
<lQDg i hier, in der Stellung nach Vokal, lautgesetzlich bleiben mulste, 
während bei Verbalstämmen auf Konsonant die Neigung zur Apokopierung 
wid demnach zur Vermischung mit der Infinitivform gröfser war. 

Einzelheiten im Wortgebrauch des Afrikanischen, wie kiip 'Stein*, 
himbh-s 'Decke*, kombuis 'Küche*, kooi 'Bett* deuten auf einen näheren 
Zusammenhang mit der niederländischen Seemannssprache. Dr. Meyer 
soisert die Vermutung, dafs der blühende überseeische Handel des 17. Jahr- 
hunderts vielleicht eine holländische Schifferspracbe gezeitigt hatte, worin 
die eigentümlichen Grundzüge des jetzigen Afrikanischen schon feststanden. 
Es würde diese Annahme erklären, dafs man schon in dem 'Dagverhaal* 
Jan van Biebecks, des Gründers der Kapkolonie, ein paar merkwürdige 
Sprachzüge findet, die dem Niederländischen sonst fremd sind. Es fällt 
aaf, dafs Zeugnisse eines solchen hypcranaly tischen 'Schiffer- und Küsten- 
dialekts' in der älteren niederländischen Litteratur nicht begegnen. Wenn 
eine derartige Seemannssprache wirklich existiert hat, läge es wohl nahe 
zur Hand, in ihr ein durch das Malaiische oder eben durch jenes Ma- 
laaisch-Portogiesiache umgestaltetes Holländisch zu sehen. 

AreUv L wu 8pn«lMii. CIX. 1 1 



163 BenrteÜmigen und knm 

Dr. Meyers Buch hat, wie aas der Vorrede m «nahaa irt, in V' 
hältDiamäTBig kurzer Zeit geschrieboi werden mOMen. Trotsdent därfta 
nennenswerte Fehler nicht enthalten. Als Flüchtägkeiten, die dem y< 
faseer entaclilüpft sind, wübtc ich nur cn nennen die AoflOiiuig von n 
in «» so tcyder (8. 81 ; die niederländiiche Schriftsprache, wonuu die A 
kürzuDg wohl Btainmt, hat doch m«. = en too roorfj, die Behauptn. 
(8. SS), dafs der deutsche ach-lAut dem Hollindischen fehle (t^. do 
Wörter wie raasje, kiifje, als »äae, tue geaprochoi). Die Eonstmktion 
manschen zij'n ploegmde S. 46 ist meines Wissens nicht hoUindiacb. I> 
richtige Ist ja hier das ebenfalls vom VerfuMr angofflhite; ctr** am 
ploegen, xijn bexig mtt ploegen. MaMe (8. 80) ist nnr In der Bedentu 
'vielleicht' gleich hell, müte/nen (aus maeh mA»m), im Binite Ton '^äei 
wobr, 'obwohl', 'trotzdem' dagegen aus portng. ihm «im abtnleiten. Tg 
Schuchardt, Litteraturbl. tüi germ. und rom. Fhilol<^Q 18SS, S. 466. 

Dies nur als einige flüchtige Bemerkungen in dnselneo Pnnktm. Zt 
letzt sei noch erwähnt, dalä Dr. Meyers BOchUdn an nichhaltigM QimUb 
Verzeichnis bringt, das der kOnftigen Foraohnng Ton Nntaen sein wiid. 

Berlin. Hj. Fsiland«. 

Kev. Walter W. Skeat, Notes on Engliah Etynudogy, (AiieHj n 
printed from the Transactions of the PhiIol<^ca] Societ' 
Oxford, Clarendon Press, 1901. TCXJT, 479 S. 8. 



Das Torli^ende Buch besteht, gleich der vorher erschienenen Pnbl 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 163 

In der Einleitung erzählt der Verfasser, wie er dazu gekommen ist, 
diesen Neudruck schon veröffentlichter Aufsätze zu veranstalten. Im 
Jahre 1898 wurde von seinen Freunden eine Oeldsumme gesammelt, um 
sein Bildnis dem Cbrist's Collie zu Cambridge zu überreichen. Da etwas 
mehr, als für diesen Zweck nötig war, zusammengebracht worden war, 
wurde ein Teil des Überschusses dem Verfasser überreicht, um den Neu- 
druck einiger von seinen zahlreichen kleineren Aufsätzen zu ermöglichen. 
Hierdurch erhielt diese Publikation gewissermafsen den Charakter einer 
Fntschrift, was teils durch die Beigabe des betreffenden Porträts in Licht- 
druck, teils durch den halb autobiographischen Inhalt der Einleitung 
veranschaulicht wird. In dieser wird nämlich u. a. ein Verzeichnis der 
Entdeckungen, die der Verfasser während seiner Studien von englischen 
Handschriften und anderen 'sources of informations' gemacht hat, mit- 
geteilt 

Bchon der Name des berühmten Gelehrten, dessen Scharfsinn und 
unermüdlichem Fleifse die Wissenschaft so vieles verdankt, verbürgt uns, 
dafg wir es hier mit einem reichen und wertvollen Buche zu thun haben. 
Das Werk enthält nicht nur etymologische Erklärungen von Wörtern der 
oe. Schriftsprache, sondern auch von dialektischen oder nur in älteren 
Sprachperioden vorkommenden Wörtern. Es enthält in seinen früheren 
Teilen mdirfache Nachträge und Berichtigungen zu den zur Zeit der Ver- 
fassong der betreffenden Artikel schon erschienenen Partien des groisen 
Oxforder Wörterbuches (von Murray und Bradley). In vielen Fällen 
werden frühe, vorher unbeachtete Belege beigebracht; so z. B. wird ein 
^ Bel^ von dem Worte, das im ne. Verbum to amaxe fortlebt, mit- 
geteilt, welches das Oxforder Wörterbuch erst aus dem Ancren Riwle 
kennt Lehnwörter werden öfters bezüglich der fremden Substrate ein- 
gehend besprochen : siehe z. B. die Artikel beliane S. 8, corrte S. 46. Solche 
Bemerkungen, die ja grolsenteils für die englische Sprachwinsenschaft nur 
indirekt von Belang sind, hat der Verfasser gewöhnlich Arbeiten über die 
Sprachen, woraus die englischen Wörter stammen, entnommen. 

Es wäre nun unmöglich, innerhalb des Raumes einer kürzeren Anzeige 
die Fülle von Details, woraus das Buch besteht, zu referieren ; das meiste 
ist ja auch demjenigen, der die Transactions der Philological Society 
und derartige englische Publikationen studiert hat, schon vorher bekannt. 
Manches ist übrigens schon im Ozforder Wörterbuch, in dem Century 
Dictionary, in da: neuen Auflage von Webster und in anderen Werken 
verwertet worden. Ich werde mich deshalb damit begnügen müssen, teiln 
einige besonders wichtige Resultate hervorzuheben, teils einige Punkte, 
worin ich die Auffassung des Verfassers nicht teilen kann, zu besprechen. 
Ne. hoste *to beat' leitet der Verfasser aus dem Nordischen her und ver- 
gleicht schwed. diaL basta 'schlagen, peitschen\ Wenn aber dieses nordische 
Wort ins Englische übernommen worden wäre, hätten wir eine analogische 
Lauten t Wickelung mit derjenigen von ne. cast (< altn. kasta, s. meine Loan- 
words 8. 142) zu erwarten. Die Lautungen dieser beiden Wörter gehen 
aber sowohl in der Schriftsprache als in den Dialekten weit auseinander. 

11* 



164 Beurteilungen und Inirae Anedgen. 

Deshalb iet die von Wall, Anglia XX S. 90. und von mir in meiner Lehn- 
wörter' Abhandlung S. CT gegebene Herleitung aus altQ. bt^j/sla (altschw. 
biitala, altdän. bosif) entechieden voransieheo. Betreffs der lautlichen Seit« 
der Frage ist nunmehr auf Luick, Arch, CVII S. 3'^5, zu verweisen. Die 
DordiacLe Herkunft des Wortee wird such durch seine Verbreitung in den 
engl. Dialekten bestätigt. Dagc^n ist ne. baste 'to drip butter or f*t 
upon meiit while rootiting', dos Skeat auch aus dem Nordischen herleitet. 
sicher nicht ein nordiBchea Ijehnwort; wir hätten dann sicher zu orwarleu, 
das Wurt, das dem E, D. D. abgeht, in den ne. Dialekten vorzufinden. 
Das im Siteren Dänisch vorkommende hatte Vb. 'braten' ist wohl wie 
schwed. basla 'wärmen' in bistorischer Zeit su dän. badalue, «chivod. btulu 
(urapr. 'Badstube', diuin 'heUser Platz im al Iget n ein on'j gebildet; s. Ordbok 
Gfper evenska spriiket utgifven of Srcnska Akademien B. 18ä, wo auch 
schwed. basla 'schlagen' mit baslu zusamm angebracht wird. — Ne. bltut 
'a white mark on a horse's forehead' erklärt Skeat aus gldchbed. isl. blesi, 
achwed. blät, dän. blü. Kr i>eachtet dabei aber nicht genügend die laut- 
lichen Schwierigkeiten, die mit dieser Etymologie verbunden sind. Eint 
direkt entsprechende Form bietet mnd. blamnhengat 'Pferd mit n-eifeer 
Stirn' und (mit r < x] uind. Ware 'Blesse; Name einer Kuh mit dner 
Blesse', ndl. blaar 'witte piek'. — Dali ne. blel 'to becorae sieepj', as a 
pear' aus frz. blel stammt, hat schon Murra; mit Recht angenommen. 
Das französische Wort leitet nun Skcat aus alto. bleyta 'to lender 
soft'' mit Unrecht her. Die richtige Etymulogie findet sich bei Mackcl, 
Die germ. Elemente S. 88. — Zu ne. bontswain giebt Ökeat einen vorher 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 165 

1710) S. 226—243; vgl. auch Geoffroy Mat. med. II 308 (1743), Boehmer- 
Ludwig Gen. plant. 30 (1760). Linn^ änderte den Namen in Omehona 
(1742) nach dem Namen der Gräfin von Chinehon, die durch China- 
rinde von einer Fieberkrankheit geheilt worden sein soll (1638). Ob 
Linu^ Oinehona nur ein Schreibfehler statt chinehona war, oder ob 
es auf seiner Willkür beruhte, bleibt unentschieden. Auch andere Ver- 
drehungen des Namens kommen vor: Kramer, Tentamen bot. 133 (1744), 
schrieb Chinehina, Adanson Kinkina (1768). Der älteste, von Condamine 
gebuchte, Name Quinquina soll aus der peruanischen Inkasprache stam- 
men und aus quina quina 'Rinde-Rinde' (d. h. 'ausgezeichnete Rinde') zu- 
sammengezogen sdn. Er ist noch in den frz. Pharmakopoen üblich und 
wird auiserdem von mehreren französischen, englischen und deutschen 
Autoren (z. B. Weddel, Delondre, Howard, Triana; Planchon, Karsten) 
gebraucht Weiteres wird das bald erscheinende Lexicon generum pha- 
nerogamarum von Tom v. Post bringen. — Betreffs der Etymologie von 
ue. cudgei, das 8keat richtig mit schwed. kugge 'Zahn am Rade' zusammen- 
bringt, möchte ich auf v. Friesens eben citierten Aufsatz verweisen, wo 
noch weitere Anknüpfungen gegeben werden. — Zu den interessantesten 
Etymologien gehört die von ne. to dam 'mit Nadel und Faden stopfen, 
ausbessern'. Skeat bringt es, wie Murray, mit ae. dieme, deme 'hidden, 
secret' zusammen, spinnt aber die Fäden noch weiter, indem er es direkt 
aus ae. deman (wsächs. dieman) 'conceal, keep secret' herleitet. Das be- 
treffende Wort konnte auch 'to stop up' bedeuten. To dam a hole in a 
ftocking ist nämlich dasselbe wie to stop up tke hole. In dem Dialekt 
von Aberdeen bedeutet das Wort nicht 'to mend a stocking', sondern 'to 
stop up a hole with straw'. Der Verfasser fügt hinzu, dafs in Westfalen 
Poppen in dem Sinne von 'to dam a stocking' vorkommt, womit aber 
^vas zu wenig gesagt ist, da dieses Wort dieselbe specialisierte Bedeu- 
tung in allen germanischen Sprachen, das Englische ausgenommen, hat 
(deutsch stopfen, ndl. stoppen, schwed. stoppa, dän.-norw. stoppe). — Die 
Ktymologie von damel 'lolium temulentum' ist zweifellos insofern richtig, 
dals das Wort ursprünglich eine Zusammensetzung ist, deren zweites 
Glied aus afrz. nieUe, nette (< mlat. nigeUa) entstanden ist. Dagegen 
dürfte die unmittelbare Quelle des ersten Teiles noch zweifelhaft sein. 
8keat zieht hierher mndl. verdaren 'to amaze', ndd., ndl. bedaren 'to be- 
come caim or to be calmed down', die er andererseits mit ndd. dor 'Thor, 
Narr*, deutsch thor zusammenstellt, was sicher unrichtig ist. Auch schw. 
dare 'Thor' ist kaum mit thor zusammenzubringen, vgl. Tamm, Et. sv. 
ordb. Dagegen könnte vielleicht ndl. bedaren mit me. darien 'to lurk, be 
concealed' verbunden werden, vgl. Franck, Et. Wb. — Zur Etymologie 
von ne. to drown verweise ich auf meine Scand. Loan-words S. 176. — 
Xe. dub halte ich mit Noreen, Svenska Etymologier S. 13 f., von Friesen 
a. a. O. S. 31 ff. für ein echt germanisches Wort, während frz. admiber etc. 
(Körting 3 8121) einer germanischen Sprache (nicht dem Altnordischen, wie 
Körting a. a. O. annimmt) entlehnt ist. — Die Herleitung von ne. dial. 
duds 'shabby cloihes', doudy 'ill-dressed' aus dem Altnordischen ist in Ab- 



166 Beurtdlnngen und knne AnidgB. 

rede zu etelleo, teils w^en dee d (statt tt), teil« weil dn nonÜBcbcB S 
«trat Behr echlecht bezengt ist. — äehr einleuchtend ist die EtTiiuda 
von ne. eager, eaffre 'a tidal wave in a river' not afn. m gmn 'a flood 
inundation'; die me. Nebenform ofar, atktr stammt .au afix. agiM 
dessen qu auf lateiniBchem Einflnla bernliL — Ne. fib crkliit Bkeat i 
dem Deutschen und Tergleicht ea mit nhd. fbppm. Da& fö pp mt und i 
fib verwandt sind, halte ich fllr sieber; die Annahme dner fiitldmi 
scheint mir aber unirahrscheinUch. Eher wSre an eine alte Mdienfc 
(mit i-L'mlaut) eu ne. dial. fab 'to cheat, deceiTe' (a& */^ sb. o 
'fybban vh.) zu denken. Vielleicht geh&rt hieilur auch ndd- flifa 'Im 
schmutzige Sache, listiger Btreich, Kniff, füfin 'Tarfa&hnen, Tompotl 
(Doomk.-Koolm.). — Ne. /bnd Idtet Skeat aus 'a Frieaic «ord allied 
the A. S. fämne, 0. Saxoo fimta, Icdandic /mra "a vlrgln'" hör, ' 
mehr als unnahrschönlich iaL Die betreffenden Wdrter kftnnen ai 
nichts mit schwed. fane, oltschwed. filme, wie Bkeat ^dchaatlig annim 
zu thun haben. Die E^mologie von ne. fand bUbt dedialb ebenao rU 
haCt wie vorher. In Bcand. Loan-words B. 2S8 habe loh dnig» noid. W6i 
herangezogeD, die an ne. fand erinnern, aber denn TeriiUtnia an dki 
ich nicht festzustellen vermag. — frampold 'cross, Ql-tempcnd' (bei 8ha 
speare) wird teils mit na dial. ranlipoU 'a romping chlld' auoanuneDgert« 
teils mit ostfr. franiepot, lerantepol 'a peevish, morose man', mndl. wran 
'to wrangle, chide', ostfr. «rranien, franien 'to be peevish, to gmmble', d 
vrante ». s. w. Da ich keinen Übergang von engl, ler > fr kenne, mOc 
ich die Wörter mit irr- aiiaschlicfsen. — Die Etymologie \ 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 167 

hier etwas undeutlich.* — unter dem Worte listre wird eine wertvolle 
Sammlung von Beispielen des Bogenannten ^ntrusive r' beigegeben. — 
Me. maches (Morte Arthure 2950) identifiziert Skeat, wahrscheinlich mit 
Recht, mit afrz. marchis 'marquis'. Aber seine Beweisführung ist nicht 
einlenchtend : 'When we remember that a was then pronounc^ as the a 
in poM, which only differed from the sound of ar when the r was properly 
thrilled, we see that maches is an error for marches.' Ich halte mit Skeat 
ma^ für 'an error for marches*, aber da im Mittelalter das englische r 
zweifellos immer sehr deutlich ausgesprochen wurde, müssen wir hier 
eioeD (von der Aussprache unabhängigen) Schreibfehler annehmen ; dieser 
könnte vielleicht durch die Ähnlichkeit der r- und c-Typen verursacht 
worden sein; der Schreiber könnte *marches als maeches gelesen und dann 
das dne c ausgelassen haben. Jedenfalls müfsten vor einer Entscheidung 
die palSographischen Verhältnisse der Handschrift untersucht werden. — 
fn<axard 'the head' (bei Shakespeare) ist sicher mit Skeat aus maxer ent- 
standen; es fragt sich aber, ob die Bedeutung dadurch entstanden ist, 
dals der Kopf mit einem Becher verglichen wurde. Die ursprüngliche Be- 
dentong des Wortes war nämlich 'Knolle, knollenartiger Auswuchs am 
Ahoro und anderen Bäumen',' und man könnte sich gut denken, dafs 
der Kopf als 'Knolle, Klumpen* oder derartiges charakterisiert wurde. — 
Das zweite Glied von ae. nihtscada, ne. ntghtskade will der Verfasser von 
se. iceadu, ne. shade, shadow auseinanderhalten. Seine Gründe sind aber 
vollkommen hinfällig. Zuerst hat sich die Angabe, dafs das Wort nicht 
im Ahd. als Pflanzenname (sondern nur 'applied to denote obscurity') 
vorkommt, als unrichtig herausgestellt; in meinen Sammlungen über ahd. 
^^zennamen finden sich mehrfache Belege, z. B. nachtschato 'morella' 
Ahd. Gl. III 50, 44. Schwed. naitskatta, nattskategräs, dän. natskade^ 
^iaUskadde 'Solanum nigrum L.' (Jenssen- Tusch, Nordiske Plantenavne 
^. 228) sind zweifellos nichts als Entlehnungen aus dem Deutschen. 
^)ie altschwedischen Formen sind natskadhaj natskcedhay die aus dem 
Ndd. stammen. Hieraus ergiebt sich, dafs die Erklärung von naiskate- 
9rä8 als 'bat-grass', aus schwed. dial. (Rietz) nattskata 'a bat' (eigentlich 
'Nachtelster*), unhaltbar ist, wenn auch zufällige volksetymologische Um- 
dentungen dieser Art stattgefunden haben können. Mit schwed. skata 
^ter* läist sich der Pflanzenname aus lautlichen Gründen natürlich nicht 
vereinigen. — Schott, orra 'remaining, superfluous* kann nicht aus dän. 
«rr^, schwed. öfrig erklärt werden, da diese dem Deutschen entlehnt 
8*md. — Betreffs ne. roam sagt der Verfasser: 'I am now convinced that 
H ig quite impossible to connect this verb with the M. E. rämien, to 
Lander (which will by no means give the sound of od),* Daijs es laut- 
üche Bedenken giebt, roam and ramien zu vereinigen, sehe ich nicht ein; 

* In der letzten Auflage seinea Et. Wörterbuches gicbt Skeat eine andere 
^tymolo^e (Korrektumote). 

* Vgl. E. B. ahd. maser *tuber* Ahd. C41. II 339, 21; 370, 3; 372, 58 u. s. w.; 
danos entwickelte sich die Bedentung 'Holz mit kuollenartigen Auswüchsen, etwan 
^ solchem Holie Angefertigtes*. 



188 Beurteil UD gen und kurze Anzeigen. 

vgl. ne. foam <. ae. fäm. Andereneits könnte aber liervorgehoben werden,' 
dafs das Wort im Me. mit einer einzigen Aueunhme (in Lsjamon) durch- 
gängig mit gcBchrieben wird, «o dafs dit^ Existenz eines rac. ntmlen 
recht zweifelhaft ist. Der Reim blim : r'ime Hav. C3 f. mftcbt ee sogar 
wahrscbeiDlicii, duTa ea Im Me. eine Ausaprache mit gtschlosseneni d 
geben hat. Dies bestätigt gewiseerniAlBen die von Sbeat gt^bcuc Erklä- 
rung des Worte» (nua dem Stodtnamen Born); deiio von dteeem WnrU' 
hat (# zwei Aussprachen gegeben ; me. Rom (aus ae. Böm) aod n 
(auB afrz. Borne), vgl. Bchreus, Beitr. znr Geach. der frs. Spr. in England 
8. lü'i. — Ne. sounder 'a. herd ot wild swine' fflhrt. der Verfasser auf 
ae. (nordhumbr.) atmor 'herd of nwine, grex' zurüak. Man könnte binin- 
fßgeu, dflfii dasselbe Wort und ihm verwandte Wörter in anderen ger- 
mBntecben Sprachen vorkommen: an. aonarggltr 'der griifste Eber der 
Herde', langob, eotwrpair 'der stärkste Eber der Herde' (Brückner, Spraehe. 
der Langobarden S. 70), salfrk. aonista, sunaista cte. (van Helten, Batc 
XXV S. 281), ahd. simner, tu/an ■Schweineherde' etc. (Sehade S. iin2|; vgL 
üievers, Bcitr. XVI B. .510 ff., wo die verHuhicdeneQ Formen zusammen- 
gestellt und besprochen werden. Das ou in saunier ist antfallend, da in 
ae. sunor, ae. gotiar, langob. eoaor der Stammvokal kurz gewesen iwia 
mula (vgl. Sievera a. a, O.}; vielleicht erklärt sich ou durch die Annahme 
einer Entlehnung aus dem frz. sundre, dnii wohl aus dem Englischen 
stammt. ' Die weitere Etymologie und das Verhältuiä zu ahd. sipaner etc. 
bleiben noch zu ermitteln. — Mit ne. Sprint sind mhd. sprinx 'das Aut- 
Kpringen, -spriefaen (der Blumenl', sprinten 'springen, aufspringen' t 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 169 

Lauten twickelong beruhen, aber hrook kommt nach dem E. D. D. auch 
in Kent, Gloucestershire und Norfolk vor, wobei allerdings zu bemerken 
ist, dafs im E. D. D. für die zwei letztgenannten Grafschaften keine Be- 
lege der Lautform gegeben werden. Jedenfalls ist die Frage nach der 
Entwickelung von der me. Gruppe ük einer weiteren historischen Unter- 
suchung bedürftig. — Sehr interessant ist die Etymologie von ne. tiny. 
Skeat macht darauf aufmerksam, dafs es ursprünglich mit auslautendem e, 
nicht mit y, geschrieben wurde, dafs es ursprünglich ein Substantiv war, 
and dafs es früher selten ohne ein vorhergehendes little gebraucht wurde, 
i litüe iifU (das Wort war zweisilbig) bedeutete 'a little bit'. Die Quelle 
ist afrz. tinee 'the content of a vessel called a iine' (< lat. tinaia). Die 
urspröngliche Bedeutung von a tink war also 'a tubfuP. — Ober ne. waü- 
eifedj das Skeat, meines Erachtens mit Unrecht, sowohl mit me. wawil- 
fjfed wie mit me. wcUd-eyed identifiziert, habe ich im zweiten Teil meiner 
Sctnd. Loan-words S. 257 gehandelt. — Die Herleitung von ne. to yaw 
ans ifil. Joga 'to hunt' ist unannehmbar, da letzteres Lehnwort aus dem 
Dentacben ist. 

Ich schlieüse hiermit meine Bemerkungen zu dem Hauptteile des 
Buches. DalB unter einer solchen Fülle von etymologischen Erörterungen 
wegen einiger Punkte Einwendungen gemacht werden können, wird nicht 
wnnder nehmen; jedenfalls vermindern diese Einwendungen keineswegs 
die Verdienste dieser reichen und dankenswerten Forschungen. 

Upsala. Erik Björkman. 

Altenglische Sprachproben nebst einem Wörterbuche herausgeg. 
von Exiuajxl Mätzner und Hugo Bieling. IL Band: Wörter- 
buch. 13. Lieferung. Berlin, Weidmannsche Buchhdlg., 1900. 

Die 13. Lieferung dieses hervorragenden Werkes schliefst sich würdig 
ihren Vorgängerinnen an. In Bezug auf Reichhaltigkeit an Stichwörtern, 
l'bersichtlichkeit der Anordnung und logische Entwickelung der Wort- 
bedeutungen verdient sie alles Lob. Was Vollständigkeit des Materials 
anbetrifft, so ist der Unterschied gegenüber Stratmann ganz aufserordent- 
iieh grois: hier sind nicht nur die wichtigsten Denkmäler der me. Litte- 
nitur benutzt, sondern auch so wenig gelesene Sachen wie die Palladius- 
ubersetzung, Kochbücher, medizinische Traktate u. s. w., und gerade diese 
haben eine recht ansehnliche Ausbeute geliefert. Aber auch dort, wo sich 
neue Wörter oder Wortbedeutungen nicht enuitteln liefsen, liegt der Fort- 
schritt gegen früher auf der Hand: man schlage nur Artikel auf wie 
meien, mtd, min — das sind keine knappen Bedeutungsangaben mehr, 
sondern syntaktische Monographien. 

An fehlenden Wörtern könnte ich nur wenig nachtragen: 
Zu 8. 485 mesckyne < afz. meachin 'elend* Caxton, Eneydos EETS. 
LVII 58/29. 

488 mesfecU < afz. mesfaü 'Missethat* Caxton, Qodfrey of Boloyne 
EETS. LXIV 29/8. 



I Ci lirti iliinj.'t'ii uiiil kuT7P Anzeigen. 

500 measaii < afx. iiieslin, »laslin 'kleiiicr IIikkI', rip. nif.i'iii '-'Infi) 
.ETS. 42/ia, a2S. 

504 müUr/ut 'uütig* Ratia Raving 977. 

583 metrdy 'metrisch' Rom. Parteoa; 6566 — mMrtH findet dch Khon 
früher als bei Pakgrave, im Rom. Part. 65M. 

:>?ä melsung < ac. metmng 'Feit' Layamon III 278> 

hWl miehare 'Knirpe' (zu mieeht, mich«) Alexander (EET8. XLTU) SHI. 

571 mii (ne. milkt, ac mä) 'HIne' Wjcliffe JeHj. XXVni »i 
Ezech. IV £>. I 

An Einzelheiten wäre sonst nocb an bemotan: 

4T5 zu merreiloiia mit seinen Tieleo Nebrafonnen Terdiente noA B^ 
wähnung merreloüe Merlin EET8. 112/766. 

520 zu meUful 1 1 maTsvoU tritt die Bedeutung 2) 'In Tolkn ViU, 
vgl. Mort. Arthure 2343. 

536 zu meur. Schon frOhere Erwilinnng bei Caxton BeeuTril SKiA 
15/31. I 

563 midmorjen, 564 mülottmon (chdnen mir suin c ~ 
15. Jahrhundert eher 8 Uhr vonnittaga und 4 Uhr n 
deuten als d und 3 Uhr. Man vergleiclie die von Bieling i 
Stelle EETS. 24/63 ff., wo als Tageezeitai angeführt werden Morani; mft- 
more, mdren, mydday, kij noon, myhuernooH, «MMOMy [Nf jQ. Betet BW 
für moreice, mydday und eumiong die Znteo B, 12 und 6 an, eo atgriiM 
sich Abstände von zwei Stunden. 

571 bei tnrj«n ist die Stelle an* CaxtoneReTiiard Fox saBte«iebei;dtf 
nin^ liegt ae. maj 'mag' zu Grunde, vgl. Arbere Text (Sdbolar'B Iilm7l)> 

019 die Bedeutung von minmr 'Vorbild, Unater* gdit in die Mhe- 
liegende 'Tugend' über, vgl. ful of «ontanly mtmrjfi tmd of taq^iv' 
Digby J'laya EBTS. LXX 57/73. 

FcmcT mfichte ich den Wunsch Biw?prMhen, dnfn die Belege für j» 

strenger ehriinologiach geonlnet würden, wodw 

eichtert werden könnten. Was den etynif 

? feete Norm einlüb 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 171 

Einstein^ Lewis^ The Italian renaissance in England. Studies. 
New York, The Columbia University Press; London, Mac- 
raiUan; 1892. XVH, 420 S. 

Einstein hat seine Arbeit nicht klein angelegt. Er hätte sich auf die 
itterarischen Einflüsse Italiens auf England im 16. Jahrhundert beschränken 
lud biemit schon sehr viel leisten können. Aber er zog es vor, die ver- 
diiedcDsten Kulturbeziehungen der beiden Länder vorauszubehandeln, 
talienisches Schul-, Kirchen- und Hofwesen, Wander- und Kaufmanns- 
olk, politisches und historisches Denken in England, sowie englische Rei- 
ende in Italien zu verfolgen. Das Bild ist dadurch ungemein reich ge- 
worden. 

Femer hat sich Einstein nicht mit den gedruckten Quellen begndgt, 
>bwohl er zwölf Sdten braucht, um sie nur zu nennen, und über vier, 
im die books of reference nachzutragen. Er hat auch eine Menge Hand- 
chriften eingesehen, römische und florentinische Archive, die Schätze 
leB Britischen Museums, Public Becord Office und der Bodleiana. Ge- 
ehrteobriefe und Reisebeschreibungen bieten selbst dem Belesensten auf 
tieeem Gebiete neues Material. Es ist ein Genufs, so viel Licht auf sich 
ioströmen zu lassen. 

Andererseits braucht es gar nicht viel Belesenheit, um Schritt für 
ichritt auch Lücken zu entdecken. Ich gebe einige Beispiele blols aus 
lern litterarischen Kapitel: Koeppels Geschichte der italienischen Novelle 
n England und Schömbs' Einflufs des Ariost sind ihm entgangen, Grabaus 
Ausgabe der Komödie Bugbears und Churchill-Kellers Beschreibung der 
iteinischen Universitätsdramen aus der Elisabeth-Zeit, Sarrazins Studien 
ber Shakespeares italienisches Wissen und die Erwähnung der italieni- 
chen Komödientypen in *Love's labour's lost' V 2. Wenn Shakespeares 
lenntnis der italieniscLen Novellen durch den 'Kaufmann von Venedig' 
xemplifiziert wird (S. 871), so ist dies unglücklich, weil wir als Quelle 
ieses Dramas ein verlorenes englisches anzusehen haben, dessen Titel, 
offührung und allgemeiner Inhalt — Verbindung der Kästchen- und 
^Qcherergeschichte, wie niemals in einer älteren Novelle — längst bekannt 
nd. Die Frage, ob für Shakespeare jemals eine italienische Quelle an- 
isetzen ist, die ihm nicht in englischer oder französischer Bearbeitung 
»rliegen konnte, wird gar nicht ernstlich in Betracht gezogen. So wäre 
, wie gesagt, nicht schwer, weitere Lücken zu erweisen, wie sie bei einem 
sammenfassenden Versuch sich fast mit Naturgewalt einstellen. Aber 
Iche Kleinkritik würde den wesentlichen Wert des Buches weder er- 
bnttem noch klarstellen. 

Die Hauptfrage wird immer die sein, wie weit italienisches Beispiel 
Q Engländern den Weg zur Antike gezeigt hat. Zuerst wurde ihnen der 
eg zu Christentum und Himmel vom Volke des Papstes gewiesen. 
igegen setzen die nächsten Perioden italienischen Geistesiraports, die 
aucerische und die Wyattische, mit einer Abkehr Englands vom Papst 
; vom 14. Jahrhundert ab wirkt nicht mehr die kirchliche, sondern 



172 Beartdlungoi and kune *""'||;*' 

die weltliche BilduDg Itatieaa befniohtend. Sie wies «of die KUhI 
hin ; aber die französinchen Einflfiwe hklfcn ihr dabd gua beUchtSi 
rlu ßellay, de Ba'if, Montaigne und Gttnkr mrea dam Kreiw Bbä 
speares näher und meist auch bduinter sie die gleiduatigeo lUlincr i 
inüEEeu in einer Studie über die Erweckong da Altertnins in Eogli 
immer niit beat^tet werden. Man wird wenig Beiapiele dafAt fisdai, A 
französiBcbc Bücher durch italienische ÜbeiHtaongen an der Themse i 
gebürgert wurden; um aber die Vermittlerrolle dv Fnuuosoi sn beton 
braucht mau nur an die Übersetzer Amjot, Bdleforest und Bidstsso 
erinnern. Aber viele Benaissance- Elemente, die wir In Italien and Lou 
finden, sind auch direkt aus den Klostikeni sn den EngliDdeni gdai 
z. B. (las Ideal geistiger und körperlicher Vollkomnmbcit, der mI« 
yall-ia, und nuch deutsche Humanisten, wie Erasmtu, und Spanier bat 
ihren Anteil. Diese ParaUeleinflOsBe machen es schwer, die «pedfisdie E 
nirkuDg Italiens abzuschitien, und swingen uns jeden&Ua, Ton Snrit 
Resultaten, die etwas eiusdtig zu Gunsten Italiens lautem, änlgea sbsnsid 
Unter den Einselfragen msg die, ob eine Beise Shakespeaies n 
Italien auzunehmen ad, beeonderes Iut«resBe wecken. Efnstein vttl 
aiuh ihr gegenüber sehr vorsichtig, eher id>lehnend als snslimmend. HI 
BteuH Venedig und Psdua kSnne er selbst gesehen haben; and solche \ 
liebe für Oberitalien lasse sich auch aus der Lektüre der Novellen erklii 
Die Entscheidung vertagt er, bis man vielleicht tdnm&l in den Pb[m( 
eines reisenden Londoner Kaufmanns den Namen Shakespeare finde. 
stattliche Heihe von engliechen Schriften über Ital 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 173 

Die autobiographischen Aufzeichnungen Teufelsd röckhs befinden sich 
in seclis 'Papierbeuteln'. Die Säcke, die Carlyle hier ausschüttete, waren 
oach Angaben Jean Pauls genäht. Denn gerade über das Leben des 
'Qnintufi Fixlein' — und nur für den biographischen Teil seines Buches 
lullt ja auch Carlyle an der abenteuerlichen Erdichtung fest — berichtet 
der deutsche Dichter nach Auswahl verschiedener 'Zettelkasten', in die 
Qaiotus selber seine Erlebnisse geordnet hatte. Schliefslich ist bei Jean 
Paul das Wort 'Zettelkasten' blofs ein recht gesuchter Ersatz für die alte 
abgegriffene Bezeichnung 'Kapitel'; das Zettelkastensystem sollte nur die 
Willkür in seiner Erzählung rechtfertigen, die auch sonst noch mit allerlei 
albernen Einfällen: 'Freie Nota von mir. Nur ein Extrawort über die 
Vokationen-Agioteurs überhaupt', 'Ende des Extrawortes über Vokationen- 
Agioteurs überhaupt' ganz unpassend durchschossen war. 

Die 'Paperbags' des Carlyle sind mit den Namen der Sternbilder 
des Bfidlichen Tierkreises bezeichnet. Der 'Zodiakus' war schon früher in 
Deutsdiland litterarisch in den Xenien Schillers und Goethes verwertet; 
Carlyle nahm deshalb den südlichen Teil, um anzudeuten, dafs sein Buch, 
im Norden geschrieben, auch zu den Gegenfülslern kommen, also die 
ganze Erde beherrschen würde: *the whole Philosophy and Philosopher 
of clothes will stand clear to the wondering eyes of England, nay thence, 
tbrough America, through Hindostan and the antipodcU New Holland, 
finally conquer great part of tkia terrestrial Planet.' 

Die 'Paperbags' umfassen das Leben Teufelsdröckhs, d. h. den zweiten 
<U)d mittleren Teil des Sartor. Die erste Lebenszeit des Kleinen, die 
'Genesis*, spielt im Zeichen der ^Ldbra'f der Wage. Das Gemüt des von 
Freude oder Leid nicht tiefer bewegten Kindes kann noch ruhig im 
Oleichgewicht beharren. Die beiden Schalen des Hasses und der 
Uebe, des No und des 'Yea', stehen noch in einer Ebene, bis später der 
JüngUng sich immer mehr dem 'Nein', 'the everlasting no', zuneigt, und 
bis der Mann, im 'centre of Indifference' angelangt, mühsam wieder den 
Schwerpunkt gewinnen und schliefslich noch das 'Ja* erreichen wird. — 
'"^o beherrscht die 'Wage', bei deren Strahlen Teufelsdröckh geheimnisvoll 
auf die Welt kam, nicht nur sein erstes Jahr, sondern im weiteren Sinne 
auch sein ganzes Leben. Die Papiere liegen in den Beuteln nur schein- 
bar bunt durcheinander: im ^Scorpio' werden die Schuljahre erzählt, al« 
der Knabe auf dem Gymnasium in 'Hinterschlag' — nomen et omen! — 
FOD Lehrern und Kameraden kläglich mifshandelt wird. Es ist die Zeit 
les Duldens, da er den Scheren, Zangen und Marterwerkzeugen aller 
tarkeren Leute anheimfiel. Das Universitätsstudium dagegen steht unter 
lern Bilde des ^Schiäxen'; die Selbständigkeit regt sich in dem Jüngling, 
er die Kraft seiner Sehnen an Menschen und Dingen, die ihm nicht 
efallen, erprobt: 'as if, from the name Sagittarius he had thought him- 
üf called upon to shoot arrows.' Das Freundschafts- und Liebesidyll 
ird vom * Capricomus' beleuchtet; denn Teufelsdröckh versucht sich dabei 
eckemd in einer liebes- und lebensfroheren Gangart; aber die Sprünge 
oU^i nicht recht glücken, sein Reh entflieht, und im ^Äqttarius' hat 



174 



Beurteilungen und kurxe Anieigen. 



unser Held aU Wnsseruiaun Gelegeubeit, sein JUllsgeadiiclc, Gber dio i 
treue Blumisc zu bcNveinen, bis endlich die 'Wage' winkt und er siel) 
zum ^hlufs in dieser Welt doch nieder zurechtgefunden bat.' 

— Sartflr 53. 'Teufelsd röckb'» Bcarce legible Corttivsolirlft.' 
Carlyle an Eekerniann, GCB 213, 20 III, 1830: 'Use the Roniao hiiiil- 

writingi tbe otber ia like a tliick veil, rcquiriug to be torn ott iinV 
^ aartor 53. 'Washbills'. 

Tales 2, 13U (Fixlein): 'WLen Ibe C^nreclor, in a Trnah-bill fron hK 
mother, received these two Death'a-posts." 

— Sartor 55; In the vilJage of EntephabI dwelt Andreaa Potteral »d 
hie wife. 

Der seltsame Name gtfht auf eine f*telle der Wanderjabre zurück, i 
die Leiter der päditgiigiBcbeu Provinx den besonders für das Theater bt- 
fiUii)^cn Zögling aussenden wollen, 'damit er, wie die Ente auf äem 
Teiche, so auf den Brettern seinem künftigen Lebens gewaekel uad Cf 
3elinatt«r eiligst entgegen geleitet werde'. 

In der Übersetzung bei Carlyle lautet der Säte: 'tlmt as the dilti 
ou tbc pojid so be an the boarda, may be forthwith conducted, fuU spwL 
tu tlie futiire quack-quatking and gibble-gabbling of bis life.' 

Auch Mci^lecban erläutert <p. SIB), in ungewollter Über«tiBtimmnD| 
mit Carifle'g Trauniationa, Entepfuhl als 'Duckpond'. — 

'Entepfuhl' war dem Knaben Teufe lad röckb, was kleine Sanipfe jungiii 
Wässervügeln sind — eine tiel^enbeit zu ersten Schwimm ver-iu eben, ( 
er sicli hinaus auf die Ströme des Lebens wa^. 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 175 

;epflaDzt, den abendlichen Sammelpunkt der dortigen alten Leute bildet. 

- Aus der Umgebung Teufebdröckhs werden drei nach ein und dem- 
«Iben Muster angelegte Personen aufgeführt. In ihrem Charakter, in 
hrer Herzensgute und Weltflucht dem Helden verwandt, sind sie geistig 
hm doch weit untergeordnet. Denn auf Vielseitigkeit kam es Cariyle 
licht an, der nur seine Gedanken durchdringen und beleben wollte, 
len aber die Menschen an und für sich im Wandel ihrer Jjeidenschaften 
iod Sorgen nicht zur künstlerischen Nachbildung reizten. Andreas Futte- 
ftl, TeufelsdrÖckhs Pfl^evater, ist ein alter, ausgedienter Soldat von jener 
Uten Art, wie schon einmal ein solcher die ersten Lebensjahre eines 
Tofeen Dichters überwacht hatte: Schillers Vater. — Sein Weib, *Gret- 
heD\ führt ihm in Treue, Ergebung und Ordnung das Haus: ein Paar, 
as QDter den Bäumen auf dem 'Bauerngut (Copyhold)' wie Philemon 
Ad Bauds des zweiten Faust die Zeit in seligem Frieden verbringt. Die 
»teile dieser beiden — von ihrem Tod wird freilich nichts erzählt — ver- 
ritt später bei dem erwachsenen Professor die rührige, aber stille Haus- 
Älterin, das 'Lieschen', deren Wirken lustig geschildert ist. Cariyle selber 
oll sehr ordentlich gewesen sein, aber das Durcheinander eines Studier- 
immers, wo nur der Besitzer sich noch eben halbwegs zurechtfindet, 
r&r auch ihm gewils nicht fremd ; einmal im Monat aber bricht sich Liese ' 
lit Besen und Bürsten Bahn in das Heiligtum : ein Bild deutscher Ge- 
ihrten-Bummelei, wie es unsere eigene Litteratur selber nirgends so artig 
UBgemalt hat 

■■ Sartor ü2 : 'the universal World-fabric'. 

Über die Zusammensetzungen mit World- vgl. Kgr 164 f. — Nach- 
itragen sind aus Carlyles Übersetzungen, German Eomance: 1) T 2, 69 
litten im Weltsturm' (amid the tempests of the world); 2) T 2, 92 'der 
Qgeheure Weltsturm' (the monstrous world-storm); 3) *im Weltschwaden, 
1 Weltsterb* (in this universal world-trap and world-poison) ; 4) T 2, 94 
ii'elt-Gtericht' (World's-Doom) ; 5) T 2, 198 'Weltweisen und Weltleute' 
ultivated persons). — Aus Goethes Wilhelm Meister: 1, 21 'Weltgeschichte* 
eneral history, WMA 1,21); 1, 68 'Weltmensch' (the man of the world, 
1,68); 1, 169 'Weltmann (worldling); 2,93 'bei ihrem Weltsinn (with 
j worldly views; 3,76 'Was Völkermassen und ihren Gliedern offen t- 
:h begegnet, gehört der Weltgeschichte, der Weltreligion' (to the general 
Story of the world, to the general religion of the world): 3, 111 'die 
'rrlichen Weltscenen (these glorious scenes of creation); 3, 205 'In sol- 
em Sinne dürfen wir uns in einem Weltbunde begriffen ansehen' (as 
embers of a Union belonging to the world); 3, 204 'Von einer Welt- 
gend zur anderen (from country to country). 

- Sartor 78: 'As in long-drawn Systole and 1. d. diastole must the 
riod of Faith altemate with the period of Denial. 

JJ. 10 'seldom or never heard such snoring, which was not a streaw, 

* 'The»4^ wer« her Erdbebeu (earth - quakcs), which Teufelsdröckh drcaded 
r»e thao the pestilence.' Sartor 15. 



176 Beurtdiangen und kam 

diastole and «ystole, but a vhir^oal rstber, or g, 

bottomlees maelatroinB . . .' Du Bild dkitole und lyitole von Goetba n 

geregt 

— Sartor 80: 'the Itving apirit of Rdie^ tuti bom thls ito itait 

honae.' 

l.tO: tbeUmTerae ia not ... ■ charnel hoas« whh «poctat. DV 
I, If.ST 'J. Paul: unter mir lag ein« echlafende Omh vIomImbw Bell 
hfiuaer' JubelBen. 198 (QL 6; ISO, 19). Talea 8, 9S, Jmq Paul FUU 
'charnel-houaea'. 
^ Sartor 80: he atood conuectad witli the ecninti of BUiiira. 

Im Namen des grfifljclieii Hauses dw 'ZKhdftrm' wird adu» m 
die gesunde Verdauung des Hanaherni Philippna Zibdum tag/KfU 
dem TeufeledrQckh eine ironiiche latejnisohe Oiabachilft aeUt, (Am > 
dere Bedürfnisse ala die dea L^bea vertritt tc mowidlch« BdbataOditl 
keit und Niedrigkeit. Ein Verwandter dea Grafen, dar Junge EbgUad 
'Herr Towgood, or, aa it ia peritapa bettcr wiittan, Heir Tou^igsV — i 
Zusammengehörigkeit giebt sich im Nameo kund — wird l^mfoladiBdd 
Freund, um ihm, dem flbenchwenglichen nnd pUtonlachan UaMiah 
spSler die hübsche Blumine wegzuschnappen. 

Was TeufeUdröckh In dieser hSheren Geaellachaft erflhrt, daa hsl 
('arl;le persönlich jm Hauae der Familie Bnller erlebt, deren beide BBtu 
ibm zum Unterricht anvertraut waren. Man gab im Wintor 1822/3 
»linburg viele Oesellechaften, wo er, Öfter als ihm lieb war, ein- ai 
ausgehen durfte. Auch an einer Jagd mnfiite er teilnehmen. Was i 




BeurteilungeD und kurze Anzeigeu. 177 

the whole world is sitting od his very nose, tili repeated bandaging and 
onbandaging have at last taught him, like the blind patient, to eetimate 
Dirianee and Appearanee, 

^ Sarior 92 : 'How wilt thou find that shorter North-west Passage to 
tby fair Spiee -country of a Nowhere?' 

Jean Paul, Schmelzle, p. 36, Anm. 07 : 'Die theologische Welt . . . ent- 
deckt eigentlich nichts als eben die passiven Diebs-Inseln, wo sie ihre 
Gewürze abholt' In die Tales ist die Anmerkung wegen ihrer grofsen 
linge nicht mit aufgenommen. Nord-west-Passage auch bei J. Paul. 
^ Sartor 97 : 'Blamine's was a name well known to him'. 

Während Jane Welsh in den früheren Novellenplänen eine grolse 
fioUe spielte, hatte sie nun, da sie Mrs. Carlyle war, in dem Romane bei- 
seite treten müssen. Teufelsdröckh windet sich durch die Irrgänge deiner 
Philoflophie ohne die Hilfe einer Ariadne durch. Carlyle erlaubt ihm nur 
eine bescheidene, erfolglos verlaufende Liebesepisode, die aber weniger 
der Jane Welsh, die er geheiratet, als den anderen Bekanntschaften vor 
Beiner Ehe, der Miss Margareth Gordon und Miss Kirkpatrick, galt. Das 
Mädchen richtet nicht, wie in seinem Bomanentwurf aus dem Jahre 
1824, einen verzweifelten Weisen mit ihrem Trost dauernd wieder auf, 
sondern geht als Nebenerscheinung schnell vorbei. Teufelsdröckh hat 
<^ber so viel Besinnung, um innerhalb der Erzählung den Verzicht auf 
das Mädchen gleichzeitig zu einer Absage an 'Frau Welt', an die Sinne 
tuid alles Irdische überhaupt, aufzubauschen. Auch die Blumen des 
Ubens, das war die symbolische Bedeutung dieser schmerzlichen Liebes- 
idjlle, sind für Teufelsdröckh welk geworden und fallen ab. Den Namen 
btte das Mädchen aus Jean Pauls 'Herbstblumine' 'Autumnal Flora' 
iJekonamen ; sie war die einzige Göttin der Jugend Teufelsdröckhs — 'that 
ie ahould ever win for himself one of this Graccfuls (Holden) — how 
»nid he hope it** — wie ein Hauch geht und verweht ihre Erscheinung 
n dieser ernsten Biographie. Während die Heldin auf den Vorstufen des 
^or, in dem Entwürfe und auch im Wotton Reinfred in die Handlung 
hätiger eingreift, hat Blumine im Sartor mehr eine dekorative Bedeutung. 
■* Sartor 103 : View-hunting. 

McMechan 343. — Vgl. auch Carlyles Polemik gegen Sightseer. N4 35. 
- El 268 *It is not with the feeling of a mere painter and view-hunter 
bat he (J. Paul) looks on Nature.' 
•« Sartor 107: Fortunatas' Hat. 

McMechan 344 giebt eine Stelle aus Dekker's Fortunatus; er übersieht 
mz Flügel 257, der auf Jean Pauls *Herbstblumine* weist (Gottschallsche 
usgabe 111,357). — Später auch die 'Geldtasche^ FR 1, 30, 58 »With 
Diiraculous Fortunatus-Purse in his Treasury, it might have lasted 
Dger*. Fg 8,93 *Had he but a Fortunatus-Purse, how lucky werc 
' With Fortunatus Silhouette as purse-holder . . .'. 



" S. B. 93; 95. — El 269. DWB. IV 2. 1776 'holde' aubstaiitivisch bei Schiller 
i Bfirger belegt. 

ArehW f. n. Sprachen. CIX. \2 



176 Beurteilnngea und kurze Aiudgen. 

^ Sartor 109: 'ihe mkI oi Man is au Action, and not a Thoagjit' 

El 22 -Mh» is eent hither not to questino, but to work: 'the end o 
man', it was loni; ago written, 'is an Action, not a Tbought'ji 
^ Sartor 110: the eFeriasting No, 

Die Auiidrücke für 'Ewigkeit' und 'ewig' bei Oarljle Bind zn unter- 
suchen. Bei Jean Paul treten dieselben gehäuft auf: Q. Fixlein: 'Dtis 
Herz dP8 vcnvandten ewigen Menschen scbwoll anter dem ewigen 
Himmel ... die fernen Dorfglocken achlugen um Mittemaclit gleichsam in 
das fortsum III ende Geläute der alten Ewigkeit ... i(A schaue auf tum 
Sternen hi III in cl, und eine ewige Keihe zieht sich hinauf und binübei 
und Jiinunter.' Tales 2, 2-20: the heart of a brother everlaBtiag mm ,. 
the everlastiiig Ileaven . .. the ever-pealing tone of ancient Eternit} 

an evcrlasting chain Vgl N2M2 'So 1 "commit it silently" eitb& 

t 1 t g Tn lasting oblivion.' N:< 192 'Yet the iofi 

t a tt N 34b in all true work, there ia auch an ever 

1 t }, tt g N 3 Patience! Patiencel that is the eterna 

g (l b rs t g d Fau t erae: 'Entbehren sollat du, sollst ent 
1 I n las t d g Ceaa g). 

^— ba t< IIb Rne Sa nt Thomaa de l'Enfer.' 

1 1 h N wb Ih gl bte er bpkanntlich im Jahre 1S2I zu er 

Ibu I I 1 ah 1 P riser 'Rue Bt.-ThomaH de l'Enfer' vet 

I gt ISe b b t 1 w kl 1 u der Bi'hottiBcheu Küste bei Leith uii' 
P t ) II t g UII 1)1e dabei den Namen der franzCsische 
t r F 1 I h II 'ThoiiiH^' auf dem Pfade des Unglauben 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 179 

— Sartor 116: the pangs of Tophet. N2 223, 246, N3 297, N4 92. — 
^'3 3ö9 'auch a scandalous set of dogs out of Tophet.' — F2 161 *In 
&I1 situations (out of Tophet) there is a duty.' 

^ Sartor 117: 'our Wanderer.' Auch bei den Wanderungen Teufels- 
drockhs 'quietly . . . begin a perambulation and circumambulation of the 
terraqueous Globe' im 8. Kap. des 2. Buches hat Carlyle viel mehr an- 
g^eatet als offen gesagt. Es ist eine der interessantesten, aber zugleich 
uomöglichsten Beisen, die in der Nachfolge des Musterpilgers Wilhelm 
Master angetreten wurde, nicht mehr eine Reise nach der Bildung und 
dem Glflck durch Deutschland allein, sondern nach dem Frieden durch 
die ganze weite Welt. Teufelsd röckh, *the Wanderer,' muls seinen Grimm 
uod Liebesgram vertoben. Um diese Unsteiigkeit und Zerrissenheit des 
Helden zu veranschaulichen, sowie Carlyle selber in Wirklichkeit die 
Böcher vieler Völker durchwühlt, aber natürlich nicht ihre Länder selber 
durchschritten hatte — wählte der Dichter das drastische Mittel, jenen 
fieberhaften Zustand schlichtweg als eine 'voyage imaginaire' im eigent- 
lichsten Sinne zu schildern. Für einen geistigen Vorgang setzt er in dem 
Romane die körperliche Entsprechung ein : das 'Lesen', das Carlyle betrieben 
Iwtte, wurde bei seinem Ebenbild TeufelsdrÖckhs zu einem 'Wandern'. 
^ Sartor 125 : reduced to a caput mortaum. 

Vgl GCB 191; im Faustaufsatz 'such a stagnant, vapid caput 
mortuum', FK2 123; FK2 159 *Had Philippe ... not been a caput mor- 
taum'. — - F3 80 'I am now reduced to a caput mortuum again'. — E6 32 
'Popalarity . . . conflagrating the poor man himself into ashes and caput 
Mortuum'. — E7 243 'sunk to caput mortuum and a torpid nuisance 
«8 now*. 

^ Sartor 126: 'what is this paltry little Dog-cage of an Earth*. l 'the 
•inallest cranny or dog-hole in Nature or Art'. 162 'It spreads like a 
^rt of Dog-madness'. 

Tales 2, 96, Jean Paul, Fixlein : 'every fixed idea, such as rules every 

S<^ius . . . separates and elevates a man above the bed and board of this 

Earth, above its Dog's-grottoes, buckthorns and DeviPs - walls.' — 

Hesc 22 'A human dog-kennel five millions streng, is that a thing to 

bc quiet over?' — £7 36 Hhe rabid dog-kennel raging round it'. — N'^ 836 

*I shall delight to fancy you a free man, were it in your "own hired 

<log.hutch" — like Jean Paul'. — FR 2, 139 'France and the Earth 

itself, is but a larger kind of dog-hutch — occasionally going rabid'. 

-^ PM52 'Better to do what I can while it is called to-day; and if the 

^ifice I create be but a hog-dutch, it is more honourable to have 

^»ttilt a dog-hutch than to have dreamod of building a palace'. — F2 11 

'our paltry little dog-hutch of a dwelling place; that it is we and our 

dog-hutch that are moving all this while'. — F2 14 'thy little dog- 

^ole of a planet or dwelling -place'. F2 lej 'Should we run to Judaea 

w Houndsditch to look at the Doings of the Supreme?' — F3 118 'the 

bottom of my ditch'. — 3 248 'the hell-hound idea of bcggary'. — 3 441 

'^ as Fleet Ditch, the mother of Dcad dogs'. — 3 455 'Exodus from 

12* 



180 Beurt«iIUDgen uod InirM Anzeigen. 

Houii(i9ilil.fh,' der Titel eiuea Buchea, da» Carlyle (1848) plante; e« wun!« 
nicht ausgcfOiirt; Flügel 82, '249; aber die i'ielen vorbergelieiideii AiiNpit- 
luagen laesen wohl einen Svblula auf den loliatt der Schrift eu, der aubon 
im Sartor mit angedeul*! war. Zu exodus ¥" 29 ', wo er dtiert: '(loethf'* 
Works VI, 159, on Moses aud hift Exodus'. — P 251 'that BobuÄ if 
Houndsditch will love his guiueas'. 

^— Sartor 130: '8weet*r than Dayspring to the Shipwretked in Hot« 
Zembla.' 

WR 131 'ob for my life, I thiiik it ha.s lieen f«st in soiue Ni>v* 
Zembla cÜmate'. — E» 213 'from Capo Bora to Nora Zemhia ... not 
a mouse atirring!' — Jeanpauliscb. 
^ Sartor 130: 'Sanctnarj of Sorrow.' — Goethe VII, I5.'^i. 

E^ 52 'thuB mu8t tbe Santtuary of Maii's Soul stand perennially, Bhut 
againBt this man'. — E^ IGü 'tbe (^ructfied ... frouto) sorrow atill dcq>«r 
... aiid biiilt of it a "Sanctuary of Sorrow".' 

^ Sartor HO: 'mistalring the ill-CHl Berpent-or-Eternitj for a coinmoi» 
poiBonous reptile'. 

MeMethan (363) cit. I-ett. au9. — \'gl, Talea 2, 207; Jean Paul, Q. F. 
'So doea the Serpeiit-of-Eternity wind rnund u» and our joys, and cmsH, 
like tbe royal-snakc, what it does not po'Mii.' — E^ Ii6 Übereetiung aiW 
Jean Paul, Siebenkäs: 'the upbome Rings of the Oiant-Serpeot, tbe Per - 
pent <if Etemity, wbidi had tniied itsetf round the All of Worlds . . .' 

Sartor 144: 'tbe Difine Idea of the UDiTerse,' 

McMechan 3ti4. — Vgl. E* 27 'In dim foriscastings, wre.lk« withii 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 181 

ün Tornehmen Bewufstsein seiner selbst, schlofs er sich hochmütig vor 
allen, die ihm nicht das Wasser reichten , ab, gelinde ausgedrückt — aus 
einem Mangel an Lebensart. Es war mehr als das; Carlyle blieb weit 
hioter dem zurück, was er an seinen 'heroes' oft gerühmt hatte, die sich 
zu der Kreatur niedemeigten, sie mochte so gering sein, wie sie wollte; 
und weil ihm diese Liebe mangelte, fehlt seiner Persönlichkeit schliefs- 
lich auch die Vertrauen weckende Einheit. Seine Philosophie ist teuer 
erkauft War sie die Frucht oder war sie die Ursache oder nur eine Be- 
gleiterscheinung seines unglücklichen Lebens? Es ist oft etwas ünheim- 
liche8, Ungesundes, innerlich Überhitztes und Fremdartiges in ihm; man 
muTs vielleicht mit manchen sonderbaren I^dingungen seines Körpers 
rechnen, wenn man alles begreifen will, und niu Is, so kleinlich es klingen 
mag, seine Krankheiten doch auch mit verantwortlich machen. Am mei- 
sten hat wohl die Gattin unter seinen Eigenheiten und seiner Selbst- 
sucht gelitten. Ich übersehe dabei nicht, dals er in seiner Art recht 
zu handeln glaubte; und diese Überzeugung fand in seinen Briefen oft 
einen rührenden Ausdruck. Er hatte das Mädchen 'gerettet', meinte er, 
gewifs, aber aus welchem Gefängnis? — und das harte Leben, das sie 
an seiner Seite fand, war, meinte er, eine vom Herrn verhängte Prüfung, 
der er sie hatte entgegenführen dürfen, aber wofür und wozu? Sie sollte, 
indem sie als Weib und Gattin blofs ihre Pflicht that, aber keine Rechte 
hatte, aus ihres Herzens Grund bekennen : <It is good for me to be here,' 
worauf er fast beweglich (F2 189) antworten wollte: *keep thy arms round 
me, and be my own prophetess and second seif and fear nothing, let thc 
öevil do its worst.' Aber dieses Verhältnis, wo sie sich ihm unbedingt 
ttnterirerfen mulkte, wenn ihr Leben an seiner Seite nur halbwegs erträg- 
M sein sollte, das war eine Zumutung; Jane hat sich nicht wie Miltons 
Oattin aus dem Staube gemacht und ist geblieben, wenn auch in der Luft, 
<iie um diesen Mann wehte, nicht« von der Wärme zu spüren war, die 
8ie zum Leben brauchte. Die liebevolle Rücksicht, welche die Frau gern 
n>n einem ritterlichen Manne nehmen lä&t, fiel fort: Stürmen, denen 
er trotzte, sollte auch sie begegnen; kein Wunder, wenn die schönen 
l'inien dieses Antlitzes bald für immer hinter Falten und Rissen ver- 
^hwanden. Und der Mann lobte und liebte sie trotz alledem in seiner 
Weise: *1 love you for your bravery and because you have the heart of 
a Taliant woman.' Aber wie mochte ihr ums Herz sein, wenn sie so 
etwas las, und wenn Dinge an ihr gepriesen wurden, um die sie selber, 
als Weib, mit Recht gar nichts gab, ja die sie in Wirklichkeit nicht ein- 
mal besafs, die ihr erst anerzogen und von ihr ganz kümmerlich erlernt 
und erworben waren. 
•» Sartor 164: Phoenix. 

Kgr 70. — E^ 12-1 *the emblem of a Phoenix' . . . 'climbing the tree, 
where the pinions of his Phoenix last vanished*. — Jean Paul, Schmelzle, 
Anm. UK), Recl. 293, p. 8. 'Die Bücher liegen voll Phönixasche eines 
tauM'ndjährigeQ Reichs und Paradieses.' Tales 2, 1 1 'In books lic the 
Phoenix-ashes of a past Millennium and Paradise\ Wird citiert E^ 189: 



182 Hp[irlciliiii)jcii und kurze Anmpeii. 

'In I k- li- ih-: tmilive phoctiis-at.l»e8 of Ihe ivlioie Piu-t." - Snrwr IST 

'the l'aliiigeDCHi'' der mcnachlichen Gesell schaft', vgl. Novalis K3 "ih!; 'If 
our bndily Lif<> ie a biirniDg . . .' Carlylee AuffasBung vom 'PliSoSx' uud 
sciue Verwendung diescB Vogels als Symbol bedarf eingeheader Uanrtrf- 
luDg. Vor der Bekanntscbaft mit der dentächen I.it., 1815, N l.SS, vec- 
gleicht er Napoleon mit einem Phönix: 'Which of yp, ye loug'lMsdcd 
ones o( tbe earth, cver dreamt thut Uttle Nap{oläoii], tired of fr(>ttiiig out 
bis beurt in ElbH, nould rise PhocDix-Iilce, diüdaiiiing "the liniiu of 
hia little reign" once more front the world — determined to die "»Itl» 
hanicHs on bis back".' 

Aber eret nach der Bekanntfchaft mit Heck und Jean Paul gehOneu 
der 'Phoenix' und die mit ihm verbundenen Gruppen 'Paiin genesin', 'drath- 
birtb' zu CarlyleB Liebliiigewortcü. J. Faul, Fixlein: Talea l', 1(I7 'Üirir 
uifiio equipmente, like PboeDiies, existed but in tbe singular pumber'- 

— Talea 'i, 13.'i 'The new chair of office was a Son-altnr, on wbii'h, ffom 
bis QuintuB-ashet, a young Phoenix combiced ileelf together'. ^ Tale« '*, 
152 'every recovery is a bringing back and palingenesia of ouryoulh'- 

— E^ 25 Qbersetzt eine Stelle aus Jean Faul: 'wheu nmong the Flamr^ 
of Youth . . . the oil of Riobea is also poured in — little will rMnain o* 
the Phoenix but hin ashea; and only a Goethe has force to keep, even n.t 
the eun of good fortune, hie phociiix wings unaiuged.' DIee wird clUerl- 
E* 49: 'a wise obaerver has to reinark: "nooe but s Goethe, at the Sun 
of eartbly bapjiincsE, can keep hie phocnix-winge unsinged".' 

Carlyle wandt« das Phöuixbild auf deo Zustand der menacblicheii 
OeselUcheft uicht gleich an. Zuerst hat er entschieden nur den Zuaaai- 
menbnicb des gesellschaftlichen Bestandes dekretiert, ohne noch an ibro 
besBere Zukunft uud Auferstehung zu glaube«. F- »7 "Thei wbole fniw 
of Society is rotten and must go für (uel and wood and where i» tbe oe« 
traiue to tome froui?' Aber bei der völligen Vernichtung konnte sein 
thfitiger, auf Iveben bedachter Geist nicht stehen bleiben, und er lernte 
dcu Zerfall blols als eine Übergangsstufe verstehen, in dem der neu srdl 



Beurteiluogen und kurze Anzeigen. 188 

Symptoms here and there discernible of palingenesia'. 'Id London 
"amid its huge deafening hubbub of a Death-songi are to be heard 
tones of a Birth-song'V 

•■ Sartor 168: 'which to him was a tme Delphic avenne, an supematural 
Whispering-gallery, where the "Ghosts of Life" rounded stränge 
wopets, in his ear'. 

McMechan 377 weist für D. a. auf Faust. — Die Metaphern gehen 
Tidmehr auf Jean Paul zurück ; siehe Delphische Höhle, Reinhold Lex. zu 
J. P. Levana 27 ; die 'Flüstergalerie' habe ich bei Jean Paul gefunden, 
ohne jetzt noch den Ort angeben zu können. 

^ Sartor 171 : Death and Birth are the vesper and the matin belle that 
nunmon Mankind to sleep and to rise . . . ^Die Abendglocken des Lebens 
tfnen/ Jean Paul, Hesp. 2, 211. 

^ Sartor 181 : 'the cnrtains of Yesterday drop down, the curtains of 
to morrow roll up.' 

102 thick curtains of Night. — Tales 2, 207 Jean Paul, Fixlein: 
'our bright-painted curtain of Futurity'. 

^ Sartor 185: dt. 'we are such stuiT aus dem Tempest; auch P 55: 
'there are three Times; and there is one Etemity; and as for us, *'We are 
snchstuff etc."' Kgr. 43. 

Das Leben schien Carlyle, je älter er wurde, immer zauber- und 
traumhafter. F2 337 'Daily and yearly the world natural grows more of 
& World magical to me'. Aus dieser Sphäre und Stimmung aber stammen 
<Üe vielen Wortbilder mit 'air', die das Nebelhaftige und Unbestimmte un- 
seres Daseins malen: F2 85 'This solid world after all is but an air-image'. 
"^ Sartor 189: 'Clotha Vimmqae eano.' 

P 214 'Out Epic having now become Tools and the Man'. 215 'the 
Epic verily is not Arms and the Man, but Tools and the Man'. F^ 280 
(1842) Tools and the ManI **Arfns and the Man" is but a small song in 
comparison'. — E^ 207 'Not "Arms and the Man"; "Tools and the Man", 
tbat were now our Epic*. 

^ Sartor 206 : The Hofrath vanishes . . . like an ignis fatuas'. 'Irrlicht' 
in Goethes Walpurgisnacht. Faust: 'Irrlichtelire ...\ 

Tales 2, 110 Jean Paul, 'Fixlein hopped forth like a Will-o-the-wisp 
into the garden.' Artikel 'Irrlichter' in Reinbolds Lexikon zu J. P.'s Le- 
^a, p. 65. — LoS 263 'Schubart flickered through existence like an ignis 
Satans. — El 112 inconstant as an ignis fatuus. — FR 2, 10-^ 'plot after 
plot emerging and submerging, like ignes fatui in foul weather, which 
letd nowhither'. — Fl 96 'For as to fame and all that, I see it already 
to be nothing better than a meteor, a will-o'-the-wisp which leadß 
one on through quagmiree to catch an object which, when we have caught 
it, tums out to be nothing'. 

Einige Wortzusammensetzungen im Sartor. 

Um die Sprache Carlyles geschichtlich verstehen zu lernen, ist es 
methodisch nötig, erst jedes einzelne seiner Werke zu untersuchen und 



184 Beiirteitungen und ktirae Anndgen, 

nicbt gleich ein Bild von seiner Ausdruckg weise iiii grofBen iiud ^an/rn 
XU eutwerfcD, wie es Knirnmacber (F)Dgl. Stiiii. VI) und neuerdings auch 
Sehmeding probiert haben. Dalwi verliert man vollalÄndig die Obcreitht, 
und die gewife vorhandenen, durch EiazeiunterBuchuDgeu nocli festzusWl- 
lenden Unterscliiedc in der Ausdrucks weise ilee Jöugliogs, des ManüM 
und des nreieeft Cariyle gehen ganx unter. Auch sollten als Vorarlwit 
erst die fremden I''.lement(> erledigt werden und, wie ich m für das OeiiUchv 
gethan habe, von einem Eomanisten die franiÖBischen, apanUcheo und 
italienischen Worte und Entlehnungen Carlylee ausgehoben werden. 

Natürlich finden sieb uul«r diesen ZusaniDieDsclKungen viele Kurii<»r- 
tÄI«D. In ein Lexikon der englisehen Sprache gehören die bizarren W<-n> 
düngen, die mit ihrem Schöpfer kamen und verklangen, nicht hinein; 
aber sie verdienten eine besondere Betrachtung, ebenso wie die deut«chfr 
Philologie noch den Sprachschatz Jean Pauls in heben hat. Denn da» 
deutsche Wörterbuch genagt für diesen Dichter nicht. Jakob Orinio» 
hat ausdrücklich und mit Recht Saiumlungen Jean I'aalecber Selten-* 
heiten, die ihm angeboten wurden, als für seine Zwecke belanglos abgfr— 
wiescu; — und doch würdo es sich lohnen, sich mit Jean Panl allein f^ 
beschäftigen und die Gesetze aufzusuchen, nach denen ein so sellsat:« 
schöpferischer Geist wie er verfuhr. 

Einige der auffallendsten Wortz u san im en Setzungen Heien hier aus lie^ 
Sartor notiert: 

Clothes: Clotliea-serecn II. a Spirit of Clothes 23. our Clotbes- 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 185 

light: a light-particle 49, oue sea of Light 08. Orient Light-bringerß 
100. a very Light-ray iiicarnatc loO. light-islets 107. light-spota 14-(. 
light-beams 172. the Light-sea of celestial wonder 183. rays of light 189. 

all: alUenclosing 38. all-powerful 49. the All-seeing 79. all-scep- 
tical O^i all-cons Urning fire 94. all-including 146. all-sustaining, all- 
important 149. all-illuminating 176. the all-importance 188. 

efer: ever-young 22. ever-active 24. ever-living 26. ever-working 26. 
the ever-streaming currents 65. ever-vexed 74. ever-motioniess 78. the 
evcr-lasting granite 105. ever-renewed 179. that ever-vexed country 197. 

half: half-ofiicial 11. half -rational 17. half-waking moments 36. 
& vague gray half-light 50. half-awakened 60. half-articulate 6Q, half- 
straogersDO. half-audibly 115. half-devilish 139. half-sophisms MO. half- 
truism«, half-savage 1 16. 

lügh: high-swelling hearts 15. high-encircled 21. high-flaming 21. 
high-sailing 49. high-towering 64. high-BOuled 100. high-born 147. 
high-Boaring declinations 152. that high-eddying Flame 164. High- 
breeding 165. 

seif: fitelf-contained life 9. self-seclusion 17. self-secluded 22. self- 
per-fecting 26. self-growth 50. self-support 59. Self-conceit 78. self-help 
'9. self-indulgence 88. Self-conciousness 113. Self-conceit 132. Self- 
'^orehip 197. 

long: Long-continuing 22. the long-deafened soul 128. long-eared 152. 
long-drawn 184. long-forgotten 206. their long-accumulated debt 201. 

shadow: shadow- hunter 125. shadow - hunting 128. a Shadow- 
»Vfitem 184. 

sky: sky-woven 44. the merc sky-influences of Chance 59. our winged 
**ky-meft8enger 86. skyward 86. hoste of true Sky-bom 93. my skyey 
Tent 129. 

spectre: night-spectres 100. spectre-bearing 105. a spectrc-fighting 
Man 117. a Spectre-queller. Spectre-like 138. spcctre-work 179. spectre- 
liunt 184. 

wonder: wonder-bringing 119. a wonder- working Tool 137. Wonder- 
loviDg, wonder-seeking 142. wonder-hiding, wonder-hider 182. the do- 
<iome8tic wonderful wonder of wonders 189. 

worship: World-worship 146. Fetish-worships, Hero-worships 190. 
Self-worship, Demon-worship 191. Nature-worship 195. Earth-worship 197. 

Weniger zahlreich sind die folgenden Verbindungen, die alle syste- 
Qiatisch einmal durch die dem Sartor vorhergehenden und die ihm fol- 
genden Werke verfolgt werden müssen. 

altar: Altar-fire 138. an altar-bui kling time 150. 

ckurch: church-repairing 145. Church-Clothee 148. church bells 167. 
church vaulte 183. 

clond: a cloudcapt aspect 47. Cloud-image i\*\ cloud-couch 124. 
cloud-skirted Dreams 158. 

dmy; day-dreams 74. his general Day'» work 102. ihe day light of 
Life 150. 



It^ü Beiirtpilungen und kurze Anzeigen. 

death: Dpiith-ehiiiiows !0:i. death-scenPB I1&. bitler protractcd Dealh- 
ligony 115, DealhöUDg 115. I(i9. Dcalh-birth 101 (vgl. Faui^t, Erdgewl: 
'(ieburt und Tod ein ewiges Meer , . .'; auch birth in cps. : -pangs l'ü; 
-Ming lij!'; -Innd Hi4_|. 

eartb: the earth-viriUng Me. bd. Eorth-ADgel 07. eurth-made 107. 
Earth-rind 181). Barth -bliiided 181. 

heart: beiirt-deluded 'i^. tbat heart-rendiog occurrmce lU.^. 

deep: the doep-Htiited obroaic Digease 11]:!, 7. deep-hidden 80. 

hiero-i hieroglyphs i". Hierardi ti-[, tbat sacred Hierarchy 137, 23, 
Hierograma 110, G. bieroglypbical III, -18. Eicropbaiit 201, 34. the hien- 
glyphic naturp 'Mb, 8. 

Uli ill-starred .JP. ill-choBen 76. ill - furnifihed 137, H. iU-writtea 
ins. 31). 

lond: loud-Iaughing (.iH. loud-jingling 71. loud-roaring hoilstorme 78. 

mach: mucb-reHpoL-ted 133, 3^. the much-auffering, much-inflictJng 
mnti -203, t.'-. thou much-injured öne 201, 22. 

new; iiiy Spiritual New-birth 117. ii new-attained progrees l*i, ^^S- 
new-creatpd 1G7, li. 

Ovar: over-crowded ItJO. Over-work löö. Over-growth 161. ovm- 
refiniiig 199. over-woarincaa 3(iö, 

quick: quick-wliirliug 62. quick -changing 107. quick-Bucceeding 1^1. 

eacred: !i nacrwl r^corn M5, 11. Sacretl-writiog 178, .'H. Bome iiiiiKd 
AnchoriU' 2iil, '^ri. 

solid: Bdüd-growT] lit. tbis no solid -^^ee ming World 137, 15. 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 187 

gegen sind 'mj own four walle', von denen er zweimal in dem von Fronde 
zur BegrQndung der These herangezogenen Briefe (1825) apricht, nicht 
citateDmäfsig, sondern als eine allgemein geläufige Redensart angeführt. 
Kfl handelte sich um Hoddam Hill, wo er mit seiner Mutter lebte : 'I have 
gaioed since I came within the walls of this poor cottage — my own 
four walls. I am . . . no bad soul after all, and not to be dealt with 
in any other way. My own four walls.' 

In dem Bericht von 1830 dagegen wird sein häusliches Leben gerade 
eo wie in dem Gedichte geschildert, so dafs sich Brief und Gedicht zu- 
dnander wie ein Entwurf zum Kunstwerk verhalten. 

Er erzählt dem Bruder: This very night, we have fine black frost, 
a vehement fire is blazing . . . and on the oppositc site thereof sits my wife 
sewiag...* und berichtet weiter von seinem Pferde: '"Harry" runs in the 
Gig ... and I give him "swine meal'', . . . and on those great Gig-occa- 
MODB for two days previously "with my own hand".* Das kehrt, um- 
Bchrieben, poetischer und gesteigert in dem GMichte wieder: 

1) The Storni and night are on the waste 
Wild through ihe wind the herdsman calls. 
Ab fast on wiUing nag I haste 

Home to my own four walls. 

2) Black tossing clouds with scarce a glinimer 
Envelop earth like sevenfold palls. 

Bat wifekin watches, coffee-pot doth siinnier 
Home in my own foar walls. 

3) A home and wife I too have got 

A hearth to blaze whate'er befals ... 

6) When fools or knaves do make a rout 
With gigmen, dinners, balle, cabals, 
I tum my book and shut them out 
These are my own four walls. 

Die Strophen sind übrigens nicht so kunstlos gebaut, wenn man die 
Steigeningen am Schlufs beachten will: 1) Home to my own four 
Walls — 2) Home in my own four walls — 3 u. 4) Within my own 
four walls — 5) I have my own four walls — 6) These are my own 
foor walls — und zum Schlufs : 7) All in my own four walls. Die Be- 
wegung, das Verlangen und endlich die frohe Sicherheit im Besitze — 
man denke an Walther von der Vogelweides Wort : *Ih hau ein leben* — 
siDd darin nicht ungeschickt ausgedrückt. 

Im September 1831 schreibt Carlyle, selber die beiden Schlufszeilen 
der fünften Strophe seines Gedichts citierend, der Gattin: 'Happy that 
we have still a kail garden, fertill in potherbs, and a whinstone 
Castle that resists the weather, let Book-sclling go as it will . . . Yet 
<»od be thanked: "my whinstone house my castle is; I have my 
own four walls'V 

GewLfs webte etwas Poetisches in Carlyle, aber er war auch wieder 
falsch berichtet, wenn er es für die Keime und Seelen von Liedern hielt, 



Il^ri Ilciii'tciliiiiycü null kürzt Aumgeu. 

ilif (in diu l'iif,' iMilltcii, P^fin eigeoster Gesang «»r eine libapMxlie in 
^trei'kvcraeu, deou so liivt eich seine pliilosophischp und ^üchichtlich'' 
Prosa i über seine GebürdeD waren viel zu dramatisch, um eine mehriiadi 
innen treibeode Lyrik kii fördern, trotz eeinee Wunsches, der iui Tag«- 
Imch am -Ih. Oktober IRI2 noci dnmal auftnucht; 'I wiah often I coivlil 
write rliyme,' — 

Der Inhalt von Carlyles Tng:ebnch iijuTs eiumai mit seinen Brinfpn 
lind Schriften verglielien werden, um die Abbängigk^nt festKnsIellen ; 
dem, was er erst fOr Mch allein uieder^cüubrieben hiitte, teilte er wühl 
nieiiritcns aus der Brinuerang, nicht unmittdlinr an der Hand der adirift* 
liehen Vorlage, manches den Beinigen mit. Dm Tagebuch war der «n" 
Entwurf; Gedanken und Worte konnten inxwiacben ausreifen, sie wui<in 
dann in den Briefen wicderiiolt, bis sie am Elnde in den Werken schon )i 
letztenmal am besten »Tisgeprägt wurden. Aber aucli der umgekehrte f'iill 
tritt ein, und daa, was Carlyle gleich nach dem Erlebnis seinem 'Hawaii' 
vertraute, hat lebendigere und wärmere Farben als einige Wochen darauf 
in einem Briefe. So Bchrieb er am Morgen nach je-ner Nacht, wo er in 
Verlust seines Manuskripte der FranEÖsischen Revolution lu verwind 
hatte, für sicli; 'Cry eilently to ihy inruoel heart to God for ii, )*ürelj 
he will gire it thee. At all evente, it is na if my invisible achoolni»w 
hnd toru my cop}'book wheu I showed it, and said: No, boy! TVm 
niuBt write it better. What can I, sorrnwing, do but obey — ( 
and ihink it the best? To vrork again. ... On in bis name.' (Fr. L I- 
1, 31.) 

In diesen Zeilen liegt viel Demut b^schloaeen ; er mooht« in jWQ 
Nacht Beiu T^beii Olienlonken, und du Bild aus iler t^chuledt stdlU wd 
«n, alter die Scene wird, dem furdilbaron Aiigcnblirke angemewien, «T 
weiUrt, und wie einst al« Knabe verxiigt vor deui liL'hrer. ho glaubt pi 
jetzt als Mann vor Qott eu stehen, ohne es 1.>ci allem guten Willen iea 
Herrn recht gemacht zu haben. 

Das Oleiehuie ist dagegen etwKS verkit in inert, wenn Curlylc in dnuu 



Beurteilungen und kurze Anzeigei). 189 

Yamall, Ellis, Wordsworth and the Coleridges, with other me- 
mories^ literary and political. New York^ London^ MacmillaD, 
1899. 331 S. 

Yamall war ein Amerikaner, der im Jahre 1849 mit einem Empfeh- 
longBbrief von Prof. Reid zu Wordsworth kam und seine Eindrücke von 
diesem eben populär werdenden Dichter in einem ausführlichen Briefe 
oacfa Hause schrieb. Nur ein Teil davon war bisher gedruckt, in Chri- 
itopher Wordsworths »Memoirs of William Wordsworth' 1851, II 484—500. 
Die unterdrückten Stellen schienen damals zu persönlich, und dem ist 
jetzt, wo sie gedruckt vorliegen, nicht zu widersprechen. Namentlich gegen 
den Prinzgemahl und dessen Wahl zum Kanzler der Universität Cam- 
bridge hatte sich der Dichter ausgelassen: He said Prince Albert* 8 Oer- 
Man edueaticn, his training dt Bonn, was in üself a disqiuUifieation, Noch 
Khlimmer: der Prinz hatte reformatorische Absichten gezeigt; he was 
ntppased to enteriain opinions opposed to dassieal study as pursued at the 
BngUsh universüiesy and to have intimated a wish for extensive clianges. 
Der einstige Bahnbrecher der modernen englischen Romantik war im Lauf 
der Jahrzehnte ein starker Klassizist geworden, der den Herodot für das 
interessanteste und lehrreichste Buch nächst der Bibel erklärte. Ahn- 
licber Art waren seine religiösen Meinungen geworden. Er wollte mehr 
Bischöfe haben. Er war für die Oxforder Bewegung eingenommen, und 
HaoDings Predigten standen unter seinen Büchern. Körperliche Gebrech- 
lichkeit fiel dem Besucher gleichfalls auf, und so ist das Bild des Natur- 
^giosen ein Jahr vor seinem Hinscheiden mehr mitleiderr^end als er- 
quicklich. 

Erfreulicher ist, was Yarnall über die Coleridge berichtet. Hartley, 
^er ältere Sohn des Christabel-Dichters, den mir noch ein alter Schiffer 

« 

'0 Grasmere als ein stets durstiges PersÖnchen schilderte, immer bereit, 
^ich bei der Schafschur selbst zu Freibier einzuladen und dann mit sehr 
^hiefem Hute nach Hause stolpernd, hatte nach Yarnalls Zeugnis diese 
einzige Schwäche und war im übrigen ein liebenswürdiger, sympathischer 
^fcnsch. Derwent, der jüngere, den ich noch als great sufferer im Ge- 
dächtnis habe, wie er mir zu Torquey auf seinem Gichtstuhl die zitterige 
Hand reichte, ist hier noch ein energischer Sprecher und Schriftsteller. 
Sarah, die Tochter, der wir zwei reizende Bände Memoirs verdanken, ge- 
hont zu ihrer natürlichen Anmut einen Stich ins Herrische, wenn wir 
^fahren, wie sie, vom Krebs befallen, unerschrocken dem Tod ins Auge 
8&h and sich bis zuletzt durch schriftstellerische Arbeit hochhielt. Von 
Southey allein werden boshafte Reden verzeichnet, die er über seinen 
^wager, den Dichter S. T. Coleridge, that; z. B. whenever he sees anij- 
^iang in the Ught of duig, he is unable to per for in it; oder Coleridge writes 
« that there are bui ten men in England who can understand him, and 
l am not one of the ten (S. 118). Dagegen ist Lord Coleridge, der Chiof 
Justice, mit aller Achtung und Freundlichkeit gezeichnet, die dieser sel- 
tene Mann verdiente. Ich hatte das Glück, ihm näher zu treten, nament- 



IM Beurtdtungen un<l karte Anzeigeu. 

[icli aU ich im Jahre 1883 eine Woche lang «ein Gast in Ottcry 8t Mary 
war, und Itann bezengen, dafs er im pereÖnlicheD Verkehr noch ein itiai 
grüf^erer Mann war, als ihn Yarnall erfafet hat. Die Last seiner AmU' 
geaehäfte hielt ihn nicht ab, jeden Abend üch in ein neue^ Stück Lite- 
ratur — damals erschienen eben die Bande der 'Euglish men of IrtWri 
»eries' in rascher Folge — zu verliefen, über das er sich dann beim 
Frühstück eingehend verbrdtete. Er hatte ein H erzen nverhSItnis lur 
Poesie, hielt nie eine Rede ohne Veraiitat und kannte zahllose Stellen 
auswendig. Waa litfrary feeling heifet, ohne profeeeioDellea Interesse, bt4 
einem natürlich gebliebenen Gentleman und praktisch koinbinierenclen 
Staatsmann, war an ihm gut zu beobachten. 

Aber ich sehe, dafs mich der Plauderton des Buches ansteckt G^ 
wichtiges Material bietet es eigentlich nicht. Doch hat die AockdottD- 
haftigkeit, in der ea sich bewegt, auch ihren Wert oder wenigstens ihr« 
Reiz, indem sie uns die Autoren der Halb Vergangenheit für Augenblick« 
ganz nahe rückt. So lernt man Macaulay, Keble, W. E. Forster n. *. 
wie bei einer Einladung oder einem MorgeubeHucho kennen und erhält 
eine Vorstellung von dem Kreise, in dem sie ihre Rceonanz fanden. Dw 
Buch geht nicht tief, aber man darf ea doch nicht vemacbllBsigen. 

Berlin. A. BraadL 

D. Aslier, Die Fehler der Deutschen beim mündlichen Gebrauch 
der englischen Sprache. Übungsbuch für höliere Lebr- 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 191 

letzens nicht entraten kann, so sind doch auf einer vorgerfickteren Stufe 
aDgere, zusammenhängende StQcke entschieden vorzuziehen. 

Auffälligerweise macht der Verfasser keinen Unterschied zwischen 
iem Partizip des Präsens und dem Gerundium ; unter dem Kapitel XLV 
Particip der G^egenwart' finden sich daher Formen wie: There is no 
^n/mg . . . wühout ihinking u. dgl. Ein sorgfältiges Auseinanderhalten 
ler bdden ihrem Wesen nach doch ganz verschiedenen Endungen -ing 
tire weit nötiger gewesen, als in Kap. XLVII zwischen Infinitiv und 
kpinam (?) zu unterscheiden. 

Endlich mufs noch bemerkt werden, dals das in den Sätzen gebotene 
Deatsch nicht immer einwandfrei ist. E^ ist oft schwülstig und gesucht, 
ind nicht selten ist der deutsche Ausdruck durch die Rücksicht auf seine 
ngliflche Wiedergabe merklich beeinflulst worden. Ich will hier nur die 
blöden Beispiele hervorheben: Als eine militärische Station, glaube er, 
laft der Wert dieser Inseln sehr überschätzt worden sei (S. 42). — Als 
dl meinen Gesundheitsgang (?) in Rotten Row machte (S. ^15). — So 
uisgezeichnet zu werden, ist eine Ehre, die ich nicht zu würdigen weifs, 
loch wie ich mich dafür bedanken soll (S. 49). — Sagen Sie mir, wenn 
^ zu Ende sind mit dem, was Sie zu sagen haben (S. 53). — Von Lord 
Palmerston war es, dals ein Parlamentsmitglied einst gesagt hat: Wir sind 
itolz auf ihn (S. G8). — Der Bürgermeister und der Stadtrat über- 
reichte eine Adresse (S. 9). — Nie gab es eine bessere Gelegenheit, die 
Semdnsame Brüderschaft (?) Deutschlands zu sehen (S. 9). — Sie 
nSasen es sich angelegen sein lassen, keinen Zweig des Faches, das 
% zu ergreifen beabsichtigen, zu vernachlässigen (S. 14). — 
£r hatte einen Sturz vom Pferde (S. 21). — Einer meiner Söhne hat 
lie Kost bei ihm (S. 21). — Sein Ehrgeiz war nicht derart, der einen 
^n antreibt, jedes Hindernis zu überwinden (S. 24). — Lust oder 
^icht, ich sage dir, ich will mir kein Schelten von dir gefallen lassen 
B.34). — Ich kann jung aussehen; doch versichere ich Ihnen, ich werde 
fünfundzwanzig (S. 30). — Fielding, der 'Toin Jones' im Manuskript voll- 
aidet hatte und damals knapp an Geld war, trug dasselbe (?) zu einem 
Verleger zweiten Ranges (S. 43). 

Berlin. Albert Herrmann. 

Ldirbuch der englischen Sprache. Nach praktischen Grundsätzen 
bearbeitet für FortbUdungs-, Handels- und Mittelschulen 
von Richard Krüger und Albert Trettin. Mit 10 Abbil- 
dungen im Texte. Berlin und Leipzig, Teubner, 1901. XVI, 
296 S. 

Das vorliegende Lehrbuch verfolgt weniger wissenschaftliche als ])rak- 
äsche Zwecke. Es ist in erster Linie für Fortbildungs- und Ilandels- 
tchalen bestimmt. Das Ganze gliedert sich in zwei Hauptteile. Der erste 
lestefat aus Lautlehre, Lesebuch, Stoffen für Anschauungsunterricht (freien 
Itoffen und Anschauungsbildern, dazu als Anhang einige Briefe) und 



192 Beurteilungen nnd kune Anzeiget]. 

WörterverxeicJmis nebat PbrHBeologie, Der Kweite Teil entbalt zuoächet 
gTummatische Regeln im Anachlure an die Stöcke des Leaebucheii und 
iIadii eine zusamnienbangende Granimatik. 

Her in beiden Teilen gebotene Lebratotf erscheint durchweg zwock- 
entsprecbeud. Die LesestOcke »ind anregend und allmählich vom Leich(«n 
zum Schweren fortschreiteDd, Einige hübeche Bilder, daninter zwei 
Pfeiffersche und ein Hölzeleche«, bieten paBüenden Stoff zu Rprecli Übungen. 
In Übereinstimmung mit den Zielen de» Ijehrbuchcs sind die praktischen 
VerhältniBBC des täglichen I*bens besunders berücksichtigt worden. Von 
grolsem Nutzen erscheint mir auch die in den einzelnen Abschnitten des 
Wörterbuches vorgenommene Zustiinmenstellung der bisher vorgekuinme- 
nen Wörter gleichen Stammes (z, B. S. 117: mork, uorker, uorkman; kuou: 
knowtedge; friend, friendahip, /riendleas; 8. 118: use, uaeftd, uae/uinea», um- 
lets; bake, baker, bakery etc.). 

Dos Buch wird daher in der Hand eines tüchtigen Lehrers an Han- 
dels- und Fortbildungsschulen gut« Dienst« leisten. 

Berlin. Albert Herrmano. 

Plate-Kares, Englisches Uüterrichtewerk, Lehrgang der eaglischen 
Sprache. II. Teil. Oberiitufe zu den Ijehrgängen von Plate- 
Kares und Plate. Neu bearbeitet von Prof. Dr. G. Tauger. 
L. EhlermaDD, Dresden. 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 198 

ist, was Klarheit und Sorgfalt der Drucklegung, Papier und Einband be- 
trifft, mustergültig. So kann die vorliegende Oberstufe allen Anstalten, 
welche dem Englischen wenigstens drei Jahre widmen, durchaus empfohlen 
werden. 

Berlin. Albert Herrmann. 

Dr. Eugen Herzog, Untersuchungen zu Mac^ de la Charit^'s alt- 
franzosischer Übersetzung des Alten Testamentes. Sitzungs- 
berichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in 
Wien, philosophisch-historische Klasse. Band CXTJT, VI. 
Wien 1900. In Kommission bei Carl Gerolds Sohn etc. 82 S. 

In der unter vorstehendem Titel gedruckten Schrift veröffentlicht 
Herzog im Anschlufs an seine früheren dem Gegenstande gewidmeten 
Forschungen' eine neue Reihe von Beiträgen zur Kenntnis der Quellen, 
der Handschriften und der Sprache der glossierten Bibelübersetzung des 
im Beginn des 14. Jahrhunderts litterarisch thätig gewesenen, aus dem 
Sfid- Südosten des oil- Gebietes stammenden Geistlichen von Cenquoinz 
(Sancoins im Arrondissement de Saint Amand, Cher), Mac^ de la Charit^, 
über dessen Lebensumstande und dichterische Arbeit zuerst G. Paris, Hist. 
litt^r. XXVIII ausführlicher gehandelt hatte. Die mit der Quellenfrage 
sich befassenden Abschnitte und Anmerkungen lassen deutlich die gewal- 
tigen Schwierigkeiten erkennen, die sich hier der Forschung entgegen- 
stellen; um so dankbarer darf man es begrüfsen, dafs es Herzogs uner- 
müdlicher Arbeit gelungen ist, wenigstens an einigen Stellen das über dem 
Glänzen schwebende Dunkel zu lichten. Von Einzelheiten, deren Wesen 
mir von Herzog nicht erkannt zu sein scheint, berühre ich zunächst die 
Einführung der Worte Larges sates et non escJiars (siehe Untersuchungen 
8. 4t>)' in den 1. Mose 27, 28 — 29 stehenden S^en Isaaks, ein treffliches 



' Im Anzeiger der philosophisch - historischen Klasse der Wiener Akademie 
der Wissenschaften vom 1. Dezember 1897, Nr. XXV. 10 S. 

* Dafs hier, mit Unterdrflckang der sonstigen Vorzüge, die fttr gewöhnlich 
dem Ritter empfohlen oder an ihm gerühmt werden, allein von der largeste die 
Rede ist, kann nicht wander nehmen, da gerade sie oft genug als die höchste 
aller Tagenden, die alle anderen in sich scliließit, also als ihr Inbegriff gepriesen 
wird. AaÜMir Dolop. 33 vergleiche man etwa Largtsce est tiex que de lui 
meuverU Li bien; biatUe, tens ne proesce Ne valent noient, ti largesce I faut; 
que large$ee enlumine Proesce; largesce est medcine Por quoi proesce monte 
en haut. NuU ne puet, si largesce i faut, Conquerre pris par son eseu u. s. w. 
Meraogis S. 171 ; Qar doner est la rien qi plus monte a haut pris, Cb. Sax. I 86. 
Wer die largesse recht zu üben versteht, verdient die Würde eines Königs, Alis- 
cana 240, denn Ja prinees convoiteus bien ne gouvemera, G. Muis. I 293. Um 
die kurz vorher aasführlich aufgezählten Vorzüge ihres Qattcn, des Königs Kodar- 
cbas, aach der Nachwelt verständlich zu machen, widmet Ganieda ihm folgendes 
schlichte Epitaph: Rodarchus largus, quo largior alter in orbe Non erat, hie 
modiea magnus reguiescit in uma, Gaufridi de Monumeta, Vita Merlini 731. 
KAnSg Rodarcbos scheint hiemach geradezu den Beinamen largus gehabt zu haben, 

Arekiv f. n. Spraehea. CIX. 13 



IH Benridlnngen und kurze Amefgan. 

Beispiel für die Neiguuj; MacÖH, das ihm hiatoriBch Überlieferte mit iLni 
persÖDÜcb naheliegenden, objelctiv aber durchaua anders gearteten Ideen, 
hier mit einer Reminiscenz aus den !□ den Epen' so häutig anzatreffen- 
den sogenannten cliastoiemenis (vgl. etwa Doon 74; Aiol 244; Änids 11336; 
Durmart 1436; Fiamenca 244 u. %. w.), zu vermischen und so daa Ge- 
gebene bis zur Unkenntlichkeit umzugestalten. Als ein Werk de» gleichen 
Subjektiv Ismus erscheint rair die sicher von Mac* selbat konstruierte In- 
schrift auf dem Grabe Alexanders des Grofsen, deren Vorlage Herzag 
8. 81 f. ganz folgerichtig in den Alesanderdichtungen' suchen zn mösgeu 
glaubte; zu einem nennenswerten Krgebais war auf dieser Fährt« freilich 
nicht zu gelangen. Nachdem ich mich vor kurzem anderen Orts mit der 
Frage näher beschäftigt habe, kann ich mir hier Weiteres ersparen; für 
den Augenblick genüge der Binweis auf Archiv CX Heft 1/2 (Sitznogs- 
berichte). 

Was der Verfasser über das Verhältnis der bdden bekannten Hand- 
schriften (P und T), von denen P, wie schon G. Paris a. a. O. 3l8 hervor- 
bebt, dem Dichter räumlich und zeitlieh ungemein nahesteht, ursprüng- 
lich freilich mit unzulänglicher Begründung gcäulsert hatte, wird nunniehr 
durch voUgQlttge Beweise aulaer Zweifel gestellt; dabä muTs aber auf- 
fallen, dafs Herzog auf die frdher von ihm zwischen der nicht Oberlicfer- 
ten gemeinsamen Vorlage (a) und jeder iler beiden Handschriften ange< 
nommenen Zwischenglieder nicht wieder zurückgekommen ist, vermutlich 
weil er den Anzeichen für ihr latentes Vorhandensein heule nicht mehr 

gleiche Mafs von Vertrauen entgegenzubringen vermag. Den VeT 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 195 

im Gregensatz zu dem schwankenden P anlautendes h in Wörtern wie 
Tiouij hardiesse u. s. w. überall einsetzt, in der Zeile Que pendu ne aaient 
au ars statt der beiden letzten Wörter aus hars schreibt, so verstehe ich 
nicht, wie man daraus schliefsen kann, dals a solches h „vielfach" noch 
nicht aufgewiesen habe (S. 14). Hier handelt es sich doch gewils nicht 
lediglich um die Einführung eines h an falscher Stelle, also um umge. 
kehrte Schreibung; — zu seiner Neuerung, die zugleich eine Änderung 
des Wortdnnee bedeutet, ist T doch offenbar durch die Nähe von pendu 
bewogen worden. 

Wenn Herzog sich in seinem Berichte darauf beschränkt hatte, aus 
den Beimen und dem Metrum die von Mac^ gesprochene Mundart fest- 
zustellen, so wendet er nunmehr auch der Sprache der Handschriften, 
insbesondere der von P, seine Aufmerksamkeit zu und kommt, ohne dies 
im einzelnen freilich zu erweisen, zu dem Schlüsse, dafs der Schreiber 
von P eine mehr westliche Mundart gesprochen habe. Im folgenden habe 
ich mehrere Züge berührt, die, soviel ich bis jetzt sehe, ausschlielslich 
dem Osten eigentümlich sind ; und ich halte für wahrscheinlich, dals uns 
io P ein im ganzen getreues Abbild der zwischen Ost und West vermit- 
telnden Sprache Mac^ selbst erhalten ist. In den neu hinzukommenden 
Abschnitten über die Flexionen, die Wortbildung und die Syntax hat 
Herzog eine grofse Anzahl von Thatsachen zusammengetragen, unter 
denen neben allgemein Üblichem mancherlei bisher wohl nicht nachgewie- 
sene Besonderheiten begegnen, deren Erklärung, soweit eine solche von 
Herzog versucht wurde, mir öfter Anlals zum Widerspruch gegeben hat. 
Überhaupt hatte ich gern gesehen, dafs der Verfasser darauf bedacht ge- 
wesen w&re, den Zusammenhang der Sprache Mac^ mit dem Gemein- 
französischen da, wo ein solcher besteht, zu betonen, das Allgemeingültige 
von dem Besonderen zu scheiden und den Sprachgebrauch anderer Denk- 
mäler vergleichend heranzuziehen. Nicht überall habe ich der Verlockung 
widerstehen können, den hier berührten Erscheinungen eine eingehende 
Behandlung zu teil werden zu lassen; sollte ich hie und da über das zu- 
lässig scheinende Mals hinausgegangen sein, so trägt daran das im Verlaufe 
der Arbeit sich wie von selbst einsteilende Verlangen die Schuld, das 
Verständnis der einmal in Angriff genommenen Gegenstände nun auch so 
weit gefördert zu sehen, als mein Können eben reichte. Dabei mufs auch 
hervorgehoben werden, dafs die von Herzog aufgezählten Materien so 
vielgestaltig und zahlreich sind, dals sie, wenn sie nicht mit allzu lako- 
nischer, nicht selten bis zur Unverständlichkeit gesteigerter Kürze vor- 
getragen worden wären und der Verfasser in jedem Falle es für gut ge- 
halten hätte, neben die nackte Thatsache auch ihre Deutung zu setzen, 
einen wesentlich breiteren Raum bedeckt haben würden, als dies in Wirk- 

n*y a rien que J'haS tant qu^un chat, M"* Emil<» de Oirardin, Contea d'une 

vieille Hlle 12, nnd iu dem neunormaunbchen Sprichwort / n'haH pas les joliet 

JUUs, Möm. Soc. ling. V 409; vielleicht auch iii Oh, ft'haU-t-i, Jaubert, Gloss. 

0. Fr. I 590, ein Verfahren, das übrigens schon von Vaugelaa I 75 gerügt wurde. 

13* 



196 Beurteilungen und Viirae Anieigen. 

lichkeit der Fall ist. Dafs der Verfaitaer bei der Darstellung der Syntax 
wiederholt Gelegenheit geDoinmeQ hat, die beiden ernten Bunde von Tobicn 
Beiträgen eu Bäte zu ziehen, iet gewifa sehr erfreulieb — ee mul* aber 
befremden, dafs nicht Oberall, wo der Anlab dazu gegeben wnr, auf 
Toblers Deutungen Bedacht genommen worden ist. Durch solchea Ver- 
fahren wird gcradeza der Anschein erweckt, als werde hier zum erBtmmal 
auf gewisse ThalBaeheu aufmerksam gemaebt, die doch anderen längst 
geläufig sind. So niuistc, um von einigen später zu erwähnenden Einzel- 
heiten für jetzt zu schweigen, bä ü iet douJtles (S. 27) auf Beiträge I - 17ti, 
bei tote tnenüre de getü aporferent |S. 28) auf eb. I' 230 verwicseji werden. 
Von der Verscbränkung von Redegllcdern (S. 29. 84) handelt Tobler 11 30; 
nicht minder ausführlich brachte er Is lOü ff., llt 12 ff. die von Herzog 
S. 82 erwähnten Unebenheiten zur Spraehe, die sich ergeben, wenn iwtj 
syntaktisch ungleichartige Satzteile so behandelt werden, als bestünde diese 
Üngleichartigkeit in Wirklichkeit nicht.' Zu dorn best. Artikel vor Kai^ 
dinalzahten (S. 28) war Toblers Bemerkung im Bolotbumer Programm 12 
zu vergleichen.' In dem Abschnitt über das Metrum (S. 36) wird di« 
Elision des e von ce nach Präpositionen als auffällig bezeichnet; doch ist 
dieser Vorgang in der alten Zeit ganz gewöhnlich; vgl. Tobler, VerabAU* 
57, HO f., und zu dem Wert des e in> (Herzog 37) jeUt luoine Ausfüh- 
rungen im Ärch. f. n. Spr. CV 449 f. 

Auch innerhalb der etwa tausend Zdlen, die der Verfasser aus der 
mehr als 42000 Achtsilber zählenden Dichtung mitgeteilt hat, und die 
eine sehr dankenswerte Zugabe zu seinen Untersuchungen bilden, trifft 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 197 

de» Part perf. in Les dons qu'el ot fex> aporter, 145Ö4, 20697; vgl. Tobler, 
Beiträge I^ 208 f.,* oder die Verbindung sum habutum, 14632.' 

* Aufiier dem schon bekannten Si ne fu oncquea mais veue faire n grarU joye a 
MÜfy, com ihßrent nu Chevalier du Papegau, Chev. Pap. 77, 11, läfst sich hierher- 
ziehen der Fall Et pour quoy, dist elU^ ne fave» vous votätie /trandrey eb. 22; Car 
potar eertain ton ne peuft ignorer Onnbien Je Coq Pa voulue honorer^ Montaiglon, Re- 
cneil IV 53. Anch da, wo vor reflexiven Zeitwörtern und vor solchen Intransi- 
tiven, die estre als Hilfszeitwort bei sich haben würden, die zusammengesetzten 
Zeiten von pouvoir, voulcir^ $cavoir(?), devoir, cuidfr, oser (Ore ce Sdpion ... »*est 
oee affronter a met bandet guerrieres, R. Qarnier, Öornelie 1365, neben Quant Je 
m'oy em teix ennemie 0»i enJtalre, Mir. ND. XXXI V, 1604; pour ce que let citain» 
ne te anoieiU voliu mettre en guerre, Phil, de VigneuUes 40 ; tme jettne ßüe qui 9*a 
wndu engager, Norde Qudpat, Chants. pop. messins 17), mit fstre gebildet werden 
(t. Tobler, Beiträge II 37 f., and dazu meine Bemerkung Arch. f. n. Spr. XCV 316), 
gleitet die Sprache bei der Gestaltung des part. peif. gelegentlich ans und flektiert 
es so, als bezöge es sich wirklich anf das Subjekt des Satzes, so da(^ man neben 
fibenriegendcn FttUen wie Bemard^ je suis voula venir (je = Nostre Dame), Mjst. 
S. Bern. Menth. 3092; Et pource, ceulx ä qui let ckotet detsus ditet aviennentf ont 
trouve past en la nasse de marriage, oü il estoient cuide entrer (a. 1450), XV Joyes de 
Mar. 139; les torceriet q*n s*en fustent peu entuivre^ Journ. Bourg. Par. 354; la banne 
renommie des femmet et bourgecitet de cette tnlle, lesqueUeSy estani adtertieSf se tont 
voulu formaliter^ Caq. Acc. 284; ilt ne se sont osi asseurer (a. 1587), E. Fournier, 
Var. List. litt. IX 122; Jusquet au Nouveau' Monde au par tage duquel ilt ne se sont 
jamait p» accorder (a. 1633), cb. IX 48, auch Fügungen findet wie du puis ou eile 
eetoil deue cheoir^ La Tour de Landry 75 (schon bei Tobler, Beiträge II 37 Anm.); 
La dorne s^etioit ja vcJltie engenillier, Froiss. II 28; a painnes t^en esfoit^il peus partir, 
eb. VII 62 (beide Stellen bei Ehering, Zs. f. rom. Phil. V 338) ; femer Vous ettet 
vobte apparoir, Mir. ND. I 460 (schon Arch. XCV 316 von mir gebracht); // ne 
se eont vobu retraire. Mir. ND. XXXIII 981. Seltsam ist die Verwirrung in 
Tu tes voht poore ettre fait. Mir. ND. XL 2083, wo te nicht Reflexivpronomen, 
s^mdern Subjekt des nach votdoir auch sonst begegnenden Acc. c. Inf. ist. Her- 
vorgehoben sei übrigens, dafs die Erscheinung l>ei guten Stilisten noch im 18. und 
«elbst im 19. Jahrhundert anzutreffen ist; so de quelque faqon que je m*y sois pu 
prendrCj Rousseau, Confcssions, partie II, liv. IX, ^d. Paris, Dupont, 1824, t. XV 
227, oder Si le comte de Vandenesse s'eta'U pu voir, ä trois ans ile distance, beuu- 
pere (Tun sieur Ferdinand . . ., Balzac, üne Fille d'Eve 3, neben il aurnit pu se 
frapper^ 60. In diesen Zusammenhang gehört auch die Wahrnehmung, dafs das 
mit einem Infinitiv verbundene Part. perf. venu unflektiert bleiben kann, z. B. 
faroit entendu les discours des femmes qui Vestoyent venu voir, Caq. Acc. 46; une 
femme avx yeux rouges Cetn'U venu attendrf, Catulle Mendes, MaiHon de la Vieille, 82, 
ein Verfahren, das doch wohl nur deshalb möglich wurde, weil innerhalb solcher 
Kombinationen die selbständige Bedeutung von venu stark zurücktritt, so daHs es 
sogar zu einem Wechsel des Hilfszeitwortes kommen konnte, wie in Ainsi que ces 
mots racomptoit. Je commenqay ä m*eslongner; Car s'on m*eust venu empoigner, Je croy 
quon m*eutt galU la teste, Montaiglon, Recueil IT 276, denn an die volkstümliche 
Verbindung von venir mit avoir dürfte hier kaum zu denken sein ; auf muH Vai 
alet querantf Karls Reise 279, verwies schon Meyer-Lübke III 320. 

' Ihres Auftretens im Altfranzösi sehen und anderen romanischen Sprachen ge- 
denkt Diez U3 149 Anm. ** unter Beruf auf Mussafia und Bartsch. Zur Lf>kali- 
sierang der Erscheinung s. Meyer-Lübke II 385 f.; Litteratur zu alten und nieucn 
Dialekten bringt jetzt Gertrud Dobschall in ihrer lobenswerten Dissertation, Wort- 
fügung im Patois von Boumois, Darmatadt 1901, S. 48 ff. Hier einige altfran- 
zösische, dem Osten entstammende Beispiele: En mnintes ferres sont er/, B. N. Ms. fr. 
15101, fol. 61 b; Leu teroie [je\ coneüz Por ce que partoz soi e««, Joufrois 2755, 
wo die Herausgeber mit Unrecht in soi esUm ändern wollen. 



198 Beurtdlungen und kune Anzeigen. 

Auf die iii (lern 'Bericht' erörterten EinzcllieiteQ gdie ich hier nicht 
iiäher ein; ich wende mich nur gegen die daselbet »orgetr^ene An- 
schnuung, dals bei der Bildung von eriembre iiufser Iremere auch timere 
beteiligt gewesen am, dns freilich in nr lamrx, Foereter, Erec 50JS, wier 
ne lameir, 0, Paria, Rom. XX 151, sowie in laint < limet, e. 2*. f. franz. 
Sprache XV^ 21, erhalten gewesen xu adn scheint, Angesichts der in P 
geläufigen Schreibungen /oiV, oiV, Mne {Hersog, llntereuchungen 15) für 
faü, air, laine halte ich croimenl (: aimment PI filr nichts andere« als 
eine graphische Variaule von eratmen^, einem Gebilde, das auch sonst be- 
gegnet, z. B. craimenl : atTnerU, GOniart VII 1222; 3. p. erainl. VII 4St8; 
je craim, Rose, ed. IT-SB, iwa; Chr. de Pisan, (Euvres po^t. 66, 5 {nelwti 
(T«7(tV, 72, 13); «■aw,Lfg.d'CEdipe,BTh6bes,Append. VII: S übst, «-a wie, 
Renar'l 18&11. Uer Diphthong nt hat hier natöriich den Lautwert f und 
it«Iit in den stamm betonten Formen für einfaches aus iV reduziertes e, 
ßo dafe sieh nlso zunächst für P die Beihc criement, n'ement, eraimmi, 
eroimeni ergiebt. Aua dieser Thatsacbe würde ich achiieÜBcn, dafe zum 
mindesten für P die Aussprache lon oi die Stufe oe, die Herzog Bericht (S 
für uneereo Dichter annimmt, bereits überwunde» hatte nnd zu <■ und f 
fortgeschritten war. Die frohen Zeugnisse für diesen Vorgang, die ich 
im Rom. Jahreeb. II 150; IV, I 219 mitteilte, vennehre ich hier um 
faceenl tOr /apoienl : eonqveroienl in dem burinmdischeii Ms. Additional 
ISGOt}, Arch. f. n. Spr. LXVII 26*, 22; inl, Mir ND. Chart. 5; requerU : 
Langaret, Ood. Paris SGIS; hiimiliet, La Tonr de Landry 165; tjatvt, XV 

i de Mariage 153; scaper, ISS (a. M5Q); tray < eredo : lairay. God. 




Beorteilungen und kurze Anzeigen. 199 

8^ii : soyt, Mist V. Teet 7851; perseverent : espatrent, Jub. Myst. I 196; 
s^irent : lievent, Jean Lemaire bei Ph. Aug. Becker 188; muire : ire, Mir. 
ND. Chart. 192, 14 u. dgl. der Beim zwischen Monophthong und dem 
zweiten £Iement des Diphthongen dem Ohre genügt; s. dazu Mussafia, 
Ze. f. rom. Phil III 249. 

Ebensowenig wie eroiment beweist aber auch der Infinitiv eremotr 
für die Mitwirkung von Hmere bei der Schöpfung des französischen Zeit- 
wortes; s. dazu meine Andeutungen Studien 13 Anm. und Arch. f. n. Spr. 
XCII 451; für mich ist sein Aufkommen lediglich das Ergebnis einer 
lokalen morphologischen Bewegung und steht weder zu timere noch zu 
dem jetzt von A. Bos, Les doubles infinitifs en roman: ardoir, ardre; 
manair, maindre etc. etc. Paris, Welter, 1901, S. 48, konstruierten latei- 
nischen Infinitiv tremCre in irgend einer Beziehung.* 

Der Verfasser ist leicht geneigt, Sprachformen, die ihm mit den sonst 
von ihm gemachten Erfahrungen unvereinbar erscheinen, als Erinnerungs- 
bilder lateinischer VerhaltniBse aufzufassen. Aber schon mit Hinblick 
auf die Volkstümlichkeit des Wortes wird es mir schwer, ofe P* für e/« 
< ala mit Herzog 15 als Latinismus gelten zu lassen, besonders wenn 
ich daran denke, dafs im Osten auch sonst a vor / bleibt, s. Apfelstedt, 
Lothr. Ps. 8. II, Hospital : tal, Myst SBern. Menthon 1893, und cUa ebd. 
in der Crestalt aule auftritt, z. B. Psaut. Metz 50, 185. Übrigens kennt 
auch die nach P. Meyer, Rom. I 423 von einem Champagner oder Loth- 
ringer geschriebene, ebenda veröffentlichte Handschrift des Bestiaire de 
Gervaise die Form als, 437, 834 ; 440, 1115. — Auch das a in agle < aquüa 
ist keineswegs lateinische Beminiscenz; da in P mouilliertes / gelegentlich 
durch gl dargestellt wird, so ist agle vielmehr als aiUe, die durchaus laut- 



* Die durch die PriUensformeu crotm, crainty crednt in Verbindung mit pari. 
crami für crimU, Snbet crainie für crten/e, crainmte Rose (Meon) 2795, crainsisU 
1213 (neben crtmioUy 1687, 3420), neben denen sich auch das fut. craimbra» findet, 
GQoiart bei God. VllI 2 249, auf rein mechanischem Woge geschaffene Annäherung 
an pkumdre etc. giebt weiterhin Veranlassung, dafs auch der Infinitiv sowie die 
mit vokalisch anlautender Endutag versehenen Formen der Präsensgruppe in der 
gleichen Richtung umgebildet werden, s. crcdndrt : actaindre, Mist. V. Te^t. 14599; 
: cemdre, Mir. KD. XX 53; craignent, Chr. Pisan, Long Estude 335, und die £nt- 
wiekelung des 2<eitworte8 auch sonst hinfort in den Bahnen verläuft, die ihm von 
»einen neuen Vorbildern vorgezeichnet werden. Dahin gehört die Neuschöpfung 
des perf. eraigmiBf sowie der für craindre von mir Zs. f. rom. Phil. VII 60 nur 
kurs gestreifte Übertritt des sekundären d in die Formen mit vokalisch anlautender 
Endung; vgL crmndoit, Erec (Prosa) 293, 7; craittdoienty 271, 10; craindent^ Cliges 
(Prosa) 293, 20; otamdant, 316, 41; craindoitnl, Phil, de Vigneulles Gedenkbuch 6, 
eraimdif, 40; eramdeg, Montaiglon, Recueil X 313 (a. 1526); V 77. Ich bemerke 
noch, dafs das hier von crmndre Gesagte auch von pritmbre^ giembrt (jaindre : 
attamdre, Anc. Th. III 348; nfirz. geindre] gient < genUt : tierU, Renart 19166; 
: vitmt, Mont. FabL IV 167; gemmanZf Job 465, 476; geindeux für geigneux, Scheler 
£. W. 8. V. geindrty, vielleicht auch von raiembre (raaindre, part. racdnty mint bei 
God 8. V.), weniger wahrscheinlich aber von dem aus freinst (Var. fremü)^ Bnzon 
156 (». «neh meine Studien 51), xu erseht iefsenden friembrey ßreindre zu gelten hat. 
' Auch in T begegnet es einmal 6441, wo P tUs hat; ich wttrde die Form 
mit a getrost in den kritischen Text einführen. 



20O BeuTtoIungeD und knrze Äiueigen. 

gerechte Entwickelung aui aquHa, zu veratelieD, die so oder als aisle mehr- 
fach, z. B, SBern. T 213, 9; 201, 74 und wiederuo» in dorn Beatiaire de 
Qerraise, Rom. I 137, 831, 862 begegnet; ich wQrde demgemäfs agle oder 
aiile in den Text eeteen. — Wer ferner Toblers Erllrl«ruuge« über den 
Aecusativ mit dem Infinitiv kennt (b. Beiträge 1*88), wird Bedonken tragen, 
das Auftreten dieser Konstruktion auf franzöeiBchem Sprachgebiete mit 
Herzog 31 rGckhaltloB lateiniBChem EinfluBne zUEUschreiben ; ich möchte 
dabei hervorlieben, dals eelbat DberaetEungen lateinischer Vorlagen sich 
gelegentlich dieser Ausdrucks weise bedienen, ohne dafs der Wortlaut des 
OrigiDoIs, wenigstens nicht unmittelbar, vorbildlich wirken konnte; man 
vergleiche Quar il lo eomenxat a tlire ettrt faindmr, et par an ttilain mol 
a crier lui rstrt deeeueor, fci demostreuet deuanl Ifg oet des hommee »oi 
oreir par Irois jor» et par Ircri» nuix mit Nam hune litnulalorer/i dicer«, tt 
uerbo ruttico eoepU impostorem elamare, rjui se Irtbua diebus et nootihui 
orare ante oeuloa }iominum demotutraret, Dial. Greg. 132, 23. Neben- 
her will ich bemerken, daTe Innerhalb dieser Eonstruküon auch der 
Infinitiv mit de möglieh ist; bo s. li. bdm Nominativ mit dem Infinitiv, 
wenn im regierenden Satze parier an die Stelle von dire tritt, so dafs man 
neben Le teinpa est diel estre pire de la virife, Anc, Tb. VI 224, nagen 
konnte Cur eous sa/'ei ftien que festoye parlee de marier ^ a tel oii a tri, 
XV Joyea de niamge U (a. 1150). 

Som^t habe ich folgendes zu bemerken: 

S. IG. Aus der Reihe der Fülle, in denen vortonige« u vor Nasalen 
durch e vertreten wird, mufs ordena ausgeschieden weri]en, weil da« e hier 




BeurteUungen und kurze Anzeigen. 201 

▼on denen ich unter Hinweis auf Tobler, Versbau ^ 46 im Born. Jahresb. 
II 151 und Anm. 65 eingehender gesprochen habe?* 

Die Schreibung von chiep, reehiep < eaptU erinnert mich an sap < 
sapto, SBem. T 116, 84; 158, 18; 840, 14 u. ö., das in den burgundischen 
Nouy. fran9. du 18' si^cle 47, 71 wiederkehrt und, weil conj. saee auch 
estaee von esteir zur Seite hat, neben sich eatapei, SBem. T 204, 57 ; estappet, 
149, 17 (stei); stapiex {stetis), 386, 51 hervorruft (s. dazu kalabres. aiapimu, 
ttapiti, Meyer-LQbke II 260). 

Die dgenartige Neigung, die Gruppen ntr, mpr, mpl, ncl, Itr (?), rtr 
durch ndr^ mbr, mbl, ngl, Idr (?), rdr zu ersetzen, wie sie in Mac^ rombre 
sichtbar wird, brachte ich bereits im Boman. Jahresb. IV, I 219 Anm. 224 
zur Sprache. Den dort gegebenen Beispielen füge ich hier hinzu des- 
rombrej Dolop. 848; essamblirf God. III 567; englumes, Mont Fabl. II 127; 
englin, L^. Gir. Bouss., Rom. VII 228; englinte, S. Bern. T 78 Anm. 
Könnten nicht pertris < perdicem, Mont. Fabl. I 188, sowie rintrent < 
renerunt, Anberon 990, Bedenken erregen,' so läge es nahe, tordre als eine 
rein mechanische Weiterentwickelung aus tartre aufzufassen, die unter 
dem Einflufs von mordre und sordre festen Fufs gefafst hätte, ohne ur- 
sprüngliches tartre gänzlich zu verdrängen. Dafs sich tortre wirklich 
findet, bezweifein Meyer- Lflbke II 196 und Körting Formenbau I 210 Anm.; 
doch ßnde ich den Infinitiv bei Egidio Ck)lonna, Gouv. des Bois 74, 40, 
sowie bei Montaiglon, Becueil IV 274 (16. Jahrb.); tortroü, Anc. Th. I 161, 
tarteroj III 365; tortre, Rab. Pant. III, XLV; estarty bei God. III 624 
(a. 1397;; tortaient, Prosa-Perceval 116; detortent, Nerbonois 4282; deator- 
dent : empartent, Flor. Blanch. 2814.' 

8. 18. Dafs in enreehir (vgl. enreckit, SBern. T 91, 26; enreehist, 
Ezechid 103, 17, neben contrederttf 64, 6; enreki, Ad. Halle ed. Berger 8^, 
VI 9; enreehir, Biausdous 2879,2884,8679) der Tonvokal auf das stamm- 
hafte i dissimiiatorisch einwirken konnte, läfst erkennen, dafs das Gefflhl 
für den Zusammenhang des Zeitwortes mit dem Adjektiv riche, dem es 
doch seine Entstehung verdankt, nicht sonderlich stark sein kann, und 
dieser Sachverhalt befremdet um so mehr, als umgekehrt oft genug der 
differenzierenden Wirkung der Lautgesetze innerhalb der verbalen Formen- 
biidung durch nachträgliche Einführung der in stammverwandten primi- 
tiven oder sekundären Nominibus waltenden Verhältnisse entgegengearbeitet 
worden zu sein scheint. Neben bekannte Fälle wie demeurer; fleurtr 
(fleurüsant auch bildlich im Mist. V. Test. 12952, 25766, 26228), fleuronner 
(flouronne, Jean Lemaire bei Becker 101); pleurer; pleuvoir (Subst. pleuve, 

' Reime wie aU : oubliee, e$l$ : donnee, sowie ein Heispiel für die einsilbige 
Mf^Muog der Endung ee im Versinnern bringt jetzt Tubler aus Sone de Nausay, 
Arch. CVU 120. 

* Man beachte auch tympre, Chev. Lyon 2353, neben gewöhnlichem timbre. 

* Ich merke an, daA neben andre < consuerey dessen d nach stimmhaftem .'» 
ebenso natflrlich ist wie der Wandel von i > d in cocorde, courd^ < cucurbito^ 
God. III 323, oder in revitder < risitare, HBord. 7330, Perc. 1851 (umgekehrt 
wandelt sich d > i nach stimmlosem $ in promoistre < jvroboncidvm, (tr>d. VI, 432), 
auch coBtrt erscheint; Tgl. costroU, Mir. ND. Chart. 96; Alcripe, Nouv. Fabr. 145. 



202 Bei rteilungen und kurze AnEeJgen. 

Chflna dA t 11 '^ Ren An:. 185 und meine Studien 66 Aiim.; eu 
pluy a Ral Funl I III c 3 aus /iluie gehört nuch das Adj. pluieux, 
Men lar II I! uO) }e er; peupler {puepla schoo Yde et Olive 6409, 
rfpifplee Oleom IIj 1 piepte*, Cor. Viv. i90ü, j)i«j)(«, Cygne 5506); äoiier 
(estefei Ret art 1*2 fsidee Munt. Fabl, II 941; loikr {vder, Foulques 

11 elee Ih M isk 137); toUer lerUesoye, Rfiae 14458; «ntoüa, Jean 
A \rras MeluH ne 32 ) prenner (e. E. Deechampa ed. TarM I 59, 85; 
H ^teihanus Hyijomneses 35; preuvi, Caq, Accouth. 190; Zb. f. fra. Spr. 
11 ) -n oyer alfw ackterer (s. Suchier, Zb. f. rom. Phil. VI 479); ra- 
n tauvel Jahrb ith VIII 443; ftoAltT; ehitrir, E. Deachamps I 86, 
IM n ndr r [ai a ndr m, Mist. V. Test. 27005); aivvgUr; empirer fflr 

n fif er t poi er TyJorel Rom. VIII 09,210; enrieülir {veilleaet, Guill, 
le (. lerr Ar h LXII «9 ül ; 39{), 1412) u. dgl. stelle ich weniger geliufigc 
UeBtaltuntcQ hip proie {prfda), Journ. Boiirg. Par. 251, neben preerenl, 
Pb Mo Rk 111 i '* jeurr Ad. Halle ed. de CoueHemoker 353, 358, >BUWW. 
< Ren Mout. 28, 26, Cj'gne 4352; tmererex, Mist. V. 

I lln r ed. 1735, 12106 (vgl. mod. dMieurrh; heneara, 

T i\eaA '»47 VI; fieuria- [febrü), Dial. Greg. 18, 9; 

achenir, God. I 54; chiennaitU, Gringoire II 280; 
d da \e n 111 4o tkclairex, Amadig liv. V 16", dairti, Rone. 

Fra III ' (li-et »r f raal 2378; aeeriainee, Marquee 113, sonat aeer- 
t'-net CT ges (Pro- ) 32' Subst. soiret (für geree, Chr. Pizan, Long Estude 
28j), curieusele^ ( . d Artoi^. .i ; graeieuxele, 138; ginSreutli, Vadd ed. Lecocq 
20i'; vgl. auch iiiorlhi für moiiU/i, Monin. Micbej, Th.fr, ni. i 173, wegen 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 208 

2047), die Beziehung zu quartier^ sorciery ehantiery chamier, carcery Fiera- 
brag 1994, 2044, einigermafsen gelockert. Ich erinnere ferner daran» dafs 
die Btammbetonten Formen von parier und araisnier {resniery Ph. Mousk. 
8^2), die altfrz. parde und areisune, Marie de France, Milun 434, lauten, 
unbekümmert um danebenstehende Substantiva zu parle, Mont. Fabl. I 12, 
Doon 75; parlent, Aye 17; Charr. Nymes 1060; Torn. Antechr. 99; Rute- 
beuf n 61; Psautier de Metz, Prol. 9; Serm. polt. 102, 205; Ly. Ysop. 
1076, 1728, 1848 (dazu Foerster 146) u. s. w.; araisne, JBlaives 309, 2322; 
aresne, 2083; araisttent, 861; aresne, Prise d'Orenge 1017, fortgeschritten 
sind, so daCs sogar neues raisne, ratne, rene, God. VI 566 neben raison 
lebensfähig wurde. Freilich suchten die beiden Zeitwörter andererseits 
wieder einen engeren Anschluls, als ohnehin schon bestand, an die ihnen 
verwandten Nomina, indem sie an die Stelle von araisnier und parier etc. 
neues aresoner, GBourg. 1419, areisuner, Marie de France, Eliduc 503, 
aretmne, SThomas 59* 28 (neben araisnie, 67^ 19), araisonnex, Gr. Chron. 
I 37 (neben areana, 148), und gelegentlich paroloity La Tour de Landry 26, 
paroia (Anfang des 15. Jahrb.), Rom. XIII 113 f., treten liefsen. 

Wie in touijaurs, das zu Henri E^tiennes Zeiten in der Form tourjou 
(neben iot^ou, vgl. dazu hon joux, Vad^, (Euvres ed. 1775, II 5) volkstüm- 
lich war (s. livet 386) und so noch in modernen Mundarten, z. B. in 
Dinard, Bevue hebdom. No. 56, 463, 469, erklingt, wird r vor Konso- 
nanten auch sonst eingeschoben, ohne dafs in jedem Falle die Annahme 
VCD Assimilation zulässig wäre. Zu den von mir Zs. f. rom. Phil. XXI 
552 Anm. beigebrachten Bellen geselle ich escharfauUy Mist. V. Test. C III 
3S1 {escherfauÜ A); memingite, Georges Courteline, Le 51*^ Chasseurs 74; 
ffarxauiüage, feurliage, Vad^, J^rome II 4; iquirlibrey II 5; immorler, Ni- 
sard, Etüde 425; tmanirmite, Thdatre de Guignol 251 ; je rerg^e (v^gfete), 
321; margnetiseur^ 323; an Steile von ursprünglichem s steht es in ar- 
nes^e, God. VIII 2 204; fantarqtie, im Patois von Puybarraud, Revue des 
Patois II 196; minirtrey II 212; jurtey II 271; pcrte, III 201; mouriache, 
III 204; arpeee < espeee, III 205; vielleicht auch in lothr. murguet {muguei)y 
J. Aubrion 50. Näher zu tourjours stellt sich mermaircy Vadö, Pipe cass^ 
III 11; marmoirey Nisard, Etüde 385. 

DaCs in tombleau das / sekundär hinzugetreten sei, ist mir bedenk- 
lich; ich wüfste nicht, dafs unter den gegebenen Verhältnissen je Ein- 
schub eines l stattfände. Eb bleibt mithin nur übrig, das Wort als eine 
Ableitung von dem in der alten Sprache hie und da, z. B. bei Ad. Halle 
(de CouBsemaker) 416, anzutreffenden Simplex iomble aufzufassen, das sich 
zu iombe verhalten kann wie caple zu capey Aiol 6009, eine Wortgestalt, 
der Foerster 482 eine nicht geringe Zahl analoger Fülle zur Seite zu 
stellen weife; andere wären principlej Prise d'Or. HO; Urracle : miracle, 
Parten. 10027, 10375; demoniacky La Tour de Landry 70 (vgl. je demo- 
niacle : oraele, Bonsard VI 380) ; patriarclesy RClary 55, patriacle, Jean de 
Stavelot 431; Ärahle : esperitabky Jub. Myst. II 80; Arablois, HCap. 118; 
Ardoffles (Adolf), CJhron. norm. XIV s. in Soe. Hist. France 205, 3; triimfle, 
MontaigloD, Becaeil IX 309; ipitafle, J. Aubrion 170; und noch im Neu- 



204 Beorteilungen und kurze Anzeigen. 

burgundischen nnisicle, H. B{ert.hitiit), ConteiJ etc. eu idiome bourguigoon, 
EHjoo 1885, 12, 12ü, und vulgärperidiech harangk, Niaard, Etüde 838, 341; 
mlabk,U\; a eott de tromple, 841; At«;:« (Ostern), 337 ; Pitple,3m. Übet 
die Artdkulationeetärke dee l hinter Eoneonaat unterrichten Rdme «ie 
oncUa : adonkes, Ph. Mounk. 15332, 15924; articUs : obliques, Qod. Paro 
30B1; artiele : eaiholtque, Couldrette, MelliiBine 621; ariicle .- apligue, Jen» 
de Meuug, Tr^or III 334, nie ja neufrz. lempe, guimpe, ange oUfrz. tempk, 
tanpk, Erec 938, Elie 2180, Gaufrey 1 10, Ane. Th. VI 277, guimple, Chans. 
Ant II 765, : simple, Vicil. 36, angele {angUs : estrangea, Couldrette, Mellu- 
sioe 347, angts : meaunge». Kose 900), entsprechen ; gleicher Art ist pc^alx, 
Joiirn. Bourg. Paria (Laianne) 97; aimabe, Coppöc, Cure de Miaferc, Bev. 
hebdom. No. 30, 378, und altfri. yde, God. IV 539, für idele, ydtes, Dolop. 
421, und aus neueren Mundarten guiihe < diable, Nisard 331 ; nsfsarnbe < 
ressamble, 3;17. Wie dem auch sei, den Beilenken, die eieh im Uinbütk 
auf dan OeBohtecht von lomble sowie auf die Lautlehre gewineer Mund- 
arten gegen die Vermutung erheben, dafs dns Wort, das auch in der Ge- 
stalt lombre vorhanden zu sein acheint (vgl. /wirM, Proaa-Clige» 334, 8, upd 
dazu Foerster, Öliges i 353),' in Beziehung zu Int. tuniulua stehe, liebe sich 
dieADnofame entgc^nhalten, dafs ef> aus einer Kontamination von htmla 
-\- btmulua hervorgegangen sei.* Die schon in der alten Sprache begeg- 
nende Deminutivform tomhfl, (ombiaus ist Qbrigene ebenso leicht an tombe 
wie an lomble zu ketten. Denn der Weiteron twickeluog von lomblel. dan 
ich nur noch aus Flor, Blanch. 54-1, S53 und der Legende de Girard de 
BoUHHillon, Rom. VII 209, 2!I, 210, kenne, und aus dessen Nomlnadv 




BenrteiluDgeD und kurze Anzeigen. 205 

T 159, 27 (dazu A. Schulze 400); renterons zu renireronsy Cygiie 8938; 
eonkrok zu cantrerolej s. meine Anmerkung Zs. f. rom. Phil. XXI 547. 

Zu earpe < culpa s. meine Ausführungen Zs. f. rom. Phil. XXI 551 f.; 
es iBt ein Wort gelehrter Herkunft, in dem sich / erhielt (s. eolpe, SBem. 
T 322, 16) und, wie auch sonst unter gleichen Verhältnissen, in r fiberging. 

Was ich Ton der Annahme des Überspringens eines / oder r in eine 
vorhergeh^ide Silbe halte, habe ich vor kurzem im Arch. f. n. Spr. CV 
447 L dargelegt. Neben Mac^s pleupe < pi^pulus erscheint wallonisches 
pfe/) < pöpulus,* 8. Scheier-Grandgaguage II, XXXIII, und neulothr. projt>e 
bei Adam, Patois lorrains 41; die Zwischenform pleuplee steht im Ms. fr. 
B. N. 792 fol. 4®; gleicher Art sind clapent für caplerU, Anseis 464, 15 in 
dem franko-italienischen Ms. C; escarblonqeSf Aliscans 8013; esplingtte,^ 
Alcripe, Nouv. Fabr. 156; bhuques, Fierabras 24, und analogisches blouques 
für boucliSf Ner^e Qu^pat, Chants pop. messins 8 ; eselofle für escofle, God. 
ni 410; tremples (Schläfe), Par. Duch. 80, für *tlemples^ (vgl. dazu das 
Subst etremplee bei God. III 671); ferner presii für pestri, Band. Cond^ 
111356,44; wallonisch prusH, Scheler-Grandgagnage II, XXXIII, de- 
pretiris, Variante für depestris, Rou 4021, lat. pristinum bei Georges s. v. 
pisirinum; aflubee, Foulque de Caudie 127, aflt^a, 132 u. dgl. mehr; an- 
dere Fälle bringt Tobler, Sitzungsb. 1896, S. 866; verwandt ist auch lat. 
plublieare nebst der frz. Übersetzung plublier in einem Iat.-frz. Glossar 
des 13. Jahrhunderts, Zs. f. rom. Phil. IV 370, wo Stengel Schreibfehler 
annimmt, doch erscheinen die Reflexe dieser Neuerung in italienischen 
Mundarten, s. altgenuesisches pluvico^ Meyer -Lübke, Ital. Gramm. 164, 
auch sonst heute veraltetes piuvicare. Das in Mac^s proveiS < povrete 
enthaltene Adjektiv prove erklingt als preuve noch heute im Burgundischen, 
8. H. B(erthaut), CJontes etc. en idiome bourg. 12 (auch prett für petri, 
Glossar). 

Die in dagron für dragon fühlbar werdende Wandlung erinnert mich 
an espevrier, Claris 10416, 19512, für espretnerj Viol. 198, aus espervier. 
Man beachte, dals in beiden Fällen das r aus der unbetonten in die be- 
tonte Silbe übertritt, und dafs damit ein Zustand geschaffen wurde, der 
in feblir, prov. ganre, P. Meyer, Recueil .'»5, 114, penrai, postravü bei Hei- 
der, Beitrage zur Typologie 91 (span. postrado)^ durch Schwund des ersten / 

' Nach Meyer-Lttbke, Kinftilirung 139, ist ploppus vielleicht schon lateinisch. 

* tjtplifiga heute in Nizza; s. SUtterlin, Die heutige Mundart von Nizsa, Rom. 
h\^TMh. IX 341. 

' Nicht anders erklärt sich meines Erachtens die dem Lyoneflischen und Ncnen- 
bnrgiscben eigeDtttmliche Entwickelnng von tabula > Irobla, ntuplln > etrobloj etrubla, 
daphan > drobli] 8. Meyer-Lübke I 485 {a. einmal droblei bei God. II 755; und 
daraas mit Metathesis des r seltenes ilorblierj Cygne 13349); zu ihnen geselle ich 
aofser prov. jitblt <. ßebileiUf frebla, Boethius 146, auch ßondres < fundttJa, Doon. 
319, horde fttr bmdtf Alix., Ms. de Vcnise 766; charpler für chapler, God. II 63; 
(». neolothr. jßorpt neben propt < pöpuh^^ Adam, Patois lorrains 41). Ob chn- 
pUirt <Z eapittiJum^ daa bei Qod. IX 44 mehrfach belegt wird, eine Folge von 
* ckapUÜe oder ^chapritre sei, ist schwer zu sagen; die erste Möglicbkt'it wird ge- 
stQut darch die Reihe icandaluntf escandele^ escandle. ^tsclandUf e^clandre, die an- 
dere dorcb clabro < crabro, Dies, E. W. 41 s. v. baratlo. 



206 fieiirteilungen und kurze Anzeigen. 

('(ier r «rreit'Iil wiinle. ICiiie Voratufe 'dragron, 'etpreirria- mmiBCtzen, auf 
ileren Vorhand tntieiii etwa proprose für propose, llle 3078; interpretroit, 
Rabelais, raiitagruel, lib. IV (ed. Louis Bair^) 344, hindeuten könote, 
scheint mir freilich oiuht vonoiiten, denn das nach Eintritt der Diaaimi- 
Ijitiun ' zu Recht bestehende Nebeneinander von /feie und feblir und der 
iildliiUil in beiden Richtungen »ich bethätigende analogische Ausgleich ku 
f,-hl.: !':>! I. (SlOS und Ikbir h. aftebU, flebü, Mb. fr. B. N. 15101 fol. 22'' (b. auch 
fumilc üiT /!amble, God. IV 20; orifamble, Nerbonois 137, 738, 6549; fam- 
blit; ;iiib5; fanbtoia, 3240, 6543; gondre für c/rondre, God. IV 366; penn, 
M'lten pendre, Joufroia 181, 936, für prendre; puire, Dit du courtflis Don- 
neur, MÖliiuges Wahlund 57, 15, für 'pruire, wenn der Infinitiv puiritr, 
auB dem Ant rrüsciia abstrahiert sein mufs, lat. ' proeirare fortsetzt, ivte 
Tobler, Mitteilungen I 2i>ü vorschlägt); prov. /lesfrs, Suchier, Denkmäler 
I 353, Fierabras 31, 1212, fQr preatre) genügten vollkommen, um auch in 
nufsens teilenden Frdleii wie dagron den berührten Lautwandel zu ver- 
an lassen.' 

S. Sil Zu dem neutralen Subjektspronomen o, al, dae ich, übrigens 
nuch als nom. nia^c, im 16. Jahrhundert bei Bonaventura des Ferien, 
Kouv. R«'cr. (^d. Lncour) II 32 — 35, und in noch jüngerer Zeit sehr hSufig 
bei Itujenud, Chants et vhansons pop. des provinces de l'ouest, angetroffen 
lial>e, verweise ich auf G. Paris' auafübrüche Unters uchunjren Rom. XXIII 




BeurtdluDgen und kurze Anzeigen. 207 

dicht neben putsse, Oleom. 18210, trutst, voist für iruisse, voise, oder eon- 
duüi für eonduü, eonduüe, Man. Lang., Key. Grit. 1870, II 386, 389. Dafs 
das analogiscfae e in der 2. s. conj. praes. der ersten Konjugation früher 
auftritt als in der 1. und 8. Person, ist öfter beobachtet worden; vgl. Ivan 
Usdiakoff in den M4m. de la 80ci6t^ n^-philol. ä Helsingfors I 131 — 36 
und dazu Boman. Jahresb. II 148. 

Wenn deriy wie ich nicht bezweifeln möchte, wirklich an dare -f- habeo 
zu ketten ist, so darf man doch nicht mit Herzog das Vorbild der beiden 
in ihrer Struktur nicht ganz gleichartigen Futura ferai und eaterai (besser 
äeraity Psaut Metz 69, 8) für den ungewöhnlichen Wandel des tonlosen a 
der anlautenden Silbe zu e verantwortlich machen. Der Fortschritt von 
daraiy das so in den von Mussafia und Gärtner herausgegebenen altfran- 
zösischen Prosalegenden 178, 17 erhalten ist, zu derai erklärt sich viel- 
mehr als eine Folge derselben Bew^ung, die auch farai, *8tarai zu ferai, 
siertU umgeschaffen hat. Nach G. Paris' (Rom. XXII 570) ansprechender 
Vermutung aber trat ferai lautgesetzlich zunächst nur in der dem Fut. 
Ittverai konformen Verbindung jo ferai ein, um dann. Über seine Schranken 
hinauBgreifend, auch in die Sphäre von farai einzudringen. Die Schrei- 
bung darrunt, Hist. Metz III 2 179; darrai, SBern. T 99, 6; darras, 
88, 138; darrit, 189, 85, kann nicht erheblich stören, da der Bernhard 
auch porit < videre -f- habet, T 19, 39, kennt. Immerhin wird sich darrai, 
auch wenn man nicht den bei Corssen, Ezechiel 12, für diesen Fall so 
schwach begründeten Ersatz von on durch an als zulässig anerkennt, bei 
Ansetzung der Reihe donrai, denrai, derrai, darrai ohne besondere Gewalt 
als zu doner gehörig bereifen lassen. Dagegen wäre aber einzuwenden, 
dafs dem Bernhard T sonst begegnendes dener für doner nicht geläufig 
ist (s. doner, 118, 45; donanx, 36, 17; doneies, 82, 15; pardonrat, 85, 31 
und so stete), wenn auch die Möglichkeit der beiden letzten Glieder der 
Reüie durch Gestaltungen wie iarrai (tenra), T 323, 22 ; covarrit (conrenra), 
9, 69; entarriez (enterriex), 105, 51, entarrit, 19, 40; soffarrit, 326, 18; var- 
nna (pemm), 95, 53, vollauf bewiesen wird. Aus dem seltsamen Futurum 
^bmu für dabis im sogenannten Fredegarius, also in lateinischem Text, 
schliefst Oskar Haag, Rom. Forsch. X 889 Anm. 1, dafs dare zu des 
Chronisten Zeit in Nordfrankreich noch volkstümlich gewesen sein mufs; 
adarrabo im Fredegarius ist nach Haag eine Kreuzung von dabo und 
dare + habeo. Einige weitere Spuren von dare (part. drcondee, perf. eir- 
wndä) habe ich im Arch. XCII 464 nachgewiesen; einen Infinitiv cir- 
emder verwendet der 1577 gestorbene Gaskogner Blaise de Monluc, ob nur 
als Beminiscenz an heimatlichen Brauch, wie man nach Lanusse, De Tin- 
flnence du dialecte gascon sur la langue fraD9., Paris 1893, 309, glauben 
sollte, habe ich schon im Roman. Jahresb. II 166 leise bezweifelt. Mit 
Hinblick auf die in irox, SBern. T 317, 13; benox, benote, 11, 92; conos- 
senty 316, 10; iroverox, 297, 53; dessovreiii, 312, 23 u. dgl. vollzogene Re- 
duktion von (H zu fäUt es mir übrigens nicht schwer, in dem in dein- 
selben Denkmal T 112,99; 386,90 stehenden Conj. praes. dost, den im Texte 
um ein n vor dem b vermehrt zu haben Alfred Schulze S. 407 zu meiner 



JfiS l'e urteil im gm und kur^e Anzeigen. 

Frruile iiHi:lilnit'lii.'L btdauert (Hr-il n vor s auch souet häufig BcIiwinde-~ 
einen Rest des von Meyer-Lübke II 200 als za dare gebörig voriiiutetecrTa 
Jiber als nicht überliefert bezeichneten Konjunktivs rfoi'se wiederzuerltenneÄ::^ 
Ueht übrigenE darrai im Bernhard wirklich auf dare 4- fiabeo zurück, ^^^i 
ist perdarrit, eb. 87, 46 ; pardaminl, 263, 8, von perdoner («. pfrdonnt 35, 3 a. ) 
»Ib leicht erklärliche Nachbildung zu begreifen. 

B. 23. Dom überaua seltene Futurum dorbri zeigt, dais die von n««r 
Studien 39 angesetzte Beibe dormirabfo. äormrai. dormhrai, liarbrai nid»t 
überall, wie ich annahm, auf der 8tufe äormrai, die in walloaiachen 
doim're, Deiaite, Le terbc waJlon 5ii; Doutrepont, Tablean 9b, vorliegt, 
stehen geblieben ist, eondern voUetÄDdig durchlaufen wurde, ehe die Dm- 
bildung auf der Grundlage des Infinitivs eintrat. 

Die in meinen Studien Gh ff. berührten Tha(«ach«D lehren, dsla die ■ 
Einführung des betonten PrSaensstamines in dos Futurum von rtnir nicbt I 
aus dem von Herzog angenommenen Grunde vorgeiiomuicn wurde, dean 
man scheute eich nicht, z. B. zu acMmra». Mir. N. D. XXXVIII 1230. 
oder doibvroyent, Montniglon, Eecudl VI 37, fortzuschreiten, wiewohl in 
altem aehereraa, lierroient irgeod welche lautliche Abweichung von dem Amt 
den übrigen Formen geläufigen unbetonten Stamme nicht zu befQrcStai 
war, wie etwa in reiidrai. Seltsam ist das fut. rirtdri;' doch kenne teil 
prrtinir schon aua 9Bern. T 18, 25 und vinire aus dem sogenannten Frede- 
gariuB, B«m. Forsch. X 853i im Neu wallonischen erklingt neben tirt aiirli 
Uni, rini. fut. liiirf, vinri, s. Doutrepont 82 f., und in Centralfnukrekh 
eonrindn-, Jaubert, Gloas. C. Fr. 1 273, oder mindre, 114 18, teinn, II 355, 3«. 

Aus der kurzen Mitteilung Herzogs läfet sich nicht ermess«!, ob 
diaertrd in T wirklich 'unzweifelhaft falsch' sri; in der Frwiche-ComlÄ 
bekam man liserent, dUertnt tu hören ; 8. Ctischke, Die Fcrteotbildung der 
starken Verba der si-Klasse im Französischen, Pisa. Ureifswald ISSti, 6. 1l>; 
man vergleiche damit destruüereiU, Mon. Ouill., Arch, XCVIl 24ä; tmät- 
renl, 244 ; pandatnl, Brandes, Vtaio P&uli 97, und vieles uidere, Stndieii SS 



Beurteilungen und kurze Anzeigen. 209 

Gebrauch von devoir, laissier etc. S. 32, die eb. 8. 36 aufgeführten Erschei- 
nungen. Ist des Verfassers Meinung aber die, daTis, solange tabour mit 
laotem r im Bewulstsein der Sprachangehörigen lebte, der in tabouler 
wirklich vollzogene Lautwandel ausgeschlossen war, so halte ich ihm 
entg^n, was ich oben zu enreohir angemerkt habe. Ich beurteile 
tabouler bei lautem r der Infinitivendung wie ensorcder, esquarteler u. dgl., 
denen yielleicht auch modernes melu {mirovr) bei Puymaigre, Chants pop. 
rec. dans le pays messin, gloss. 471 (vgl. meleur < miratorem, Ezechiel 
75, 32 und dazu Corssen 18, 27), zugesellt werden darf; entstand es aber 
Wtj nachdem er zu e vereinfacht worden war, was insbesondere für Mac^s 
Knndart denkbar ist, so genügt der Hinweis auf celise, Amis 573 (selef 
heute in Bournois, s. Ch. Roussey, Cont. pop. du Boumois, Soc. pari. Fr. 
1200); Oalyny Zs. IV 364 ; matelas, Men. Par. II 267, für maieras, S. d'Angl. 
P 85, 300 ; Katdine, Ph. Mousk. 1 1485 ; der Kindersprache eigentümliches 
amelai für aimerai, Gabriel Guillemot, Maman Chautard 49 (vgl. dazu 
dag Verhalten der Kinder in Arr6ns, Rev. pat. IV 232). » 

S. 24. Zu peüiquant vgl. Georg Cohn, Sufftxwandlungen 143; zum 
Präfiztausch merke ich an aus dem Vulgarparisischen inducation, X. de 
Moot^pin, Dame de pique II 58; Vad^ III 26; insperianee, III 8; tn/b- 
9tien«e, III 21 ; invanouir, III 16 ; entaU (avale), M. Sand, Th^t. d. Marion- 
nettes 235. 

8. 25. Das Geschlecht von sort schwankt auch im Münchener Brut 
654, 865, 2629 und dazu die Anmerkung 8. 109; aus seiner Verbindung 
mit son ist das Greschlecht von estole nicht mit Sicherheit festzustellen ; 
zu maliee vgl. Foerster, Aiol 1711; Alton, Marques 150; Mussafia, Rom. 
17,441; zu pourpre Vaugelas I 16; zu mervoüle Foerster, Cligesl 341, 836. 

8. 26. Die in der syntaktischen Gestaltung des weiteren Verlaufes 
der Rede sich bemerkbar machende Gleichsetzung von neutralem tot mit 
totes ehoseSf* indem auf tot der nom. plur. fem. bones bezogen wird, ist ein 
echt volkstümlicher Vorgang; mit ihm verwandte Erscheinungen wären 
etwa a tous les atäres jousteront Ki defors nommer se feroit Et pour jouster 
Venus serait, Sone von Nausay 1173, wo feraii, seroit durch die Gleich- 
Btellung von Ums les atäres mit cascuns gerechtfertigt erscheint; s. dazu 
Ooldschmidt 586; et fu tous nus fors dune pel de beste quil auott vestue 

* Übrigens war durch Einschaltung eines sekundären r, wie sie unter Zustim- 
maog Foersters, Zs. f. rom. Phii. I 564, aber gegen G. Paris, Rom. VI 129 ff., 
mehr&cb von Tobler (s. Rom. II 244; Zs. f. vergl. Sprachforschung XXIII 414 ff.; 
ZQ Aiol S. 474, 4309) angenommen wurde, leicht zu tabourer (und daraus tabouler) 
rarOckxugelangen. Moderne Mundarten, die der Mac^ zum Teil nahe stehen, ver- 
fahren ebenso; so erklingt in Centralfrankndch sangsurer (poser des sangsues), Jau- 
bert, Qlofls. C. Fr. II 305; im Neuburgundischoii chourette fttr couette < cauda, 
Dr. B(erthant), Contes 41, und im Patois von Ardena hört man kaukarua (Ür 
knuka üa (qoelqa'nne)i arö fQr a ö (ah nui), demarani fUr demä at sd (demain au soir), 
Rev. Fat IV 232. 

' Man denkt einen Augenblick an die Übersetzung von cuncta durch totes in 
i7 eAtat outrUmemt totes etlre ahi com tu offermci* = sie cuncta esse, ut asseria, con- 
sfeU paiemter, Dial. Greg. 100, 5. Zu afl und ali things bei Byron s. Jetzt Herr- 
mann, Progr. 12. Realsch. Berlin 1902. $.11. 

ArebiT f. n. Spraeben. CIX. 14 



210 B«nrt«Unngm und kmw Aamigat. 

entor lui in der jOogat Ton Bndolf Toblcc rarSftButlkhtan 1 
der Legfflide vom hdligen Jnliut, Aich. CVU 88; <( «mpe^Hwma FU^ 
par la main, Uquel Mtoü atuti tmd mtd fon gm J'nfHt tktmim tt «Tw 
bomut qu'Ü avoü lattt »euiUmtiti, PbiL de ^HgiuaUM, GsdenkboBh 47, « 
beiden Erzählern mu gleichbedeutcod ist etwa mit tl n'aalaä ofUHa; I 
J'aymeroye mieuix de atn aoru Dt femtme, U tam^ ttiwmir, Anc. Hl I S 
eracheint die Ordnung wieder hergestellt, sobald man tax die Btdle tc 
aatu etwa dipourvu odo* ntif treten llftt (m dleiam Oehiandi von mi 
vergleiche mui ührigenB Diei, E. W. 202, niid I^Hr, Fehler und Lfiofa 
in der Li Bennon Salat BemAft benannten Predigteemmhing 111 &). Wn 
Victor Hugo seinen Don Cdur bdm Auftreten der Dnhgne mgm Üb 
D'ordinam une vieiäe m amume» «tMjiHNM, B1L7 BUa IV 4, lo adgt a 
deb ewüte für neiUe /emne stdit. Ich erinnen auch an die Tannndiu 
des AdrerbiumB tn in Fällen, WO ea nicht auf einen n^ier undTBcUli 
genannten, wohl aber aiu dem thatvichlicb gewihlten Wortlaut barai 
sich mübeloa in das BewulatBcin dringenden Begriff sort^welat; mi 
sehe das aitfrauzSsiache Beispiel (Aliao. 166) bei Totder, Beiferlse I> ll< 
und die beiden Belege ans der modernen VoUaMpradie W Bede IS 
Nicht minder fltwmechend wirkt das Auftreten acddwe <n in Fflgungi 
folgender Art, wie aie der Bchriftsprache seit JahrbnndertMi gdfaifig alwl 
Voua voyex que je ne puie aroir ung mofy »don la maüoK eToA jis aM 
et que j'ay tou^ourt fuy eeiäx qui tont beaubc et Jeimet, de paomr de temh 
aua ineonvenims oü ftn ay reu ifautree, HeptamJron (ed. Jacob) 164 
Quand je pente qu'ila pourraienl ine prendre Laurml! . . . Cfeet erat $«'«1 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 211 

Da.ch meinem Behagen'; derselbe Sachverhalt liegt vor in Pour cela vous 

CLfex Üi bien malade; mais pourtant fen accouehay hier une, c'estoü bten 

aM€ire chose : elU a eti plus de six heures en son grand malt Eki. Fonmier, 

Var. hist. litt. IX 171 (a. 1681), oder in neufrz. Fällen wie ü y en a done 

un qui ne m'a pas oubltif worauf die Antwort erfolgt il n'y en pas rien 

qu'vn (so); m'sieu Pierre . . ., il y en a deux, X. de Mont^pin, Beeret du 

Titan II 270 ; e'est la destinie de la courtisane . . . d'en sidutre centy pour 

Hre Uduite ä son tour par un seulj Albert Samanos, Vie qui brdle 231 ; und 

auch in dem Gef flge eile . . . dist qu'eUe ne croyoit pas que son maisire . . . 

se amusast ä regarder une chose si layde qu^elle, veu que^ au chasteau oü 

il demeuroü, il en aroit de si heiles qu'il ne faUoit point en chereher par 

la tüle, Heptam^ron 288, wird niemand in chose die Gattung erkennen 

wollen, aus der vermittels de si helles que bestimmte Einzelne ausgesondert 

werden sollen. 

S. 27. Was der Dichter mit der Wiederholung des in estoit ausge- 
drückte Verbalbegriffes durch fu in dem Satze Qui estoit ne qui fu ee 
donques Don fS viande receue? beabsichtigt hat, ist mir nicht recht ver- 
sUndlich; auch Herzogs Deutung: 'wer war es und wer erschien?' kann 
oüch nicht befriedigen. Auch im 16. Jahrhundert findet man Le Roy 
pna fune des prindpaUes de danser avec luy, et les autres dansoient ei 
flomirent arec les nobles Chevaliers et gentilshommes estans ä Vassemhlee 
^ 84bastien Moreau aus yillefranche(-8ur-Sa6ne), Arch. cur. de Phist. 
de France, 1 ^^ s^rie, tome II 304 ; oder in dem Epitaph der Anthoinette 
du Chesnay Aux indigens et porres charitable Fut et estoitj et en dietx veri- 
M, Roger de Collerye 280. Sollte die seitsame Erscheinung nicht eines 
Wesens sdn mit der auch sonst vornehmlich in volkstümlicher, durch 
^eJDerlei stilistische Vorschriften eingeengten Rede zu Tage tretenden Nei- 
gung, mit der Fülle verschiedener für die Gestaltung eines und desselben 
Gedankens zur Verfügung stehender Ausdrucksmittel einen gewissen Auf- 
wand zu treiben, wo eines von ihnen vollauf genügen würde?* Fälle 
f^n lexikalischer Art, wie sie Herzog S. 18 aus Mac^ selbst beibringt, 
^md wie sie vorliegen etwa in L'espee nue u pong, qui reluist et respleni, 
Doon 34; Ä une eglise en fait le oors Mult richetnent ensevelir (in ein 
I^chentuch hüllen) Et enterrer et enfoiiirj GPal. 2434 ; Et eil lor requie- 
'wi/ et prient, Öliges 2152 ; se festina et hasta de faire, Aimd, Yst. norm. 57; 
/oy erainte et peur, Roger de Collerye 246 ; n'elx et antis, s. Alfred Schulze, 
Arch. f. n. Spr. CII 224 f. (auch ital. amico stw recchio e antico, Man- 
tova, Novelle 19), berühre ich nur nebenher und betone, dafs auch zwei 
/ormal verschiedene, in ihrer Bedeutung aber gleichwertige morphologische 
oder syntaktische Gebilde dicht nebeneinander im Bewufstsein auftauchen 



' Man vergleiche daza Tobler, Bciträ};e III 87, 89; auch N'a et se nos seufe- 
ment nom, GPal. 7767. Nahe stehen die von Herzog 44 aus Mac6 angeführten 
Fille sjntaktiBcher Gemination und vielleicht Et quant H tranchou virenl trestoutts 
lu baiailles l'emperew cusanlees ensanle, si s^aresterenfj UClary 42; aucunet fols il 
o*kfient soutentf T^a Tour de Landry 248; Ckluy que Je vous^vien nagueres de nommeTf 
Anc. Th. VIII 242; pendatU deux heures duranf^ Gyp, Ö Province 200. 

14* 



212 Beartdlongcn und knm AnwigBO. 

und EQ sprachlichem Aiudrack geUngra Unacci, woM « dum' lainlk 
geschieht, dfib du eine von ihnen MMchtie&HÄ odor dodi TOlMhmlk 
vollcBtümlicher oder gar mondaitlidiar Bedew<lM, du andn« ikg,in,ni di 
Schriftaprache angehört. Bo finde ich in lotliifaigiadHn Urkondai eondl 
paierietU et paieroient, Hiat Meti IV 401 (■■ 1S91) ; Unu OMb fM «ri 
iont estei noiet et mü a maeeutÜM ifa torpi, «t «m» UmM amib fmt 0N( 
smt esleil bannia fuen dt mutn däte o^ä, eb. IV 597 (a. 1407); abcu 
sagt der amtliche Btil in Isla de Fnnce: im woümU ■'w ' Bw rf , a BehnD 
Lautvertretung 21; El lequd m'a dotleemmti BBwmT^ B A io» imm 
reftu et recueuiüy DorU et de quof en mtdt gneu ä Dimt, Bogv d« Oo 
lerye 168; DotU et de quoy (bo) je m« ntw aoNey^ eb. 64; om m Mkü dfji 
fen äaia, Lfon Cladel, CrMe-Bonge 200; Mi a M^ fai mi, eb. 819; Di 
gleicbzeiljge Verbindung tod powr und afi» dt mit räum InfinUr aehab 
mir in der Form, nie sie aich adgt in Jt m'mt va/f la brmmtr potir A Jl 
de iuy dire Que .. ., Anc Ih. VIU 8S9; Awr ojin tttrüer, ab. VUI 8K 
JUaü pour aßn de voua dormer entendrt Lt pomet fiml auqHtljt mt pn 
tendre, IlalbeMoin ..., Montiügloii, Becaell VII 150] Or, ptmr üffkt dtmOt 
teile atigoüse Et que ee oai ne goü rmUrt, Oet»e, winäart, Bogw da OoUecf 
234; Pour aßn d'ielaireir faffain, L'gHtl In nÜM »ntemt ekmt TOm 
mümire, Vad^ IV S7 (Anhang), nicht stieog in ^ean Znaammenhani 
zu gehären;' doch trifft man an Stelle der asyndetiachai NebcnocdniU] 
auch pour et afin de n'alre, Montaiglon, Becueil VIZ 169, cäne Fflgoni 
die ebenso wie die von Vaugelae II 818 im Grunde ebenio acharf w!a pou 
afirt verurteilte Wendung pour et ä (i)eeBe fin hier am rechten Orte atebt. 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 213 

Montaiglon); Apres venoist la liti^e de la düe dorne, eonduicte camme 
dessuSf laqueüe stsyrotent les danies, tant de France que d'Espaigne, jusques 
d mgtz einq ou XXVI de ehascun couste, Ed. Foumier, Var. bist. litt. 
VIII 256; Mais comme ü fcuä manger de plus d'un pain, Je puise encor 
(aufser aus Boccaccio) en un vieux magasin; Vieux, des plus vietix, ou 
Koutelles noureUes Sont jusqu'ä cent, Lafontaine, Contes (Paris, Delarue) 

I 97, stehe jusqu'ä ohne bestimmten Sinn. Hier wird vielmehr deutlich 
bekundet, dals erst durch eine Zählung, also durch ein Fortschreiten von 
einem Anfangspunkte zu einem Endziele hin, festgestellt werden konnte, 
in welcher Menge irgend welche Seiende vorhanden waren oder sein soll- 
ten. Die Präposition jusqu'ä verbindet sich hier also mit einem Zahl- 
begriff, der das unter gewissen Umständen äufserst Erreichbare bezeichnet, 
ond genau in derselben Funktion tritt sie auch aulserhalb dieser Schranken 
auf, am auszudrücken, a) daüs ein Thun oder ein Zustand bis zur äufser- 
sten Qrenze seines jeweiligen Bereiches fühlbar bleibe,* und b) dafs ein 
oder mehrere Glieder einer Beihe begrifflich verwandter Seienden nicht 
minder wie ihre Nachbarn, sei es als Subjekt oder Objekt, an einem Gre- 
schdien beteiligt seien. Das Gefühl der Überraschung, des Befremdens, 
das sich dabei zumeist, wenn auch immer als Nebenwirkung, ergiebt, ist 
die Folge der Wahrnehmung, dafs der mit jiisque verbundene Begriff Merk- 
male enthalte, die anfangs jede Art von Beziehung zu dem durch das Ver- 
bom angedeuteten Geschehen auszuschliefsen schienen. Bei solcher Verwen- 
dung von jusque, die Vaugelas I 78 eine chose ä remarquer, qui est assez 
(^itrieuse nennt, sind hinsichtlich der sprachlichen Bezeichnung der übrigen 
Glieder der Reihe zwei Fälle möglich; entweder werden sie «) durch ein 
KoUektivum zusammengefafst oder mehr oder weniger vollständig einzeln 
▼orgefflhrt, oder aber sie werden ß) gänzlich unterdruckt, es sei denn, 
daüs de aulserhalb des Satzgefüges, dem die Verbindung mit jusque an- 
geliört, bereits ihre Stelle gefunden haben. 

a ß) Oontraindrex-rous Cesar jusque dans ses amours ? Bacine, Britan- 
nicQ8 III A ; Jusque dans ton saint temple ils viennent te braver, Athalie 

II 9; Jusqu'au fond de nos comrs notre sang s'est glace, Ph^re V 6; Un 
^ presque suffii pour le seandaliser, Jusque-lä qu*ü se vint l'autre jour 
ö^cwer I/apoir pris une puce en faisant sa prih-e. Et de Vavoir tuSe aree 

' Die Grenze dieses Bereiches scheint für das Französische stets hinter dem 

^ijtaqt^ä verbundenen Begriff zu liegen, während im ]>eut8chen der Sachverhalt 

jeweilig ans dem Zusammenhange erschlossen werden mufs. Soll jusqu'ä anders 

*ui^&ftt werden, so ist entsprechende B^ürsorge zu treffen, wie etwa in Je Fni 

f»»prw, jusqu^au manage exclutivementf Henri Or^ville, Ch^ncrol, Rev. hebdom. 

^^, 416. In Fällen wie c'esi io^ours la statue ou le huste du mort qui se retrouve, 

*cuipte avee un realiame mimUieuXf — jusques et y compris la denteüe d^tme robe, Paul 

fioarget, Sensations d'Italie, Rev. hcbd. No. 21, 310; oder donnant les explicafions 

T*latwei ... a Vemploi de ton trmps le jour de son arrivee ä Paris, jusques et y compris 

k mcment ou le »peelacU du Gymnase Jinissait, X. de Montcpin, Lc man et Pamant 293, 

wird durch die Kombination von jusques mit inhaltlich gleichwertigem y comj/ris 

der etwaigen mirsverstindlichen Annahme, die im Verbum liegende Thätigkeit hätte 

nur einen Teil der im Umkreise befindlichen Objekte ergriffen oder sei nicht über 

das getarnte sich öffhende Oebiet ausgedehnt worden, nachdrücklichst vorgebeugt. 



214 Beurteilungeu und kurze Anzeigen. 

trop de eolbrcy Moli^rc, Tartuffe I 6 ; EUe le regarda partir, sans qu'il lui 
tendit la inainj sans qu'il se reioumdt wie fois jusqu'ä la parte qu*ü re- 
ferma doucemefit (selbst an der Tbür nicht), Marcel Pr^vost, Automne 
d'une femme, Rev. hebdoin. No. 7u, 485. 

b a) 1) Subjekt: ArdetU cex hansies de fraisne e de pumier E eist eaeut 
jusqu'as btteles d'ur fnier, Koland 2537 ; qitar se il ne partent hastitement 
soti cors en l'abbaie de Poiäcres. ... il periront tuä de cele meiemes pesti- 
iance dou tout en totä jusques au derrenier, lAg. Gir. Rouss., Rom. VII 219, 
218 ; Get Achilk ... De qui jusques au nvm totä dait m'itre odieux, Racine, 
Iphig^^nie II 1; Toutes les sen^ations morbides qu'il ej/roupait, la fatigue 
immense ä son Icver, les bourdonnementSj les iblouissementSf jusquä ses 
mauvaises digcstions et ä ses crises de larmeSf s'qfoutai&tt, une ä ufie, 
comme des preures oertaines du detraquement certain doni il se croyait nie- 
nacej Zola, Pascal 151. 2) Objekt: J'ignore le destin d'une tete st chere; 
J'iynore jmqu'aux lieux qui le peurent cacher, Phfedre I 1; // sut .. . Com- 
meni gagner les confidents d'amonrs, Et la nourrice, et le eonfesseur mime, 
Jusques au chienj Ijafontaine, Contes I 184; // sut, dans cetie misSroNe 
hötelletie de prof^ifice, denichery afin de plaire ä ces fetnmes, des friandises 
et jusqu'ä du vin de Chatnpagne,^ Abel Hermant, Ermeline, Rey. hebdoni. 
No. 2, 234; eile souhaita qu'il V abandofindty qu'il tie VaimcU plus, qu'il 
perdtt jusqu'ä son souvenir, Marcel Pr^vost, Automne d'une femme, eb. 
No. GS, 180; Elles saraient tisser tout elles-viemes, jusqu'ä des serptettes, 
M^rimöe, Nicolas Gogol 332. 

b/?) 1) Subjekt: // n'est pas jusqu'au fat qui lui sert de gar^on, Qui 
ne se meU anssi de nous faire le^Hy Tartuffe I 2 ; Ses sujets se fondent en 
pleurs Et regrettetit leur eher ?naistre; Jusqu'au moi-ndre serviteur Son di- 
plaisir fait paroistre, Tarb6, Ronianc^ro IV 199; Enfin, jusqu'au cJnen 
prefMÜ pari au botiheur commun, Bornardin de Saint-Pierre, Chaumi^ 

' Du jusqu'ä da nn nichts anderes bedeutet als meme du rm, so kanu die An- 
knüpfung mit et nn das voraugohondc Kode^^li^'d nicht sonderlich auflallen, falls 
sie nicht andoutot, dafs friandises und vin zwei inhaltlich streng voneinander an 
trennende Ohjrkte sind, ein Vorhältni», das aber fUr die Subjekte in mait tout. 
son attitudU^ JSa petir^ sa roix Iremblanlt et stm regard trouble, Et jufqu*ä tan aiUnct 
tr\finf tout via parli, Jean Richepin, Flibusticr II 6, gcwifs nicht anzunehmen ist; 
und andero.rseits wird die Unei)enhcit, die in dem Satze La tablee s^anima (ftm 
gros rrrr, Marcel fui-niime, G«'ürRP8 Heaume, Aux Jardins, Kev. hebdora. No. 37, 23, 
zu lio^en scheint, weniger störend empfunden werden, sobald man sich einmal 
klar gewt>rden ist, dafs fhr jusfjua -f- Subätautiv auch Substantiv -|- lui-meme oder 
num^. mit durchaus analogem Sinne eintreten kann, wie ü a donnd son Carrotse 
mefime bei Thomas Corneille zn Vaufjelae T 70 und die bei Ebeling, Kom. Jahreab. 
1R9G, S.-A 45, stellende Fügung aus Daudet, Saph<> 203, oder Les sources elles- 
intmes fe sont tarier!, Zola, Pascal r^G; // y courutt il s'tnfonm en pleine obsemiU, 
litiK nappe si epaissi; qtte lui-vurne, qui cotinaissait chaqut tronc d'arbrt, devmt mar- 
chir hs mains «n avanty pour ne p<>int se hcttrltr^ 92, zur Genüge darthut. Die »elt- 
same Verqtiickunp beider Ausdrucksweisen, wie sie in dem von Thomas Corneille 
und der Academie (zu Vaugelas a. a. ().) an Stelle des für zweideutig gehaltenen 
i7 n doune jusqu^aux Valets vorgeschlagenen Satze il a donne ä tout le »umde, et 
mesme jusqu'auj: valets sichtbar wird, bezeugt einen merklichen Rückgang in dem 
(jicftihl für das eigentliche Wesen der in Rede stehenden Erscheinung. 



Beurteilungen und kurze Anzeigen. 215 

indieone S04 (ed. Hachette 1871). 2) Objekt: Je hais jusques au aoin dont 
m'lumormt les Düux, Phfedre Y 7; et qu'un sang pur, par mes sains 
qimehif Lave jusques au marbre ou ses pas ont tauche, Athalie 11 9; La 
Qrammaire, qui a^ü rigenter jusqu'aux Rots, Moli^re, Femmee savantes 
II 6; fai fait disparaUre jusqu'aux moindres incorrections de langage, 
Chateaubriand, Atala U (ed. Firmin Didot, Paris 1862); Madame, oublier 
JMqv^ä mon nom/ M^rim^e, Ars^ne Guillot 127; Ils Statent aUies aux 
Pnetoraly ees hdteliers qui foumissaient jusque de la chair de vierge, Jean 
Blaize, Amour de Miss, Bev. hebd. No. 24, 22; Si jeune, eile avait dejä 
^ reporite tdve et le mot, mais une incapacite de raisonner droit, qui fai- 
90Ü wurire jusqu'ä sa mhre, elle-mime assex peu giomitrique eependant, 
Abel Hermant, Ermeline, eb. No. 1, 63. Wie lebhaft in den Fällen b/91) 
die Verbindung mit jusqu'ä dem ßewuTBtsein als Subjekt vorschwebt, 
zeigen die vier altfranzösischen Beispiele bei Tobler, Beiträge I 221 f., in 
denen das von der Präposition abhängige Substantivum auch in seiner 
&ulBeren Form als Nominativ erscheint/ gerade wie in einem Teile der 
im Eingange dieser Erörterung besprochenen Fälle, denen jene inhaltlich 
gleichstehen, jusqu'ä -{- Substantiv syntaktisch und formal den Wert eines 
AocosativB hat 

8. 33. Wer zu klarer Erfassung der Gesichtspunkte gelangen will, 
iiBch denen sich die Wahl der Zeiten im konjunktivischen Nebensatze 
vollzieht, sollte zunächst einmal die Bücksicht auf die sogenannte 'Logik' 
gV)z beiseite lassen und es vermeiden, die Sache so darzustellen, als 
l^dle es sich bei gewissen auffallenden Erscheinungen um Abweichungen 
^OD irgend welchen von Anfang an festgelegten Gesetzen, deren Durch- 
hrechung einen mehr oder minder stark zu rügenden Mangel bedeute. Vom 
Standpunkt der Sprachwissenschaft aus würde ich ganz einfach sagen : ' 
die Wahl des Tempus im konjunktivischen Nebensatze wird bestimmt 
entweder a) durch die Form des im regierenden Satze stehenden Prädi- 
kate; denn in ihr wird für gewöhnlich so materiell wie möglich ange- 
deutet, in welche Zeitsphäre das Geschehen fällt, oder b) durch einen zwar 
in der äufseren Gestaltung dieser Fopm nicht unmittelbar angezeigten, 
wohl aber n) sofort in ihr empfundenen oder /?) dem Bewufstsein erst 
nachträglich bei der Schöpfung eines zweiten, dem ersteren meist koordi- 
nierten Nebensatzes sich erschliefsenden eng verwandten Gedankeninhalt, 
der auch in eine materiell anders gestaltete Form gekleidet werden könnte. 



' Gewissen modenien Mundarten ist Übrigens auch die Verbindung chez -|- 
Substantiv mit dem Werte eines Nominativs geläufig; so sagt man in Bournois 
l'oilä que la temaine de la fcU chez Augnttin Roussey, chez Daud>m et puu chez Paugy 
Hirent qu'ils les voulaient »aigner, Cb. K<»ussey, Contes pop. de Bournois, Soc. pari. 
France 1 81, und in Bourberain chez nos gern ny sont pas aujourd^hm, Rev. pat. 
III 99. Die Schuld tragen gewifs Zusammensetzungen wie derrier* chez mtm pere, 
Tarbi, Romanc^ro II 206; ^t print eent les plus beaux barons de cheux le Boy, 
Jeh&n de Paris 32; hors de avecques luy (ans seinem Hause), La Tour de Landry 
155; <fo %, Anc Tb. UI 382 u. dgl. 

' Man vergleiohe dazu, was ich Arch. f. u. Spr. CV 448 f. über das Verhalten 
mehrerer aaf ein KoUektivurn bezogener Satsteile gesagt habe. 



21C> Beurteilungen un<l kurze AitKeigen. 

Die Kutscheiduug wird, xum mindeatea von der alten, unter keiaerlei lebr- 
huftem Zwnnge slelieiiilen äprache, in jedem Falle durchaus unbewurst 
getroffen, ohae Uafs bei solcher Freibeit die Idee in ihrem paychiecheu 
Gehnlte irgend welche EiDbuiGc erleiden könnte. Den Fall h) durch Bei- 
spiele zu erläutern, liegt natürlich kein Äulalü vor; doch mögen ffir b) 
fol(5ende Tliiitsocheii Miigen : 

b") I. ÜBB hiatoriache Präsens ixt inhaltlich mit dem Perfektum ver- 
wandt; daher steht im abhängigen Satze (hier wie in allen anderen Fällen 
fakultativ) 1) nach dem hiätorischen Präsens der Konjunktiv des Imper- 
fektums : ' Sor memhre pfrdre tor comandc par noii Ne tu: miiisiieRt por cri 
HC por eanclitm. Ogier bei P. Meyer, Rapport 99 (bei Barrois: St4s lar cora 
perdre tor coniande par non Nu» na se mueee, 9P1'J); Pape Jehan siipplie 
qti'il reinst dedier Ics moatiers, üir. Kenias. (M) 181; Quant s'en entra at 
la ekapeiU, la dache la gent apdle Qite veniaaenl air la messe, Mir. ND. 
t.'burt. l^jü; Quant ka chariotx et lea detix etns hommea ifarmes curent 
paaaf, If roy va di're que i'on aliasl düner ee patdant, Jehan de Paris (ed. 
Montnjglon) TT; l'un des du» pliiloiophea . . . le prie de lui donner attdienet 
avant qiie Von procedasl a son jugemenl. Ed. Foumier, Var. hifit. litt. III 
2111 (ICndu des lU. Jnhrhuüderts) ; ittiden» s. in meineti Studien 94 ädid. 
Auch Mac^' selbst verfährt bo, nas Herzog freilich entgangen iat: Ä eon- 
seillier le rei fti mis S faüit qiie mont fugt ses amü, Auszüge v. 1^325. 

2) Nach dem Perfektuni der Konjunktiv des Präsens : Etülor comanda 
pur ;)rant aatisoii Que choseuns s'en revoist ariere en »a maümt, Chans. 
d'Ant. I 2;i.i; Comanda li, seni. i/emoratKC s'en tort, ainx, quel prengnenl 




BeorteiluDgen und kurze Auzeigen. 217 

stehen dem zum Ausdruck 'bescheidener Behauptungen' oder Wünsche' 
verwendeten Conditionaiis inhaltlich nahe; daher steht 

1) nach dem Präsens der Konjunktiv des Imperfektums: mont desir 
que mes filx eust Une fame, Mac^ 1605 (bei Herzog 33); für prier, de- 
mander, requerir s« Beispiele in meinen Studien 05 Anm. ; ferner Mais d'une 
chose je voua prie Que me disaiex presentement, Anc. Th. III 342 ; S'tl y a 
sept ans que vüus VaimeXy II est (== seraü) bien jusie que roiM Veussiex, 
H. Camoy, Litt, orale de la Picardie 352 ; zu savoir s. b « II 2, unten b/9 2); 
zu laissiety ü se peui, il faul unten b a II 2) ; zu estuei u. h ß\)\ 

2) nach dem Ck>nditionalis der Konjunktiv des Präsens. Die alte 
Sprache scheint hier freilich den Konjunktiv des Imperfektums bevorzugt 
zu haben; Je ne voudroie pour Vor d'une chite Que .1, autre que moi Veust 
a fin menS, Gaufrey 241 ; Je volroie ore qu'a moiüier Veust prise, Chev. 
Og. 1713; Ge voudroie que li respix De ma vie i peust fenir, Poire 411; 
doch finde ich einmal Mes nel leiroie pour ntd home Que ne revoise o ros 
arierej Athis C 16, 336. Viel häufiger verwendet die neuere Sprache neben 
Je voudrais que tu pusses toi-meme Lire au fond de mon cceur pour roir 
combien je Vaime, V. Hugo, Burgraves III 3; je voinirais bien qtion par- 
lät (f autre ehose, Ch. Canivet, Ferme des Gohel 20 ; // se pourrait bien . . . 
?u't/« fussent sur Um testament, Ch. Deslys, H^ritage de Joseph 228 
Fügungen wie Les phres sont igoistes, vois-tu: ils voudraient que vous ne 
fous envoliex jamais, Edmond de Goncourt, Ren^e Mauperin 97; je ne 
foudrais pas . . . qu'il aiUe encore perdre totä ce qu'il a, Alexis Bouvier, 
Petites Ouvri^ree 192; tous ces gens-lä etaient si mystSrieux ... qu'il se 
pourrait qu'il sott obligS de Umer sotis un autre nom, A. Bouvier, Femme 
du mort 445; mais il pourrait se faire que la commotion que cette enfant 
a eprouvee, ait cause un trouble fächeux dans les organesy E. de Molbnes, 
Palotte 19, und natürlich auch // nous entraina dans le salon ne voulant 
P« que nous puissions reconnaitre celle qui etait couchie sur son lit, Ar- 
ä^^ne Houssaye, Lärmes de Jeanne 123. Ferner il faudrait que farrire, 
Daudet, Jack I 355 ; Quelle somme faudrait- il que je rerse, Samanos, Vie 
<iw brüle 185; il faudrait qu'il epoiiscj Daudet, Immortel 16; saurait . . . 
«atV . . . s. Lücking § 336, 2 I und unten b /t? 3. 

b^) 1) Im regierenden Satze Präsens; im ersten Nebensatz der Kon- 
junktiv des Präsens, im zweiten der des Imperfektums: Milx voil les 
^mbres me faites eraehier Qu'en lor prison fusse deus jors eniiers, Chev. 
^g. 9497 ; Ah lionesse, fole beste, Atent un peu et si Varesie, Car il estueut (so) 
V^je te lie Pour toi mener en Vabeie, Pour präsenter a dant abSj Qu'il ne 
'^ist ke Vai gäbe, JJoumi 535. 

2) Im regierenden Satze Präsens; im ersten Nebensatze der Kon- 
IQnktiv des Imperfektums, im zweiten der des Präsens, ein, wie es scheint, 
^ seltener Fall : Par le cors saint Ainant, Je n'en sai (= saurais) nule 



* Chiffon: *Je ne vtitx pa» aller anx coftrses!' M. de Bray: *0n ne doit pas 
^' Je ne vtux pas* Docilemenf, Chiffon reciifin : *(^te jv voudrais ne pas alhr anx 
^H»\ Gyp, Manage de Chiffon 257. 



218 BemtdlnngM) und km« Ai^mlgpi- 

m eal »itflf vivant, Qui afiritt a mm ne Umt ife fitmU Ott tt» ma i 
moU prit aparlenant, Ayat. Narb. IIHI (vgL Jt n'e» «h iwli «t Aa 
a'm Berri . . . Que ne me mü parmte tt gt a H, 1S60). 

3) Im regierenden SKtu Pcrfektam oder Gonditloiulii; im «a 
Nebensätze der KoDJunktiv dea ImpaMtams, im nraitea der dfli F 
eens: Et toi entor miet »ei guanbna Ki reiUatmHt ta HMit fas tmu Qm 
s'm fuitnl a lamm Ott delekoMtd et M doifgon, EDeu480S; // «c MM» 
rftre st peu de parolUs qu'ii n'aatemMüt taniott AMueowp d> gmu, tt pm 
hruil n'en eotire ineontinatt por louie la wiUa, Cymb. Handi in Ben 
veDtora Desperjere, CEuvras ed. Laconr II 374. 

Dar« die moderne Volkuprftcbe an der Btelle de« bri ibr wenig 1 
liebten conj. imperf. gern den oonj. praea. Tenrandet, lat benlla * 
Siede 48 f. hervorgehoben worden mit dem B em tr fcm , dab amili ( 
Sprache der Qebildet«D dieem 'Fdiler' nicht gans Tannelde. Die folgend 
Hinweise k&nnen dieee Wafamdunnng nur liertltlgai. AAh( fni 
finiiK (in ungebildeter Bede), Albert Oim, ProoeHea d'tme flDe 801; 
fallait bim que je mt tUfaHd» (im Mnnde einea Odrildet«i), eb. 923 nab 
failait . . . fiaunt, 295 ; Quaitd tit permtUait qiti ji It eamAtim, Ak 
Bouvier, Cbaneoos du peuple 183; ü Mpportait Mal gw'o« rit e» lafi 
tente, eraignmH lovjoufn qu'tm t» moquIU (Yf de bti, Oeorgea Conrtdii 
IjC 51*' Chasseurs 162; eile a erii toule la miä, doH» ta ehambn, n f 
que nous avione pew que Madame fentende, Oeorgea Olinet, Dette de Hai 
265 im Munde der Mulattin Ldla, die auch aagt «1 fitllaä que faule 
ehercker anpri» de ton galant, 265 ; II ne poulail paa que ffUvatüm de 




BeurteiluDgen und kurze Anzeigen. 219 

ferner nimt dignes (indignts) aus einer Berner Handschrift bei God. VII 
M5. Übrigens kennen die SSBern. auch non digne bei Le Roux 535; 
non-posanx (impotentem), T 129, 37. 

S. 40 Anm. 1. Sollte der Dichter zu dem Gebrauch von estre mit 
dem Participium des Präsens wirklich nur durch metrische Rücksichten 
gedringt worden sein? Jedenfalls ist die Erscheinung nicht auf Mac^ 
beschrankt: Mors fu venans de Romme d'ung ampoinsenement, Gir. Rouss. 
(M) 11; Pour la uallour qu'en li ert aparans Ert tous li mons en bien de 
ki parlans, Auberon 973 und sonst ; Pour plus amoderarion Des vices qui 
y wnt menans ün (out seul prince y sott regnans, Chr. de Pizan, Long 
Estude 3084; Ne pourroit grever les passans Qui par ce Heu sont tres- 
P^i^anSf eb. 767; Et eeey n'esies point seavant (für sackant, s. Zs. f. rom. 
Phil. VII 50), Montaiglon, Recueil V 174 ; und b^egnet im 16. Jahr- 
hundert und noch später auch in prosaischer Rede; z. B. une fille ... fut 
^himendurafii les douleurs de Venfantement, Macaul t, Apophthegmes 106^; 
^ gens sont negligens, lesquelx ?ie retdlerU estre obeyssans ä leurs maistresy 
Arch. cur. 1"* s^rie, t. II 460; Cei>endant donc que le corps de monsieur 
W... est gisant sur la paille, Ed. Fournier, Var. bist. litt. X 7 (a. 1641). 
Verwandter Art ist die Umschreibung Glorios De, qui me feistes ne, Mort 
Aym. Narb. 3473. 

Berlin. Alfred Risop. 

l^is et desoorts fraD9ais du XIII® si^le — texte et musique — 
public par Alfred Jeanroy, professeur ä Füniversit^ de Tou- 
louse, Louis Brandin et Pierre Aubry, archivistes-pal^graphes. 
Paris, Welter, 1901. XXIV, 171 S. 4. 

Es war ein guter (bedanke, die 30 altfranzösischen Lais, von deren 
Vorhandensein man wuiste, die aber nur zum kleineren Teile und zer- 
streut in ihrem Wortlaute veröffentlicht waren, in ihrer Gesamtheit unter 
Nutzung aller Handschrifteif in kritischem Texte und mit den zu- 
gehörigen Singweisen herauszugeben; und es ist dieses Vorhaben von den 
drei dazu verbundenen Gelehrten, von denen der zweite die Abschrift der 
Teite, der erste deren kritische Bearbeitung und metrische Untersuchung, 
der dritte die Ausgabe der 26 überlieferten Singweisen übernahm, mit un- 
verkennbarer Sorgfalt durchgeführt worden. Drei Blätter schönen Licht- 
drucks, die je eine Seite der Handschriften Bibl. Nat. f. frg. 12615 (ent- 
sprechend S. 33 des gedruckten Textes), 846 (im Druck S. 64) und 844 
(S. 26) wiedergeben, bilden eine willkommene Zugabe. — In der Einlei- 
tung setzt Herr Jeanroy zunächst auseinander, dafs irgend welcher ünter- 
i^chied zwischen lai und deseort nicht wahrnehmbar sei, und man wird 
dem beistimmen können, wenngleich die Eingangsworte des Stückes YII : 
Se ehans ne descors ne lais . . . Puet d*amor alegier fais eher für nicht 
völlige Sinnesgleichheit zeugen, und es allen Anschein hat, es sei bei den 
Franzosen lai die ältere und allgemeine Bezeichnung für lyrischen Ge- 
sang aus nicht lauter gleichgebauten Strophen gewesen, deseort die viel- 



220 Beurteilungen uod kurze Anzoigen. 

leicht später üblicb gewoirleDe für eolcben Geaang ala Äuedruck der 
Liebeeklagc, so daJH deecori eine Art des ini wSro. Er prüft eodann d«n 
(.ipsamibeBtnuci an Lais unter den Ocsichtspuaktcn der Strophen saU, dee 
wiederboltcQ Auftretens der nSnilicbcn Stroplieuform in je einem Stücke, 
iler Zshl vereoiiiedener Reime und der Zahl der Zeilen in je einer Strophe 
und berührt die Fragpn, ob die Gattung frfllier im Norden oder im Sßden 
Pflege gefunden habe, und ob fäe auf kelliache Kunst xurQckzu führen sei, 
ohne zu l>efltimmten Antworten zu gelangen. Den ZuBammenhaug mit der 
Sequenz leugnet er ivohl all7u entechiedeo; Hind gewisse üntemchiede 
nicht zu verkennen, t^ü ist nicht minder klar, daßi, wer ein Abstammunge- 
verhältnis Kwisohea den beiden niusi italischen Formen zu erkennen ge- 
glaubt bat, dazu ebenfalls durch Thataaehen von nicht geringem Gcwiehte 
bestimmt wurde. Die kurze Einleituug des Herrn Aubr; Bchliefet sich 
vom Standpunkte des Musikers all den Aufstellungen nn, weiche Herr 
Jeunrüf von dem dt« Mctrikere zum Ausdrucke gebracht hatte, und Surscrt 
sich zutreffend über den Sinn der Thatsache, dafs für einen Teil der Laie 
die Singweise nur etrei^ken weise beigeschriehen ist; es war eben fiir di«- 
ohne Noten gegebenen Teztstücke jeweileu die mitgeteilte Singweise zum 
zweitenmal zu Gehör zu bringen, die dem metrisch entsprechenden Teit- 
stücke abergeschrieben war. 

Die Dichtungen, die hier gesammelt erscheinen, und unter denen wir 
mehrere durch friBche Natürlichkeit der sich aussprechenden Empfindung 
anziehende neben solchen antreffen, die eich in den gewohnten Qeleisen 
i höfiHcben Minnesant-a halten, sind zum Teil nicht sehr befriedig 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 221 

zieht. ISd 1. ohne Interpunktion de cui verai signe Wor dessen wahr- 
haftigem Zeichen'. \91 des ist verlesen für eks. 232 1. Et sainte et caste 
et nete (denn dais auslautendes dumpfes e vor et eher als sonst vor Vo- 
kalen unelidiert bleibe, ist wohl behauptet, aber nie bewiesen worden). — 
XVIII 37 donques s'aresna soll nach dem kleinen Glossar heifsen s'arrangeoy 
se mit en ordre; doch kennt man das Wort in solcher Bedeutung sonst 
nicht. Ich bleibe bei dem done der Hs. und lese se ressiia 'wurde, wieder 
trocken'. Z,6^en oire ist ein oft begegnender adverbialer Ausdruck, der 
aber 'sofort' bedeutet, was hier nicht palst; das Richtige ist wohl eneore 
oder eneoire (wie 101). Z. (56 1. devii. Z. 76 1. Et iel i ot, ki conissoit 
Ckascun, H devoit reprockier 'und manch einer, der einen jeden kannte, 
mulste es ihm vorwerfen, und (ebenso mufste es ihm vorwerfen) Gott'. 
Wenig klar ist die folgende Strophe. — Z. 218 en (oder, wie in der Hs. 
PbH oft steht, ens) eile kann nicht heifsen 'in ihr', wofür afz. immer en li 
(lieiy lU, lei, U) gesagt worden ist, und würde zudem keinen annehmbaren 
Sinn geben. Ich fibersetze: 'da wo die Seele (wie es nach Jesu Tode ge- 
schehen ist) das Gefäls, aus dem sie geschieden war, wieder zurückruft 
(ins Leben) und überallhin rasch die Kunde davon ausgeht, welche offen- 
bart: "sein Qeffifs ist wieder im Sattel", dann sah ich kein gröfseres 
Wunder' d. h. dann ist das ein Wunder, wie es gröfser nicht geschehen 
konnte. — XX 29, 30, 65, 6Q schreibe mi (nicht m'i) als Nebenform des 
tonlosen fite, die gerade in Pb i^ öfter begegnet. Z. 56 1. panra — prendra. 
Nach Z. 81 kein Komma. In Z. 84 faie. — XXI 28 und 77 scheinen mir 
im Glossar mit zu groiser Kühnheit gedeutet; gleiches gilt von 131. — 
Auch in XXIII finde ich der dunklen Stellen mehr als der Herausgeber. 
Nach 195 ist eher als nach 194 ein Semikolon zu setzen. 

Berlin. Adolf Tobler. 

M^moires de la Soci^t^ n^o-philologique ä Helsingfors. III. Hel- 
singfors, Hagelstam, 1902. 576 S. 8. 

Der neuphilologische Verein in Helsingfors, der in den achtmal jähr- 
lich erscheinenden 'neuphilologischen Mitteilungen' von seiner bei dem 
^ucke empörender Willkürherrschaft doppelt verdienstlichen Thätigkeit 
cifreuende Kunde giebt, hat den in den Jahren 1893 und 1897 erschic- 
Qcoen zwei Bänden von Abhandlungen einen dritten folgen lassen, der 
(ieo beteiligten Verfassern nicht minder Ehre macht, und von dessen In- 
luiit hier in Kürze berichtet werden soll. 

Das Leben des h. Quintin, das uns Herr Söderhjelm kennen lehrt, 
ist noch nicht das von Hugues de Cambrai in Reimpaaren aus achtsilbigen 
Versen verfafste, das wir uns aus seiner Hand versprechen dürfen, son- 
dern ein schwerlich vor der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in 169 
vierzeiligen, einreimigen Alexandrinerstrophen geschriebenes, dessen Ur- 
heber wir nicht kennen. Die Handschrift der Fonds fry. der Pariser 
Nationalbibliothek 23117, in der es zwischen lauter Prosalegenden steht, 
giebt einen Text, der vielfacher Berichtigung bedarf, einer noch weiter 



222 Beartenangen uad knm 

gehetideii, aln der Hernusgebar ihr bat aagedclbai liMrn JA tUm ik 
an, was ich n&chiutragen gefunden tutb^ und btrthw |^defa«H% ria% 
Stellen, wo er meine« Erachtnia üniUtHiaftei MU»t jmmiaikUt hA 

22. L. mit der Ha. vers and dann Qu'ttloä nc m mm. — Hadi 48 li 
ein Punkt tu Betzen. Duanf Sn oder vidMcht Par tanf nnd naob dh) 
proitsiti ein Komma. — Z. «2, taionm. ~ Z, 114 wttida idi M hhA 
mm/ 'irgend' bleiben. — Z. 139, lamm foüi» bt mit L ftmüt ta nftai 
Hdten, einem Ausdrucke, dem man auch OnoD 8827 begogBet. — Z. 14i 
quin ist unklar. — Z. 145 L iMmnUMw. — Z, 187, Uatar asMMM^ wm 
die Bede scfaliefat, iat du Punkt au aetun. — Z. 812 L f » *i wit - 
Z. 230, makomtt mit Minnskel, weil ea Uer atelit EigOBnama fct, aoadR 
•Götze' bedeutet. ~ Z. 248 L or /Mit ow drod M toi — Z. S8S, D 
moUg ardana scheinen 'Feuerbrtnde' in mId, moD daa Gedicht hier da 
xelbe sagen will wie die anderen VonioneD der Legende; doidi kemie Ic 
tnok (m.) in solchem Sinne aonat nicht Im Ven daiwd! 1. «•* fl amimm 
— Z. 306 scheint (nach B. 497, wo auf den Vera ferw l taen lat) ekmm 
Druckfehler für ehaama. — Z. 348 1. netmwt. — Z. 864, « M di 
wenig glückliche Ergänzung dee inkuneDTvaet; duraana/k — Z-IH 
I. A ehascun doi da maint. — Z. 8B8 l. Em porUrmL — Z. 896 L ib 
rain et bot peeant qu'ü avoü fä plomer (nicht pbngiir, womit dai B. H 
über KeimbinduQg zwischen t nnd ü Geengte hlnOlUg wird, da auc 
Baionvillier 5äl mit der etTraologiech richtigem Form BoioHnlhr an ve 
tauschen ist; vgl. den Ortsnamen Fiter bei Mousket 160B6 im Reime m 
honorer). Fiel nietre aus le eorpi pour miex altr au fima Du fiaigitr, gi 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 223 

silbigen Formen die ursprünglichen sein, da ein afz. ^souvriery von dem 
fMuerain mit DisBimilation hätte abgeleitet werden können, wie prov. 
Kbrnon ee von sobrier thatsächlich ist, nicht bestanden zu haben scheint. 
In vraiement dagegen kann nicht, wie S. 497 geschehen ist, von interkonso- 
nantlBehem e gesprochen werden. Neben vraiement hätte übrigens hasti- 
wunt 148, 598 erwähnt werden müssen, eine Form, zu der man von hastive- 
fwni aus über hastietiementf Cb. II esp. 11255, kastteument, Jub. NRec. 
I d4, gelangt. Noch erwähne ich, dafs bu 298 nicht als Form mit ver- 
schloQgenem tonlosem e vor lautem Vokal angeführt werden durfte (8. 497), 
<la es 1. Person des Perfekts ist, also Nebenform des immer einsilbigen 
^'. O^n lernt man in dem etwas kurzen, die lateinischen Texte wenig 
berficksichtigenden Abschnitte über die afz. Quintinslegenden ein Stück 
des Qedichtes von Hugues de Cambrai kennen. Hier ist S. 505 Z. 12 v. o. 
Qsch oront ein Komma zu setzen. £b. Z. 13 v. u. ist atisi schwerlich 
richtig. S. 506 Z. 3 v. o. L4 nostre. Z. 20 v. u. 1. föt, drei Zeilen später 
dduin. — S. 508 Z. 5 v. o. 1. fol prouve. S. 509 Z. 5 der ersten Anm. 1. piee, 
eio wohlbekanntes Wort, mit dem sich Gaspary Zts. XIII 325, GParis 
Born. XVIII 629 und Godefroy unter pec 4 beschäftigt haben ; in der fol- 
g^den Zeile oura statt ocra und sechs Zeilen später Des dens (nicht deua), 
Becht hübsch in Prosa erzählt ist die Legende, wie sie im Anhang 
§• 512 ff. aus einer Petersburger Hs. mitgeteilt wird. Auch hier mögen 
ein paar Fehler des Abdrucks berichtigt sein: S. 512 Z. 14 estoient pendu 
<> wrdu ou aearchSs ou agibex 1. ou a forches ou a gibex. Z. 18 aas greex 
1- Wf ^. — S. 513 Z. 11 ississeni l. issirent. — Z. 31 affondrer en le gtie 
k ou Aire, une rivtere, ehiet ou Bin. Wo die Aar in den Rhein mündet, 
ist dorchaus keine Furt (das mufs ich wissen), und Furten wählt man 
Aach kaum, um Menschen darin zu ertränken ; 1. en Vegue, eine Form, 
die auch 521, 12 neben aigue 515, 21 erscheint. — Z. 40 l. limenistre. Wie 
der Erzähler Z. 43 dazu kommt, mit ei est encor ma jourente (nicht jou- 
'»»fe') die Worte a jueenhäe mea der Vulgata (Psalm 70, 5) zu übersetzen, 
wt mir nicht verständlich. — S. 514 Z. 17 1. souverainne saptence. — S. 515 
Z. 8 L estaä ./. petii aelinex. — S. 517 Z. 4 l. or ot (nicht oi) mon con- 
«oi/. ~ Z. 8 1. que totUes les richesces. — Z. 34 1. consoil qu'ifl] te piaist. 
~~ J:?. 518 Z. 15 1. pansee, — Z. 18 1. autresi com se ee fast dou^ors, — 
8. 519 Z. 2 und 9 1. ehevalier, — Z. 12 1. meussent. — Z. 30 statt ne les 
^fieimes 1. n'eles m. — Z. 42 1. destroit statt destraix. — Z. 43 1. et s'i 
poignent example, — S. 520 Z. 2 1. l'alaissent decoler, — Z. 7 1. a reoir. — 
Z. 13 schdnt hinter nois etwa issir zu fehlen. — Z. 15 1. // enge sont 
f^pparoiUii de toutes parx qui t'en menront et qui fem porteront, — Z. 34 
L par toux les siedes. — Z. 38, statt rit en li ave 1. jut en l'iaue, — Z. il 
i. grant seignorie, — S. 521 Z. 16 1. en si grant voie, — Z. 17 1. hiaus dras, 
— Z. 25 L ensaignii. — Z. 40 1. se coumanda a mener la endroit. — S. 52*2 
Z. 1 1. que oies (nicht dies), — Z. 9 l. e» Vaigue. — Z. 23 statt au föir 
\. anföir. — Z. 24 1. qu'eles ne sont. — Z. 3() statt clievir 1. cheoir. — Z. 38 
L toua lea membres, — S. 523 Z. 15 der Pariser Prosa 1. säin statt sam. — 
S. 524 Z. 5 1. Ven moinne aignel. — Die Imperfecta des Konjunktivs querist 



224 Beurteil UDgeD und kurze Anseigeu. | 

Z. 15 und anserelüsest Z. 16 erregen Bedenkoi. — In der letzten der nut^ k;^ 
geteilten Legenden wird Z. 2 draglon zu droffon, Z. 5 preisoner %n firm- 9 
sotier, endlich S. 52.^» Z. 5 das ganz unverständliche • tteut zu iütue m -r 
verbessern sein. (Mit einigen der auch hier gemachten Bemerkungen kt 
mir im Lit-Blatt 1902, 172 H. Suchiers Beaprechnng dieser Ausgabe 
zuvorgekommen.) 

J. Poirot giebt unter dem Titel A propos de Victor Hugo ea^ 
mal eine Zusammenstellung von Motiven, die aus 'Kabale und Liebe* uoA 
andererseits aus J. de Maistres Soiriea de S. Peiersbourg in Han d^Mm^ 
übergegangen sind, ferner eine Vergleichung des OSani in den Odei «€ 
Ballades mit dem Nemrod der Fin de Satany endlich das Ergebnis einer 
genauen Durchsicht des in der Nationalbibliothek aufbewahrten Druck- 
manuskripts der Voix interieureSf von welchem der Wortlaut der eod- 
gültijj^en Ausgabe in vielen Punkten sich entfernt. Der nämliche Gelehrt^ 
handelt in Deux questions phonetiques auf Grund sorgfältiger Experiment^ 
und Messungen von den Verschiedenheiten der Artikulation des p uK^ 
des ht welche sich ergeben, je nachdem diese Explosiven o, e, i oder ab0<' 
0, ö oder endlich u, ü nach sich haben;* sodann von dem so oft unbo' 
diuhtcrweise geleugneten Unterschied in Dauer und Klang der betontet 
Vokale, wenn sie ein stummes Cj sei es unmittelbar, sei es durch Kon8(»^ 
nanten getrennt, hinter sich haben oder aber nicht haben. 

J. Rune1)erg handelt von weitverbreiteten Versionen der Erzählung 
von dem Ki.s(*h (oder der Schildkröte), der, mit dem Rücken aus denc^ 
Meer«? aufragentl, von ^Seefahrern für eine Insel gehalten und bestiegeiP' 
wird, beim Au/ündon eines Feuers aber sich in Bewegung setzt, und voa 
dem urs])rünglich damit unverwandten Bericht von einem Fische, der on 
Fahrzeug umkreist oder es führt oder Reisende wohin trägt. Diese Ar- 
beit scheint zu rechtem Ahschlufs noch nicht gebracht 

U. Lindelöf und A. Wallensköld haben eine kritische Aasgabe 
der Lieder des (Jautier dUOpinal beigesteuert. Der erstere hat dazu die 
handschriftlichen Materialien geliefert, der zweite die kritische Arbeit ge- 
than mit Inl»egriff tler Untersuchung der Sprache. Die litterargeschicht- 
lichc Behandlung war einem anderen Mitarbeiter zugedacht und steht 
leider noch aus. Alles Bibliographische, die Erörterung der Verhältnisse, 
die zwischen tlen Handschriften bestehen, und der Fragen, die sich auf 
die Verfasserschaft der einzelnen Stücke beziehen, die Feststellung deesen, 
was als Charakter der Sprache und als Regel des Versbaues der Bicncr 
dem Dichter gehörenden Lieder gelten darf, dies alles ist mit grofecr ^^^^' 
falt ausgeführt, was man gern anerkennen wird, auch wenn rfa^^^^^^»^*^ 

* Der Vijfuaser wird eiitöprechciitle Waliriiohmiingen zn mache^^ ^^^L, "« 
haben, wenn er auf die Vorsclii^denheit der Artikulation dos / in f<td^^^^*^^yj^ 



in fut achtet, und wenn er wine Roobachtnngcn auf 2Üat neben plut, <v^ü^ 

nel)cn 2)riine, auf hlanr neben bleti ^^^^ hluc.Ue, auf hnu neben ^'^^'-^^ -^ '*\ .«x 
VLwf flaue neben /y^ <^<^^r fluet, aii^ franc neben froler oder /riii« tXC^^ -^ x^ 
zwischen tretende Liquiden hindeni J*ci"e8W"cg8 die AupuBSUUg ^^^ f^r 9 ^S2^ 
erforderten Lippensteliung an die v^n d«n "achlolgeuden Vok*^^" veriV^ ^ 



Beurteilungen und kurze Anzeigen. 225 

Auffassung dee Überlieferten hie und da zu Schlüssen gelangen lälst, die 
Ton denen Herrn W.s sich entfernen. Nicht mindere Mühe ist auf die 
Untersuchung der Keime gewendet, und den Ergebnissen dieses Teils der 
Arbeit wird man fast durchweg zustimmen können. Der schlielslich ge- 
wonnene kritische Text scheint mir nicht über allen Zweifel erhaben, und 
man mag wohl bedauern, dais, wie auf einen sachlichen, historischen Kom- 
mentar mit Versuch einer Deutung der vorkommenden Eigennamen, so 
rach auf jede Analyse und Würdigung der einzelne Stücke und auf 
Auslegung schwer verstandlicher Stellen verzichtet ist. Vielleicht erschiene 
<üe am Ende gewählte Lesung bisweilen annehmbarer, wenn man wülste, 
wdche Erwägungen sie dem Herausgeber empfohlen haben. Um nur 
weniges zu berühren, wie mag er VIII 1, 6 verstanden haben? warum 
setzt er nicht nach I 4, 4 ein Semikolon ? warum duldet er II 8, 9 das 
unpassende Perfectum esbahi (denn das Präsens würde doch eshahia lau- 
ten)? warum setzt er V 4, 9 nach savoir kein Komma? hat er VI 2, 11 
(«nftt = s'Artu) die Anspielung auf die auch XIII Geleite 2 vorkom- 
mende bretonische Hoffnung nicht erkannt? ist VIII 2, 3 haui mit igatts 
verdnbar? warum VIII 4, 2 nicht das bekannte Adjectivum chaacun- 
yi'nmst Gegen die Durchführung gleichmälsiger Sprachform ist, scheint 
mir, im vorli^enden Falle nichts Ernstliches einzuwenden; sie verlangt 
»ber viel Vorsicht: die Handschriften C und U (die grolse Bemer und 
die Pariser 20050) meinen z. B. mit a ebensowohl, was auch anderwärts a, 
wie das, was sonst au geschrieben wird, und letzteres war in einem Texte 
von francischem Gewände einzuführen, wo der Herausgeber schreibt Quant 
^A n a eomeneier, Tost cuidai aroir trovee Merci (so zu interpungiereu), 
Ui 4, 2, oder a mien espoir eusse je jöi De ce qtte fai a gre damor cfioisi, 
^^3,5. In den nämlichen beiden Handschriften kann ait allerdings den 
Indikativ a (habet) vorstellen; aber auch der Konjunktiv, der überall ait 
(habeai) lautet, kann damit gemeint sein, und ait war zu belassen, wo der 
Herausgeber schreibt Sol qu'ele l'a comande, XV I, 8. 

Hugo Palander behandelt mit guter Kenntnis der aus Deutsch- 
^d stammenden Litteratur des Gegenstandes (von W. Wackernagel bis 
zn Maxeiner) den französischen Einfluis auf die deutsche Sprache im 
12. Jahrhundert Er bemüht sich, das Material, das anderwärts wohl 
^80 vollständig zusammengetragen war, chronologisch zu ordnen und 
gleichzeitig nach den Gegenden und den einzelnen Quellenschriften zu 
sondern, in denen jedes Frankreich entstammende Fremdwort zuerst nach- 
weisbar ist, versäumt auch nicht diejenigen Wörter zu Gruppen zusammen- 
zustellen, die den nämlichen Liebensgebieten zugehörende Dinge und Thätig- 
keiten bezeichnen. Im einzelnen bleibt freilich die Richtigkeit der voll- 
zogenen Aufstellungen nicht selten zweifelhaft. Nicht immer braucht, 
was in deutschen Texten an undeutschen Wörtern begegnet, gerade aus 
Frankreich eingeführt zu sein (so z. B. die aus den Lapidarien stammen- 
den Namen der Edelsteine); sehr oft spricht der Verfasser selbst aus, dals 
dieses oder jenes angeblich französische Wort in altfranzösischer Litte- 
ratur sich nicht habe entdecken lassen. Bisweilen wiederum sind die von 
Arehiv f. n. Spradbea. OIX. 15 



2G6 Rpiirteilungen und lurze Aozeigen. 

ihm iiilor vidnicbr von anderen vor ihm geivagten IdeDtifikatioDen deut- 
Hcher Wörter mit fraozösischen in hohem Grade unsicher {hamit = ha- 
r/ie/le) OiJcr entnchieden abzuweisen l^riele Mantel ^= rnfc Schleier, an dessen 
f^tatt man eher an faille deiikea dürfte). Doch wird man gern anerkenaen, 
dafs die Arbeit gut angelegt und mit Umsicht, FleiTs und lobenswerter 
Kfiintnia ausgefüiirt ist. 

Die Arbeil von U. LindelSf 'Die Handachrift Junius 27 der Biblio- 
theca Rodleynna' und T. E. Karstens Beiträge zur germanischen Wort- 
kunilc, worin ül>er nhd. drohen, sicii sehnen, einige germanische Ausdrücke 
für 'Quelle', über mhd. slunx 'kurz', sti'ru 'eiu Fisch', Ober got. ida 'Meens- 
Htillc', über agf. dwissean und nebenher noch über eine grofse Zahl an- 
derer indogermanischer, auch einige finnische Worter gehandelt wird, 
iliese beiden Arbeiten cbeufnlls zu besjirechea, mufs ich anderen Qberlaasoi. 

Berlin. Adolf Tobler. 

II Liliro (!ello tre soritture e i Volgari delle false scnse e dell» 
viiiiitLl di ßoDveaiu da lu Riva a ciira di Leandro Büideue- 
Pisa, HiHJorri, 1902. XXXVIU, 113 S. 8. (Edizioiie di 
300 esempiari.) L. 6, 

Von der obcritalicui neben Litteratur des \S. und des 14. JnhrhunderlSr 
ilie seit mehrereji Jahrzehnten in früher nicht geahntem B«ichtum ans 
Lklit getreten i«t und gloieh Kehr als Be^cugurig eigentümlichen Grästes- 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 227 

freilich (allem Anscheine nach) ohne dafs die auf sehr sorgsamer Abschrift 
beruhende Ausgabe Biädenes, und was er zur Würdigung und zur Erläute- 
nmg der Texte hinzugefügt hat, darum weniger verdiente, mit Dank auf- 
genommen zu werden. 

Die hier herausg^ebenen Gedichte finden sich mit Ausnahme des 
zwdten Teiles des vorangestellten grölseren Werkes nur in einer ambro- 
rianisdien Handschrift (T 10 sup.) in Mailand, welche in starkem Unter- 
schiede von der Berliner Handschrift, aus welcher allein wir bisher den 
greiseren Teil von Bonvesins Werken kannten, von der Sprache des Dich- 
ten nur eine recht wenig zutreffende Vorstellung giebt, indem sie die alt- 
lombardischen Formen in hohem Mafse mit den toskanischen vertauscht 
oder ihnen annähert, dergestalt, dafs die vom Verfasser unverkennbar auch 
luer gewollten und sicher ebensogut wie in den lange bekannten Gedichten 
ihm auch gelungenen (zu vierzeiligen einreimigen Strophen verbundenen) 
Alexandriner das erforderte Mafs nur dann zeigen, wenn man sie liest, 
wie sie in Bonvesins Mundart thatsächlich lauteten, nicht wie man der 
Schreibweise nach denken möchte. Schon in den Bekkerschen Texten 
maia man, um richtiges Versmais zu gewinnen, sich eine Menge in Wirk- 
lichkeit geschwundener Vokale hinwegdenken, die die Schreibweise auch 
des Berliner Codex noch festhält {Quand have xo digio Maria, la vox ghe 
^ per man zu lesen Quand kav xo dig Maria, la vox ghe dix per man), 
wie ja für die Dichtungen Ugu^ons oder Barsegap^s ähnliches gilt; hier 
aber ist der Abstand zwischen Schrift und Laut viel weiter: die Schrei- 
bungen dra, dro sind hier durchweg mit de la, de lo vertauscht; die in 
provenzalischcr Weise stattfindende Enklisis tonloser Pronomina und der 
Artikel bleibt noch viel öfter unangedeutet; die Infinitive weben meist 
das re ihrer Endung noch auf, auch wo der vorangehende Vokal Auslaut 
gewesoi sein muTs ; die Adverbien iUoga, quüoga sind mit li oder qui ver- 
tauscht, die dritte des Pluralis en mit son-, und man kann sich denken. 
Welche Entstellungen des Versbaues sich aus solchem Verfahren ergeben 
infissen. Hier dörfte die ^Kritik der Sprachform' in mehrerem als bloOs 
S^egentlichen Bemerkungen, an denen es Herr Biädene nicht hat fehlen 
lassen, ihres Amtes zu walten haben. Hätte man schon auf Grund sorg- 
'^tigen Studiums der handschriftlichen Überlieferung des Versbaues und 
^er Reime ein gewisses Becht zu einer gründlichen Umgestaltung der 
SchieibweiBe, so wird solches Recht dadurch noch unbestreitbarer, dafs die 
^liner Handschrift uns zeigt, wie die leicht zu erkennenden Eigenheiten 
<ler Mundart auch in der Schrift der Zeit ihren treuen Ausdruck gefunden 
luibeQ, wenngleich nicht mit der Folgerichtigkeit, an die wir heute ge- 
wöhnt sind; und will man nicht die in toskanisierender Darstellung vor- 
%enden Dichtungen Bonvesins samt und sonders zwiefach herausgeben, 
^' h. einmal so, wie sie in der Handschrift stehen, und daneben so, wie 
^e gesprochen worden sein müssen, so kann einem Herausgeber, der seine 
ganze Schuldigkeit thun will, doch nicht erlassen werden, die im Jahre 
'868 von Mossafia unternommene und weit geförderte Untersuchung der 
Sprache Bonvesins auf Grund des vervollständigten eigentlichen Materials 

15* 



228 Beurteilungen und turze Anzeigen. 

iu\d mit Zuzug der vielen durch Muaaafia selbiit und durch andere hiniu- 
(■ebraclilen Texte verwandten üreprungs und mit Verwertung der Ergeb- 
uiase vou dercu Studium zu vervollständigen und mindestene das eine 
oder das andere der Gedichte eo vorzulegen, wie man geuifg sein darF 
dflls es Bonvesius eigener Sprache und auch nobl Schreibweise am nüclk- 
steu zu bringen uiöglich ii-t. Für jedes einzelne Stück, das man heraas- 
giebt, die Untersuchung der Sprache aufa neue anzustellen, zu jedem ein' 
zeinen ein beeouderes Glossar anzulegen uud dabei jedesmal nieder ii 
jedem Artikel auf die sehr lobenswerte Arbeit Seiferts, auf die dasu vot 
Salvioni gegel)enen Nachträge und anderes Ähnliches zu verweisen, hat 
wenig Sinn. Wa» dringend uot thut, das ist, dafs endlich die ganzen 
geBifs genauen Abschriften Herrn Biädenes auf einmal in die Druckerei 
wandern, nicht etwa die eine in irgend einer Zcitechrift, die andere zui 
Hoclizeit von Hinz und die dritte in einer Festgabe für Kunz aus Lieb) 
komme, und dafs er dann ein GesamtgEossar zu dem Dichter seines Lebens 
und eiue Darstellung vuu dessen Sprache gebe. Die litterarbis torischen 
Kragen un erörtern, zu denen die einzelnen Werke Anlafa bieten, und die 
angeniessen zu benntworten er durchaus der rechte Mann und seit Jahren 
spei'iell vorbereitet ist, wird immer noch Zeit aeiii. 

Was in der vorliegenden Publikatiou geboten wird, verdient im ganzen 
alle Anerkennung. Was über das Verhältnis der Ausgabe von de Bar- 
th(plüui*is /M der vou Biiideiie gesagt wird, üifst keinerlei Gereiztheit er- 
kennen, wie sie ain Ende doch erklärlich gewesen wäre, und giebt die be- 
-uhigcnde Gewiffheil, daf;* auf Abschrift und nachträgliche Wiederver- 




BcurteiluDgen und kurze Anzeigen. 229 

hinausläuft, Ersatz zu gewähren in der Fülle innerlich reicher PersÖnlich- 
keiten, in fesselnden Ausblicken auf Verengen heit und Zukunft, in sym- 
bolischen Visionen, in eingeschalteten schwungvollen Darlegungen ergrei- 
fender Wahrheit 

Für Herstellung eines durchweg grammatisch und metrisch und dem 
Sinne nach befriedigenden Textes hätte der Herausgeber noch etwas mehr 
thnn müssen. Auch wer weifs, wie er die überlieferten nichtaltlombardischen 
Formen lesen darf oder soll, um der Sprache des Dichters nahe zu kommen, 
wird an manchen Stellen über das Schwanken zwischen mehreren Möglich- 
keiten nicht leicht hinauskommen oder wird an anderen nicht wissen, wie 
er zu kurze Verse auf das geforderte Mafs bringen soll. Der Herausgeber 
hat in dieser Hmsicht in seinen Anmerkungen recht Schätzenswertes ge- 
leistet und namentlich aus der Thatsache gebührend Nutzen gezogen, dafs 
der Dichter es liebt, gleichlautende Verse oder Vershälften an verschiedenen 
Stellen zu verwenden, so dafs die Form, in der sie das eine Mal über- 
liefert sind, lehren kann, wie man sie ein anderes Mal zu heilen hat. 
Aber der Hinweis auf die Notwendigkeit kritischer Eingriffe dürfte meines 
C^rachtens noch öfter g^eben werden, als geschehen ist, und brauchte 
auch da nicht zu unterbleiben, wo der Herausgeber über das Wie? der 
Angemessenen Besserung vielleicht noch nicht mit sich im reinen war. Zu 
Halbversen wie eon le membre fievele e lasse S I 31 (wo fievle oder fievre 
tu sprechen nicht genügt), On in qtuUehe parte eb. 72, zu Versen wie Za 
viareirttno in proximo dentro la terra in le brüte fosse eb. 151 und so zu 
sehr zahlreichen anderen war eine Bemerkung zu geben, wenigstens immer 
da, wo die blolse Einführung der bonvesinischen Sprachform zu Befrie- 
digendem noch nicht führte. Stellen, wo mir der Verdacht gekommen 
ist, es sei entweder falsch abgeschrieben oder vom Schreiber des Codex 
selbst ein Fehler begangen worden, ohne dafs der Herausgeber sich zu 
einer Änderung entschlossen hat, sind etwa folgende: S I 814 und III 688 
begegnet novello in einem Sinne, der mir nicht recht zu passen scheint, 
indem navüä, womit Herr Biädene es im Glossar erklärt, nicht genug 
sagt; ich möchte glauben, das Richtige wäre dort roreüo im Sinne von 
'Freude, Jubel', was afz. und prov. revd auch heifst (Zts. f. rom. Phil. 
X 578). In I 83.') sagt der Sünder Eio inflo ptü ka brosco (im Gedanken 
an die verscherzte ewige Seligkeit), und III 079 sagt der Selige vom Teufel, 
der darüber wütend ist, daüs eine Seele sich aus seinen Klauen gerettet hat : 
Slo infiama piü cha brosco. Hier ist offenbar die eine Stelle nach der 
moderen zu berichtigen, und zwar möchte ich glauben, inflo sei richtig, und 
iroseo sei nicht pustola, wie Herr Biadene vermutet, sondern das lombar- 
dische Abbild des vulgärlat. bruscusy mit welchem C. Nigra sich im Arch. 
glott. XV 505 beschäftigt hat. III ^2G wird straledecteroli nur Dnick- 
fehier für straddectevoli sein; dagegen vermute ich in grande für gramo 
eb. 517 einen Fehler der Abschrift. Mehrere Verse, in denen bexogna vor- 
kommt, werden richtig, wenn man dieses durch cal ersetzt (a. Lexikalisches 
zu Ugu^on). In Q 62 scheint zwischen te le und tole (Infinitiv) ein volia 
verloren gegangen zusein; eb. 111 mag ombra Lesefehler für ombria sein, 



2Hn Beiirteflungen und kurze Anzeigen. 

(Ins (icni Vfrs ^iein Mafe giebl. Manche Verse, in ilenen zwei Adjectiva 
(iuivli c verbunden auftreten, werden richtig, wenn man auch dem ersten 
ein e vorset/.t. 

Dhh den Schlufu bildende Glossar ist mit viel Sorgfalt geatbeiict und 
weist reichlifh auf die gleichnrtigen Beigalien hin, mit denen andere ol>er- 
italieniüche Texte veröffentlicht Bind, nuf Flechia, MusatL^a, Salvioni, 
Parodi und andere. VermirRt habe ich erodarc R 2, slramilade S I ^95 
und hie und da die Anführung von Belegstellen, wo man (bei seltenen, 
«chwierigeii Wörteni) diene gern möglichst vollzalilig finden möchte. Was 
über die Herkunft von bototi 8 III 1B4 gesngt ist, scheint mir bedenklich. 
delongara S 11 175 und deshitgaio S I 757 würde ich eher eu it. tlogart 
alii zu loivio stellen; derexialo S II 417 mit rigidua lieber ale mit reserart 
in Vcrbinriung bringen. Prov. enyrea, wovon unter incresm die Rede ist, 
hat offenes p und kaun mit ereseere nicht zusanimenhfingen. nervoso (von 
den l''üfsen des Gekreuzigten) heifst schwerlich 'nervös zuckend', aondera 
eher 'mit stark hervortretenden Sehnen', atranforte S III 5liti ist äugen — 
sclieinüch da.-iHclbe wie afz. ealanfort, worüber ich auf P, Meyer in Bo — 
niania VI 1)04 Anm, und Ebeling zu Auberee 8'2 verweise. 

Berlin. Adolf Tobler. 

Ijü novella provenzale del Pappagallo (Amaut de Carcasses). Me — 
Dioria letta ulla R. Accademia di aruheologia, lettere e bell^ 
arti nella toniutii del lö mnrzo 1901 dal professore Paolc= 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 231 

lieferten tnamistai zu setzen, ist gewagt; das gleiche ist von Z. 150 zu 
sagen, wofür Z. 151 die Heilung nahe legt. Z. 144 wird voli' zu setzen 
sein. Zu Z. 160, wo auch Herr Thomas nicht beistimmt, verweise ich 
auf £. Levys Supplementwörterbuch, wo per espas nachgewiesen ist ; dafs 
der Schreiber auslautendes tx und s verwechselt, zeigen Uts 271 und jotx 
280, und dafs dem Dichter die beiden Auslaute gleich waren, der Reim 
roires (d. h. volreU) : prea 40. Z. 178 ändere ich (von A. Thomas ab- 
weichend) sei dieus que voa ereetx, Z. 224 darf hinter eami keine Inter- 
punktion stehen. Z. 238 bedarf der Besserung, aber welche darf man 
am ehesten vorschlagen ? Z. 250 1. l'es tart. Z. 262 die Wortstellung, die 
Herr Savj durch seine Änderung gewinnt, ist nicht provenzaUsch {ieu fag 
n'aiy)i eher würde ich vorschlagen, tot &VLr(ik traatot zu ersetzen. Das drei- 
silbige eomiat 277 ist wenig glaublich; 1. tot aes comjat. Z. 298 1. levcUx, 
— In der Fortsetzung der Hs. J würde der schlechte Reim l^i : vei 10 
durch einen richtigeren ersetzt, wenn man aei (für l^i) einführte, eine öfter 
begegnende Nebenform von ae; doch ist dieser schlechte Reim nicht der 
^nzige des Stückes. — Dafs Joan im Breviari 12726 einsilbig sei, wie 
S. 73 behauptet wird, muls bestritten werden. Dafs in der Anmerkung 
2u Z. 48 die Deutung Raynouards mit Unrecht angefochten sei, hat schon 
Herr Thomas gesagt. Die fragliche Stelle ist in meinen Verm. Beitr. 1^5 
mit anderen zusammen angeführt, die jeden Zweifel an der Richtigkeit 
cles Überlieferten ausschliefjsen. Wo von den Reimen der Novelle die 
'Kede ist, verdiente auch die Gleichstellung des festen mit dem beweg- 
lichen n in reapon (reapondet) : don {donet) 118 Erwähnung. 

Berlin. Adolf Tobler. 

Boccaccio-Funde. Stucke aus der bislang verschollenen Biblio- 
thek des Dichters, darunter von seiner Hand geschriebenes 
Fremdes und Eigenes, ermittelt und erwiesen von Oskar 
Hecker. Mit zweiundzwanzig Tafeln. Braunschweig, George 
Westermann, 1902. XVI, 320 S. gr. 8. 

Zwei Seelen wohnten in der Brust Boccaccios: die des sinnenfrohen 

Oennlsmenschen und die des Gelehrten, zu dem 'der ganze Himmel 

ttiedersteigt', sobald er *ein würdig* Pergamen entrollt*. Arm, wie er 

^&r, gelangte er mit Schwierigkeiten und allmählich in den Besitz von 

^ices; trotz seiner Körperfülle liefs er sich die Mühe fleifsigen Ab- 

i^hreibens nicht verdriefsen, und so mag er es bis auf etwa zweihundert 

Bände gebracht haben, für jene Zeit gewifs ein grofses Gut. Und nicht 

^e ein Greizhals sals er über seinen Schätzen ; er hatte den Wunsch, sie 

Auch anderen zu Lektüre oder Kopie zugänglich zu machen^ noch über 

seines Lebens Frist hinaus: mit dieser liberalen Bestimmung hinterliefs 

er sie seinem Beichtvater Fra Martino da Signa, und nach Fra Martinos 

Tode sollten sie dem Kloster S. Spirito in Florenz zufallen, dort einen 

besonderen Schrank erhalten und ein Inventar darüber aufgenommen 

Verden. In S. Spirito fiel die schöne Sammlung arger Vernachlässigung 



'>?,2 Beurteilungen und kurze Anzeigen. 

iiElieiiii, l>is iiicli — Aüfang des 15. Jahrhunderts — Nici-olö NiccoU ihrer 
uniiulim. Kioe Feuerubrimst vemictitete UTl dieKirclie; doch die Bucher 
gingen damals iiiclit, wie man geglaubt hat, mit zu Grunde; das wies 
E. Narduct-i (ISS'J) nach. Seit Anfang des 10. Jahrhunderts aind die 
t^chicksalc der Bibliothek in Dunkel gehüllt. 

A.GoWmanii entdeckte (1887) ein Inventar der KlOBterbibliothelt von 
S. Ppiriro aus den Jaliren 1450 — 51; der dritte Teil beschreibt die 80- 
(TenaiiiLtc [)arva libreria, und diese enthielt (nach Goldnianna Vermutung, 
dit; dann F. Novnti zur Gewifaheit erhohl auTser einigen anderen Hand' 
Schriften solche, 'lie aus Hoccaccios Besitze stammten. Es war cloe nicht 
mehr der vollutämlige Naehlafs, wie er in die Hände Fra Jlartinos ge- 
langte: i^nndern nur noch einige neunzig Bände, meist klaseisehe Werke 
enthallend. 

Mit Hilfe des laventnrium parvae libreriae iat ea möglich, einzeln» 
ivieiler aufgefundene Handschriften als ehemals zu genannter Bibliothek: 
gehörig zu erweisen. Nachdem dies Novati mit dem schon vorher al» 
Boccaccio- Aulograjih erkannten Terenz-Codei der Laurenziana gethan, be- 
gann lleckcr aeinc planmäläigen Nachforschungen auf Florentiner BihUo- 
thckcn, die von hg glücklichem und verdientem Erfolge b^leitet waren« 
Es gelang ihnj, zwöif solcher Codices zu identifizieren, zwei mit grofaer- 
Walirscheinlichkeit, zehn mit voller Sicherheit. Einer ist der bekannte 
Zihaldone (Laur. PI. 2i», Nr. 8); die anderen enthalten Werke von Horw, 
Jnvenal, I.uchu, Ovid, Fra Clinvanni Gallico (Magister Johannes Wallen- 
sisl, Slatius, Seneca (dem Tragiker) und zeigen entweder gar keine oder 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 283 

Dafs die erwähnten Umänderungen im cod. Rice, noch zu Boccaccios 
Lebzeiten, in den letzten Jahren, erfolgten, ja Boccaccio selbst zum Ur- 
heber haben müssen, macht Hecker ohnehin auf Grund des Briefes Boc- 
caccios an Fra Martino da Signa bis nahe zur Gewifsheit wahrscheinlich. 
Die Redaktion wurde teils vor, teils nach der Illuminierung vorgenommen, 
d. h. - da man eine Hs. erst nach Abschlufs des darin enthaltenen 
Werkes zu illuminieren pflegte — wohl vor und nach 1366 (ungefähres 
Abfassüngsjahr der letzten Ekloge). Für einen Zusatz bestimmt sich als 
frühester Termin 1369. Mit Hilfe des cod. Laur. PL 39, Nr. 26, der den 
Eklogentext vor Abschlufs der Revision giebt, lälst sich ermitteln, was 
Boccaccio an einzelnen Stellen des cod. Rice, geändert. Dann vergleicht 
Hecker diesen Originaltext mit dem der Ausgabe Florenz 1719. Da für 
einen Neudruck sämtlicher Eklogen kein Grund vorliegt, begnügt er sich, 
im Anhang zu Kapitel III, die XIV. nach dem cod. Rice, mit Einleitung 
und den Varianten des florentinischen Druckes zu publizieren. 

Die Niederschrift des cod. Laur. geschah nicht in einem Zuge, son- 
dern in drei Abschnitten. Zunächst Buch I — XIII, kaum vor 1368. Dann 
eine erste Textrevision mit Andeningen und Einschiebungen, sowie die 
Niederschrift von Buch XIV — XV; für diese nimmt Hecker die Zeit 
zwischen November 1366 und Februar 1367 an (nach S. 274 Anm. 4 aber 
wäre sie erst nach 1371 beendet worden). Hieraus erschliefst er als spä- 
testen Abfassungstermin des in der 'Genealogia' citierten Werkes De Mon- 
tiboB das Jahr 1366, während er auf Grund einer Stelle in dessen Ab- 
bitte de fluminibus als frühesten den Herbst 1360 ansetzt; eine weitere 
Konjektur sucht sogar 1362 annehmbar zu machen. Endlich ein dritter 
Abschnitt der Textbehandlung, der sich durch weniger ruhige Schrift ab- 
bebt und nach Hecker wahrscheinlich bis spätestens Hochsommer 1373 
reicht. Elinige Stellen des cod. Laur. werden mit den entsprechenden der 
Aasgabe von Micyllus, Basel 1532, verglichen. Manche Abweichungen 
'^n Hecker die Vermutung nahe, es könne noch ein zweites Original 
existiert haben, auf das die sogenannte Vulgata (Text der Drucke und 
'anderen Hss.) zurückgehe. Unterstützt wird diese Hypothese durch eine 
Anzahl Stellen, die in der Vulgata vom cod. Laur. verschieden lauten 
und doch nicht etwa in diesem fortradiert worden sind. Hecker möchte 
^®D cod. Laur. als die spätere der beiden Redaktionen Boccaccios ansehen, 
*enn er sich auch nicht die Bedenken verhehlt, die dagegen geltend ge- 
•"lÄcht werden können. 

Da Boccaccio der erste Schriftsteller seines Jahrhunderts ist, der 
Homer in der Ursprache anführt, schenkt Hecker den in griechischen 
ßachstaben geschriebenen Citaten der Genealogia - Hs. die gebührende 
ßeachtung. Dabei ergiebt sich, welche Fehler aus dem Boccaccio vor- 
hegenden Homer-Texte stammen, welche auf seiner mangelhaften Sprach - 
kenntnis beruhen. Offenbar hat Boccaccio den griechischen Wortlaut, 
wie er ihn geschrieben, gar nicht mit der von ihm beigefügten lateinischen 
tJbersetzuDg seines Lehrers Leontius Pilatus verglichen; zuweilen enthält 
diese Worte, die in jener fehlen. Er kopierte den griechischen Text 



234 Beurteilnngoi and kons fliiiiiltiii 

mechanisch und ohne VovtindD». Ali Anluuig m Ki^ftal IV üolgt 
Abdruck der Proemia, der Bflchor XIV uitd XV, wwie (Da Oonob 
der Geneologia deorum im Wortluite des cod. Iaht, mit Varintan 
dem Drucke Basel 1533 und dem Puiaer ood. Blb). NaL Ib. laL 7t 
Es Bind die AlMchnitt«, die mit dem mTthologiKhan Thanui Dnr Iom 
Bammenhängen, 

Der reiche Inhalt dee Heckerachen Budua iit dnndi dioe Anga 
nicht erschöpft. ÄuAer kleineren Erthtemngcn Bbar vlditige Fxagaa 
den Fulbooten sind den Kauteln Anhing« bclgegoban; dar mm «■ 
behandelt das Dante-Carmen, weldiea toq BocoKcfo u r etoica i 
Ewar — wie Hecker gegenfibn Fracasaetti harrorti^ — oldlt 1869 n 
Mtüland, sondern nach Avignon geaandt wnid«. Ea ad wahiadHin 
1X52 entstanden, Ewischen 18EI («nter Besuch fioooaocloa W Fat» 
und 1358 (Ende dea leUten Anfenthaltea Petraroaa In ATlpion). IGt 
nutEUDg aller EugSnglichen Handidirlft«n and An UebnigeB Anaga 
dmclit Hecker da« Carmen nochmala ab. Der Codas L V. 178 d« ( 
giana gilt ihm, obwohl er die von Hacrl-Leona und Boatagno gegen 
Autheaticität vorgebrachten Orfinde ala nklit ■tlehhaltig nuflckweiat, n 
für ein Autograph. Im Anhang in Eapitd 11 atallt er «iohUgara ^ 
Rehen Goidmanna beim Abdruck dee Inventaia dar Parrs Ubraia n 
dem Mb. richtig, giebt erlinterode Bemerkungen in der Eigenart dn 
Codicea, um Nachforschnngen eu erleichtam. Z. B,: Bocoaooio hat, w« 
HortJe Eweifelte, Chalcidiue* Überaetmng dea PUtonlaeben TImaeni 
Hündea gehabt. De Nolhace Vennutnng, Boccacdo kSnne Ton Tac 




BeurteiluDgen und kurze Anzeigen. 235 

Si bien tengo pedidos hace tiempo los primeros cuadernos, no pareceH. 
Gracias ä una cölebre casa berlinesa puedo disponer de los nümeros tres 
i seis inclusive, y con ellos ä la vista paede uno formatse idea de lo 
que serä la extensa obra, 4 informar ä los interesados sobre su impor- 
tancia. 

La envoltura no predispone en favor del libro, pues en ella vienen 
cartas de acad^micos, recomendändoloi y no hay quien ignore que en la 
Academia espaftola se anda en punto & lexicografia & la altura del betun, 
oomo ahora se dice, aunque la fräse, por supuesto, no figure en el l^xico 
ofidaL Pero, en fin, esperemos que bajo una mala capa se oculte un 
buen bebedor. Abra^os el n ^ 8. { Hm ! Mal empieza el examen. Äea- 
fresnoj con dos dtas, de Miguel Colmeiro, y Od6n de Buen, catedrätico 
de Barcelona. Respecto & este, dir^ que ni como escritor ni como botänico 
le conoce ca^i nadie en Espaila. En cuanto al primero, reconozco que 
entendiö de plantas, pero tambi^n que no se tomö gran trabajo por estu- 
diar 8U8 nombres vulgares. Yo tenla coleccionados, y &un tengo, den tos 
devocablos populäres con sus correspondientes denominaciones cienlificas, 
qae Colmeiro no mencionaba en la obra & la cual parece referirse Pag^. 
Ya entonccB preferla yo la filologia i los aburridos cursos de Historia 
^Atoral, explicados por viejos cansados y chochos (Dios les tenga en la 
Gloria). 

Como se ve, el autor pone el nombre del escritor al pi4 de la cita, 
y Piax Ckristi, jPues nos hemos lucido! En el siglo XX no es posible 
volver 6 las andadas de S&nchez y Ochoa. Pero el autor no tiene 861o 
U culpa, sino d acad^mico Benot, quien ha aplaudido ese m^todo, usado 
desgradadamente por 41 en sus obras, que en E^pafia nadie conoce, excep- 
tuando alg^nos ratones de biblioteca. AI seilor acad^mico en cuestiön le 
dirla yo, por tercera vez, que en su mamotreto oficiai hay varios vocablos 
copiadofl de textos con su errata correspondiente, los cuales van rodando 
de diccionario en diccionario acad^mico igual que en Alemania en los 
l^iicos espafioles - alemanes las voces con significados del tiempo de la 
Nana dados como si fueran frescos, de hoy en dia, en primcra linea. 

Asf, no puede uno comprobar si el texto es bueno ni malo. Hay 
Tutores que han escrito (y escriben) con los pi^s en unas obras, y en otras 
como Dios manda. Tengo hccha una colecci^n de disparates gramaticales 
7 lexicogrdficos que saldr& ä luz en su dia, probablemente con el tltulo 
de 'Maraila de la Literatura', porque me he propuesto desenmarafiar la 
hermosa lengua de Cervantes, que media docena de iiteratos estAn echando 
i perder, manej&ndola como chicos de escuela ä veces. Por ejemplo, si 
^J i^r. Pag^s saca fi relucir *una concavidad panxuda' (Gald6s, acadömico) 
icree que vamos ä tomar este disparate como oro de iey? ^Y *una ca- 
Uejuela rodeada de firboles' (Galdös)? ^Y un sin nümero de desatinos 
comprobados 6 por comprobar? 

^AceUandar (del bajo latin caletidarey del lat. caluvinia),* Luego, la 
cita, firmada 'Juan Ruiz'. Mejor que copiar la etimologia acad^mica seria 
poner un dgno de interrogaciön, suprimiendo el desatino de la scgunda 



2^fi Reurt^iiiingen und kurze Anzeigen. 

|iartr. Luegii, cn vez lic citnr nonibre y Hpellido, es preferible scgnir el 
iisd ciirrienle, y iJecir 'A. de Hita, 11)77 c'. 

Autes (ie acalenliirarse, [«ndria yo el adja/tivo de aqiit derivado, con 
este ejemplo, de GnldÖH: 'iraaginacWn aroknlurada' (LeÖD Roch II, 94), 
^iiii'iiiimo de rrilenliirienla, (]iie en eomo Be dice generalraente. La raiama 
raz^'n ha tenido el auCor para udmitif oealorado, h.oy ndjectiTO. 

l'iiner en arahrar dos rengloaes aölo del capitulo de dos colnninaa 
i|uc rieilica el grau lexic^igrafo Cuerfo Ji ese vocaWo, me |>arece muj 
fiobre, pientificaiiiente. Yo me habrSa remilido pnr complelo i su leito, 
perfeilisimnmcnte confeccionado. Y k rcngl^n seguido liabria dtado 
acaloio, von nuevn, con t.e.iU) de Navarro Ledeama. Y poco mfis deapin?s, 
ncahnr, que ya mencioofi en 'Marafla del Dicdonario'. Aeamar, que yo 
»'linha de iiienon en e! dicdonario acadämico, viene en la edict'>n 13" y 
eil la obra de l'agfg, 

En araiiiiixaiio. falta, \mT aupuesto, el testo de Cervantes en qiie se- 
hftlln, •\»e es '-n c\ Quijote (Paris 1835, pägina 712 parte 2», cap. 52). 
l'^-quivale pTi alemiin ;i gemsiedcrn, ctiyo primer mieinbro es tambiön latino- 

Uli trxtn puede afiadir el autor en aeanaverear, cuando publique liw 
'.' ' edit'ii'in, que es de esperar sea pronlo: 'anos degollados, otros cmpalados^ 
aquelloe acanarm-eadoa, e«toB descnartizados' (el Pefl6n de Argel, Juan- 
Oiircia AI-Degiier), 

Ya cn ot.ra criticu publicada en Barcelona echaba yo de menos I». 
Imse fiindaiiicntftl en tum obra de este gi?nero, el erttudio profunde d« 
1 titoarioB. En mi obra dtftda (png. O 







Beurteilungen und kurze Anzeigen. 287 

qae bebe; cUrnrndor, que aburre', etc.? Porque entonces, babrä que apagar 
por segunda vez y largarse. {Pues no digo nada! Y si aüadimos al ciento 
y la madre que trae la Academia los ciento y la abuela que pare, recopi- 
la<lo8 por mi con calma y paciencia, isantas pascuasi 

De modo que, por los reparos que van saliendo, se ve la falta de 
m^todo en la confecciön de la obra, la cual es producto de un trabajo 
de Lormiga pacientisimo que agota la vida de un hombre y en el cual, 
& juzgar por el retrato del autor, no söio se ha descejado, sino despelado 
caai por completo, con tanta vigilia y tanto afän de revisar textos, muchos 
de ellos por cierto desconocidos. 

Y sigue el capitulo de los reparos. La colocaciön de las palabras es 
l& nisma que en el dlccionario acad^mico, lo cual quiere decir que es 
mala, pues ya sabemos, v. gr. que tras dcaro viene acarralar, y que despn^ 
de aearreto vuelve & aparecer la r sencilla en acartonar. y acarionarse, 
que es lo ünico que hacen los seüores en la Academia, y eso, no por la 
lu^Yidad suya, sino por la del maldito tiempo, cuyo valor es all! des- 
conocido. 

£n acaao, yo me babrla remitido ä Cuervo, que trae cuatro columnas. 
A^qul se nota la falta de menciön de la obra muy especialmente. £1 Sr. Pag^ 
trae dos textos de Calderön que no puedo comprobar. Yo tengo anotado 
ono en que equivale & ^por casualidad', del mismo, no citado por Cuervu 
ni por Pag^s. Ni este, de la Gitanilla: 'si d caso le buscasen.' Tampoco trae 
Pag^ esta fräse: 'nacen al aeaso en el Norte' (La Batalla de los Arapiles, 
B5). Advierto que no tomo citas de segunda mano. 

Ni Pag^ ni la Academia ('Maraüa', 4) traen acasttUarf teniendo Ioh 
Reeses aeeastiller, voz tomada del castellano. 

Äcatar no Tiene, come ambos dicen, de a y catary etimolo^a infantil, 
siuo de adcaptare, antiguo franc^s acater. Y ademäs significa 'a8ociar\ 

Ninguno de ambos cita acayax, del P. Cid, 2669 ('Marafta', 4). Ni 
ficeeinado (id.): 'perezosamente estir6 el acecinado y ärido cuerpo' (Ei equi- 
page del rey Jos^, 207). Ni aceeifiamiento (id.), de *La Guarda cuidadosa'. 
Ambos preguntan, en acedia = piatija, si viene del ärabe. No sefiores, 
^ del &rabe es un recurso gastado y mandadq retirar. £1 texto, como 
<le costumbre: 'Cervantes.' jY al soll Yo diria: 'Kinconete y Cortadillo' 
(Novelas ejemplares, p&g. 114, poniendo, por supuesto, al principio de la 
obra, *ed. Coblens, 1832'). Y aüadirla esto, en acedo : 'no estuvo en dos 
dedoe de caerse muerta la Carducha con la aceda respuesta de Andres' 
('La Gitanilla,' Nov. ej., p&g. 52). Y esto: *Mosq. Pienso que elviejo lo 
h* viato — Que trae aceda la vista' (£1 lindo don Diego, acto II, esc. XIV). 
Y esto: *si te repite la respuesta que te diere dos ö tres veces, si la muda 
<ie blanda en aspera, de aceda (= al. herb) en amorosa' (Quijote, p. II, 
cap. X, p&g. 422). O mejor, me remitiria Ä Cuervo. 

Adfalo podria empezar asi: ^Äcephalo (P. Alejandro. 2831b'), advir- 
tiendo que estÄ como nombrc propio, con mayiiscula, y que es sustantivo 
aqui, 6 substantivo, que es como quieren haccrnos decir y cscribir aliora 
Jos sefiores. 



2-'!8 Beurteil ungeo und knne 

El pasagc ile Ccrvantee, en aeeite de aparieio ^ heilende« Wud 
(coD itiiai'iscula eo ini texto), ee halla en el Quijote, II. 46 (päg. li! 
T^ Academin ha teiiido el buen acaerdo (]rBra avial) d« suprimir ae 
de pctmlfo, fra^e que el Sr. Pag^s do ha podido comprobar, como no pi 
C'uervo hncerlo en multitud de capitulos acadäiiicoB, lo cual indica 'e 
faule Sai-he'. 

Ni Pagi5g iii la Aeademia traen aederado, de Oervantea. Eeta ha ■ 
dido aeelajado, que at|iiel trae con cita de läsico; yo tenfa una del Heral 
porque boy dia, con tantaa vocea nucvae y tantos ocademizant«« que 
InH adiiiJtcD por no manchar bu puUda plutna, se ve negro uno en cueat 

;lHdo Clin el lirabel Aeelga no viene de i\, eino de sUuea por tki 
en Uli opiui>'>n. Tcngo dos tcxtOB anotadoe, modcmoB. 

En aeciidrado ^= ei. seelcnrcia, yo habrla puesto: 'en eat« grcn 
corro y cumpafiia' estd 'el acendradiaimo caballero D. Qaijote de la M 
chiHima, y HU oscuderlsimo Panza' iguaea puHuima, II. 38, p%. 58'i). 
eil arriia, ento: Me muchaa ricas acefiaa que lee dicen trapcras' {P, A 
l;>i>lli); por cierli) quc en la interpretacii'in usa Ochoa un caatellano mai 
n'uiico. Y hicgo, itabria citado accfiar ('Marafia,' A, toraado del P. Alejani 
-'örib'. — Aci^iero viene tambi^n en la 'Biografta de un Oato'. 

Voy ii ver si en ritra edicii'm mencionan la Aeademia y el Sr. Ps 
un vocnblii citado en 'Maraila', nwr, a|>cdreSudolee i. citae; P. Alejan 
illl>, OTIil, Tir)b, 7.ilc. 78111. i:Ula, I7l);i,-, ■24I.1d, total ocho). 




Verzeichnis 

der vom 15. Mai bis zum 23. Juli 1902 bei der Redaktion 

eingelaufenen Druckschriften. 



Beitrage zur romanischen und englischen Philologie. Festgabe für 
Wendelin Foereter zum 26. Oktober 1901. Halle, Niemeyer, 1902. 499 S. 8. 
>L 15 FR. Lenz, Die indianischen Elemente im chilenischen Spanisch. 
M. Goldschmidt, Germanisches Kriegswesen im Spie^l des romanischen 
Lehnwortes. E, Stengel, Fromondins als Klosterbruder, Episode aus der 
Chanson von Gerbert de Mez nach 11 Hss. A. Thomas, U^rec de Beau- 
jeu, mar^chal de France, et les derniers vicomtes d'Aubusson. W. Cloetta, 
Die Entetdiung des Moni^e Guillaume. J. Cornu, Das Hohelied in 
casUllanischer Sprache des XIII. Jahrhunderts nach der Handschrift des 
Etcorial 1. 1. Ü. R. Zenker, Die Synagon-Episode des Monia^e Guillaume II. 
C. Wahlund, Eine altprovenzalische rrosaübersctzunj? von Brendans Meer- 
fahrt H. Suchier, Die Mundart der Strafsburger Sde. M. Förster, Ein 
englisch -französisches Rechtsglossar. G. Baist, Variationen über Roland 
2074, 2156. D. Behrens, Zur Wortgeschichte des Französischen. F. Neu- 
mann, Lat. auca > afz. oie, oue und Verwandtes. F. Rajna, Un eccidio 
M)tto Dagoberto e la leg^nda epica di Roncisvalle. V. H. Friedel, L'arri- 
T4e des Saxons en Angleterre d'aprbs le texte de Chartres et l'Historia 
Britonum. L. Morsbach, Die angebliche Originalität des frühmitteiengl. 
'King Hörn' nebst einem Anhang über anglofranzösische Konsonanten- 
dehnung. G. Steffens, Der kritische Text der Gedichte von Richart de 
^milii. E. Gaufinez, Notes sur le vocalisme de Meigret. G. Gröber, Ein 
Marienmirakel. K. D. Bülbring, Sidrac in England. F. Tendering, Die 
logisch schulende Kraft der französischen Grammatik, ein Beitrag zur 
Methodik des französischen Unterrichts]. 

SütterÜD, Ludwig, a. o. Professor an der Universität Heidelberg, 
Das Wesen der sprachlichen Gebilde. Kritische Bemerkungen zu Wilhelm 
Wnndta Sprachpsychologie. Heidelberg, Winter, 1902. VII, 192 S. 8. 

de Reul, Paul, Du point de vue sociologique dans l'histoire du 
laDeage, le^on d'ouverture du cours de Principes g^n^raux de i'^volution 
dn iangage, faite ä l'j^ole des scienceä sociales de TUnivcrsit^, le 4 no- 
▼embre 1901 (Extrait de la Revue de TUniversit^ de Bruxelles, janvier — 
f^frier 1902). Bruxelles 1902. 28 8. 8. 

Findlay. J. J., Principles of class teaching. London, Macmillan, 
1902. XXXV, 442 S. 

Steinweg, Dr. C, Schlufs! Eine Studie zur Schulreform. Halle a. S., 
Niemeyer, 1902. 48 S. 8. 



240 VerzeichniB der eingelaufenen Drucluchriften. 

Beitrüge zur romani.icben und englischen Pbiloloy'e dem X. deuUche 
Npiiphilologentng überreicht von dem Verein akadeniiecb gebildeter Lehn 
der neueren Sprachen in Breslau. Breslau, PreusB & JQnger, 1902. 211 8. 
[(-■. Appel, iJie Banza general nach der HaadBchrift dea Escorial neu he 
iiusgtgtlieu. Mütlaii, Der Bretonen Lehen und Sterben. A. FiUet, Sti 
dieu zur l'nstdurellc. C. Reicliel, Zur hnnücchriftlichen Oheriieferung di 
ChanaoQ de geste Fierabras. G. Sarrazin, Kleine ShakeBpcftre-ßtudieo], 

Litteraturblatt für germaniiiche und romaniscbe Philologie. 5Öul 
5, Mai; b, Juni. 

Modern lauguago uotos XVII, ä, May [E. P. Hammond, The tei 
Bfone in RichnrJ lil. - J, S. NoUen, Heine and Wilhelm Müller, IL - 
A. S. Cnob, The opening of Boccaccio's Ldfe of Dante. — W. W. Newel 
Arthuriaii notes. — J. W. Bright, Minor notes on Uhaucer. — Reriewa e!c. 
0, June jC. Searles, The LeodilU epiaode in Bojardo'a Orlando iuoami 
rato. — li. i'. I\iap|), Tlic firat transcript of the Vercelli book. — W. I 
lleevi'-, -\]..\.\. ,; ..u, , ,.■, Il.iml. U, 2. — R. Ferguson, OoldBmith and tli 
notiuii- I . .1 .11. lerer in Werthera Leiden, L — A. S, Rosenbacl 

The Ulli I I i.[ [,i Kiigligh dramatie Üterature before Shelton 

lrausluii..ii .1 i'.ri i;iii\,iic. — R. S. Ingraham, Apropoe of a 17. ceu 
artick- uij ,K-iii AiKiiijii; du Bait. — J. W. Strunk, >oteB on Cynewulf. - 
Kcview^ et^.J. 

Studier i modern BprSkvetenskap uteifnu af njAlologiaka Bällskapi 
i Stoi'kbrilm, U. Uppwila, Altiiqvist ft Wikgelle Boktryckeri -Aktie bolsi 
I'.tlil. IX, -Jil S. ^. Kr, .') iKronulögiakt ordnade geografiaka eehemai 
ijfver iK.t.k:.!'.- .i i.i. .i. Itidalitteratureu [C. Wahlundl, Sur tes 'propoeitioi 
reklic.-' '■ M ihiiHiodtl. Om fransk« ISnora i sveDskan [A. Non 

feltj. ' ' _. ■ ;if ordet kalt i »wen»ka eder och liknande uttry( 

[A. \\:s>.ii Miinl.i l.i-i prunoms franfaia au aelzi^me aifecle [U. EniBl 
?>nr \ci nitvi'rlit'M qui ilüli'rminent lea Bubataiitifa [Anna AhlströmJ. Si 
lelopmeiit phöu(5tiqiie de quelques rnots nloucs en francaia [E. Staafl 




Verzeiclmis der eingdaufenen Druckschriften. 241 

I^ division et PorganisatioD du territoire fran^ais, introduction. Bau- 
mann, Darf man im franzÖBischen Unterriebt von Ofenitiven und Dativen 
sprechen? — Mitteilungen. — Litteraturberichte und Anzeigen. — Zeit- 
Bchriftenschau]. Jahrlicn vier Hefte von zusammen 24 Bogen, zum Jahres- 
preis von M. ». 

Neusprachliche Beformbibliothek. Herausgeg. von B. Hubert und 

M. Mann. 

1. Band : P. A. Graham, The Victorian era ; adapted for the use of 

schools, and with a füll English commentary by D. R. Krön. VII, 

89, 81 8. Geb. M. 1,80. 

3. Band: R. Kipline, Three Mowgli storles, selected etc. bv Prof. 

E. Sokoll. Xni, 87, 44 S. Geb. M. 1,80. 
5. Band: W. Shakespeare, The tragedy of Julius Caesar. With intro- 
duction etc. by D. M. F. Mann. VIII. 8ti, 56 S. Geb. M. l,8ü. 
Sammlung neuphilologischer Vorträge und Abhandlungen herausgeg. 
von W. Vietor. Leipzig, Teubner, 1902. 8. 

I: Michel Jouffret, De Hugo ä Mistral. Le9on8 sur la po^ie fran- 

(aise contemporaine. 108 o. 

11: R. Schinder, On certain aspects of recent Engl, literature. 112 8. 

111: W. Vietor, Die Methodik des neusprachlichen Unterrichts. 56 8. 

Baumann, Friedrich, Oberlehreram Gymnasium zu Torgau, Reform 

und Antireform im neusprachlichen Unterricht. Abgedruckt aus der Zeit- 

^ichrift für das Gymnasialwesen und durch Zusätze erheblich erweitert. 

Berlin, Weidmann, 1902. 44 8. 8. M. 1. 



Logeman, H., Elckerlyc-Everyman. De vraag naar de prioriteid 
^euw onderzocht (Universit^ de Gand, Recueil de travaux, 28. facs.). 
Gand, Vuylsteke, 1902. 175 8. 



£n Reifen, A., Grammatik der nhd. 8prache. 5. Auflage, herausgeg. 
iinter Äßtwirkung von H. Jantzen. Berhn, W. Schultze, 1902. 619 8. 

Schweizeriscnes Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. 
^LV. Heft Band V. Bogen 12—21. Bearbeitet von A. Bachmann, 
RSchoch, H. Bruppacher, E. Schwyzer. Frauenfeld, Huber, 1902. 

Die Ambereer Parcifal- Fragmente und ihre Berliner und Aspersdorfer 
J'^K&nzungen. Herausgeg. von D. A. Beck, K. Präfekt an der Lehrer- 
büdimjgsanstalt Amberg. Amberg, Böes, 1902. 49 8., 6 Tafeln. 4. 

Die Carolina und mre Vorgängerinnen. Text, Erläuterung, Geschichte, 
yi Verbindung mit anderen Gelehrten herausgegeben und iSarbeitet von 
«'.•Kohler. iLBand: Die Bambergische Halsgerichtsordnung unter Heran- 
oehung der revidierten Fassung von 1580 etc. herausgeg. von J. Kohl er 
jnd W. Scheel. Halle, Waisenhaus, 1902. XCI, 312 8., 23 Abbildungen. 
M.10. 

Klopstocks Oden. Ausgewählt und erklärt für den 8chulgebrauch. 
^it einem Anhang: einige charakteristische Stellen aus dem Messias von 
fi. Windel, Promsor. 2. Auflage (Frey tags Schulausgaben und Hilfs- 
bdcher für den deutschen Unterncht). Leipzig, Frey tag, 1902. 147 8. 
Geb. M. 0,75. 

Freytags Schulausgaben für den höheren Unterricht Leipzig, Frey- 
tag, 1902. 
Der schwäbische Dichterkreis, eine Gedichtsammlung für Schule und 

Haus, herausgeg. von Dr. Ernst Müller. 142 S. Geb. M. 0,8u. 
Schillers Geschichte des dreifsigjähriffen Krieges. Für den Schulgebrauch 
herausgeg. und erläutert von Oberlehrer D. W. Böhme. 347 8. 
Geb. M. 1,40. 

AroUv f. o. SpradieB. CIX. 16 



S4'2 Verzeichnis der eiugelnufenen I>nickschiiftaii. 

Voretzsch, Prof. Dr. Carl, Unaere Soldalealieder (Ri>nd«rab(lfiicBB 
ans der Beilage zur 'Allgemeinen Zeiiuog' Nr. 72 und 7H vom 27. unci 
39. Mär* l£i03). Mflnchen l»03. 2ti 8. 8. 

Beiblatt lur Änglia. XIII, 4—7, April— Jiüi. 

The Engliah world. May [Bristors new docks. — UuHpital '1»'. ^ 
Mr. Rhodes's will. — Jen7 Bundler. — A. mountain |iarai]Ue. — ■''tit^* 
M6re, — Wind und Ucila. — An agricultutal experiaieol. — Maup7g«ni<ji^ 
— Odds and eods of interost. — Queetioos aud ansivem et^^i. — Juo^ 
[The shipptng combine. — Notes of the month. — Bret Harte, — Tb-*» 
veiT false Gfllup of Dementia. — Miat. — The Hinila mystery. — Ftp^ 

Cuba. — Agriculture in Cannda and its future. — The King'B UlneiB. 

The peaue terms]. 

■^"ddell, H. 
^--..,. being pro „ 
boubleday, 1902. XVI, 312 g 

Bonner Beiträge mr Angli.^tik, heraungeg. von U. Traatmatin. 1>'9 
[H. Steffens, Versbau und Sprache de* nie. atabreimeudcn Gedicbiea "ili-- 
wars of Alexander'. — U. Linddöf, Wörterbuch £ur Intcrlinoarglowe d^« 
Rituale ecclceiae DunelmenaiB]. Bnnn, Hanatan, 1902. S.'Ü 8. M. 7. 

J. T. Brown, Huchüwn of the awle lyale nnd hie poomi, exatnine^ 
in the light of recant critidsm. Ulasgow lUOii (read t« tli« lioyal Philen 
Soc. Glasgow, ai. April ltXl3). Ul 8. 

Eckhardt, E., Die lustige Pensoii im älterea euglischen Praina |b^ 
lÜlS). Palaestra xVn. Berlin, Mayer & Möller, IM-i. XXXII. ^79 ^ 

Joneon, Ben, Tbc case \* altered, a comedy, nreasnled by atuderiMI 
In the Univeraity of Chicago at the Auditorium lueatcr, 17. May IHiC3 
Revised after the original edition of liiOO. Chicago, The UniTsnity e= 



Agriculture in Canada and its future. — The King'B illneiB. 

!!,iddell, H. H., Au introduction lo the scientific »tory of Eaeti^B 



VerEeichnis der eingelaufenen Druckschriften. 243 

Poems of English country life, selected and edited with introduction 
»nd notes by Hmiford R. George, M. A., and W. H. Hadow, M. A., 
Oxford, Clarendon Press, 1902. XII, 112 S. Geb. 2 Sh. 

Seed, T. B., English boys. Für den Schulgebrauch herausgegeben 
^on Dr. K. Münster, Oberlehrer (fVeytags Sammlung französ. und engl. 
Schriftsteller). Leipzig, Freytag, 1902. Iü8 8., dazu 5ö S. Wörterbuch. 
Ceb. M. 1,20. 

Swoboda, W., Prof., Lehrbuch der endischen Sprache für Mädchen- 
Ijoeen und andere höhere Mädchenschulen. I. Teil : Elementar buch. Wien 
Und Leipzig, P. Deutsche, 1902. VII, 170 S. Geb. Kr. 2,50. 

Pünjer, J., Rektor, und Hod^kinson, F. H., ehem. brit. Vice- 
Konsul, Lehr- und Lesebuch der englischen Sprache. Ausgabe B, Teil I. 
2. verb. u. verm. Aufl. Hannover und Berlin, Carl Meyer, 1902. 124 S. 
Oeb. M. 1,60. 

Köcher, E., und Runge, H., Lehr- und Lesebuch der englischen 
Sprache. Mit 12 Vollbildern, einem Plane von London, einer Karte von 
England und einer Münztafel. Leipzig und Berlin, Teubner, 1902. XII, 
176 8., data Wörterverzeichnisse 88 S. 

Kellner, Leon, Lehrbuch der englischen Sprache für Mädchenlyceen. 
Berlin, Springer, und Wien, Gerold, 1902. IV, 238 S. M. 2. 

Thamm, E., Dr., First steps in English conversation, for use of 
schoola. Ein Hilrabnch für den Gebrauch des Englisdien als Unterrichts- 
und Schalverkehrssprache. Auf Grund der neuen preufsischen Lehrpläne 
von 1901 bearbeitet. Gotha, Perthes, 1902. VI, 6ü S. M. 0,60. 

J. T. Graden, B. A., Schlechtes und gutes Englisch, Sammlung von 
Fehtorn, die von Nicht-En^landem beim Erlernen der englischen Si)rache 
gemacht werden. Mit Schlüssel. [Mistakes in English, mäe by foreiniers 
stadying the language, with their corrections.l Strafsburg, K. J. Trübner, 
1902. 54 a Geb. M. 1. 

Schmitz, H., Englische Synonyma für die Schule zusammengestellt. 
2. verb. u. verm. Aufl. Gotha, Perthes, 1902. VI, 92 S. M. 1. 

Mu eller, Dettloff, Analysis of commercial correspondence with an 
aktract of commerdäl law; textbook for commercial academiee und Han- 
delshochschulen. Leipzig, Teubner, 1902. U2 S., with sample letter, de- 
^itiona of technical terms, and English-German vocabulary. 



Grundrifs der romanischen Philologie . . . herausgegeben von Gustav 
<^röber. IL Band. I. Abteilung. 5. Ueferung (Bogen 60—81 und Titel- 
t>ogeD). Schlula der I. Abteilung des II. Bandes. Stralsburg, Trübner, 
^W, 8. 945— 128C. M. 5,20. (Enthält den Schlufs der Geschichte der 
^zÖsischen Lltteratur von Gröber und das Register zur 1. Abteilung 
dei IL Bandea.) 

Revue des iangues romanes. XLV, 2 [F. Troubat, La danse des 

tmüeß (ein in Montpellier bis ins 16. Jahrhundert hinauf nachweisbarer 

Tanz, dessen Fieuren beschrieben werden ; zugegeben die begleitenden Ge- 

nngwworte nncT Weisen). E. Stengel, Le chansonnier de Bernart Amoros 

^ort«.). F. Castets, I dodici canti (Schlufs des Textes). Bibliographie. 

Ghronique]. XLV, 3 |^A. Jeanroy, Refrains in^its du XIII^ siecle. 

E, Stengel, Le chansonmer (suite et fin). J. Anglade, T^at. ^urgtiSy formes 

Mmininea et maacolines en provencal. Bibliographie]. 

Stodj di filologia romanza puböHcati da E. Monaci e 0. DeLoUis. 
Faac. 25 (rol. IX, fasc ^) [Pierre Toldo, l^tudes sur le th^&tre comique 
fruigaiB da moyen flce et sur le röle de la nouvelle dans les farces et 
daoa kB com^ea. G. Bonelli, I nomi degli uccelli nei dialetti lombardi. 
Bollettfno bibliografico]. Torino, Loescher, 1902. S. 181—488. L. 12,50. 

16* 



.<,».^»ivii. 1^. iiiTZdg, jsaciiträ^e zu XXIII' 

Mart. Hart man ns S('lnilan«-irahcii franz 
zi<r, Hlolte, 1!Mi*j!. Kl. 8. (ich. 

25. Souvenirs d'unc Bleue, ^'ieve de Saint-! 
la Maisuüfort k Genevi^ve de Colombe 
Herausgegeben von Konrad Meier. A 
91, 37 S. Dazu ein Wörterverzeichnis 
Freytags Sammlung französischer und en 
zig, Freytag, 1902. Kl. 8. Geb. 
Les Baroeur-Carbansane, histoire d'une fai 
Jacques Naurouze. Troisi^me partie. A 
den Schulgebrauch herausg^eben von 
am EgL Berger-Gymnasium zu Posen. 1 
buch dazu, 57 S., M. 0,50. 
Gerhards französische Schulausgaben. Lei 
9. Petite Neil par M™^ Suzanne Ga^nebin. 
Spracheebiet allein berechtigte Scnulaus] 
Wörterbuch von Dr. £rnBt Wasserzieh« 
höheren Mädchenschule in Oberhausen ( 
107 S. Geb. M. 1,20. II. Teil: Anme 
24 S. M. 0,25. 
Neusprachliche Beformbibliothek. Herauf 
Hubert und Dr. Max Fr. Mann. Leipzig, E 
2. Quatre nouvelles modernes. Annot^ par 1 
Boum par J. Claretie. Une gu^rison dii 
chfevre de M. Seguin par A. Daudet Yvo 
laye.) VI, 76, 81 8. M. 1,80. 
4. Expedition de Bonaparte en E^pte et en 
Annot^ par Prof. Dr. O. Schulze. X, 
ü. Nouveau choix de contes et nouvelles 
classes sup^rieures par D. Bess^, p 
male de Versailles. (Les m^res par A 
R. Bazin. La premifere ^ition par J. No: 
par J. Normand. Anne des lies par I 
M. 1,80. 
Pitt Press Series. 
Madame Th^r?^ K^ i^-^i r.. . • 



VerzeichniB der eingelaufenen Druckschriften. 245 

Baist, Gottfried, Variationen über Roland 2074, 2156 (aus der Fest- 
schrift für W. Foerster, S. 218—282). 

Hartnacke, Wilhelm, Aliscans II (2894—5880), kritischer Text mit 
Einleitung und Varianten. Inauguraldissertation aus Halle, 1902. 31 8. 8. 
(Die Dissertation enthält auijser der Einleitung die Stelle 2894—3350; die 
vollständige Arbeit soll bei Niemeyer in Halle erscheinen.) 

M^lan^ d'ancienne po^ie lyrique. Chansons, jeux partis et refrains 
in^dite du äIII® si^cle publik et annot^s par A. Jeanroy. Paris, Picard, 
1902. 68 8. 8 (Extrait de la Revue des Langues romanes 1896, 1897, 1902). 
Ein Marienmirakel. Von Gustav Gröber in Strasburg (aus der 
Festschrift für W. Foerster, 8. 421—442). [Altfranzösische gereimte und 
bisher nicht gedruckte Fassung des Wunders von der Klosterpförtnerin, 
die während mehrjähriger Abwesenheit aus dem Kloster durch eine von 
der h. Jungfrau entsandte Stellvertreterin ersetzt wird, so dafs sie nachher 
unbescholten in ihr Amt zurückkehren kann. Diese Fassung wird mit 
zahlreichen anderen, lateinischen und französischen, verglichen. Sie ist 
der Arsenalhandschrift 3518 entnommen und scheint der zweiten Hälfte des 
13. Jahrhunderts anzugehören.] 

Montaigne. Principaux chapitres et extraits des 'Essais' publik 
arec des notices et des notes par A. Jeanroy, professeur ä la Facultd 
des lettres de Toulouse. Deuxifeme Edition. Paris, Hachette, 1902. XXXV, 
379 8. kl. 8. Fr. 2,5o. (Über die erste Auflage s. Archiv C, 218 ff.) 

Patoifl-Lieder aus Lothringen. Von L. Zeliqson. Sonderabzug aus 
dan Jahrbuche der Gesellschät für Lothringische Geschichte und Alter- 
tumskunde. Band XIII. 1901. *^ S. 4. [Die Texte sind in phonetischer 
^Hreibung gegeben, von einer Übersetzung ins Französische und von 
einigen erklärenden Anmerkungen begleitet.] 

Saure, Prof. Dr. Heinrich, Le tn^&tre franyais classique. Das klas- 
sische Drama der Franzosen. Für Schulen bearbeitet und mit Anmer- 
kungen versehen. Erster Teil. Zweite verbesserte Auflage. (Tableau ex- 
plicatif des syllabes douteuses. — Corneille: Le Cid. Horace. — Racine: 
Britannicus. Phfedre. Athalie. — Moli^re: Le Misanthrope. Les Femmes 
savantes. — Voltaire: Zaire.) Berlin, Herbig, 1902. VIII, 185 8. 8. [Die 
im Titel genannten Stücke sind nur in Auszügen mitgeteilt, das Weg- 
S^bssene ist durch kurze Inhaltsangaben ersetzt, und jedem Stücke geht eine 
faiappe Analyse vpran. In Anmerkungen unter dem Text werden Hilfen 
för angemessene Übersetzung, auch Erläuterungen anderer Art geboten.] 
Französisches Reallexikon ... herausgeg. von Dr. Clemens Klöpper 
ü Bostock. Lief. 28 — 30 (Schlufs: Uniforme — Zvthogale, und drei An- 
Iiänw. 8. 673—929). Leipzig, Renger. Jede Lief. M. 2. 

BaJIetin du Qlossaire aes patois de la Suisse romande. Beme, Bureau 

du Glossaire (Hallerstrafse 39). 1902. 8. (Jährlich vier Nummern von 

je wenigstens 16 Seiten zum Preise von Fr. 1,50 jährlich. Die Redaktion 

bilden die Herren Gauchat, Jeanjacpiet, Tappolet. Die erste [Doppel- J 

Xummer enthält aulser einem einleitenden AufBatze über die paiots ro- 

manda eine Mundartprobe mit französischer Übersetzung, Etymologien 

und die Beschreibung des Heugadens samt den in den Ormonts üblichen 

Benennun^n seiner Teile und der dazu in Beziehung stehenden Thätig- 

keiten. Die kleine Zeitschrift wird sicher die Mitarbeiter an dem grofsen 

Unternehmen aufklären, anregen, wohl auch neue gewinnen.) 

Weitzenböck, Georg, rrofesaor an der Landes- Oberrealschule in 
Graz, Lehrbuch der französischen Sprache. I. Teil. Vierte, inhaltlich 
unveränderte Auflage. Leipzig, Freytag, 1902. 172 S. 8. Geb. M. 2. 

Boerner, Dr. Otto, Lehrbuch der französischen Sprache ... Aus- 
eabe D ... Mitbearbeitet von Dr. Friedrich Schmitz. II. Abteilung, 
5littel8tufe. In Tasche: Französisch-deutsches und deutsch-französisches 
Wörterbuch. Leipzig und Berlin, Teubner, 19(»2. X, 259, 7(; S. 8. Geb. 



B4^ Vprzeichüis der eingelnufenen DruckschrifteD. 

IiiwBi'lbtn Werkes Ausgabe B. IV. Tai. 2, Abteilung. (Neubearbei- 
tiinjr.i ObprT^tufe, Mit Wörterbuch. IX, '^61, 13(i S. 8. Oeb. 

KiiÖrich, Dr, phil. Wilhelm, Uirektor der atidl. höheren MSdehcii- 
»uhule und LelirenDueD-BiliiuneBauatAlt tu DortmuDd, Fmozösischee Le«e- 
Lin<l Lehrbuch. Eretor Teil: ErsUs Schuijdhr. Zweite Auftage. Hau- 
imver und Berlin, Meyer, 19l>2. VI, 96 B. 8. Geb. M. 1,25. 

Ilreymaan, Dr. E., Französischen Elementarbuch für Gymnasien 
unil Prn^mnfiaieD. 1. Auflage. MQuchen und Borhn, OldeDbourg, DKri 
VII, lüti 's. 8. rieb. M. a,IU. (VorbflaBerte und vermehrte Neuaufiflge dm 
IClt'raentJirbuL'hs für Realschulen.) 

Pchmedijig. G., docteur en philoBOphie, [)rofeBBenr Jl l'Ecole normale 
iiiiiir iiifltitutricns au diäteau diical de Wolfenbuttel, Mutiere grammatical^ 



e:;. 



76 gram 
• S reuseignemeni des classea supfirieurea. DresJe et Ijopaic, 



Öchneiiier, Direktor Prof. Dr. phil. JuUqb, Einige Hilfsmittel für 
.m' Praxis des frauiösiflcben Unternchta in der Prima. Beigabe lum 
.Inbresbericht des Herzog]. Realgyumaaiume mit Reitlnchule zu AlteabuTi;, 
S.-A. 19(12. Programm Nr. Ttiö. IV. Ü(l 8. 8. 

Mrtrchot, Paul, docteur fes lettrea, profeaseiir ft l'Universit^ de Fri- 
bourg (Kniaaej, Petite phon^tique du franfäis pr^lilt^ratre (YI^ — X" si^le«). 
Secondi' pBrtie, Lee con (tonn es. Frihoiirg (Suiaae), Veith [o. J,], 8. ■ll-S'*- 

iß. Archiv cvii. aas.) 

Oaufinez, Eugene, Notes fm le vocalisme de Meigret (aus der Fcsi- 
-rhrifl für W. Foerater)., 8. 36^—420. 

Borelius, Hilma, Etüde sur l'Dmploi des pronoma peraonnels flUJeW 
III iint'ien frirnjalB (Extrait de 'Friin filologiska Foreningen i Luml', II. 
y.mi l.und llltVj. i!0 B. ?. 

ivlftpper, Dr. Clemens, Stilistinche Verschiedenheiten im (icbraucbe 

1 und fruiisös lachen Pronomijia. Dresden und LeipEig, Koch. 

;ll S. M iNeuatirachl. Abhandlungen ... herauage " " "^ ""■' 




VerzeichniB der eingelaufenen Druckschriften. 247 

Baudler, Arthur, Guiot von Provins, seine Gönner, die 'Suite de la 
Üble' und seine lyrischen Dichtungen. Inaugural-Dissertation aus Halle. 
902. 91 S. 8. 

Pillet, Alfred, Dr. phil., Privatdocent an der Universität Breslau, 
^tudicD zur Ptotourelle. Sonderabdruck aus der Festschrift zum X. Deut- 
chen NeuphilologentaR. Breslau 1902. 50 S. 8. 

Schneegans, F. Ed., Maistre Fran^ois Villon. Sonderabdruck aus 
Neue Heidelberger Jahrbilcher' XI, 8. 158—172. Heidelberg, Koester, 1902. 

Klingler, Oskar, Die Com^ie-Italienne in Paris nach der Samm- 
lung von Gherardi. Ein Beitr^ zur Litteratur- und Sittengesdiichte 
Pnnkieichs im siebzehnten Jahrhundert. In augural- Dissertation aus 
Zürich. Mit Illustrationen. Strafsburg, Trübner, 1902. VI, 232 S. 8. 

Mflhlan, Dr. (Glatz), Der Bretonen Leben und Sterben [aus 'Fest- 
lehrift zum X. Deutschen Neuphilologentag'J. 44 S. 8. Vom Verfasser 
Segen M. 1,25 zu beziehen. 

Mflnch, Dr. Wilhelm, Geh. Regierungsrat, Professor der Pädagogik 
UQ der Universität Berlin, Didaktik und Methodik des französischen Unter- 
ichts. Zweite umgearbeitete Auflage. [Handbuch der Erziehungs- und 
uDterrichtslehre für höhere Schulen herausgeg. von D. A. Baumeister. 
Öritter Band, 2. Abteilung, 1. Hälfte.] München, Beck, 1902. IV, 179 S. 8. 
^. 4, geb. M. 5. (Die erste Auflage ist besprochen Archiv XCV. 828—333.) 

Lö wisch, Dr. M., Das Volkslied im französischen Unterricht. Sonder- 
Imck aus dem Jahresbericht des Grofsherzogl. Sachs. Realgymnasiums 
n Eisenach, 1902. 32 S. 4. 

Crescini, Vincenzo, La lettera epica di Rambaldo di Vaqueiras 
esto critico, versione, postille), omaggio a Giosu^ Carducci. Memoria 
tta alla B. Accademia di scienze, lettere ed arti in Padova, nella tor- 
ita d^ giomo 8 di giugno 1902, ed inserita nel Vol. XVI II, dispensa 
:i degli Atti e Memorie. Padova 1902. 26 S. 8. 

Thpmas, Antoine, Etymologies Rasconnee [aus M^langes L^nce Cou- 
ire. Etudes d'histoire meridionale d^di^es ä la memoire de L^nce Cou- 
ire (1883—1902), Toulouse, Privat, 19021. 14 S. 8. 

Dittes, Dr. Rudolf, Über den Gebrauch der Participien und des 
erundiums im Altprovenzalischen. Separatabdruck aus dem Programme 
Br deutschen k. k. Staats- ResJschule in Budweis, veröffentlicht am ^blusse 
es Schuljahres lOOi. Budweis, Selbst veria^, 19ü.'. 32 S. 8. 

Dittes, R., Über den Gebrauch des Innnitivs im Altprovenzalischen. 
iyntaktische Studie. Aus 'Romanische Forschungen herausgeg. von Voll- 
ttöUer*, XV, 1. 1902. 40 S. 8. 

Donati, Dr. L., professore alla Scuola cantonale di Zurigo, Corso 
prltico di lingua itaiiana per le scuole tedesche. Grammätica — Esercizi — 
Letture. Zungo, Art Institut OreU Füfsli, 1902. VI, 336 S. 8. Geb. 
Fr. 4,50. 

Zuberbühler,' A., Lehrer an der Sekundärschule in Wädenswil, 
Kleines Lehrbuch der Italienischen Sprache, II. Teil. Lese- und Übungs- 
buch. Zürich, Art Institut Orell Füfsli, 1902. VII, 191 8. 8. Geb. Fr. 2,80. 
[Der erste Teil, VIII, 131 S., geb. Fr. 1,90, ist 1902 in vierter Auflage 
^hienen.) 

Riccoboni, Daniele, Studi sul dialetto veneto. IL Intomo alla 
^ögua di Nicola da Verona, trovero del secolo XIV. (Di^li Atti del 
Mstituto Veneto di scienze, lettere ed arti, t VIII, serie VlI. 1890—97.) 
^8. 8. — Continuazione e fine (eb. t LX, parte seconda. 1901). 33 S. 8. 
Der Text war im t V, s. VII, 1893—4 erschienen. 

Ettmayer, Karl von. Lombardisch- Ladin isches aus Sudtirol. Ein 



Beitrag zum oberitaUenisclieii Vokaliunu. Aoi 'BoDuoIidu Fbnduuu 
XIIL 2, 8. 321— Ö72. 

Eighteenth and ninetoenth anniul Beporta of tfaa Dante BtM^e^ (Ch 



bridge, Mass.) 1899—1900. [Accompanynig i 

in amcrican librariea, BUpplementing Üie otUMne of llie Oondl 

lectioD, compiled bj Theodon Wesl^ Kgch. &^x of Mthon q 



bjr Benvenuto da ImoU in bis commeoterj on thelHT. Ooaunedia; a e 
tributiOQ to the atudy of the bootcm of ms oommeoUr;, IlT Pägat Toj 
bee.! BoatoD, Ginn and Company (for the Dute Bodäbr), 19Ul. ZV 
tjT, 54 S. 8. 

Crescint, ViDcenzo, L'episodio di FranceML FkIotm, Dra^u. 8! 
8. L. 0,51). (Vortrag, dra am 7. Mal 1902 In Padiu gohaUen wnnU) 

Bertana, Emilio, Vittorio Alfieri atadiato noUa Tita, nel pouki 
nell'arte, can lettere e documeuti inedlti, ritrattl e fK-BmSh Tta; 
Loescher, 1902. VII, .S47 8. 8. L. 9. 

Zumbini, B., Studi aal Leopaidi. Volume L Stndl ^Tanffl 
crudizionc e di letteratura. Primo periodo poetiotk AttntTwao lo 'Zi\ 
dono'. Secondo periodo poetico. Füen», £nrbbn, 1909. Xm, S3S E 
L. 3,50. 

<-casl«lhano, the extuit nltdan poenia ot tlw i 

„^ _, jol (1950— H50j collected and edfted with • Uta 

Htudy, Dotes, and glossai? by Henry & LanK) profnaor of nouBce pt 
\a^y in Yale Uuiversitf , correeponding monber of the Bffral Aatdemj 
Sciences of Lisbon. I. Text, notea, and sloaaaTy. New York, Bcribi 
Sons; London, Arnold, 1902. XIX, 284 8. 8. (Yale bloantennlal pi 
cations.) Geb. S ^."0 net 

Die Danza general nach der Handschrift des Eacoilal Den her 
gegeben von Carl A ppei. Sonderabdruck aus der Festschrift suin X. D 
Bdien Neuphilologentag. Breslau 1903. .13 8. i 




s/ 



Zu den Quellen des ^Esopns^ von B. Waldis J 



über die Quellen des B. Waldisschen ^Esopua^ herrscht 
noch nicht völlige E^larheit. Heinrich Kurz^ und Julius Titt- 
Diann' haben zwar in den Anmerkungen zu ihren Ausgaben 
von einem grofsen Teil der Fabeln die Quellen nachgewiesen^ 
aber was sie unerforscht gelassen haben, ist immerhin noch be- 
traditlich genüge und ihre Angaben bedürfen selbst da, wo sie 
im allgemeinen richtig sind, im einzelnen mehrfach der Berichti- 
gung und Ergänzung. 

Während Kurz über die Hauptquelle des Dichters noch 
sdu* ungenügend unterrichtet ist und daher eine Menge von 
Vorlagen (darunter den Vincentius Bellovacensis, den Petrus 
^fonsi, die Sermones discipuli des J. Herolt, sowie dessen 
QMadragesimale und Speculum exemplorum, femer das Quadra- 
gmmale von J. Gritsch, das Itinerarium Paradisi von 
J' Raulin US u. s. w.) annimmt/ kommt Tittmann der Wahrheit 
*rf den Grund^ indem er für die Fabeln 1—283 die bekannte 



* Vorstehender Aufsatz, für die zum 25 jährigen Professorenjubiläum 
Hernnaim Pauls erscheinende Festschrift bestimmt, wurde zu spät fertig, 
^dem ich ihn an dieser Stelle veröffentliche, verbinde ich damit die 
'^liebsten Qlückwünsche für den Jubilar. 

' EsopuB von Burchard Waldis, hg. von H. Kurz; Leipzig, Weber. 
2 Bde. 1862. (Deutsche Bibliothek, hg. von Hemrich Kurz. Bd. I u. II.) 

^ Esopns von Burchard Waldis, hg. von Julius Tittmann; Leipzig, 
Brockhaus. 2 Bde. 1882. (Deutsche Dichter des 16. Jahrhunderts, hg. von 
t Goedeke und J. Tittmann, 16. und 17. Bd.) 

* Vgl seine Ausgabe Bd. I, praef. X^VI ff. 

AroliiT t B. Spraehen. CIX. 17 



250 7.11 den Quellen dee 'Eeopus' von B. Waldis. 

Fabelsammliiug von DorpiuB als Vorlage bezeichnet Unrichtig 
ist indes einmal, was er über diese Fabelsaramlung sagt; ein 
Eingehen liieraiif kann ich mir jedoch ersparen, da W. Brauoe 
in seiner vortrefflichen Ausgabe der Pabehi des EraamuB Alberuä' 
(praef. XXX^XLII) sorgfältige Angaben über diese Sammluug 
und ihre zalilreiclien Ausgaben gemacht und insbesondere aucli 
den seltsamen Irrtum Tittmauna verbessert hat, dafs 'dieses Burli 
... in der älteren Ausgabe .sowohl wie iu der neuen verniehrteii 
W'aldis vorgelegen habe'. Waldis hatte selbstredend nur ein 
Exemplar der späteren, nicht erst von 1532 an, wie Tittmana 
meint, sondern bereits 1521 erweiterten Fassung vor sich. Fer- 
ner hat Tittmann die wichtige Frage unuutersucht gelassen, ob 
Waldis hei jenen 28.1 Fabeln wirklich nur die Saninalung des 
Ilorpins gekannt, ob er nicht daneben noch andere VoHagen 
IjClUltKl [i;li. 

iih glaube daher, dals es angcüeigt wäre, das Quellenverhält^ 
iii,' des ' KtK-ipiis' einer nochmaligen Untersuchung zu unterziehen. 
Kiiie gründliclie Uni.schau unter den Fabel- und Schwanksaiiim- 
lungen vor l."i4fi wird ei^eben, dals Waldis neben dem vielver- 
iireiteteu lluche des Dorpins noch manches andere f 




Zu den Quellen des 'EsopuB* von B. Waldis. 251 

licht,* und es wäre die Aufgabe der Quellenforscher längst ge- 
wesen, das Verhältnis des Waldis zu dem Bamberger Humanisten 
klarzulegen. 

Ebe Frage mufs ich von vornherein von der Betrachtung 
hier ausschliefsen, nämlich die, ob die ^Fabulae Aesopicae etwa 
8dioD bei den ersten 283 Fabeln als Nebenquelle gedient haben. 

* Ich will an dieser Stelle keine erschöpfenden bibliographischen An- 
gaben über die 'Fabulae Aesopieae' machen, ich begnüge mich hier, einige 
der wichtigsten Ausgaben kurz zu erwähnen. 

Die ediiio prineeps, die mir leider hier nicht zur Verfügung stand, ist 
beechrieben in Fabricii BiblioL Oraeea Bd. XIII (Hamburg 1726), 8. 510. 
Ich bezeichne sie mit T. 

Mir lag ein Nürnberger Nachdruck mit folgendem Titel vor: 
AESO-IIPI PHRYGIS || FABVLARVM CELE-||berrimi autoris 
Vita. II FABELLAE AESOPI||cae plures quadringetis, quae||dani 
prius etiam, multa nüc||primii editae: oes ante orati || ionis coue- 
niente & aequabili || ueluti filo pertextae ä Joachi||mo Camerario 
Pabengeü. || Fabulae ite Liuianae, Gellijjanae, Politiani, Gerbelij & || 
Erasmi aliquot. || Norimbergae 1539. 
Em Drucker ist nicht genannt. Blatt- oder Seitenzählung fehlen, die 
Signaturen gehen bis V8. Diese Ausgabe, die ich durch N bezeichne, 
enthält 425 Nummern (gleich der ed. princ. ?), die gegen den Schlufis eine 
ei|entümliche Ordnung darbieten: nach Nr. 403 folgt Nr. 410 — 425, dann 
4i)4~409. Die aus T herübergenommene Dedikation an 'Joanni Schoppero 
VenerabiU patri & Abbati Conuentus Fontis Salutaris' ist von Tubingae 
li Sextilio 1538 datiert. — 

Von Wichtigkeit für die Geschichte des Buches ist folgendes Werkchen : 
Appen||dlx Fabvlarvm || Aesopicarvm nvper || editarum k Joachime 
Camerario || additis A^yptiacis & alijs qui || busdam fabulosis narra || 
tiunculis. | Tybingae ex offici{{na Vlrici Morhardi Anno MDXXXIX. 
Das Büchlein (App. hier bezeichnet) enthält 3 nicht gezählte, 45 ge- 
zollte und wieder 5 nicht gezählte Blätter kl. 8^. Dieser Nachtrag zu 
<ler im Vorjahre veröffentlichten Sammlung enthält einige siebzig neue 
Fabeln und ist dem Micael Rotingus in einem vom V. Non. datierten Febr. 
Schreiben dediziert. Also nur ein paar Monate nach dem Erscheinen der 
^do princ ergänzte Camerario seine erste Sammlung. Die nach 1539 in 
Töbingen erschienenen Ausgaben, wie z. ß. die mir vorliegende von 1542 (T*), 
bieten die neuen Fabeln bereits eingereiht. In dieser letzten Ausgabe sind 
mehrere Fabeln in anderer Reihenfolge aufgeführt. 

Schwer zu bestimmen ist der s. a. mit verändertem Titel Norimbergae 
>piid G. Wachterum erschienene Druck. Er enthält nur 425 Nummern, 
^etet aber Abweichungen im Texte der Fabeln, die uns zwingen, ihn 
flach 15S9 zu setzen. Ich bezeichne ihn N^. 

17* 



25-J Zu den Quellen des 'Esopiis' von B. WflldfB. 

Die Beantivurluüg dersclljeii würde auch zu ausführlich eni Ein- 
gehen auf die Hauptquelle (DoqjiuB) und auf andere Fabelsamni- 
hiiigen, kurzum zu Weiterungeu zwingen, wozu mir hier der Raum 
fehlt. Ich begnüge mich daher zu zeigen, welche unter den 
letzten 117 Fabehi des 'Esopus' ganz oder teilweise Camerarius 
entlehnt sind. 

Ich übei^ehe zunächst die Fabeln 'Eaopus' UI, 84, 86 und 91, 
von deueu zwar bei Camerarius ähnliche Versiooen vorkommen, 
deren Benutzung seitens Waldis aber zweifelhaft ist, und hebe 
an mit der Fabel III, 95 



Von 



neoi alte 



uem newen Wagen. 



AIb der seit löll^ iti Tübingen wirkende CamernriuB 1541 nach Leipzig 
berufen wunle, Ueis er drei Jahre später in dieser Stadt eine neue Aus- 
gabe luit geändertem Titel erscheiDen: 

HISTORIA VITAE FOBTÜNAEQUE AE80-||PI CUM FA- 
BVLTb TLL1\ S pluribus quingentia, & aliJH quiboHdEiin Darra-]] 
tionil B c n pusitis studio Ä illJigentin || JOACHIMI CAMERARII 
PAB Qui) US H ) t tae fuere & Liuianae duae et Qellianne ac aliorum 
nliiju t Lt III KlAE II ex officimi recente || Valeutini Papae 



Zu den Quellen des 'Eeopus' von B. Waldis. 258 

Kurz bezeichnet (11, S. 142) die Quelle dieser Fabel als 
bekannt und giebt auch keine Nachweise an. Tittmann be- 
srkt (II, 8. 112 A.) zu derselben: 'Scheint eigene Erfindung 
« Dichters/ Die Quelle ist aber Camerarius' ^Fabulae Aeso- 
Icae' Nr. 406 (N.) (T> BL 157, L» S. 329, L^ S. 303). 

Ich führe die lateinische Fabel hier ganz an. 

De plaustro recenti et uetere. 

Plaustrum recens stridentibus rotis fertur obuiam quon- 
aro factum alteri, quod & uetustius, & cuius rotae de- 
ritiores essent. Hoc igitur illud interrogat, quid queratur, 
Qt quae res ad ista ipsum lamenta adigat. Cui recens & stri- 
ulum plaustrum: Cur tu obsecro tanto, inquit, silentio 
Dueheris, & raros etiam gemitus edis sub oneribus? 
lentio enim, inquit hoc, dolorem, & ferenda intelligo 
uae imposita mihi sunt, itaque ferre quam deplo- 
are malo. 

Docet fabula, clamores & uociferationes non fere a uanitate & 
icogitantia abesse. Vt dicant Franci; cachinnos sonantes in 
re Dasei. Etiam docet, quantum in laboribus perferendis exer- 
itati nouitijs & rudibus praestent 

Waldis hat diese Fabel in seiner gewohnten Weise nach- 
eahmt: er gestattete sich Ausschmückungen und kleine Abwei- 
bungen. Hebt Camerarius kurzweg mit dem Wagen selber an, 
ö spricht Waldis erst von dem Bauern, dem der neue Wagen 
ehort, und erzählt uns: 

Den lud der Bawr mit Weytzenkem, 
Wolt fahm zu mark, war eben fem. 

Losdiaulich schildert Waldis das Geräusch des neuen Wagens 
öd ebenso das heruntergekommene Aussehen des alten Karrens, 
ahrend Camerarius das kurz mit einem Beiwort abfertigt 

Sachlich weicht Waldis insofern von seiner Quelle ab, als 
li ihm der neue Wagen das Gesprach beginnt, wälirend bei 
unerarius der alte anfängt und den neuen nach der Ursache 
ioes Ächzens fragt. Die Auffassung des Waldis, dass der alte 
irren, trotz seiner schweren Last, 



254 Zu den Quellen des 'Esopua' von B. Wald». 

Dennocht gieng stillechweigend daher, 
Gleich ob er hette kein beschwer, 

(itid orst auf die Frage des neuen Wagens dae Stillschwdgeu 
linoht, ist eine entschiedene Verbesserung gegenüber Camenirius. 
Dafs aber Waldis wirklich die 'Fabulae Aeaojticae' zur Vor- 
lage liatCe, das beweisen verschiedene wörtliche Anklänge. Icl 
lasse zu den oben durch gesperrten Druck hervorgehobene! 
Stellen liior die outsprechenden nachgeahmten Verse des deut 
wehen Dichters folgen: 

V. 10, Dh kan) ein ander Wag entgegen, 

Der war nun alt vnd abgenfttit 

Sein achssen 

— velgen, Hpeichen, nahen 
Verbraucht . .. 

V. \\<. der Wagen new 

— sprach: ich bitt dich auff mein trew 

\'. 2''. Vnd dennoch Bolcher last bist trechtig, 
Poch hört man aolchen alten Wagen 
dar selten aeufftzen oder klagen. 
'F,y' — — — sprach der alt 




Zu den Quellen des 'Esopus' von B. Waldis. 255 

pecunia Exhortatio' [wohl ideDtisch mit Steinhöwel ^Esopus* (lat.) 
143 de fidei commissa pecunia (ed. Oesterley 8. 301) = Älfonsi, 
Dtsctpl, Clertcalts cap. 16 = Gesta Romanortcm c. 118]. Titt- 
rnann äufsert sich folgendermafseD : 'Die nächste Stelle kann ich 
nicht nachweisen; die Geschichte ist alt und weit verbreitet. 
Steinhöwel ex Adelfonso 238% 239 V 

Kurz und Tittmann deuten auf die gleiche Geschichte hin. 
Diese hat zwar eine gewisse Verwandtschaft mit derjenigen des 
Waldis, ihre Quelle aber ist sie nicht. In jener (aus der Diaci- 
plina Clericalia des Petrus Alfonsi stammenden) Erzählung wird 
der Empfang von anvertrautem Geld geleugnet^ und der Betro- 
gene veranlafst einen Freund^ dem Betrüger Kisten^ angeblich 
mit köstlichem Geschmeide^ in Wirklichheit mit Kies gefüllt^ zur 
Aufbewahrung zu übergeben^ wo er denn^ in demselben Augen- 
blick eintreffend^ durch diese List sein Eigentum zurückerhält. Bei 
Waldis handelt es sich auch um anvertrautes Geld, aber sein 
Empfang wird nicht geleugnet, es wird niu* behauptet, die Mäuse 
hätten es gefressen, kurz es ist die bekannte, auf das alte indische 
Pabelbuch Calila ve Dimna (Bidpai) zurückgehende Erzählung, be- 
^ffs deren Verbreitung ich auf Oesterley zu Wendenmuih I, 191 
ond Bolte zu Schumanns Nachtbüchlein I, 11 (Stuttg. Litt. Verein 
197. Publikation S. 392 und 209. Publikation S. 279) verweise. 

Waldis konnte die Erzählung aus dem Directorium vitae 
humanae des Johannes von Capua, der lateinischen Übersetzung 
des indischen Fabelbuches, oder aus deren deutschen Übertra- 
gung^ dem Buch der Beispiele der alten Weisen (beide von 1480 
^ wiederholt, das deutsche Buch unzählige Male gedruckt), oder 
aus den ^Fabulae Aesopicae des Camerarius N. Nr. 385 'Depo- 
situm aes' (T> Bl. 147, L'' S. 285) schöpfen. Dafs er aber nur 
das letzte Werk benutzte, läfst sich leicht zeigen. 

Im 'Directorium' 'deposuit' 'quidam pauper mercator ... 
mille libras ferri^ 'apud quemdam notum suum', im 'Buch 
i^T Beispiele' : 'ein k auf f man ... het ... hundert pfund 
ysen ... in sins wirtes hufs in einr statt geben^, bei Camera- 
rius: 'Deposuerat mercator apud hospitem suum magnum 
pondus aeris' und bei Waldis: *Vil gelts ein kaufman ... legt 
... Bey seinem Wiert auf guten glauben^; man beachte dabei 
die Doppelbedeutung von aes = Erz (Kupfer) und Geld. 



256 Zu den Quellen dee 'EsopuB' Ton B. Waldis. 

Di;r voD der ßeiee zurückgekommene Eaufmann fordert im 
' Direcfi-riuvi' und im 'Bück der Beispiele' sein Eisen, bei 
Careierariiis sein 'aes', bei Waldis sein Geld. Die Ausrede des 
Wirtes (bei Job. von Capua des Freundes) ist die gleiche in 
allen Versionen. Die Antwort des Kaufmanns bietet im 'Buch 
liei- Beifjjteh:' den sonst fehlenden Zug, 'dafe kein Tier aufBer 
dem Straul's (= -on ein strufs*) Eisen fresse.' 

Der Kaufmann giebt sich scheinbar zufrieden, und der Wirt, 
früh, so leichten Kaufes davongekommen zu sein, lädt im 'Dtree- 
torium' und im 'Buch 4er Betepiel^ den Betrogenen ein, bei 
ihm zu speisen, ein Zug, der bei Camerarius und Waldis fehlt. 

Der Kaufmann stiehlt dann den Sohn des Wirtes und ver- 
birgt ihn im 'iJirectoriiim' 'in domo cuisdam', in den drei ande- 
ren Versionen 'bei einem anderen Wirf. 

Im ' liiicli dtr Beispiele' kommt der Kaufmann eret am 
dritten Tag zu seinem Wirt zuriick (bei Johannes voo Capua 
feliit die Zeitangabe), bei Camerarius 'postero die', bei Waldis, 
damit übereinstimmend, 'am anderen Moi^en'. 

Im 'Direct'iriinii' behauptet der Kaufmann, 'vidi auem que 
rapuit ... puerum', im ' Hnrh der ßeigpiele' ebenfalls 'ein vogel' 




Zu den Quellen des 'Esopas' von 6. Waldis. 257 

oam Bcitum filinm hospitis siii, Der Wiert frewt sich in seinem sinn, 
nte aedes discurrentem absque cu- Das er den Kauffman hat gefatzt, 
(ode, abducit ad alium suum ho- Mit solcher list das Gelt abgBchwatzt. 
pitem. Dieweil, der Kauffman gieng hinauls, 

Findt auff der Gassen für dem Hauis 
Des Wiertes Son, ein Knaben klein 
Der spielt ynd war nun gar alldn. 

Den bracht er 

Heimlich zu seinem andern Wiert. 

Die entsprechende Stelle lautet im ^Directorium' (Hervieux 
^i S. 165): Et ait mercator: Nunquam audiuimus esse in mundo 
tnimal quod frangeret ferrum^ et mures comederunt modo illud. 
ima autem nihQ reputo illud^ ex quo Deus liberauit te ab eis^ 
t oon offenderunt te. At ille gauisus [est] de verbo qood 
ndiuit ab eo rogauitque illum vt comederet secum illa die et 
tatuit sibi terminum reueniendi ad eum. Postquam vero recessit 
b eo mercator cogitauit argumentum vt caperet sibi filium suum. 
iui cum furatus esset eum^ abscondit in domo cuisdam. — 

Im ^Buch der Beispiele lautet sie folgendermafsen (ed. Hol- 
uid S. 60): Sprach der kauffman: ^ie hat man gehört noch 
:e8ehen, daz kein tier sy^ das ysen efs^ on ein strufs vnd hie 
ssen es die müls. Aber ich schäz das alles für nicht, allein so 
lieh got vor jnen behüt hat, das du vnbeschädiget von jnen 
:ummen bist.' Der wirt was fro von des kouffmans werten vnd 
od in, by im zu essen. Vnd do der kouffman ufs dem hüls 
uuD, gedacht er, wie er dem man sinen sim stelen möcht, der 
mmal ein wolgeschaffner junger knab was vnd dem vatter vast 
ieb. Un do er jm den gestal, do behielt er in jn eines andern 
"rirtes hufs. — 

Auch die Moral des Camerarius hat Waldis herübergenom- 
ineD: Fabula subijcit proverbij sententiam: Clauum clauo 
pelli oportere, Waldis: Mit Negeln man Negel aufs- 
trebt etc. — 

Die nächste Erzählung, die hierher gehört, ist ^Eaopus^ IV, 13 

Vom Schiffman vnd einem Diebe. 

furz sagt über diese (11, S. 158): Wahrscheinlich mündliche 
?beriieferung oder eigenes Erlebnis'. Bearbeitung (davon): Aes. 
amer. 328: Tempestas in muri, — Tittmann schreibt das (II, 160) 



■2h« Zu den Quellen des 'Esopue' von B. Wildk. 

getreulich nach: 'Eigenes ErlebDia, später in Joachim Camera 
-Fabiilue Aesopicn^" (Lipsiae MDLXX) Nr. 328: Tempestas 
mar! (schon 1504: gedruckt)". 

Die Erzählung erschien bereite 1539 im Druck in dem ob« 
erwähnten 'Apprudix fabohirum' S. 11 \ Hier lautet sie: 

Tempeetas iu mari. 

Orta iu mari tempestate atroce, omnibusigue alijs metu trepi 
dantibus, imus inter illos solus oniDium nullam dare significatiooen 
timoris, ac potiiis niagnam prae se ferre confidentiara. Cui aliu 
(juidam, ijuaeuam res te, inquit, aut spes, tarn securum iu maxim« 
discriraiue praestare potest? Tum hic, nihil enim periculi est, inqait 
Nihil ne, imjuit alter, iam pene fracta naui? Mihi quidem, inqui 
ille, oiiius coqjus non piscibiiB, sed auibuR pabulum praebere debet 

Fabula docet, diuinituB reseniari ad aua supplicia malos.' 

Daa Verhältnis des Waldis zu dieser Darstellung ist eii 
selir freies, wie man es indes bei ihm seineü Vorlagen gegeoübc 
sehr oft bcobachteu kann. W'aldia erzählt die Geacliichte mi 

l^roCiäcr Frische und Lebendigkeit als Erlebnis auf einer Seereis 




Zu den Quellen des 'Esopus' von B. Waldis. 259 

Quam Seite nos, ioquit, poma natamus! Sed paulo post 
humiditate dissolutum in aquis evanuit 

Fabula narratur contra gloriationis uanitatem. 

Diese kurze Fabel hat Waldis wieder in seiner Weise er- 
weitert und ausgeschmückt. Aus dem unbestimmten 'sterqui- 
linium' machte er einen 'Rofsdreck'. Er gab an, wie einerseits 
die Apfel, anderseits der Rofsdreck ins Wasser geraten waren. 
Eme Magd liels über einen Steg gehend die Äpfel aus einem 
Korbe ungeschickterweise in den Bach fallen. Ein Bauer tränkte 
sdn Pferd an demselben Bache, und dieses liefs bei der Gelegen- 
heit 'ein Feigen' hineinfallen. Und nun schwammen Apfel und 
Bo&dreck zusammen weiter, und der letztere redete die Leute an: 

Seht, wie wir schcnen upffel flieifien! 

Den Schlufs *Sed paulo post' etc. hat Waldis weggelassen; 
die Moral der Fabel, von Camerarius kurz angedeutet, hat er 
durch eine Anzahl treffender Vergleiche veranschaulicht. 

Die nächste Fabel, mit der wir uns hier zu besdiäftigen 
haben, ist die 87. im IV. Buche des 'Esopus' 

Vom Wolff vnd einer Ganfs. 

Kurz bezeichnet die Quelle als unbekannt und führt unter 
verschiedenen Versionen bezw. Bearbeitungen der Fabel Came- 
rarius 'Lupus saltans' an. Wir werden auch dieses Mal die 
'Fabulae Aesopicae als Quelle des Waldis anzusehen haben. Ich 
lasse die lateinische Fabel folgen (Nr. 350, T* Bl. 134^ U S. 260): 

Lvpvs saltans. 

Hieme quaerebat escam lupus, & anserem nactus in syl- 
uas deuoraturus hunc asportauit. Qui uidens de se esse actum, 
Disi consilium callidum excogitaret, quo eriperetur e dentibus 
saeuissimae bestiae, ualde orat lupum, quoniam sibi moriendum 
csflet, mediocriter se delectari, sine quidem incomodo ipsius ac 
Diolestia, pateretur, minus postea grauiter mortem ut fer- 
ret. Lupus iubet petere quid concedi sibi uelit. Tum ille re- 
spondit, choreamsecupere agitare, quam ipse ducat. Lupus, 
qui nihil fraudis metueret, age inquit, fiat, & leuae alae pennam 



'260 Zu (im Quellen dee -Esopiu' von B. Waldis. 

eniinentiorem prehendeos, cum ansere saltare coepit. At 
hie occasione fu^e oblatji, relicta penna in ore lupi auolaiiit. 
Lupus cuDi gemitu auolanteiu prosequeus: Me miseruin, ioquit, 
uon oportuit saltare ieiunum. 

Fabula monet, dUüI recte alieno tempo fieri. 

Diese Fabel benutzte Waldis mit charakteristischen kleinen 
Anderuugen, indom er sich zugleich sprachlich möglichst seine 
Selbständigkeit wahrte. Bei ihm geht der Wolf 'vnib Fafsnacht' 
auf Raub aus, die Gans ergreift er 'bey einem Zaun', die arme 
Gefangene möchte in der lustigen Zeit 'die allen Menschen freude 
geit' auch noch einmal fröhlich sein. Die beiden tanzen 'als obs 
zu einer Hochzeit wer'. Der Wolf macht sich Vorwürfe, dafs er 
aich nicht der Lehre erinuert, die ihm einst sein Vater gab, u. s. w. 

Einen Zug, dafs der Wolf die Gans an einer Feder festhält, 
hat A\'aldis weggelassen. 

Ein paar Sätzchen verraten übrigens noch deutlich die Quelle. 
Waldis sagt: '... ein Gana ergriff.' — 'So wolt ich denn 
dest lieber sterben.' — 'Drum wolt ich gern einst 
ch nimmer nüchten 




Zn den Quellen des 'EBopus' von B. Waldis. 261 

direptioni & praedae sint Quibus dicds oblocutos leoDes aooepi- 
mus, orationi leporinae deesse VDgues & dentes. 

Fabula docet, fortem oratioDem, nisi etiam viribus sit folta 
a potentioribus deriderL 

Mit dieser Fabel hat Waldis sehr frei geschaltet; man kann 

bei ihm nur von einer Nachahmung im allgemeinen sprechen. In 

der Ausführung ist er ganz seine eigenen Wege gegangen. Nicht 

eine allgemeine Versammlung der Tiere, sondern, wie man es 

strenge genommen nach dem Titel der Fabel (Concio leporum) 

auch bei Camerarius erwartete, nur eine der Hasen findet bei 

ihm statt. Streben die Hasen bei Camerarius die allgemeine 

Gleichstellung der Tiere an, so wollen sie bei Waldis nur die 

Tyrannei der Löwen beseitigt wissen: 

Vielleicht sie sich zum guten kerten 
Durch süsse wort vnd Hasenstimm, 
Baldt lieesen ab von jrem grimm, 
Den Thieren nit mehr widerstrebten, 
Hinfürter freundUlch mit jn lebten, 
Wurden all mit einander frumb. 

Sie begeben sich bei Waldis zweimal zu den Löwen, um ihnen 
<lie Sache vorzutragen. Das erste Mal kehren sie wieder un- 
terrichteter Sache um, denn die Löwen waren alle 'voll mit 
bancketieren\ Das zweite Mal bringen sie ihre Moralpredigt an, 
werden aber von den Löwen nicht, wie bei Camerarius, blols 
verhöhnt, sondern zerrissen und aufgefressen. 

Noch eine Abweichung von Camerarius bietet die Einleitung 
des Waldis. Er verlegt die Handlung 'Kvrtz vor (?) der Schöpfung 
aller Ding*, 'da sey gwest ein alter Hafs', 'der war verstendig, 
klug vnd wei(s Vnd hat in Büchern lang studiert^. Von diesem 
Hasen sei das ganze Hasengeschlecht gelehrt geworden. Und 
ihre Gelehrsamkeit und Weisheit habe sie auf den Gedanken 
gebracht, als Weltverbesserer aufzutreten. 

Die Idee, den Hasen als ein gelehrtes Tier anzusehen, dürft« 
Waldis aus einer Fabel entnommen haben, die sich bei Camera- 
rius (Appendix S. 17 \ U S. 341 ^Leporis eruditw) und Pauli 
(Schimpf und Ernst Nr. 108 ed. Oesterley S. 80) findet und aus 
dem Dialogus creaturarum (ed. Grässe S. 255) stammt. 



263 Zu den Quellen dm 'Esopus' von B. W&Idis. 

Die Abweieliungen des Waldig von Canierarius erklfiren sich 
gröl« teil teils aus der von jenem beliebten grundverschiedenen 
Moral, die er an die Fabel anknüpfen wollte. Während Camera- 
riiis nur veranschaulicht, dafs die wirkungsvollste Rede ohne 
eine ilir Geltung verschaffende Hand von den Mächtigen nur 
verlaf^ht wird, will Waldia zeigen, dafe 

Kijnig, Fürsten ynd der Adel 
Können uit leiden Irgend s tadel. 
Wer sie strafft vnd die warbeit sagt, 
Der vrird veracht, getödt, verjagt. 

Seine Fabel i*^t wie so manche andere von ihm eine wetternde 
Str-.ifreile gegen die Tyrann enge w alt seiner Tage. 
Bei der 9ö. Fabel des FV. Buches, 

Wie einer ein Esel solt schreiben leren, 

lie/eichuet Kurz (II, 184) 'Abstemius ap. Nev. 592' 'De Gram- 
iii'it.ici) d"reiiti: •isi'ni'in' als Quelle und führt eine Anzahl 
anderer Versionen, darunter Camerarius (Lips. 1564) S. 107, als 




Zu den Quellen den 'Esopus' von B. Waldis. 268 

wenn er bis zu dieser Frist den Esel Dicht lesen und schreiben 
gelehrt habe, u. s. w. Von dieser Einkleidung finden wir nichts 
bei Waldis, und gerade sie ist für die Darstellung des Abstemius 
charakteristisch, während der Schlufs der Erzählung in den meh- 
sten Versionen so ziemlich gleich ist 

Waldis nähert sidi sowohl Poggio ab Camerarius, und es 
bleibt zu untersuchen, ob er diesen oder jenen oder beide benutzt 
bat Ich hebe mit Camerarius an und gebe zu diesem Zweck 
semen Text wieder (Nr. 181, L^ 8. 166): 

Rex et svbditvs* 

Innocenti subdito infestus Rex, ut cum causa illum posset 
plectere, imperat asinum ut litteras doceat. Hie se obedientem 
iufiso futurum ait, & omnem diligentiam operae adhibi- 
turum, sed esse tempore longo opus ad eam rem per- 
ficiendam. Peteret quantum vellet, concedente Rege, ille decen- 
nium postulat Quo impetrato, amici hominem admonuere, 
fieri non posse, vt asinum literis erudiret At vos, 
inquit, bono animo estote: nam intra tam multos annos 
aut morietur animal, aut rex aut ego. Quodcumque autem 
horum acciderit, ego onere suscepto liberatus 
fuero. 

Docet fabula, difficilibus (in) negocijs & periculosis 
saepe esse salutarem procrastinationem. 

Die Fabel des Poggio lautet: 

Facetum hominis dictum asinum erudire 

promittentis. 

Tyrannus ad exhauriendum bona subditi, qui se multa fac- 

turam iactabat, sub graui poena praecepit, ut asinum literas 

<loceret Hle impossibile ait fore, nisi multum temporis sibi in 

erudiendo asino concederetur. Petere quantum uellet iussus, de- 

cennium impetrauit Deridebatur ab omnibus, quoniam rem im- 

possibilem suscepisset Ille amicos solatus, nihil timeo, inquit, 

oam interim aut ^o moriar, aut asinus, aut dominus. C^uibus 

oerbis ostendit salutare esse rem difficilem in longum 

protrahi ac differL 



264 Zn den QnaUan &m ■Ewpoi' tco & WaUli. 

Die beiden VenicHieD Mete», wie nun töAt, einige «M 
ÜbereinstinuDUiigen — tmd es Hegt aof der Hand, daü C 
rariuB die Facetdaa dea Itdienen mr Voriage hatte — , aber 
dozelne AbweichongeD, die ee ermfig^idiea, daa YttUßkä» 
hessischea Fabeldiohtera m ümen m. beatimmeo. 

Waldis nähert nob mtia Catnecariiu ala Pogg^ lA 
von B^en einleiteodan Worten, wo er Aber den IdUmuidi 
Gewalt bei den MSahUgen klagt — .sein Zosati — tb, und 
gläch zur eigentlichen I^zfihliuig fiber. 

Bei ihm ist es, wie bei Camerarina, dn E&ni(^ kein lyrai 
dem 'ein frommer vnderlhemg war* (entBjwecdtend dem 'inno 
subjecto' dea Camerariua), und diaaem *gelHetef er (Cwnen 
imperst) den Esel ra ontemohtea. 

Ei antwort: 

Ewnm FAntUcben BfeUm noeh 
WU ith guta g«ra dlb (roba Ute 

In XHaoipUn nflnuo zn mir, 
Mit aller arbeit halten drob. 

Weila aber i>t w wundergiob . . . 
Ich darff dain ein lang« aeit. 




Zu den Quellen des 'Esopus' von B. Waldis. 265 

Hiermit wäre wiederum oben Camerarius zu vergleichen. Selbst 
in der Aufzahlung der drei Möglichkeiten stimmt Waldis mehr 
mit CamerariuQ als mit Poggio überein. Bei Waldis ist die Rei- 
henfolge: Könige Tier^ ich; bei Camerarius: Animal, rex, ego; 
bei Poggio: ego, asinus, dominus. 

Auch die Moral des Waldis klingt mehr an Camerarius als 
^ Poggio an, wenn sie auch im Grunde bei beiden die gleiche ist: 

Man soll in grossen schweren feilen 

In Sachen, die 

— schedlich aulsgang mochten gewinnen, 
Sich bdenken vnd recht wohl besinnen. 

Vergleiche hiermit die beiden Texte oben. 

Wenn sonach Camerarius die Hauptquelle für Waldis war, 
^ möchte man doch aus ein paar Sätzchen schlielsen, dafs er 
auch Poggios Erzählung herangezogen habe. 

So sagt z. B. der König im ^Esopus': 

Das dirs gelingen wird ... 
Zu schwerer straff . . . 
bei Poggio: (Tyrannus) sub poena graui praecepit; 
bei Waldis helfst's: Da ward er bladit von jederman 
bei Poggio: Deridebatur ab omnibus. 

^ese Ausdrücke fehlen bei Camerarius. 



Nicht weit brauchte Waldis zu gehen, um die Quelle seiner 
öbemächsten und letzten Erzählung {'Esopus' IV, 100) 

Von einem Tyrannen vnd seinem Vndersassen 

^ finden, gleich die nächste Erzählung des Camerarius bot sie 
Imjdar. 

Kurz (n, 185) führt als Vorlage des hessischen Dichters 
Poggius De tyranno qui homini pecunioso causas injustas injecit* 
^ Wie weit das richtig ist, wird sich weiter unten zeigen. Jeden- 
falls ist Poggio die Quelle für Camerarius selber. 

Die Fabel dieses letzteren hat denselben Titel wie die oben 
Zuletzt angeführte, welche die Quelle von ^ Es opus* IV, 98 bildete. 
Schauen wir sie uns näher an (N Nr. 182, T^ Bl. 87, U S. 167): 

Aiebir f. n. Sprachen. CIX. 18 



2ti6 Zu den Quellen d« 'Esopue' vnu B. WnMis. 

Rex et subditus. 

Svbdituni opulentum & pecuniosuui cupieua e* 
pilare ßex, ne uiiu fectsse uideretur, adduci houiüieiu inipera' 
& a subomattB corani se poetulan cnmioe perduellionis, qao* 
reoeptaret bostes suos, & cum illis consilia nefar>> 
contra patriam ioiret. Homiai qiiieto •& cui nihil esset pao 
ue(]ue utilius oeque optatius, mira uideri accusatlo & res iUs 
Tum unus de accueatoribus: Etiani nunc, ioquit dum 
istius bostes reglos occuH existimo. Ibi iutelligeO' 
reue, qui eeseDt bostes, quos abduuere a se rex. cuperet 
Ita, ioquit, est, cc^r Goim fateri uenim. Sed mitte mecuu 
o Rex, quibufi ilü statlm tradantur. ßex satellite* 
cum illo misit, quibus omuem suaiu pecuniam & num- 
moB dedit deferendos ad Kegem. Hi quideiu suu^ 
bestes, inquit, etiam mei. Feue eoim me perdiderant. 

Docet fabula, prudeotes parua libenter amittere ut maiord 
retinere possint. 



Mit dieser Dar9t«UuDg stimmt die ErzShlung des Pc^gio - 




Zu den Quellen des 'Eeopus' von B. Waldie. 267 

2) V. 33. Er hett die Feind seines Vatterlands . . . 

Heimlich in seinem Haus versteckt. 

3) V. 40. Als heimlich Conspiration 

Die du mit vnsem Feinden heltst 
Ynd nach des Lands verderben stelltet. 

4) V. 65. Da stund einr von den Suppenfressem ... 

V. 68. Vnd sprach: ja, wenn Ichs sagen sol 

LaÜBt in seim Hauls 

Suchen, ich weüs das man wird finden 
Meins Herren feind, dazu die seinen. 

5) V. 78. Da merkt der Mann dasselbig stuck, 

Verstand jr Practick vnd jr tuck. 
Er sprach von stund: Gnediger Herr, 

6) Schickt mit mir einen oder mehr. 

Wo ein Feindt in meim Hauls wird funden 

Soll er gefangen vnd gebunden 
werden gfuhrt ... 

7) V. 81. Nam etlich von von den Hofe schrantsen 

V. 88. Gab jn ein grosse summen G^ts 

Vnd sprach: schwelgte nit, meim Herrn vermelts! 
Vnd sagt, dils ist der grosse Feindt. 

Dalfl aber Waldis auch bei dieser Erzählung Poggioe Ver- 
sion, sei es direkt^ sei es aus einer Sammlung (etwa aus Brant) 
l^nte, mochte man daraus schliefsen, 

1) daTs bei jenem wie bei diesem von einem 'Tyrannen', 
nicht von einem 'rex' die Rede ist; 

2) dafs die oben sub 2, 3 und 6 angeführten Verse des 
Waldis dem Poggio fast noch näher stehen als dem Camerarius; 
nwn vergleiche: 

Poggio: 2) Hostes, inquit, meos ac rebelles qui contra 
8) me conspirarunt domi absconditos tenuisti. 

6) Sed destina mecum satellites tuos, ego hostes 
illos ac rebelles tibi statim comprehensos dabo. 

Ich habe mich jetzt mit einigen Fabeln zu beschäftigen^ bei 
denen Camerarius nicht die Hauptquelle, bzw. nicht die einzige 
Quelle gewesen ist. Ich beginne mit ^Esojjvat^ IV^ 75 

18» 



2()B Zu den Quellen de« llHopDe' von B. WaldiB. 

Vom Königreich der Affen. 

In dieser Fabel haben wir ein altes, weitverbreitetes Motiv, 
uud es ist dalier niclit leicht, die direkte Quelle des Dichters 
nachzuweisen. Bezüglich seiner Verbreitung sei, aufser auf Kura 
n, 137 ff, noch auf Oesterley zu Pauli Schimpf und Em»t 
Nr. 381 verwiesen. Ale Quelle bezeichnet Kurz: Aee, 8. 1. J. 7' 
'De homine fatlaci et veraci et simiis' (wiederum nichts als ein 
lateinischer Text des SteinhÖwel). 

Waldis konnte die Erzählung aus Steinhöwels 'Eeopus' 
(Oesterleys Ausgabe S. 181), aus Pauli Nr. 381 oder aus Came- 
rariuB' -Fabulae Aenop{ca^ Nr. 228 (T' Bl. 102, L" S. 296) 
nehmen. Pauli steht ihm ganz fem. Bei ihm wird der Schwank 
von einem 'tütschen Walch vnd einem Zigeiner' erzählt, uud letz- 
terer ist der Wahrheitäliebende, der dem Affen sagt; 'ir künnen 
euwre schaud da hinten nit decken u. s. w.' Von allem dem 
finden wir bei Waldis nichts. 

An Steinhöwel dag^en erinnern einzelne Satze uud Aus- 
drücke, HO z. B.: 




Zu den Quellen des 'Esopus' von B. Waldis. 269 

Waldis: 

V. 67. 
Der Äff werdt sehr der red erfrewt. DelectatussimiusaAsentione hominis, 



bene eum accipi & praemiis affid 
imperat 



V. 70. 
Im wardt ein kostlich Kleidt ge- 

sehen ckt, 
Hit einer gülden Ketten bhenckt, 
I>orthin zu einem Tisch geführt, 
Mit eisen, trincken wol Tractiert. 

V. 101. 
Von solcher red der Äff ergrimmt Offensus hac libertate iUe Begius 

Vnd all die Affen zu sich nimpt, simius unguibus & Dentibus suorum 
Sieh wider den Ckselln ermanten discissum hominem abigi iubet 

Vnd jn gar zomiglich anzanten . . . 
Vnd auff das jamerlichst zerbissen. 

Übrigens verfuhr Waldis auch mit dieser Fabel in seiner 
bekannten Weise. 

Ein ähnliches Verhältnis bietet die übernächste Fabel des 

Waldis (IV, 77): 

Vom Löwen Wolff vnd Fuchs. 

Auch hier' findet sich die Fabel bei Pauli und zwar sub 
Xr. 494 (eA Oesterley S. 287), bei Steinhöwel (ed. Oesterley 
S. 209) und bei Camerarius sub Nr. 71 (L^ S. 112). 

Die Fassung des Pauli (der wolf verklagt den fuchs falsch) 
steht abermals Waldis ganz fern, die Fabel Steinhöwels (Von 
dem fuchs, wolff und 18 wen) gehört nur in der zweiten Hälfte^ 
hierher und ist, ebenso wie die des Camerarius (Leo et Ivpvs), 
von Waldis benutzt worden. 

Bei Waldis, Steinhöwel und Camerarius hat der Wolf vor, 
den Fuchs zu verderben, indem er bei den beiden ersten dem 
kranken Löwen den frischen Pelz des abwesenden Reinecke als 
HeikDittel empfiehlt, bei Camerarius, indem er die Abwesenheit 
des Fuchses als eine Geringschätzung des Königs bezeichnet. 
Der Fuchs kommt dazu und zahlt ihm mit gleicher Münze. Er 
giebt sich für einen eifrig um das Wohl des Löwen bedachten 

* Der erste Teil der Fabel — es sind zwei zu einer vereinigt — ist 
die von fischenden Wolf, vgl. unten S. 278. 



97(1 Zu Aen Quellen de» 'Enopiia' von B. Wridta. 

Arzt aus iiiul verschreibt als Heilmittel für den kranken Kbt30 
i\eu nbfieKOgeiien, noch warmen Balg des Wolfes. Der geechunden^ 
Wolf wird vom Fuchs verhöhnt. 

Die Tran pt< (Helle des hessischen Dichters ist Steinhöwel. Mit- 
ihm stimmt er am meisten sachlich fiberein, nnd auf ihn gehen 
ilie nachstehenden Stellen zurück: 



■WaldiH: 

V. 24. 

Der hat ein Hcliiineti wannen balck, 

W'piiji ]r jm den von stimd abzügt. 

Eiij neil fiir einen brnstlftt.2 trügt . . . 

V. HO. 

Soiebs alles het lier Fiicbs gebort; 

Denn or hrtt biirt ilabcv gewillt 

Vnd jm ein wonuug aulagehült. 



St«tihfiwel: 

... züch im aynen balg &b ... und 
Bcblag Bynen balg alao warm umb 
dynen bucb . . . 

der Fucbs hat in demselben Btain 
ftin hol nahet by dem löw«n, du 
er allefl höreo tnodit ... 



L^eiii buul abgezogen gar bhend 
.ßi k au lieii Halfö.bf id fi'ifs \ 



zocb im gynen bnlg gancx ab on allsin 

an dem houpt vnd an den füfBeD. 




Zu den Quellen des 'Esopus' von B. Waldis. 271 

Natürlich bietet Waldis selbständige Zuthaten, so z. B. die 
Rede des Fuchses an den Löwen und die Aufzählung aller der 
*tücken*, die der Wolf vom Fuchse erfahren hat, wobei Waldis, 
wag er in seinen vorhergehenden Fabeln (TV, 7, IV, 8 und IV, 73), 
aber Streiche Reineckes am Wolfe verübt, erzählte, kurz wie- 
derholt. 

Wir kommen jetzt zu der vorletzten Fabel des 'Esopus' (TV, 99) 

Vom Bawrn, Lindwurm, Pferd Hund vnd Fuchs. 

über die Verbreitung des Stoffes giebt Kurz (IT, 184 ff.) 
zahlreiche Nachweise, aufserdem sei noch auf Oesterley zu *Wen- 
dunmuth' V, 121 und VII, 73 und auf Benfey 'Pantschatantra' 
I, 113 — 120 verwiesen. Letzterer bietet auch ein paar Andeu- 
tungen über die Filiation der Fabel. Zahlreiche ParaUelen lassen 
sieh noch nachtragen. 

Als Quelle des Waldis bezeichnet Kurz (L c): 'Aesop. s. \. 
K ^ Fab. extr. 7 De Dracone et villano', und fügt hinzu : vgl. 
P S*" De Lupo, rustico, vulpe et caseo^ Wie sich das Kurz 
dachte, weifs ich nicht. Keine von beiden Fabeln kann als eigent- 
liche Quelle des Dichters gelten, auch nicht beide zusammen, auf 
die erstere indes werde ich unten zurückkommen. 

Wenn wir der Quellenfrage dieser Fabel näher treten wollen, 
so haben wir nicht vom ^ Ksopus, sondern von den fünf Jahre 
früher als Beigabe zu ^Ein warhafftige Historien van zweyen 
Mewpen erschienenen ^Drey schöner newer Fabeln' des Waldis 
(gedrackt 1543 s. 1.) unseren Ausgang zu nehmen. Die erste 
ilieser Fabeln 

Wie die Welt alle wolthat mit vndank- 

barkeit pflegt zu bezalen. Von einem 

Pawren / vnd von einem Lindt- 

worm 

ist die unserige. Sie weicht sachlich allerdings gar nicht von 
der im ^Esopus' später aufgenommenen ab; es bestehen zwischen 
beiden Darstellungen nur unbedeutende Verschiedenheiten in 
Wörtern und Wendungen — wovon Kurz die meisten in den 
Lesearten seiner Ausgabe (Bd. II, S. 21 — 23) mitgeteilt hat — , 
und die Orthographie ist eine andere. Aber die Existenz dieses 



2T1 Zn iIpd Qiipllpn des 'EstipuB' von B. Wftldia. 

Driiokeü libtrhebt uub der Verpfliphtiing, ein paar Versionen als 
iiititDialsliche Quellen ins Bereich unäorer Betrachtung zu ziehen, 
die vor 1548, iil)er Dach 1543 erschienen sind. Ich meine den 
in Frankfurt am Main 1544 gedruckten 'Reintcken Fuchs' (Buch 3 
Kapitel 4) und die 1545 erschienene Bearbeitiuig von Paulis 
'Schimpf und Eriisl' (Blatt 7", Nr. 33), von denen nament^ch 
die letztere Waldia recht nahe kommt. 

Es kommen für uns, als vor 1543 gedruckt, nur die Werke 
in Betracht: Steinhöwels 'Eaupus', Camerarius' 'Fahulae Aem- 
■picae' und Sebastian Francke 'Sprichwörter'. Um mit diesen 
letzteren zu beginnen, so finden wir unsere Fabel darin im 
II, Bande auf Blatt 2H^ ff. (Ausgabe 1541) angeknüpft au den 
8at7: 'Es hat sich nie kein sein angenommen , er ist seins vuglücks 
teylhafflig geworden'. 

Die Gcscliichte wird hier von einem Bauern erzählt, der 
'einer iiater aul's eim felisen halff, 'die verhiefs dem baurn der 
weit Ion', und als sie ihn erwürgen will, da 'appelliert er für das 
ncchst thier, so jn bekem'. Das erste ist ein Hund, das zweite 
ein Pferd, beide geben der Schlange recht, indem sie über Un- 
diiuk der Menschen klagen. Dem dritten, einem Fuchs, verspricht 




Zu den Quellen des 'Esopus' von B. Waldis. 278 

'die höchsten gaben Welch gemeinlich grosse herren haben Damit 
alzeit alhie auff erden Die grost wohlthat vergolten werdend 
Befreit will der Drache ihn 'verschlingen'. Die als Schiedsrichter 
angerufenen Tiere sind wohl dieselben wie bei Franck, aber sie 
treten in anderer Reihenfolge auf: Pferd, Hund, Fuchs. Die Ant- 
worten der Tiere lauten bei beiden Autoren ähnlich, bieten aber 
doch viele Verschiedenheiten im einzelnen, insbesondere im Aus- 
drack. Bei Waldis geht der Fuchs nicht mit dem Bauern nach 
Hause, er kommt erst in der Nacht, um das Federvieh aus dem 
offen gelassenen Stalle zu holen, und wird dort von der Bäuerin — 
die ihrem Manne die heftigsten Vorwürfe über sein Versprechen 
gemacht hat — und ihrem Knechte mit Prügeln empfangen und 
erschlagen. Der sterbende Fuchs hält noch eine Rede über den 
Undank. 

Eine sachliche Übereinstimmung bietet Franck noch mit 
Waldis gegenüber anderen Versionen: der Fuchs verabredet mit 
dem Bauern, bevor sie an Ort und Stelle angekommen sind, wie 
er es mit der Schlange (bzw. mit dem Drachen) halten wolle. 

Waldis: Franck: 

Wir wob albeid hin gehn zum loch . . . wann ich mit der schlangen / 

So volg du vff dem fufs vns noch . . . inn das loch schleuffe / so wil 

Vnd wan wir alle beid sein dynne ich mich geferen zu ruck widder 

heraufs zu springen / so stofs du 

Wen ich bhend den stein wider für. 

in eym hwy spring aufs der thur 
^0 waltz den stein bald wie- 
der für. 

Im letzten Teil der Citate herrscht, wie man sieht, wört- 
"Cher Anklang. Solche kleine wörtliche Übereinstimmuogen findet 
n^^n noch ein paar, z. B. 

Waldis : Franck : 

l^u 8olt nit wdtter Appellieren. der baur appelliert weiter, 

^od kunt mein Herrn . . . tragen sein herm tugentlich getragen 

^u woltst zu lohne geben mir? aber was wiltu mir geben / 

Der Bawr ... sprach: — — — — der baur verhiefs dem fuchs all sein 
Ich wil dir al meyn Huner geben hennen. 



274 Zu (i«i Quetlpn des 'Esopua' Ton B. Waldig. 

Rann man auf diese ÜbereinstimmuDgen die Behaiiptung 
!itrit7en, dafs Franok unserem Waldis bekannt gewesen sei? Bm 
der selbständigen Arbeitsweise des hessischen Dichtere, der ja 
seine Vorlagen meist nur wenig verrät, berechtigt das Ange- 
führte gewifs dazu. 

Die Fabel des Camerarius 'Mercfg Anguina' (N Nr. 392, 
L'' S. 289) zeigt, verglichen mit der des Waldis, sowohl saohlioh, 
als im Ausdruck ganz auffallende Ähnlichkeiten. 

Wie bei Waldis der Bauer, wird bei Camerarius ein 'viatra', 
an einem Berge vorübergehend, durch Klagen und Wimmern aus 
einer Höhle aufmerksam gemacht und fragt, wer darin stöhne. 
Die eingeschlossene Schlange {anguis, auch Drache) bittet und 
beschwört den Menschen, sie zu befreien, und verepricht ihm 
dafür den I^ihn, der für die gröfsten Wohltliaten bezahlt werde. 
Der Mensch läfst sich durch die Versprechungen des Gewürms 
blenden und entfernt den den Ausgang versperrenden Stein, er- 
schrickt aber, wie er das ungeheure Tier aus der Hohle kriechen 
sieht. Er bereut seine unbedachte Handlungeweise, als ihn das 
Tier verschlingen will, indem es vorgiebt, Undank sei eben der 
höchste Ixjhn unter Sterblichen. Der Betrogene will sicli dieser 




Zu den Quellen des 'Eaopus* von B. Wald». 



275 



Diese sacblichen ÜbereiDstiniinuDgeD werden durch zahlreiche 
wörtliche AnkläDge unterstützt^ ich lasse hier einige folgen: 

Waldis : Camerarius : 

Wea ist das gschrey / vnd elend ... quid ego qniritationis ... audio? 

klagen? 



Anguis ... maximis precibus ob- 
secrare illum quisquis esset, vt pate- 
facta canema seee liberet de interitu, 
qui oppetendus in illo sibi carcere 
sit inopia cibi, potus, lucis atque 
aeris. I 



Dmm bit ich dich, seist wer du seist / 
Das du mir deine hulff beweifsti 

Woltst ein gut werck an mi^ er- 
füllen ... 
Wen du vom loch den stein abkerst / 
Vnd ich hinaufs kum vnuerletzt. 

Vnd wo sunst niemant meyn wird 

achten 
MnTs ich vorhungem vnd ver- 
schmachten. 



Wo du mir hilfst - glob ich dir das ideo si emissus sit, policeri gra- 

Wil dir geben die höchsten gaben tiam quae inter mortales pro sum- 

Welch gemeinlich grosse herren mis atque ezimijs meritis rependi 

haben / r consueuisset. 

Damit alzeit alhie auff erden ' ^' 

Die grost wolthat vergolten werden. 



Dacht, etwas trefflichs zu erlangen 
Vnd lieis bald lofs denselben gfan- 

gen. 

Wie er den stein walzt von dem loch 
Ein vngehewres thir raufe kroch 

Da« war langleybig / — — — — 

Rot blutfarb äugen — 

Nah an die erd hieng ym der bauch 

Darob erschrack der selbig Pawr 
Er forcht sich sehr vnd sähe gar 

sawr 
Vnd dacht/ werst von dem thir erlest. 

Da sprach das thir / ey neyn du 

yrst / ... 
Ich hab dir zwar nichts anders gelobt 
Den das damit man stets begobt 



... ingens preclum operae suae ex- 
pectaret, amouet de faucibus cauer- 
nae saxum. Ibi vero horribilis 
prouoluitur & 'Asper, acerba tuens 
immani corpore serpens' & longa 
explicatis giris volumina trahit,inque 
illum territum quemque poeniteret 
iam benignitatis, ... sese infert ... 



Cni anguis: Immo ego tibi, inquit, 
quae poUicitus sum praestare paro, 
nempe eam gratiam ut referam bene- 
factori, quae inter mortales suminiK 



Zu d« Qndlai dn 'Esopin' too B. mMk. 



276 

Die hoch wolthftt / dunit erlcenth boirfkiya, nt dktam t^ ■ 

Wölch in der weit mag werden conmei^ Hoc m St %lta 

gnent qidt TUtor. 
Ja sprach der Pawi / eo warte be- 



Wasiejbta oardeo itzfUrponnt 



Sie zugea hin / eön ebne wefle ... Tam pnfeeti Tident in fnto 
Da ging eio Pferd daa encht arfa Btrigoinm ... pud. 



Das Pferd Tff k&ler wyeen fimdai . . 



Da iiirach du lUr ' bontn daa Andtai ta iatom, faqntt aagid 
vrttfl loqnltorr 



Tod cieben bdd im weg daher Nm Imge indo dlgrwrf, 

Da kam ein Fncha on al> gefdir obsiam babnin ... 



DerFucberiff vff eiaieitdenPawni ... aed beoe 

Sprach / wttn ich dir ergetxt dein qnid datanm te mlU pranl 
trawn te immlnmti axitio eripneto' 

ErlSIat von dem grewlictien Üiir 

Wae woltat cd lohne geben mir? 




Zu den Quellen des 'Esopus' von B. Waldk. 277 

noch näher stehende Version nachgewiesen wird^ was ich indes 
für ausgeschlossen halte. Alle die oben angeführten Abweichun- 
gen sind derart, dais die Abhängigkeit des Waldis von Camera- 
rins nicht erschüttert werden kann. Der hessische Dichter hält 
sich ja selten strenge an seine Vorlage. Mit oder ohne Grund 
ändert er sie, erweitert sie, schmückt sie in seiner Weise aus; 
haz, er _ wahrt sich seine Selbständigkeit in der Ausführung. 

Es erübrigt noch, ein auch sonst von Waldis ziemlich stark 
benutztes Buch hier heranzuziehen: Steinhöwels 'Esopus'. Dieser 
hat mehrere Fabeln, die zwischen Schlangen und Bauern (bzw. 
Menschen) spielen. Die eine, Bomulus I, 10 (Oesterley, S. 90), 
^Von aim man und einer schlangen' ist die bekannte Fabel von 
der Schlange am Busen, die andere, Extrav. 8 (Oesterley, S. 206), 
^Von dem schlangen vnd dem puwrn' ist die von der Schlange, 
die den Knaben des Bauern tötet. Beide Fabeln können hier 
ak femstehend auiser Betracht bleiben. Die dritte Fabel, Extrav. 4, 
^Von dem Draken und dem puwrn' behandelt das gleiche Thema 
wie diejenige bei Waldis, aber in anderer und weit einfacherer 
Form. Die Einzelheiten bieten mit Ausnahme der zwei Punkte, 
dals die Hauptpersonen ein Bauer und ein Drache sind, und 
dalk ein Fuchs als Schiedsrichter auftritt, keine Ähnlichkeit mit 
Waldis. Hat Waldis den Gedanken, an Stelle der unbestimmten 
unguis des Camerarius oder der Natter des Franck einen 
Drachen zu setzen, sich hier geholt? Es wäre möglich. Dann 
hat er wohl übersehen, dafs 'Drake^ (draco) hier gar nicht einen 
lindwurm, sondern eine Wasserschlange bedeutet. Dafs er den 
^tor' durch einen Bauern ersetzte, darauf konnte ihn ebenso- 
gut Franck wie Steinhöwel führen. 

Es verbleiben jetzt noch mehrere Fabeln, hei denen es zwei- 
felhaft isty ob Camerarius oder ein anderer Autor die Quelle 
des Waldis gewesen, und ein paar andere, bei denen jener zwar 
die gleiche Fabel bietet, aber nicht benutzt worden ist. 

So hat gleich die erste der 117 letzten Fabeln 'Eaopus III, 84 

^om Pferd vnd einer Fliegen' ihre Parallele in Camerarius 

Nr. 210 Crabro et mvla (T^ BL 96^ L^ 186); aber Stein- 

höwel (Bomulus 11, 17) ed. Oesterley, S. 129, 'Von der fliegen 

und dem mul^ steht mindestens ebenso nahe. Waldis hat au 

Stelle des 'Muls' ein Pferd gesetzt imd auch sonst manches ge- 



2TS Zu den Quellen des 'Bsopus' tod B. WsIdiB. 

ändert. Der Umataud, dafe die Fabel bei ihm von einer Fliege 
und Dicht vou einer Hornisse (crabro) erzählt wird, und dale von 
der 'Geisel' des Treibers die Rede ist, stimmt zu Steinhöwd, 
dagegen weist die Moral auf Camerarius. 

Die fiberaächste Fabel ('Esopus' 111, 86) 'Vom OchsEeu 
vnd einem Wider' findet sich auch bei Camerarius sub Nr. 33ö 
(T' Bl. 131, Ir 8. 253) 'Aries et Taurus', aber auf vier Zeilai 
zusammengeschrumpft, Waldia benutzte, wie sich leicht seigen 
läfst, dieses Mal nur die Sammlung des Dorpius (Ausg. StraÜf 
bürg 1523, 4") fol. 41a. Es ist die TU. Fabel aiia Äböt«niiiu: 
'De Ariele cum Tauro pugnaote'. 

Die 91. Fabel des m. Buches 'Vom Wolffe vnd Fuchf»' 
ist verwandt mit Camerarius 'De Lvpo avspicante*. Wnldii 
hat aber diese Fabel, die sich noch nicht in der Tübinger Aus- 
gabe von 1542, sondern zum ersten Maie in der Leipziger von 
1544 findet, nicht benutzt. Seine Fabel scheint aus einer W 
Steinhöwel (E.'rtravagantes 9, Wolf fiadit) ed. Oest^pley 8. 20S 
— deren zweiten Teil er, wie oben S. 269 gezeigt worden ist, m 
einer anderen Fabel benützt hat — und 'Reiniciie Fuchs' IV,! 




Zu den Quellen des ^Esopus' von B. Waldis. 279 

Ich bin zu Ende. Die ^Fabulae Aesopicae' des Camerarius 
lorfen nach den vorausgegangenen Darlegungen wohl zu den 
iicheren Quellen des Waldis gezählt werden. Das Verhältnis 
les hessischen Dichters zu ihnen ist indes nicht anders als das 
Q seiner Hauptquelle^ der Sammlung des Dorpius. Waldis lernte 
ilamerarius kennen^ als schon der grölste Teil des ^Eaopus' voll- 
ndet und der Stil sowie das Verfahren des Dichters fest und 
ertig waren. Waldis zeigte auch in den nach Camerarius ge- 
ichteten Fabeln die Vorzüge^ welche sein Herausgeber und die 
itterarhistoriker an ihm bewundem. Selbst Hans SachS; der 
einen ^Eaopos* kannte und sehr fleilsig benutzte^ steht als Fabel- 
ichter in mancher Hinsicht hinter ihm zurück. 

Mändien« Arthur Ludwig StiefeL 



Bie Geschichte des Wortes ^Zigeuner'. 



Die Zigeiiuer haben seit ihrem Erscheinen in Mitteleurop' 
im Anfange des ID. Jahrhunderts das Interesse der Gelehrten- 
welt erregt, und seitdem Crellniann ihre Abslammung einer wissen- 
schaftlicheu Kritik unterworfen hat, habeo sich tüchtige Philo- 
logen, Ethnologen und Folkloristen, wie Miklosich, Pott, Bataillard, 
Hopf, De Goeje, Groorae, in die Geschichte dieses Nomaden- 
stanimes vertieft. Recht vieles ist in den letzten hundert Jahren 
über diesen Gegenstand geschrieben worden, zählt ja Oolocd 




Die Geschichte des Wortes 'Zigeuner'. 281 

ndlich zu untersucheD^ um daraus auf eine etwaige Vergangen- 
b zu schliefsen. In der vorliegenden Arbeit will der Verfasser, 

der Feststellung der Etymologie des Wortes ^Zigeuner*, das 
•Ik bis in das frühe Mittelalter verfolgen, mufs aber, da irgend 
[che entsprechende Vorarbeiten fehlen, zuerst das vorhandene 
iterial sichten. 

Die Zigeuner erschienen zum erstenmal im Jahre 1417 in 
neburg;^ von da aus streiften sie durch Norddeutschland, 
ndten sich dem Süden zu und gingen über die Schweiz nach 
ankreich und Italien ; kurze Zeit darauf sind sie in ganz Mittel- 
ropa bekannt. Wo sie vor dem oben genannten Jahre gewesen, 

nicht ersichtlich, doch da sie ein Geleitschreiben vom un- 
rischen Konige mit sich führten, so müssen sie wohl aus Un- 
n hergewandert sein, und ihr Erscheinen in Deutschland ist 
schieden auf viele Jahre zurück zu setzen. Dazu kommt noch 
• Umstand, dafs all die 'Herzoge' christliche Namen führen: 
chael, Andreas, Thomas, was nur dadurch zu erklären ist^ dafs 

schon längst in christlichen Ländern geweilt hatten. Etwas 
Iter kommt allerdings ein eigentümlicher Name, Zindel, vor, 
ji auch dieser wird sich wahrscheinlich als irgend ein euro- 
scher Name entpuppen. Diese kleine Bande von knapp drei- 
odert Männern, die sich zudem bald zersplitterte und schnell 
istarb, kann unmöglich der Stamm aller späteren Zigeuner ge- 
sen sein; entweder sind bald darauf noch viele andere ein- 
«randert, oder es sind schon früher welche in gröfserer Anzahl 

Centrum Europas zu Hause gewesen. Jedenfalls stellen diese 
rumfahrenden Vagabunden ihrer Beschäftigung nach nur einen 
iinen Bruchteil ihres Stammes dar. Sie werden nie als Kessel- 
iker, Schmiede, Pferdehändler aufgeführt, als welche sie doch 
1 besten bekannt sind; sie sind aUe insgesamt Bettler, die 
Huen Wahrsagerinnen, die Männer Diebe. Wollen wir aber 
I Gesamtbild der zu jener Zeit in Europa 'wohnhaften' Zigeuner 
winnen, so müssen wir uns nach Griechenland begeben, wo für 
! zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts die Nachrichten reichlich 
iisen. 
Im Südwesten von Griechenland lag die Hafenstadt Modon; 

' Groome 1. c. S. X. 
AreUr f. n. Spnohen. CIX. 19 



282 Die Gnchichte des Wortes 'Zlgeunet'. 

im 14. und 15, Jahrhundert Venedig geliftreud, war nie eine Ziv 
Huchtsfltatte der sich x\i jener Zeit in Griechenland tummelnden 
Völkerschaften. Der Hafen lag bonuem auf halbem Wege von 
Venedig mich Jaffa, dem besuchtesten Seewege ans Europa nach 
PalSstina, und alle Pilger, aelbat diejenigen, die fiber Swiiipn 
reisten, blieben gern einige Tage in Modon liegen. Alle Pilger- 
fahrten, die schriftlich venieiphnet wtirden, enthalten Beschrei- 
hnngcu von Modon und den dort hausenden Zigeunern. ' Konmil 
Griiueiiiberg* pilgerte um das Jahr 1486 nach dem heilifWi 
Lande. In seiner Zeichnung der Stadt Modon befindet sich dss 
Zigeunerlager, bestehend aus etwa dreihundert Hausern ans Uolir: 
dieselbe Zahl erwähnen Bernhard von Breitenbacb ■' nnd I^e Hucri,' 
während zehn Jahre später Alexander, Pfalzgraf hei Rhein,' nur 
noch zweihundert Hütten und Arnold von Harif * einhundert Fi- 
milieu aufzählen; zwanzig Jahre später fand Tschudi' njdit mehr 
als dreifsig Häuslein. Diese Modoner Zigeuner sind melir od« 
weniger ansässig uiiil werden fni^t ohne Ausnahmo ale Schmlf«)« 
gekennzeichnet. Ihre primitive Art dea Sclimiedens wird vnn 
Lencheraud" uud Arnold von Harff* beschrieben; auch bwitwn 




Die Geechiohte des Wortes 'ZigeuDer\ '283 

ir eine gute Aufzeichnung für die Zigeunersctuniede votlZante^ 
tß dieselbe Zeit Wie bezeichnend für die Balkaa-Zigeuner das 
chmieden wac^ ist aus der Auf Zählung der Zigeuner zu erseheta^ 
ie an deot Feste der Beschneidung des Sohnes Sidtan Mehemets 
d Jahre 1582 teilnahmen.^ An den Prozessionen waren beteiligt 
gl^atieriscbe Besenmacher^ Rauchfangkehrer^ Musikbr^ Tänzer^ 
ärenführer; aber ganz besonders Schmiede. An einem Ti^e 
aren eü nicht weniger als sechzig Schmiede^ und in einen^ von 
inen gezogenen Wagen safsen drei^ 'so geschtniedet^ ^ An einem 
üderen Tage waren es gar über vierhundert^ die sieb niiter des 
altansv Fenster setzten, um ihr Handwwk zu beti^ben/ was 
em Sultan aO' sehr i gefiel; dafs er etliche Tausend Asper an sie 
erschfBnkte*^ Was sie heute sind, das waren sie schon vor mehr 
Is dreihundert Jahren> und das werden sie auch viel früher ge- 
reeen sqin. Neue Benennungen finden wir keine für- die Zigeu- 
er;, ea sind fast alles aus der Heimat mitgebrachte JNamen, 
ach denen sie erwähnt werden: sie hei&en SaraceneU; Heidän, 

• 

LgTptcT, Albauesen. Die in Mitteleuropa durch die Zigeuner 
elbst verbareitete Aussage, dafs sie aus Ägypten stammten, v^r- 
uchen. mehrere der Pilger umzustofsen, indem sie angeben^ dafs 
lie aus der- in der Nähe von Modon befindlichen Landschaft 
Byppe herkämen. Dieses Gyppe wird verschiedentlich als dicht 
bei Modon gelegen oder in einer Entfernung von vierzig Meilen 



* 'Dont vismea oprime merveille, car les forgeux de cloax et de fer 
^ ehevaulx sont forgeans emmy les rues, et sont assis aar la terre, comme 
Qng cousturier est en noatre pais ; ont lesdis forgeux une petite pierre de 
^uoy. ils moDt du carbon. cootre, et fönt la du feu. Ladite pierre a en- 
^roQ deux pied de loing et ung pied de hault. O^e0t leur contrecoenr 
^le eet traude au milieu, et ont une petite buise de fer et deox peaux 
^ cuir li^e a ladite buise sans estre couzue a ladite pean, dont il y a 
quelque valton ou bacelette qui tiennent lesdites peaux par le beult et 
^ hauleeot et abaissent et du vent fönt ardoir ledit carbon, qui est le 
plus estraingue chose a regarder que ne s^aroit escripte. Car ils sont 
^t de oe roestier et si dru c^ue il samble que on soit en faire.' Voyage 
dl Jacques le Saige, par H. R. Duthilioeul, Douai 1851, 8. 78. 

' Neuwe Chronica Twrckischer nation . . ., von Hans I^ewenklaw von 
Aiaeibeurn, Frankfurt a. M. 1590, S. 4()8 ff. 
» <&. 8. 491. 

* ib. 8. 508. 

19* 



S34 Die Gwchicht« de» Wortes 'Zigeuner'. 

angegeben; wenn aucli dieses Dorf oder Gegend nicht feat- 
atellbar ist, so >veist doch die Form Gj-ppe auf ein g;riechis(^ie8, 
dem I'ritjö^ verwandtes Wort, und man ist zu der Annahme 
berechtif^, dali- die Zigeuner als Ägypter in der Morea längst 
bekannt waren. ' 

Wenden «-ir uns wiederum zu den neu eingewanderten Zigeu- 
uem vom Jahre 1417, so ünden wir, dafs sie voi^ben, aus 
Ägj-pten oder Kiein-Ägypten zu stammen. Es sind hier svd 
Annahmen möglich. Entweder waren sie wirklich aus ein« 
Klein-Ägj-pteu genannten Gegend ii^ndwo im Südosten Europas 
ausgewandert, oder sie hatten guten Gnmd, anzunehmen, daß 
ihre Aussage leicht Glauben finden würde. Einfach gelogen 
habeu sie niclit, denn warum sollten sie alle insgesamt Ägypten 
imd nicht irgend ein anderes Land gewählt haben. Merkwürdig 
ist der Umstand, dat's sie Geleitschreiben vom Kaiser und Papste 
vorzeigten. Wie ist zu erklären, daTs eine arme Bettlerbande in 
dem Schutze des Staates und der Kirche stehen könnt«, zumal 
da sie nicht gut christlich war? Nicht weniger auffallend ist die 
oft wiederlii.iltt' Legende vom siebenjährigen Wandern. Nach 
Aventinus- wären sie zu einer sieben Jahre langen Pilgerfalirt 




Die Geschichte des Wortes ^Zigeuner*. 285 

kehrende Wanderung zu denken. Ahnliches steht in Trauschs' 
handschriftlicher Strafsburger Chronik. Tschudi/^ der um die 
Mitte des 16. Jahrhunderts schrieb, citiert eine ähnliche Sage, 
wenn er angiebt, dafs sie aus Igritz, wahrscheinlich Griechen- 
land, sieben Jahre wanderten; Ahnliches besagen auch Corner,^ 
Krantz, * Münster ^ und Stumpf. ^ In Bologna '' gab der 'Herzogt 

* 'Sie sagten es müsste all 7 Jahr ein Rott ausziehen vnd Buss thun, 
diewdl sie vnsser liebe Fraw nicht haben herbergen wollen.* Trauschi 
Bandsehr. Strafsburger Chronik II 86 b. 

' 'Und seit dasselb Volck si warind usz dem Land Zingri, usz dem 
Weinern Egypten, und hette si der Soltan und der Türck vertriben, und 
mosztind 7. Jahr uszfahren ; etlich sprachen si wSrind von Igritz.' Aegi- 
dii Tschudii Chrontcon Helpetieum, Basel 1736, Bd. II, S. 116. 

' 'Causa autem hujus divagationis eorum et peregrinationis dicebatur 
^sse ayersio a fide et recidivatio post conversioneni suam ad Paganis- 
mum. Quam quidum.peregrinationem continuare tenebantur ex injuncta 
eis paenitentia ab Episcopis suis ad septennium.' Hermanni Ck)rneri 
Ckronieofiy in Eccards Corpus historieum medii aevi II, 1225. 

* Terunt ipsi ex iniuncta sibi poenitentia mundum peregrinantes cir- 
coire: sed fabellae sunt . . . per aliquot annorum interualla reddit.' Krantz, 
Soxonia, Köln 1520, lib. XI, cap. II. 

' Schreibt Krantz ab und erweitert ihn. Beb. Münster, CostnographiOf 
Basel 1554, 8. 267 f. 

* 'In disem 1418. jar kamen erstlich die Zyginer, so man nennet die 
Heiden, in Helvetien, gen Zürych vnd andere ort, die waren mengklichen 
seltzam, vnd hie vor in disem land nit mehr gesehen: deren waren mann, 
weyb vnd kinder auff 14000. personen geschätzt, doch nit an einem 
hauffen, sonder hin vnd wider zerstrSwet. Sie gaben für, wie sie ausz 
Egypten Verstössen weren, vnd muszten also im eilend 7 jar busz würcken. 
Sie hielten christliche Ordnung, trfigen vil gold vnd silber, doch darneben 
*nne kleider. Sie wurden von den jhren ausz jhrem vatterland herüber 
Oiit Gelt verlegt vnd besoldet, hatten keinen mangel an zeerung, bezalten 
j^r essen vnd trincken, vnd nach siben jaren füren sie widerumb heim. 
1^88 VDnütze Buben volck, so bey vnseren tagen herumb zeucht, hat sich 
*ei(ihero erhebt, deren ist der frommest ein Dieb, dann sie allein sich 
stSlens ernehren.* H. J. Stumpf, Schweyixer Chronik, Zürich 1606, S. 731 a. 

^ *I1 quäl duca aveva rinegata la fede christiana . E il re d'üngheria 
preße la sua terra e lui . Esso duca disse al detto re di voler tornare 
4Üa fede christiana, e cosl si battezzö con alquanti di quel popolo e fu- 
rono circa 4000 uomini . Quei che non si voUero battezzare furono morti . 
Dappoich^ il re d'üngheria gli ebbe presi e ribattezzati, volle che an- 
dassero per lo mondo sette anni, et che dovessero andare a Roma al papa 
e poeda tomassero in loro paese. . . . Avevano un decreto del re di Un- 



2m Die OsBcliicht« dee Wortes 'Z^äner'. 

vor, wein T^and nm\ Gut an deii König von Ungarn rerw 
zu haben, weil er vom Cliristentuni abfriinnfg geivot^eli, i 
ivegen er aiicli sieben Jahre wandern und den Pa^t In I 
aiifsiipheii müsse; inzwischen hStten sie das Privil^ vom Ka 
iiai-li Herzenslust zu stehlen. In Paris ' hiefs es, sie hittei 
Honi dem Pai»at gebeichtet, und zur Abbufse mnfsten nie 
sieben Jalire lang her nm wandern, ohne in einem Bette zu sc 
fcn. So vei-sehieden auch diese Aussagen sind, so kann 
nicht umhin, sofort zu raten, dafa man ee hier mit einer trad 
nellcn Sage zu llinn hat, in der die Zigeuner in irgend ein ^ 
hältniti zu dem Christentunie und dem penodischea Wanden 
i>ringen sind. 

Selioii im Anfange dieses Aufsatzes wurde bemerkt, 
man ilio Zigeniier als Diebe verdfichtigtc, und dafs ihre AVt 
liaii|itßrn;hlii;li als "Walirsf^rinuen bekannt waren. Unehrlich 
sie gewils gewesen, doch ist die Meinung ober i!ir dicbis 
\\'c:?(:n geteilt. So weifs der Berichterstatter aus Paris 
ihren Diebereien nicht aus eigener Erfahrung, und Stumpf s 
sie geradezu allem diebischen Gesindel als Muster gegeuf 
1(1 der Litleratur kommen sie noch besser weg. In den 1' 




Die Geschichte des Wortes 'Zigeuner*. 287 

gestellt^ und auch anderswo^ gelten sie als ehrwürdige Leute. 
Die italienische Zingaresca^ erwähnt sie als gute Christen^ 
die der Mutter Gottes und dem Christkinde die Zukunft voraus- 
sagen. Nach den vorhandenen italienischen Liedern zu urteilen^ 
gehört die Zingaresca in das 16. Jahrhundert hinein, es läfst sich 
aber leicht beweisen^ dafs sie schon früher in Italien zu Hause 
gewesen. Das goldene Zeitalter der serbischen Litteratur in Ra- 
gusa am Adriatischen Meere fällt um die Wende des 15. Jalu*- 
himd^ls und ist in vielen Hinsichten ein Reflex der zeitgenös- 
sischen italienischen Litteratur. Sogar die leichteren Maskaraden- 
gesange der Italiener wurden von den ragusischen Dichtern nach- 
geahmty ebenso wie die Maskaraden bei ihnen sehr beliebt waren. 
Oubranovic^ der um 1525 schrieb, behandelte die wahrsagende 
Zigeunerin in seinem berühmten Drama Jegjupka^ (die Ägyp- 
terin); dasselbe wurde so })opulär, dafs nicht weniger als drei 
Dichter es nach seinem Tode umarbeiteten und erweiterten. 
Schon aus der gleichen Behandlung des Gegenstandes bei den 
Hagusanern und Italienern ist zu schliei'sen, dafs die Zingaresca 
ebedem bekannt war. Ganz im Gegensatz zu dieser augenschein- 
lich traditionellen Auffassung der Zigeuner in der Litteratur 
stehen die Polizeiverordnungen* gegen diese Nomaden^ die vom 
Ende des 15. Jahrhunderts ab ganz fürchterlich verfolgt werden. 
Um sich diesen Kontrast zu erklären, mufs man in Betracht 
ziehen, dafs das Bettler- und Gaunerwesen zu jener Zeit sehr 
verbreitet war, und dais Strolche das Land durchstreiften, sich 
^ie die Zigeuner zu Banden vereinigten und vom Volke bald 
wicht mehr von den harmloseren Zigeunern unterschieden wurden.'^ 

' Interessant ist folgondcH Buch: Turckefiptteehlem 1522, dessen zweiter 
Titol lautet: Gesprech oder Vnderredc: so ein Einsidel, ein Hundert Turck, 
^ Zigeuner, newlicii miieinder gehöht ^ xit den sweren leüffen dieser vtiscr 
*«V diensilicii, 

* Siehe E. Lovarini, Nota, in Menghinis Ganxoni atitiehe del popolo 
^ialianOf Roma 189ü, Bd. I, 117 ff. Die älteste datierbare Zingaresca geht 
«iif das Jahr 1520 zurück. 

^ In Si^iri pisei hrvatski Bd. VIII, Zagreb ISTO. 

^ S. das III. Kapit<»l {Persecuziüne degli Ziugari) in Coloct-i 1. c. 

^ So heifst es z. B. in Minshous Wörterbuch: *Gipso7i or ////;aww, m 
(•ounterfet rogue, one that s]>eak('th jribbrish or gibble gabblo. hAiyptinvs 
are in our Statutes and Luwe« of ICnglaud, ii counterfctc kinde of roagueö, 



■?WR lii. Oe^cliichtc de? W..rt«' 'Zigeuner'. 

In i!rr Llllcnitiir lieiTsdite aber die alte herkötimiliclu- iP- 
seliaiiiiTig, bis CervaDtes in seiner Jitaniüa den Grund legt« «" 
einer picaresken Behandlung derselbea. 

Fafst man allee Vorhei^esagte zuEammeD, so ergiebt »eh. 
dafs die Zigeuner gleich bei ihrem Erscheinen nadi drei Bich- 
tiirgeu hin bekannt waren. Wo man sie ansässig findet, sio*' 
öie ganz besonders als Schmiede berühmt; sonst haben wir e* 
bei ihrer Benennung als Wahrsager mit einer Sage von .Jes>i 
Kindheit zu thun, bei der die Zigeuner, wie in der Zinguresca^ 
eine bestimmte Rolle spielen ; als herumirrendes Volk werden sie 
wieder mit derselben T..egende verknflpft, aber auch der Fliicli 
des 'ewigen Juden' ' lastet auf ihnen. Wie wir später sehen 
werden, ist diese dreifache Zusammen stellimg eng miteinander 
verbunden, eutspringt einer uralten Zigeunersage, von deren 
Existenz nicht eine Spur bei aUco früheren Uutersucheru zu 
linden ist. Wie gesagt, sie begingen alle den Fehler, nach dem 
Namen der Zigeuner zu fragen, Anstatt sich zuerst des Wesens 
und der Bedeutung dieser Rasse bewulit zu sein; dagegen wollen 
vi'vr erst dann den Nameu erklären, wenn schon ohnedies fest' 
steht, dafs die entsprechende Beschreibung auf die Zigeuner 
palst. Nur so werden wir mit Reeht auf eine altere Anwesen- 
heit dieses N out ade u Volkes io Kuropa schliefscQ könneu. E^ liegt 
uns nur weniges Material vor, und unterliegt es keinem Zweifelt 
dal's bei fleifsigeni Nachauciien in den eiiropäischeu Bibliotheken 
noch vieles andere zu verwerten sein wird, i 

Ein ungenannter Kleriker aus Köln," der um das Jalir 1340 i 



Die Geschichte des Wortes 'Zigeuner'. 289 

sehenen Völker überlassen; darunter befinden sich auch die 
wunderlichen Mandopolos: 

Vort sind da andere snoide kirsten in deme lande, ind dye heischent 
<la Mandopolos, dye steynt ind strygent ind geynt ouch zo samen mit 
^yven ind mit kinden (zo samen), ind koment winter noch sommer nummer 
yn huys, ind gaint ouch mit groissen schairen van eyme dorpe zo deme 
andern, ind machent dinck, da sy af sich generent, noch ere wyfen hrengent 
Wnt in den huysen. Ind blyvent ouch nyet langer dan dry dage up 
evDre stat, ind wurden sy yrgent lancger gehalden, so sturven sy, ind 
weren ouch dry dage indeme huysse, dar sy sturven. Ind dese lüde haint 
ander sich eyn eynige spräche, dye nyeman en kan verstain, dan sy onder 
sich; mer sy yerstaint doch wail andre lüde spraiche, ind nummer en 
kyvait sy onder sich. In vynt eyn wyf yren man by eyme andern wyve 
of ein wyf yren man by eyme andern manne, mer kan he dat gedoen, he 
doet eme dat selve widerumb ind nyet mer wort dar na. Ind so geent 
^y zo samen wynters ind somers van eynre 8tede zo der andere, ind lygent 
zo velde mit groisser scharen dages ind nachtes mit pyfen ind mit bougen 
*« vur eyme slosse, ind stelend zo maile sere, wat sy essen of dryncken. 
^nd war sy koment vur eyn groiss dorp, ind da machent sy eyn kaffende 
'pni, 80 dat alle dye lüde uyss louffent, ind dar under stelent sy, wat 
«nan essen ind dryncken sali. Vort dise lüde by so wat lüde sy koment, 
^y syn kirsten of heyden, we lange dat sy by eyn sint, so lange haldent 
^y Bich ouch na yrme eeden an essen ind an drincken, an vasten ind an 
^re, ind en haint geynen hern noch priester; mer under wat kirsten yre 
^ kinder hrengent, na yrme seden laissent sy dye douffe intfain, mer 
^nder wat kirste sy synt des sondages, geynt sy alle zosamen zo kirchen 
^it pyfen ind mit bougen, ind haldent eynemisse van den heiligen dryn 
konincgen, dat sy got umb eren wille geleyde ind behoede, wair sy hien 
^'went durch berge ind woystenye. Vort under wat kirstenen dise lüde 
^terven na yrme gelouven, laissent sy sich berichten ind begraven. 

Die Beschreibung pafst vollständig auf die Zigeuner, ist 
überhaupt die beste für das ganze Mittelalter, denn nirgends wird 
80 früh darauf hingeNviesen, dafs sie ihre eigene Sprache be- 
säfeen. Wir haben es hier mit griechischen Zigeunern zu thun, 
VCD denen die auf der Insel Kreta lebenden schon bei Simeon 
Simeonis* beschrieben sind: 

Ibidem et vidimus gentem extra civitatem ritu graecorum utentem, 
et de genere Chaym se esse asserentem, quae raro vel nunquam in loco 

* Binerarium Symonis Simeonü et Hugonts Illuminataris ad lerram 
Sanetam, Canterbury 1778. Die betreffende Stelle bezieht sich auf .das 
Jahr 1322. 



Lfö Die Gcsdiialile de» Worttis 'Zigeuner'. 

alii|iio nioratur iillra XXX dice, aed seiuper veluT' a dco malcdicU yig> 
PI. protuga piiat XXSm dicm iJo canipo in cainpum cuju tcntoriie purris 
üblongii negria et htunilibiiR nd tnodum Arnbiim, et dp cnvcnin in cavcr 
iiBin 'iliaCurrit; quin locus ab eia ioluibitatuB poBt dictum lerminum effi- 
titor plenü vermibm et aBis iramunditii», cum qiiibuB impoedbil« eBt 
cobahitare. ■ r ' , 

Schon vordem $priobt I-«o Diaconus ' von den Ijii^vöhBWTl 
dieser InBel als der Ma^e ergeben; wohrscheinUch flberlriig er 
den Ruf der Zigeuner auf das gauM Volk. Dafs die Zigeuner 
als so eifrige Christen dai^stellt werden, braucht kein Staunw 
zii erregen, denn auch später nahmen sie Anteil au kirchlichen 
Feierlichkeiten: so erzählt Maitiu det Ejo^ von solohcn, die am 
Feiertage des Corpus Domiui tauzten, und Vaillatit^ «rvvähnt ilitc 
TeHnahme an der Oet^rfeicr. Doch viel ausgeprägter erschout 
ihre Christüchkert bei Noe Bianco:* 

Sono di questa modesünit (rsservan^a i ZingHri, beuche nou ^oo" 
batlMSti; i quali ultra »lodo jriueriBoong 1a vcrg^ne bened^lta: e pin.tt»'*' 
si ln»cerebboDo aniaziare, che indurre,»' dislioiiorarlA. i . , 

M'as heifst nun Mabdopblos ? ^ Es ist nichts andeiree al» 
das hei Steplianue aufgeführte iiayrinühig,- welches, wie leicht »u 
sehe», einfadi so viel bedeutet als '^^'ah^6ager', , Es sind di** 
also Zigeiinor von dem Typus, der später, von 141 7 an, in Millel" 




Die QeBöliichte des Wortes ^Zigeuner*. 291 

RrtfOjjÄ erschien. Was sie da von ihrem VerhSltnidöe'zo' dem 
Sfristfelhde' erzählten, ist somit nichts Nenes, scj(nä6tn cixistiörte 
ichon lange,, wenigstens in Griechenl^qd, .als eii}e Sagel/ ,.. 

Im 14. Jahrhundert crwähqt. der griechi|?che, Historiker .M<t-r 
ans^ die Ägypter unter den sieben Völkerschaften, die damals 
jrriechenland bewohnten; es. wird gewpnnlich angenommen, es 
ieien darunter die Zigeuner gemeint, und vielleicht auch mit 
:iecnt: allem beweisen lafst sich diese Annahme nicht, da schon 
^iel fc-üher ägyptische Akrobaten bei !Niccj)horus Gregorias* ber 
icHrieben werden und schon im 10. Jahrhundert .Joiannes Ca- 
neniata^ von syrischen Ismaeliten und vop Athiopern spricht^ 
lie die feindlichen Araber in Thessalonica gelandet haben sollen. 
Jnmdglick ist es keineswegs, dafs auch die htzter&a Zigeuner 
;ewe8en sind, • besonders die Akrobateü, was f ür si6 'palst; jeden- 
alls ist der Umstand ihtereösant, dafs nach 6r6goHatf Aussage 
liese ägyptischen. Akrobaten von Griechenland ä\is fil^r Thracien 
ind Macedomep bis nach Spanien gews^ndert sein, sollen. Jeden- 
alls wird die Anwesenheit solcher Bchwarehäutigeo Leute dazu 
)€igetragen haben, den Nam6n Äthiopier und Ägypter bei den 
Sgeunerii zu l3ef estigen. 

Dafs sogenannte Äthiopier auch m Westeuropa hausten, 
rissen wir auch von einer anderen Quelle. , Im Jahre 1266 er- 
hält Roger Bacon ^ ihre Anwesißnheit in den westlichen Landern 
ladurch, dafs sie, die die magischen Künöte verstanden, dort nach 
örachen suchten. Die Stelle ist interessant und lautet wie folgt: 

Repena qiiod eet esca Aethiopum eat draco, seoundum quod David 
^icit in psalmo, Dedi^ti eam eecam populis Aethiopum. Nam certum 
"St quod Aethiopes sapienteB yenorunt in Italiam et Hispaoiam et Fran- 
'i&m et Angliam, et in istas terrae Crietianorum in quibus sunt dracones 
>oni volantes, et per artem occultom quam habent excitant dracones de 
»vernis suisi et babont seilas et froena in proiuptu, et equitant super eos 
t agitant in aere volatu fortissinio, ut dometur rigiditas carniuin et tem- 
•eretur durities, sicut apri et ursi et tauri agitantur canibuB et variis per- 
asftionibus flagellantur, antequam occidantur pro conjeetione. Cum ergo 
c domesticav^int eos, habent artem praeparandi carnes eorum, sicut est 



' Groome 1. c, S. XX. 

■ (hijnu Soriptorum Historiae Byxmitinae Pars XIX, 8. S48 ff. 

»/&., Theophanes Continimtu^ (Hd. XXXII) S. 512. 

* The 'Opus Majus' of Roger BacoUy Oxford 1897, Bd. II, S. 211. 



252 Die GMchichte des Wortes 'ZJgniner'. 

nrs prHcpnrandi tarnes tyri, et utuDtur eis contra acddoitja Kaectnl 
cl vitam prolon^iiDt et intellectum eubtiliant ultra omaem aeetimatioDe 
Nnm nulln dnctriDH qiiae per bominem fieri pot«fit tantam Bapientji 
inducere valet siciit e^iis JBtarum camiam, secuadum quod per homir 
]>robatae fidei didiciiiiuB »ine mendacio et dubitatione. 

Wenn das nicht Zigeuner aind, von deneD er hier sprid 
so haben wir ein ganz unlösbares Rätsel vor uns, denn andf 
Äthiopier könneu durchaus nicht gemeiDt sein. Allein wir hab 
einen wichtigen Beweis, dafs schon vi erundz wanzig Jahre vord( 
Zigeuner Itis an den Rhein geraten waren. Die betreffende I 
wähnung findet sich in Dalimils gereimter Chronik,' die wir h' 
iti ilirer deutsehen Übersetzung aufführen wollen: 

Vui) den, di in dem laat zcu fnz giagin mit der vieot gruz. 
Nach Criat geburd, aU ich laz, ist gesehen doz 
czn-el Inindirt gar vnd darzcu zcwei vnd virccig iar, 
rartHBfi also gnant do gingin in dem lant, 
di beroubtiQ dy Tatrer, daz mir iRt gar vnmer. 
Der man gingin fuaf hiindirt. Der leiit aitin waz bisundirt 
Hi warn gar wnndirlicl), do si gingin durch daz rieb. 
dar hoe liiuil hattin dy, kurcz gewant trugin ai 
Wnn si woltin 




Die Geschichte des Wortes «Zigeuner*. 293 

die vom Jahre 1417, sind entschieden das Resultat irgend eines 
«ÜBerlichen Druckes. Der Herausgeber der Dalimilschen Chronik, 
Palackj, fühlte sich gezwungen, diese Neukömmlinge für Zigeuner 
zu halten. Er sagt selbst über diese Stelle: 'Kartas höh kann 
nicht aus dem Mongolischen erklärt werden, wie einer der aus- 
gezeichnetsten Kenner des Kalmück-Mongolischen, Professor Bern- 
hard Julg zu Innsbruck, mir versichert Ich nehme an, daTs die 
Zigeunersprache die einzige sei, die in diesen Gegenstand Licht 
bringen kann. Bokh heifst in ihrer Sprache ''Hunger'', und kurdas 
ist das Perfektum des Wortes kür, kar "thun'' (Miklosic, Ober 
die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Europas V, 
Wien 1875). Kartas bogh würde also bedeuten: "es macht 
Hunger, Hunger ist hier'^ Dieser Ausdruck palst gut für einen 
um Brot bettdnden Mann.' 

Aber schon hundert Jahre früher waren die Zigeuner in 
Deutschland bekannt Von ihnen spricht die oft citierte Bibel- 
paraphrase : * 

Agar gewan ein cbint uon dem whsen chaltemide sint 
Als Agar daz chint gewao Ismahei gap si im den nam: 
danne ehernen Ismahelite die uarent in dem lande wite 
daz wir da heizzen chaltsmide. we gescheh ir Ude 
wan alliz daz si habent ueile daz ist mit grozzem meiie. 
er chof wol oder ubeie er wii ie etwaz dar ubera 
dei löte si beströffent mit div und si uerchoffent, 
sine habent hos noch heimüt, alle giet donchent si gut, 
daz lant si durchstrichent, daz livt si beswichent. 
Alans betriegent si daz livt, si robent nieman ubirlot, 
ach gescheh in und ach, we gescheh ir chinnebach. 

Ihrer Beschäftigung nach hiefsen diese Zigeuner ^alt- 
schmiede', und da sie Fremdlinge und schlechte Christen waren, 
80 werden sie mit dem in solchen Fällen üblichen Worte 'Is- 
Diaeliten' gekennzeichnet. An einer anderen Stelle* heilst es von 
<^€o Ismaeliten: 'Er uuas Ismah^lis sun, uone demo Ismahelitae 
^cuman sint, die der hüser ne habent, sunter okkeret uilzhüs unte 
andera unuufttUche hereberga\ Da Joseph an die Ismaeliten ver- 

* J. Diemer, Genesis und Exodus nach der MüsUUer Handschrift, Wien 
1862, Bd. I, 8. 36. 

* Ib. Bd. II, B. 25 (aus WtUiraniy in Quellen u. Forschungen x. Sprach- 
u, OuÜurgesekiehie Bd. XXVIII, S. 4). 



S94 Die Oeschiclit« du Wartet 'Zigenaa'. 

kauft wird und diese ihn »aoh Ä^pteo führeu, an liegt ^ie Vea^ 
wecltselung niit deu Ag>-ptera nahe; daher liaben .wir. flUchiW 
der betrefletideii Stelle:' /ji.i;<.'/ 

Vciaeri^t ai im sagetOD daa ai nicht iibirhabeteD : > • <-•' •'' 

wie «i joaep gewtuKlea beBtr^ften . u ade wie sj. m den chalMoiidMl,. 
I i. ,'1 . uerehMteii, 

, Afit den Kaltschmiedea des Mittelalters hat es attie guTV 
eigene Bewandtnis. Einerseits hören wir von ihrer 'an Recli- 
losigkeit greuzenden Unehre',"^ andererseits besitzen sie Privil^eti' 
wie keine andere Zunft. Vom 13. Jahrhundert ab pe&itzca fw 
eine Reilie von Schntzbriefen für die Kelsler gder KaltschfiiiciJf, 
,und noch zu Ende dos 15. Jahrhunderts hören ,wir von KeMsf- 
tagen und von der Wahl von Ivclslerkönigen. * Kelsler wurden 
als unordentliches Gesindel betraL-ht«t,. und überhaupt hubsii ^k 
alte Merkmale der Zigeuner; selbst ihre Privilegien süul <len 
Oeleitsch reiben analog,, welche die späteren Einwanderer mi^ sui\ 
brachten. Den Grand zu eiuer solchen Bevorzugung werden ffir 
weiter untersuchen. Also von ihrer BeschUftigung stammt der a]te 
Name; dieser Fall ist auch gar nicht veroluzelt. ,Die englischen 
tinker und schottischen tinicinr, die so viel wie 'Zigeuner' lied(^<i- 



EHe Geschichte des Wortes 'Zigeuner'. 295 

deokbar/ dafB die den Kaltgchmieden eigentürnlichö Art des 
Sohnriedens von den Zigeunern nach Europa gebracht wurde, 
wie De Göeje behauptet.- Wie dem auch sei/ sind ^Schmied'; und 
'Z^nner' für die Periode vor dem Jahi^e 1417 identisch. In 
Ghriechenland sehen wir die Zigeuner noch bis Ende des 15.y ja 
des 16. Jahrhunderts als Schmiede berühmtj Von all den Namen, 
die im 15. Jahrhundert in Europa: im Gebrauch wared, la&t sich 
das Wort '^Zigeuner' allein nicht au» • einem -Vollcfinaimen deuten 
und hat m- den extravagantesten Anslegutlgen' Stoff g^ebra. 
Uns 43oheint'die> Sache ganz einfacii zxt liegen. Wie' im en^isehen 
Uekiind -tirik^ so sind in den meisten x)riental]8chen* Sprachen 
hikj cek/iink^ ierik^ die Wurzeln, von denen. Worter f irr Kam- 
mer' tind ^Metallanscblagen^ hergeleitet werden.^ Aus irgend einer 
dieser' Sprachen) wahrseheinliöhaus det» Tatarisohien/ ist das Wort 
etkaoi^tnit seinen Ableitungen in diä kirchen&lavische, russische 
und pdlnisohe Spi<ache geraten; es bedeutet so viel wie -^Hammer^, 
besonders ^ ^MünzstertapeR Das ital« zecchino, hfim.: sequin ist 
vlm derselben Abstammung.^ Im Oriechischen findet sich bei 
im byzantinischen Schriftstellern oft dad WoTtrl^vxaydarij^oy 
^Orty'in dem das dem beutigVi Pok> ähiiliehe\Ball3pielstattfiaiid'. 
Man leitet es gewöhnlich aus dem Persisdaen Zögern odebicc^ij^an 
aib, was dieses Ballspiel sein soll'; ii) Steiogass^ Fers. Wörter- 
buche wird dieses ^ Wort von' lavi-gnw abgeleitet;. >da aber in 
vielen Sprachen cektm ^Hümtnex^ bedeutet und diesids Ballspiel 
ftuf dem Schlagen mit dem langen Hammer beruht^ so scheint 
kein Grund vorhanden, dies rCvxuPtffrr^Qwy von c'ekan zu ttennen, 
besonders da es lautlich richtiger ist, es von cekan als von 



^ Ung. esefigeni klingeln; türk. cehidx, Hammer, bingimutqf einglemek 
Metall an^chlageD, denk Guitarre; pers. caktUy caküö Hammer deä Kessel- 
^bmieds, Sang Harfe; arab. dxunk Harfe. 

' Russ. Jsekan langstieliger Hammer, Münzstempel, cekafika Vogel mit 
^fetallstimme, cekanit' mit dem Hammer anschlagen; daz^u gehört auch 
f^kaff cikat* anschlagen, ticken, iehtsit' plaudern. 

* Littr^ und Zambaldi leiten ital. xecca (somit auch xecchhw) *Münz- 
liaas' aus dem arab. sekkah 'Prägstock' ab; nun steht aber im Wörter- 
buch sakhiy, und nicht sekkah, in ders^elben Bedeutung, und machen schon 
das türk. biqyn 'Geldnack mit GeW und das oben angeführte nehr alte 
eekan eine Abstammung aus dieser Gruppe viel sicherer; vielleicht gehen 
auch all diese Wörter zu allerletzt auf arab. sakka 'Nagel' zurück. 



2Pö Die GeBchichte dea Wortes 'ZigeUnor'. 

t-iiugan abüuleiteii. Ist aber rCnKafi' oder ein ähnliches Wort 
'Hammer', so mül'st^ etwa ittxui'ä^ gleichbetieiitend sein mit 
'malleator', und dies sollte unserer Annatime uach anch 'Zigeuner' 
sein. Schlagen wir bei Ducange nach, so fiudeu wir wirklich 
r^r,yu(iüg in der Bedeutung von 'incantator', illvyupin/iög Incan- 
tatio', T^nj'Hpi'L*!!' ' 'incaiitare more sagarum', das heilst, es ist 
iCryj-Kp«; gleichbedeutend mit dem früher besprochenen fiai-Tinäiai- 
Ijeider sind die bei Ducange angeführten Citate fast alle aus 
ungedruckten Quellen ; doch läfst ein Citat aus De Amoribue 
Lybistri et Rhodamnes sich datieren, da Crusius- beweist, dafä 
es um 1200 niedergeschrieben wurde. Da 7'CT/)-a(iäg zum Wahr- 
sager werden konnte, indem es erst 'Zigeuner' bedeutfite — denn 
sonst lassen sich 'Hämmerer' und 'Wahranger" kaum verbinden — , 
so müssen die Zigeuner schon vor 1200 in Griechenland bekaout 
gewesen sein, was zu allem Vorhergeeagten vollständig palsl- 
Aus der Hippe ii^i-xuyü? iU'i'a(mg lassen sieh ohne weiteres russ. 
ciji/ini, böhm. ct/ktin, deutsch Zii/etntt^r ableiten, und wie tink 
zu tick, so steht i'ink zn cik, woraus wieder zingaro, zincalo etc. 
entstehen uuiO. Wahrscheinlich kam das orientalische Wort für 




Die Geschichte des Wortes ^Zigeuner'. 297 

iseu, ist Dicht absolut notwendig; die letzte Einwanderung war 
3 gröfste^ oder die älteren Zigeuner waren mehr oder weniger 
dem Rest der Bevölkerung aufgegangen, und so konnte sich 
r die neuere Sprache erhalten haben. Wir haben Ähnliches 
i den Juden: die slavisch- sprechenden Juden Rufslands sind 
llstandig in den deutsch -sprechenden aufgegangen, wie die 
entaliscben in den spanischen aufgegangen sind. 

Es bleibt uns noch übrig, die dritte Kategorie der einfach 
rumstreifenden Zigeuner zu untersuchen. Auch für diese haben 
r eine frühe Quelle, und zwar die schon besprochene, aus der 
r von den Mandopolos gehört haben. Bei dem Aufzählen aller 
)lker, die die heiligen drei Könige verehrten, kommt er auf 
! Georgier zu sprechen.' Von diesen heifst es, dafs sie 
\i alze starcke lüde, ind haint eyne eygen spraiche, ind dye 
iut ind lydent durch die laut mit groissen schairen, as Vriesen,^ 
8 Johannes von Hildesheim ^ übersetzt mit 'tendunt, semper in 
Ulis, ut Frisones vel Vngari\ An einer anderen Stelle ^ hei(st 
wieder: 'die lüde Georgiani, ind synt vroim lüde ind starck, 
1 geent ind lydent zo samen groissen weydeligen schairen, as 
•eysen'. Nach derselben Quelle* sind in Nubien *die beste 
8ten, ind die sprechent Caldeischs ind schryvent Caldeischs, 
t in allen landen over mer haint sy dat vurgain van andern 
Bten, ind haint in allen landen da yre Sonderlinge kirchen ind 
«hove, as dye Vriesen zo Aiche, in ere des heiligen conincgs 
ilchior, van des lande sy sint\ Was sind das für Friesen, die 
r Landstreicher sind und mit Ungarn in einem Atem ausge- 
'ochen werden? Und wie kommen solche Landstreicher zu 
er so grolsen Ehre in der Stadt Aachen? Es sind eben keine 
iesen, sondern unsere Zigeuner in ihrer alten Rolle von privi- 
ierten Vagabunden. Es ist gar nicht denkbar, dafs die Friesen 
14. Jahrhundert, oder auch die Ungarn jener Zeit, als Vaga- 
iden galten, dagegen läfst sieh das Wort Friese leicht als eine 
ideutung von friheit, frihard, friet^ auslegen, was gleich- 

» ZfdPh. Bd. XIX, 1. c. S. 16. 

' C. HorstmaDn, The Three Kings of Cologne, in Early English Text 

eiy Bd. LXXXV, S. 281. ^ l. c. S. 18. M. c. S. 13. 

* Archiv für das Studium der neueren Sprachen Bd. XXXIII, S. 228 ff. 

re^ant ist die folgende Stelle aus Sigmund Meisterlins Chronik (in 

ltcUt f. n. Sprachen. CIX. 20 



s,-hiclilf iles Will 



. 'ZigeuiiE 



liL'deutiMiil WM- mit 'Vagiibiitid', Diese fHltfitKii hatten eben 
specielle Privil^en, und man dachte leicht bei ihrem Namen an 
t//ebae non addiciA, was kaum auf andere Vagabunden palst als 
auf die Zigeuner. Für Fris« finden wir in Ducauge die Glosse 
'homo FVancus', was uns wieder auf daseelbe führt, denn es 
decken sich die zwei Ausdrücke vollständig. Dafa aber Friesen 
und Ungarn gleichgestellt werden, hat für uns einen ganz be- 
eoudereu Wert, zumal da sie in Aachen lokalisiert werden. Wir 
wollen es versuchen, das Rätsel der besonderen Privilegien, ifio 
die Zigeuner im Altertum geuossen, zu lösen. 

Wir besitzen keine authentische Nachricht über die spedeDe 
Verehrung der Zigeuner in (iriechenland, denn was der Kölniedie 
Klerikus von den Mandopoloe sagt, beruht vielleicht auf sdner 
eigenen Einbildung, von der er, wie auch später Johannes von 
Hildesheim, sich leiten läfet, um die Universalität derVerehmng 
der heiligen drei Könige herau8zu8t«chen. Dafür aber weisen 
die Privilegien der Kaltschmiede, die Schutzbriefe der Zigeuner, 
die Immunitäten der friheittn auf eine mitteleuropäische, apeoidl 
deutsche, am Rhein lokalisierte Sage. Sehen seit der EinführuDg 
des Christentums in Deutechland verbreitet« sich am Rhein «Ü* 
Si^e von der Tiiebäischeu Legion, ' nach der Thebäer und Maurf 
taner, oder einfach Mohren, ihren Märtyrertod in DeuteohlsD^ 
gefunden haben sollen. Im 11. Jahrhundert wurde die S^ 
nach Köln übertragen. Im Jahre 1164 wurden die Überrest« 
der heiligen drei Könige aus Mailand nach Köln fiberfuhrt, »> 
dals daaelb.st fast ohne Unterbrechimg der Glaube an di 




Die Geechichte des Wortes 'Zigeuner'. 299 

vor den Augen die Abkömmlinge des Volkes, aus dem wenig- 
stens einer der drei Könige entsprossen war; ihre wahrsagenden 
Künste konnten die Kirchlichen nur in ihrem Glauben befestigen, 
und obgldch das gemeine Volk mit Abscheu * auf das diebische 
Wesen der Zigeuner blickte, so fühlte man sich doch kirchlicher- 
seits gezwungen, sie zu schützen. Mit der Zeit sind gewifs die 
Keller und Kaitschmiede im Deutschtum aufgegangen, und 
Strolche jeder Art sind zu friheiten geworden, aber die von der 
Feme kommenden Zigeuner hatten guten Grund, an der ihnen 
angedichteten Legende ihrer ägyptischen Abkunft und an ihren 
alten Schutzbriefen festzuhalten, um bei ihren periodischen Wal- 
lungen an den Rhein gute Spenden einzuheimsen« Wenn sie 
VQigaben, alle sieben Jahre wandern zu müssen, so hängt das 
von der Thatsache ab, da(s in Köln und besonders in Aachen, 
wohin so viele wallfahrten, die Reliquien nur einmal alle sieben 
Jahre gezeigt wurden. Kein Wunder also, daCs die ^Friesen', wie 
die Nubier anderwärts, in Aachen besondere Kirchen und Be- 
grabnisplätze besalsen. Die Gleichung von Friesen und Ungarn 
kommt aber daher, dafs zu seiner Zeit wirklich viele Ungarn 
nadi Aachen wallten, wo im Jahre 1374, am Tage der heiligen 
drei Könige, von Ludwig dem Grofsen eine ungarische Kapelle 
eingeweiht wurde. ^ Wurden einerseits die Zigeuner für Ungarn 
gehalten, so veränderte sich bald das Verhältnis, und man hielt 
4e Ungarn für Zigeuner, denn die aus Siebenbürgen und Un- 
garn kommenden Pilger hiefsen in der alteren Zeit Tattern : ^ 
Tattern sind aber in Norddeutschland die Zigeuner,^ und schon 
während des Mongolen -Einfalles hielt man sie für verwandte 
Völker, ja man glaubte in Köln fest daran, dafs die Tataren 
nach Europa gekommen wären, um die ihnen gehörenden ReUquien 
der drei Könige wieder nach ihrer Heimat zu holen. 

Da wir die vor dem 15. Jahrhundert in Europa weilenden 
Zigeuner ak Wahrsager und Kaltschmiede in genau denselben 
Beschäftigungen vorfinden, wie auch in der Gegenwart, und sie 

' Dag^en spricht Münster (1. c.) von eiDem abergläubischen Verehren 
der Zigeuner seitens des gemeinen Volkes. 

* F. Haagen, Oesehichte Achensy Achen 1873, Bd. I, S. 803. 

* In J. Müller und W. Weitz, Aachener Mundart 18:36, S. 244, citiert 
in A. F. Potts Die Zigeuner, Bd. I, S. 30. * Pott 1. c. 

20* 



300 Die fieachicht« des Wortes 'Zigeuner'. 

soiist sieb in deu letzten fünf Jahrhundert«!! nicht geändert ha 
HO müssen wir annehmen, dafs sie auch früher in anderen • 
rakteristisohen Beschäftigungen thätig gewesen, daa heifst, < 
sie als Akrobaten, Musiker, Pferdehändler^ bekannt waren. 1 
ist die Untersuchung eine viel schwierigere, da sie sich als ea 
weniger von ihren Geschäftsbrüdem unterschieden und leic 
im Volke aufgeben konnten. Doch wollen wir es verauc 
diese Seite der Zigeunerfrage hypothetisch anzugreifen; vielle 
gelingt es noch einmal, auch hier Klarheit zu gewinDen. 
Musiker und Sänger, also als wahre Troubadours, werden eii 
der Türkot zu Ende des 16. Jahrhunderts erwähnt;ti als AI 
butc» erscheinen sie schon im Jalire ihrer b^laubigt«D ] 
Wanderung in Deutschland^ Sind aber auch die äJtereu Zigei 
musikalisch gewesen, und das bezeugt ja der Kölnische Kleril 
so müssen wir auf zigeunerische jnngleiirs und menegtrela sei 
fsen. Erwähnt werden sie allerdings selten, doch der 6r 
wird wohl sein, weil sie zusammen mit ihren Berufsbrüdem < 
achtet waren und sich leicht mit ihnen vermengten. Wenn 
aljer lesen, dals Nicolette 'prist une herbe si en oinst son 
Mii'ele fu tote noire et taiute . 




Die Geschichte des Wortes ^Zigeuner*. 801 

ÄH eine Tradition des Schwärzens bei den Jongleurs zu denken^ 

sondern es war eben das Nichterkanntwerden dadurch bewirkt, 

^s Nicolette als ein musizierender Zigeuner erschien. Ja, man 

^nn sich gar nicht anders den zweiten Fall erklären, wenn es 

von Jehan de Bampaygne ' heifst: 'fist teyndre ces chevoyls e 

^^t son Corps entierement auxi neyr come geet', um als ^menestral 

E^thiopien, n^ en Ethiopie^ zu erscheinen. Hier ist gar kein 

Zweifel möglich, denn erstens was soll ein äthiopischer menestrel 

denn sein? und an eine Tradition könnte man etwa glauben, 

^enn nur das Antlitz und nicht der ganze Körper schwarz an- 

Seetrichen wäre. Dafs 'ägyptische^ Akrobaten im 13. Jahrhundert 

^litteleuropa durchstreiften, haben wir bei Gregorias gesehen; 

^*e waren gewifs keine Seltenheit, oder wir hätten auch andere 

Belegstellen für diese Gruppe. 

Man ist zu geneigt, das Schwärzen des Gesichtes der Tra- 
dition und der Mythologie in die Schuhe zu schieben;* das 
^<^heint gerade so widersinnig, als wollte man das Theater des 
Mittelalters direkt auf dem griechischen Theater basieren. Ge- 
^viis sind viele alte Bräuche bis auf unsere Zeit gekommen, aber 
^vie komisch wäre es, das Verkleiden der Kinder als Indianer 
^^^er unsere pechschwarzen amerikanischen minstrels (wer weife, 
^''iclleicht sind sie auch auf europäischen Bühnen zu sehen) auf 
^^tie römische Tradition oder auf ein mythologisches Überbleibsel 
Zurückzuführen. Liegt es doch viel näher, diese Vermummungen 
^Us dem in der ganzen Welt verbreiteten Drange, das Wilde und 
Ungewöhnliche, das Erschreckende und Verhafete darzustellen: 
^ie grotesken Masken der Chinesen, die Kriegsfarben des India- 
ners, die wodewose^ der Engländer bezwecken dasselbe. Dafe 
öian am liebsten zur schwarzen Farbe griff, ist an und für sich 
ganz natürlich, denn die Kohle und der Rufe sind am zugäng- 
lichsten. Dazu gesellte sich noch in Mitteleuropa das Verlangen, 
die Zigeuner, als die wirklichen Waldleute und wilden Männer, 
darzustellen; ja noch heute ist im Russischen 'zigeunern^* gleich- 

* Moland et d*Hdricault, Nouvdles fran^msejs en prose du XIV' sikde, 
Paris 1858, S. 76. 

« So auch mein Kritiker N. W. Thomas in AngUa Bd. XXIII, S. 517 ff. 

* Wodewoae wird glossiert mit 'sylvanus, pilosus', also Waldmensch. 

* Veeelovskij 1. c S. 20U.. 



802 Die Geachitht« de» Wortes 'Zigetmer'. 

bedeutend mit lusäkieren, und im 16. Jafarhimdert verstellte man 
eich Doch mit Vorliebe als Zigemier. ' 

Eiu alter Fall solcher ZigeunervermummiiDgen scheint er- 
wähnt zu aciü in den Stadtverordnungen von Baguea.^ Da heilst 
es, dafs im Jahre 1323 der kleinere Rat verordnet hätte:' Nidla 
pergona audeat vel presumat modo aliquo vel ingeiiio in isto pre- 
aenti anno faeere se ctrlionnzum, vel se transfigurare vel Judeum 
facere sub peua 5XV ypp. pro quoÜbet et qualibet vice, et 
accusator halieat medietatem banm, et per eius accusam veritas 
pot«rit inveniri. 

Im Jahre 1331 wurde verordnet:' 'de non prohibe&do in 
isto pascate, qiiod aliqua persona possit se facere carbonezvui 
seil Jtideum, vel se de 8ua propria forma ad aliam transfigurare.' 
Auch später"' finden sich solche Verordnungen oft. Schon Weese- 
lofsky hat diese carbouozi besprochen," aber, wie uns scheint, 
hat er nicht das fiechte getrofTen. Er nimmt an, carbonmag 

' So s. B. in Ntuue Ckroniea Titretcuehgr notwn S. 482: '(Die Juden 
haliea) etliche Mnmmereyen «uff Griechiiwh, aller gleicii, andere auff 
Zigeynerisch geklcydet, mit sii'h auKgeführt.' 




Die Geschichte des Wortes 'Zigeuner'. 808 

wäre eine Latinisierung des hypothetischen slavischen krabonoia, 
was so viel heifsen würde wie 'Maskenträger', da ein Wort kra- 
bxdja in der Bedeutung von 'Maske' wirklich im Serbischen exi- 
stiert Nun lag aber gar kein Grund vor, die slavische Formel 
kräh in die lateinische carh umzuwandeln, denn auch nicht ein 
einziges Mal ist in diesen Stadtverordnungen ein Name, in dem 
die Formel car -f- Konsonant vorkommt, zu belegen, dafür aber 
sehr oft die slavische Form cra -f- Konsonant, wie Cranca, 
Cranoe, Cranze, Cranotta etc. Wir müssen uns nach einer an- 
deren Deutung umsehen. Die Stadt Ragusa stand oft unter 
venedischem politischem Einflüsse, und der dalmatisch -venezia- 
nische Dialekt war daselbst ebenso zu Hause wie das Serbische. 
Das Kanzleilatein, in dem die Verordnungen niedergeschrieben 
sind, unterscheidet sich durchaus nicht von dem zeitgenössischen 
Latein der fiepublik Venedig, und in demselben finden sich lati- 
nisierte Namen von venezianischen Übersetzungen einheimisch- 
slavischer Bürger. Für unseren Fall ist besonders interessant 
die Gruppe 'Gerne de CarbonoV die in unseren Quellen vom 
Jahre 1224 bis 1345 öfters verzeichnet ist. 'Gerne' ist die ser- 
bische Form für 'Schwarz', und augenscheinlich ist 'Garbono' die 
romanische Übersetzung desselben Namens; es gab also ein dia- 
lektisches Wort Carbono, was gleichbedeutend war mit 'Schwarz'. 
Von carbono bildet sich leicht carbonazzo, carbonozzo oder car- 
bouoso weiter. Als Familiennamen wird erwähnt ein Bettler 
Georgius Garbonosso, ^ der von Almosen lebte, und später Tho- 
maso Garbonaz^ 're de ladri'. Man darf nicht behaupten, dals 
alle Schwarzen, d. h. alle Garbonossos, Zigeuner gewesen sind; 
ganz anders aber steht die Sache beim Könige der Diebe, denn 
auch ohne die Benennung 'Garbonaz' müfste man hier auf einen 
Zigeuner schliefsen. Es will uns also scheinen, dafs carbonazzo 
auf wirkliche Zigeuner angewandt wurde, oder man übertrug 
auch den Namen auf andere Personen. Durfte man aber in 
Ragusa nicht als carbonozas oder Jude erscheinen, so weist das 
auf eine sehr alte Art und Weise der Vermummungen als 

* Monumenta spectantta historium Slavorum Meridionaitutn. Listine.j 
Bd. I, S. 42, 80; Bd. II, S. 285, 211; Bd. III, S. 394. 
' Man. spect. hist. Slav. Mer.y TAMinej Bd. III, S. 259. 
^ Ib., commissiones et Belatioties Venetae, Bd. I, S. 8 h 



S04 Die OcMldcltt« da Wwt« 'Zigpaaeif. 

Zigeuner oder Juden; ganz genaa dieselbe Fonnd lebt Ina 
den heutigen Tag in Bufsland^ als Ausdruok für die Mast 
dienrng. 

Ich habe schon früher,* bei der Besprechung des Wi 
romanger, auf die Identität von le matque nnd la maaque 
gewiesen und will nur so vid davon wiederiuden, als rar . 
rundung des gegenwärtigen Artäkels nötig ist Von maaea '2 
geht man ganz leicht zum provenzalischen maaco 'Wahre 
über, was wieder zum französischen taaacot führt. Analog 
Mandojwlos und Ttiya^ü; mfiTate eine von maaca gelüldete I 
auch auf die Zigeuner angewendet- werden; somit IftlÄt üdi 
dem, was über carbonozo gesagt worden, sofort auf die Vei 
diing von 'Maske' mit dieser Gruppe schließen. Vielleicli 
auch franz. maig)ien 'Kesselflicker' auf eine Form maakim 
zurückzuführen;^ jedenfalls ist raaquigntm 'Pferdehändler' i 
von unserer Sippe auszuadieiden, und ist die Annahme, 
demselben die Bedeutung 'Zigeuner' voranging, dodonh geeic 
dafs die englische Übersetzung von maquignon Itomongour 
was eben 'Vagabund, LAndstreicher* heifst. Mein Kritiker* 
steht darauf, romongimr sei «ne Korruption von roaamoi 




Znr altenglisehen Bedentnngslehre. 



Die folgenden lediglich andeutend gehaltenen Miscellen betreffen 
Erscheinungen im Leben der altenglischen Sprache, welche zwar in 
ihi^r Allgemeinheit nicht unbekannt sind, aber im Einzelfalle, wenn 
^ sich um Interpretation handelt, vielfach nicht gebührend beachtet 
werden. 

I. Verba, welche einen Gemütszustand bezeichnen, lassen öfter 
^ii^e bestimmte, konkrete Bethätigung desselben zum Ausdruck 
^otrimen. 

lufian = *Liebe erweisen; liebkosen'. Musterbeispiele: lufUiä 
^i<i lacum ßa fe kes agun GucU. 50. he lufode mid his bradre kand 
h nunnan 7 oferpa sculdru gepaccode Dial. Gr. 189. 22.* (Vgl. Grein; 
Cosijn, Beitr. XXI 12.) 

[In entsprechender Weise findet sich lufu verwendet: an lufu 
^) ße pu mihi me gegearwian (r= beneficium) Dial. Gr. 182. 5; und 
^nlich freondsdpe, in freondscype fremman Botsch. d. Gem. 18.] 

lufian mit einem Sachobjekt 'gutheifsen': ealle fa fing ß ic toat 
^ äu geomest on ure Drihtnes hälfe, swa ic lufe 7 tyäe Chron. A. D. 
^^6E (allerdings mit lofian konfundiert: ic ... hit loue [abwechselnd 
^it ic ... hit tyde] mid Orystes mel ib.). 

hatian, feogan nicht nur 'hassen', sondern auch 'befehden, 
verfolgen'. Beisp. : no dy cer he ßone headorinc hatian ne meahte ' 
^um dcßdum Beow. 2466. ac se bryne hinded bidfcestne here, \ feod 
firena beam *Crisf 1598. 



* Eine SpecialisieruDg ähnlicher Art ist es, wenn firenian im Sinne 
Fon 'schmähen' gebraucht wird, wie in firenap pus p flcescJiord Red. d. Seel. 
104; vgl. wemman pe mid wordum ib. 64. 



;<0G Zur altengliBcIieii Bedeutungslehre. 

[Ell Sprechend leodhata; qpichaia (WulfsL 310. 1 eynchabm 1 
sacn-dbanan); dadhata Beow. 275 (das zu ändern durcbauB nicht von' 
Hüten ist); hetelice: kirn com to on niht se apl Petrus 7 hine lulelia 
s^nwig Chron. A. D. Ü 1 6 A E (MS. F Jieardlice) ; ^If ric Sainta XXX\ 
18K und sonst; ketts)id: he wearp eß ketßjend crisUnra monna Oroe 
2C.4. 7 (MS. C ehtetid).] 

firgnian{fagnian),blissian werden von ganz beednuntenÄufae 
ruiigen der Freude gebraucht. So onginnaä \ f(Bgnian mid folmun 
{=; plauden t raanibus) Par. Ps. 97. 8 [fagnung = plauBUB, Napiei 
OE. Gl. p. 146, 399]. UissiaS = plaudite, Blickl. Gloeeee (Horrit 
Blickl. Hom. p. 3Ö4), — Sa sceolde eutnan dare hsüe hund ongem 
hine, ptfs nama was Ceruejim ... 7 onfcegnian (MS. B ongan fa 
geniaii) mid his steorte Boeth. 102. 13. (Sedgefield: 'and he begai 
tu welcome hiin witb bis tail'.) In diesem fagnian (oder, geuauei 
der Nebenform fagnian) haben wir poteiiüaliter das moderne /ätti 
vor uiiii, für welcbes das N. E. D. erst aus Langland einen Belej 
bringt: fauned wiih ße. taüles P. PL, B XV 295 (wogegen dae Verbal 
Substantiv aus der Ancren Riwle citiert wird). Dafs dieser direkte 
Ableitung dos Verburas fawn aus dem Alt«ngliechen wenigsten: 




1 



Zur altenglischen Bedeutungslehre. 807 

^eOa . . . (= exhibebit mihi modo plus quam duodecim legiones ange- 
lonim) Lind. Ht 26. 53. Spedell: 'vennachen^ wie aus den Ur- 
kimden bekannt ist * Verschiedene Schattierungen treten gut hervor 
in den folgenden Btellen. Ic Elfred dux hatu wrUan 7 cydan ,,. ßa 

^»3^n ße ic minea erfes 7 mines boclondes seolest onn Thorpe, Dipl. 

-^ngL 480. 10.^ .^esi ic an Eadwearde minum yldran stma ßas 

ictndes cBi Sircetneat ib. 487. 11 (cf. ic seüo jEdelwalde minum suna 

XU kida boehndes ib. 481. 35). 

Auch die folgenden eine geistige Thätigkeit bezeichnenden Verba 

können wohl hierher gezogen werden. 

getnunan 'gedenken', auch jemandes Gedächtnis ehren': daet 

^e me gemynen aet dere tide mid suilee godcunde gode suüce iow cyniic 

^ffnee Sw., OET. 444. 41. 

eahtian '(ab)6chätzen' (pcet hie mon na undeorran weorde moste 

icsan, dönne hie mon he pam were geeahUge [Quadrip.: adpreciabitur] 

^^Ifr. Ges. 82); dann 'loben': eahtodan eorlscipe ond his ellemoeorc 

dngtidum demdon Beow. 3173. 8o auch pa was on gange gifu 

-Brodgares oft gecehted Beow. 1884. 

IL Zur resultativen Funktion von Verben mit dem Präfix ge. 

(Wir verweisen auf Streitberg, Perfektive und imperfektive 

-A^ktionsart im Grermanischen, Beitr. XV 70 — 177; Wustmann, Verba 

l>erfektiva namentlich im Heliand, Leipzig 1894; Wilmanns, Deutsche 

Orammatik II, p. 1 68 ff. Erörterung principieller Fragen liegt aufser 

unserer Absicht) 

Je nach der Beschaffenheit des zu erreichenden Objekts kann 

sich die resultative Verwendung ein und desselben Verbums natär- 

l^^ch verschieden gestalten. Zugleich macht sich aber auch der Zug 

^ach Verallgemeinerung des ursprünglich specialisierten Verbal- 

I begriffs bemerkbar, also z. B. gefrignan 'erfahren' (auch ohne vor- 

Y heriges ^fragen'), geferan 'erlangen' (ohne besondere Rucksicht auf 

■ 

I . _ _ — 

/' Goethe: Gönnt' alles seinem Erben, 

Den Becher nicht zugleich. 
• Bliokl. Hom. 195. 1 Forpon oft hü gescelep pcet his ahta weorpap on 
' p{KS onwealde pe he Sr on his life toyrrcst upe. Toller : *. . . into the power 
of the man that when alive he would have been least pleased should have 
it', womit Morris' Übersetzung (*. . . into the power of those whoin he 
preyiously worst treated in his life') genügend korrigiert ist. 



808 Zur Hitenglisrhen BedeutungBlehre. 

(inÄ 'gehen'), gespriiigan einfach 'erwerben' (Sie vers, AjjgliaXTV 139); 
oliiie ersichtlichen Unterschied findet man aige gefaran, geferan, g(- 
rffcan, gcsleav, gemrman. — Mit Wustmann (a. a. 0. 6) meinen wir, 
daffl Konstruktionen nach dem Muster von bedtlresle- geMah, mtn- 
i/ruiid gefe.oll hierher zu zählen sind; d. h. meregnind gefeoll bedeutet 
eigentlich: er fiel, bia er den Grund erreichte, oder: er erreichte durcb 
Fallen den Grund. 

Aus der Fülle von Einzelbelegen heben wir einige der be- 
merkenswerteren heraus. 

gegav, ijfgaugau. Eadmund cyning ... Myrce geeode Chroa 
A. D. 942, — Hfpfde agleeea eine gegongen, \ ]xet he beaJihordes brucart 
moste Beow. H93. — gif friman edor geganged ^3e!b. Ges. 29 ('wenn 
i'in Freier ins Gehege kommt' Liebermann), — - gif hyra htm/le gf- 
uidruviad bip, Pitl he ciHceau gegart tie meege Ben. R. HO. 19, 

gefaran. gif ie eft gefare swelotie sige Ti Romanum Oros, 156. 
31. — Tuin man ne mikie Qodes rice gefaran jElfr. Hom. I 94. 3 
(ib, 'Ji. 1 1 ?tf. mmg he faran into hiofenan nee), 

gefevan. he sige geferde on manegum gefeahtum ^Ifr. 8ainte 
XXV 730. — Dintstan se liulga arrb forlei pis lif 7 geferdf- ß keofon- 




Zur alteDglischen BedeutuDgdlehrfe. 809 

'gebugan, ond hine ymh monig \ snellic scerinc sdereste gebeah 
Beow. 689, wozu Trautmann (Bonner Beitrage zur Anglistik II 1 63) 
bemerkt: 'sde-reste wird von Grein und von Heyne für Aceusativ 
gehalten: ''Aceusativ des Gegenstandes, zu dem man sich wendet." 
Ist das möglich?! Ist nicht hier und in flet-rceste gebeag Beo. 1242 
zu schreiben rteste geßeah = "was taking rest" ?' — Neiö, ganz ge- 
wiü nicht! 8. auch Mod. Lang. Notes XV 498. — Dagegen •im- 
perfektives' bugan in bugon ßa to bence Beow. 327. 

gecyrran, noldon (tone redan cweüere eft gecyrran M\tr, Hom. 
I 80. 25 (*[they] would not return to the cruel murderer* Thorpe). 
«« gecyrre ge ncenne mann be wege [Luc. 1 0. 4] ib. II 534. 4. 

gestandan. pa gestodon his frynd his fceder and cwcßdon Mlh, 
Salnts XXXV 31. 

gestigan. gefeonde pa heofonlican rico gestah 7 gesohie Bed. 
"^64. 16. hire seo haiige sawl pces heofonlecan edles ingong gesidg ib. 
288. 24. — Ncenig eft pces stvide purh snyttru crcefl \ in feode prym 
I^ses lifes | ford gestiged Be Mon. Cweft 18 (niemand gelangt zu 
solcher Herrlichkeit). 

gerceean. hie ne meahion nanne mete gercBcan Chron. A. D. 918. 
— mder ne mehte on oßrum sige gercecan Oros. 96. 33. — Qotan ... 
^ Italia rice ... in anwald gerehton Boeth. 7. 1. Sedgefield bringt 
g&^ehton bei reccan 'explain, prove, narrate, reckon' unter, doch ist es 
zweifellos gerehton (kent., = gercehion)^ so auch Met. Boeth. XXVI 17 
^ ^io tid gelomp ß hi dcet rice gerceht hmfdon, (Wegen des Zusatzes 
^^ anwald vgl. and us ßcer in ontveald geslogon eal his londrice Ep. 
Alex. 61. Eadred ... gerad eal Norphymbra land him to gewecUde 
Chron. A. D. 946.) — Imperfektives racan z. B, in Beow. 747 rcehte 
ongean ', feond mid folme. 

gescinan, se fiicbeam ofersceadad dcet lond dcet hü under him 
fie nuBg gegrowan, fordcem hit sio sunne ne mot gescinari Cur. P. 
387. 10 (weil es die Sonne mit ihren Strahlen nicht erreichen kann). 

gefeohtan; gewinnan, Hcßfde pa gefohten foremcerne bked ; 

Judith cet giute Jud. 122. — pa wces Romana rice gewunnen Met 

Boeth. I 17. (Durativ z. B.: Constantinus 7 Constans umnnon him 

betweonum Oros. 284. 16; Saturninus, pe cefter pcem onwalde wonn 

ib. 278. 9.) 

geslean. gesloh pin fcpder fceJide maeste Beow. 459; nicht = 
'dein Vater schlug der Fehden gröfste' (Grein), sondern, wie wir in 



!tlO Zur aII«ngliscbeQ Bedeutungslehre. 

Mad. Lang. Notes XVI 20 f, gezeigt haben t 'thy father brought aboui 
(ur, brought on bis head) bj fight tlie greatest of feuds'. 

gewyrean 'erwirken, erwerben, verdienen' (Grein), se pe hi 
agmim her \ wilLum gefu)ifrc€lt, ^at kirn vmldorq/nitig . . . müde ge 
weorped Phoen. 536. Sicherlicb resultativ ist auch gewyrean in de 
bekannten Beowulf stelle: Swa sceal fgeongj gwna gode gewyreean. 
frotnum feohgiflum on f<fder [be.ajrrtut (^), | fael hine on ytde- eft ge 
iimnigen \ loilgesipas, 20 (durch Freigebigkeit e« dahin bringen [sich' 
verdienen], dafs ...). — swa wite swa wuidor, »wa hirn on wonM 
iKT I efne Pait eorftfeet ler gaworktb R«<i. d. 8eel. 7. — So auch: 7 äon< 
gijü gebete, swa wer swa wite, swa he gewyrkt age ^Ifr. Ges. 7. I . - 
be gewijrhtutn :=. merito, etc. 

gefrignan, gefricgan, geascian sind wohl die bekannt«» tei 
aller dieser Verben. Bei ihnen tritt die formale Trennung von dei 
imperfektiven Simplicien am deutlicbatfin hervor. Unrichtig iet de 
Ansatz fricgan 'inquire, learn' in Sedgefields Glossar zu Met Boetli 
IX 27 (pa riwstnn Romana witan ...) pe lie on psm folce gefriget 
lupfde. — Dafs ahsian in iveatt aksodun Beow. 423, 1206 nicht etwi 
perfektiv zu fafinen ist, ist in Mod. Lang. Notes XV 30 f. des näherei 




Zur altengÜBchen Bedeutungslehre. 811 

Num. 21. 1 Chananeus pa wann wid Israela beam and aige on 
hm gewann. (Assm., Hom. VI 100 ff. unnnan — oferwinnan) 

Oros. 202. 33 pa hluton pa constUa^ hwelc hiera (Brest pcBt ge- 
winn underfenge; pa gehleat hit QuinHus Flaminius, 

Dial. Gr. 207. 6 7 georrdice ongan acsian 7 eac hrade geac- 
8ode, fram htvan he ofslagen wces. JEUr, Hom. I 80. 23 hine axo- 
don (nicht mit Thorpe: 'informed him') be dam acennedan cüde, and 
papa hi his cenning-stowe geaxodon ...; Boeth. 139. 9 ff.; auch Dial. 
Gr. 322. 4 äö ongan acsian .,, pa gefrcegn he, pcet ... 

[Cf. Ines Ges. 8 Oif hwa him ryhtes bidde beforan hwelcum 
sc^rmen odde oprum deman 7 dbiddan ne mcege, Bed. 400. 10 ond 
peak de ic geame bcede, ne meahie ncenge pinga lefnesse abiddan; 
ib. 6. 13.] 

I£L Ingressive Funktion von gesiUan, gestandan, gelicgan, ge- 
reston. 

Wir behandeln diese Fälle gesondert^ da es uns nur auf den 
'praktischen' Zweck der Vorführung von Beispielen ankommt Im 
übrigen vgl. Streitberg a. a. O. 72. 

gesittan. Her Danihel gescet on Wintanceastre, 7 Hunferp feng 

to hiscdome Chron. A. D. 744. Dazu Plummer (Vol. II 42): The 

iQeaning must be that Daniel resigned. Exactly the same phrase is 

^8^ of the resignation of Cynewulf, Bishop of Lindisfarne, in 779 

^i E. Yet it is hard to see how "gesset" can mean anything but 

"^ided". I suspect that the Compiler had a Latin source before 

Wm and confused between **re8edit" and "recedit". The latter is the 

Word actually used by Florence here; but in 932, a passage in- 

dependent of the Chron., he has **resedit" in the sense of "resigned", 

I ISO.' Thatsächlich erklärt sich der Ausdruck sehr einfach; gescet 

ist ingressiv 'setzte sich hin', d. h. nach einem 'bewegten' Leben setzte 

sich D. zur Ruhe. Genau so heifst es Oros. 280. 20 : pa geweard hi 

him betweonu/m pcet hi woldon pa onwaldas forUztan, 7 Pa purpuran 

aleegan pa hie weredon, 7 woldon hiera dagas on seftnesse geendian. 

7 Pcet swa gelcesion, Dioclitianus gescet on Nicomidio pcere byrig, 

7 Maximianiis gescet on Mediolane pcere byrig (im lateinischen Texte: 

... Itaque sub una die Diocletianus apud Nicomediam, Maximianus 

apud Mediolanum potestatem imperii deposuerunt). — Hmfde Jie pa 

an ylde six and twentig wintra pa }ie cerest se Qodes cempa on pam 



312 Zur all^ugliBchen Bedeutungslehre. 

vesteiie vikl lieofonlirre ff'fe geweordad gesal Vita Guthl. 24. 2. — 
7Cftv(7 [— liisciibuit), we. Evang. Luc. 7. 36 (Lind, gehlionade). 

Mit Bezug auf einen voran agelien den ZuBtand des 'Liegens' ge- 
I)raucht, bedeutet ingressivea gesittan 'sich aufrichten' ('in sitzende 
Stellung konimen'). So in einer oft mifahandelten Stelle des Beowulf; 
he nnfenij hrape \ inwitpa>ieum ond wid earm gesät 748; und nooh 
deutlicher in: arax pa anra gefiwt/lc 7 wid earm gesät, \ kUonade irid 
hnndn Sat. 432. 

[In denselben Funktion asütani Bed. 422. 28 Äh in dagung» 
he eß acuieode 7 scmninga up fteh asai; 462. 9 pa ie4 nyhstan on da- 
giinge pmn fiflun Jtxges, suia he of hefigum sUepe onbrude, 7 wies 
arineiiiie 7 lip astEt ... t he sume hwile «(kl 7 sworUk.] 

Der Bewegim gabegriff kann durch Setzung von eotle stark her- 
vorgehoben werden (wobei die idiomatische Verwendung von to zu 
beachten ist): eode gesittan to ptPS haigan wert» tHoe Bed. löö. 29. 
i-'reilich wird liier auch einfaches sitlan gebraucht: eode goldkroäen 
freoiim folccwen to hire frean s-Utan Beow. 640; Jud, 15, {So in der 
Aufforderung: nte nu to sijmle Beow. 489; heblon hkne sittan tnUl 
mdum Bed. 39«. 8.) 

lEin Beiauiei reaultativer Funktion; forhoii he hie gesülah 




Zar altenglischen Bedeutungslehre. 313 

purhiwod torcetlicne layrm, ßcet hit on weaüe (etstod. — 7 J5 unstille 
hweal de Lnan wces to gebunden Leuita cyning for his scylde, dcet 
oästad for his hearpunga Boeth. 102. 29. iElfr. Ges. 46. 1. — syß- 
^o^ he eft astod ('stand wieder auf) Beow. 1556. ßa astod he sem- 
^^^a, 7 geiogene py wcepne v/nder his sceaie, rcesde on ßone cyning 
Bed. 122. 17.] 

geliegan. windbUmd gekeg Beow. 3146 Cthe wind-roar subsided' 
J- L. Hall; 'legte sich'). (Dagegen donne vAnd liged Phoen. 182 'wenn 
es ^windstill ist* .) 

(hine) g er es tan. Johannes se godspeüere gereste on fa/m dcege 
in JEffeso CJhron. A. D. 100 BC {him gereste ADE; /brpferde F), 
'giu^ zur Ruhe ein'. (Dagegen Her fordferde JElfgar cinges mag on 
I^fe;num, 1 his lie rest on WiUune Chron. A. D. 962,) 

Dab das für die vorhistorische Sprachperiode doch wohl voraus- 
zusotzende System massenhaft durchbrochen worden ist und keine 
^Ke^elmaisigkeit in der Gebrauchsweise der interessantesten aller Par- 
tikels herrscht^ bedarf keiner besonderen Erläuterung. 

Minneapolis (Minn.). Fr. Klaeber.. 



\ 



ArehiT t n. Spraohen. CIX. 21 



Fniliiiiilti'li'iiirlisrlii' und iiiiglorraiizösisehe Olossen 

au8 Digby 172. 



Prof. Grober hat kürzlich in der "StnlBbiu^er Festechrift »u^^ 
XI>VI, Vtreammlung deutscher Philologen und Schulmänner' (Stra&--^ 
Imrg 1901) ö. 39—18 'AltfraniÖBiPche GloBsen' nebst emigeo eög- 
ii.-'cheti zum Abdruck gebracht, die mir aus mehreren Gründen für 
die Anglistik von drofser Bedeutung zu sein scheinen und dar 
1 Standpunkt dieser Wisaenechaft beleuchtet t^ilwei^e hier noch- 




Frfihmittelengl. und anglofranzöe. Qlossen aus Digby 172. 315 

hunderte' spricht Und dasselbe kann vom Standpunkt der englischen 

**liIologie aus gesagt werden. * 

Wenn die Glossen wirklich noch ins 12. Jahrhundert gehören, 

®o sind die wenigen darin vorkommenden englischen Wörter von 
doppelter. Bedeutung, da ja kaum für einen anderen Zeitabschnitt 
^cr englischen Sprachgeschichte die Quellen so spärlich fliefsen wie 
^^tär die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts. Denn obwohl die poli- 
tische Verschmelzung der Angelsachsen und Normannen längst zu 
Einern Abschluis gelangt war, war man von einer sprachlichen Eini- 
S"img noch recht weit entfernt Das Latein als Kanzelei- und Oe- 
lehrtensprache und das Anglofranzösische als Litteratur- und Hof- 
sprache herrschten so ausschliefslich für jede Art schriftlicher Auf- 
rechnung vor, dals nur wenige Originalwerke in englischer Sprache 
^TiB jener Zeit auf uns gekommen sind. Der Mangel an englischen 
X>enkmälem wird dadurch noch erhöht, dals auch zur Glossierung 
lateinischer Schriften, soweit ich sehe, ausschlielslich das Französische 
^v^crwendet wurde, und dafs selbst die Abschriften und Erneuerungen 
sJtenglischer Werke, die bis um die Mitte des Jahrhunderts die hei- 
^^Qischen Traditionen und die heimische Sprache fortgepflanzt hatten, 
in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts immer seltener wurden 

^Uid sich vielleicht nur auf Ausnahmen beschränkten, wie das Wor- 

oester-Fragment der iBlfricschen Latein-Grammatik, die kentischen 

Evangelien, die Lambeth-Homilien u. dgl. m. ^ 

* Macray's Cataiogue (1883) verlegt sie ebenfalls ins 12. Jahrhundert 
Auch Fräulein L. T. Smith schreibt mir: *Both handwräing and green 
^^ocananal inüials point to the early date of the MS., possibly the seeond 
halfofthe 12^^ cent: 

* Brandl sagt in Pauls GrundrÜB II i S. 615: <Um die Mitte des 
12. Jahrhunderts verlor sich das Verständnis des Altenglischen.' Sollte 
diese Formulierung nicht doch etwas zu weit gehen? Denn es sind doch 
thateächlich ae. Schriften (s. oben) damals kopiert worden. Zudem scheint 
mir das von Brandl angeführte fehlerhafte Uffesian fOr liffcBstendan nur 
dann irgendwie beweiskräftig, wenn sich nachweisen lieCse, dals es sich 
dabei um eine bewufste Änderung des Kopisten handelt, nicht aber um 
ein unbewuistes Versehen, wie etwa eine mechanische Bachstabenauslassung 
oder eine unwillkürliche Vertauschung gleichanlautender Wörter, wie beides 
auch in früherer Zeit unachtsamen Kopisten nicht selten passiert ist. End- 
lich scheint mir der Unterschied in der Sprache nicht so grofs, dafs nicht 
etwa der Verfasser des Poema Morale — wenige lexikalische Schwierig- 
keiten abgerechnet — eine Handschrift des 11. Jahrhunderts habe ver- 

21 ♦ 



31Ö rrühin 



ind Hnglofran»)». Glossep aus Digby 172. 



Mehr mich ah durch ibr Alter sind uns die Gloseen dadurch 
bedeutsam, daT'^ ^^ie uns eitieu Blick thun lasseu in den Prozefc der 
\ emuscbung des Englischen und Französischen auf britischem Boden. 
Wir sehen un-, hier nämlich einem Glossator gegenüber, der ab- 
«erhselnd, ohne erkennbaren Unterschied, sich der fraDZÖsischen 
"der der englnchen Sprache bedient, so dafs sich uns die Fragen 
aufdrängen : War der Glossator sich der Anwendung zweier Sprachen 
bewufst, oder glaubte er nur eine Sprache zu schreiben? War er von 
Geburt ein Normanne oder ein Engländer? Warum blieb er nicht 
bei einer einzigen Sprache, sondern griff bald zu diesem, bald zu 
jenem Idiome? Alle diese Fragen lassen sieh, wo uieht mit Siche^ 
heil, so doch mit einiger Wahrscheinlichkeit beantworten. 

Auf den ersten Blick könnte es den Anschein haben, als seien 
die in beträchtlicher Minderheit befindlichen englischen Glossen wörier 
als lichnworte des Französischen, wie es in England gesprochen 
wurde, aufzufassen, und als habe der Glossator eine Sprache, eben 
Anglü französisch, zu schreiben vermeint. Diese Auffassung lielW 
sich noch durr^h den Hinweis ?tützen, dafs in der That die Fraii- 
zö-iiscli sehrciliendeii Knglünder des ! 3. und 14. Jahrhunderts mehr- 




FrühmitteleDgl. und aDglofraDzös. GloBsen aus Digby 172. 817 

en erweist sich jedoch eine solche Annahme als unmöglich, 
lossator selbst scheidet nämlich ausdrücklich zwischen romanice 
nglice und weist nicht selten durch Vorsetzen dieser Ausdrücke 
(Tolkssprachlichen Übersetzungen der einen oder anderen Sprache 
Ir mufs sich also des Gegensatzes der beiden Idiome vollkommen 
Bt gewesen sein. Offenbar haben wir es mit einem zweisprachigen 
e zu thun, wie sie jedenfalls in den gebildeteren und höheren 

vrgher 'Bürger'; borghesaldre: s. Oxf. Dict. unter borsholder ] bue 
of the body': ae. büCj ne. dial. bouk; claspes 'Klammem': me. ne. 
cod: ne. cod 'Kabeljau'; cod-net: Netz; crahbe: ae. erabboy me. orabbcy 
zb; eroft: ae. ne. croft 'Feld'; [cros 'Kreuz', wohl eher nach Stim- 
S. 205 zu beurteilen als = ae. ne. cross zu setzen] ; dabbe : me. dabbe, 
b 'Plattfisch'; dayerie: me. deierü, ne. dairy 'Milchwirtschaft*; deye: 
ge, me. deie, ne. dey 'Meierin'; dartegeld; dtkers 'Anzahl von zehn': 
ieor, ne. dicker; esterlinges : ne. casterlings ; f%sh-wharf\ [flctschix 'gushed 
ne. ^flwÄ??J; fUU 'flach': me. ne. flat\ forgoerx ne. foregoer\ forstcU- 
ne. forestallers; [kaddoek 'Schellfisch'?]; hacehes 'Lukendeckel': ae. 
ne. heUeh; haven 'Hafen': ae. fuefene, me. ne. haven; hay 'Hecke': 
je, ne. va. hay; heriei: ae. heregeaiu, me. heriet, ne. hertot (s. Oxf. 
; hides 'Hufe': ae. hid, ne. va. hide; hokes 'Haken': ae. höCy me. ?iök, 
ok; hundred 'Hundertschaft'; hundreders; ht^tenge 'Versammlung': 
Hing, ne. va. htisting ; husbandrie : ne. htisbandry ; landlorde : ne. land- 
^ast 'I^dunjj^': ae. hUrst, me. ne. last; laites 'Latten': ae. IcUt, me. kU; 
le. leng, me. ne. ling 'Laugfisch'; lodship 'Lotsenschiff': ne. lodeship; 
Tianage 'Lotsenkunst': ne. Uxie-manage zu lodeman 'Lotse); merke 
en': ae. mearc, me. m^rk, ne. mark; mene 'gewöhnlich, gemein': ae. 
rtie, me. mene, ne. mean; more 'Moor': ae. mör, ne. moor; Outsiders 
iter'; pan 'Pfanne': ae. panne, ne. pan; rakyers 'Kehrer': ne. rakers; 
%rde 'rückwärts': ne. rearward); rivelinges 'Schuhe': ae. rifeling, me. 
g; escot: ae. scot (vgl. Arch. CVIII, 193); shope 'Laden': ae. scoppa, 
oppe, ne. shop ; shotetiharang : ne. shotten herring 'Hohihering'; smelt : 
. smeU 'Stintfisch'; spro^^ 'Sprotten': &e. sprott, ne.sprat; stokfisshe: 
>ckfish; estrikS 'gestrichen' (vom Mafs) : me. ne. striken; tele 'Krick- 
ne. teal; tromes 'Trumni': me. /»nirn, ne. thrum; tilers 'Ziegelbrenner': 
ers aus ae. tigele; tificler 'klingen*: ne. linkte; toft 'Hügel': me. ne. 
rippes 'Tänze': nie. trippe, ne. frip; wadrnal 'grobhaariges Wollen- 
ffcyrwco/te 'Wandtäfeluuji'; wapentak; wassail; «7e/«*7wc 'bewiilkomni- 
3t. Giles, ed. Paris & Bos. V. 24r»7 ü le^ tcelcume en sa language): 
üvome; wherf ^WeriV: ae. hwerf, me. wherf, ne. tcharf; welkes: ae. 
nie. ne. whelk 'Trom|)etenschneeke'; wimple, guimple 'Hals- und Kopf- 
if': ae. wimpel, ne. unrnple; windas 'Winde': me. toindass (an. vindnss) 
nie. ne. unndlass; widecoke^ whodekoks 'Schnepfe': ae. ^widucoer, im- 
, ne. woodcock ; yomen : nie. yomen, ne. yeomen, vgl. afrs. gamen. 



81R Fnih mittel engl, und anglofranx&s. OtosBPi) ane Digby 172. 

Kreisen Englflnds sowohl unter Noraiannes wie unter Angeleachsut« 
'Inrnale dtirchau? die Regel gewesen sind.' 

Fragen wir weiter nach derNationalitfit dcB Glossatore, eonürdv 
wiederum der atark überwiegende Gebrauch def Französischen — 
auf lOii romanische kommen 16 germanische Wörter — für die Ve^ 
mutvmg sprechen, wir hütlen einen Kleriker normannischer Ähkunft 
vor uns. Schauen wir uns aber die Begriffsftphftre lies engliecben 
Wortmaterials etwas näher an, so wird uns die entgegengesetzte Au- 
nahme für wahrscheinlicher gelten. Die englischen Vokabeln ge- 
hören nämlich fast aiiRschliefelich dem Kreise des intimen Alllag»- 
lebens an; denti englisch sind die Glo.^sen für 'Kniekehle', 'Haar- 
locke', 'Warze', für 'Schuh' und 'Kleidersaum', für 'Molken', 'Bier", 
für 'Rufs', für 'Tliürriegel', Kiriff' uud 'Haken', endlich für 'Knurren', 
'Slammeln' und 'Schnarchen'.* DaTs ein Normanne gerade für diese 
Begrifle englische Ausdrücke überhaupt kennen und, wenn er sie - 
kannte, gebrauchen sollt«, scheint mir durchaus unwahrscheinlich. 
Ich glaube vielmehr, dafs diese Ausdrücke der Muttersprache des ^ 
Glossators entstammen müssen, mit anderen Worten, dafa dieser ein _ 
geborener Engländer war. 

Denken wir uns nun den Glossator als einen zweisprachigen -. 




Fröhmittelengl. und anglofranzös. Glossen aus Digby 172. 819 

Xeser oder Schüler so verfuhr. Wenn er zu Verruca 'Warze' erst 
eine französische und zu dieser wieder eine englische Glosse setzt 
imd in vielen anderen Fällen sein Französisch nochmals mit einer 
lateinischen Erklärung versieht» so sieht das fast so aus, als habe 
er den französischen Kenntnissen seines Publikums nicht ganz ge- 
traut Auf der anderen Seite muls dann freilich betont werden, dafs 
er einen beträchtlichen Grad französischer Kenntnisse eben doch 
bei diesem voraussetzte und damals voraussetzen durfte. 

Wie schon oben erwähnt» unterscheidet der Glossator gelegent- 
lich zwischen den zwei Sprachen durch ein beigefügtes romanice oder 
onglice, Ersteres findet sich 37 mal, letzteres 5 mal verwendet Das 
Interessante dabei ist nun, dafs er ein paarmal sich über die Zu- 
gehörigkeit eines Wortes zum romanischen bezw. germanischen Sprach- 
stamme irrt und zwei Wörter (loc und rute) als französisch bezeich- 
net^ die echt englisch sind, und umgekehrt das Wort mosse 'Moos', 
das sich durch Form und Bedeutung ab französisch erweist (s. weiter 
imten), dem Englischen zurechnet Letzterer Irrtum ist leicht zu ent- 
schuldigen, da es ja wirklich ein ähnlich lautendes Wort» ae. mos 
'Sumpf, in seiner Muttersprache gab, welches früh sich mit dem 
romanischen Worte vermischt haben muls. Schwerwiegender ist aber 
«chon, dafs er heimische Wörter als französische auffafst Wenig- 
stens bei loc 'Haarlocke' ist dies doch für einen geborenen Engländer 
recht auffallend,^ wenn auch bei rute 'schnarchen' durch Vermengung 
mit dem altfranzösischen Substantiv ruU, nU 'Lärm, Brunst' eher 
verständlich. Mir scheint daher der Schlufs sehr naheliegend, dafs 
sich, wie häufig bei einer zweisprachigen Bevölkerung, das Sprach- 

' Zu erklären ist es wohl nur dadurch, dafs unser Glossator dieses 
wie die anderen englischen Wörter als Fremdworte in sein Französisch 
einzumischen gewöhnt war. Tobler hat zudem das Wort loc in einem 
französischen Texte nachgewiesen (Romania V, 44, Z. 128: tm loc a Buia- 
mcn de sex chevox copS). Da aber diese Stelle in einer Handschrift vor- 
kommt, die nach P. Meyer von einem Engländer in England, und zwar 
erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, geschrieben ist, wo das 
Französische nur noch künstlich in England gelernt wurde, so beweist 
dieser vereinzelte Beleg wohl kaum, dafs das Wort hier anders zu be- 
urteilen ist als die sonstigen in anglofranzösischen Texten vorkommenden 
englischen Vokabeln, wie nous givons (Morsbach a. a. O. S. 380), clctsp, 
flat, hay, hake, latte, merke, pan, rivelings, shope, tromes, tincler, trippe^ wel- 
eumcy wherf, unmple, tcmdas u. s. w. Vgl. S. 816, Anm. 1. 



320 FrOhmiltelene'' «nil nDplofranzBi". GloBsen «us Digby 172. 

frcfrilil Uliperes Gloppators schon recht bedenklich abgestuiDpft hatte, 
dafs Bich die Grenzen zwischen dem Wortschatz der beiden Sprachen in 
seinem Kopfe bereits zu verwischen drohten.' Ein solches Schwankend- 
werden des Sprachgefühls bedeutet aber einen wichtigen Schritt auf 
dem Wege der Wortentlehnung, und wir können hier somit gewisser- 
maften den Boden belauschen, auf dem das anglofranzöaisehe Fremd- 
ivort üppig gedeihen niiyste und leicht zu jener Romani^ierung des 
englischen Wortschatzes fuhren konnte, die sich noch beute ao fühl- 
bar macht. Hierauf ^heint mir ein Hauptwert der vorliegenden 
Glossen zu beruhen. 

Ein Engländer, für den die Sprachgrenzen so beträchtlich ver- 
blaf^l waren, hat gewiJ!- in seiner Alltagsrede, wo noch heute selbst 
der gebildete Zweispnichler mehr als beim schriftlichen Gebrauch der 
Sprach meng ung die Zügel schiefsen läJät, unwillkürlich und unbewufst 
eine grol'^e Menge französischer Worte verwendet, auch wenn nicht 
obendrein die Mode dies begünstigt hätte. ^ Es ist dalier aucli sehr 
wohl möglich, dafs er einen grofsen Teil der von ihm zur Glossierung 
verwandten romaniiichen Wörter, zumal von den ohne den Zusatz 
romnniee gelassenen, hereil.« als Lehnworte, d. h. als einen festen Be- 
standteil des Eni^lisclien empfunden und gebraucht hat. Bei einem 




FrülimittelcDgl. und aoglofranzös. Glossen aus Digby 172. 821 

Im folgenden teile ich nun alphabetisch geordnet zunächst alle 
iglischen Glossen nebst ihrem Lemma mit, sodann von den fran- 
eischen alle diejenigen, welche als Lehnwörter in die englische 
)rache aufgenommen sind und zugleich in einer Form erscheinen, 
3lche die Möglichkeit nicht ausschliefst, dafs sie schon recipierte 
)8tandteile des damaligen Englisch waren. Ich habe dabei, wenn 
i diese beiden Bedingungen erfüllten, auch solche Wörter mit ein- 
tzogen, die die Bezeichnung romanice tragen, ^ weil dieser Zusatz, 
imal bei einem Manne mit abgestumpftem Sprachgefühle, nicht be- 
Bist, dafs die betrefTenden Vokabeln nicht schon damals in ge- 
issen Kreisen oder Gegenden in englischer Rede gebraucht wurden, 
agegen habe ich von dieser Liste ausgeschlossen alle solche frän- 
kischen Wörter, bei denen entweder eine deutliche französische 
lexion * (-er, -S, -anx) oder eine lautliche Abweichung von der sonst 
legten mittel- oder neuenglischen Wortgestalt die Auffassung als 
iglisches Lehnwort verbietet oder unwahrscheinlich macht Ich bin 
ir darüber klar, dafs man die Ausschliefsung dieser letzten Gruppe 
kdeln kann, weil damit in etwa dem Zufall der Oberlieferung eine 
ntscheidung eingeräumt wird. Ich gebe dies Bedenken als sehr ge- 
ichtig zu, glaube aber doch an meinem Plane festhalten zu sollen, 
eil es mir darauf ankam, durch eine Zusammenstellung erkennen 
1 lassen, bei welchen von den Glossenwörtern wir einen thateäch- 
chen Anhalt für die Vermutung haben, dafs sie in der vom Glos- 
ktor gebrauchten Form dem Wortschatz des damaligen Engländers 
tigehörten. Theoretisch kann natürlich jedes beliebige anglofranzö- 
sche Wort zu irgend einer Zeit oder in irgend einer Gegend in der 
Iglischen Volkssprache üblich gewesen sein. 

* In der unten folgenden alphabetischen Liste sind diese Wörter durch 
;kige Klammem kenntlich gemacht. 

' Keinen Anstofs habe ich genommen an altfrz. -x in deXf [plaix], 
banx und rt«, da ich aus conis (zu eonü) statt conix (s. weiter unten 
. 330) und namentlich aus mtäesx (zu mulety 8. 330) schliefen zu dürfen 
laabe, dafs -x von imserem Glossator bereits als -s gesprochen wurde, 
gl. wegen der schwierigen Frage über den Lautwert des -x im Agln. 
timming, Boeve de Haumton S. 230 f. Beachtenswert ist, dafs auch in 
Iglischen Texten seit 1200 gelegentlich ein x für me. s geschrieben wird, 
) z. B. in wax *er war*. 



322 Frflhniittcleiigl. und anglofrweSB, GIo««] ms Digbf 173. 



Ä. Germanischer Wortschatz. 
croe 'Haken', Ellis S. 38, Z. 12: vmco h. -croc'. 

Ae. *(TÖf, me. crök, ae, crooh Die vorliegende Glosse düriui 
der älteste Beleg für das Vorkomme» dieses Worte.'i in England sein. 
Trotzdem scheint es mir zweifellos, dafs das Wort auf ein alt«rerblf«, 
nur zufällig nicht in der Litteratur' vorkommendes ae. *(röc zuröck- 
geht (eo Eluge-Lutz) und nicht erei aus dem Altnordischen entlehnt 
ist (so Skeat, Oxf. Dict, u. a.). Für ersteres spricht sowohl die Ver- 
breitung des Wortes in allen neuen gl i sehen Dialekten (j. Wright) als 
auch die Verwandten in den anderen germanischen Sprachen : rnndl. 
oroec, Ati.h-ökr : nhd. kräcko(ä^) : an. brakf-^ (vgl. die gleichen Vokal- 
und Konsonanten verbal misse in ae. hie, mudl. fwfk : ahd. kni(o, 
häg(gjo, an. häkr : ae. kaca, an. hakt). Neben dieser luiiweifelhaft 
germanischen Sippe steht mm freilich auch eine romanische mtl 
der gleichen Bedeutung, vlat. eröec- * (AV. Foerster ZffrsPlL II 85 f,^ 
Es ist daher die Möglichkeit nicht zu leugnen, dafs unser GlossaWr, 
wie Gröber annimmt, das afrz. croc 'Haken' gemeint hat Wer ah« 
meine Auffassung von der englischen Nationalität de:» Mannes teil'i 
wird es für natürlicher halten, die vorliegende Glosse als englisoli 




Frühmittelengl. und anglofranzös. Glossen aus Digby 172. 823 

• 

dem 12. Jahrhundert sein. Spater scheint das Wort ausgestorben 
und durch das seit 1462 belegte me. cripie, ne. erypt aus frz. cripte 
ersetzt zu sein. 

grtp 'Geier' 58 2^: Uultur est auis, quae anglice uocatur 'grip', 
in cuius ouo ponuntur reliquiae. 

Me. grip (Layamon u. ö., s. Herrtage, Cath. Angl. S. 165 Anra. 6 
und S. XLIV), im Ae. vielleicht nur zufällig nicht belegt, vgl. mndl. 
mndd. grip, an. gnpr (nur Pidr. Saga, daher vielleicht aus dem Ndd. ^ 
entlehnt?), ahd. gr%f\ später verdrängt durch das französische Lehn- 
wort griffoun (14. Jahrb.), ne. griffin, 

grünte 'knurren', 50 ^2; Hirriant, inter dentes murmurent quod 
anglice dicitur 'gr%mie\ 

Ae. grunnian, me. grtmniefn), vgl. Engl. Stud. XXXI, 18, wo 
ich die mir bekannten Belege für letzteres zusammengestellt habe. 

hamme 'Eaiiekehlen', 28 2^: Poplitea dicuntur ^hamme\ Dieses 
hamnie ist wohl alter femininaler Plural zu ae. me. hamm 'Kniekehle', 
ne. kam 'Kniekehle (Anatom.); Schenkel; geräucherter Schinken'. 

hem 'Kleidersaum', 59 ^ Anm.: Et est proprie sirma anglice 
*henh* a. margo femineae uestis. 

Ae. me. ne. hem. 

loc 'Haarlocke', 28^^: FlageUis .i. cirris, quae recte^ dicuntur 
'toc'; 36 26; Cirrus, romanice 'loc'. 

Ae. me. locfcj, ne. lock. Wegen des romanice s. oben S. 819. 

medo 'Bier', 58^^: Mirttcs^ est quaedam arbor paruula dedicata 
Veneri propter eins calorem, ex qua fit 'medo'^ [s. unten S. 825]. 

Ae. medu, me. mfde, ne. mead. 



' Dan. grib 'Qeier' und grif 'Greif' sind nach Jessen beides deutsche 
Lehnwörter. pSbenso jetzt Falk-Torp, Etymologisk Ordbog, S. 248.] 

' Tobler 8. 146 weist darauf hin, dafs das mehrfach so erscheinende 
reete vielleicht eine milsyerstandene Abbreviatur für romanice sein könnte. 
Sollte sich dies nicht als zutreffend erweisen, so würde rede wohl synonym 
mit proprie zu fassen sein, welches in gleicher Verwendung Öfter in diesen 
Glossen erscheint. 

' Diese Glosse ist auch inhaltlich interessant als ein neuer Beleg 
dafür, da(s ein myrtenähnliches Holzgewächs — nach Schrader ist es der 
Gagel (Myrica gale L.) — statt des Hopfens zum Bierbrauen benutzt ist. 
Eine ähnliche Stelle führt Schrader, Eeallexikon der idg. Altertumskunde 
ö. 569, an. Andere Ingredienzien, um dem Biere *einen aromatischen und 
bitterlichen Geschmack' zu geben, sind ebenda S. 90 f. genannt. Der 



;'i24 Frilhmittelengl. und flngIofrani3s. Glowen ans Digby 172. 

I'in , eine Vfirrichtung zum VerBcWiefßen der Thür, etwa Tluir- 
ric^il', i'i -' ; jiessuhini opponis .i. 'pin'* [b. unten 8. 325]. 

nnpfcii ist iils liierwürze in Englaad eret im 15. JnhiiiiiDdert aUgeman« 
gpworilen; ein Wort dafür, ine. Hoppe, ist zum eratenmat ca. 14411 im 
Pro n t Par I legt loch auch h'er m't dem ZuiiaUe iceundum extrann»' 
|1 afa ae y «^ Lcech I II o es en gr bryonia diotea Qberwtrt 

n 1 Jr kl h ala Trankworze I e e ehnet w A den Hopfen meine, isl 
r f ne w e n r he nt unl altbare \ erm t n yo i rockayue, ausgeheml 

on de IT gen ^nuahn e dafe nur diese Pflanze als Bierwürze vorkomme. 
V nderen '^ eil eze hne kyn le sehe andere Pflanzen; Leechd. I, 

54 gr polytnpkm \\r W 1 =: lat olpiia\ Ana diesem Grundf 

sthenl ee r fi d AnjrelsachaeD n cht aaganglich, mit Kuhn (K. Z. 
In leo e nen Ausdruck fi gehopftes B er zu sehen im Gegen- 
sat? zu ngel Oi ft al F» k'^nnte « ch w hl höchstens darum hac- 
lelu lars da e ne Cetrank m t das ande e ohne einen aromatjechen 
B ttCTw nff we Caf,el E chenr nde Leechl II 292), FichteuKprofMn, 
Schafgarbe d^l 1 erj,e teilt war Auf Cr nd der bekannten Edda-St«llf 

Alv BBn 1 5 / p r nf nnum er ne I asj m btärr) hat man vemmlrt, 
dafs bror und sal II g ynonya gewesen »e en Doch glaube ich, ilaft 
d s f r Enga I ht zutrifft De n weele scheint mir dafür i» 

[ et e iafa w rkl 1 w hen I den Na en Pin Artunterschied bf- 
II k n Ire Ste e o 1 e Nebenein an derstellun^ 




Frühmittelengl. und anglofranzös. Glossen aus Digby 172. 325 

Ae. me. pinfnj, ne. pin 'Stift, Bolzen ; StecknadeF. Das Simplex 
ist in dieser prägnanten Bedeutung bisher nicht in unsere Wörter- 
bücher aufgenommen. Wohl aber verzeichnen Mätzner und Strat- 
xnann-Bradley ein Kompositum dure-pin auf Grund von Gen. & Exod. 
1077 Bis angels two drogen Loth in and shetten to de dure pin und 
Hom C 973 Bxmenhüd tmdude pe dure pin. Höchst wahrscheinlich ist 
aber auch an diesen beiden Stellen kein Kompositum anzunehmen, 
sondern dure das eine Mal als Dativ zu to, das andere Mal als 
Greneüv (vgl. haUe Gen., Hörn 1474) zu fassen. Jedenfalls ist auch 
für das Simplex die Bedeutung 'Riegel' völlig gesichert durch die 
von Hall zu Hom 973 beigebrachten Stellen:» Engl. Stui VH, 115 



Kuhn und Schrader annehmen: d. h. beor wird das süisliehe, ealu das 
bitter-herbe Getränk gewesen sein, wozu die freilich sehr unsichere Zu- 
sanunenstellung des letzteren mit lat. alumen 'Alaun' (Schrader S. M) 
stimmen würde. Dem steht kaum entgegen, da(s die Angelsachsen auch 
ein gesüisteB Ale kannten (Leechd. II, 120 on iwybroumum ealad ..., stcei 
mid hunige; ib. II, 292 healde hine geome wip gestoet eala, drinee hhUtor 
eaia), und dals in mittelenglischer Zeit das Verhältnis sich verschoben 
hatte, wofern Biley, Liber Custumarum (London 1860) II, 707 f. (unter 
eerrewe), recht damit hat, dafs damals cde ohne, beer mit Bitterstoff her- 
gestellt wurde. Nach Einführung des Hopfens unterschied man beer als 
'gehopftes' und cUe als *ungehopftes' Bier; doch scheint dies wesentlich 
nur ffir das 16. Jahrhundert zu gelten. Der jetzige Gebrauch beider 
Wörter schwankt sehr nach den verschiedenen Gegenden, worüber das Oxf. 
Dict. und Wright unter den genannten Wörtern zu vergleichen sind; 
8. auch The Student's Encyclopaedia (1884): Ale is noto used indiserimin- 
alely wiih beer, btU this term mag inelude both porter and ale. In England 
the name ale is fnostly restricied to tfie pcUe, highly-hopped varieties of the 
beverage originaUy prepared for export, white in Scotland it is ehiefly applied 
io the sweet and aleoholic liquorsj which are knoum in the market as Scoteh 
dies. Danach ist Kuhns Bemerkung Ober den heutigen Unterschied zu 
berichtigen. Zu bemerken ist noch, dafs die Angebachsen auch eine be- 
sondere Art keltischen Ales tranken (Belege bei Bosworth-Toller unter 
wüisc). [Vgl. auch Leo, Rectitudines S. 200 f.; Schröer, AfdA. 23, 155 f.] 

* Fräulein L. T. Smith war so liebenswürdig, auf meine Bitte einige 
Lesungen ElUis' mit der Handschrift zu vergleichen, wofür ihr auch an 
dieser Stelle bestens gedankt sei. Nach ihr liest die Handschrift in der 
That medo (nicht mede). 

* Diese Glosse fehlt bei Gröber. 

' Weitere reiche Belege für pin aus Balladen verzeichnet Chiid, Eng- 
lish and Scoteh Populär Ballads V, 364. Doch scheint diis Wort hier 
eine etwas andere, vielleicht einer jüngeren Schliefs Vorrichtung angepaiste 



320 Frübniittelengl. und anglofranioB, Glossen aus Digby 172. 

In to kir chaumber hje stirt an hijl S scliette ße dan %vip pe pimit, 
Syuyr of Low Degree 99 f. Anone ihat lady, fayre <£■ fre, undyd t 
pynne of t/vere and wyd ilie windowes slie open set, Child'e Ballade 
IV, 289 Siie's fatte htm to her sccrei bower, pinnd wtth a silier pin, 
Sharpe, Bdlail Hook p. 5 Willi her fmgers lang c& sma she lifUd tip 
Ute pin. Auch an die me. Verben pymien 'zuriegeln' und unpimien 
'aufriegeln' ist hier zu eriunern: Langlaod C X.XTII, 298 Conscieiux... 
made. Pees portor to pynrie ße gales, Hora IUI 8 Hs. Iteymyld gan 
dar« an-pi/nne, Pearl 726 f. Quen such Jter cnoken on pe bylde, lyl 
schal hem tnen ße jate vnpymie, Langland C XIII, 47 the porter i^i- 
pynnedc ße gale, C XXIII, 330 Pees vnpynnede pe dore, B XVLIl, 
"201 onpynneth i& vnloukeih, Chaucer, Troilus III, 698 He .. . gan tht 
stewe dore al softe unpinne (übertragen vom Munde: Oower, Conf. 
Am, III, 424 he herth evere Ais moulh unpinned, so tkai his lipptt 
hen unkihs). Sachlich verweist Hall auf die Abbildung in Th. Wrighls 
Houiesof Other Days(18(il) p. 145; vgl. auch Schrader, Reallesikon 
S. Stjlj: 'Diese [ältesten] Thüreu Bind entweder einzuhängen oder 
vorzusetzen und werden durch einen grolaen riegelartigen Stab vw- 
-diiosrveii.' Schlüsse auf die Art der zum Schliefsen der Thür vw- 




Frflhmittelengl. und anglofranzös. Qlossen aus Digby 172. 827 

i06, 1968) sowie andere Glossierungen zu lat pesstdus wie ae. haoa 
^ 'Haken' (Epin. 803), ae. scettels (Napier 46, 88), me. dore-bar 
Tr.'W. 667 «). [Vgl. auch Stephani, Älteßt Deutscher Wohnbau, 
(1902), 8. 14, 40, 864, 896.] 

riveling 'Schuhzeug', 44 ^: perone J. anglice ^riueUng'. 

Ae. rifeUng (Wr.-W. 125^ = lat öbstrigüi), me. riveling, ne. 
. riveling *rohledemer Schuh'. VgL Wr.-W. 468^ pero: '/^«mmtfi^ 
'ruÄ 8CO*, Wr.-W. 602 1*: Pero, quoddam calciamentum rusticorum 
iplorum et altum, quod alio nomine dicitur culponeus, anglice 
>keres^. Das Wort findet sich auch bei franzosisch schreibenden 
igländem, s. Skeats Liste (Notes on English Etymology p. 450). 

rute 'schnarchen', 80 '^: stertere dicuntur illi, qui obmurmurant^ 
tractum est a more dormientium. Qui cum firmiter dormiunt ster- 
nt^ quod romanice dicitur 'rute^. 

Grober bringt dies Wort mit afrz. rwU 'Lärm; Brunsf (aus lat 
ugitum), ruitS 'brünstig' zusammen. Doch meint er selber, dafs 
3 Konstruktion Schwierigkeiten bereite, da man einen Lifinitiv 
ter oder die 8. PL nUent erwarten solle. Hinzu kommt das wei- 
re Bedenken, dafs die Bedeutung 'schnarchen' für die romanische 
ppe nirgendwo nachweisbar ist^ oder, wie Tobler a. a. O. S. 147 
ausdrückt, dafs afrz. rtdt 'seiner Bedeutung nach zu weit abliegt*. 
IIa Schwierigkeiten verschwinden, wenn wir obiges rtUe als englisches 

fs dieser dare-tre identisch ist mit dem vorhergehenden barre, wird uns 
chmals durch V. 1811 bestätigt, wo es heilÄt: Wiik pe barre so he him 
iUe. Überdies haut auch Bevis of Hamtun mit einem Riegelbalken 
ein (1622 C The dore-barre he toke yn honde and slewe all pat he ßere 
%de). An den beiden anderen Stellen, wo das Wort dore-tre vorkommt, 
nicht bestimmt zu entscheiden, was gemeint ist. Langland A I, 185 
dead as a dore^tre würde sehr wohl ebenfalls die Bedeutung 'Biegel- 
lken' passen. Qteii. h £h:od. 3155 de dure-tren and de uuerslagen wid 
<jpe de blöd ben dragen sollte man freilich nach dem Wortlaut der Vul- 
,ta (Exod XII, 7 sument de sanguine eius et ponent super utrumque 
stem dt in superliminaribus domini) die Bedeutung 'Thurpfosten' er- 
Uten. Oder dürfen wir dem Dichter eine kleine Abweichung oiler auch 
3 Mifsyerständnis zutrauen? — Ich halte es übrigens für möglich, dafs 
ich me. dore-naily welches an der Langland -Stelle mit dore-tre wechselt 
i II, 184), ursprünglich ebenfalls zum Thürverachlufs diente; vgl. mhd. 
U tür und nagel besliexen (Grimm -Schröder, Weiiatümer VI, 2, 17). Au 
ideren Stellen wird freilich doch wohl an Nägel zum Beschlagen der 
lür zu denken sein. 



32B Früh mittel engl, und aoglofranKös. GIomcd buh Digby 172. 

Wort nehmen, nämlich als Infinitiv' zu me. *rute(n), roiUe(n),* tie. 
va. roul 'fichnarchen' aus ae. krutan 'schnarchen'. Dafs der Zusaü 
roitmnice nicht ausschlaggebend ist, haben wir schon oben S. 319 gt- 
»then. Damit soll freilich nicht geleugnet werden, dafs in ne, roui 
1) 'schnarchen', 2) 'brüllen' die Bedeutungen der germautschen uDii 
der romanischen Wortsippe zusammengeflossen sein mögen. Gaw 
(iiuher ist ne. rut 1) 'Brunst, Brunstzeit', 2) 'brunsten' mit anderen 
ininnannischen Jagd ausdrucken aus dem Französischen entlehnt (afri. 
mit, agln. riä [Godefroy b. v., nfrz. riil 'Brunstzeit'], afrz. ruier (Gode- 
frijv, Compl. *. V.]); ebenso das schon im 14. Jahrhundert bei Lang- 
liiiid belegte me. rotcy-lime (B XJ, 32!*) und ruleyen 'to copuinif' 
(C XIV. 146). 

soth 'Rufs', 36"*: fuligo, 'soth'. 

Ae. me. söt, ne. sool 'Rufe'. Verwechslung von ih und ( findet 
sich oft bei anglonornianniBcheu Schreibern, a. Skeat, NoleB on En 
Ktyni. S. 475 und Havelük- Ausgabe (1902) p. XV f. 

ala le 'Griff, Handhabe', 59 ^' : ÄJisae et anttulae alicuiuB rei si 
iiht eminontia in dla rc, per quam uapl püseit .1. 'aiale'. 

Ae. "slalu^Ct), mc. ne. slalf, vgl. mndd. mndl. stäle, ne. st' 
(mit /,-Suffis), iiii Ablaut zu ae. slela (Kluge. Et Wtb. u. Stkfy 




Friihmittelengl. und anglofranzös. Glossen aus Digby 172. 329 

stamerie 'stammeln', 48^^: Balbutire .L 'siamerie'. 

Ae. stavnerian, me. stamerfijefnj, ne. stammer. 

weje 'Molken', 84 ^: Serum .1 'ioeje\ Vnde caseus dicitur 
quasi carens sero. 

Ae. hwäg, me. whei, ne. whey; vgl afries. *tDii, *wäi (wanger. 
"ivüi, saterl. whi, sylt wai, bind, wäi)^ mndd. wei, ndL u^ei (s. Franck 
unter hui), Beispiele für die namentlicb im Süden häufige Schrei- 
bung w statt wh s. bei Skeat» Notes on Engl. Etymol. p. 474. 

werten Warzen' (Plur.), 40^^: iierrvcis .i. 'uierruea' .L 'wertwi\^ 

Plural zu me. werte > ne. wart aus ae. "^wierte (neben ae. wearte)» 

B. Romanischer Wortschatz. 

[ardiesee 'Kühnheit', 49 ®: Änimosüas .i. romanice ^ardiesce\ 
Me. hardiesse, 

[baillie, halte 'Umwallung', 40^: tudlatus .i. circumdatus a 
uallo, quod romanice dicitur *bail^\ 82^: luükUus circumdatus, 
quoniam uallum romanice dicitur 'halie\ 

Welche Form der Glossator im Kopfe hatte, ist nicht ohne wei- 
teres klar, obschon das Wort zweimal vorkommt Das eine Mal 
druckt Ellis haü&. Ob damit ein haute [so Gröber] oder ein haiUie 
gemeint ist, wage ich ohne Autopsie der Handschrift nicht zu ent- 
scheiden. Für haiüie würde die andere Stelle mit überliefertem halte 
sprechen. Denn das Nebeneinander von // und l für französisches 
mouilliertes / ist im Anglofranzösischen nicht auffallend (s. Stimming, 
Boeve de Haunton S. 212 f.); ebensowenig a für ai, sei es, dafs das 
Fehlen des t hier mit Fällen wie agln. dare (Stimming S. 195) oder 
mit Fällen wie agln. co/ie {ixir coülie, Stimming S. 213) gleichzustellen 
ist Jedenfalls beweist das Mittel- und das Neuenglische, dafs beide 
Formen in dieser Bedeutung auf englischem Boden in Gebrauch 
waren: me. hatte > ne. hau (Oxf. Dict unter bau sb.^) neben me. 
baäfljie > ne. hailey (besonders in Namen wie Old Bailey), Wenn 
wir haiUie lesen dürfen, was mir nach der Lage der Dinge durchaus 
das Wahrscheinlichste dünkt» so wäre das der früheste Beleg für 
diese Form. Im Französischen (einschl. Anglofranzösischen) ist eine 
solche Weiterbildung mit -ie im Sinne von 'Umwallung' — nicht zu 



^ £1118 druckt fälschlich tvetten statt werten, wie nach Frl. Smith die 
HandBchrift thatsächlich liest. 

▲reliiT f. B. SprMben. CIX. 22 



S3D FTSbmittetfngl. und anglofruiiSii. OloBBen aus Digb^ 172. 

verwechseln mit nie. afrz. baillie 'Amt eines Bailiff' — noch niclit 
gefunden worden ; sie scheint vielmehr ausschliefe! ich in englischen 
Texten vorzukommen. Nach dem oben Gesagten können wir auch 
den vorliegenden Beleg trotz des Zusatzet^ romaniee nicht sicher fürs 
Französische in Anspruch nehmen. 

[bisse 'Hindin'. OB ''■ Nota quod aliud est capra, aliud caprea. 
Nam caper .i. aeilus et capra simul iunguntur. Caprea autem de 
feris hestiis. Et sunt illarum ferrarum tria genera. Minimum inier 
illa est capreolu^ et caprea, maius uero animal damma; et est damnia 
communis generis ad marem et ad feminam; maximum autem est 
ceruus et cerua, quae romaniee dicitur 'insse'. 

Mb. bisse belegt das Oxf. Dict einmal vom Jahre 14Ö0. 

böte 'Stiefel', 43'": Cothurnus .i. crepida .i. 'böte'. 

Me. böte, ne. boot. 

brandun 'Fackel', 40 ": Faxcüms^ .i. 'brartdun' .s. torrJbuR ar- 
dentibus. 

Ne. branäon, erst seit 1()49 im Oxf. DicL belegt, also junge EnN 
lehnung (ao Osf, Dict.)? Doch soll es auch im Norfolker Dialekt 
im Sinne von 'wisp af straw' (vgl. Wright) vorkommen. 

\caneU 'Zimmt.', 3«—: Cinnaviomum, romaniee 'cane,h'. 




Frdhmittelengl. und anglofranzös. Glossea aus Digby 172. 831 

He. Plur. conies, daraus gefolgert ein neuer Sing, coni, ne. oonfejy 
(Oxf. Diet* und Wright). Skeat S. 385. Beachtenswert ist, dals bei 
diesem wie bei dem vorhergehenden Worte die ne. Aussprache ein 
me. agln. u in der ersten Silbe voraussetzt 

eurteis 'höflich', 33^: Comüer .i. *cwrteisem&nf; unde comis 
.i. *curteis*. 

Me. curteU (13. Jahrb.), ne. (mit Suffixvertauschung seit 1 6. Jahrb.) 
cowieous. Skeat S. 388. 

[daunger 'Gefahr', 54 ^^: Ille patitur animi servUtUem, cui ali- 
quis conuitia ingerit .i. infert et postea conuitiatori nee conuitia infert 
nee satyra se uindicat^ quod romanice dicitur 'maiuues daunger'. 

He. daunger, ne. danger. Skeat 391. 

[de%8 'Tribüne', 59^: sttggestu/m, romanice 'dets*. 

He. deis (13. Jahrb.); das ne. dais ist eine neue, junge Entleh- 
nung des 18. Jahrhundert« aus nfrz. dais, wie schon die ganz un- 
historiBche, von der Orthographie ausgehende moderne Aussprache 
[de^ lehrt Skeat S. 390. 

destreee 'Angstf, 32^3: angor ^desiresce'. 

He. destresse, ne. distress. Skeat S. 396. 

dez 'Würfel' Plur., 29 21; tesseras .i. 'de»\ 

He. dees, Sing, dee, ne. dice, die, dial. (East Anglia) dee. 

espies 'Spione', S7^^: ea^loratores .i. 'espies'. 

Me. espic neben spie (Ancr. Riwl), ne. spy; Skeat S. 456. 

fr eng es 'Fransen' Flur., 47 ^^r uiUis .i. ^frenges*. 

Me. frenge, ne. fringe. 

frestel 'Flöte', 36^*: armentalem camoenam .i. 'fresteV. 

Me. * frestel, jünger fristele (Ywain & Gawain). 

\glas 'Trompetenstofe*, 56 ^'^j 50^0: classicum, romanice dicitur 
'glas". 

Me, glasse, nur Cath. Angl. S. 158: a glasse of ringynge or 
trumpynge 'classicv/m\ 

glu 'Leim', 31 ®: gluten .i. glu. 

Me. glu, ne. glue. 

karoles 'Schreibpulte' Plur., 37 ^^: pluteos .i. 'karoles* supra quos 
scribunt derici. 

Me. karoüe (z. B. Cath. Angl. S. 200: a karalle or a rvryting bürde 
'pluteus', s. Oxf. Dict unter carol und karol), ne. va. carol. Im Franzo- 
sischen ist das Wort in dieser Bedeutung bisher nicht nachgewiesen. 

22* 



Friihniiitplt-iiirl. iiiii] Aiiplofrn 



., GloBsen HUB Dipbj- 173. 



karnaits •Ziiiiieiilücken, Schiefsacharteu', 49 '": propugtiaaJa .i- 
'kernaus' (EUis druckt fälschlich kemans). 

=: me, kerneaus (Ancren lüwl.) zum eelteoeu Singular kerne! 
(18. Jahrb.), ne. va. kermL Skeat 8. 419. 

morsel 'Stüclt', 42": simbalum in neutro genere coniunctioDeiB 
uei communioiieni significat, quod romanice dicitur 'cumfre', a ain. 
quod est oon, et boluB, quod est 'morsel'. 

Me. ne. morKel. Skeat 8. 427. 

mosse 'Moos', Gl '^: musetts, anglice 'muase' uel 'mosse'. 

Me. tnoase (z, B. Cath. AngL 8. 243), ne. nioss 'Moos'. Die vor- 
liegende Glosse giebt sich selbst als englisch, müfste dann also mit 
ae. mos (n.) in Zusammenhang gebracht werden. Dagegen sprich' 
aber eiumal der \yechBel von u und o in der ächreibung, sodaiiii 
die Endung -c, welche in so irülier Zeit weder rein orthographiBct 
noch im vorliegendeu Falle als analogische Übertragung ' betracht-d 
werden kann. Daher wird tnusse, mosfie (mit Gröber) b'otz des Zx>- 
satzes angine als aiiglo französische Form von frz. mousae (pro'^' 
mossa) aufzufassen sein, das seineraeils aus einer Vermischung yo^ 
laL tnüscus mit urgm, "moaa oder goL *müsa hervorgegangen iö*- 
Jedenfalls haben wir hier den ältesten bisher bekannten Beleg iü^ 
ein Wort mosse im Sinne von 'Moos' auf englischetn Boden. D** 
de. mos iet nämlich nur mit der Bedeutung 'Bumpfland', nirgendnr^ 
mit der von 'Moos' belegt; letztores heifat vielmehr im Ae. slete nixJ* 
meoa, das noch bis heute in grofBem Umfange in den ne. Dialekte» 
als meese (Wright) bewahrt ist, während dort mose überwiegend nod' 
die alte Bedeutung '8umpfland' zu haben scheint (Wright). Die 




FrühmitteleDgl. und anglofranzös. Glossen aus Digby 172. 888 

die Form als romanisch sich erweisenden Beleges dünkt mir doch die 
andere Möglichkeit fast wahrscheinlicher, dafs sich ein heimisches 
mos *8umpf mit dem frz. m(msse 'Moos* gemischt hat und so me. 
ne. moss zu seiner zweiten Bedeutung *Moos' gekommen ist Wenig- 
stens erhält letztere Auffassung durch obige Glosse einen historischen 
Anhaltspunkt) wohingegen die erstere nur auf einer Wahrscheinlich- 
keitsannahme beruht 

[parc *6ehege, Wildpark', 49'^: indago romanice dicitur 'par& 
B. ubi cerui includuntur. 

Me. parc (Layamon), ne. park; Skeat S. 433. Da nach Gröber 
das afrz. parc in dieser Bedeutung nicht belegt ist, mag auch hier 
sich Heimisches (an. pearroc ^Gehege') und Fremdes inhaltlich ge- 
mischt haben. 

pel 'Pfahl', 31 ^^: paxülus a palo .i. sude .i. 'pel', 
Ne. pd 'Pfahl zu Fechtübungen' (ob junge Entlehnung?). 
[picois 'Hacke*, 32^: ligone, quod romanice dicitur ^picois\ 
Me. picois (1 4. Jahrh.) neben pikeis, ne. (volksetymologisch um- 
gestaltet zu) pickax; Skeat 8. 436. Wegen des oi neben ei vgl. Beh- 
•^ns in Pauls Grundrifs I^, 961 und vor allem Stimming in seiner 
Ausgabe des 'Boeve de Haumton' S. 197 f. 

plaix ein Fischnarae, 59 ^*^: Pecten uero ponitur pro ^plaix', quo- 
dam pisce. 

Me. plais, ne. plaice ^Scholle, Goldbutt*. Vgl. Tobler a. a. O. 
S. 146. 

[prasine 'lauchgrün', 38^'^: prasinum uiride, quod romanice 
dicitur 'prasine\ 

Ne. prasine 'lauchgrün'. 

[pulie 'Winde', 47 ^-: troclea dicitur 'pulie' romanice, per quam 
facilius chorda labitur; et hoc gausape tamquam troclea erat circa 
quemdam baculum, cuius baculi duo capita pendebant iuncta cuidam 
funi et duo capita ipsius gausapis consuta simul erant, ut rotari 
posset gausape circa baculum illum. Quäle gausape in claustris 
relligiosorum innen itur. 

Me. poUey, ne. pulley mit Vokalkürze gegenüber afrz. pouUe; 
diese Kürzung sowie die Doppelkonrsonanz erklären sich leicht nach 
den lichtvollen 'Ausführungen, die Morsbach über diese Verhältnisse 
in den 'Beitragen zur romanischen und englischen Philologie; Fest- 
gabe für Wendelin Förster' (Halle 1902) S. 324 ff. gemacht hat 



HH4 Fiühmiltelengl, imrl tmpIofnuttSa. GloBeen an» Digby 172, 

\puIiot ein Pflaniennanie, 59 2-^: est serpilhim herba quaedam, 
(|iiae iTisl.a terram serpit, quae uocatur romanice 'pulioV, et est ap- 
Hssimn ad salsamenta condeiida. 

l^e. piiliol, yijWioH'Polei-Minze' (Mentha pulegiuio), FnuizöBischL- 
Belege 8. Alphiia(ed. Mowaf, Aiiecd. Oxon. 1887) 31 » 120 3^, löO^-^ 

[ribau^ 'Landstreicher, Räuber' PI ur, 37*; Quidam dicunt esse 
difTerentiam inter vispiliones .i. latrones, qui ui spoliant, et uispillones, 
qui nioctuoB ad tiimulandum deportant, eed uuum trahitur ab alio 
,i. romanice 'ribam'. 

Me, rihaux Plur. ((^E, Hom, I, 279 "*: un%mi/rdi rite«*) la ribaud 
neben rihald, ue. ribalä; Skeat S. 450. 

robburs 'Räuber', äß'**: et dicuntur piratae praedoiie« uiari^ 
.i. 'robbws'. 

Me. rohbour, ne. robber; Skeat S. 450. 

.«flie 'grobes, wollenes Tuch' (lat. saga), ii "'; saga 'saW, (juo- 
niam ex aa^o habebanl clamides. 

Me. saie (siclicr z. B. Wiclyffe Ex. 2Ü, 9, wo es laL sagum über- 
setzt; Cath. Aiigl. S. 315; say 'sagena, fiaguin'; Caxton's Dialogue^ 
ed. Bradloy S. 14 ""'; saye .= frz. saye), ne. va. sayfe) 'eine Art Serge' 




Frühmittelengl. und anglofranzöe. Gloseen aus Digby 172« 9S^ 

so z. R Stratmann-Bradlej, Muret^ auch Herrtage in sdner Ausgabe 
des Catholicon Anglicum S. 315 Anm. 8. 

scapelarie, 55^: seffmerUa sunt quaedam indumenta parua 
circa coUum per humeros usque ud pectus dependentia, quae possunt 
appellari ^seapeiarie^, 

Me. scapelari (vgl. Herrtage a. a. O. S. 321 Anm. 3), ne. scaptUary, 

seim 'Fett*, 40 ^^i abdomen .i. pinguedo .i. 'aeim', 

Me. seim (Ancr. Riwl. 412; Wright-Wülker 608 *ß: Saginum 
'saytn'; Caxtons Dialogues 20^, 46 ^^: sayme of hering = frz. saing 
de herencs). 

[siuble 'Stoppel', 38^: stupula, romanice 'atubW, 

Me. stuhle, ne. siuhble\ Skeat B. 457. 

talun 'Kralle', 39^: cako -eis .i. 'talun\ 

Me. icUoun, ne. icUon; Skeat S. 460. 

iresche ein Tanz, 39^: tripudium .i. 'tresche^, et tripudiare .i. 
gaudere et terram pedibus terrere. 

Me. iresche (Robert of Brunne). 

trusse, 32*^*: inuolucnim uero proprie est *irusse\ 

Me. trusse (Ancr. RiwL), ne. tru,ss 'Bündel'; Skeat 8. 464. 

vnniuns 'Zwiebeln', 42'^-: ceparum .i. 'vmnuns' [lies vnniuns],^ 

Me. ne. onion (gesprochen mit v aus me. u); Skeat 8. 431. 

[vix 'Turm mit Wendeltreppe', 46 ^^j coclea romanice dicitur 
*mz', quasi ciclea, ut supra dictum est; vorher 43^7: codeae sunt 
altae et rotundae turres et dictae sunt cocleae quasi cicleae, eo quod 
in eis tanquam per circulum ascendatur.^ 

Me. vis (Wiclyffe 3 Kings VI, 8, wo es Cochlea in demselben 
Sinne übersetzt^ entsprecliend der Vulgata: ascendehani per cochleam 
in caenaculum)y ne. vice 1 ) 'Schraube', 2) 'Spindel einer Wendeltreppe'. 
Beachtenswert ist, dafs das Wort in diesem Sinne im Altfranzösischen 
noch nicht belegt ist. Dagegen bringt Tobler a. a. O. S. 147 afrz. 
Belege für mz 'Schraube' bei. 

Den folgenden Wörtern der Glosse stehen englische Lehnworte 

* Frl. Smith schreibt mir, dafs die Handschrift deutlich vinnwis hat. 
Dann hat der Glossator sich eben verschrieben. 

' Für diese Bedeutung von Cochlea \)i\. Wr.-W. 571^6 ; coeßUea ... eM 
alta d rottmda turris; Steinnieyer-Siovers, Ahd. (tI. III, 208 •^''•: cocJea, turris 
in qua per circuüum aacendüur — irenfelstrp/in; Goetz, (^orp. gloss. lai. V, 
:^51 <3: eoeleOy ascensus qui circuit. 



336 Frühmittelrngl. und «nplofrinia». GIwbmi rus Digby 172. 

he'iv. Ahleiliiiigeii zur Seile, wenn aucli die vorliegende Form teil? 
sifiier, teÜE waKraclieiiilich ihre Auffaseung aU englische Lehnworte 
aua^cliliefst; 

abeisom (vgl. ne. abäse), appentia (me. ne. pentiee, gelehrt eät 
dem 17. Jahrh. auch appentiee), app-ester (ne. appresf), assegger (pe. 
tisfiege), assisemenl {vgl. ne. assixs 'feslaetzen'), b&ndello ' (vgl. me. bentUI\ 
bewe,^ cakhflrappf. (me. calketrappe), cliamberlenc (vgl. nie. chavAtr- 
Mn. ehamberliitg), eheinsü (me. eheisÜ^), cruslre (nie. chrusken, ne. 
aiish), despreiser |'me. despreiie, ne. dispraUt), enegrisanx* (vgL ne, 
va. mmger), emjiaüisanx (ne. empofe, impale), enducer (ne. t'ndu«). 
nitrcrntijant (me. tnterchaunge, ne. interchanj/e), eslitte (me. eiito 14, Jh.), 
fspcis Parte, (me. csprisen), estrangU {me. fejstranglen, ne. «(ranjfe), 
/br/«-c (vgl. ne. forfeil), herberger Vb. {Sb. me. herberger 1 2. Jh., ne. 
harhingf.r], janglr, janglur (ne. jangle, jangier), marcher 'angrenzen 
(me. »wccAcn, ^' na Tnarc/i), mz^iM.t (me.wmZß((* ne.mvüet 'MeeräBche, 
Seebarbe'), pua (vgl, me. /iw/s, ne. pulse, aus afz. jjowfc, das Tohlw 
S. i4fi belegt), purcax (ne. purchase), rebuchi'' (vgl. ne. radwte), f* 
mewiÄrowi (ne. rememher), repruver {ne. reproue), Iruilleries (vgl. me. 
froiUn 'täuschen'), «/"/m (ne. orle 'Rand'), 

Endlich bleibt noch ein Rest von Wörlern, die meines Wi»sc(iü 




Frühmittelengl. und anglofranzös. Glossen aus Bigby 172. 337 

keine Spur im Englischen zurückgelassen haben. Es sind dies: 
omUer, bloie, buissons, caume, caux, clde 'Krug', cuülere, ebruscer, 
endtme 'Ämboft', enter ^ *pfropf en', essele 'Achselhöhle', fatide 'Schaf- 
stall', feutremenx 'Buhelage', flestrie, fresaie 'Nachteule', grisüun 
"Ciclade', maxakerie^ 'Metzgerei', maxerre [lies maxakerre], mauves, 
msdü, purser, runces, itcssenole,^ ruter 'rülpsen',* severunde, surchant, 
sudtant, teil 'Linde', tisun 'Feuerbrand', verrttes, tvarex. Ich zweifle 
aber nichts dafs das Oxford Dictionarj auch für manche von diesen 
Belege beibringen wird. 

Der Deutung und Erklärung harren noch die Glossen amctcheurs,^ 
^henapie,^ cumfre. 

Überblicken wir nochmals den ganzen romanischen Wortschatz 
unserer Glossen in Bezug auf sein Verhältnis zum Englischen, so 
können wir sagen, dafs fast die Hälfte der vorliegenden romanischen 
Wörter — 44 unter 106 — direkt Aufnahme ins Englische ge- 
^nden hat^ und dafs weniger als ein Drittel (31) gar keine Spur im 
Englischen zurückgelassen hat 

* Ne. enU ist natürlich gelehrte Entlehnung des 18. Jahrhunderts, 
^e schon der Accent zeigt. 

* Nicht maxfiMrie, wie Ellis druckt, sondern maxakerie liest nach 
^fl. Smith die Handschrift. Dagegen steht wirklich in der Hs. anMcheurs, 
^^^^napiey cumfre, maxerre. 

' Eine Form russinole (mit -e) belegt Tobler S. 147. Bei unserem 
^glofrz. Schreiber könnte das -e indes vielleicht rein graphisch sein 
(Stimming S. 182). 

* Dies Wort fehlt in Gröbere Liste, doch steht es bei Ellis S. 35, Z. 16: 
nietat 'nUer^ romanice dicitur. S. Godefroy Compl. unter roier und Kör- 
ting Nr. 8182. 

' Tobler S. 145 denkt an die Möglichkeit, dafe die Glosse ein afrz. 
*maehear, pic. *maqueor 'Kuppler' enthalte, welches er in den 'Sitzungsber. 
der Berliner Akad.' vom 6. Febr. 1902 (S. 90—93) als Grundlage fflr das 
gleichbedeutende Deminutiv afrz. maquerel (daraus me. maquerel [Caxton]) 
und ne. va. mackerei 'Kuppler' wahrecheinlich gemacht hat. 

' Chenapie erinnert mich an eine Pflanzenglosse in 'Alphita' ed. Mowat 
(Anecdota Oxoniensia, 1887) S. 37, Z. 10: Cenapium, galt, ceneiie, angl, 
tcarteh [walrich Hs. 8] mc/ mostard, wozu der Herausgeber verweist auf 
Earle, English Plant Names (Oxford 1880) S. 51: Hoc sinapium^ warkeeok, 
und yielleicht ähnliche Formen bei Goetz, Corp. Gloss. lat (V,3333 sinapiones 
'cressa' saxonice, qui in aqua crescit; sinapio V, 290^8; genape 111,548 21; 
sanapi III, 430 ^7) heranzuziehen sind. Tobler erinnert an afrz. ehenelie. 

Würzburg. Max Förster. 



J 



Claude Tillier als Famphletist. 



Am 20. April 1S31, wenige Tage nachdem sie das nene 
Wahljfi'seta l>e9('lilo8sen hatte, war die fratiKÖsische Deputierten- 
kammcr vom König vertagt worden. Am 31. Mai dann wurde 
sie aufgelöst, und die Neuwahlen wurden auf den 5. Juli festr 
gesetzt. Die Begeisterung der unteren Schichten des Volkes für 
die Staatsumwälzung und iliren neuen Vertragakönig war laugst 
verraucht. Mit der AbsehafFung des alt«n legitimen Königtums 
glaubten sie gründlich reinen Tisch für sich selber gemacht zu 
Ilaben; bald aber sahen sie wieder die Wohlhabenden allein daran 
sit/eu. Selbst die :Lkadeuiiscli Gebildeten, die sogenannten Kapaci- 




Claude Tillier als Pampbletist 889 

^oeten. Aber noch nicht ein Vierteljahr wurde es alt. Nur 13 Num- 
^em erschienen ; ohne ausdrücklichen Abschied, blofs mit Tilliers 
'"ielsagendem Klagelied des Poite mendiant, ging die Nummer vom 
•5. August als letzte ins Land. Claude Tillier schrieb auch die 
Ankündigung, den Prospektus: Äu milieu de ces jours si froids et 
i dlcoloris des provinces se Uvent d'iniervaüe en intervaUe, gräcea d 
m instiiutians nouveUes, des jours pleins d'intSrei et d'agitation, oü 
7u4 est vie et couleur: teile est Vipoque dans laqueüe rums aüons 
nirer. Zugleich die Wähler und die Gewählten will das Blatt 
n Auge halten, die einen zu zeitgemäfsen konstitutionellen 
taatsbüi^em erziehen, dafs sie nicht länger über kleinen lokalen 
orgen die grofsen politischen Bedürfnisse des Landes vergessen; 
ie anderen, die Gewählten und Herrschenden, vor Mifsbrauch 
irer Gewalt warnen und hüten. Immer sei es nützlich, wenn 
ie, welchen nur die Macht des Wortes zu Gebote steht, von 
reit zu Zeit denen entgegentreten, die die materielle Macht in 
landen haben, um ihnen, wenn sie gut handeln, Beifall zu 
ringen ohne Übertreibung und Schmeichelei, oder um sie ohne 
»itterkeit zu tadeln für das, was sie schlecht gemacht haben* 
)ie Presse, wie sie der Prospektschreiber und seine Freunde zu 
andhaben gedenken, wird wie der zauberhafte Feenring sein, 
er durch seinen Druck dem Träger warnende Zeichen giebt. 
)ie persönliche Empfindlichkeit der Honoratioren von Clamecy 
rerden sie möglichst schonen, das Privatleben ihrer Mitbüi^r 
icht berühren, denn die Politik allein ist Sache der Presse. 
Jberhaupt, da sie Leidenschaften nicht aufreizen, sondern be- 
iihigen wollen, werden sie immer für Mäfsigung und Eintracht 
ire Stimme erheben; die Freiheit wäre kein Gut mehr, wenn 
lein ungs Verschiedenheit in persönliche Feindschaft ausartete. 
Jnd die Wähler müssen den Wogen gleichen, die, im Sturm an- 
inauder gebrochen, ihre Tropfen ruhig wieder vereinen, sobald 
ie Meeresstille zurückgekehrt ist. Auch die auswärtige Politik, 
or allem das Schicksal der eben jetzt gegen Rufsland in ver- 
weifeltem Kampfe ringenden Polen, wird sie beschäftigen; all- 
wöchentlich werden sie eine Übersicht der äufseren Politik brin- 
en, in der die Ereignisse auch in verkleinerter Statur den vollen 
Lusdruck ihrer Physiognomie behalten sollen. 

So tugendhaft und hoiFnungsvoll spricht der Prospekt. Dafs 



Mr> rianilr Tillier als PampWetiBt. 

lÜf Kniii|ict(>iiK tlcr neuen Zeitlingspolitiker als etwas Selbstver- 
stiimlliplies gar rnVht erörtert wird, ist ganz, im Sinne jener, und 
niclit nur jennr Zeit, MäCsigung in der Hitze des Kampfes zu 
hewaliren, wurde dem zngleicli heftigen und von humoristischer 
Lniine erfüllten Tillier schwerer als tausend andereu. An einem 
aber Imt er als Publizist auch s(tät«rhin unverbrüchlich festge- 
liallen: das Privatleben seiner Gegner blieb ihm stets aus dem 
Spiel. Auch Meinungsverschiedenheiten nicht in persönliche 
Feindschaft zu verkehren, fiel ihm nicht schwer. Kr konnte 
durch Schroffheit abstofsen, in rascher Leidenschaft ungerecht 
werden, kleinlich aber war er nicht. 

Die Ankündigung nennt uns nicht den Mann, dessen Mn- 
lliils im Arroiidissenient zu erschüttern, womöglich zu brecheo, 
ihis neue Unternehmeu recht eigentlich bestimmt war. Für Claniecy 
war das auch gar nicht nötig; hier wufste jeder, dafs es zu aller- 
erst darauf hinausging, die Wiederwahl Dupins des Alteren zu 
beliilinpfeu, Diipiii selhpr hat in seinen Memoiren (i?, 328 ff.) 
von diesem Angriff, der auch von Paris aus unterstützt wurde, 
trespriichen. Das in Frankreich Unerhörte geschah, dafs ein 
It'iiicnlarlehrer. der, wenn es mit rechten Dingen zuging, bei 




Claude Tillier als Pamphletist. 341 

lie Stadt begrüfst; der Vater^ eiD geachteter praktischer Jurist, 
latte in den napoleonischen Zeiten seine Heimat wiederholt als 
ll^eordneter vertreten und war nachher^ von 1815 ab^ lange 
Fahre Unterpräfekt in Clamecy. Auch Andr^Dupin selber^ 1783 
n Varzy geboren^ hatte rasch und energisch als Advokat die 
uristische Laufbahn eingeschlagen und war für grolse bürger- 
iche wie politische Prozesse unter der Restauration bald einer 
1er gesuchtesten Rechtsbeistande und Verteidiger geworden. Be- 
onders in den Kämpfen für die Preisfreiheit und^ gegenüber 
iltramontanen Bestrebungen^ für die kirchenpolitischen Grund- 
ätze des Gallicanismus trat er hervor; und auch litterarisch 
?urde er auf dem Gebiete des Kirchenrechts bald eine anerkannte 
^.utoritat. In ziemlich nahe Beziehungen zum Herzog von Or- 
eans brachte sein juristischer Beruf ihn schon seit 1817; er wurde 
Mitglied des herzoglichen Apanagerats und also seit 1830 Mit- 
glied, später Chef des Königlichen Geheimen Rates {conseü priv6). 
Auch seine politische Thätigkeit, die er als Abgeordneter 
^egen das Ende der Restauration begonnen hatte, gewinnt erst 
;eit der Erhebung Louis Philippes ihre charakteristische Bedeu- 
ung. Schon das in aller Eile hergestellte Grundgesetz der neuen 
^lonarchie — la entarte hdcUe wurde es boshaft getauft — war 
:um guten Teil sein Werk. Er wurde zum Generalprokurator 
im Kassationshof ernannt, war Mitglied ohne Portefeuille des 
jrsten Ministeriums vom 11. August 1830; vor allem aber, er 
vurde 1832 zum Präsidenten der Deputiertenkammer gewählt 
md behielt diesen politisch wichtigen Posten zunächst ununter- 
)rochen sieben Jahre. Hier hatte er so recht den passenden 
Platz gefunden. Seine Vorliebe für dekorative Repräsentation, 
ieine Geschäftserfahrung, seine aufserordentliche Geschicklichkeit 
n der Leitung parlamentarischer Debatten, seine gefürchtete sar- 
kastische Schlagfertigkeit — alle die besseren und mehr noch 
]ie niederen Kräfte und Triebe des Mannes fanden hier Gelegen- 
leit, sich zu bethätigen. Vor allem aber erscheint er auch uns 
leute noch gerade hier an der ilini gebührenden Stelle, weil er 
jin typischer Vertreter des eigennützigen Bürgerregiments jener 
ichtzehn Jahre ist, das mit all seinen glänzenden parlamentarischen 
[ledethaten dennoch an höheren politischen Gedanken, an socialen 
L«eistungen für die Gesamtheit des Volkes so unfruchtbar blieb. 



S-\2 Claude Tillier als Psoiphletist. 

Dupia war nrni an eigeneu poütischeu Ideen, DOch ärmer 
au iiraktiscliein politischem Mut; immer wieder versagt« er sich 
ächlierslicli dem König, wenu bei NeiibildimgeD des MiDisterium^ 
Lonis Phili|ipe auch an ilm sich wandte. UiDter einer gar niclit 
/AI ermüde iiilen, geräuschvollen Geschäftigkeit für allerlei gemein- 
nützige Zwecke, als Begründer und Leiter von Anstalten uad 
Vereinen hielt er im stillen immer zunächst den eigenen Vorteil 
im Auge. Daher auch war er politisch der unsicherste Frenud 
seiner Freunde; Männern, mit denen er kurz zuvor noch eii- 
s am ni engegangen, konnte er mit behaglicJier Schadenfreude in 
den Kücken fallen, wenn er in solcher Gemeinschaft nicht mehr 
seinen Vorteil fand. Von allen scharfen Urteilen, die Tocque- 
ville in seinen Souvnirs über namhafte Politiker der Julimon- 
archie und der zweiten Republik ausgesprochen hat, ist keine» 
von solcher Verachtung, so gründlichem moralischem Widerwillen 
eingegeben wie das über Dupin tien Alteren. 

Dupins Name wird im Prospekt Tilliers nicht genrant; und 
so verdecken auch noch die beiden ersten Nummern dea Iiuieprn- 
daiit den Einuelkampf, indem sie ilm zugleich vorlwreiten, dumli 
den allgemeinen Augritt' auf die hen-schende Boui^eoisie, die dt 




Claude Tillier als PamphletiBt. '343 

Bat. Selbst der ruhige^ philosophische Charles de B^musat schrieb 
im jene Zeit (Juni 1831) an Guizot, dafs er einen auswärtigen 
Kxieg, der Polen zum AnlaTs nähme^ für Frankreich recht an- 
mgezeigt fände. Nicht dafs ein solcher Kri^ gerade politisch 
vernünftig ware^ aber^ so sagt er bezeichnend : La France est, pour 
e moment, dans le genre sentimental bien plus que dans le genre 
ntionnel. Drastisch zeigen uns das Tilliers Artikel über Polen, 
len für ihn einzig bemerkenswerten Schauplatz der auswärtigen 
Politik. Während eben die französische R^erung, allein unter 
illen Mächten, durch Vorstellungen beim russischen Kabinett das 
Auiserste versuchte, verlangt Tillier die bewafinete Hilfe schlecht- 
weg. France/ ne rSpondras-tu rien ä Vappel de ceitx qui vont 
^nourir, — Quoi! qiumd la Pohgne meurt, le sang frangais n'appar- 
iimt qu'ä la France! So antwortet er auf Casimir P^riers be- 
kanntes Wort Wie Parier aber dachte und sprach in der Depu- 
tiertenkammer Dupin. Gegen Dupins Polenpolitik wendet sich 
Claude Tillier noch in der letzten Nummer. 

Hier, in der dritten, folgt auf den ersten kurzen Polenartikel 
ein anderer: Les detix candidats, der nun offen auch Dupins Kan- 
didatur für die bevorstehenden Wahlen bekämpft. Enfin nous 
ovons deux candidats; cefux des iledeurs qui ridament les consSquences 
de la rSvoltUion de juiUet ne seront pas ohligis de jeter dans l'ume 
w« bulletin sans nom. Für das Frankreich, das gegen die Über- 
griffe der Restauration sich zu wehren hatte, mag Dupin als 
Vertreter genügt haben, heute aber handelt es sich darum, das 
so lange vergessene wieder auf den Rang der grofsen Nationen 
zu erheben, dem Volke zum Genufe der Früchte seiner zurück- 
gewonnenen Souveränität zu verhelfen, der Nation eine lange 
Zukunft in Glück und Freiheit zu sichern. Viel mehr als Dupin, 
der neuemannte Generalprokurator am Kassationshof, scheint zu 
diesem Werke der Gegenkandidat berufen, der eben die Prä- 
fektur des Aisne-Departements verlassen hat und jetzt mit leeren, 
von den Geschenken des Ministeriums gereinigten {lavees) Händen 
den Stimmen der Wähler sich darbietet.* Talent, rednerisclies 

* Schlie£slich scheiDt dieaer Kandidat, der tnihou im vergaugenen Herbat, 
jei der durch jene Beförderung nötig gewordenen Neuwahl, Dupin ganz 
erfolglos gegenübergetreten war, Bogne de Faye, noch vor d« r Wahl vor- 
lichtet zu haben. Dupin nennt in den Memoiren einen anderen (icgner. 



Mi Claude Tillier als Pamphletist. 

zumal, ist Diipiii ja uicht abzuaprecLeu ; ein Charakter, wie Dupont 
(ie l'Eiire, wie Odilou Barrot, Lafayette io Tilliers Vorstellung 
es sind, ist er nicht. Gerade Talent aber bei Leuten, die, wie 
die Glooke für jedermann läutet, für alle Regierungen sich zu 
Advokatun hergeben, und die das nationale Wohlsein an ihrem 
eigenen Geldschrank abächätzcn, ist ein Grund zur Augschliersuiig. 
Schärfer wiederholen sich in den folgenden A\'o(;ben die Angriffe 
auf das neue Bourgeoisregiment wie auf Dupin, die Ennahnungeu 
au die Wähler, iJire Wahlpflicht ganz uneigennützig in grofs- 
[lalriotiacheiu Sinne auszuüben. Tillier fordert zwar noch nicht 
ausdrücklich wie später, und wie manche Radikalen von Hüks 
und reclite schon damaU, das allgemeine \V'ahlrecht, doch weist 
er schon droliend auf die Wünsche der vom Walilrecht ausge- 
schlossenen eigenthchen Nation hin, ia nation qui paye, qui comba!. 
in im mal la vürüahk France. So schreibt er noch am 30. Juni. 
Am ij. Juli iat die Neuwahl, und ihr Ergebnis steht m kl^- 
lichom Milsverhältnis zu all dem aufgewandten Eifer. Dupin 
wird mit 163 Stimmen von 167 gewählt und hält eine Triunipli- 
rede, die später in seinen Memoiren ülier ein halbes Dutzend 
i'iig gedruckter Seilcu füllen wird. Er Wieb der König vod 




Claude Tillier als Pamphletist. 345 

untereinander Professoren. Wie dadurch die wirklichen Pro- 
fessoren des stadtischen College einmal in schlimmen Verdacht 
gerieten und wegen ihres liederlichen Lebenswandels von einem 
Fremden beim Rektor in Bourges denunziert wiuxlen^ erzahlt 
Tillier selber in der 'Association\ Ekidlich konnte er das Stillsein 
nicht länger ertragen. Neun Jahre nachdem das Zeitungsunter- 
nehmen so jämmerlich gescheitert war^ erschien sein erstes Pam- 
phlet: Un Flotteur ä la majoritS du conseil municvpcd de Clamecy, und 
die Ehre dieses Angriffs hatte^ wie billig, wieder Dupin der Ältere. 

Die Verkleidung als Flöfser erinnert uns sogleich an den 
Vigneron de la Chavonni^re. Dafs Courier zu Tilliers Vorbil- 
dern gehörte, würden wir ohne weiteres annehmen; Couriers 
Simple Discours erschien eben in dem Jahr (1821), das Tillier 
als ripStHeur in Paris zubrachte. Tillier versichert es uns aber 
auch ausdrücklich in dem Widmungsbrief, in welchem er Cor- 
menin sein Pamphlet über die Wahlreform zueignet. Nur einmal 
noch hat er diese Maske getragen. Die Verkleidung, die selbst 
dem so viel gröfseren Künstler Courier nicht immer natürlich 
stand, wäre dem ungestüm offenen, litterarisch weit weniger ge- 
schulten, zudem von der Not des Lebens zu rascher Arbeit ge- 
triebenen TiUier bald unerträglich geworden. 

Übrigens lag der Gedanke, litterarisch in der Rolle eines 
Flölsers gegen die regierende Bourgeoisie aufzutreten, einem Be- 
wohner Clamecys nahe genug, denn neben anderen Orten war 
vorzüglich Clamecy damals und noch viele Jahre nachher ein 
Stapelplatz für den Holzhandel des Morvan. Dupin, immer und 
überall auf seine Popularität bedacht, hatte schon im Jahre 1828 
dem angeblichen Erfinder des Holzflöfsens in jener G^end, Jean 
Rouvet, durch öffentliche Sammlung ein Denkmal auf der Beth- 
lehemsbrücke in Clamecy zu verschaffen gewufst. Er hatte 
auch seinen Zweck erreicht; unter den Liedern der Flöfser gab 
es eins mit dem Refrain: LHeu nous conserve Dupin f Das reizte 
Tilliers Laune, gerade einen Flöfser gegen ihn vorzuschicken. 
Die Veranlassung aber zu dem Pamphlet war diese. Dupin, 
selber Grofsgrundbesitzer im Morvan, fand neben seinen vielen 
anderen Geschäften doch auch noch Zeit, für die Beförderung 
des franzosischen Ackerbaues zu wirken. Er war Mitglied des 
landwirtschaftlichen Vereins des Departements der Seine und 

ArehiT f. a. Spraohtn. OIX. 23 



346 Clnude HUier als PamphletiBt. 

Oitse, in seiucr Heioiat der Vereine von Cosue und Chflteau- 
Cliinon, und war im Jahre 1839 Gründer und Präsident des 
landwirtschaftlidieu Vereins von Clamecy geworden. Am 8. Sep- 
tember die^eti Jahres, in Tannay, feierHcli mit allem Fhnisenpomp 
solcher Unternehmungen, den Flaubert in 'Madame Bovary' iro- 
nisch, aber sehr lebendig geschildert hat, war das geschehea. 
Jetzt, zum 6. Se|)tember 1840 rüstet sieh Clamecy für den fest- 
lichen Empfang der Versammlung, wozu die Muuicipalräte 700 fr. 
bewilligt haben. Mit dem Hiuweis hierauf setzt das Pamphlet 
ein. 'Also, ihr Herren Muni ei palrät«, es ist öffentlich bekaniil 
gemacht, dafs in Clamecy der landwirtschaftliche Verein seine 
Medaillen verteilen wird, nnd ihr habt 700 fr. bewilligt, um 
die Herren Mitglieder tanzen zu laasen. Sicherlich eine gläu- 
zende Aufmunterung für die Landwirtechaft.' Doch näher nocb 
liegt dem Flölser die Frage: warum werden nicht auch w 
und uuseresgl eichen mit unseren Damen eingeladen zu diesem 
Fest auf allgemeine Kosten? Zwar wäfate er wohl, wie einf 
siilche Summe uützhcher zu verwenden wäre; er findet die laJid- 
wirtsehaftlidie Begeisterung lächerlich bei Leuten, von denen di« 
meisten nicht einmal eiueu ffelkentopf vor ihrem Fenster haben; 




Claude Tillier als Pamphletbt. 347 

V0U8 le demande, est-ce par ce chemin que vous y arriverez ? au lieu 
tPhonarer le peuple aux yeux de ious, votts l'humiliez par une mani- 
festaiion publique de mSpris. Und er nennt die politisch herr- 
schende Bourgeoisie une difformitS du peuple und — in extra- 
vaganten Vergleichen^ zu denen ihn seine humoristische Phantasie 
leider nicht selten verleitet — une verrue sur son front, un pou 
qui faü le beau sur son oreüle. 

Die Illusion^ dafs ein Flöfser diese Gedanken so ausge- 
sprochen habe^ kann dem Leser dieses Pamphlets keinen Augen- 
blick kommen; es ist ganz unverstellt dieselbe Sprache und Dar- 
stelliing wie in den anderen Flugschriften TiUiers^ vor allem die- 
selbe allzuwenig gesichtete Fülle der Bilder^ Vergleiche und 
humoristischen Einfälle. Mit allerlei Püffen und Stichen werden 
besonders die Lokalgrölsen der herrschenden Klasse bedacht, so 
Herr Paillet, der ehambeUan de la bourgeoisie und daher Ordner 
dieses Balles, der auch hier wieder seine bekannte Weisheit und 
Unparteilichkeit zeigt Wir sehen ihn auf seinen Stock gestützt 
durch die Strafsen wandeln, so gravitätisch, als ginge er unter 
einem Baldachin. Den Hauptanteil aber erhält Dupin. Neben 
seinen Brüdern — M. Dupin Charles und M. Dupin Philippe, 
die zusammen mit ihm das Fest verherrlichen werden — be- 
zeichnet Tillier ihn ironisch als M. Dupin sub lege libertas, denn 
diesen Wahlspruch hatte Dupin der Altere angenommen, als er 
aus dem Anwaltsstande schied. Er, der, um die Arbeit der 
Flölser zu ehren, das Denkmal Jean Rouvets habe errichten lassen, 
könne mit einem Beschlüsse der Stadtverordneten, der das Volk 
von den Festen der Bürgerschaft ausschlösse, unmöglich einver- 
standen sein. Prenex-y garde, messieurs du conseil, vous etes en 
oela d'une opinion coniraire d edle de M. Dupin. M, Dupin a faii 
icrire sur le piSdesial de Jean Rouvet, inventeur tres apocryphe du flot- 
tage, et que je soupgonne avoir 6t6 invente lui-meme par M. Dupin: 
Honneur au travail et ä Vindusirie! Si AL Dupin eüt cru devoir dire: 
Honneur d la bourgeoisie! il eüt bien irouvi un grand komme de 
Gla/mecy qui l'eüt inventie et des souscripteurs pour dresser une staiue 
ä son grand komme. 

Kaum ein Monat war verstrichen, da folgte diesem ersten 
Pamphlet des Flöfsers Jacques Br^chedent ein zweites: Le flotteuv 
Brtdiedenl d ses Äbonnes ei aujc (Jardes Naiionavao. Es ist nicht in 

2a» 



;i.)R rli,ui)e Tillipr aU Paniphlerisl. I 

lue Werki', aiii.'-ii iiiclit in die vorausgehende .Sümiiilung de' I 
Pamphlete aufgenonimeu.' Der erste Teil, von keckem Selbst- 
vertrauen übersprudelnd, weist die Freunde ab, die ihn um ditf 
Folgen seines Augriffs besoi^ machen wollen: Eh, mes whu, Id 
bourgeoisit n'a pas peur de moi, pourquoi donc lui ferais-je Phonnear 
d'avoir peur d'eUe. . . . Toua les genis qui vous domineiit ne sont pitU' 
nanls que par la lerreur qtt'ün cotts inspirerit. Approetiex - foiu i*i 
giant et osex le regarder de pres, vtnts vous apereevrex- bien que w 
terrible lance n'esl qu'une epingle emmanehie darts une ofdrtet'OÜi. 
Oroyex'mai, reslons unis et noua ferons fnenitöt totnber d nos pieäs 
t'orgueil de ces s^tpiriorilis facikts: l'union parmi les gens du pei^k, 
c'est le commencetnent de l'egalilf, de bten d'aulres cfioses encore. Er, 
Tillier, soll sich doch nicht etwa vor Herr« Paillet fOrchUai: 
'Herr Paillet ist ein dicker, grofser Mauu, der sich auf einen 
Stock mit goldenem Knopfe stützt, Würde und Haltung äne« 
Doraachweizers hat, wie die Spitze einer Prozession sich vorwärts 
bewegt und Kalauer macht. Zn alle dem sehe ich nichts, wn^ 
fürchterlich wäre.' 'Aber Herr Dupin!' rufen ihm die Freunde to— 
der entgegen. Hier handelt sich's nicht blofs um einen Friedens- 
richter Ijuge attx fines herbes, sagt Tillier spöttisch), hier gilt's dw» 
Konig des Ni^vre-Departfiment«. Mon Dieu, mes amis, Moneimf 
Dupin est asphyxü d'cncens niv&-nais par ses flaitettrs, it ne SWtn^ 
pas fäahi sane doutc que j'iteignisse quelques -urts de oes fastidieut^ 
Taute renommSe, voi/ßt-vous, a besotn de contradieteutl- 
6 est comme une salade, pour qu'eile soit banne, ü y faui u« 
: vinaign. Qu'ai-je donc- ä craindre, d'aiUeura, de M. Du} 




Claude Tillier als PamphletiBt. 849 

ä dSnigrer ee que les autres fönt ou entreprennent de hon et de hien, 
incapables qu'ils sont eux-memes de rien conseüler d'tUüe d leurs con- 
cUoyens,^ Tillier regt sich darüber nicht auf: Bn style parlemen- 
Utke voilä ce qui s'appeüe un eoup de boutoir. Pour moi, qui n'ai 
point de boutoir, je ferai simplement observer ä M, Dupin qu'il vaut 
eneore mieux ne rien conseüler ä ses concitoyens que de leur conseüler 
de dispendieisses niaiseries et de se faire nommer prisident de ces 
miseries. Und wieder hören wir den Refrain: das alles sind 
Qor Veranstaltungen der Wohlhabenden zu ihrem eigenen wirt- 
schaftlichen und politischen Nutzen. Einem bekannten Vieh- 
zuchter, Herrn Mathieu, Besitzer von Saint-Pierre-du-Mont,^ hat 
Dupm das Ejeuz der Ehrenl^on verschafft. 'So bringt der 
Ackerbau zu Ehrend hat Dupin ausgerufen, als er diese Aus- 
zeichnung eines ihrer Mitglieder der Versammlung kundthat. 
Hierauf nun Tillier scharf und schneidend: On ripondrait ä un 
tiWre ^ue M. Dupin: vous etes u/n rheteur hypocrite ou un niais; 
^nais M, Dupin n'est pas u/n niais, Non, il n'y a pas d'honneur ä 
^iver la terre ä moins qu'on n'ait sept ou huit miüe francs de 
revenu et qu'on ne soit ilecteur influsnt; sans cela il n'y a que misdre 
^t abjection; dans ce siede d'igcäsme, vSritable äge de kante, il n'y a 
^neur que Id ou il y a pro fit. Ceux qui fönt claqu^er des phrases 
^ftvpouUes en Vkonneur des agriculteurs feraient miettx de leur donner 
^ droits poliiiques que des discours. Noch einen Hieb, im Ab- 
gehen, nach Herrn Paillet, und Tillier wendet sich zum zweiten 
Thema seiner Flugschrift: BJt mainienant d vous, mes amis de la 
yarde nationale. 

Man mufs, um die lebhafte Erregung nachzufühlen, die 
aus dem Folgenden spricht, an die politische Lage Frankreichs 
denken zur Zeit, da das Pamphlet verfal'st wurde (Oktober 1840). 
Eine gewaltige Bewegung ging seit dem Sommer durch das ganze 
Land; seit bekannt geworden war, dals ohne irgend eine Rück- 

' DupiD, Des cofjiices ayricoles, S. 5. Auch seine Reden auf den land- 
wirtschaftlichen Kongressen hat Dupin später gesammelt in Druck ge- 
geben. Er gehörte zu denen, die nichts umkommen lassen. 

* Yj& ist derselbe, auf den in Mtm ancle Benjamin, Kap. 8, hingewiesen 
wird. In diesem Roman, dessen Humor zAiwoilen bis ins Phantastische 
»ich verliert, sind doch die Sceuerie wie die meisten Figuren nach der 
Natur gezeichnet. 



SSO rimde Tillior al« Pamphletiot 

sieht niif die Forderung«!] der franzöBiBcheo Re^ening die a 
ileren Grolsmächte Meheraed AH, den bewunderten Liebling al 
KraiiüORcn, nach seinem siegreicben Kampf gegen den Süll 
mit brutaler Gewalt in die Schranken seiner ägyptischen Sti 
1i alterschaft zunickgedrängt hatten. Diese Stimmung kom 
:iiich bei Tillier zunächst, was die Nationalgarde von Oam< 
iingeht, zu fast komischem Ausdruck. IHeu merei, d ce bi 
H'aitncs qui s'iUve rfe lotäes ies parties de la France, ia gardt na 
tiaU: de Clamecy etle-mSme a tressaiUi au fand de aon aipuUn 
rarton : Ja voitii qui s'organise. Tillier bekennt seine romantiE 
politische Vorliebe für diese bürgerliche Kriegerschaft.: j'aim 
la reille des ßles, la retraite qui grondait comme, un lonnerre aouten 
au fand <k iiok ntes noires et bosseUes; j'aimais jusqu'au qui' 
loiniaiii du 'bisel' vigilanl qui avail l'obligeance de garder la viUe 
domiie. Jetzt aber ist die Nationalgarde für ihn auch die lei 
Stütze Frankreichs: <fesl te demier tron^on de eon ipie, c"«! 
derniere eartouclie de sa giberne. Sie enthält die wirklichen Le 
des Volkes, dvr.i oufHers fran^ais de vieiUe rocke, dont ta rieh 
n'a f)a.t eiien-6 le patriotisme. Die neue Konstitution seit 1830 
den Natioiialgardisten, auch solchen armen Proletariern, wieTil 




Claude Ullier aU Pamphletist. 851 

Marseillaise, qui rSsonne d ses oreilles comtne un cliqustis d'annes, et 

^0U8 en i^eulent d notre intigriU territoriale. Mais la France, ce voUsan 

^ rivolutions, qui a jeti de sa lave par tout le monde, ils ne Vitein- 

^font pas en crachant desstis; il faudra bien des cadavres pour fermer 

^on craUre! Es erfüllt ihn, wie alle Radikalen damals in Frankreich, 

die Erinnerung an die Kriege der grofsen Revolution: La guerre 

*fue naus prSpare VEurope monarchique est comme la mort, eile viendra 

^nfaüliblement, mais nul ne sait ni quel jour ni d quelle heure . . . 

Zunächst ging die Gefahr vorüber. Thiers, dessen Kriegs- 
vorbereitungen Tillier zweifelnd halb wie eine Fanfaronnade be- 
trachtet hatte, mufste dem Ministerium Soult-Guizot Platz machen. 
Wahrend der immer starker einsetzenden Friedensbewegung wider- 
f mihr nun Dupin, der an sehr sichtbarer Stelle daran beteiligt 
v^ar, ein empfindliches Mifsgeschick. Das gab Tillier den Anlafs 
^u dem einige Monate später geschriebenen Pamphlet: A if. Dupin, 
^f^Mir sa lettre d M. ßtienne, concemant la communauti des Jault, in 
^^elchem noch viel spitzigere Pfeile unmittelbar und allein auf 
<^ie Persönlichkeit Dupins gerichtet werden. 

Dupin hatte im Sommer des Jahres, im August, einen Aus- 
flug durch seine Heimatprovinz gemacht. Seine Memoiren, die auf 
J^er Seite die gänzlich taktlose Selbstgefälligkeit ihres Verfassers 
Zeigen und in der Mitteilung auch kleinster persönlicher Gleich- 
gültigkeiten das irgend Mögliche leisten, haben auch dieses Ereignis 
Seines Lebens verzeichnet. Das eigentliche Ziel der Exkursion war 
das etwa halbwegs zwischen Pr^mery und Saint-Saulge gelegene 
Dorf Saint-Benin-des-Bois gewesen, wo aus den Zeiten des alten 
heimischen Gewohnheitsrechtes durch alle politischen Erschütte- 
mingen hindurch in der Familie Lejault ein merkwürdiges Über- 
bleibsel rechtlicher Haus-, Feld- und Wirtschaftsgemeinschaft 
sich erhalten hatte. Diese Fahrt mit ihrem Besuch der commii- 
tiautS des Jault hatte Dupin in einem Brief an Etienne, den ihm 
politisch nahestehenden Hauptredakteur der Zeitung Le Constitv-^ 
tionnel, geschildert und seine Schilderung später auch der Öffent- 
lichkeit, dem Adressaten, für den sie von vornherein bestimmt 
war, nicht vorenthalten. Tillier, der ja einzig die Persönlichkeit 
Dupins dem Spotte bloCsstellen will, geht auf den eigentlichen 
Inhalt gar nicht ein; was er in seinem Pamphlet angreift, sind 
erstens die Motive und dann die Form des Dupinscheii Briefes. 



352 Clnude Tillipr nlti Famphletirt. 

Zwei Schriftfiteller, die weuiger id ihrer Sprache uod Dir 
Stellung gemein hätten als Tillier und Dupin, lasesD sidi aller 
dings kaum denken. Tilliers Feder führt jederzeit, bei jeden 
Gegenstand, den er behandelt, vor allein das Gefühl uod eine im 
ruhige, launische, ausschweifende PhaDtasie, so dafa das GebSnd 
seiner Ge<1anken Iiinter dem wild \vuchemden Schmuck vod Bi 
dern und Gleichnissen bisweilen gänzlich verschwindet. Dupin di 
gegen ist wie als Mensch so in Rede und Schrift ganz tind gi 
iiüchteraer, robuster Verstand, platt und scharf. Seine Versuch 
zu rhetorischem Schwung sich zu erheben oder seiner DarBtellui 
einigen Sclinuick anzulegen, erecheinen immer künstlich und ui 
wahr; Tillier vermifst mit Recht bei ihm jede Gabe der Phai 
tasie ; IMcsor tausendfarbige Schmetterling läfst sich nie auf eu 
Feder nieder/ Bei einzelnen Auastellungen dann freilich verleit 
ihn sein Hals zur Übertreibung und kleinlicher Schulmeister 

Nichts als die Wirklichkeit dagegen zeichnet die moraliscl 
Charakteristik, die Tillier mitten in der Erbitterung des pub 
zistischeii Kampfes vou dem allmächtigen Gegner gegeben hi 
Sie war für ihn und ist noch für uns das eigentliche Ther 
seines Pumphlets. Hier auch liat Tillier sich nicht beechräu 




Claude Ullier als Pamphletist. 358 

vemogiückten Adrefsentwurf vom November 1840 sein. Das 
nene lifinisterium hatte Ende Oktober die Geschäfte übemom- 
I meo^ und am 5. November war die Session der Deputierten- 
\ kammer mit einer in resigniertem, aber würdigem Ton gehaltenen 
Thronrede eröffnet worden. Die Adrefskommission der Kammer 
hatte darauf Dupin mit der Redaktion ihres Antwortentwurfs 
beauftragt, und diese Antwort Dupinscher Fassung, statt durch 
ebige schärfere Accente dem allgemeinen, sicher nicht unberech- 
tigten Unwillen eine kleine Genugthuung zu geben, war für fran- 
zösische Ohren unerträglich matt und nüchtern geraten. Als die 
Kammer unter den für Frankreich unbedingten Kriegsfällen auch 
die Bedrohung französischen Bodens aufzahlen hörte, an die 
^erdings keine der anderen Mächte damals auch nur im min- 
desten dachte, da unterbrach ein minutenlanger Ausbruch der 
Entrüstung die Verlesung des Präsidenten. Sofort entstellten 
die G^ner der Regierung den Entwurf in der Presse so, als ob 
^f nur diesen einen Kri^sfall genannt hätte, und die Kommission 
^^ sich genötigt, diesem wichtigsten Teil der Adresse eine andere, 
^er erregten Volksstimmung besser genügende Fassung zu geben. 
Dieses Mifsgeschick des Feindes im publizistischen Kampfe 
S^;en ihn auszunutzen, war Tilliers gutes Secht. Zudem ist der 
Vorgang wirklich charakteristisch für die platte opportunistische 
-^^^ Dupins. Er sah, wie die Friedensstimmung im Lande all- 
'^Shlich wieder stärker wurde; sie beherrschte die Majorität in 
^■^r Kammer; also brachte er sie nüchtern zum Ausdruck. Den 
Unwillen, der diese Form unerträglich fand, will er noch nach 
Jahren, in seinen Memoiren, nicht begreifen können; um so 
^Oapfindlicher mufs er seiner Zeit den eitlen Mann getroffen 
^aben. 

Tillier behauptet nun, der Brief an Etienne sei gerade jetzt 
Veröffentlicht worden, um Dupin vor seinen Wählern wieder in 
^seres Licht zu bringen. Daher der Hinweis darin, dafs der 
grofsen StraTse von Lyon nach Paris über Clamecy nur noch 
Wenige Meilen zu ihrer Vollendung fehlen. Wenn Tillier diesen 
Hmweis zu erläutern hätte, so würde die Erklärung etwa folgender- 
mafsen lauten: Mes chers Slecteurs, je vous aipeut-eire mal reprisentis 
durant cette session, Difunt mon proJet d'adresse n'Stait pas, fen con- 
viens, une tres honne riponse aux provocaiions insolentes que nous 



SRI rimule Tiliicr alf> romphletiBt 

jeitr rnrislnrralie goudronnie de VAngMare, et Wen que Clammixns 
voiis n'ftes pnn ni pnnfiqves qve nton adresse : mais ei je rfdigt ma. 
CO« sfftnjiathie/i, loyex comme Je sers bien vos intirets: encort qutl 
ifiifs eoups de inoche et rovs gurex la grande route de Paris i 
Lyon, paxaant par Clamecy. La France est, ü est vrai, deseen 
iluf dann Vestima des peuples; eile a perdu, par la faibtesae de soi 
yourenievienl, la jtrUminence gn'elle avait eonquist par trente am d 
lictoires. M. (ivixol a fait porter au tnus6e des Augustins, eomm 
im üibjel de curitmU, son rieiw char de triomphe. Mais, je vous l 
rfpile. rovs aurex la grande route de Paris ä Lyon, passant par Qa 
»lecy. et adrienm' quepourra, lea Cosaques ne vous l'emporteront poim 
rottlee autovr de leum hnees. 

Herr Diipiii kennt seine Wähler, er weUs, wie gut sie solch 
8|>raohe verstellen. Und hier nun läTst unser Pamphletist seiaei 
Koinfl für eine knrze Weile aus dem Auge — er liebt auel 
sonst Bok-he Kampfpausen — , um sich mit leidenschafÜioher Bed 
:ui seine trotz allem geliebte Vaterstadt zu wenden: Et pourtaw 
'■e ßtii de fhrf-licu. eclte noire masure oü il'immondes doportes trainet, 
Inif venire aulour d'vn nom, cette besaee de pierrc qui n'esi jamai 
r-issii.'iire. cc pelil 'imas dV-i-orces nntifrag^es qiie l'Yonne a rejcti su 




Claude Tillier als Pamphletwt 855 

So schliefst pathetisch und resigniert der erste Abschnitt des 
I^amphlets. Begonnen dag^en hatte Tillier seine Darstellung 
Jaunig und übermütig mit der Schilderung der unersättlichen 
Eitelkeit Dnpins: Ainsi, M, Dupin, a/ucun de vos faits et gestes si 
peüt qu'il 8oit ne doit passer sans laisser de traces. DSjd vous avex 
fcaii publier par M, Ortolan votre magnifique et incomparable histoire, 
^ voild que vous nous racontez vous-meme, de peur que la posiiriU 
^»'en ignore, votre eocpidition ä la commtmatUS des JauU . . . Vous 
fi^vriex, grand komme, vous aitacher une clochette au cou, afin 
Q'tÄe vous ne fassiez plus un pas que nous n'en soyons avertis. 
UKeser Gang der Darstellung von Scherz und Spott zu Ernst und 
Pathos kehrt oft bei Tillier wieder. .Man wird darin vielleicht 
^^veniger ein überlegt künstlerisches Verfahren als das getreue 
-A^bbild seiner Stimmung bei der Niederschrift zu sehen haben. 
Nachdem Tillier so zur Einführung ein Bild Dupinscher 
Eitelkeiten gezeichnet^ geht er an die Kritik der ihm vorliegen- 
den Reiseschilderung. Vous vous adjoignex pour compagnon de 
r^Ciyage un de vos amis, M. Rabier, 'auirefois hon notaire et maintenant 
^axeüent juge de paiaf. Voild une phrase dont chaque mot mdrite une 
tx^udyse partieulidre. Der ironisch witzigen Analyse, die zwischen 
vu)d hinter den Zeilen sucht und des guten Freundes Paillet auch 
bei dieser Gelegenheit nicht vergifst^ brauchen wir nicht näher 
zu folgen. Fortgesetzte schärfste Angriffe auf Dupins Charakter 
wechseln ab mit behaglichem Spott über die pompös trockene 
; Sprache seiner Erzählung; wenn Dupin nach den eben citierten 
\ Worten über M. Rabier fortfährt: Nous etiofis au 15 aofä; il faisait 
\ w»e chaleur extreme; fious partimes de grand maiin, so ergänzt 
'; Tillier diesen trockenen Bericht und läfst erst Dupin an seinen 
i schlaftrunkenen Reisebegleiter einen poetischen Weckruf richten: 

Om», c*e8t ton depiäSf cest Dupin qui fireiUe, 
Faut'ü te mettre un cor de chasse dana VoreiUe? 
Aurais-tUj toi qui dors d'un sommeil si pesant, 
Lu ma hiographie hier dans Ortolany 
Ou 80U8 ton oreiüer quelquhiUy par maladresse, 
A-t-ü mis un feuillet de mon prqjet d^adresse? 

Seinem Namen unter dem Briefe hat Dupin das ^de- 
put4 de la Nievre' hinzugesetzt. Diese Unterschrift führt Tillier 
am Schlufs wieder zurück zu den bitteren Betrachtungen des 



?56 Claude THIier &\t Pamphletlit. 

ersten Abschnitts. Dupin, diputi dt la NUvre.' Si j'iUn» 
rolUge eln-toral de Clamccy, twt« ne signeriex paa longttmpt 
•■rtte faron. M. Dupin.' So beginnt er die Charakteristik c 
Politikers Dupin und seines Einflusses im heimatlichen Wa 
kreis. Auf die Frage, ob denn die Leser auch wüIsten, wel( 
))olitische Meinung sie durch Herrn Dupin vertreten lielsen, 
ob er selber es wüfst«, ^ebt Tillier die ins Herz der Wahit 
treffende Antwort : Vous etes Dupinisle avanl tout. Voua n'i 
d'aurrnn parti, rous ressemblex d cm la^nes tnire deux fteuves, t 
)ie sont iii lerre ni eau, qui sont toui simplement du eable mouva 
Vous pouvex, jeter ä prisent votre masqut d'austert frandiüe, m 
feinte rudesse ne trompe plus personne. Non, vous n'etes paa le j» 
satt du Moriatt, voiis n'$tes qu'un ftagomeur de miniatres. Vi 
i/iiiltex >os souliers ferris pour marcker sur le parquet dea aalo 
Vous etes un Hon qui saü donner la paite. 

Aber welch einen moralisch verwüstenden EinflufB hat die 
Mann im Arrondissement Clamecy! Vous avex diveloppi per 
iious im funesie esprit d'igoisme et ^intrigut. Vous avex. fait de > 
bonnrs et grosses nullifes des icornifleurs de places. On a donni 
Veducation ä den idiots parce qu'on vous voyait i 




Claude Tillier als Pamphletist 857 

rivolution (1830) qui s'esi faite ä cöU de vous, sans vous et peut-eire 
malgri vous, voiis avez pris tout ce qu'eüe avait de meiUeur buiin, 
vous en avex lav6 le sang, ei vous Vavex disiribui ä vos creatures. 
Sein nächstes Pamphlet^ das auch noch in damecy geschrieben 
ist) die umfassendste seiner politischen Flugschriften^ geht von 
derselben Anklage gegen das^ von Guizot so genannte^ Pays ISgcU 
aus, um dann die Forderung des allgemeinen gleichen Wahlrechts 
zu stellen und zu begründen. Es sind die vier Lettres au 
Systime sur la Reforme Slectorale, Ej*it]ky vernichtende 
Kritik des Schlechten, nicht Neubau des Guten — darin sieht 
er zunächst auch hier seine Aufgabe. Eine Satire will er schrei- 
ben auf das klägliche 'System^, infolgedessen das französische 
Volk aus einigen hundert Herren und Millionen Sklaven besteht. 
Das zu jener Zeit in Frankreich geltende Wahlgesetz (seit 15. April 
1831) gab das Stimmrecht {ilectorat) nur denen^ die mindestens 
200 fr. direkter Steuern zahlten^ und für die Wählbarkeit (iligi' 
Wi^y war der Census auf 500 fr. festgesetzt. Es war gegen 
die Restauration^ wo ein Census für Wähler von 300, für Wähl- 
bare von 1000 fr. gegolten hatte^ immerhin ein Fortschritt; die 
Zahl der Wähler war dadurch von 94500 auf 166500 (bei einer 
Gesamtbevölkerung von 32^5 Millionen) gestiegen^ und sie mochte 
Diit dem wachsenden Wohlstand im Jahre 1841 auf 200000 ge- 
kommen sein — immerhin blieb das ein Wahlrecht allein der 
Keichen und Wohlhabenden. Y& mindestens auch auf die 'Kapa- 
zitäten' auszudehnen — vom König ernannte unbesoldete Be- 
amte, pensionierte Offiziere, Doktoren und Licentiaten, Notare, 
Mitglieder und Korrespondenten des Instituts und der anderen 
gelehrten vom König bestätigten Gesellschaften — y das war schon 
seit mehreren Jahren das Ziel zuletzt immer lebhafter werdender 
ßeformbestrebungen. Tillier aber ging viel weiter. Wie die 
Radikalen von rechts und links, die 'Gazette de France' und 
die Socialisten die ganzen Jahre seit 1830 her, fordert er das 
suffrage u/niversel sans restriction. 

Den ersten Brief beginnt er, wieder nach scherzhaftem Ein- 
gang, damit, dafs er den Anspruch der politisch herrschenden 
wahlhabenden Klasse, allein das Land zu sein, bitter zurückweist. 
Vous avex des chdteaux grands comme des villages, vous javez des 
tisifies qui flamboient, des magasins qui resplendissent ; vous avez des 



35g 



Claud« TUlier als PunphUtiiL 



monlagnes de bl6 dans voa grenters, des lacs de vm dana vo» o 
des Imupeaux pUin vos iiabUs. Mais autour de tout ceia n'y a 
qiie le diserl et la mori ? Man pelü champ qui ne vote paa, n'< 
pas ä la surfaee de la France aussi bien que votre grande prop 
qui vote? Diesen Anspruch, alleio das Land zu sein, leitet 
heute regierende ElsBse daher, dafä das Volk zwar durch 
Julirevolution seine Souveränität wiedererhalten habe, selbst 
Heine liechte wahrzunehmen oicbt im stände sei. Ist denn 
aber jeue Klasse, die Bioh aus eigener Macht zum Vormunde 
Volkes bestellt hat, die fOr die Aufgabe geeignetste? Ei 
voua, Honseigneur, qui etes rhomme le plus capable de la gr 
famille ? ... Je voia bien que vous etes riche, mais capable, je i 
sais ])as. Und er betrachtet nun näher und schildert, natO 
nicht ohue Übertreibung, den oft seltsamen oder bedenkli< 
Ursprung dieses wahlberechteten Reichtums. Cet komme est caj 
parce que sa t'ieille tante est morle; cet aulre, paroe que sa belte- 
lui a c6d6 son incapaäti. Et ee rnortsieur, powquoi est-il capc 
I'arce qii'il a fail Irois fois banqueroute. Et cet auire, pourquoi 
ineapabk? Farce que la capacit6 ci-desaus a fail banqueroult 
("csl une capacite qui aerait au bagne ai eile n'itail dana lea coi 




Claude Tillier als Pamphletist 359 

absolute Gewalt fruchtbarer an materiellem Wohlstand als eine 
nie zur Buhe kommende Freiheit . . . Bittet also nur das bürger- 
liche Königtum^ sich in eine Autokratie zu verwandeln/ Und 
Doch höhnischer weist er einen zweiten Beruhigungseinwand 
zurück: die 2iahl der Wähler sei ja schon bis auf 200000 ge- 
stiegen^ während es vor der Julirevolution nur 120000 waren. 
(Wir haben gesehen^ es waren noch nicht soviel.) '200000 Wähler 
und 32 Millionen Proletarier^ das also nennt man in diesem 
konstitutionellen Zeitalter eine freie Nation!' Und er schliefst 
pathetisch mit dem Hinweis^ wie armselig die Julirevolution gegen 
die erste grofse gewesen sei: 'Unsere Väter haben die Herrschaft 
emes doch immerhin glänzenden Adels abgeworfen^ wir lassen 
uns heute die seiner früheren Gutsverwalter und Pächter ruhig 
gefallen.' 

Diesen Gedanken nimmt der Eingang des zweiten Briefes 
wieder auf. Allerdings^ die Vorrechte des Adels sind heute be- 
seitigt Aber was ist dafür gewonnen? Tillier selber hätte gar 
nicht so grofse Antipathie pour ces grands seigneurs st briüanis, 
^ gaü, 8% spirüuds, si gcUants, si mctgnißques, si braves sur les 
champs de bataille comme sur le pr6, que Dieu semblaii avoir envoySs 
Mxu en pariie de plaisir, Ceux-ld, du moins, nous opprimaient avec 
^ance. Auch im 'Onkel Benjamin*, der im übrigen so deutlich 
'<■' die Tendenz verrät, das Bürgertum der letzten Zeiten vor der 
grofsen Revolution trotzig nach oben, übermütig nach unten zu 
^igen, verbirgt Claude Tillier doch nicht seine Hochschätzung 
der persönlichen Tapferkeit des alten Adels. Erinnern wir uns 
^ den alten Sergeanten, den Benjamin und Machecourt auf dem 
Wege nach Corvol treffen, und der dann in Herrn Minxits 
Q^edizinische Kapelle Aufnahme findet. Wie der den beiden er- 
l>ittert erzälilt, er habe seinen Abschied genommen, weil man bei 
der ihm längst gebührenden Beförderung ein blutjunges Junker- 
^en ihm vorgezogen habe, fügt er doch hinzu: (7a saura se faire 
'*<«r tout de mime; car ils sont braves, on ne peut leur refuser cela. 
Wie gänzlich anders der heute regierende Geldadel. Was jeuer 
alte Geburtsadel an eitlem Ruhm besafs, hat der aufgegeben, nur 
die reellen Vorteile hat er eingeheimst. Den Rock hat er weg- 
geworfen, aber erst nachdem er sorgfältig die Taschen geleert. 
Im übrigen spricht dieser zweite Brief von der politischen Ämter- 



3C0 Clsü<ie Tillier sls Pamphletiat. 

jagd der regierenden Klasse, die immer mehr einträgliche Änit^^ 
und Stellen in ihrem Besitz aufhäuft, aher keine nicht in Ihres 1 
Zirkel getiörende Befähigung aufkommou läl'st Im Hinblick auf 
BO niaachcn ohne Mittel erfolglos aufstrebenden Jüngling, vid- 
leicht an seine eigenen jungen Jahre denkend, tichreibt er lÜR 
Worte nieder: Combten d'enlre twus qiti orit <U la oapat^ii et ^w 
mMsaent ks tortures de la faim dans ws ffre.nÜTS.' J'ai connu, not, 
de jeunes hommes qui avaifrU de la capacit^ ei gui eninaient aux ani- 
maux de vos mhtage^-ies la nourrilure ei l'ahri 5«? iy>Ms Uur donnn. 
Und Dupin andererseits hat er vor allem im Auge — wie wen 
ÜberfluTs der SchluCe des Briefes mit ganz deutlicher Imiii* 
zeigt — , wenn er weiter schreibt: Oe qui m'i'lonne, c'rM qw. dts «(}«■ 
citi-a ai occupt'fs n'amaaaent m fit>re akibrah ni fiuxion de poiirjni, 
et qu'ellea trouvmt eturore le tempa de visiler kws lerres ei de fabrvpf 
d'Mormes diacours, dont ks phrasen massives, lombartt l'une aprif 
i'oMtre eomme lea marieaux d'un foulon, vous dhnontrerant, ai vow r" 
ooua endormex dea tf com*n^»wm«nf> qw,, sauf U diaoQws Itd-mimi. 
tottt est pouT le viieux saus k mätlevr des i/ouvemements possM'- 
Wenn er, Claude Tillier, an Stelle der Wähler wäre, so würde 
er, in einem Lande, das seine übermsisig wachsende Bevölke 



aaude Tillier als Pamphletist 861 

^^ vois bien ä la chatnbre le parii des Ugiiimistes ei le parti de l'ap- 
po^ian bourgeoise. Mais le parti du peuple oü est-il ? ou, s'il y est, 
de eombien d'hommes est-il composi ? 

Der dritte Brief bespricht die, wenn die politischen Zustande 
80 bleiben, immer näher drohende Gefahr gewaltsamer Umwäl- 
2Uogen. Die Symptome zeigen sich auf der Oberfläche häufig 
;enug. Denn die Herrschaft eines Parlaments, das nicht aus 
ungemeiner gleicher Volkswahl hervorgegangen ist, von dem also 
mmer zweifelhaft bleibt, ob seine Mehrheit die Mehrheit des 
lesamten Volkes hinter sich habe, bleibt auch in dauernder 
lefahr, entweder durch einen Staatsstreich von oben oder durch 
ioe Revolution von unten vernichtet zu werden, ^ütet euch!' 
uft Tillier wieder prophetisch, 'es wird Einer kommen^ ein Cäsar 
der ein Spartacus/ Und er schliefst mit einer beredten Schilde- 
ung der ausbrechenden Revolution. 

Besonders der vierte Brief ist für Tillier charakteristisch. 
Jbermütig scherzend beginnt er wieder. Das herrschende System, 
»sher mit ironischer Ehrfurcht als Monseigneur angeredet^ ist 
etzt das kranke Murmeltierchen der Verse des Volksliedes, die 
T sich zum Motto seiner Betrachtungen wählt: Notre marmotte 
i mal au pied, — Lui faut mettre un emplätre; — Quel emplätre 
ui metirons-nous? Tillier weist zunächst jede irgendwie ein- 
ichränkende Wahlreform zurück, so, mit allerlei humoristischen 
jflossen, Odilon Barrots Vorschlag, die Kapacitäten hinzuzuziehen. 
Fos capacüh, c^est une vari^te de la richesse . . . Les connaissances 
lont vous faites vos capacith ne s'acquierent qu'ä prix d'argent. Er 
sendet dann sich gegen allerlei Einwände: dafs die unteren 
Schichten des Volkes das Wahlrecht mifsbrauchen würden, dafs 
de nicht intelligent genug seien, nichts von Politik verstünden, 
sich bestechen lassen, zu Unruhen geneigt sein würden. Er 
indet treflonde und schöne Worte, den gesunden Verstand des 
V^olkes, das Verdienst der Ehrlichkeit gerade in diesen Schichten 
lervorzuheben, den Reichen vorzuhalten, wie ihre Moral nicht 
•einer, sondern oft nur pfiffiger sei als die der Armen: on regle 
\a canscience sur le code, taut ce qu^il ne defend pas est permis; Vim- 
mniie, c'est la vertu ... riclies! vous vous dites honnetes gens; eh! 
fui le sait? Orogez-moi, pour se dire honnete komme ü faut avoir 
frelotte de froid dans un galetas, passe de Umgues nuits d'hiver sous 

Archiv f. n. Spraoben. CIX. 24 



362 Claude TillEer als Pamphletist. 

M«e cimverlure Iroii.'e ; avinr vu sa femme malade de misere ei n'avw 
pu lui procitrcr vn bouilUm, avoir entendu ses enfanls crier de la fam, 
et n'avoir point eu de pain ä hur donner; avoir vu cependant dorn I» 
rue des femmes et des hommes ibloiiissants de luxe et des animaia 
bien repus, et etre ^t/rtis pws de cette epreuve. Je connais parmi It 
peuple beauamp de getis de eetle foree-lä. Auch revolutioDäre Dd- 
rulieu, eine neue Konveutsherrachaft, brauche die Bourgeoisie 
\-on dem niederen Volke, wenn es erst gleichberechtigt sei, nicht 
melir zu f örcliten : la faHilesse, plulöt qu'ime ewubiranle inergie, est 
k i'icc de notri: ^poqut. Es ist nicht nur der Widerwille gegen die 
schamlose politische Profit Wirtschaft der herrschenden Klasse, die 
er überall um sich herum erblickte, was wie so viele damate 
auch Claude Tillier in seinen Pamphleten immer wieder auf di^ 
groi'sen Erinnerungen der Revolution und zugleich auf die de^- 
gewaltigen uapoleunischen Regimentes zurückkommen läfst; e^ 
liegt ihm im Blute, il a leU ä la yourde des vivandiires, wie er iii^ 
anderer Stelle ciumal sagt. Er glaubt iu seioem demokratischere— 
Idealismus an das reiue, an sicli gut^ Menschentum der grofseits* 
Mas.sc, uml er glaulit, iiueh hicriu noch ein nachgeborenes Kindl3 
des achtnehntcri Jahrhunderts, an die alles hellende Kraft poli-- — 




Claude Tillier als Pamphletdat 368 

Toui ee que je viens de dire est peut-etre exubirant ; mais je tenais d 
rihalbiUier le mendiant, oar nul ne sait ce qu'il deviendra. Man hat 
nim aber aach gefragt, da Tillier selbst offentlicheD Almosen- 
empfangen) den Genufs des Wahlrechts gewähren wolle^ warum 
er dann die Frauen ausschlösse. Das veranlafst ihn^ auch hier- 
über sich seine Meinung vom Herzen zu sprechen. La raison en 
^ simple: c'est qu'il n'y a pltis d'Amazones; &est que les femmes 
idfd des enfanis qu'il faui iUngner du pele-mile de nos assembUes ; 
At ttrmes plus graves, c^est que les femmes ne sont pas faiies comme 
10t»; qu'eUes oni des goüts, des insüncts, des passions et des capaeiUs 
diffirenies des nöires. Sauf quelques grandes et rares exeeptions, qui 
jamais vu une idie politiqus se hger sous u/n bonnet de gaxe ? Si 
<^ arrivait, l'idSe en grandissant, ne ferait - eile pas Sdater sa belle 
*>uii8 fragile enveloppe ? Plante-t-on un chene dans un vase de porce- 
^^«•«6? ,,, Ne vayexr-vous pas que nous gdterions nos femmes en leur 
^onnant nos mcews, nos habitudes, nos passions et mime nos vertus ? 
^'cioexrvous pas remarquS que le charme le plus doux et le plus puis- 
^^*ni des femmes, &est d'etre autres que nous sommes ? Und er fahrt 
*ort, mit weichen, herzlichen Worten die Frau als Mutter, als 
^»»•«ostende Pflegerin zu preisen; auch in einem anderen Pamphlet 
^^gt er kurzweg : wir wollen, dafs unsere Töchter Familienmutter 
"^Verden, weil Gott sie hierzu und hierzu allein geschaffen hat. 

Unter allen diesen Forderungen für eine radikale Wahlreform 

l^ist aber eine Claude Tilliers Idealismus besonders schön her- 

'^ortareten. Er verwirft nicht nur Diäten oder Entschädigungs- 

gelder, erwartet^ das Wahlrecht werde allgemein als Wahlpflicht 

^ufgefafet werden; er verlangt vor allem die ganz offene W^ahL 

'^c voudrais que Vume oü ils deposent leurs buUetifis füt de verre, et 

9^ tout le monde mt ce qu'on met dedans, Cest ä la face de la naiion 

^ la main sur le cceur quWin citoyen fran^ais doit voter, Les ilecieurs 

^ont des fondionnaires ; comme fonctionnaires ils sont responsables de 

fewr« actes, sinon devant la loi, du mois devant Vopinion publique . . . 

Le scrutin secret ne protege point Vindipendance des Slecteurs; quand 

0» a des opinions gSnh'euses ofi a ioujours le courage de ses opinions. 

II ne protige que la comiption, l'apostasie, Vintrigue; les honteu^ses 

manosuvres cherchent le mystere et les tinehres. L'fionnete hornme, au 

coniraire, aime a agir au grand sohil de la publidti. Quand on n'a pas 

l'intention de faire de honteuses choses on n'itemt pas les lumiires, 

24* 



SfM Claude Tillier »Ib pMapUetiet. 

Vmis demamlex ä un i'lecleur, pour qui ü wtera; il viiwt riyimä y«'i 
nolera sdon sa eonsci&nce. Quoi.' citoyen anotajmr., tu votvraa «foi 
la amscience, et tu n'oseti dire ootnmötä tu i'olfrajf? As-tu done pett 
qu'ott Ib j/renne pour un konnfte kommt ? - 

Dieses Paniphtet echieu <Ier Pariser Zeituug fc Naiiona- 
deren R«daktioii seit !ä40 Armand Marrast übemomnien liHtu 
durch Iniialt und Form bedeutend genug, um ilireni Leserkreis 
voi^elegt zu werden; in TilUers Heimat erregtan die Briefe di 
allgemeine Aufmerksamkeit so stark, dals die Aktionäre des i 
Nevers erscheinenden Journals l' Aitsocialion Ihn für den Man 
hielten, diese einzige op[>ositionelle Zeitung des Departemeiil 
als Hauptredacteur zu leiten. Hier ticl ihm natürlich zunächc 
der Leitartikel zu; aber neben dem Politiker kam, im Peuillettii 
der Lyriker, der Elomandichter und Erzähler zum Wort; Gf 
dichte, der 'Onkel Benjamin', Bruchstücke des anderen Romaui 
ComäliuB ' erschienen zuerst in der 'Association'. Tillier arbdtet 
über seine Kräfte, sein Körper begann zu unterliegen. Aber E 
achtete der immer deutlicher hervortretenden Lunge nkrankbei 
erst, als es zu spät war. " ■pp^v 



(laude TilHer als Famphletist. 805 

fiben mufs^ wenn sie praktische WirkuDgeo erreichen will. Tillier 
war durchaus nur für den politischen Einzelkampf angelegt^ die 
persöoliche^ nur sich selber verantwortliche Flugschrift war seine 
Waffe. Wir wundem uns nicht, von seinem Biographen zu 
hören, dafs die Aktionäre der Zeitung des geschäftlich unprak- 
tischen Eigensinns ihres Hauptredacteurs überdrüssig wurden 
und schliefslich den äufseren Verwand eines Prozesses benutzten, 
om die Zeitung eingehen zu lassen. Eher mag es uns ver- 
wunderlich erscheinen, dafs sie ihn überhaupt an diese Stelle zu 
setzen wagten. Die Ankündigung des Redaktionswechsels in der 
Nummer vom 6. Juni behauptet recht zuversichtlich: diesen 
witzigen, den Lesern schon bekannten Schriftsteller^ noch enger 
mit der Zeitung verknüpfen, das heifse ihr neue Erfolge sichern. 
Als Pamphletist sei Claude Tillier über die Grenzen seines Arron- 
dissemente hinaus namhaft geworden; nachdem man sich ver- 
gewissert^ dafs er auch ein ernster Publizist sein könne, habe 

— 

man die Überzeugung, dafs mit dieser Wahl der Sache der Ge- 
rechtigkeit, der Vernunft und des Fortschritts gedient werde, zu 
deren eifrigsten und geschicktesten Verteidigern der neue Leiter 
der 'Association' gehöre. 

Aber trotz dieser vertrauensvollen Erwartung läfst schon die 
erste von Tillier redigierte Nummer uns ahnen, dafs er die ihm 
gemafse Form politischer Erörterung rücksichtslos in die ihm an- 
vertraute 2jeitung mit hinübernehmen werde. Zwar der erste 
I^tartikel, sein Programm enthaltend, ist — das mufs man ihm 
lassen — noch ganz ernsthaft gehalten. Wiederum, wie vor 
zehn Jahren, nimmt er sich vor, den Gegnern, wenngleich er sie 
bekämpft und obwohl er sie schon hier mit Ausdrücken wie 
presse cauriisane und fange ministerielle beschenkt, dennoch Ge- 
reditigkeit widerfahren zu lassen: notis dont la plume est libre 
comtne celle de Voi^emi qui traverse les airs, pourquol ne aerions- 
>^0U8 pas justes erivers tous comme contre tousf Er ist von der 
Partei des Volkes, dem nur die wenigen gegenüberstehen, und 
dieses Volk will er aufklären über sein heiliges, ewig gültiges 
Recht. Das ruft er auch in dem folgenden langen Abschieds- 



* Die Pamphlete des Flotteur waren in der 'Association* abgedruckt 
worden. 



^66 OlAnde Tlllier «In PamphletiBt. 

frnifs: ■.! "'('.' amiK ile fhmeni,' den 'Patrioteo von Clame? 
ziiallei-eret in die Heimat zurück: tanjour» rappelez-i-ou» i/w ro 
i'-f.' 'Ii-x itiftint.'! du peiiple i-t tovjonrs »oyez fiem de Cilrf. Ul 
dann wieder, mit einer BegrÜDdung, die er später im E^DgK 
von !\h<n oiK'lr lienjoiniii ähnlich wiederholen wird, die MahDui 
))(>litiscii II neige noützig, hochherzig zu denken und zu handel 
ii<- xiu'n'/ii': /finc«'." (i (/'.' coiisi'li^ratioii" de fortune l'imiip^iidai 
dl- vo/' oj.iiiiiin.-'. Das war rein und wahrhaft seine eigene A 
)<]h hätte durum mich gar nicht der nun folgenden ÄuBeiiiaiid 
i^etzung bedurft, wie er nicht aus Erwägungen des Eigennut 
von Claniocy fortgegangen sei und aufser den Freunden sc 
Mutter, zunfiL-hst auch Frau und Kinder dort zurückgetasi 
hiibo. Kr glaubt el)en, der gemeinsamen Sache in Nevers bee 
dienen kh können. IJäije oit noua vivoii/t est im äge de bittet 
ile coinhiiln, v' fii'cle qiie iioHe aaons fhaiiehi h grmid'peuie, 
«(■ (■■((/ fian ijii'il iirrive ä »a per/ectioii; le peitplf trnhi, W'.'o» 
iwnii-, ri'ndii ptir ceiix - iiii-me» niix maina desipieU il a eottfii 
piih.''-nirt; <i hiKviii de tonn si'f eiifants puiir le d^feudre. Qi 
soiriii iirmi'n d'itn hätoii im d'uni- i^pSi', tuiis ceiut qtü vnt im _ 




Claude Tilh'er als Famphletist. 867 

selber überlälst sich Tillier seiner Lauue^ wie es ihm gefällt Er 
weifs, dafs das Pflaster, das er jetzt in Nevers betreten wird, 
nicht mit Rosen bestreut ist: ^Bedenkt, ehrenwerte Professoren, 
dals ich mich jetzt einen Tag um den anderen rasieren und dafs 
ich das Echo de la Nüvre lesen mufs/ 

Damit hat er unter seinen Gegnern den eingeführt, den fort- 
an in Schimpf und Ernst, vorwiegend mit übermütigem Spott zu 
bekämpfen ihm offenbar ein mehr als blofs politisches Bedürfnis 
war. Das Echo de la Niivre war das Organ der Prafektur, das 
Blatt Dupins, es wurde später auch das Blatt des Bischofs 
Dufßtre. Ohne Zweifel war Tillier an Witz und Schärfe, an 
Kraft und Lebendigkeit des Ausdrucks diesem Gegner sehr 
überlegen. Doch mit Recht konnte das 'Echo^ ihm vorhalten, 
wie bedenklich in dem engeren Bezirk einer Provinzialstadt diese 
Form der persönlichen Persiflierung nach Pariser Vorbild sei. 
Solche moralische Betrachtung half ihm freilich gar nichts. Tilliers 
Begabung war zu natürlich auf diese Form des Kampfes hin- 
gewiesen^ und es kümmerte ihn nicht im mindesten, da(s seine 
Zeitung hierdurch bisweilen ganz die Manieren eines politischen 
Witzblattes annahm. 

Auch seine Vaterstadt bekam Witz und Laune Tilliers jetzt 
von Nevers aus noch manchesmal empfindlich zu fühlen. Es 
war, als ob der Humorist die alten Feinde — die ihm fast lieb 
geworden, weil er an ihnen seine Kraft zuerst erprobt hatte — 
nun nicht mehr entbehren könnte. Nicht umsonst hatte er am 
Schlufs des Briefes an die 'respektablen Professoren^ der pathe- 
tischen Betrachtung des still zu seiner Kraft kommenden Volkes 
das Heinesche Schwänzchen angehängt: An attendant, st votre 
^Tutocratie de popier timhri se condnit mal ovec vous, faites-le- 
inoi savoir. Am 25. Juli bringt die 'Association^ ein C. T. ge- 
zeichnetes Feuilleton : Theätre de Xevers. Tillier sagt einem Schau- 
spieler Gamard die Wahrheit über seine Leistungen und rät ihm, 
Schulmeister zu werden poiw notre plaislr et ponr votre gloirc, 
Er erzählt ihm auch gleich, was ihn da erwartet. Schüler wurde 
% die kleinen Mädchen mit eingerechnet, im Winter etwa fünfzig 
'zusammenbringen, he quart dr cos ecoliei's vous payera tnal, 
töirfrg quart w vous payera pas du tont, ä moins tontefois (pt^il 
^^ tous paye en tnauvaiisc.s qnercUes et en lujnres, Aussitot que in 



S6S 



Claude Tlllier ali PampUetüt 



vhJelte ru)ii„>rii.-n:i ä p, 
lienenilrofil f'lfincn et rott 
Irarnnj- di's r/iamps, eoi. 
pnule a loiigtempn ranne; 
''enroleiit lorsqii'ils apert 



imhf le lonif der fiaie«, qiif Us mhrti 
, pftites ßlfei et bamhins a'eriPol^viit mw 
mf une Iroiipe de pettts eananh qu'vnr 
'hUs autour d'elle, ourrent leiira ailt» tt 
'icent uHf riviere. Ahm votts poiirrn 
lUUees df la ehasne ou >le la peche comme un rM'- 
i'i/Ji i/i-rdUhomii-c. Er setzt Herrn Gamard weiter augeinander, 
wie gefügig gegen Öffentliche Gewalten jeder Gattung er in seiner 
neuen Stellung sein müsse, und erzählt ihm ein warnendes Bei- 
sjiiel. ./'' '-oiinaii wn de vog mn/riret uii'juel tl arrtva maihear 
/iviir nnroir pns voulu ge »oumettre ä ee» f^xigenee«. Qtiand ett 
beauj- meeeieurs venaient, lui appuyanl le pro<^s -verbal mir h 
'lorffe, lui deiinmder le saeri/iee rfe goii indejiendance, il le» regaf- 
dait eti soimani eomtne an komme de nix pieda regardernil uir 
mfaiit •/ui Uli demanderait la bourse ou la pm. II le« voyail " 
petita, si pfüts qu'il ve se donnait pas meme la petne de Ue mi- 
pri«er; II avait conßanve eii ea force et s'imaffinait iju'aitetitöl qnil 
lUiriiH iiwntri lex dentn, tonte celte racailU empanachh prendrait 
In fiiile; niaia il »e irompait: avee cent briris de chanvre on, fabru 
serris tnn contre Caiiirt 




Claude TUlier als Pamphletist. 869 

k budget et le conseil munieipal. Der Municipalrat von Clamecy 
geht damit um^ den Markt von der Höhe neben der Martins- 
kiiche hinunter auf den Bethlehemsplatz zu verlegen. Tillier 
giebt zu, dafs er an seiner alten Stelle unbequem genug liegt: 
on f{y aborde que par deux ou trois petites nies boüeuses qui yrim^ 
pent dopin^clopant la montagne, qui sen vont de gä et de Id comme 
un homme ivre et forment autant de zig-zags qu^un chemin couvert. 
Trotzdem bekämpft er die Verlegung und führt seine Gründe 
an. Das giebt ihm die erwünschte Veranlassung, sich noch ein- 
mal mit den Regierenden der Stadt auseinander zu setzen. Er 
erinnert sie unter anderem daran, wie er (durch sein erstes 
Flöfter-Pamphlet) versucht hätte, der Stadt eine unnütze Aus- 
gabe von 700 fr. zu ersparen. Mais vous ne pouviezy voim, nobles 
hourgeois^ sirinissimes propriHaires, qui avez pour einq ä six mille 
franes d'esprit par an, faire droit aux avis (Tun pauvre mattre 
(^kok; il hait meme de votre digniti de faire torU le contraire; 
oussi ai'je eu deux torts en co^nposant mon premier pamphlet: 
cdui de n'avoir pas mis un habit ä la fran^aise pour ticrire, et 
fautre de ne pas vous avoir iiris par la queue au lieu de vous 
^irer par la tete. Allmählich, während die Erörterung noch andere 
Gebiete, wie höheren und elementaren Unterricht, streift, tritt 
aus der unbestimmten Menge der Angegriffenen immer sieht- 
Wer Herr Paillet heraus. Wir lernen sein Haus kennen, in der 
^it Bourgeoise, g^en deren beabsichtigte Aplanierung Tillier 
sich wendet: une maison noire, sans soleil^ touie moisie, une 
^^able maison de mSlodrame, ou M. Paillet, dans la retraite et 
'« nlence, ilucubre ses calembourgs. Und wie Tillier weiter von 
den Wahlen zum Municipalrat spricht, bei denen in jedem Fall 
^n Bourgeois, mag er sonst sein, was und wie er wolle, aus der 
Urne hervorgeht, kommt ihm der Gedanke, Herrn Paillets be- 
^(enen Stock mit dem grofsen vei^oldeten Knopf als Kandidaten 
ninzustellen und in längerer Rede durch Herrn Paillet selber 

4 empfehlen zu lassen. Qtie M. P mette un de ses vieux 

'^^^ ä sa canne et qu'il fasse au^ Üecteurs ce petit discours: 
*^^8ieur$, je recommande ma canne ä vos suffrages; ma canne 
^^ comme moi le plus beau juste-milieu que vous puissiez disirer; 
^ est indiffSrente ä tous les vernis comme ä toutes les formes; 
*tt« peut faire au besoin un manche ä halai, une canne de tambour- 



370 Hnitile TilliCT «la Pamphletiat. 

iiiiijln-, iiti hnlnnrier 'le nauteuT de corde, im fiätoti de croix OU «« 
hitloTi ih lirnpeau. Elle est comme mon ejiine doriaU, rrnlt t*v 
}'!ia?itr, nehii les oi-rasiovs; eile sait tri» hien ipmnd il faul *f 
rovrber d ijiiniiil il est ä propos de se redresser ... A ceuit qiii 
ol/jfcleraieiit «jvp, i>iir ma canne, favTaif deux voix dam le eomeil. 

/•' Wponilrai» qw M. C n, par »on commU, deut mi^ 

i/if'i.« le cojiaeil et rju'ü importe peu que cfla riinilte (fune eatint 
Ol' ■/'iiiie plume ... // eH vrai que ma canne tie xe frra pas rt- 
niiii-f/iirr par im ijrmid talenl d'ilomdion, qu'elle n'igai/era p(u it 
iti.iriisiiim pur tili ile ees jolii calemhoitrgs dont les avou^s de Cla- 
iiii;-!/ r^gaknt im desnert leiirs covviren et gut ont port4 mon noi» 
i'iKipi'aii.v limited lex plw recidA's de toctroi, maie je liU priirrai 
iine de mes rieilles toqnex. afin qu'elle piiisne opiner du bonnd- 
Hiermit ist aber auch der Humor auf die Spitze gekommen und 
Bchlä{rt unmittelbar in deu bittereten Ernst um, wie auch fiODSi 
so oft in Tülicra Pamphleten. In pathetischer Apostrophe, die 
er liebt, wendet er sich an die Wähler und sucht ihnen das Ge- 
wissen zu wecken. ileclmrit! quand revienJrei-vous de la sollt 
iiilmiruliou qui- i'ous profesuez pour cette aristocmtie de bas itagt: 
. . . ("M velfe futu/fi id^e de xuji/rtoriti qu'il nttaclie ä toiü et i/m* 
pi-hU'Hihu' pur h' fort"'ie, qid le maititierit dan» Vesclavage. D" 
/n-iurni uh h- ji.'itj.le .■"■ni ronruincu i/u'il e»t i;rnl en iiUelligence « 




Clande TiUier als Pamphletist. 371 

Ouiy rhomme qui nous convient, rSpSie le bijoutier opticien; 
c w< moi qui lui foumis des lunettes, et je rSponds qtCil y verra clair, 

Le seid komme qui nous convieime, faxt le marchand de modes; 
ffia femtne m*a bien recommandi de voter pour tut, c^est eile qui 
foumit sa hru de chapeaua. 

Le debitant de tabac objecte que le gros monsieur ne prise ni 
nefume; mais ort lui fait observer qu'il faut etre impartial avant tout. 

Eigentlich würde solchen Leuten ja ganz recht geschehen — 
damit kehrt Tillier zu dem Ausgang der ganzen Erörterung 
zurück — , wenn ihnen aus denselben Motiven, von denen sie bei 
ihren angeblich gemeinnützigen Handlungen sich leiten lassen, 
der Markt genommen und in die Bethlehems -Vorstadt verlegt 
würde. Sie erhielten so eine gute Lektion darüber, dafs in allen 
Dingen das Gesamtinteresse zugleich das wohlverstandene Privat- 
interesse ist. 

DaTs Dupin häufig, und auch mit besonderen Artikeln, be- 
dacht wird, ist selbstverständlich. So im November 1841 für 
verächtliche Bemerkungen über die Presse in seiner Eröffnungs- 
rede der Sitzungen am Kassationshof. Dupin will sie von einem 
Joumalisten gehört haben, doch hat er ihn nicht genannt, und 
Tillier ist geneigt, sie für einen indirekten coup de boiUoir eigener 
Mache zu halten. In demselben Artikel, vom 16. November: 
J/. Dupin, ancien journaliste, bringt er aber auch, nach dem Vor- 
gang der Pariser Zeitimg la Patrie, eigene journalistische Arbeit 
Dupins den Lesern der 'Association* in Erinnerung. Sie gehört 
dem Jahr 1834 an. Dupin war zu jener Zeit der unsichere Kern 
einer unsicheren Parteibildung, des tiers parti, und sein einziger 
Versuch positiver Politik : ein Kabinet, dem zwar nicht er selbst, 
aber sein Bruder Charles angehörte, scheiterte damals schon nach 
drei Tagen so lächerlich, dafs die anderen Witzbolde der Kammer 
ihm endlich einmal nach Herzenslust heimzahlen konnten und 
von der joumie des Dupins sprachen. 

Aber selbst die eigenen Freunde des launischen Redacteurs 
waren vor sanften Rutenstreichen nicht sicher. Clamecy besitzt 
eine öffentliche Bibliothek, wie man sie bei uns in Städten von 
noch nicht 6000 Einwohnern .sicherlich sehr selten antreffen wird. 
Sie wurde zu Tilliers Zeit, am 1. Januar 1842 eröffnet, und der 
Bibliothekar, sein Freund Parent, hatte einen Bericht über die 



372 CUnde lIDIer all PuDpUolM. 

neue Anstalt verfaTst So lange die Bflcherei der Btadt i 
jedermaDD zugänglidi gewesen war — nocli in dem nr 
Artikel über die Yeriegung dea Sbiktes — , hatte T3&K 
spottet, die Stadt braache aadi kernen besonderen Batun fb 
zwei oder drei gro&e Eisten mit etwas Aneoik dimlal 
damit die Batt«n sie nicht ISsen, and ein Kater als Biblüd 
seien vollauf genügend. Nun bekrittelt er ineder die 
Schöpfung und tritt^ hierin ein rechter DnrdiedinitladefDa 
für den YolkBunterriidit auf Kosten der h&heren BQdnng 
Diese Anschauung trSgt; er antdi sonst in ^gnn^ Axtäkdii 
der gewaltsam zum Volkssobulmrister HerabgedrSc^ vcriiei^ 
jetzt den Bachelier.' Und das GefQbl ist auAiehli^ im Lma 
blieb Tillier zeitlebens rän Kind des Ycdkes. lÖt den di 
häufiger werdenden radikalen Wortfflhrem der nnteroi Y 
schichten, die für aidi sdba- niclit nur gebildete^ soadem, 
Marraet und Dupoty, äuiseriich elegante LebenafcRimea veilani 
hatte Tillier gar nichts gem«n. Die Form seiner Kldni^ 
eine eigene Mischung volkemSIsiger und hSherer geistiger 
dürfnisse. 

Diese ihm allein ägene Art^ die sich aadi in sonor 1 




Claude Tillier als Pamphletiat $73 

wJheureux: Frappe plus fort, tu ne lui fais pas assez de mal; 
wds %l faul bien se garder aussi de cette philanthropie inirdeUigente ^ 
i myope qui ne voit rien au-delä de san infortune . . . C'est tou- 
ours du point de tintSret public qu'une queation sociale doü etre 
taminie. In England hat ein Jahrzehnt später auch ein Humo- 
iaif einer der tiefsten, die es giebt, die gleiche Anschauung in 
loch schrofferer Form ausgesprochen. Und auch er gerat bei 
inem Gefängnisbesuch in London^ auf die Vorstellung, wie be- 
la^ch er selber, mit Papier und Tinte allein gelassen und ohne 
fle Störung, an solchem Orte sich befinden würde: 4ch würde 
in Buch schreiben, wie jetzt kein Leser eins von mir zu sehen 
•ekommen wird/ G^en Tilliers Bemühungen ist zu sagen, dals 
er Staat selber schon seit dem 10. Mai 1839 Änderung zu 
ßhaffen begonnen hatte.^ Ghmz im landläufig radikalen Sinne 
)t, was Tillier in dem Artikel der 'Association^ schliefslich sagt, 
m die politischen Gefangenen insgesamt von alledem auszu- 
ehmen: Ce sont les vaincua d'un pouvoir et non des criminels, 
es prisonniers de guen'e et non des ditenus, des soldats auxquels 
n a ötS leurs armes, mais qu*on n*a pu d^grader, Le gouveme^ 
\ent quel qu'il sott, Uur doit la considSraiion qui s'attache ä toutes 
s opinions gSnSreuses. 

In den ernsten politischen Artikeln überhaupt sprechen sich 
ätürlich die gemeinsamen Grundanschauungen der radikalen 
Opposition, wie sie von der hauptstädtischen Parteipresse ver- 
"eten wurden, häufiger und stärker als die Abweichungen aus. 
ie bieten eben darum für die persönlich bezeichnende Charakte- 
stik Claude Tilliers weniger als die humoristisch - politischen 
amphlete des Feuilletons. Auch die durch viele Nummern sich 
trtsetzenden Kampf artikel gegen die Operations du recensement, 
h. g^en die vom Finanzmiuister Humann 1841 in gesetz- 
idriger Form angeordnete Neueinschätzung der Steuerzahler, 
siehe überall in Frankreich erbitterten, in einzelnen Städten bis 
offenem Aufruhr sich steigernden Widerstand fanden, gehen 
i Tillier schliefslich in die burlesk humoristische Form ein. 



^ Philanthropie de goxette, stand vor den letzten beiden Worten noch 
der ersten Form des Romans (^Association* vom lü. Oktober 1Ö42). 
* Carlyle, Latter-Day PampJüets. IL Model Prisons. 
' Tocqueville, (Euvres IX, 299 ff. (Reforme des prisons). 



3T4 Clniide Tillier als PamphletiBt. 

Diis eiue dieMer Pamphlete: Jt miir. itre rtcemf, tst aus dei 
'Association' in die Saaiiuliing der Werke anfgeDommeu. 

Aber eben diese zügellose Augrifialust TilÜers, dereo Er- 
zeugnisse wir heute aus deD erhalteaen Nummern der 'AssodatJon' 
zusaiumensuchen, wurde dem Blatt zum Verderben. Schon üü 
14. Oktober 1841 lesen wir vou einem gegen die Zeitung m- 
geleiteten gerichtlichen Verfahren. Diesmal wurde sie freige- 
sprocheu. Bald darauf {16. November) schied der bisherige 
directeur-gii-aiii aus, und Tilliers Bruder Alezander trat an die 
Stelle. Wir wissen nicht, was den Wechsel herbeiführte; 8iclie^ 
lieh war ea nicht leicht, mit Tillier zusammen zu arbeiten. Am 
20. Juni 1842 finden wir die 'Association' wieder angekhkgt; unJ 
jetzt wird sie wegen verleumderischer Beleidigung zu einer Geld- 
strafe von 3000 fr. verurteilt. Ein Herr Avril, der, wie es 
seheint, in Nevera für Tillier Herrn Paillet ersetzte, hatte eie 
verklagt. Und einen Prozefs, sagt Parent, hätten im Mai dec 
nächsten Jahres die Aktionäre der 'Association' zum äufsereo An- 
laTs genommen, um das Blatt eingehen zu lassen. Vielleii^hl 
war es noch derselbe. 

Diese Verhältuisse klarzul^n, ebenso wie den Anteil Tilüew 
an der 'Association' genau festzustellen, ist bisher uicht möglich 
gewesen, da ein vollständiges Exemplar der Zeitung selbst w 
Nevers nicht erhalten ist. Was sich noch hat auffinden lasaen: 
Juniuummern aus der Zeit von Tilliers Eintritt und das M 
vollständige zweite Halbjahr 1841, dann etwa 45 durch das Jak 
1842 verstreute Nummern, das genügt, wenigstens, um eine Ai 




Kleine Mitteilnngen. 



Zum angelBäohsisohen Krönungseid. 

Das Datum 975/8 mag für die angelsächsische Form des Krö- 
nungseides {Oesetxe der Angelsachsen 8. 214) zutreffen. In diesem 
Falle ist nicht sie, sondern der lateinische Text original. Denn dieser 
Met sich in zwei Pontifikalien vor 975, nämlich dem Leofric missed 
(dort S. 215 als El verglichen, aber falsch um 1050 datiert), einem 
lothringischen oder nordfranzösischen Sakramentar von etwa 925, 
^nd dem Pontificale Lanaletense, von etwa 875 — 925 [freundliche 
Mitteilungen von Herren F. Madan, Bodley's Sublibrarian, bezw. 
B. Loriquet, Conservateur de la bibl. de Ronen], Ja, er würde bis 
750 hinaufdatieren, wenn das sogen. Pontificale Egberti (dort P ge- 
^^Qt), welches aber mindestens 200 Jahre jünger als Egbert ist, 
Qiit Grund 'is said to be a copy of the Pontifical of Egbert of York 
732 — 66'. So vorsichtig urteilt L. G. W. Legg English coronatioti 
^^cords auf p. 3, der p. XXXI aber doch den Eid ins 8. Jahrhun- 
dert hinaufsetzt Er druckt die Krönungsliturgie samt dem Eide 
P- 9 * nach jenem Buche des *9. Century* von Lan (d. h. Kirche) 
Aieth In der Bretagne, einem jetzt nach Saint Malo übertragenen 
ßistum. Dies Buch gehörte später Jumiöges und ist jetzt Ln Reuen 
(A 27). Englischen Ursprung des Textes beweisen in der Litanei 
'^ie Heiligen Birin, Cuthberht, Ercenvald; und auf angelsächsische 
Benutzer deuten *Anglo-Saxou gloßses*. Von letzteren steht eine zu 
^en Ordalformeln (Gesetze S. 405 S wo die Hs. Rj heilst; vgl. 401 ^ 
416. 411*-*). Obwohl [nach Loriquet] die Handschrift fränkische 
Minuskel zeigt, und obwohl die Liturgie [ed. Legg S. 8] Romanum 
^^p&rium als berufen zur Predigt des Evangelium erwähnt, bezweifeln 
die englische Herkunft nicht die (bei Legg nicht genannten) früheren 

* Die Lesarten decken sich fast ganz mit P. Als Liturgie von etwa 
jj066 druckt er p. 15 den Text der Oesetxe, doch aus anderer Hs., der 
^^^ S. 401 Oi genannten. Die Forin des 12. Jahrhunderts, dort S. 215 
*^ Kb, bringt er p. 30 aus dem dort S. 401 Tr genannten Codex. 



87Ö Klane Uitt^lungen. 

Editoren Mabillon (Ann. ord. s. Btned. TV 4^1), MtirUne (iAtfl 
ecd. rit. II 21-1. 232. III 434), Gage {Ärckaeologia 2n [18345 
Weatwood Minialuraa 143, Betlinianii bei Zeumer Formvla« 71Ü(»" ' 
CattaUteneis in Lanal. zu besseru). In der ZeiUtnseUuDg »^htVKukia 
-1025, Und eine gründliche Untersuchting des Band» 



durch PaläographeD, Liturgiker und Angli 
für südeiiglisch, vielleicht aus Winchester. 
come§ from the north of England' 
cartonibus Egberhii Eburacensia aufgeuomi 
Argument. 



.Bten fehlt. Oage hielt ibn 

Legg meint: 'possilii)' A 

dafs f. 176 Skcerplio <fe 

len ist, bildet hierfür kein 

F. Liebermano. 



Angel Häohaischer Froteat gegen deo Cölibat. 

Die Handschrift Cotton Nero A 1, vun Thorpe G genannt, ent- 
hält f. 70—9(1 einen Teil von einer Hand um 1060—80 geschriel«"- 
Vor Homilien (ed. Nopier Wräfelan p. tiö— 76. 130—4) und Ge- 
seUen (meine Oes. d. Ags. 146. 201. 23G. 470. 268. 473) steht Btiiclt- 
weise die Bogen. PoUly, ed. Thorpe Andent laws 422, aber andere ge- 
ordnet: ee folgen c. 2 ff. 11. 19. 23. 13—16. 22. 17. 2ü. 24. Vou 
den starken Abweichungen bemerkt Thorpe nur wenige. So Isute' 
f. 72 V. wie c. 23 mit der aus D citierten Variante. Das Verbot J^ 
Prieaterehe aber ist ausradiert und ersetzt durch die Zeile Hikl tf 
ßcBt prtost him luße deenlicne wimman to gfbeddan. Der Verbewertf 



Kleine Mitteilungen. 877 

> meint er hier Werfriäs Übersetzung. Unter ihren erhaltenen Co- 
ces ist keiner, der Herkunft aus Burton verriete oder gleichzeitig 
e Beda^Übersetzung enthielte. 

Berlin. F. Liebermann. 

Spielleute und Narren im 14./16. Jahrhundert. 

Als die Stadt Leicester 1318 dem Amtmanne ihres Herrn, des 
rafen, eine Mahlzeit gab, zahlte ihr Major an Wade und seinen 
enossen, Spielleute, vier Pfennige. ^ Vielleicht gehörten diese zum 
iflichen Haushalt, wie jedenfalls II niinisiraUi thesaurarii, denen die 
kadt 1307 zwölf Pfennige schenkte.^ Nachdem 1338 die Landwehr 
18 Bürgern gemustert war, trank man auf dem Sonnabend-Markt, 
obei tubantes Spielleute drei Pfennige erhielten. ^ Spielleute des 
rafen beschenkte die Stadt zu seinem Bankett an Himmelfahrt 
ariae,* 1358 zu einem Brautfest. ^ 1374 sind Stadtgaben an Spiel- 
ute des Königs und des Herzogs von Lancaster^* gebucht,^ 1379 
1 solche des Grafen von Warwick und an einen bourdour Yevan 
it Herzogin [Constance von Lancaster] — dieser Narr, bemerkt 
e Hrsg., trug den Walliser Namen für 'Hans' — , 1333 an Richard 
fol domini comitis * [des Urgrofsvaters Heinrichs IV.]. John Gibson, 
nhn Wait, Mountford^ heifsen 1378 Minstrels [wohl des Johann 
)n Grent]. öfter stehen Spielleute neben Boten und Läufern. ^^ 

Berlin. F. Liebermann. 

Zum angelsächsisohen Davidbild. 

Das Bild des Zither spielenden David zwischen zwei Bläsern, 
)er welchen ein Geiger und ein Messer- und Kugelwerfer gemalt 
eben, ist oft faksimiliert, zuletzt bei Wülker Oesch, Engl, Litt, 63. 
ieser liest die Aufschrift über letzterem Jongleur fthan. Gemeint 
t Ethan, den die Bibel unter den Musikern in Davids Kreise aus- 
dehnet Also aus der Vulgata müfste man die wenigen Namen 
■selben Zusammenhanges heranziehen, um die drei anderen, nicht 
inz lesbaren, auf dem Bilde zu erklären. 

Berlin. F. Lieb ermann. 

' Records of Leicester ed. Batcson |vgl. Archiv CVII 108; Mitteil, histor, 
'«.XXX Gl] I 319. * Ebd. '200. ^ Ebd. II 45. * Ebd. 4«. •• Ebd. 109. 
Auch i:^7<;, p. 155; 1879, p. 170 f. "' Ebd. 118. ^ Ebd. 14. '' Ebd. 171. 
Ebd. 154 f. 



Archiv f. n. Sprachen. CIX. 2o 



Benrteilangen nnd kurze Aiizeig:en. 



Briefe aus der Frülizeit der detitschen Philologie an Georg Friwl- 
rich Beiiecke. Mit Anmerkungen begleitet und herausgegeben 
vou Dr. Rudolf Baier. Leipzig. 1901. X, 173 S. 8. 

Die vorliegen 'ie, Borgfältig herausgegebene und IcoiumLiitiertu Samoi- 
lung bat nicht nur für die Qesehichte lier deutschen Phtlolo|^e W*^ 
auch der Littemrhistoriker wird mancliw nu« der Ijcfetüre dOTwIbm |T- 
winnen können. & wird eich freuen, ilem Verttfler einer nltcren «rlirift- 
steUcrischen Epoche in E^chenburg zu begeguen, er wird vor «llrau «iir 
indirekten Cliarakteristik eine' Häuptlinpi der wicht^ten damaligen litx- 



Beurteilungen und kurze Anzeigen. 879 

d »ehr gesund, jugendlich und freundlich ist, ist ganz erstaunt 
hreibt etwas darüber' (vgl. Goethe und die Komantik, hg. von 
ekopf und Walzel I. 8. LVIII, II. S. 321). Ernst Moritz Arndts 
für das Studium über das deutsche Altertum bezeugt ein Brief 
}' vom 28. August 1816. 

r den Germanisten ist diese Frühzeit der deutschen Philologie, in 
le Grammatik und Wörterbuch so Grolsee geleistet wurde, eine 
neut« Quelle der Bewunderung. Vor allem ist jeder einzelne Brief 
inns, der ans Licht kommt (vgl. die neuerdings veröffentlichten 
lu Docen Anz. f. d. A. 28, 143 ff.), ein neues Zeugnis ffir seine 
inermüdliche Arbeitskraft und seine treue Hingabe an seinen Beruf. 
lärfe g^en seine Gegner wird teilweise durch ihren Hochmut und 
ibelehrbarkcit erklärt, teilweise durch seine aufrichtige und demü- 
wrunderung fremden Verdienstes wettgemacht. Aber auch für den 
irtigen Betrieb der Wisf<enschaft ist manches aus diesen Briefen 
en: wenn z. B. Piquet gewufst hätte, dais Lachmanu wege^ des 
?gen8 der französischen Fremdwörter im Erec denselben vor den 
;e8telllt hat, so hätte er es sich vielleicht doch überl^, ihn gerade 
dieses Umstandes hinter denselben einzureihen. 

einzelnen bemerke ich folgendes: Nr. 2 fehlt eine Anmerkung 
e Reisebücher von Barrington. — Über *D. Zays Schrift über das 
er Unglück in der Schweiz*, die J. Grimm hier am 22. September 
rlangt, schreibt er am 7. Oktober (W. Müller, Briefe der Brüder 
^ (frimm an G. F. Benecke S. 20): 'Hingegen brauchen Sie mir 
über Goldau nun gar nicht zu schicken.* Goldau, in der Nähe 
p, wurde nach Müllers Anmerkung am 2. September 1806 ver- 
. — Nr. 4: Da sonst in den Anmerkungen die vollen Titel der 
Tten Bücher citiert werden, hätte ch auch hier geschehen sollen: 
mn Odin og den hcdeniske Gudeläre 1771. R. Jonas, isländ. Gram- 
Koi)enhagen 1651. ^cott, tho niinstrelsy of the scottisch border 
rts, 2. Aufl., E>Hn]>urji^h 1803. Ich entnehme die Titel den Briefen 
. März, 10. April, 5. November 1810 bei Müller. — In Bezug auf 
h V. München hätte auf W. Grimms Deutsche Heldensage Nr. 84 
:jn werden sollen. — S. 7 Z. 12 aber einfach verstehe ich nicht: 
icr ein Lesefehler vorliegen? — Darüber, dafs v(m der Hagen die 
iater zurückbehält, wäre nicht nur auf S. 39 der Müllerschen Briefe, 

vor allem auf 8. 21 derselben in der Anmerkung zu verweisen 
i. — Wer ist 'die DaiiK^', die eine französische Übersetzung von 
veks Geschichte der Poesie ete. ]>esorgen will? — Nr. 10: Über 

Verfahren ^egen Ha «reu*, das W. Grimm hier tadelt, hätte man 
inierkung erwartet. Das Nähere findet man jetzt Anz. f. d. A. 
— Nr. 21, 22 wäre eine Aiinierkiing über Dr. Irving erwünscht. — 
*die beste Handschrift des (icdichtes . . . mit h die wie h aussehen' 
:;utlich; gemeint sind wohl 'mit x- die wie h aussehen'. Nr. 2i>: 
as Gedicht des Konrad von Flelmsdorf findet man Näheres bei 
d, Gesch. d. d. Litt, in d. Schweiz. S. 130, Anm. S. 40. — S. 4i) 

25* 



M,m d.T 


pndu ^r. j 


Sirnfsi- Hi. 


I)iise<l »11 1 


lMi.\ l.y 


l.y 1 ;. w. 


iliw Heiiii' 



IteurteiluTigen und kurze Anietgen. 

II. irit sriiicr Ifaben vielleicht Lesefehler für seinet, obwohl i 

im nicht unerhürt wäre. Nr. i^i würe zu liemcrken, du!» nii 

■ Ori im .\ariraii zu verstehen i^'t. ^ Nr. -lU 1. paarua 8t. fiate. 

ßaclii. — Nr. Irt, Ckflsby l>etrpffeD<l, wüte vor allein auf Dosei 

<>;irii|ihio );<i vi'i'tVL'iscil gewesen (An Ii'lantlio-EngliBh Dtctionl 

thi' Ms. (.-ollci-tions of the late Richard Clcosby, etiltirj^etl aiiil cii 

- II. Vl>:fiiss<>n. Wilh an lulroduction und Life of A. Ch^ 

■. Diisuiii. (Ixloid IS71. pp. LXI—ClVi.—Nr.51: Ober diel 

■ miil Jhri' l);iiierung 8. Willfel 7.*. f. d. Alt. 28, 1 ff. — Nr. ; 

V. 11. I, jifi- st. Jier. A\'ichtit;i.'re Nnchirüge giebt Sieinmi-; 

.Ml. '.''', 1 If.; die melnigeii tmlleu nur da« Interessi' bekuiul 

'b Tf\t und .Vuiuerkuugcu daiikUur genoHscn bähe. 

S. Singer 



Hiielcilf H;iyiii, Ans meinem Leben. EriDDeniDgeD. Aus d« 
• NaiiiliUs iicraiusgogehen. Mit zwei Bilduiseen. Berlin, El.Gae 
ners WTlagsbiicliliandlung, 1902. 303 S. 

Eb isl il.T-B (Tsie Ma\, dafs ein Meister der Biographie seine eigf 
lj.>lien.«';i'.'*chi eilte sclirciiil, weuu man von (ioetbc absieht, den ich d< 
den eigi'iitliclicn Klus.>ikern der biographischen Kunst kaum zuzSb' 
möchte, l'nil iu vollem SIuThc hat sieb Haym alle die Vorteile tu elf 
jreniiieht, die aus der (riänzeuden \'iiriibuug an (Jentit, Varnbagcn, Heni 
lluncker eini-rseii' und aus der intimen Kenntnis deri 'Gc^euFitand 
Ji'hacii. Es ist ein Werk entstanden, das in def Gefidiid 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 381 

aU eine Einzelform der Volkserziehung. Und, wie wir gleich hinzufügen 
wollen, sie ist auch für Haym kaum etwas anderes gewesen. Und so 
fügen sich jene drei zusammen: Poesie, Philosophie, Politik. Es sind 
B^ne grolijen LfCbensintercssen wie es die seiner Helden sind; auch der 
Romantiker. Das politische Interesse der Romantischen Schule mufs ein- 
mal systematisch dargestellt werden; man wird finden, wie mächtig es 
ist nicht nur bei den aktiven Politikern wie Kleist und Arnim (fflr die 
es jetzt eben Steig schön ins Licht gestellt hat) oder Adam Müller und 
Fouqu^, sondern auch bei den latenten Politikern wie Novalis und Hoff- 
mann. 

Worin finden nun jene drei grofsen Tendenzen oder Interessen ihre 
Einheit? Hettner, den man von allen Litterarhistorikern noch am ehe- 
sten mit Haym vergleichen kann — Julian Schmidt oder Gustav Freytag 
stehen trotz äui^erlicher Ähnlichkeiten viel ferner — , Hettner hat eine 
besondere Litteraturgeschichte nicht anerkennen wollen: ihm war sie nur 
ein Zweig der allgemeinen Kunstlehre. Haym scheidet die Werke der 
bildenden Kunst so gut wie die Musik aus, nimmt daffir aber die Politik 
berein, die freilich der leidenschaftlich politisch interessierte Hettner in 
seine Darstellungen auch hineinschmuggelte. Wir dürfen sagen : für Haym 
gieht es ein grolses Gebiet des Interesses: es ist das der Ideenbildung, 
l^ie Lehre von den durch das Wort, durch die Sprache getragenen Künsten 
Jst ihm ein einheitlicher Boden. Um Volkserziehung, um Volksbildung 
im höchsten Sinn handelt es sich überall : aus einem gärenden Chaos will 
die Poesie, will die Philosophie, will die Politik übersichtliche, geordnete, 
Donnale und dennoch individuelle Verhältnisse schaffen. 

Daraus erklärt sich vieles. Daraus die stark praktische Richtung des 
ungemein lebensklugen und lebenstüchtigen Mannes, dem an Schopen- 
bauers Lehre die Abkehr vom praktischen Leben geradezu widerlich war; 
daraus die starke Betonung, die die Kraft der' Sprache erfährt, in der 
^mantischen Schule wie in den Erinnerungen: ist ja doch die Sprache 
das gemeinsame Vehikel jener drei Künste. 

Nun beachte man dies. Weil Haym ein Kunstwerk geben will, 
'schliefst er in einem bestimmten Moment. Ist es der, wo der Philosoph 
fertig ist? Haym ist kaum je weit über den grofsen Artikel * Philosophie*, 
diese Prachtleiche der Ersch und Grubersohen Katakomben, fortgeschritten. 
J*t es der, wo der Litterarhistoriker gereift ivst? Aber der *Geutz' zeigt 
*chon ganz dieselbe Methode wie die in unserem Buch nicht mehr er- 
mähnte Romantische Schule. Es ist der Moment, wo der Politiker seinen 
definitiven Standpunkt errungen hat: wo der * Altliberale* sich endgültig 
'n den 'Nationalliberalen' verwandelt hat ! Ein politischer Klageruf schlielat 
da« Werk. — Möglich, dafs er es doch noch weiter gefuhrt hätte. Den- 
noch wäre die politifiche Erziehung die Hauptsache geblieben. Dafür ist 
etwas anderes Beweis genug: die rührende, überschwengliche Dankbarkeit 
'ör seinen politischen Erzieher, die die Erinnerungen atmen. Keiner seiner 
moderen Lehrer nimmt entfernt nur den Platz in seiner Auto])iügraphie 
^^0 wie Max Duncker. 



iiviirli 



luugeu und kurze Aazfigen 



1 d ut 
Pitt 



I V f;, b Ues M erkes n ht g k t so gi b 
u T ) It Haym Bchüd t, w de deuts h L ttertiur 
I gl h ) Phl ph d ü te h (u d u paiBcbe} 
1 Ute. Und WH Cd d Stuf f Ig ee o lot«r 

t l \ fa.se de E nant hen S h ! und dia 
R I If IIa;iD 



d b 



b d b=s 



B b h b \b H 



11 t 


hat t 1 


i a 1 


P es al li eng te B hatig gsf rm j« » 


e f 


1 \ 


halt 


Mahn nd Ileen aohaffendet] Tn be 


^ 


1 - D 


k 


tf Ih [>chd lafe d Dg naeiff 


Jug 


1 1) hte 


1 


hn unm tt Ib w kt q hat er wed aus w er 


1 ra 


1 h n k 


t chuft h au u Z t n Ji en Ja 




H tt ( 


Ltf e.1 k 11 g t ff D hati I ib tark a pb 1 


ph 


b M It 

(. 1 i 


hat 

1 


1 w e n t 1 b 1 n k. aften au ema deit 
b D Chi b d n u kämpfe m t d n. 


R l 


1 


11 


F u 1 h bt auf und S h penhau p ht 

1 t, d da rud Bf^ ut Dg nea nnicbati 








bJT 


1 




b G t«8ge* hl hte — U d gar d Politik 


181!* 


' 




11 k d Reakt d u 1 B uar k All» u-T 
p m t P 1 k m Ha mann dich 
in s, hD t l P ul k h d J t, i 


) b 


1 1 


1 


1 1 - t e^ \\ d i r da pobtiseh 




BeurteiluDgen und kurze Anzeigen. d8S 

lielten wir ein Meisterwerk, das überall wahr und deshalb über- 

(ant ist; in fein abgetönter schlichter Bede ein Stfick Lebens- 

und zugleich ein Stück deutscher Geistesgeschichte; in der 

Schilderung eines grofsen deutschen Gelehrten und Künstlers 

Q Muster und Vorbild für die Kunst der Autobiographie. 

Richard M. Meyer. 

aghel, Die deutsche Sprache. 2. neubearbeitete Auflage. 
I, Leipzig und Prag, Tempsky und Freytag, 1902. 
, 370 S. kl. 8». Preis gebunden M. 3.60. (Das 
en der Gegenwart. Deutsche üniversalbibliothek für 
Idcte. 54. Band.) 

rundcrt sich, daf^ von Behaghels schönem Buche, das 1886 zum 
ausgegeben wurde, erst jetzt eine zweite Auflage nötig geworden 
'0 Bücher und Büchlein dieser Gattung kommen immer wieder 
i. so dafs den Verfassern angeblich keine Zeit bleibt, ihre Arbeit 
chzunehmen. An wahrem Erfolg sind jedoch meines Erachtens 
liuter Bohaghels Buch zurückgeblieben, denn diese Schrift hat 
?, dafs der Verfasser aus dem Vollen schöpft, den Stoff be- 
nd mit glücklicher Darstellungsgabe auch dem weniger Vor- 
mundgerecht zu machen weL&, und vor allem : das Buch weckt 
Verständnis für wissenschaftliche Fragen auch Achtung vor 
ischaft und verhütet, daß? der Benutzer sich mit Wenigem zu- 
bt; wenn es sich um wissenschaftliche Fragen handelt. Diese» 
3n Einflufe des Buches Behaghels habe ich seit Jahren beobachten 
n Studierenden der Mittel- und Hochschulen sowohl wie an 
llehrern. Für solche Kreise kann das Werk nicht genug em- 
?rden, und die neue Anflage, welche durch die Überarbeitung 
ipitel ^ und dunrh die Aufnahme neuer (wie des beachtenswerten 
ä über die deutsche Wortbildung S. 252 — 294) um mehr ab 
1 vermehrt worden ist, verdient überall Eingang, wo man sich 
utschen J^prache beschäftigt. Ein ausfi'üirliches Verzeichnis der 
en Wörter und sprachlichen Erscheinungen erleichtert die Be- 
esentlicb. 
uck. J. Schatz. 

es iüt auch stehen gehlichen, was eine lieascrung vordient hätte; üu 
schnitt über PerönniMiuauien die Deutung der aUhochdoutschen Zusam- 
n wohl etwas vorsichtiger i^cgj-hcn werden können, damit ja keine 
elilste »erweckt wi'rdeii. Statt Notburga und Sigelinde wäre Notburg 
I zu sclireiben oder doch die Ki<;cnh<'it zu verzeichnen, dafs wir viele 
bVauonnamen im Au»l:iut mit (>iiiem Vokal behängen nach dem Muster 
her Frauennamen un<l unter luteinischem Einflufj«. Sigoliud ist doch 
schlänge. Namen wi«« .ItirgtT und Ilanser erklärt B. jetzt bestimmt 
es Jörg, des llaiis, wie w das schon in drr Zeitschrit'c fllr deutsche 
ng 1, 64 berührte. Ich kann solclic Namen nur als Hausnamen er* 
jer ist der Inhalier dra .Jorj^anwe.**en8. 



^84 Beurteilungen und kurxe Anzeigen. 

l'ricdricli KiiiiffmauD, Deutsche Gruiumittik. Kurzgefalste Laut- 
und Foniieulelire des Gutischen, Alt-, Mittel- uiid Neu- 
hiR'hdciit^chen. S. Aufl^e. Marburg, Elwert, 1902. VIU, 
110 S. M. 2.10. 

/.Hill ilrittfnmal seit ISflÜ wird Kauffnianna Grammatik, die aus ma 
Iliaib.-itunjr dis 1. Teilea der Vilmariai^hen Oramiiiatik her\'org^aiigfa 
ift, nun au,-^];CL't-licri, ein Zeiciien, dafa sie ihrem Zwecke vollkomraeo 
sprichl: ilon Lt'hramtBkaiididatcn als Leitfaden und Wiederholang für 
das t<tudiuni der ih-uluclien Sprach ^«chichce x\i dienen. In knappEiet 
Furni sind im AiiBchlufH an die Darstellung dea urgermaniseheu Laut- 
stände? die A'okuie, Koiisnnanieii und Flexion averhältniaae der deulsohen 
Sjiradi Perioden behiuidclt, de^' GotiBcheu (ols Vertreters den Germani- 
schen), lies All-, -Mittel- und Nen hochdeutschen. Die neue Auflage ist 
gegen ii her der früheren nicht weeentlich geändert, zeigt aber in niuht 
n-i-ni)9\n Abschnitten ilie naclibcHBernde Hand des Verfassers. Maocbe 
Punkti' wünnehti" man schfirfer gcfafet und auch im Balinien, den dT 
Verfasser seiner Arbeit gegeben hat, deutlicher dargestellt. Ana dem in 
S 40'i Gesagten clürfte ein Anfänger nieht klar werden, wie es sii 
mit dpr Verschiebung des gprm. k im Huchdeutechen verhält, dafe ein 
Untersuhieil liesleho z\viBchen aiidolierdeittseh und uordoberdeutscb (mit 
dem ndlteldHilHcbeu), dnfs im Südohd. in Teilen des Alein. der ReibcUui 
herrscht, in andern und im Siidbair. (nicht nur in Tirol) die Affrikala, 
L'iirichtiir it-l f^, vn im ü lOf gesagt ivini, genn. ij sei im Bair. im .^uslnui 




BeurteiluDgeD und kurze Anzeigen. 385 

id der hochdeutschen Schriftsprache, uiid es war nun eine Überraschung 
r ihn, zu sehen, dafä sich dieser Kampf unter denselben Bedingungen, 
it denselben Etappen und auch mit gleichen Aussichten vollzieht wie 
. der Schweiz. Die jetzt erreichte Etappe aber steht in der Mitte zwi- 
iben der in der französischen Schweiz, wo der Kampf schon zu Gunsten 
er Schriftsprache so gut wie entschieden ist, und der in der deutschen 
chwciz, wo der Kampf erst anhebt. Noch lernen die Dorfkinder auch 
ei UHB das Hochdeutsche erst in der Schule; aber die Städte sind für 
as Hochdeutsche gewonnen. Er wäre undenkbar, dals Bauern unter sich 
ochdeutsch sprächen ; aber der Prediger, der Arzt, der Rechtsanwalt, der 
•icbtcr braucht nicht mehr in der heimischen Mundart zu sprechen, um 
'ertrauen zu gewinnen oder sich verständlich zu machen! Der Bauer 
priclit von vornherein hochdeutsch mit ihm, schon um ihm zu zeigen, 
als er es kann. Aber ich glaube doch, unsere Bauern halten es noch ein 
aar Jahrhunderte aus, und so meine ich denn auch, dals Tappolet die 
•age des 'Schweizerdeutsch' doch etwas zu schwarz ansieht. Der Kampf 
ird länger währen, als er annimmt! Der Zustand in meiner nieder- 
eutschen Heimat ist das Ergebnis eines dreihundertjährigen Kampfes, 
nd die Stellung des Schweizerdeutsch ist ja ersichtlich noch ungeheuer 
tark. Wohl werden zuerst die Städte hochdeutsch werden, allen voran 
'ürich: damit ist aber nicht gesagt, dafs 'die Landbevölkerung nicht werde 
urückbleiben wollen' (S. 36). Bei uns sprechen die mafsgebenden Kreise 
1 den Städten schon längst hochdeutsch. Dieses Hochdeutsch Cibt wohl 
inen gewissen Einflufs auf das Platt der umliegenden Dörfer aus (z. B. 
Ird 8 vor 1, m, n, w, t, p allmählich zu seh), aber von einer Verdrän- 
ung des Platt ist bisher nichts zu merken. Die letztere Thatsache bringt 
lieh auf eine weitere Einschränkung der Auffassung Tappolets. Er sagt 
5. 25 u. 29), die deutschen Mundarten der Schweiz gingen quantitativ 
nd qualitativ zurück, quantitativ, indem die Zahl der Dialektsprechenden 
Bd der Gelegenheiten zum Dialektsprechen zu Gunsten des Hochdeut- 
t^ben abnehme, qualitativ, indem der Dialekt an Eigentümlichkeit verliere 
nd dem Hochdeutschen angeglichen werde. Die beiden berührten Sprach- 
rozesse dürfen m. E. durchaus nicht als gleichwirkcnde Kräfte zusam- 
mengestellt werden. Die Aufnahme fremder Bestandteile ist an und für 
ich noch keine Ursache für den Untergang eines Dialektes. Das Nieder- 
eutsche hat seit Jahrhunderten eine Fülle von Lauten und Wörtern aus 
em Hochdeutschen entlehnt: sie sind eingeplattdeutscht worden und 
*ben die innere Struktur der 8j)raclie gar nicht verändert. Das HoUän- 
^che hat eine grofse Fülle französischer Elemente in sich aufgenommen 
nd ißt doch eine Schriftsprache geworden. Was eine Sprache an fremden 
^tandteilen verdauen kann, ohne die Fähigkeit zu verlieren, eine blü- 
'^de Kultursprache zu werden, zei«>:t das Knpjlische. Nein, die (Jonioin- 
prache hat nur da gesiegt, wo sie an die Stelle der Mnndart tritt. 

Das thutsieja nun, wieTappolot zeigt, auch in der deutschen t^chweiz 
^ zunehmendem Mafse, und so meine auch ich, dafs sie einst bei glcich- 
'Jcibenden politischen V^erhältniriscn den Sieg davontragen wird; aber erst 



:'.t:<ii lleurldlungcD udO kurze AnteigeD. 

'einst'. UiiU uucli (lariD Htitnmc ith Tapitolet aus voller Obei 
7M : <l:iK Ktirlcrgi'biiiB winl ak-ht die reine Schriftiiprache seiii, 
ririlich {K-filrljtcH i^chn-eizer Hochdeulach. Treffliche Männer hi 
AiiMwci; iler r><j|>[iel)(|irachigkeit befürivortet. So scheint O. von 
'eine Alleren ziiiig tirr Gebiete de» iimmlartlichen und scliriftapn 
AufdnK'ki' dns sicherste Mittel zur Vermeidung einer zwitterhafU 
s[irni-he" iTappolet, y. 37). Und ein anderer Sohn der SchireiE, ih 
Uli treuer Aiiliiiiiglichkcit an Keine Heimat, A. Tobler, indnt ebo 
'eine bcKtiiiiniterc Scheidung zwischen der gemeinsamen Sprache 
liild''tcü Deiitsehen und der örtlichen Mundarten, eine entschlos 
f-igiiuTiif dir (THtereii . . ., und andererseits ein gleichzeitiges, ebensc 
l'V^thaltrii cicr letzteren mit allen ihren lokalen Uesondcrheiten 
leielit am ehesten noch die Gefahr lieachwören könnte' (Herrigs A 
}<. 'I'i.'ij. Teil glaube nber mit Tapjiolet, doTs es stets ein Von 
(iobildcten bleiben wird, ein lautlich und idiomiitisch gutes De 
reilen. I^t es doch »elbst in Berlin so. Man soll doch ja nicht 
diifs du« 'l>eutsch' der breiten Volksmassen in Berlin venlorboQi 
denlseli *c\. Verdorbene« H<H'hdcutech ist m. ¥,. nicht einmal < 
lierühinten jut JehralfHcn jatis. Dieses / i^t eine Krbsehaft aus 
ilräii^en Niederdeutschen nie das t in del, das, das k in iek, ich, 
r in iimr. Nase: Uerlin liegt eben in dem Gebiet des Niederd' 
•hii <i luiitiiesetzlieh zu j gewandelt hat. 

h-li b.'itte Miirb m.inebcrlci v.m sagen. leli nill mich beeehrSi 
iliiDinf hinweisen, dals uuf^er clcn Vertretern des I 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 587 

motive. Da aber D. seine Zukunftsprache nicht auf die vorhandenen 
NatioDalsprachen aufbauen will, wie die 'Kompromifssprachen' von Schleyer 
etc. (8. 64), sondern auf die 'Denkrichtigkeit^ so hätte die Arbeit eigent- 
lich die Psychologie zu leisten. Hier aber steckt's eben. Principiell ist 
gewils das der richtige Standpunkt ; wenn man überhaupt eine internatio- 
nale Sprache will, muls man sie über den gegebenen Sprachen aus der 
liOgik heraus aufbauen. Die Zeichen müssen dann etwa denen der Stoicho- 
j metrie ähneln, wie D. (S. 83 f.) das erstrebt, und soll gesprochen werden, 
I muls gewils die Grundformel gelten: 'für sachlich verwandte Begriffs- 
I gruppen klanglich verwandte Wörtergruppen' (S. 27). Aber vergleicht 
' man den Entwurf mit einem von den gleichen Principien ausgehenden 
i älteren, wie etwa dem des Bischöfe Wilkins, so sieht man recht, wie tief 
I die Idee der Weltsprache gesunken ist. Damals eine grolsartige, wenn 
auch undurchführbare Conception; heute ein kümmerliches Dasein. Man 
i. sehe sich nur die B^riffssuffixe (S. 87) an : welch kümmerliches Hinein- 
tappen in den sprachlichen Vorrat ohne jedes höhere logische Princip! 

Vom praktischen Gresichtspunkt aus scheinen uns unsere Zahlworte 
ünmer noch viel besser als die so bequem zu verwechselnden tax und tox, 
^; und tqj (S. 52) der Tabelle D.s; oder gar unsere Stammsilben als die 
mit eit und aü differenzierten 'klaren Formen' (S. 85). Ehe man an die 
't^yatematische Ausnutzung der Vokale und Konsonanten' (S. ^) geht, 
mula man doch wohl diese rein empirischen Begriffe auf eine höhere Ein- 
hdt, phonetisch oder historisch-national, reduzieren. Kurz — der 'Idealist', 
dessen Eifer uns freut, hat noch recht viel zu thun, ehe er von seinem 
'Aufbau' zum 'Ausbau' kommen darf — wenn das je geschieht. 

Berlin. Richard M. Meyer. 

The Genuan and Swiss settlemeuts of colonial Pennsylvaüla : 
a study of the so-called Pennsylvania Dutch, by Oscar 
Kuhöfl. New York, Henry Holt and Company, 1901. 8"". 
Vm and 268 pp. 

Die deutsche Auswanderungslust nach Amerika ist immer grofs ge- 
^'^en, aber meistens haben sich die Deutschen unter der anderen Be- 
^'^>lkerung der neuen Heimat zerstreut und ho ihr Volkstum bald fast 
gänzlich verloren. Doch in einem Teile der Vereinigten Staaten war dies 
laicht der P'all, und obwohl die deutsche Kolonie in dieser Gegend (meist 
^^ Staate Pennsylvanien gelegen) schon seit zwei Jahrhunderten existiert 
I^J^ben die Nachkommen der ersten Einwanderer doch noch so ziemlich 
>nrc Sprache und Sitte bewalirt erhalten. Dr. Oscar Kuhns, Professor 
^ur Romanische Sprachen in «ler Wesleyan Univcrsity, Middletown, Conn., 
^^öört selbst zu dieser isolierten doutschen Kolonie, da sein Familienname 
'^'i^ns ursprünglich Kuntz lautete und sich nur mit der Zeit unter dem 
"^^Dflufg ^Qf^ Englischen so verändert hat. 

Der Dreiüsigjährige Krieg hatte solch unerhörte Verwüstung in man- 
chen Teilen von Deutschland verursacht, dafs Hauern und Leute mittlerer 



'■'■>i^ Itcurt ei hingen und kune Anzeigen. 

\'iilk-srliicliifii du imd ilort in der Vcreweiflung Buswnndertcn. Die« «M 
in:.iinilers in der Rheiupfaii di-r KhII, Dazu kamen noch die religiüea 
Uiirulieii iij der ^cliwcix. Oau/c Familien zogen nacb PeunBflvanieu. 

Siiier.'-t liiittcn t^ie i^rblimme Zeiten durclizumachen; aber der Bodn 
war KU friithtbar, und der Fleilk dieser wackeren Leute und ihre Kullur- 
keiiliM)u<c waren so grofH, dafs die eheninia armeu Dauern sehi bald n 
n-tiidbniienden Ijaiiddgcntiiinem wurden. Von Deuteehland aus hatleo 
nie zugleich piiie *tjirke iiietistisch- religiÜBC Gealununf; mit in die neue 
[leiniat gebracht, und die»^er EiDflufH war no dauernd, dafe heutzutage 
nneh die lutlieridclieii liiiiI reformierten Kirchen miteomt mehreren Vtr- 
/wci(;iinj,'en da« piiize Volk in dieser Gegend behcrrechen, ja noch Pasto- 
ri'M in alle niiiliegendeii t^taaten entsenden. 

fni /.u!^animeidiani;e mit dem Buche des Prof. Kuhns mag hier auA 
■ lii' zweit!' grofsc deiit:ielie Auswanderung nach den Vereinigten Staatni 
iTwüliiit ivcrdfii, die durch den politischen Sturm von ISJS vcnirsachl 
wtir'U'. In die^c Kbume j^ebiirt der Referent scibat, als Nachkomme eiDci' 
Aii-iviinili.TiTs, iLiid küuntc von ho nianclicm iiersöulich Erlebten Aufscblufe 
•fi-U'ii. Der f>(roni ging diesmal in viele Gegenden, t. lt. auch iu den 
rnikreii vi>ti Italtiinorc. Die Deutschen gründeten llherall Kirclicn, und 
zwar sind mich die kathoh'sclien Abkiimmhngo vielfach vorhanden, wv 
lii-i der cr.-len AuKwandcrung ni<'ht der Fall war. Ihre deutsche Mutter- 
-jirnflie hat in den wenigen Jahrzehnten »cliim ziemliche Verluste erlilt«i 
und diis i:n;;li''i'he ;:-'wiiin( MK-h die Überhand. Als tyiiisches licisj'if' 
" m^- der folgende 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 889 

erzon. Die judisch-deutsche Sprache. Eine grammatisch* 
kaiische Untersuchung ihres deutschen Grundbestandes, 
akfurt a. M., J. Kauf f mann, 1902. 134 S. 8^ M. 2.50. 

Gegenstand dieser Arbeit über das Judendeutsch bildet die 
ler Juden in Rufsland, die der Verfasser lediglich nur aus der 

und aus Mitteilungen jüdischer Studenten aus Ruisland kennen 
lt. Er behandelt nach dem üblichen Schema Laut- und Flexions- 
in auch Wortbildung und Syntax und in vier Gruppen den 
bz des Judendeutsch, hier hauptsächlich Wörter, die dem Ver- 
onderheiten aufzuweisen schienen. Soweit man, ohne die Sprache 

kennen, da ein Urteil fällen kann, scheint mir die Arbeit mit 
l nicht ohne Erfolg durchgeführt, und Fachgenossen werden das 
;ebenen Falles dankbar benutzen. Der Verfasser glaubt nach 
richtigen Erscheinungen der lautlichen Entwicklung (wie die 
ebung) Ostmitteldeutschland als die Heimat des Jüdischdeutschen 

zu können. Auf eine eingehendere Behandlung mundartlicher 
at er sich nicht eingelassen; schliefslich ist ja auch die genaue 
lung einer Mundart, die man nur aus zweiter Hand kennt, nicht 
em Ohr geliört hat, eine mifsliche Saclie. 
)ruck. J. Schatz. 

Friedmann, Gramraatica tedesca con esercizi, letture e 
abolario etimologico. Secouda edizione. Torino, Löscher, 
2. 333 S. 

erste Auflage dieses Buches wurde von der Kritik günstig be- 
und nach sechs Jahren ist bereits eine zweite Auflage nötig 
Ein Erfolg, der Bücliern dieser Art nur selten zu teil wird, 
er That behandelt Dr. Friedmann die Grammatik mit grofeer 
wenn man von modernen Forderungen abstrahiert; die Fassung 
n int klar, wenn auch etwas gedrängt; der Druck unterscheidet 
zwischen dem, was zu einem Elementarkursus gehört, und dem, 
orgesclirittenere Schüler noch zu lernen hat. Die vielen Übungen 
ichtig abgestuft und streben nach interessantem Inhalt; endlich 
Vokabular sowie im Texte dem Wifsbegierigeu viel Etymologi- 
l Anziehendes geboten. Das Buch ist ein originelles und töch- 
npendium der Grammatik lür Schule und Privatgebrauch, wie 
loch vor zwanzig Jahren aul'fafste. 

denn aber Herr Dr. Fr. von den neuen Methoden und von der 
ng, die auf dem (iebiete des .Sprachunterrichts stattgefunden, 
a gehört? Oder, falls er davon etwas weifs, glaubt er etwa, 
nc die Ideen von Männern wie Victor, Stonn, Beyer ii. a. ein- 
Stillschweigen übergehen ? Die Hegeln über die Aussprache 
sehen, verglichen mit der des Italien ischen, nehmen bei ihm 
ii Seiten ein, die Betonung eine! Ich habe an der Universität 




8WI Beil rtdlun gen nml kurw An«pipiii. 



in Rom Kwei JiUire lang lieiituclien Untami^lil erteilt, da illr HoifMg«««' 
Studenten ee lebhaft wiiDBchten; imd meine Errahning geht dahio, dw 
il[e plioDelische E^inübujig Die fleifsig genug hetriebon n-crdon kamt; oi 
drei Seiten trockener Regeln erreicht man beim Italiener noch luige keii 
richligee Uentseb. 

Mit Seite 5 werden bordt«, in rein abslraklef Weise, die DeklüiatJann 
ii) A-ngriff genoinmea, mit all ihren AiisnahineD ; dabei treten Ung^ Keiha 
von Wörtern auf, unter dieeen : Gruft, Zuiift, Bürgi?, Laie, Ra^pc, fioi 
Geck, Hagestolz. Mit Recht Rcblielet die ueue Methode im Anfniif.-* 
Unterricht solche Wörter aue, die der Schüler lange kdne Gel(geoh*i 
haben n-ird, praktiMth tu verwerten; das iet reiner B^liut, keiue lebi'ndii! 
Sprache. — 8. ISO beginnen die Ohungen, wo Version und Thema tv(<^ 
mäfaig abiiechseln. nach klassischer Vorschrift : 'pas ü pas, oAte i cbu 
— Ckunnie s'en vont \m yere claesiques et Ice boenEs.' Dafe die Uba 
Setzung von der UuttersprHche in die Fremdaprache «ii witrsubendB 
geradezu getährlichet' Exercitium ist, daa hallen andere bereit» an »lii'i 
und so klnr naehire wiesen, doTs ich einfach die Seelenruhe ttewaiul'T 
raufe, mit der Herr Dr. F. in der Routine weiterfährt. 

Wie gut es auch gemeint seiu mag, scheint mir ebunfalls das Vit^ 
lei dieser Graoiniatik ein methodischer Fehler lu seiu. Wa« f&r BchHl« 
h&t ägcntlich dtT Autor im Auge? Wenn er au Anf&ngpr denkt, i 
überwiegt die Gniramatik viel zu sehr die Phonetik; trenn an Be« 
Bchüler, so wirkt der beinahe gelehrt« Apparat abschreckend; wenn » 
künftige Germanisten, so ist wiederum eine gute Hälfte des Bucln 



Beurteilungen und kurze Anzeigen. 391 

Wissen an ein Buch vergeudet hat, welches in seiner ganzen Methode 
dem Geiste unserer Zeit und den Bedürfnissen der italienischen Schule 
gar nicht mehr entspricht. 

Zürich. E. Bovet. 

Jahrmarktsfest zu Plundersweilem. Entstehungs- und Böhnen- 
geschichte von Max Herrmann. Nebst einer kritischen Aus- 
gabe des Spiels und ungedruckten Versen Goethes, sowie 
Bildern und Notenbeilagen. Berlin, Weidmannsche Buch- 
handlung, 1900. Vm, 293 8. M. 8.—. 

Oft mufsten wir in den letzten Jahren hören, daüs die philologisch- 
liifltorische Methode dem Kunstwerke und künstlerischen Schaffen gegen- 
über eigentlich versage; man verlangt dafür nach stärkerer Berücksichti- 
gung der dichterischen Psychologie und nach intimer Beobachtung der 
Wirkungen und Beize des Gebildes. Ich glaube, dafs solchen Forderungen 
die allgemeingültige Berechtigung fehlt; in den besten Lieistungen philo- 
logischer litteraturwissenschaft ist eine gesunde Psychologie und Ästhetik 
bisher nicht zu kurz gekommen. Immerhin verdient es erhöhte Aufmerk- 
samkeit, wenn ein zünftiger Litterarhistoriker versucht, ein Beispiel ver- 
tiefter und verfeinerter Methode aufzustellen. Ein solches ist Herrmanns 
Buch über Goethes 'Jahrmarktsfest zu Plundersweilem^; es möchte, 'wenn 
auch mit philologischen Mitteln, so doch auf eine vom Herkömmlichen 
^elfach abweichende Art so tief wie möglich in die Seele des jungen 
Goethe hineinleuchten.' 

Die Untersuchung weist treffliche Eigenschaften auf: rastlosen und 
umsichtigen Spüreifer in der Herbeischaffung des zerstreuten und ver- 
schiedenartigen Materials, das aus Litteratur- und Theater-, wie aus Kunst- 
und Kulturgeschichte geschöpft und dem engeren Gegenstände des Buches 
dienstbar gemacht wird; einen nie versagenden Scharfsinn, eine weit- 
gehende Fähigkeit des Kombinierens und Ai^deutens; eine bestechende 
l^ialektik, die sich einem eindringlichen und bewegten Stile gesellt; schliel's- 
lich eine peinliche Genauigkeit des äulseren Gewandes, philologische Akribie 
»ni guten Sinne. 

Und doch möchte ich der Wissenschaft als solcher, so hoch ich die 
Anregung einschätze, nicht den Weg wünschen, den Ilerrmann eingeschla- 
gen hat Dafür ist der gröfste Teil des hier errichteten Gebäudes, wie 
"*'>• scheinen will, doch zu wenig dauerhaft. Freilich Herrmann selbst 
^t (S. 2) über den 'Fluch aller wissenschaftlichen Arbeit, dafs sie den 
otoff nicht für die Ewigkeit, sondern günstigenfalls nur für die Erkeunt- 
öisbedürfnisse einer bestimmten Zeit ins rechte Licht rückt' Es ist leider 
in der Wirklichkeit häufig so, aber das ideale Ziel mufs für uns doch 
'^ohl noch immer die Feststellung einer bleibenden Wahrheit innerhalb der 
Anisendinge und unseres Erkenntnisvermögens sein. Von ihr sagt Goethe: 
'Nichts ist grofs als die Walirheit, und die kleinste Wahrheit ist grofs.* 

Herrmanns ganze Studie wird von einer Grundanschauung getragen, 



392 Beurteilung«! und kuree Ancrigen. 

dn.i ist ii-iiir Auffnüxung von der 't'^onception' des 'Jahrmarktsfcfl 
(JoeUien Hcfile. ^jl ist notwendig, Hcrmianng Dant^ung hier bb 
Eiii/t'llieiten tintliziigehen ; nicht nur wie aie das erete Kapitel: 't 
Unriiüteii' enthiLlt, HOndern auch in ihrer Verknüpfung mit den t 
Ahsclinitten <lea Huchca. 

Zncifellos iüt die Frage nach dem Conceptionihergang« fQi c 
kciLiitnis diuiiteri Hellen Schaffens die malsgebende. Ks iet ein Ve 
lIcrrmimiiH, siu tiier gestellt und mit strenger Konsequenz verfc 
lüiben. riewifs darf man nicht einwenden, das 'Jahrmarktsfeat' i 
corpus vilc. Für jene Zeit junggoethischer Entwickelung, da es en 
iüt jeile Keile von Belang; es wird sieh zeigen, wie H. dem 'Schi 
spiel' auch eine typii^che lledeutsnmkeic zu verleiheu bemüht ist. 

lu dem grofseD Cianzen der Dielituiig sucht H. zunächst eine 
nannte ■«.'onceptionsstelle' ausrindig tu machen; er vermag die 
KnsBung nicht al^ Werk auf einem Gusse zu betrachten. Mit Or 
denen frcilidi diis Zwingende fehlt — man erinnert sich einzelner! 
raente der I''au»tfiirHchung — , tritt il. als Chorizonte zunSclut 
l'artion des Sifiokes auf. Die erste wird gebildet durch die vierli 
lteini|iiijirgrnpj)en ' V. 1—32 (Gespriich zwischen Doktor und Markt« 
nebst der absc-hliel'seiidcn Meldung des Bedienten) und V. 15ti— 283 (1 
spiel und ZwischengeBpräcbc). Der derben, massigen Manier ( 
Estherspiel gi|>felnde]i Partien steht die 'zarte Filigranarbeit' der i 
'IVile lies Stückes gegenüber. 'Dort ein Iciclites Andeuten, ein 
\'orülicrhuschen ; liier scharfe und kräftige Striche und ein behn 




BeurteiluDgen und kurze Anzeigen. 393 

'Prolog* her, dem Goethe in dem 1774 erschienenen Bändchen 'Neueröff- 
netes moralisch- politisches Puppenspiel', das der Reihe nach 'Künstlers 
Erdenwallen', das 'Jahrmarktsfest', den 'Pater Brey' enthält, die erste 
Stelle anwies. Herrmann setzt diesen Prolog in eine innere Verbindung 
mit dem 'Jahrmarktsfest' — weil Goethe ihn 1789 im achten Bande der 
geBammelten Schriften dem 'Jahrmarktsfest' unmittelbar vorangeschickt 
'ood somit die künstlerische Zusammengehörigkeit zu einer der Abfassung 
noch nicht zu fem gelegenen Zeit selbst betont' hat. H. selbst hat in 
seiner Einleitung scharf die Forderung präcisiert, dafs bei der Erklärung 
eines Goethischen Jugendwerkes nur von dem Material ausgegangen 
werde, das das Werk selbst und die seiner Entstehung gleichzeitigen bio- 
graphischen Hilfsdokumente liefern; er bemüht sich sodann selber nach- 
zuweisen, daifl Goethe bereits 1778 in der Theaterbearbeitung die *Guck- 
^tenhaftigkeit' des Originals bedenklich angetastet hat (S. 175) und dem 
vermeintlichen Sinne des Werkes später noch immer fremder geworden 
i^t (vgl. S. 200). Mir scheint es danach methodisch nicht angebracht 
und, wie die Dinge hier liegen, nicht einmal widerspruchslos zu sein, aus 
der späteren Aufeinanderfolge beider Dichtungen, wofür sich manche 
andere Kombinationen beibringen liefsen, Rückschlüsse auf die ursprüng- 
liche Einheit zu wagen. Dafs der Prolog mindestens ein Jahr nach dem 
Schönbartspiele entstand, sei schon hier erwähnt.* 
Dieser Prolog nun enthält V. 5 — 6 die Worte: 

Ach schau sie guck sie komm herbey! 
Der Pabst und Kaiser und Clerisei! 

-- eine Aufforderung des Guckkasten man ues, seine Herrlichkeiten näher- 
^tend sich anzusehen. Wie führt von hier aus die Brücke zum *Jahr- 
•Darktsfeste' ? Vorausgesetzt, dafs wirklich der Prolog als Ganzes ur- 
sprünglich mit dem 'Jahrmarktsfeste' etwas zu thun hätte, so können 
<loch diese Zeilen — das wird noch deutlicher werden — nur auf den 
inhalt des Prologs bezogen werden und nicht, aus dem Zusammenhange 
S^öet, auf eine längst geschriebene andere Dichtung. Aber, sagt Herr- 
oiann, schon in einem Briefe an Engelmann vom 10. September 1770 
schreibt Groethe aus Strafsburg: 'Jeder hat doch seine Reihe in der Welt 
^e im Schönerraritäten kästen. Ist der Kayser mit der Armee vorüber- 
gezogen. Schau sie. Guck sie, da kommt sich die Pnbst mit seine Kleri- 
*cy'. Und die Folgerung: 'bis nach Strafsburg zurück haben wir den 
ersten Keim des späteren »Jahrmarktsfestes« zurückzuvcrlegen.' 

Lassen wir einstweilen das Jahrmarktspiel ganz beiseite und halten 
^r uns nur an das Guckkasten motiv selbst und die Geltung, die es in 
Goethes Anschauungen gewinnt. 

Schon Minor-Sauers Goethestudien, Wien, 1880, S. 10, machten darauf 
^'^^Daerksam, dafs für die Stürmer und Dränger *in dem bunten Spiele 

^ l'brigens spricht auch Loeppr, Hriefe (xocthes au Sophie von La K«>che und 
"**tioa Brentano, R. .54 von «Tom 'Proloßf zu dorn .Tahrmnrktsfest'. 

Archiv f. n. Sprachen. CIX. 20 



SM Beurteilmigen und kune AnEagen. 

der Bilder de» Guckkaütens, in dem aonilerbuen Neben- uwl UutiJi- 
dnander des Rari täten kagtens ein Vorbild des bunt^ Trdben« io Well 
und Leben' lag. Unubhängig davon (Tgl. S. &2 f.) hat H. dle*c Bjai' 
bolik, die der Guckkasten fflr deu jungen Goethe (jewann, bettint oiiil 
ins Licht gesetzt. Er rückt diese 'GucfckaBtenverkliruog' in die Nlln 
des Fauat und der VoIkeUcderBufzeichnuiigen, gliedert sie an jener Wendunf 
zum Viilkstiimliclien, Verkannten, die Ooetheä Fühlen in Htraiabui^ n* 
Ob man in der Symbolisierung des UucbkaBteoa eine FoIgeerecbeinBii|r 
jener Umkehr aeheu darf, da 'Deutsohlieit emergirte', die sich, wie MJkt 
angenommea, erat nach dem Eintreffen Herden in Straraburg roIUof;, 
mag hier dahingestellt bleiben. Hemnana selbst miiie einige Scbniciij* 
küteu aus dem Wege rSunien. Die Verae, die fjloetbe am 28. Aagati 
171)5 seinem Freunde Friedrich Maximilian Moora ins Stammbuch tLchritli 
(Der junge Goethe I, ä.'i; Herrmann, S. 3r>) -— mügeo ele Dun auch, «it 
Hemnanu will und ich auch glaube-, nicht von Goethe selber herrflbren -. 
vor allem aber daa Gedicht von Johann Benjamin Michaelis (Hernoaua 
8. 37) aus Leipzig' vom Jahre 1768, Eeigeo doch, rlafs jenes Kid, das dtP 
im 18. Jahrhundert ziim geflügelten Worte gewordenen 'nchöncn liarilätm' 
mit den Erachcinungen des Lebana ver^eieht, schon in Umlauf gewui 
war. Man tKtracbtet bei derlei wissenBchafttich aufgeworfenen Fragn 
anzelue Individualitäten viel zu sehr isoliert von dem ireitorcn Pabliknu 
und einer breiten GeäprSohaschichL 

Doch gleichviel, seit dem JaJire 1770 hat Goethe tu der Thal ilfo 
farbigen Abglanz des Lebens gern mit den Bildern «nes Ouckksaient 



Beurteilangen und kurze Anseigen. 895 

»chiclite Gottfriedens von Berlichingen' überzeugt ja, wie rarit&ten- 
mälBig TerbindungsloB dort manche Momentbildchen gedacht sind. — 
nmer: in der 'Dritten Wallfahrt nach Erwins Grabe', 1775, schreibt 
f (vgl. Herrmann, S. ?83 f.): ^Tausend Menschen ist die Welt ein 
tenkasten, die Bilder gaukeln vorüber und verschwinden, die Ein- 
bleiben flach und einzeln in der Seele, drum lassen sie sich so 
durch fremdes Urteil leiten, sie sind willig, die Eindrücke anders 
, verschieben und ihren Wert auf und ab bestimmen zu lassen.' 
ann hält diesen Satz für interessant, 'weil er zeigt, dafs nach der 
srischen Ausbildung jener ersten Symbolerfassung der Barit£ten- 
eine neue Bedeutung gewinnt'. Mir erscheint die Anwendung des 
Ichs hier nicht durchaus verschieden von der sonstigen Gestaltung 
sthes Seele — der Passus in der Shakespearerede steht abseits — , 
gesetzt, dals man geneigt ist, das Symbol in eine weniger erhabene 
) zu rücken als Herrmann es will: hier sind die Wirkungen, sonst 
jekte leicht verächtlich gepaart. Es ist, wie sich gleich noch besser 
wird, sehr unangebracht, schroffe Zeitgrenzen abzustecken, inner- 
lerer — bis zur Entstehung des 'Jahrmarktsfestes' — das Guck- 
motiv im vermeintlichen Sinne Hemnanns allein wirksam sei, der 
esem Grunde unsere Stelle am liebsten ganz übergangen h&tte und 
T auf eine äufsere Veranlassung hin noch in den Nachträgen zu 
kommen lälst. 

erkwürdig will mir nun scheinen, dais man das ausgiebigste Zeug- 
r jene Verwendung der Raritatenkastenidee bisher so gut wie gar 
beachtet hat: ich meine den oben erwähnten 'Prolog' zum 'Neu- 
nten moralisch-politischen Puppenspiel'. Was enthält denn dieser 
eigentlich? Herrmann, der überhaupt Dinge, die seine auf vor- 
en Anschauungen aufgebaute Untersuchung beeinträchtigen könnten, 
beiseite schiebt, sagt nur leichthin (S. U), er werde 'am unge- 
^ensten wieder als eine lleihe sich in eiliger Folge drängender 
astenbilder' erklärt, 'zu denen der Dichter den erläuternden Text 
t'. Das ist ganz richtig; aber diese Bilder, es sind eben syni- 
le, typische Scenen des verworrenen und bunten Lebens, dessen 
md Schein, dessen wechselndes Spiel der Kräfte dem Dichter, der 
lerz zu einer Welt erweitern möchte, die Probleme aufgiebt. In 
ordergrund drängt sich ihm dabei immer wieder die Komödie des 
atenlebens, der Litteraturjahrmarkt, dessen bildlicher Verwendung 
J. G. und Fr. H. Jacobi, in den Frankfurter Gelehrten Anzeigen, 
erck und Goethe, Herrmann S. 5*^ ff., nachgegangen ist: 

Trottiren und stäuben zu liellen Schaaren 
Machen ein GeschwJlzzcr als wie die Staren 
Dringt einer »ich d<'m andern vor 
Deutet einer dem andern ein Eselsohr. 

Da steht das liehe Publikum 
Und sieht erstaunend auf und um 
Was all der tollen Reuterey 
Vor AnfniiL' Will und Ende 8<*y. 




390 Beurteiluugen und kurze Anzeigen. 

Gegen den Bchlufe wird daon die Vorstellung des Guckkasteua, liicilu 
die beiden Verse: 'Ach achan sie, guck bie n. e. w.' eingeführt ivnr, dai 
brochcD, Daa Beaumö: 

äo ist din Elulkcit der Well 
UI Lehtea Ri-Ich so tut gesleUl 

1*1 kcib? Erdeoaikcht so sroe ^^| 

KUhlt all« doob Miti Endelri« ^H 

Draro Ireibo ein ieder wie er ksnii ^^| 

Ein kleiner Hbuq ist «acli «in M&dh, | 

Der Hob Molilrt dar Kleine ]*L-lit 
80 li»fa nn ieilsr woh! gcnmclil. 

EemiianD hat auf S. SSQ f. zwei Goethischo RriefstcUen luiBgdobeo, 
Bezug nehmen auf eeinen Berliner AufeiithalL Die eine an Merck 
;i, August 177« (Weiia. Aueg. IV, 3, S. 2SP): 'Wir waren wenige ' 
da, und ich guckte nur drein wie das Kind ia SubOn-Rarit£ten Ktu 
Die andere an Charlotte von Stein (a. a. O. S. 225) in Bezug aaf 
selben ßerliner Beobachtungen : 'So viel kann ich sagen ie gröser 
Weit deatii garstiger wird die Farce uud ii^h Hchwdre, keine Zote 
Eseiey der Monawuratiaden iat so eckelhafft al« das Weeen der ( 
raen Mittleren und Kleineu Durcheinander.' Kerrmanu 
nimmt dieaen Citaten eine Folgerong, die hier beiseite bleiben darf, < 
man wird den Zusammenhang erkennen zwischen den in jenen Bri 
wiedergcgel)enen Enipfin düngen und dem Inhalte des Prulog«, der 1 
dieses 'Wesen der Grofsen, Mittleren und Kleinen DurcheinanJer' — 
lieh mit vergnügterer Miene — anschaut. Goethe stand über dem ' 



I Beurteilungen und kurze Anzeigen. 397 

Der Zweck ist deutlich und wird erreicht: kleine lebhaft bewegte Bühnen- 
bilder werden erzielt... Die Personen werden untereinander 
wenigstens teilweise in Beziehung gesetzt. So ist ein theatrali- 
scher Fortschritt festzustellen; aber auf der anderen Seite läfst sich nicht 
leagnen, dals der geheime Sinn des Ganzen, eben jene Verbin - 
dungslosigkeit, jene Guckkastenhaftigkeit des Originals, in 
dem sich nur ein einziges Mal (nach V. 120) eine allenfalls vergleichbare 
Mceoische Bemerkung findet, eben zu Gunsten des Theatralischen bedenk- 
Hch angetastet ist.' Aus den Stellen, die ich durch Sperrdruck her- 
vorhebe, ergiebt sich mit Deutlichkeit des Verfassers Ansicht von der 
ursprünglichen Form des Spiels. Je öfter ich das ^Jahrmarktsfest' lese, 
desto mehr sträubt sich in mir — und ich glaube, es wird noch manchem 
80 gehen — ein naturliches Gefühl gegen diesen ^geheimen Sinn'. Ich 
finde auch nicht den Schatten eines Beweises für jene Verbindungs- und 
Handlungslosigkeit des Uijahrmarktes ; er unterscheidet sich darin in 
nichts von der späteren Bearbeitung von 1778. Dafs die scenischen Be- 
merkungen fehlen, ist doch etwas rein Aulserliches der junggoethischen 
Arbeitsweise und wird sich durch manche parallele Beispiele erläutern 
lassen. Übrigens möchte ich erinnern, dals Hemnann auf S. 52 annimmt, 
Goethe habe im Uijahrmarkt 'die ganze Jahrmarktsfestsituation mit der 
Laube vor dem Hause des Amtmannes deutlich vor sich' gehabt. Von 
dieser Laube erfahren wir nur etwas durch eine scenarische Anweisung 
hinter V. 80 der Theaterbearbeitung. Folglich hat die spätere, weniger 
wortkarge Fassung hier zur Erklärung herhalten müssen. Aus dieser 
Inkonsequenz scheint mir hervorzugehen, dals es Herrmann selber un- 
möglich geworden ist, seine Auffassung von dem Wesensunterschiede 
beider Fassungen durchzuführen.* 

Doch über dieser Guckkastenhypothese, bei der wir uns länger als 
hillig aufgehalten haben, möge der wertvolle Rest der Untersuchung nicht 
vergessen werden ; ich vermag ihn nur in allgemeinen Umrissen anzugeben. 
Herrmann ist in die Niederungen der Litteratur hinabgestiegen zu den 
Raritätenkastenliedem des 18. Jahrhunderts (S. 19 ff.). Er hat freilich 
die berufenen Verse : 'Ach schau sie guck sie' etc. in keinem dieser Lieder 
aufgefunden — und ich halte ihre Herleitung aus einem solchen auch 
SÄf nicht für notwendig — , aber welche hübschen kulturhistorischen Kn- 
hlicke werden uns da aufgethan! Und in diesem Zusammenhange sei 
auch gleich der Bilder, die das Buch schmücken, dankbar gedacht. 

Der zweite Abschnitt des ersten Kapitels ist dem eigentlichen Jahr- 
^arktsmotiv gewidmet. Wenn Herrmann bis auf den Tag genau nachzu- 
weisen sucht, welcher Jahrmarkt denn eigentlich Goethes Phantasie be- 

' Freilich teile ich nicht soiuc Ansicht, dafs die Briefstelle über den Gi^ssener 
'^omidt (S. 61): 'Als ein wahrer Esel frisst er die Disteln die um meinen Garten 
''•chaen nagt an der Hecke die ihn vor solchen Tieren vorzäunt und schreit dann 
f*^^ kritisches J! a! ob er nicht etwa dorn Herrn in seiner Laube bedeuten möchte: 
^*^ bijQQ auch da,' aus sich heraus ohne Beziehung auf das 'Jahrmarktsfest' un- 
^««tändlich sei. 




lieurt^uiigen auil kune Auieigeu, 



fruditet habe, so liegt uiiui allen Itccpckt vor iler ilalür nufgebil«»« 
Odebrsainkeit, fühlt sich abiir ducii un muiidie LdjitungeD exoer Hänv 
logie erinnert, die »oiiBt auf lieu Nftuen ilen zuviel Wpüttelt«i] Danlsi 
geht. Sollte G<iethe wirklich vor dem !H.i. Noveiuber 1772 Doch keinen 
kleinetädti geben Jahrmarkt in Reiner A.nschauting tu reprodusierea im 
atHDde gewesen ann? 

Am geluiigeiieten erHcheint mir dnr AlMcbnitt über den '£iiifln& d« 
Hiins Baclu'. Icii sehe (retlich von <leii Ruf niahsame Statistik «d 
grändenden metrischen Beobaclituugeu ab. Und uuch hier tn. E. einig« 
(tlkusehr Eerreibeode uod zerfasernde Deduktionen. Aber es schaut mii 
nunmehr auagemiicht, daTs Goethe im November 1772 wie im Ajiril 17TH 
den Kemptener Quurt<lruck de» Kana Snche aus der DarniBtädtet Biblio- 
thek beoatztc Nicht gaoi so sicher bin ich iui Hinblick auf HemnaniH 
Erklärung de» Titels 'SchCnbattspiel'; er soll im Zueamnicnbaag: stfbcii 
mit Han« Sachsens ' Schön barleprud)' vom '.'7. Juiuiu 1548 (Au^ det 
Stuttg. Litter. Ver. IV, 200—208), worin «ine faatnachtapielUuiticlu» L 
barkeit gea<^ildert winl. Aua Hans BacfaBeus Worten: 



SuDlit iliCKiQ F*nni«oIit )[)ii 
MmIi >1eLn du rntnt >o tIcI. 
I>er Scbfiapart Ul ewiiiiill . 



Elle Ub^ 



soll hä Goethe die Euaammenxiebende itexeichnnng 'Sch5nbart«ii)iel' ^ 
worden sein (vgl. S. '>7 f.). In der einfaeheu Bedeutung 'Msake' koniml 
aber, wie Herrmann selbst »ugiebt, das \Vort 'Si'hüubarl' «julenvärta nudi 
mdirfach bei Hans Sachs vor; und Hans Sachsen» «reter ülograpli. Salc>- 



BeurteiluDgen und kurze Anzdgen. 399 

leiden dadurch die Aufetellungen Hemnanns einen Stoik, die, in der Ein- 
kitang und in dem Abschnitte 'Kleine Geheimnisse' (8. 145 ff.) vertreten, 
eine Principienfrage der ganzen Schrift bilden. Goethe sagt bekanntlich im 
drdzdinten Buche von 'Dichtung und Wahrheit' Über das 'Jahrmarktsfest' 
(kh hebe nur den markanten Schluls der ganzen Stelle heraus) : *Unter allen 
dort auftretenden Masken pind wirkliche, in jener [Frankfurter] Societat 
lebende Glieder oder ihr wenigstens verbundene und einigermafoai bekannte 
Personen gemeint; aber der Sinn des Rätsels blieb den meisten verborgen, 
alle lachten, und wenige wuIsten, dafs ihnen ihre eigenstoi Eigenheiten 
zam Scherze dienten.' Wilmanns, Scherer, R M. Werner, Schröer haben 
sieh dann ohne übereinstimmendes Ergebnis bemüht, die Modelle der 
Goethischen Figuren wieder aufzufinden. Herrmann verwirft dieGeeamt- 
UMchanungsweise, die allen jenen Einzeldeutungen zu Grunde liegt. 'Wir 
haben seither,' sagt er (S. 4), 'zu viele Fortschritte in der Erfassung künst- 
leriflchen Schaffens im allgemeinen, der Arbeitsweise des jungen Goethe 
im besonderen gemacht, als dafs wir noch, um nur ja recht viel äulserlich 
Biographisches anzubringen, dem Litterarisch-Asthetischen gar zu wenig 
i gerecht werden möchten.' Dem Zeugnis in Goethes Selbstbiographie wird 
I im Hinblick auf ihre überwiegend künstlerische Bedeutung der objektive 
I Wert abgesprochen. Im späteren Verlauf der Untersuchung wirft dann 
^ Herrmann die Frage auf, ob abgesehen von der Angabe in 'Dichtung 
und Wahrheit' specielle Gründe vorliegen, die uns erlauben, auf die Jagd 
nach individuellen Karikaturen zu gehen. Die Aulserung Mercks in einem 
Briefe an Nicolai vom 28. August 1774 scheint Herrmann keine kritische 
Zaferlassigkeit zu besitzen (vgl. S. 151). Die auf der Hand übenden 
Anspielungen auf Schlosser und Wieland sind natürlich nicht zu leugnen ; 
aber viel weiter möchte Herrmann nicht gehen. Und gesetzt den Fall, 
^ das Stück epigrammatische Anspielungen auf einzelne Persönlich- 
keiten enthielte: sein 'eigentliches Wesen würden diese Einzelporträts 
^cht ausmachen, zu einer blofsen Epigrammensammlung würde das Jahr- 
^arktsfest nicht zusammenschrumpfen' (S. 149). In der umsichtigen und 
nachdrücklichen Vertretung dieses Moments besteht die methodische That 
des Buches. Aber mir will doch auch hier scheinen, dafs Herrmann mit 
«einer Polemik gegen die *Modellphilologen', gegen die 'Philologenseelen', 
die sich 'blindlings aufs Rätselraten' verlegen (8. 152 f.), über» Ziel hin- 
^Q^achiefst. Auch seinen Vorfrängern hat der »Biographismus' nicht den 
Blick für die von allen Geheimnissen unabhängige ästhetische und psycho- 
^ogiache Bedeutung des Spiels getrübt. Herrmann sucht den Gedächtnis- 
^um Goethes, der nachher in 'Dichtung und Wahrheit' zum Ausdruck 
gekommen sei, zu erklären (S. ICO, 200). Aber ob sich die so bestimmt 
^Q^gesprochene Behauptung (Joethes, der doch wohl bei Abfassung der 
^ntobiographie sein Jugendwerk wieder einmal zur Hand genommen haben 
^^, wegdisputieren läist? Giebt es in 'Dichtung und Wahrheit' einen 
P^nülden Fall, wo Goethe Weßen und (xehalt einer seiner Jugen<ldichtun- 
8^ nachträglich so ganz verkannt hätte? Ich unterschreibe darum alles 
^^ allem noch immer, was Wilmanns 1878 in seinem Aufsatze sagte (Pr. 



i- 



i<io Bi;ii Keil ui) gen und kurze Aiu^gen. 

.Tahrl.. ri, 11 f.); -Wo ist iu lüesein Wirrwarr der Kcropuukt, »on deH" 
ili.' (ie^tiiltiiLii: des Stoffes nuKgingT Scheint es nieht gerade dw O* 
rakleriHtiscfm iiiiil Arjzkhciidc an diesem Schüiibartipiel, dafi wlcli ät 
INiiikt fcLIi? UuU alles einzelne iui ganzen verschwindet, so dob «i 
nii'ht» ciiiiifinilcn ulii die frisclie, wahre D&rglelluiig dcf Jahrmiiktn 
ilc'wifit! Und üliiie dicac äKtheliitche Wirkung würde das ^tOck, obschoi 
e:< uuverKtHiidi'n blieb, nicht ho viel Beifall gefunden, nicht gleich dicI 
«.'iuem ersten l-'rpt-heiiien uod zu wiederholten Malen nachgedruckt »dn 
Aber der Dichter bat doch, wie er selbst engt, eine andere Ansicht gehabt 
und wer in das Yersiändnis i^eiuiT Dichtung eindringen will, niufs ver 
fucheu. den I'unkl zu fnsHen, an dem diese Absicht entsprang.' Dn< 
noch eine Kleinigkeit nebenbei: Warum wohl schrdbt Qoethc an 11. Jul 
t77;i tin die La Koche (eine Stelle, die Ilerrmnnn nicht anführt): 'Mdne: 
.Fiihrniarkt hiill ich uiir vor, Ihnen >-eU]st zu lesen und Ihnen vid f 
crziili'ii', »i'iiii er iiiebt intrikatc Rrläuteruugcn zu geben dftcht«? 

Wenn ich Ober manche interessante und feinsinnige Einzelheit, Obc 
die iiiülipami- um! erfulgrciche Auffüdeluug Allerer .Tahrmarktalitleratu 
(S. li:i l'f. — nni'h Minors Vorgang — ), übet das ganze zweite Kapite 
t'nllialiciul ilii> Hülineii^rc^c-hiehte, lünwegcile, mücbtc ich nach den voreu 
i;>'.iriuige!iin Aiissl(;lluii|.'en dem gut komponierten Buche nicht uorecb 
^•etbnn Imbcn. 

nnf-' lIiTntianii jiclegeiitlich der Untersuchungen iiber die Bühnen 
in'arbeitunt; vnn 177> ^iebcn unbekannte Gdelhische Strophen mit Melodie 
!iiif';f^|iiir( lial, ist r-incs der Kinzelverilicnste, die er sich erworben; leide 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 401 

vor einem Parkett von Königen der LitteraturgeBchichte im modernsten 
Maeterlinckstile schemenhaft vorüberziehen zu lassen.' Also eine Auf- 
fOhniog in dem Stile, wie man auf der Berliner 'Secessiousbühne' unter 
der I^gie Martin Zickels etvfra den 'Tod des Tintagiles' halb puppen - 
spielmälsig in einem Rahmen vors Publikum brachte 1 So ist auch der 
Forscher abhängig von dem Empfinden seiner Tage: ich zweifle nicht, 
dftfs Hemnanns Ouckkastenhypothese, ihm selber unbewulst, bedingt und 
bestärkt wurde durch gewisse Versuche modernster Dramatik und Bühnen- 
technik. Aber ist es nicht genug, dafs heute selten jemand über die 
fiomantik ohne secessionistische Schnörkel zu schreiben vermag? Sollen 
sie auch dem jungen Goethe aufgehängt werden ? 

Bonn. ' Franz Schultz. 

Ottilie von Goethe und ihre Söhne Walther und Wolf in Briefen 
und persönlichen Erinnerungen von Jenny von Gerstenbergk. 
Stut^art, J. G. Cotta Nachf., 1901. IV, 123 S. 

Die Verfasserin ist Theresien- Ordensdame in KÖsen. Ihre Eltern 
luitten Beziehungen zu Goethe, und sie selbst darf sich rühmen, eine 
Freundin des Grolsherzogs Karl Alezander und Ottiliens gewesen zu sein. 
Bei der Dürftigkeit der Nachrichten über Goethes Familie sind uns Auf- 
zeichnungen von Personen, die Verkehr mit ihr pflegten, stets willkommen ; 
Qod die Verfasserin giebt nicht nur eigene Erinnerungen, hält nicht nur 
^^, was sie in vertrauten Gesprächen mit dem Grofsherzog über Ottilie 
und ihre Söhne erfuhr, ihr wurden auch Briefe Ottiliens zur Verfügung 
gestellt, und der Grofsherzog selber veranlafste sie zu den vorliegenden 
Aufzeichnungen. 

Es ist sonderbar, dafs Ottilie von Goethe, diese merkwürdige Frau, 
noch keine rechte Biographie erhalten hat. Sie, die eine echte Frau war 
und doch zur Hausfrau und Mutter nicht taugte; die weder durch ihren 
Namen, noch durch ihre Erscheinung, sondern durch ihre Persönlichkeit 
'^zog; die sich stets natürlich gab und nur ihrer sie stets leitenden Laune 
keine Zügel anzulegen wufste, die immer leidenschaftlich bewegt war, 
"^er zwischen Jubel und Verzweiflung hin und her getrieben wurde; 
^i^i die dem Alten die Schatten aus dem Hause jagte und ihn bis zur 
«tzten Stunde pflegte und doch wiederum nicht die Ruhe fand, um 
^Ihst die letzten Ereignisse im Hause der Nachwelt aufzuzeichnen, weil 
^ ihrem Köpfchen nichts von Dauer war: diese ^Frau aus dem anderen 
Stern* liefert dem fein nachempfindenden Biographen das köstlichste 
Material. Aber die Umrisse ihrer Gestalt sind noch nicht scharf gezeich - 
^^t, und die Verfasserin löst die Rätsel, die sie und ihre Söhne noch 
^•J^geben, ebenfalls nicht. Sie bleibt zuweilen sogar hinter den von Lili 
^•Kretschman herausgegebeneu Erinnerungen der Jenny v. Gustedt zurück. 

Wenn man dieser Charakteristik der Überbliebenen aus Tantalus* 
"ß8chlecht gerecht werden will, mufs man sich vergegenwärtigen, mit 
Welcher innigen Liebe für Ottilie die alte Dame ihre Erinnerungen nieder- 



402 Beurtcihingeu und kurae AnEÜgen. 

t^eech rieben bat. Ihr zartes Oonüt giebt es nicht xa, an die Mv»teri«ii 
il«! Scbickaala und der Schuld Ütti1i«i3s eu rBhren, und, vicJIdcht oha« 
dnfa sie es will, sucht aie wühlwollend KU retten und zu bMchAnigen. 
'Wohl hat eie viel geirrt und »iel gefehlt!', das ist ein vereinKeller. glelcli 
um Anfange Bl«hender Satz, für den Bte die Erklärang Buhuldig H«M. 
Allem Bedenklichen geht sie voreichtig an« dem Wege. 

Der Inhalt der zum ersten Male hier verüffwitlichton Briefe ist aoch 
nur von geringer Bedeutung. Die Briefe zagea den frischen, krifti^ 
Stil der sCetü offen schreibenden Ottilie, aber eie bereichern ansere Eennt- 
nis nicht. Besonderen Wert heansprucheu nur der franfOhlige Brief Wnifc 
an Schuchardt über eine geplante Sonderausgabe der italieoiBcben Beut 
fJocthes und ein Werk Ludwig Prellers Aber Heinrich Meyer (S. (!3), der 
freimütige Brief OtUliena nn den Ororaherzog fiber die ßegnadi^ing da 
Kapallnietstcrs Ruckel (S. SS) und in erat«r Linie der Brief d<s Grob- 
herzöge an die Verfasserin über Woltber von Goethe. Dieser Brief, der 
ilas Schliifswort des Buthea liildet, ist die gerecbtesl« Würdigung, diu 
Weither je gefunden hai, und verleiht altein dem Buche Wert, dos sonst 
nicht« Neues bringt und nar als ein lielieuewilrdiges Denkmal der FreonJ- 
achaft dasteht. 

Zur ErgSnjtuug für die Behilderuug Ottiliens mag jetzt ooch hin- 
gewiesen werden auf die Rtminiecencefi der Mrs. BcthBm-FMwwds (CoU. 
of Brit. ÄutliorB, vol. 321M)}, von Brand! im Ardiiv f. d. Stud. d. neueren 
9pr. u. Litt. OIV, 217 auagexogen. 

Posen. Georg Minde-Pooei 



Beurteilungen und kurze Anzeigen. 408 

soU, ist etwas, womit ich gar nichts anzufangen weife; denn was für 
Begriffe erhielten deutsche höhere Schulen von unserer Litteratar, wenn 
da immerfort von pathologischen Zustanden (die schlimmeren Worte will 
ich nicht nennen) die Bede ist und, wie auf 8. VIII, ein ganzer Chor 
mehr oder weniger unzurechnungsfähiger Dichter und Dichtungen der 
heranwachsenden Jugend vorgeführt wird. 

Berlin-Friedenau. Beinhold Steig. 

Beownlf and the Fight at Finnsburg. A translation into modern 
english prose^ with an introduction and notes by John R. 
Clark Hall. London, Swan Sonnenschein and Co., 1901. 5/-. 

Clark Hall, der Verfasser eines viel benutzten angelsächsischen Wörter- 
buches, giebt in dem vorliegenden Werk eine Übersetzung der beiden be- 
kanntesten Überreste altenglischer Heldensage mit reichlichem erklärenden 
und litterarhistorischen Apparat. Durch fortlaufende ausfCIhrliche Inhalts- 
übersichten wird sein Buch auch für den brauchbar, der den Beowulf im 
Original zu lesen pflegt, sich aber schnell über den Zusammenhang eines 
Verses zu unterrichten wünscht. Die Übersetzung folgt dem Texte Wyatts, 
pafet also gerade bei schwierigen Stellen nicht immer zu dem in Deutsch- 
land am meisten gebräuchlichen Heyneschen, wodurch ihre Brauchbarkeit 
jedoch nur unwesentlich herabgesetzt wird. Im allgemeinen folgt Hall 
dem Original Wort für Wort und giebt den Sinn des ags. Dichters richtig 
wieder; ich kann zwar nicht verhehlen, dafs ich mich der Auffassung des 
Übersetzers nicht immer anschlieisen kann; man muls ihm jedoch das 
2^ngnis ausstellen, dafs er die kritische und exegetische Litteratur selbst 
der letzten Jahre kennt und ausgenutzt hat. 

In der Einleitung stellt er die wichtigsten Thatsachen und Vermutimgen 
zusammen, die sich an den Beowulf knüpfen; wir erfahren einiges über 
Handschrift, Sprache und die einschlägigen Kapitel der germanischen 
Altertumskunde. Wenig gelungen ist der Versuch einer litterarischen 
Würdigung. Hall betrachtet die altenglische Poesie viel zu sehr vom 
Standpunkte des modernen Kulturmenschen aus. Beowulfs Charakter- 
eigenschaften werden teils gepriesen, teils getadelt; wenn Beowulf von sich 
sagt ne mi stpor fela (Litotes!) äda on unriht u. s. w., so ist dies ein Zeichen, 
that his eihtcal Standard was low (S. 191), was allerdings mit den Zeit- 
verhaltnissen halb und halb entschuldigt wird. Der Held is a mercenary 
and an adventurer by profession (S. 190) — weil er von Hrothgar nach 
dem Kampfe Geschenke erhält — and is ready to do service again an 
the same terms — eine entsetzlich banale Auffassung altgermanischer 
Waffenfreudigkeit. Dafs bei solch mangelhaftem Verständnis der altger- 
manische Stil nur ein Zeichen niedriger, halbkindlicher Kulturstufe ist, 
wundert einen nicht; ebensowenig die einfache Erklärung, die Hall für 
die Mischung christlicher und heidnischer Elemente zur Hand hat: <ler 
Dichter war ursprünglich Heide, bekehrte sich später zum Christentum, 
ohne dessen Lehren jedoch gründlich zu verstehen; der frische, kampfes- 



'im Bciirl«iluiigeu iiud kurze ÄDzeigen. 

fn'iii!if;e 'l'ihiL jni iTstcn, die getragene Melancholie im zweiten Teil «ii 
i'iii y.fidieii dniür, dafe er den Grendelkampt etwn iwanzig Jithre t 
ilrm DradieDkiiiiLiif ver/nTsle. Zuatimmuiig wird diese Theorie hödwlen» 
iiitii>weJt rJDileti, alH Ae die Einheit des Beowulf betont gegeDÜber den 
Ailsiclilen vnn MilUcnhoff und teo Briiilc; immerliin hätte die Variantcn- 
llieiirie iIm lelzleren Berüi'kBichtigung verdient; sie mag \n Ihrer AIl- 
gntirinlidt Linhaltbiir sein; au einzelnen Stellen scheinen doch thstaich- 
lirh VnriiiTitrn derselben Erzählung vorzuliegen und Reste sehr alter 
Fassungen durclizuschimmern. Zu Sarrazins Theorie verhält Hall sich 
zirailidi kritiseli. Aus ei^Eenein Äugenschein nennt er die Ahnlicbkeiteu 
zwischen der Beowiilfacenerie und den Ortlicbkeiten auf SeeUnd zieinliili 
imbedeiitend; aus anderen, nldit näher erörterten Gründen sieht er sieb 
JFiliH'li veranlnr-1, den Grendelknnipf nach Lejre und das Drachenabea- 
tiLKT in dif^ Nälie von Kongelf zu verlegen. Trotzdem weist er dänischeo 
l r,-.|iriiiif: fiir das Epoa ab mit einigen bekannten und einem neuen Grande, 
dir Hllcrdirigü geradezu klasaisch ist: kennings, tckidi are a eharacUrütie 
fiiilitre in Ämjlo - Saxon poelry, abound in every pari of Bmieulf, and an 
rare in Scanilinavian (i(o-a(ww (S. XXIXf.ü). Über die Herkunft der 
Siigr' äufsert fiich Hall ziemlich unbestimmt; er stimmt Btopford Brooke 
/n, der ihn? erste dichterische Verarbeitung den kontinentalen Angeln in- 
-clii'cilien will; auch der Verfasser unseres Beowulf soll ein Angle und 
/.ivnr ein Mcrcier gewesen sein. Über die möglichen Beziehungen zwisdien 
di'iii erigliscbrii f;ii(lii.ht und der nordiachoM Bo'/varsBge, nUo den wich- 
lif.'i<l.'ii I'uiikL in lirr Tlicnrie über die nordische Herknnft äufsert sich der 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 405 

edene Lficke in der englischen Präpositionenlehre ausfüllt, zwar nicht 
rer, wenn die Liebe zur Sache mithilft, aber trotzdem dankbar. Es 
^rte dazu ein ausdauernder Fleifs, ein geduldiges Versenken in ein 
ses und recht trockenes Material, ein genaues Disponieren im An- 
ufs an vorbildliche Untersuchungen und ein o^enee Auge für syn- 
isch- psychologische Zusammenhänge. 

Die beiden altenglischen Präpositionen mid und und von ursprüng- 
gänzlich verschiedener Bedeutung haben bekanntlich im Laufe der 
Qglischen Sprachperiode eine Begriffsverschiebung erfahren, die schlieis- 
zu einem unterschiedslosen Wechsel beider und im Mittelenglischen 
er zu einer völligen Verdrängung des mid geführt hat. Die beste 
Stellung, die wir über diesen Prozels hatten> waren noch die mit zahl- 
ben Beispielen belegten Ausfuhrungen in der Fundgrube von Mätzners 
Lischer Grammatik (Bd. 2), aber sie wiesen mehr auf nebeneinander 
ende Thatsachen hin, als dals sie uns in historischer Darstellung mit der 
Wickelung des Bedeutungswandels von mid und toid bekannt machten. 
Mifs Hittle behandelt nach einer kurzen Einleitung (enthaltend 'Zweck 
Einteilung der Arbeit, Allgemeines über die Präpositionen) im ersten 
die Funktionen von mid (S. 5 — 104), im zweiten die von wwf (S. 105 
1G5) und zwar in einer Reihenfolge, die der historischen Entwickelung 
r Bedeutungen entspricht Darauf folgen zusammenfassende 'Schlufs- 
lerkungen' mit geschichtlichen Ausblicken (S. 166 — 178) und als An- 
g eine Reihe von übersichtlichen Tabellen zur Veranschaulichung des 
; Gesagten (S. 179—182). 

Die Verfasserin zeigt uns, wie auf der einen Seite das ursprünglich 
de midy das in historischer Zeit lokal nur noch in Verbindung mit 
Bonenbezeichnungen, aber schon in vorhistorischer Zeit in zahlreichen 
len sociativ verwandt wurde, allmählich immer mehr sociativen Cha- 
ter annimmt, aus dem sich dann alle anderen Arten des Gebrauchs 
eiten lassen, der sociativ-modale, rein modale, instrumentale u. a. — 
i dagegen bewahrt, was auch aus dem im Altenglischen häufig vor- 
imenden Wechsel mit anderen Richtungspräpositionen hervorgeht, seine 
x\e Funktion noch deutlich iu historischer Zeit und zwar zunächst in 
ug auf die Richtung im Räume bei translokalen Verben. 'Ist das 
)jekt der Bewegung ein lebendes Wesen, das im stände ist, die Vor- 
lung eines Zieles zu fassen, so kann zu dem rein lokalen Verhältnis 
geistiges Element hinzutreten, wodurch *die Übertragung der Prä- 
ition auf Fälle ermöglicht wird, iu denen der Begriff der Richtung 
bt mehr notwendig mit einem translokalen Verb verknüpft wird.* So 
d wid weiter verwandt bei Verben des Kämpfens, Streitens, Mengens, 
lens, Zusammentreffens, Unterredens, Verhandeins, Verben, die das 
rhältnis der Gegenseitigkeit in Verbindung mit dem sociativen Verhält- 
ausdrücken. Mit der Bezeichnung des reciprok-sociativen Verhältnisses 
ch wid beginnt die Annäherung von mid und wid, mit dem parallel- 
iativen Gebrauch derselben Präposition die allmähliche Verdrängung 
I mid. Diese konnte aber nur dadurch eine endgültige werden, dafs 



')n<; Botirteilungen und karae AiiEagen. 

will n'i'itrriiiii intrnlokftlc umt Rcbliefslich, iie1bstT<'retSndlich in mimchetl 
UliiTgnngHNtufwi, all ag<* prochen socifltive Bedeutung annahm. Die Vf 
wpiiiliiii).' vitn Ktit in iuRtruiuentnlcm Sinne grdft über die sItenglJK) 
Zoll liiiiuiin ins MittclcnKÜacho, wie ja Qberhnupt die Entwickeluag er 
im MillijTouglisfhen ihren Abschlnfa findet. 

Die ViTfasworiii liHt nich für diese Zeit mit einigen (danLenDwert« 
Auxblieken lipgiiilF;t [%. lti<> f.), die zeigeo, dafa mid eich um m hinfig 
iiiKJ liinger erbulii'u liai, je weiter wir nach dem SOden kommen. Ee lie 
nlK-r iiuf der llnnd, dafn die .Arbeit nach dieser Richtung hin noch nnoi 
L-iDL-r 1''rgiiiizung l)e<larf. Was aber za wQnxchen und mit leichter >[ü 
zu maclieii gewi«eii wiLrc, sind atundige Verweise auf me. und ne. S])rac 
;;(-liriiueh, wie da.s in maucheu Fällen )h auch gethsn ist; dadurch m 
der hisidrii'i'he Charakter der Untcreuchung noch viel mehr zur Oeltu 
).i.'k<im[iic[L. Im Zu^>ammenhang damit w.iren Verweise auf einachlägi 
Arbeilcn, wie 7.. IS. ö. 175 bei to parik wüh auf die Artikel von Satt 
und Wcndl, »nxubriugeu gewesen. Auch auf die Verwendung des ei 
fai'bi'n KiLsuM nlmc Prüpoüition hätte nicht nur vereinzelt (wie S. 71 oc 
7>^l, Mindern kon»c<[Uent hingewiesen worden sollen, und auch hier hätt 
l'-rwiibriunircu der zahlreich vorhandenen Einzel arbeiten nützliche Aasblic 
eriifiuet. — rriiu-ipiell sei bemerkt, dafs es vielleicht doch zweckmifi 
geiierii'u niirf. die Untersuchung auch auf diejenigen Präpositionen ai 
/udcIuiciL, die mit iciil und mid schon im Altenglischen in Konkum 
ireii'ii: ciiii' >n1i'lie Evwoiti'rung, zu der ja einzelne Ansätze in den Schlu 
urkviiiirfii iS, 171 un<l ilH) gegi^i.H'u sind, 




Beorteilungen und kiurse Anzeigen. 407 

An introduotion to the methods and materials of literaiy criti- 
cism. The bases in aesthetics and poetics by Charies Mills 
Gaylay A. B.^ Prof. of the Engl. lang, and liter. in the Univers. 
of California, and Fred Newton Scott, Ph. D., Junior Prof. of 
rhetoric in the Univ. of Michigan. Boston, U. S. A«, Ginn & Co., 
Publishers. The Athenaeum Press 1899. XTT, 587 S. 

In der Einleitung entwickehi die Verfasser sehr gesunde Gedanken 

[ über Litteraturverständnis und über die Art, wie das Publikum und die 

Kritiker zur Kritik zu erziehen wären. Das Zeitalter sei überhaupt kri- 

[ tisch aufgelegt, aber fast allen gebräche es an wissenschaftlicher Durch- 

[ bildung. Dieser wollen sie ihr Buch bestimmen. Nicht mit dner neu^i 

E Theorie wollen sie kommen, sondern die alten übermitteln. Es soll in 

systematischem Zusammenhang gezeigt werden, worauf jede Kritik zu 

achten habe, und im AnschluIJs, wo man sich in der bisherigen Forschung 

nähere Belehrung über den jeweiligen Einzelpunkt holen könne. Der 

Btoff sei weder national noch zeitlich zu beschränken, sondern universell 

und historisch zu behandeln. Dementsprechend stellt sich das Buch die 

Riesenau^abe einer allumfassenden Encyklopädie des litterarischen Kriti- 

ciBums. Diese allerdings nur in der abgekürzten Art eines systematisch 

geordneten Handbuches mit sachlich skizzierten Litteraturverweisen. 

Der Wert des Buches hängt an zwei Bedingungen: die Systematik 

mala klar und die Verweise müssen erschöpfend sein. Im gegebenen 

Rahmen ist letzteres von vornherein die bare Unmöglichkeit. W^er Fleifs 

noch Umsicht schützen da vor Lücken oder Überflüssigkeiten. Der Index 

^fiUt CO doppelspaltige Seiten mit wohl beiläufig öüOO Citaten von Autoren, 

Werken und Zeitschriften-Artikel aller Zeiten und Zungen. Dieses Material 

soll nun auf 500 Textseiten seine systematisch erläuterte Ordnung, seine 

sachliche Charakterisierung erfahren. Das ist wohl die zweite Unmöglich - 

'^^it Diese schliefst aber nicht aus, dafs die Systematik an sich gut an- 

^^'ßgt sei. So steht die zweite Bedingung der Güte des Buches wenig- 

^^s nach der principiellen Seite hin zur Diskussion. Ich habe mich mit 

f" Anlage des Buches nicht befreunden können. Der Baummaugel nötigt 

^ Verfasser zu einem Schachtelsystem, das seinen Stoff vergewaltigt, 

ohn^ Wiederholungen zu vermeiden. 

Älir scheint, dafs sich die Verfasser ihr Ziel zu weit gestellt haben, 
'^^^t nur für ihre Kräfte, sondern absolut genommen. Darum durfte ich 
^ue^^ das Buch ohne persönlichen Vorwurf aus der Hand legen. 

Innsbruck. R. Fischer. 

'^''^hard the Third up to Shakespeare by George B. Churchill, Ph. D. 
(Berlin). (Palaestra : Untersuchungen u. Texte a. d. deutschen 
u. engl. Philologie. Hrsg. von A. Brandl und E. Schmidt. X.) 
Berlin, Mayer & Müller, 1900. XHI, 548 S. M. 16. 

Das Buch gliedert «ich in zwei Teile. Im ersten zeigt der Verfasser, 
^*^ die Figur des Königs in den Chroniken behandelt wird, im zweiten, 



(«■^ 



[liutteihitigen uimI kiir^e An^fiigen. 



neU-hf lliillf Ui,li;ir.l in der Dichtung spielt. Der erst« Teil umfnfül die 
kleinere Hälfte des Werkes (2'27 Seil«iiJ, obwohl der verarbeitete SlöU i 
gewaltiger ist: acbtiielui bialorische Quelletj werden heran gezogen. 1 
beaonderer Wichtigkeit eind Mores 'Hietory of King Richard III', PiJUw' 
Vergils 'Hietoria Angliae' und Halla 'Chronicle'. Nur äurserlicbe Btdw- 
tuog haben die spätercu Werke: Holinebeda 'CbroDicle' und Bttim» 'Aii- 
nals", weil sie sich deo früheren gegenüber weeentlich receptiv vcrbsltoi. 
Dem VerfflsHer ist ea iufolge seiner genanen Untersuchung und tUrU 
Methodik gläiiEend gelungen, die Haupt«tappen der allmählicben Um- 
bildung Richarde von der historischen Figur 7U einer «ageohaitcn aot' 
zudecken. Der Prozefs mutet fast organisch an, denn er wird bdeM 
durch dieselbe, sich stets 8t«igernde Tendenz: Richard wird von Chiomt 
zu Chronik schwärzer gezeichnet. Seine guten Züge verschwinden, die 
achlechteu rücken in hellere« Licht, mit immer neuen Verbrechen *it<l 
er belastet. Zugleich mit dieser Umbildung der Fakten wird die Figur 
selber umgezeichnet: äufserlich wird Richard zu eiuero buctUgeo unii 
hinkenden Scheusal, innerlich zum Ausbund aller Laster. More «cliri«I> 
eine Biographie, schliefst aber mit 'Icr Rebellion Buckinghams ab, V^l 
briugt iu seiner NutionalgeBchicbte den ganzen Lebenslauf des Hel'ifu, 
Ebenso Hall in seiner ^lonograpUe der RoseJikriege. Auch an prciblem- 
baftcr Vergeistigung des Stoffes lassen ee die Chronisten nicht ermiuigt^- 
Bei More spielt bereits das Gewissen Richards die rächende Rolle; Vergit 
sieht überall die strafende Hand Qott«B; Hall fafst Richard als Opfor 
seiner unzähiubaren Ruhiusucbt Im spät«reji Holinshed kommt VJfdcr 
die Idee der Vergeltung stärker zum Ausdruck. So hat denn Cburcbill 
gezeigt, wie schon auf dem Boden der Pseudo-Hietorik Richard «ich n> 
ciucr Bagenfigur ausgewachsen bat 

Nicht geringeres Interesse brachte die Poesie dieser Gedtalt entg^ea» 
und noch stfirker sind hier die Wandlungen. Der Verfasser bringt dfi 
resp. neunzehn vorshakespearesche Werke zur Besprechung. Von weeent— 
licheni Wert sind drei: der epische 'Mirror for MagJBtratce', Lej 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 409 

ong wichtiger Dramen. Besonders gelungen ist ihm die Hauptsache: er 
eigt deutlich, wie sich der Charakter des Helden je nach der Eigenart 
68 Dramas verändert hat und verändern mulste. So erscheint der Stoff 
- die traditionelle Figur der Chroniken — unter dem dominierenden 
iinflals des Geistes der jeweiligen Dramengattung. 

Leider bricht der Verfasser unmittelbar vor Shakespeare ab. Es ist 
u kein Vorwurf, denn er hat sein wohlabgerundetes Thema völlig aus- 
inchöpfty er hat sogar — dank der glücklichen Wahl des Themas — 
iber dessen eigentliche Grenzen hinaus die Erforschung der einschlägigen 
Dglischen Litteraturperiode fruchtbar gefördert. Aber mir thut es leid, 
Als diese Monographie nicht mit Shakespeares tragischer Historie ihren 
•rgaDischen Abschluis gefunden hat. Der Verfasser hat sich eben durch 
i>8 Gebotene auch hieffir als der rechte Mann bekundet. Erst dann wäre 
ihakespeares Meisterschaft und Eigenart scharf herausgetreten, was in 
lieser Studie naturgemäfs nur verstreut angedeutet wird. Dann erst 
lätte diese Studie sozusagen ihren psychologischen Ausbau erhalte. Was 
air an ihr am interessantesten erschien, war das Aufdecken der tief- 
iegenden psychologischen Bedingungen fQr die litterarische Entwicklung 
räer historischen Figur. Im ersten Teil sieht man, wie der Richard der 
^hichte sich zum Richard der Sage umbildet. Äulserlich war das ge- 
^ beeinflulst durch die parteipolitische Gegnerschaft der Chronisten, 
^och die Keime solcher Umbildung zum Schlechten lagen in der histo- 
ischen Figur selber. Das künstlerische Bedürfnis, eine im Kern prägnante 
■istorische Gestalt ihrer zufälligen Hüllen zu entkleiden, ihre 'symboUschen 
Inalitäten' zu entwickeln, zu verschärfen, zu vervollständigen, die Gestalt 
^ auf ihre einfachste 'ethische Formel' zu bringen, dieses Bedürfnis 
^b geistiger Klarheit auf Kosten sachlicher Richtigkeit war es, was die 
Unbildung anregte und förderte, und nicht zufällig griffen die Hände 
^Htischer Gegner nach dem dankbaren Stoff. Ist hier der geistige Pro- 
fe einfach im Wesen und geradlinig im Verlauf, so wird er verwickelt 
^f poetischem Boden. Da handelt es sich nicht mehr um das Quantum 
i' Schlechtigkeit Richards, sondern um das Quäle. Vorerst wird dies 
cht etwa durch die individuelle Auffassung des Dichters bestimmt, son- 
tu von der gattungsmäfsigen Eigenart des jeweiligen Dramas. Die dra- 
stischen Richarde vor Shakespeare sind das Kompromifs zwischen 
ironikentradition und Theaterraode. Der Dichter bleibt mit seiner Per- 
tilichkeit noch im Hintergrunde, denn es sind die beiden Dramatiker 
€D nur Dichterlinge, die blofs mit Hilfe der künstlerischen Schablone 
beiten können. Darum crgiebt sich auf dramatischem Boden nicht die 
Btematisch anmutende Entwicklung der Figur wie auf dem Boden der 
ironiken. Vielmehr gewalirt man eine Zickzackbewegung je nach der 
eatralischen Modelaune, aus deren Bann die schwachen Autoren sich 
Kh nicht völlig befreien können. Bie sind die Sklaven ihrer Formalien. 
lakespeare endlich erlöst die Figur aus diesen Banden. Sein mächtiger 
enius verleiht ihr die wahre künstlerische Individualität, indem er aus 
in psychischen Prämissen den letzten Schlufs zieht: er stempelt seinen 
ArohiT f. n. Sprachen. CIX. 1"] 



111 Be rte 1 rgen nd bnrie Anregen 

R 1 1 I h D m n «elbstherrU h folgt er ie n 

1 af ] nbe an s eh elbst n nne ein Gcw 

7 ( 1 e cl rön at a hen nd dramat sehen R chard* 

let7 1 I 1 enp v holog e nrcn u d des! alb m t hran 

gpn II 1 1 WesEn zur '^chau trugen so prägt '^haLespears 

— be all 1 ut/mi(, s r eraehiede en ^ rlagen — lese generellen 
/ ge n I T lu 11 um lins konnte e nur ve 1 er b h zufolge »einer gel 

L f,en ''öu er ti tJt n 1 e uer tönst! r sehen Kraft aber i e Trad lion 
] l I ron k u d (i TI sters 7 stellen ermochte '' verfahrt er ni 
i 1 u II hnrls il creler groffler Ku stier wsl rhaft kun^tlenwhe 
\ t leb n lell e I \\ ewen nd Fora fre na h peraonl eben Impnisfii 
I nabruck E F scher 

Lieliaii, Gustav, König E<luard IK. von England und die Gräfin 
von Salisbiirv. Dargestellt in ihren Beziehungen nach Ge- 
sHiii'tite, .S;i^'*: iinil Dichtung, unter eingehender Berüeksicli- 
tigiiii^^ des iL-iCudu-Bhakespeareschen Schauspiels 'Tbe Raigoe 
uf King Kiivvuril tlte Third'. (Litterarhistorisciie Forschun- 
gen Xlli.) herlin, Emi! Felber, 1900. XII, aOl S. 8." 

— — König Eduard 111. vou England im Lichte europäiecher 

l'dcsip. (AuglistisL'he Forschungen 6.) Heidelberg, Winter, 
ÜIOl. VIII, 100 S. 8. 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 411 

darum handelt, Entwickelung, Wanderung und 2jahigkeit eines 
fes aufzuzeigen! 

Mühsam nur schalt sich aus der Geschichte der einzelnen Bearhei- 
en die Geschichte des Stoffes selbst heraus. 

Der Tielgelesene Baudello (II, 37) hat auch dieser Novelle den Weg 
ie Weltlitteratur geebnet. Mittelbar oder unmittelbar aus Bandello 

seinen Übersetzern und Bearbeitern Boisteau, Belief orest, Painter, 
die Curlet, Agreda 7 Vargas und Aeschacius Major — zu denen noch 
Niederländer EveraertSj Tragische oft klaecMifke Historien^ Antwerpen 
— 1601, haae de Berty Het 1, 3, 5. Deel van de Tragische oft klaeeh' 
Historien uit de Franeoysche overgiset (Deel 2 door M. EveraertSf Deel 8, 9 

F. V. S.), Rotterdam 1648—1650 nachzutragen sind — fliefsen dann 
die Dichtungen, die das Schicksal der schönen Salisbury empfindsam 

lüstern, mit leisem oder stärkerem Anklang an das Lucretiamotiv aus- 
in. In der Novelle Bandellos reicht Gräfin Alix dem König, der nach 
eblichem Werben ihre Liebe erzwingen will, den Dolch und beschwört 
bei seinem königlichen Worte, entweder ihr die Ehre zu lassen oder 
}t ihr das Leben zu nehmen. Übermannt von so viel Standhaftigkeit 
Tugend giebt der König der schönen Gräfin das Ehegelöbnis. Den- 
3n Konflikt, denselben befriedigenden Ausgang nehmen La GalprerUde's 
iiard Roi (f Ängleterre' , 1640; Calderons ^ Amor, honor y poder' , 16S3, der 
hickt eine Doppelhandlung erfindet: Die Schwester des Königs liebt den 
1er seiner Angebeteten, nach mancherlei Irrungen, wobei auch das 
.usmotiv, der Vater, der seinen Sohn zum Tode verurteilt, nicht fehlt, 
len aller Wünsche erfüllt ; weiters P. J. Charrins ^Ämour, honneur ei 
ir, ou le RapV, 1845, eine Übertragung des Calderonschen Schauspiels 
ürgerliche Verhältnisse; auf deutschen Boden dann Philipp Waimers 
ziger Schulkomödie ^ Elisa' 1591; Jakob Ayrers ^Comoedia vom König 
artOf dem dritte diss Namens, König in Engeüand, und Elipsa, Harm 
fielm Montagij Oemahl, ein gebome Gräfin von Varucken', 1618, der den 

einfügt, dals der König durch Drohungen und Versprechungen die 
lilie zu bewegen sucht, auf die Gräfin einzuwirken, dafs sie ihm zu 
len sei ; ferner des Niederländers Karl von Zjermex schwülstiges Opus 
tard anders Stantvastige Weduwe' 1660, das ganz auf La Calpren^e 
iht, und endlich auf heimatlichem Boden ein Gedicht von Michael 
yton (^Englands Heroicall Epistles' 1595) neben einer ganzen Reihe von 
äuspieien, von denen sich nur der Titel und eine oder die andere An- 
;ung erhalten hat. 

Andere Dichter schmieden — was nicht allzu schwer — den Stoff 
Tragödie um. So giebt Oressei einen ^Eduard IW, in dem ein Ratten- 
ig von MifsverständnisBcn und Intriguen den Tod der Gräfin durch 
eifersuchtige Nebenbuhlerin herbeiführt. In dem barocken Roman des 
•en Dumas, ^La Comtesse de Salisbury', I83i>, entleibt sich die Heldin, 

König vergewaltigt, nachdoni sie ihm vorher verziehen. Versöhn- 
er schliefst wieder die Geschichte bei Cdndamo, *La jarreiiera de Ltgle- 
\,* 1722, der gleich cinrr Reihe von Novellisten, d'Argences, Henri de 



■i 1 2 Beurteilungen und kurze Anieigen. 

Jiiiiriirl, Jacquea Yircr u. 11.. dos Strumpfbandmotiv in den Mittelponk 
rückt. Kiiciig Kilnard i'iitnagt freiwillig seiner Leidenschaft, an nohlteile 
.AUclilur^, iK'ii Mui-Ii IMoitey in seiner Ballnile 'Of King Edicard Du nir 
und llic Fair Coiiukss of Salhbury' (dcutxcb nachgebildet von JtiJttuüa 
JS{i:l und liier zum crNtenrnnl veröffentlicht) wählt. Deegidchen di 
liseuO» - sliaki's|]pare»cho Dniina 'The Raigtie of Kmy Edicard the TJtini 
wu Liulicr^wcrbiing luni V^zicht des Königs nur alx Nebenhandlmi 
)!;ej;i'nübor Uit d mm a tigerten Historie der Kriege erscheinen. Mit Hecl 
Hprielit Ijiebiiii das l^i'liauispiel Ölialieapeare ab, dafür vielleicht mit wenigi 
Hecht Itobert lireeiu^ zu. IJei Erörterung dieser Frage aber alle Ai 
HJditen in UtteraturgCfcli lebten, die diesen Punkt — oft nur nebensächlit 
iHler nun 7.weiler Hand schöpfend — berührt haben, wortn'ÖrtUch herail 
i^uhesd innren, war Wohl kanm nötig. 

Zum ;St<ifr}ri'''chidithchen läfst (lich einiges nachtragen: FranfoüH 
inas Miirii' Dacnltiril il' Arnaud (1718 — 1805) schöpft nach eigenem QestäD< 
nl» Uli» i'iner Aiiekdolo in der eDglirichen Zeitachrift Le Magaain Angla 
den t?toff für »eini' Novelle 'Salisbury* (Nouvelles historiques, Paris 179 
1. 1-l-JS), die dann August Gottlicb Meififner fast wörtlich ii 
DeulHehc ülNTlrägt: 'Salishurj' (Gesammelte Werke, Wien 1813, VII 
il-llii; vgl. Fürst, A. G. Meilaner S. 190). Anonym ist der Roman v( 
mUpjif Arifildt l'laiiclicr de Vakour erschienen: 'Edouard ft Elfride ou 
i-iinili-xsi: de SalMiiri) . . . par l'autmr den "AnttaUa du crime et de lo vertu' 
Itiii«, /'»/'"■"'"■ !'^"'- ^"- ■' R''''- "er 'SihnhcTgeT Johann Leon/iard Eoi 
iliT iiiit'T diiii rseiiiluiiym Meirlnmi uncriiiüdlich galante HietJircben z^ 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 418 

dts Englischen Hoffa, Cöhif b, Peter Hammer 1705*, sowie der 'Liebes- und 
Betden-Oesekiehte des Sächsischen und Brittannischen Hofes', ebenda 1708, 
iube ich an einer Reihe von Bibliotheken vergeblich nachgefragt Dem 
Titel nach könnte vielleicht noch in diesen Kreis gehören: F. Th. Thielo, 
'Eduard und Cäcilie oder die Klippe der Standhaftigkeit'. Leipzig, Schnei- 
der, 1776, während Otto Ludwigs Dramenplan 'Die Gräfin von Salisbury' 
DAch den knappen Andeutungen Gesammelte Schriften 4, 18 mit unserem 
Stoffe nur den Titel gemein zu haben scheint. Endlich hat erst kürz- 
lich Maurice Hewlett die Erzählung in seine 'New Canterbury Tales' 
(Leipzig, Taachnitz, 1901) eingeflochten, wo sie dem Schreiber in den 
Hand gelegt wird. 

In der zweiten Schrift, 'König Eduard III. von England im Lichte 
europäischer Poesie,' mustert Liebau diejenigen poetischen, novellistischen 
und dramatischen Erzeugnisse, welche sich lediglich mit der Person des 
Königs und seinen Thatcn beschäftigen, ohne das romantische Liebes- 
verhältnis zu berühren. Auch hier begegnet der Stoff auf mehrhundert- 
jähriger Wanderung keinem hervorragenderen oder selbständigeren Dichter. 
In England sind es neben einigen Dutzend Preisgedichten auf den regie- 
renden und Klageliedern auf den verstorbenen König, die die reiche Samm- 
lung von Thomas Wright (Political Poems and Songs relaiing to English 
Bistonff eompose during the Period from the Accession of Eduard UI to 
that of Riehard IH 1859 — 1861) zusammenträgt, ein paar dürftige Dramen 
von John Baneroft 1691, William Blake 1793 und eine recht ungelenke 
Jugendarbeit von Walter Scott 1822. Für das Ausland war aus der Regierung 
Eduards die Belagerung von Calais und der heldenmütige Widerstand der 
Stadt das denkwürdigste Ereignis, das darum auch auf französischem 
und deutschem Boden mehrfach Bearbeiter gefunden hat: Mme de Oomex 
1734, Mme de Tenciri 1739 (deutsch von J. J. Eberlen, Wien, Trattner, 
1765; polnisch von J. LLNiemcetcicx, Wilna 1782), Karl Weichselbaumer 1821. 

Dazu kommen noch: Die Belagerung von Calais. Eine historische 
^^ahlung, Berlin, Rüdiger, 1768; Die Belagerung von Calais. Schauspiel 
*'» A. Augsburg, Bürgten, 1 709; L. Hibeau (L. Merin), Marie rofi Viennc 
<^ die Belagerung von Calais. Schauspiel. Berlin 1859 ; weiters ein Poema 
^ capto Caleto in Simon Schardius, Historicum opus tom Hl. Basel 1574; 
<Jie Opern von Donixetti, L'assedio di Calais, Neapel 182S (Text von Silar- 
^i), von Ch. Louis Hanssens, Le sitgc de Calais. Brüssel 1861; in Eng- 
Ij^ud: 0. Colman, The Younger, Sotigs, duets; choruses ... in the Surrender 
^f Calais. A play. London 1791 und The Surrender of Calais. An histo- 
^(Udrama. York 1801 (identisch?). 

Bonst trägt auf deutschem Boden aufser dem mehr durch Lessings 
^tik im 81. Litteraturbrief als durch seinen Erfolg berühmten Stück 
*^^f8es nur ein vielgenanntes und vielgewandertcs Schauspiel des 17. Jahr- 
hunderts den Namen, aber nur den Namen des Königs: *Vom Könnich 
«^Witfo tertio aus Engelandt, wirt sonsten genandt: Der bekleg liehe Zwanck^* 
öne Bearbeitung der berühmten Lopeschen 'Fucrza Lastimosa' (1609), die 
über zahlreiche deutsche und niederländische Bühnen gewandert ist und 



tll [k'iirteiluiigea und kuree Anzeigen. 

liLicT Kiitiilimli-' '< '.TaifA\ Marianü' in dem 'Alaicoe' Friedrieb Scbl^els UDil 
r|ri— 0(1 NaihiiliiiiiKifrea vinil Parodien fortlebt.' 

>'ifhL L'rniiliiit h.il Lieliau aufaer den oben angeführten Bearbeitnngco 
ilir 'HulayiTiiny von Calaiä' ein Vecesiihau spiel von I59Ü 'Tlie Raigne "f 
King Edicanl tlu- Ihird 03 it halh bin aundrie timee plaied about the Cili^ 
of London. Lundon. C. Burb}/ (Brit Mnaenm, C. 21, o 50), dann ein Dnun« 
iilier die Schlacht bei Crecy: Chrialop/ie Oodmond, The Oampaign of 1346 
mäing with the batik of Crecy, an hislorical drama in 5 ar(i. LotidoR lS3ß 
als Privatdruck ISül wiederholt mit auafiüulichen Anhängen über d>' 
Kriege Eduards III. In Ilftlieo hat ftufser Erizzo auch Fedcrico Fedrritr 
dem König ein Güdioht gewidmet; Eduarde IIl d'IngheUerra. Oaaia ISiS 
Von dLii Söhnen Ivluards III. erzählt Jameö Whitea historischer EomaJ 
■The Adveotiire uf John of Gaunt', 1790; vgl. CrosB, Anglia 25, 251—51' 
Die einschlngige Abhandlung von J. SUvIter, 'Edouard III dans nos den; 
litt^ratures,' Bulletin de i'AcadÖmie royale de Bclgique. 2. Ser. XL'^ 
tlSi"!*), (>8I— 710 ist dem Verfasfler ohne Schaden unbekannt geblieben. 

Am Sehluii'^e feiner zweiten Schrift giebt Liebau eine sehr dankend 
werte ZopanmienBtellung : 'Gestallen bub der englischen GeBchichte ub' 
I.illeraturgej'i^liichtp al« dichterische Vorwflrfe in der dentscheo Litteratur' 
zu deren Ergänzung ich mein Teil beitrage, freihch zumeist nur au 
Grund der Keniirnis des oft hrefObrendeu Titel.»; 

Alfred aerOrofae: (Anna Füller,] Alfred, König von PLnghind, ein 
Gu'.fhiphte ans dem neunten Jahrhundert. Bremen 179-!. 




BeurteiluDgen und kurze Anzeigen. 415 

F. A. F. Winderfield, Anna Boleyn. Tr. in 5 A. Aarau 1872. 
Carmen Sylva, Anna Boleyn. Hist. Tr. Bonn 1886. 
E. Hey den, Anna Boleyn. Tr. in 5 A. Fürth 1887. 
C. V. Blücher, Anna Boleyn. Tr. in 5 A. Schwerin 1890. 
Byron: Rudolf Oolm, Lord Byron. Sp. in 4 A. Wien 1888. 
Karl Bleib treu, Byrons Geheimnis. Sp. Zürich 1900. 
J. V. Janke, Lord Byron am Genfer See. Sp. in 2 A. Berlin (o. J.). 
Canat: G. N. Bärmann, Geschichtliches Drama in 4 A.: Theater. 
1. Teil. Mainz 1838. 
W. Kay 8 er, Kanut oder Gelübde und Schwur. Bitterschauspiel. 
Paderborn 1895. 
Cranmer: August Gottlieb Meifsner, Oranmera letzte Nacht. 

Erzählung. 1389. Ges. Werke VII, 170 ff. 
Crom well: Der edle Crom well oder das Hofglück. München 1786. 
Müller-Strübing, Oliver Cromwell. Tr. in 5 A. Berlin 1843. 
Th. Hell, Der Sohn Gromwells oder eine Restauration. Hist. 
Lsp. in 5 A.: Dramatisches Vergilsmeinnicht. Dresden 1844. 
21. Band. 
H. Josef owitz, Cromwell. Sp. in 5 A. Berlin 1880. 

Siehe auch : Montrose. 
Darnley: siehe Maria Stuart. 
DoQS^las: A. v. Tromlitz, Die Douglas. Hist-romant. Sp. in 5 Abt. 

Berlin 1825. 
Edgar: A. Schutt, Edgar, dramat Gedicht in 5 A. Freiburg 1839. 
Beinhöfer, Edgait der Grofse. Histor. Sp. in 5 A. Emden 1840. 
Edmund [f 870]: S. Edmundus ADgliae rex et martyr. Aufführung 
auf der Jesuitenbühne in Glatz 1653 (Prohasel, Festschrift d. 
Gymn. zu Glatz 1897, S. 42). 
Eduard der Märtyrer: Invidia Novercalis Victima. Eduardus Angliae 
rex odio Alfrithae Novercae regno et vita priyatus. Aufgeführt 
Glatz 1694 (Prohasel S. 52). 
Eduard V.: Gespräche in dem Reiche derer Todten zwischen Eduard V., 
einem unmündigen König von England, welcher nebst seinem 
Bruder von einem leiblichen Vetter nicht nur um die Cron, 
sondern auch um das Leben gebracht worden, und Ludovico I., 
König von Spanien, welcher erst vor wenigen Monaten an denen 
Kindern - Blattern gestorben, worinnen beyder jungen Könige 
Leben und merkwürdige Fata enthalten. Leipzig 1721. 
Elfrida:* Friedrich Justin Bertuch, Elfride. Weimar 1775. 

* Erich Schmidt, Elfride-Dramen : CharakteriBtiken ^ S. 441 — 454. Werner, 
***. f. d. A. 13, 403. Dazu von fremdspracliHchen : Alfrede, Reyne d'ADglcterrc. 
'^Uvelle hiätoriquc. Paris 1678; Klfri<la a serious opera in 2 acta [italieniscli 
^^<i engliÄch]. London [1785?]; [Deslandes, K.?j Elfride, drame en 3 a. Paris 
*^3; Elfrida ou Tambitinn paternelle traduite de l'anglais par F. J. Moreau. 
**ia 1798; M. B. de la L.. [Mar. Belin de la Liborliere], Elfrida, imite de 
^»»gliu». Hamburg 1798. 2 Bde.; üuillard, Elfrida. Oper. Paris 1792. 



I Beurteilungen und kurze Anzeigen. 

Br-ii. [Brumbey?!, Elfride. Eine Tr. Eur Muallt. Klbkg ITS«. 
Maximilian Klinger, Elfride. Tr. Riga 1787. 
Johann Edling, Etfriede. Melodmma. Berlin 171«). 
Friedrich Schiller, Elfriede. [Eulvrurf.j Uist-kril. Aaipk 

15, 1, 322—326 (vgl. Jlioor, Edlingere LittemlurM. 1, I7ß), 
F.W. Ziegler, Die Macht der Liebe. OriginaltrauerspieL Wien 181 
Archibald, Elfride. Tr.iuSA. Oedenkmein, Tascbenbucb Mtß 
H. von Markgraff, Elfride. T. iu 5 Ä. Borlio I81I. 
Schulte», Elfride. Romant.-kom. Oper. Brsii nach neig \W- 
Paul Heyse, Elfride. Tr. in 5 A. Berlin 1870. 
Adftlbert Schröter, Elfride. 8p. in 5 A. Köln 1001. 
EigeTa; Edwin und Elgiva oder die Wunder de« heiligen DunnW 

eine altengliache Qeschichtc Tom Verfasser d« WiUCit vi 

Moötbarry. Leipzig 1791. 
Elisabeth: Schauplatz der Oemütabewcgungen hoher Pereonen iu d 

Liebesgeectiichte der weltberühmten Königin Eli-iabeth und i" 

Grafen von Eeaex unlängst von einer StandespereöD in englisdifi 

Sprache dargestellet, anietKo aber von einem Liebhaber deisBllim 

in das Teutsche übersetzt. Leipzig 1<>S7. 
Geheime Geschichte von der Königin Eliaabetli und dem OiaffO 

von Eseex. Frankfurt 1743. 
August Gottlieb Meifsner, Selbst die gröfate IvÖnigiD ittont 

eine Frau, 1788. (Gesammelte Werke IV, Uö ff.) 
K er a 1 i o , G£«chich(« der Königin Elisabeth von England. Wien 1 ?;'-■■ 



Beurteilungen und kurze Anzeigen. 417 

Gray, Johanna: G. £. A. Wehler t, Johanne Gray. Tr. Elberfeld 1818. 
H. Müller, Lady Johanna Gray, die Unschuldige. Histor. Ge- 
mälde frei nach W. Scott. Braunschweig 1833. 
Burghardt, Johanna Gray. Tr. in 5 A. Bonn 1866. 
£. Lionnet, Johanna Gray. Tr. in 5 A. Berlin 1878. 
J. Fels, Johanna Gray. Tr. in 5 A. London 1881. Als Manu- 
skript gedruckt 
Gl. Pfudel, Johanna Gray. Tr. in 5 A. Berlhi, Haack, 1894. 
Harold: Uhland, Harald. Balladen 1811. 

Franz von Elsholz, König Harald: Schauspiele. Leipzig 1854. 
Schliebner, Harald, der letzte Sachseukönig. Oper. [Musik yon 

G. Dullo.] Königsberg 1872. 
H. Herr ig, Harald der Wicking. Oper. [Musik von A. Hallen.] 

BerUn 1881. 
Krone, Harald. Oper. [Musik von C. Pfeffer.] Wien 1883 (1887). 
Heinrich II.: 0. £. Sommer, Heinrich der zweite, Herzog von Mont- 

morency. Hist-dramat. Gedicht in 5 A. Wien 1817. 
Heinrich YL: Ignaz Gas teil! , Die rothe und die weifse Rose. 

Histor. Oper in 3 A. Wien 1810. 
Heinrich VIIL: 1629 wollen Gomoedianten in Danzig eine 'Gomoedie 
von einem Könige aus Engelaut Henrico [VIII ?]' agieren. Der 
Rath schlägt aber das Ansuchen ab (Bolte, Danziger Theater 60). 
Gespräche im Reiche der Todten zwischen Heinrich VIII. von 
England und Soliman II. Türk. £[ayser. Worinn ... die Ehe- 
scheidungen des Ersteren und die anderen Fata, welche er 
mit den übrigen Weibern gehabt . . . berichtet werden. Leip- 
zig 1721. 
Pecatoris in extremis ultima vox exemplo Henrici VIII. Angliae 
regis explicata. Aufführung in Freising 1739. (Mitt. d. Ge- 
sellschaft f. deutsche Schul- und Erziehungsgeschichte 1, 245.) 
L. Hamm, Heinrich VIII. oder die Willkür auf dem Throne. 
Originaltr. Köln 1848. 
Henriette von England: Friedrich Schulz, Henriette von Eng- 
land. (Gesammelte Romane 3.) Braunschweig 1790. 
Hogari;h: Hogarths Studien. [Roman.] Leipzig [1800?]. 
Hood, Bobin*: F. Bartels, Robin Hood oder der englische Freibeuter. 
Xordhausen 1831». 
Reinhold Moscn, Robin Hood. Oper. Leipzig 1880. 
Jakob IL: J. v. Hall, Der Verschworene oder die letzten Regierungs- 
jahrc König Jakobs II. aus dem Hause Stuart. Ein historischer 
Roman. Berlin 1828. 
Franz Nissel, Die Jakobiten. Tr. 1859. (Dramatische Werke. 
Stuttgart 1894. 2. F.) 



* J. B. McGowein, Notes and Querics 0. S(?rK VIII, S. 263 f. Kuud- 
*8«ii über deu Kobin Ilood- Stoff in cUi Dichtung. 



^ Beurteilungeu uad kurze Anzdgen. 

l'iirlo Cliiiliu, Die PulververBchwörujig. Histor. Tt. in 

\V,'iiiiar 1«ü:i. 
Karl Stuart II.: Christian Weise, Der englische Eichbaum. 

(Vi^rliirc'ii; Erii^h Schmidt, AD. B. 4t, 530.) 
Aiigiiat Gottliol> Meirsncr, Der KBnig im Botddl Ertälilung. 

17ö3. (Ges. Worte IV, 51) ff.J 
Leiiz-Külinp, Karl II. Sp. in 2 A. MaioE 1835. 
Eni^t Raupacb, Die Rojalistcn oder die Flucht Karl Stuart« U. 

Sjj. Leipzig (Reelam 188^). 
Ottokiit Stiiuf V. d. March, Der tolle Stuart. Lap. in i A. 

Wien m>t. 
Karl Bdnnrd: Der Irnurige Ritter in schwarEer Gestalt in den Gebürgai 

BcliolClands. Oder die HiBtorie des unglflcklicben PrinUW' 

Karl Stuarts, des Engl. Prätendent«ns in einer Comoedie vi 

gestellt zum Gebrauch der Proetendent-Hof-Aeteurs iii Ho 

AiiB dem Französ. von K. P. L. v. O. 17-1&. 
C. L. Klo^e, Lehen des Prinsen Karl aus dem Hauae Sttiirl, 

Graf Albany, Prätendenten der Krone von Gro&brilaiuiiöi' 

LdpKig iöp:. 

LeiceHtor: liudolf v, Gottachall, Amy Eobsart. Leipzig 18W. 

Maria Stuart : ' Regulis Tragoedia sive Maria Stuarla Seolonim B^W 
t^c I.egitiiiiu Anglieani Imperii Haere» . . . [Jesuiteudrami-i 
['rag I(i41. (Veröffentlicht von Anlon Tobiaa, Arch, f. d. Sw- 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 419 

Fr. Lang, Maria Stuarta. Sp. 1709. Mscr. in Petersburg (Rein- 
hardstoettner, Forschungen z. Kulturgeschichte Bayerns 4, 237). 

Bonaventura Landtwing und Felix Moos, Maria Stuart. 
Aufführung in Zug (Schweiz) 1728. (Bächtold, Litteraturgesch.466.) 

1736 Aufführung in Einsiedeln. (Bächtold, 466.) 

Regia innocens atque pia Impiae crudelitatis hostia sive Maria 
Stuart, Scotorum regina perfidia suppressa, crudeliter mactata. 
Aufführung in Ottenbeuren 1767. (Zeidler, Blätter des Vereins 
f. Landeskunde von Nieder-Österreich 27, 148.) 

Müller, Maria Stuart, Königin von Schottland. Ein romantisches 
Gemälde in 3 Bänden. Hamburg, ca. 1800. 

Engelbert Schmidt, P., Maria Stuarda, Königin von Schott- 
land, ein Tr. 1802. (Hs. im Ferdinandeum in Tirol. — Fach- 
katalog der Abteilung für deutsches Drama und Theater der 
Internationalen Ausstellung f. Musik u. Theaterwesen. Wien 
1892. S. 72. Nr. 1.) 

Lembert, Maria Stuarts erste Gefangenschaft: Dramatische Neu- 
jahrsgabe f. 1827. Wien. 

Damley, ein historisches Gemälde vom Verfasser des Kardinal 
Richelieu. Leipzig 1831. 

FlodoardGeyer, Maria Stuart, lyrisches Monodrama. Berlin 1 836. 

A. V. Tromlitz, Bilder und Scenen aus den Jugendjahren der 
Königin Maria Stuart. Dresden 1841. 2 Bde. 

H. Cornelius, Maria Stuart. Trilogie. Paderborn 1846 — 1848. 

E. Raupach, Maria, Königin von Schottland. Berlin 1858. 

L. Schneegans, Maria, Königin von Schottland. Heidelberg 1868. 
J. L. Nie od 6, Maria Stuart. Symphonische Dichtung. Leipzig 1879. 

F. Dannemann, Maria von Schottland. Bremen 1880. 

Maria Tndor: L. Scoper, Maria Tudor oder die Günstling«- Hin- 
richtung. Ein historisches Gemälde aus der Mitte des 16. Jahr- 
hunderts. [Nach Victor Hugos Maria Tudor] Nordhausen 1835. 

Marlborongh:' Herzog v. Marlborough. Lsp. Stendal 1784. 

August Gottlieb Meifsner, Marlborougs Jugendsünden. Er- 
zählung. 1784. (Ges. Werke X, 3 ff.) 

Milton: Joseph Michl, Milton und Elmirc. Singspiel. Frank- 
furt a. M. 177o. 
Friedrich Dinge Ist edt, Milton. Entwurf z. e. Drama. (Roden- 
berg, Dingelstedt 2, 96 ff.) 

Montrose : Heinrich Laube, Montrose, Der schwarze Markgraf. Tr. 
Leipzig 1859. 



* Über das Malbrough-Licd (Erk-Böhmc, Liederhort 2, Nr. 325) vgl.: Pasque, 
den Spuren des französischen Volksli« ds, 1^99, 84 — 93; Sarrazin, Franco- 
a 11. 64 f.; Voretzsch, Zeitschr. d. Vet. f. Volkskde. 3. 337; Arthur Kopp, 
lorion 6, 276— -289 u. 7. 318—319; Keuschel ebenda 6, 598; B. Liebich, 
iiloDgeu der Scblesischen Cüeäellschaft tHir Volkskunde 5, 21 f., 61 t. u. Ch. New- 
lobinion, Nineteenth Century 46, 251—261. 



' Beurteilungen und kurae Anzdgen. 

Morns ThomftB; EraBniiis v. Rotterdam, Carmen heroicum it 

niorlciii Thumae Mori. (K. Hartfelder, Zeitaehr. f. vergl UUe- 

rMturg:eadiicbte 6, 457 — 4Ö4.) 

Jacob BiiMe, Thomae Mori conatUDtio. Lyriconim lib.I.Odelll 

{liJ-i:i); Opera [joetica. Mönchen 1729. I, S. 5. 
Thomaa Monis, ÄuHühiimg in Wieu 1088. (Walen, Gwch. d, 

Wiener Thentere 38.) 
Ciloriosa constantiae et religionU victima aive Thomas Morug Aagliif 
cancelliirius. Aufführung in Freising t7U7. (Mitteilungen d. 
Geaellschnft f. deutsche Sühul- u. Erziehungsgeachichte I, ' 
Thouiaa Blorua, Gloriosua Victor et Victima pro Sede ApoBtoli» 
Aufführung in München 1723, (Jahrb. f. Müncbener GeechiclW 
3, 103.1 

.Matrbias Ktenhueber, Thomna Morua: Erneutes Altertum. IW. 

i ReinharJatoettner, Forschuugeu zur Kulturgescb. Bayern« 1, 4'.l 

Lorenz voii Westenrieder, Äufgatz zu einem Tr, 

Giwchicliie des Thomas MoruB. 1781. (Mfti Koch, Jahrb. I. 

Münchener GesühiL'hte 4, 18.) 

Chr. Ney, Thomas Morus. Tr. Paderborn 1893. 

Pitt: H. V. üiai.ichall. Pitt und Pos. Esp. Leipzig 1865. 

Richard Löwenherz:' Wenil, Ricliard I. Oper. [Musik von Ph-Tdfr 

luiui.] Hatnl>urg ITif. 

.Itjsi-pli Weigl, Richard Löivenherz. Ballett. Wien ITE 

' , Richard Löwcoherz. Oiier. Fiei uacb dem 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 421 

E. Bormann, Der Kampf um Shakespeare. HumoriRtisches 

Märchendrama. Leipzig 1897. 
W. Schäfer, William Shakespeare. Sp. Zürich 1900. 
Sheridan: Sheridan. Das Glückskind aus Wallis. Aus dem EIng- 

lischen. Erfurt 1802. 
Stauhope, Esther: Franz Hedrich, Lady Esther Stanhope. Die 

Königin von Tadmor. Leipzig 1852. 
Strafford: Der Graf Strafford. Tr. in 5 A. Leipzig 1796. 

August Gottlieb Meifsner, Strafford. [Erzählung.] 1788. 

(Gesammelte Werke XIII, 88.^ 
K. C. y. Leonhard, Graf von Strafford: Dramatische Versuche I. 
Warbeok: G. K. Claudius, Warbeck oder der falsche König von 
England. Erzählung. Leipzig 1782. 
Ignaz Kuranda, Die letzte weifseBose. Aufgeführt Wien 1838. 
G. Wengg, Warbeck. Tr. Bremen 1894. 
Warwiok: Der verliebte Engländer Graf von Warwick. Nürnberg 
1704. 2 Bde. 
Des Grafen von Warwick Geschichte. Berlin 1744. 
Der Graf von Warwick. Tr. Mannheim 1786. 
C. L. Bille, Richard Graf von Warkwick. Eine Geschichte. 
Wien 1792—1793. 3 Teile. 
Wilhelm der Eroberer: C. Nicolai, Wilhelm der Eroberer. 2. A. 
[Erzählung.] Quedlinburg 1817. 
Wien. Arthur L. Jellinek. 

leorg Jürgens^ Die Epistolae Ho-Elianae. Ein Beitrag zur eng- 
lischen Litteraturgeschichte (Marburger Studien zur engl. 
PhUologie). Marburg 1901. 87 S. 

Ea ist eine merkwürdige Thatsache, dafs die Geschichte des englischen 
Briefes noch keinen Bearbeiter gefunden hat. Kompilationen und Ohresto- 
uthien epistolographischen Charakters giebt es eine ganze Anzahl, aber es 
ßblt immer noch ein historischer Überblick über die Entwickelung dieser 
>Uerarischen Gattung. Es ist nun erfreulich, dafs mit der vorliegenden 
Arbeit wenigstens ein Ansatz zur Behandlung eines so anziehenden Themas 
l^macht worden ist. 

Jürgens nimmt naturgemäfs als Ausgangspunkt die lateinische Episto- 
<^graphie der Humanisten, die in Cicero und Seneca ihre Vorbilder sahen, 
^hnen folgten bald Briefsararalungen in den Nationalsprachen, wobei in 
Italien Fietro Aretino (1537), in Spanien Antonio Guevara (1539) voran- 
pngen. Die Italiener bemühten sich, in ihren Briefen als Stilisten zu 
glänzen, während die Spanier auf den Inhalt gröfseres Gewicht legten, 
^&bei aber leicht in eine gewisse Schwerfälligkeit verfielen. Gegen den 
Italienischen Einflufs richtet sich mit Entschiedenheit Eticnne Pasquier, 
^ösen Briefsammlung 1586 zu erscheinen begann. Kr strebt nach mög- 
üchster Einfachheit und Natürlichkeit, und im selben Sinne äufsert nich 



12'.' Bpiirtciliingen nnd kurze Anrogen. 

>riiiitiiip'iii\ iler er.alF frniir.äsiKche Essayist, der, wenn er mehr in de 
grolneii Wflt {relebt batte, mihi auch der erste Epistolognph Franknd 
gewcircloii iviire. TMt/.dcm fflndcn die bombastiachen, in&altloBen Biitl 
eine« Itnizac nidit bluf^i iu Frunhreich Bewunderer nnd Nachahmer. Dt 
diese uciie BeHcgiing nucb uach England hinttbeii^ft, ist lacht n 
släuülicb. Es entwickelt eich dort im 16, Jahrhundert eine engliid 
nricfsicIlrTlitteMtur, nelicii welcher Übersetzungen fremder Briefainm 
Iiiiigeii eiuhcri^'liC'ii, und endlich treten auch englische Originalbiiefe ii 
l-i<-ht. Zuerst ist es Bischof Hall (1607—10), der in GueTKras Fabtifü 
tritt und anstatt Briefe moralische Essays liefert, dann James Hon 
der (iegonstaiid der vorliegenden Arbeit ist, 

Ilonell ist unter den Litteraten seiner Zeit entschieden äae der ioh 
i^isantostcii Erfclieinungen. Cicboren 1593 in Carmarthotphite, tritt i 
wie die meisten \Vel^')llIlcn, in das Jesus College zu Oxford und widm 
Mich dann iluni Kaiifniannsliemf. Er unternimmt weite Rasen nach di 
Nieilerl Anden, Fr:iiikreich, der Schweiz, Italien und Spanien, wobei 
sich i'inc damals iingewiibnliche Kenntnis der Sprachen und Sitten di» 
TJiuder aneignet. Miin scheint dann iti England auf seine Verwendbi 
ki'it aufinirkMiiiL j^civorden r.a sein: wir finden ihn bald als SekretSr b( 
Karl of ^unilcrland, später im Dienste des Ministers Strafford; auch «1 
<T wicdirliDlt zu cliplomatischen Sendungen verwandt und scheint läop 
Zeit als A_L'pnl oder Spion der royfl listischen Partei in London iaaff' 
/II li:ii><'ii. Infol^'i'dcsseu wini er auf Bcschlufs defl Parlaments in i 
Flfcli;pf;ii)(.'tii-' i?i>-^perrt und dort acht Jalire (ltH2— 1C50) festgeh«»' 




Benrteilungen und kurze Anzeigen. 423 

nnter die Erzählung, die Schillers Ballade vom Grafen von Habsbtirg zu 
Gnmde Hegt; die Greschichte von dem Einsiedler und dem Engel (aus 
den Gesta Romanoriun, zugleich die indirekte Quelle von Pamells Her- 
mit); der Rattenfänger von Hameln (vermutlich die Vorlage ffir Brownings 
(Gedicht); die Qescbichte vom Kastellan von Coucy (erzählt in einem 
Briefe an Ben Jonson, mit dem Howell eng befreundet war); endlich, was 
der Verfasser übersehen hat, eine Parallele zu der altdeutschen Novelle 
TOD der Wiener Meerfahrt (Buch II, 54: hier nach Holland verlegt). An- 
den Briefe erweitem sich zu Essays und Traktaten; sie verbreiten sich 
etwa über die Qeschichte Spaniens und der Hansa oder belehren den 
Adressaten Aber die Sprachen Europas, die römische Kirche oder die 
Religionen der Erde. Dann erhalten wir Abhandlungen über die Weine 
und andere Getränke, über den Tabak, über die Sibyllen, über die In- 
quisition u. a. m. Es mag zweifelhaft scheinen, ob solche Schreiben noch 
all ^familiär letters' gelten dürfen, und damit erhebt sich die Frage nach 
der Echtheit der ganzen Sammlung. Diese ist schon früher angezweifelt 
worden, ond erst der letzte Herausgeber, J. Jacobs, ist wieder entschieden 
för ihre Anthenticitat eingetreten. Jürgens nimmt in dieser Frage eine 
vermittelnde Stellung ein und gelangt durch eine sehr minutiöse Unter- 
suchung der Briefe, auf die hier nicht näher einzugehen ist, zu einer 
Beihe von Kriterien für ihre Ekshtheit und Unechtheit Die Sammlung 
üt zu der Zeit entstanden, als Howell im Glefängnis sals. Es ergiebt sich 
dtraos, dafs er weder über ein vollständiges noch über ein zuverlässiges 
Material verfügte; waren ihm doch seine Papiere eine Zeitlang ganz vor- 
enthalten. Jürgens nimmt als Hauptgrundlage der Sammlung ein Tage- 
buch Howella an, dessen Existenz aber (trotz der Bemerkungen auf 
B. 66. 67) keineswegs strikt erwiesen werden kann. Sicherlich hat es 
Moch Briefe, die er selbst empfing, sowie Abschriften seiner eigenen, 
^«rner einige historische Aufsätze benutzt. 

So viel über den Inhalt und die Resultate der Jürgensschen Schrift, 
l^urch sein streng methodisches Vorgehen wie durch sein klares und be- 
sonnenes Urteil hat der Verfasser, auch wenn wir ihm in einigen Einzel- 
hdteo nicht zustimmen können, sich unseren Dank verdient. 

Berlin. Georg Herzfeld. 

Neuere Erscheinungen auf dem Gebiete 
des englisohen Romans. 

The traitor's way by S. Levett-Yeats (Tauchnitz editiou vol. 
3549). 

Der Roman spielt im alten Frankreich der Glaubenskriege, vorwiegend 
*^ Hof der Katharina von Medici, der Stoff ist mithin wichtig in seiner 
"[p^tgeschichtlichen Bedeutsamkeit. Aber nur 'a story' will der Autor er- 
f*^, einen Ausschnitt aus der mächtigen Historia bieten. Und er geht 
^ <ier Beschränkung noch weiter: er giebt seinen Stoff in Form einer 



424 



6eDrt«ilung«Ti und kurae Anzeigen. 



Autobiographie seinen Helden. Das genälirt ihin verscliiedcne Vottnii- 
Die Materie bekommt einen «nbeitlichea Zuschnitt, wvW sie unter ein*' 
Gesichtspunkt gestellt ist, die Danteilung wird intim, weil sie von «io«' 
StiiiimuDg durchdrungen wird. Der sehreibende Held verlebendigt hbii' 
Geechichte. — Freilich geht es hiehei nicht ohne KQneteleien ah. 

Schon äulserlich betreffe der Behandloiig der Fabel- Der Held a- 
zählt hinterdrein seine Geschieht«. Er beherrscht eie domDacli in all ifaw 
realen und ideellen Zusammenhängen wie in der tdlweieeD Oleichzäti^ 
keit ihrer einzelnen Phasen. Diese AJIwisaenhdt darf er aber nicht cr'- 
rat«n. Er miils im unuut«rbroeheneu ZnsanimenhHng blofs seine pemin- 
liehen Erlebnisse darstellen, er darf in der jeweiligen Situation, die <' 
bescbreibt, nicht mehr seheo, hören und wissen, als er eben damals, <!• 
er sie erlebte, sehen, hören und wissen konnte. Nur mit dieser Befangen- 
heit in der Situation erzielt er den intimen Beiz einer lebendigen Dir- 
stellung; andererseits mub aber der Autur seinen Leser Ober den Selitt 
hinaus informieren, niufs ihn die Zuaummenhüngc wenigstens ahnen Inticn. 
damit ihm aua dem grälsereu Verständnis das stärkere Interesse aa drm 
Ganzen erwache. So hat der Autor zweien Herren eu dienen, seinM' 
Helden und seinem Leser. Das gehört auch litterariscb zu den •chwic- 
rigeo Aufgaben. 

Noch schwieriger wird es dem Autor hinsichtlich der Btimmang. D« 
schreibende Held — hier der zerknirschte Sünder, der über die Geschichte 
seines Lebens General beichte ablegt — hat seine scharf ausgeprilgl« (''' 
fühisnote. Der handelnde Held ist oatürlich in den verschieden eu FbiM> 



Beurteilungen und kurze Anzeigen. 425 

eicht Am Anfang und am Ende der Geschichte und manchmal im Ver- 
rüfe derselben bekommt der Held Gewissensbisse und reuevolle Beklem- 
aimgen. Er lyrisiert sozusagen am Schreibtisch. Im Übrigen färbt er 
lie einzelnen Phasen seiner Erzählung nach dem jeweiligen Stand der 
3inge. Das ist verzweifelt wenig, es ist nicht organisch, sondern mecha- 
liflcb. Eb ist der Behelf eines routinierten Litteraten statt des Ausdrucks 
inee wahrhaften Dichters. Hiefür reicht der Eunstverstand nicht aus, 
der hätte das halbbewulste, naive Schaffen künstlerischen Ingeniums 
valten müssen. Deshalb muis hier auch die Wissenschaft verstummen, 
äe kann nur feststellen, was fehlt. 

Auch in Bezug auf die Durchführung des Problems befriedigt der 
^man nicht völlig. 

Wie de Vibraö, der junge, treffliche, glänzende Kavalier und Offizier, 
:um Verräter seines Herrn, des Herzogs von Cond4, wird, weil er sich 
ins verschmähter Liebe an der Frau seines Freundes rächen will, das ist 
las Hauptmotiv. Es ist psychologisch bedeutend und sehr entwicklungs- 
ähig. Aber es ist gefährlich, denn genau besehen ist es zwiespältig. Der 
leid ist erotisch und politisch. Seine Liebesgeschichte ist der Anlage 
lach verwickelt und bedeutend. Er glüht für die Frau seines Freundes. 
)bwohl er die Schwere seiner Schuld fühlt, kann er der Leidenschaft 
licht Herr werden. Im entscheidenden Moment, dem der Entführung, 
chreckt die junge, unverstandene, aber im Kern brave Frau zurück. Er 
lält sich für das Opfer eines koketten Spiels und will sich rächen, indem 
T seinen früheren Freund, den Gatten der Frau, und mit ihm sie ins Ver- 
lerben stürzt Das ißt die Haupthandlung. Sie eignet sich zu einer sol- 
chen ausgezeichnet, doch unter der Voraussetzung, dafs sie ihrer psycho- 
ogischen Seite nach kräftig ausgebaut, tiefgründig entwickelt wird. Das 
*at der Autor nicht vermocht. Unter seinen Händen wird das Thema 
^▼ial, eine Liebesaffaire wie tausend andere, weil die Behandlung auf 
ler Oberfläche, am blofis Fabulistischen haften bleibt. Nach dieser Seite 
"ö bietet das Thema nicht viel. Fabulistisch ist aber die politische 
Nebenhandlung begreiflicherweise sehr ergiebig. Hier dreht es sich um 
'as Schicksal des Kronprätendenten Cond^, um das Geschick von ganz 
^nkreich. Hof- und Palastiutriguen spielen hin und her. Das kann 
•War psychologisch tief gehen, wird aber auch bei blofs äulserlicher Be- 
^^dlung schon sehr interessant wirken. Der Autor ist nun den Lockungen 
^®f derberen, fabulistischen Reize seiner politischen Nebenhandlung unter- 
*8Cö und hat die erotische Haupthandlung darüber vernachlässigt, weil 
^ deren inneren, psychologischen Wert nicht erkannt hat oder nicht hat 
^Kennen wollen. So degradiert er die Hauptsache zur Nebensache, er- 
irOckt er den Vordergrund durch den Hintergrund. Wie bei der for- 
■^alen Durchführung erweist er sich auch in der Behandlung des geistigen 
*^^me8 nicht als echter Dichter, sondern blofs als geschickter Litterat. 
^^ seinem prächtigen Stoff schlägt er nur die äufserlichen Effekte, nicht 
^^^ innerlichen Wirkungen heraus, die poetischen Keime ersticken unter 
^'»er litteratenhaften Behandlung. 

Archiv f. B. Sprachen. CIX. 2^ 



426 Beiirt^utigen und kurze Ans«igTO. 

Id the palace of the kiag by F. Marion Oawford (Taochniti- 
edition vol. 3469, 3470). 

Mit dem ITotcrtitel dieses pHcudohiBtorischeti Romans, A tore »Ion/ v. 
oW Madrid, Bcheint eicli der Autor snlvieren ku woUeu. War ei iedo" 
Absicht, höhere Anforderungen au sein Werk dadurch Ton yornhcnic^ 
zntQck zu weisen, eo hat er redit gethan. Von der Geschieht« hat Am 
Boman nur die Staffage. Wieviel die Altmadrider Historie oder auch: 
nur Aookdote stofflich üeigeateuert hat, wieTJcl davon etna uiDgebUM 
oder dazu neu erfunden ivordco ist, bleibt hier gldchgdltig, wdl du 
Ganze nicht ein Kulturbild aus König Philipp« 11. Zeit liial«t, aandcni 
lediglich eine 'lore slorij', die au gar keine bcBtiminte Zeit geliuodell Ift- 
Dafs der Untergrund der Fabel altspaniach koloriert iat, ludert darais 
nichts, weil das Frublem aus dem Milieu nicht organuch Brwach(«n iti 

Besieht man sich nun diese 'Liebesgeeehichte' naher, so gowahrt msn 
wie die 'Lielre' von der 'GeBchichte' vöUig vergewaltigt wird. Nor dia 
Fabel prweckt Interesse, nicht die Entwicklung des psycho logisoheii Pro- 
bleme, Von eiueni solchen kann streng genuinmen gar nicht die Keda 
»an, denn das Innenleben der Figuren ist blofe typisch, lullJiIu rdllo* 
Et erhält weder durch die Eigenart der Feraonen eine Beaunderhelt, IKk£ 
wird e» durch die öu&eren Schicksale der Feraouen irgendwie beeJnfluisC 
Held und Heldin lieben aich, weil sie aneinander Gefallen finden, uac 
sie bleiben sich treu, well aie nicht aufhören, aneinander Gefallen xu ßiu 
den. Somit lebt dieser Boman nur von der Fabel. Ute Ist soaveriia 



Beurteilungen und kurze AuzeigeTi. 427 

puppenhaften Figuren gewifs nicht. Wollte man zu ihrer Kennzeichnung 
die dnunaÜBche Terminologie anwenden, so mülste man statt von Charak- 
teren von Rollenfächern ältester Handwerkerei sprechen. Da ist der 'Held' 
und die 'Heldin' als vielfach gefährdetes Liebespaar, das sich am Schlufe 
die Ehe ersiegt: Don Juan d'Austria, der tadellose Held, und das arme 
Edelfräuldn Dolores. Gegenspieler sind König Philipp, der 'Intrigant', 
weü er mit seinem Halbbruder grofspolitische Heiratspläne hat, und die 
Ffintin Eboli, die 'Intrigantin', weil sie den volksbeliebten Don Juan 
gegen den verhafsten Philipp ausspielen und als ihr Werkzeug mils- 
brauchen möchte. Die Partei des Heldenpaares nehmen die blinde 
Schwester der Heldin, zugleich ihre entsagungsvolle Rivalin in der Liebe 
2U Don Juan, Ines, also die 'Sentimentale', und der verwachsene Hof- 
narr, also der 'Komiker'. Dazu kommt noch der 'polternde Alte' Men- 
doza. Er ist ehrenfester Oardeoberst, Vater der Heldin, macht in Furcht 
vor dem Glück seines Kindes halbe Opposition. Das ist — abgerechnet 
ein paar unwesentliche Nebenfiguren, die Statisten spielen könnten — das 
'Personale'. 

Puppenhaft, wie diese Figuren sind, werden sie auch in puppen- 
i^äfkiger Symmetrie gestellt und in Bewegung gesetzt. Im Mittelpunkt 
<ias Heldenpaar; rechts auf der guten Seite das Paar der guten Helfer, 
<lie Blinde und der Bucklige, die Schwachen; links auf der bösen Seite 
^as Paar der bösen Intriganten; der König und die Fürstin, die Starken; 
zwischen den Parteien der brav-bornierte Vater — mit dem Herzen für, 
niit dem Kopf gegen das Heldenpaar. 

Etlichen dieser Figuren wird ein historisches Mäntelchen umgehangen. 
Als historische Individuen geben sich Don Juan, Philipp und Eboli. 
Freilich sind sie historisch nur im Sinne einer flachen Typisierung: ein 
einziger hervorstechender Charakterzug wird bis zur Karikatur übertrieben, 
und daneben verschwinden alle übrigen. Don Juan ist nur Held, Philipp 
Tiur Tyrann, die Eboli nur Intrigantin. Die Individuen sind zu alle- 
gorischen Personifikationen je einer menschlichen Eigenschaft zusammen- 
geschrumpft. Als historischer Standestypus erscheint Mendoza, der hyper- 
%ale Militär, und Adonis, der gutherzige Hofnarr. Die beiden Mädchen, 
^i® heroische und sentimentale Liebhaberin, haben von den Spanierinnen 
^rer Zeit nur die Toilette. 

Diese Puppen sind nichts anderes als litterarische Totgeburten. Und 
^<>ch gewinnen sie den Schein des Lebens, Das bringt die Fabel zuwege, 
^ber auch nur infolge ihrer Konzentration. Damit überschüttet sie den 
^er mit einer Fülle von Handlung. Ihre pausenlose Geschlossenheit 
^^t keine Zeit zu prüfendem Nachdenken. Doch das ist blofs mecha- 
'^^^oh. Die Geschlossenheit wirkt wie ein lebendiger Organismus. Ein 
^^tnent scheint aus dem anderen notwendig hervorzuspriefsen. Auf die- 
*^*^ Strom drängender Wellen treiben die Figuren wie Kähne auf dem 
'^Haser. Von ihm haben sie die Bewegimg, die ihnen den Schein eigenen 
^l^cns borgt Ist aber das Spiel verrauscht, die Fahrt zu Endo, so liegen 
die FiguTCn wie tote Kähne auf dem Ufersand. Nach der I^ktüre, in 

28* 



L-Tt\;fi.- Spider 



Bpurt^iliingea und kurze Anzeigen. 

f-rdpii (üp ?fheinb(iren Personen wieder za Puppen. Pu 1 
nur cm ^'pifl mit psyciiologificlieu Scieinweri«n, dnt 



riie lir-t ineu in tiie moou bj H G Wells (Tauchmtz edition 

\ol 3 »77) 

41li liebe rostet nii.bt — mOchte mau angesichtB dieses jDngtt 
pli II 1 1 l 1. 1 R tu I ' ^ II \\ eilt, ausrufen So wäre also der Ant« 
niel !li eil I^eidcr Denn diese Geleifie sind mdit 

uur lun HiiBgefahrea WelU ist als Phautattikd 

■ fji staltet nicht mehr achupfensch iondem 



i 



pt 



lerkiigi bthr iiel Neunelt, vermischt mit etwas AJtwelt Jenf 
ruufs iurtli diL Brille \oü dieser beseht» werden damit wir Altleote die 
Nruleuti besser lerstiheu Ta kommt also irgend em Engländer heutigf' 
l'ru^iiii^ mittel? irgend eines Apparates von fabelhaft nissensdiaftlidieD 
Kriftin 111 dir \tiiHeit besieht aich dieselbe unttr entaprechenden Äben 
leucrn iiiid Ltbrt dauü wieder frohgemut beim ins traute Laudon u"' 
hier niuudliilii.li oder schriftlichen Reisebericht ^wissenhaft zu etstatlen 
Da. I t kr I tlini'iciK Kniff 

lii Ri/((t \ rluiirt weiter dufs dit 'Situationen auf der Altwelt nai 
ihre 1 ij,iir n 1 1 r in 1 inib iruben in dir Neunelt möglichst intim wirken 
'- i mrbn I iiltri r ilististh behand< It gonrehaft ftuage>itjttel un' 
\ 1 1 ri-t -i ii ) I 1 lilit Mm L mmt mit ihnun im Handumdrehen »u* 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 429 

ben und fährt zurück. Er landet glücklich auf Erden, selbst- 
ich auf englischem Boden. Das ist die erste Hälfte unserer Ge- 
lebt unser Held inkognito. Der Apparat, den er nie yerstanden, 
Iso nicht nachmachen kann, ist ihm durch Zufall verloren ge- 
Mit dem fragmentarischen und beweislosen Berichte von seiner 
irde er bei seinen Zeitgenossen keinen Glauben finden, man würde 
^arrenhaus sperren. Nach einiger Zeit hört er aus der wissen- 
len Welt von Mondtelegrammen, die an die Erde gelangen. Die 
len verstehen sie nicht, ihm lost sich das Katsel. Sein Freund 
eben geblieben, hat mit den Seleniten Verkehr gefunden und die 
sllschaft studiert, wovon er nun ausführlich und eindringend be- 
Freilich, die Mondtelegramme kommen nur verstümmelt an. Es 
elee im unklaren. Sie werden seltener, kürzer, verstümmelter, 
oiten scheinen sie — aus Erdenfurcht — zu durchkreuzen. Das 
es wollte das wissenschaftliche Geheimnis des Apparates ent- 
- bricht schmerzlich ab. Der Freund ist wohl das Opfer der 
Am Seleniten geworden. Er verliert sich ins transterrestrische 
Das ist der zweite Teil der Geschichte. 

Disposition ist famos. Sie sorgt für Spannung. In der ersten 
ieht man die Mondwelt blois in Bruchstücken und diese nur in 
:hen Umrissen. Erst im zweiten Teil liest man die vollständige 
)ung und erhalt damit die befriedigende Erklärung. 
Disposition gewährt aber auch ästhetische Abwechselung. Der 
l ist vorwiegend auf Stimmung gearbeitet. Der Leser, der sich 
: nolens - volens mit dem Helden identifiziert, steht unter der 
les realen Eindruckes. Er schaut die fremde Welt mit seinen 
;en Augen. Im zweiten Teil hört er nur den Niederschlag klarer 
ungen in theoretisierenden Kommentaren. Der erste Teil ist vom 
rgebracht: hier wirken Phantasie und Gemüt; im zweiten Teil 
er Fachmann: hier herrscht der Versland vor. So wächst die 
lis im umgekehrten Verhältnis zur Stimmung. Dabei hütet sich 
Verfasser gar wohl, den zweiten Teil unpoetisch der kalten 
haft preiszugeben. Die Berichte sind lückenhaft. So bleibt un- 
intasie noch Spielraum genug zu ihrer Bethätigung, um aus dem 
arischen Material ein Vollbild zu gestalten. Und der gelehrte 
jh auf dem gefährlichen Mond wirkt persönlich. So macht sein 
BS Schicksal, besonders gegen Ende, unser Herz erbeben, und die 
g wird stark in uns. Der Autor sorgt also reichlich für poetische 
i in der theoretischen, zweiten Hälfte. 

1 noch einen dritten Vorteil gewährt diese Disposition. Der phan- 
Roman spielt nur zur einen Hälfte im phantastischen Milieu des 
Bevor man Zeit hat, durch das Fremde befremdet zu werden, 
äffen unter den gewalttliätigen Phantasieeindrücken, mit denen 
^utor hier bestürmt, werden wir in der zweiten Hälfte nach der 
n Erde erlöst. Die glaubhafte Welt stimmt vertrauensvoll für 



•1311 [leurlei langen und kune Anzeigen. 

ilk' iiiiK^iiiihwiinligi'ii Üerii'hte vom Mocid, weil das Jenseits mit dem Dire- 
seits Sil intiui uiiii plniipibel versciilimgen wird. 

Man sieht, wie Ifiug, ja geistroll UDd poetisch sicli der Auter um 
Hcincti f|)ru(leii Stoff bemüht. Trotzdem ist er — bei mir wenigsteriB - 
i'rf'i1u[tua gelilieheii. Ich liniia mir dfis nur aus dem gattungsmä&igcii 
Charaliler des phnnta^ti sehen BomniiB von Welle erklären. Ec ilt litte- 
rarisch zu praeia iu Anlage und Zweck, als dali er für Variationen gwiu^ 
Spielraum (ihriir Innsca konnte. Der erste Wurf war originell und iudi- 
viducll, er hiit ni/idilij; jrepackt; die folgenden Vnrianten vermochten äich 
iiii'ht über sebH,blinM<-rte Kopien zu erbeben, die man der Hauptsache nstli 
uiigeleseu auBweiidig kennt. Dos Themu ist eben zu eigenartif;, um stär- 
kere Uniiirlungen zu erlauben. 

Tlic wlieel.'^ nf elinufe bv H. G. Wells (Tauchnitz edition toL 

'Heiireka' maf; der biedere Kritikua rufen, der die Litteratur («in 
näuberlieb nnch Bluffen (rattungsmäfsig abgliedert. Er hat eine iiciie 
Spei'ie* des Romans gefunden, den 'Rad 1er- Rom an'. Damit Bolite ich 
eigentlich mein Hiferat über das Werk beBehhcl^en, denn ich radle oicbt 
Aber vielleiiht bat diis Urteil des Bachlieb Unbefangenen auch seinen Wen, 
und deshalb i>'ill ich fefltetcücn, dafs ich mich auf dieser meiner lilie' 
rnriseben Radfiilirt von Aulors Gnaden priichlig unterhalten habe, w 
r dieses Referates nicii 
n Kiid kaufen zu kfinnen, um die Sache reell zu probieren. Die Schilde- 




Beurteilungen und kura^ Anzeigen. 431 

halbgebildeten Commis eines Kleinladens aus der Londoner Vorstadt, 
und das ist sein Held, und es giebt nichts Bornierteres als den an Ibsen 
verbildeten Backfisch der guten Londoner Gesellschaft, der 'sein Leben 
leben will', und das ist seine Heldin. Ein köstliches Paar, unreif an 
Alter und Art. Der Commis benützt die Augustwoche seines Jahres- 
urlaubs zu einer Badpartie aus London hinaus, ins Land hinein, zur See 
hin. Er sitzt noch nicht sicher auf seinem Bad, steht aber noch viel un- 
sicherer im Leben, denn er kennt es nur im kleinen Ausschnitt von sei- 
nem Ladentisch aus, er erträumt sich von ihm noch romantische Wunder. 
Auf der Fahrt begegnet er dem Backfisch. Die Kleine ist mit einem 
nicht mehr jungen Herrn ihrer Tante durchgegangen. Er hat ihr viel 
von Ibsen und nichts von seiner Frau erzahlt und will sie nun ihr Leben 
leben lehren. Sie hat sich die Ibsensche Welt minder erotisch und im 
Erotischen legitimer vorgestellt und verzweifelt Ober ihre Dummheit. Als 
Better in der höchsten Not erscheint der Commis. Sie geht nun mit ihm 
ihrem falschen Befreier durch. Die beiden fliehen in Furcht vor dessen 
Verfolgung. Der aber denkt nicht an eine solche. Dafür beginnt eine 
neue Verfolgung: die Tante setzt mit den Getreuen ihres Hauses der 
flüchtigen Nichte nach. Der Wirrwarr all dieser äulseren Vorfälle wirbelt 
die Fabel in unwiderstehlicher Komik durcheinander. Dabei geschieht — 
und das ist das Komischste — eigentlich gar nichts Absonderliches, 'die 
gewöhnlichsten Alltagsgeschehnisse erzwingen durch ihre blolse Gruppie- 
rung die Lachlust. Mit diesem äuiserlichen Wirrwarr hält in steter 
Steigerung Schritt der Seelen Wirrwarr unseres Heldenpaares. Beide ver- 
kennen einander in ihrer reizenden Lebensunreife. Er sieht in ihr die 
ernsthaft-originelle Dame aus der grofsen Welt und glQht für sie in 
keusch- verschwiegen er Liebe. In ihr erwacht eine gutmütige Sympathie 
für ihren Better und Bitter, der so vornehm in seinem Wesen und so 
sonderlich in seinen Manieren ist. Ihre weibliche Neugier nach *Nam 
und Art' befriedigt er — verführt von der Eitelkeit des 'Bitters' — mit 
einem halbvcrschleierten Inkognito. Nur dafs er 'aus den afrikanischen 
Kolonien' kommt, gesteht er ein. Dabei kommt er leider in immer grö- 
isere geographische und ethnologische Schwierigkeiten, die ihm der gebil- 
dete Backfisch unbewulst bereitet. Vor allem drückt ihn das Bewufstsein 
der Lüge. Knapp vor Schluls, d. h. vor der Gefangennahme durch die 
siegreich vordringende Tante rafft sich der Held zur Generalbeichte vor 
der Heldin auf. Sie verzeiht ihm in Rührung über seine moralische 
Selbstüberwindung. Nun ist das Abenteuer äufserlich und innerlich zu 
Ende. Es kommt zum kurzen, stummen, herzlichen Abschied fürs Leben. 
Den Backfisch nimmt sich die Tante mit, der Commis kehrt zum Prin- 
zipal zurück. Commedia ^ finita. 

Aber wenn diese Geschichte scheinbar ins Leere verpufft, weil sie 
keinen 'richtigen Ausgang' hat, so bleibt sie doch dem für zarte Psycho- 
logie eindrucksfähigen Leser gewifs unvergessen, weil sie den richtigen 
Inhalt hat. Sie birgt wahrhaftiges Leben in ihrer komischen Hülle. So 
üerb die komische Fabel ist, so fein wird die geistige Entwicklung der 



■I:i2 Itoiirteilungeu und kurae Anseigco. 

/.u'ei llaiijiiligurcii gefülirt. Sie gesunden von ihrem inneren Makel: Jet 
Cuiiiinis verlier! sL'iiie Ranalität, der Backfisch seine Borniertheit Ito 
Hi'ilmiitel für diesen iL-^ychiauben GeaundungsproMds, das hier lur V«- 
wLiiiJuüg kiminit, Qiid iks einzige, das auch sicher wirkt, es ist die a- 
/ieheoiie Leben>erfahruüg. Drollig waren die geistigen Defekte, dtollig 
ist iiudh dli' MiHli/.iui cm kleines Stück Leben voll komischer Unbeiie«- 
loudhcil. T'iii! docl] iviirdc es so bedeutungsvoll für die Beteiligteo, tr«! 
sie es eben i[iiii.'rli{'li und niebt nur äiiTserlich, weil sie es psycliologiszh 
und uidil nur fiiliulistisch durchlebt haben. Darum wirkt diese Bumomte 
iiuch wirklich humoristisch, darum gebührt dicwem Roman auch -der Plan 
h\ Act puetischen Littcrntur. 

i-'uGP in law by Klidcla Brotighton (Tauchnit^ editioo vol. 3475). 
Es ist ein [''nmdienroman, und zwar nicht nur ein Komaii für Jie 
Fiiniilic, M)ndern uuch ein Roman vou der Familie. Seine Motive wuraelD 
im ;.'ci=ii(;eu Niihrlioden der Familie. Diese erschöpfen sich gewöhnlich 
— nändich in der regulären Schablone des Familienromans — in den 
Stoff|)hiiaeii (irr Licbschnfl, des BraulBtatides und der Ehe, So einfsch 
Ijeht es aller hier Holt sei Dank nicht ab. Die Autorin gewinnt dem 
:ilten Stoffe neue Scitctt ab. Sie schildert den Kampf der Schwägeriaiwn. 
Kr siiielt awischeii der Schwester und Frau des HauBhcirn. Die Gf- 
^i'liivihler h.iben zusammen Wirtschaft geführt. Da verlobt sich plötriich 
iIlt Urudfr. Die Si'lnv;lj:crinneu gefallen einanrier nicht Die Schwtsla 
)il- iii']HK-ei!icrti' llaii'.fr.tu bat dcu schwereren Ptand. Aber die jungr 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 488 

Um Bo stärker wirkt hier — ich möchte sagen: die reine Psycho- 
Sie wird nur etwas materialisiert durch den Beisatz von socialem 
Der Bruder ist Landpfarrer, der Bräutigam sein Kurat, die 
ster das typische Pfarrerstöchterchen. Es ist die geistliche Welt, 
lerrscht B^nheit innerlich und Pedanterie äulserlich. Alles ist kor- 
nd geheiligt in der Pfarrfamilientradition. Das Stichwort ist herzens- 
'hilisterd bei echter Bildung. Und nun platzt in dieses geordnetste 
lauswesen die junge Frau, die geborene Boh^mienne. Sie ist ein 
kendes Geschöpf trotz ihrer grenzenlosen Fahrigkeit und all der 

I Boshaftigkeiten, über die sie in der Defensive verfügt. Sie char- 
durch die Geschlossenheit ihrer Natur. Bei ihr ist alles notwendig, 
innt keine Überlegung, sie folgt blofs ihrem Instinkte. Und ihr 
i ihre Familie : der Vater vor langer Zeit social deklassiert und men- 
cheu, die vielen Kinder, weil die Mutter längst tot, verwahrlost auf- 
iisen. Von den drei erwachsenen die Schwester der Braut angehende 
Spielerin — noch ohne Beweise ihrer künstlerischen Kraft, aber durch 
lurch anständige Boh^mienne, d. h. sie lebt nur ihrem künftigen 
wieder eine bruchlose Figur von reizendster Einseitigkeit. Der Bruder 
aut ein Überläufer aus dem Lager der Boheme ins Land der Philister, 
•eamter in London, noch so weit Bohbmien, dafs er unwillkürlich 
sant wirkt, und behaftet mit der ehrlichen Absicht auf die sociale 
Stabilität. Die halberwachsenen Geschwister souveräne Bangen 

II dem Beiz ihrer ungebogenen Natürlichkeit. Das ist die zweite 
in unserem Roman. Sie ist die stärkere von beiden. Sie siegt im 
f, wie immer die Eücksichtslosigkeit über die Rücksichtnahme, wie 

die Ungebundenheit über die Bedächtigkeit. Doch hier ist Kampf 
>ieg erfreulich, denn es triumphiert die starke Natur Über eine 
zhe Kultur. Dabei ist es der Autorin gelungen, beide Mächte sym- 
ch zu zeichnen. Man sieht, der Roman greift tief ins innerste 
henleben hinein. An der fabul istischen Oberfläche, in den realen 
^hnissen ist er alltäglich, fast möchte man sagen bpnal, aber im 
^nde der geistigen Mächte, die hier ihren Kampf auskämpfen, 
tzt sich die Gewöhnlichkeit in die Notwendigkeit. Die Psychologie 
allgemein-menschlich, dafs sie nicht nur in dem geschilderten Einzel- 
>8olut wahr wirkt, sondern jeden Leser durch die Kraft berechtigter 
'ie persönlich packt. Das ist ja das Zeichen echter Poesie, dafs 
robleme über den litterarisch ausgeführten Beispielsfall hinauswirken 

Wesen und die Erfahrung der verschiedenst gearteten Leser hinein, 
i Vorzug besitzt auch unser Familienroman: eng umgrenzt im Bild 
er an Lebenssinu ins ungemessene. 

Canterbury tales by Maurice Hewlett (Tauchnitz edition 
^ol. 3537). 

an kann einem Mensehen alles nachmachen, nur nicht seine Natür- 
it Das hat wohl Hewlett vergessen, als er dem Altmeister Chaucer 
anterbury tales kopiereu wollte. Er ist mit groDsem Wissen und 



i'M Beurteilungen und kurze Anzeigen. 

■.tiirkrrij IviuiiiL'n iiu Heinp Arlwit gegnugen und hat sie mil feiueia l 
i«d[iuai.'k li II religf führt. So ist ilim ein tadelloses Werk geJnngen, 
ilem der kritehirle Vcrftand nichts auszusetzen hat. Trotz alledem bldbt 
ninii (liefen neuen CAnt^rhury tftles 'kühl his ane Herz hiuaa'. Diu bitr 
Interesse erwärmt sich nie his zur iebcnciigen Anempfindung, weil lii? 
Kopie durch den Mangel von Natürlichkeit in Totenstarre verharrt. Henkt 
-HliiGU Chaucer, das ist unnatürlich, also auch unlebendig. £^ ist Dscti- 
ahmende Kiinatelei statt Kunst, die ihre Lebcnslrraft einzig als Ausdrack 
der lebendigen Persöoliohkeit gewinnt. Wahre Kunst ist, weil persBnlichi 
itnmer neu, Sie erstirbt in Nachahmung, denn das Nachnhmen ist nicIiU 
anderes als das Aufgeben der Persönlichkeit seitens des Kopisten. 

Als Kunstwerk sind die N. C. T. mithin wertlos, aber dae ßiniiut 
ihnen nichts au Interesse, soferD man sie als litterarisclies Espcrim«il 
lii'traiblet. Hietür ergeben sich zwei Fragen; wie nimmt sich das Werk 
alu Kopie uua im technischen und wie im essentiellen Sinne? 

Technisch ist die Kopie vorzüglich. Weil das Vorbild — ein Meint«- 
wcrk der Weltlitt^rntnr — leider Fragment geblieben, so ist die Kopie 
besser als das Original. Sie hat diesem nämlich nicht nur alle beatcheo- 
den Mcietcrziige nachgebildet, sondern auch alle nur angedeuteleo, i 
ausgeführten glücklich abgelauscht und durchgeführt, denn die N. C. T. 
rtilid eil» abgpsehliis.'ieucs Ganzes. Hiobei handelt es sich um zweietla - 
e'itii|irechend der Konipoaltinn des Originals. Chaucer wollte in Anieb- 
iiiiiisr nn BiiccHccios Dccameronc ein cyklisches Werk schaffen: eine 
I Einnelerzablungen äolltf durch eine wirksame Grup] 




BeurteiluDgen und kurze Anzeigen. 435 

ine (^esamtfitruktur: die erste Historie ist ernst bei gutem Ausgang, die 
weite tief tragisch, die dritte schliefst wieder erfreulich ab. 80 steigert 
ich die Stimmung zum mächtig ergreifenden tragischen Höhepunict in- 
litten der Vollgruppe und ebbt von da gegen das Ende hin immer mehr 
b, um am Tiefpunkt der abschliefsenden 'Komödie' heiter auszuklingen. 

Die Gruppierung scheint also Chaucers Absichten zu verwirklichen, 
icht minder der Bahmen. 

£r besteht sinngem&fs aus einem Prolog, Epilog und den Zwischen- 
iedem, welche die Einzelerzählungen verbinden, und hat die äuiseren 
tuationen der Reisegesellschaft zu bringen. So weit ist er Mittel zum 
jveck der Verklammerung der Einzelgeschichten zum Geschichtencyklus. 
as ist seine mechanische Funktion. Er hat aber darüber hinaus eine 
ganische. Er muls für sich selber etwas bedeuten, die Erzählung über 
'O Elrzählungen. Freilich kann das nur eine eigengeartete Erzählung 
^en. ÄuTserlich besteht sie hauptsächlich bloüs aus Kopf und Schwanz ; 
e Mittelteile sind minimal geraten. Dann soll sie den übrigen Erzäh- 
ngen nicht Konkurrenz schaffen. Chaucer schien diese Rahmenerzäh- 
ng genial bauen zu wollen: er giebt ihr in der Person des Wirtes die 
ntralisierende Hauptfigur und in der litterarischen Konkurrenz der 
nzelerzähler das organische Problem; er hätte in der Preis- Wahl und 
erteilung den natürlichen Abschlufs gefunden. Hewlett mufs hier von 
tiaucer abweichen. Er hat mit seinen sechs Geschichten zu wenig Ma- 
rial für die Grofszügigkeit des angedeuteten Grundplans von Chaucer. 
3 begnügt er sich mit der blofsen Hinfahrt nach Canterbury, läfst keiner 
siner Figuren den komposition eilen Vorrang, gliedert die Erzählung nicht 
.renge, sondern verwebt die einzelnen Gestalten und Ansätze einer Fabel 
ur lose zu einem leichten Netz, das er über die sechs G^chichten hin- 
rirft, wodurch er diese leichtiich zusammenfafst. Sein Rahmen ist äulser- 
ich vollständig, aber innerlich fragmentarisch. Dadurch wirkt er aber 
ehr gut: er regt blofs an, führt aber nicht aus. Von seiner Verschwom- 
nenheit sticht die Deutlichkeit der Einzelgeschichten reizend ab. Der 
Vutor sorgt auch hier mit seinem sicher arbeitenden Kunstverstand für 
Üe richtige Wirkung. 

Hewlett kopiert also im Technischen tadellos. Wie steht es nun um 
iie Kopie des Inhalts? Von einer solchen ist nur im generellen Sinne 
'Q sprechen. Die Einzelgeschichten sind aus der Litteratur der Zeit der 
*fthmenerzählung, also aus dem 15. Jahrhundert, genommen wie die 
-^ucers aus dem 14. Jahrhundert. Damit gelangt man zum springenden 
'^Qiikt Chaucer wählte naiv aus seiner Zeit, Hewlett archaisiert sich um 
^ halbes Jahrtausend zurück. Und ihm ist dies nicht etwa blofse 
■^ostümspielerei, sondern voller Ernst. Er vermittelalterlicht sich ganz 
^^ gar, er geht völlig auf in der (Jefühlswelt der uns längst verrauschten 
"^t. Da können wir als modern fühlende Menschen nicht ganz mitgehen, 
y ^ können es nur soweit, als in den Problemen auch Allgemeinmensch- 
^ches beschlossen ist, also Zeitloses, allzeit Gültiges. Wo aber das Spe- 
"^^h-Mittelalterliche vorschlägt, hört unsere naive Auempfindung auf, 



l'lii üeiirteilungeD und kurz« Anzeigen. 

fiirtlt sith unu die lllusiou Dicht ein. & fehlen uns zur unmittclbu«! 
lilnipfäiiglicbkeit die sdliaterlcbten kulturellen Prätuiseen. Historisdif 
nilduD); iHHg jn dem einzclneo hinterdrein die ScltaHmkeiten erklären, i" 
itit nher wiseensuliiiftliche Aueiguung, nitht küiietlerieche Aufniihine. Wii 
licgreifeti, alier wir leben nicht mit. Nicht auf alle sechs Geachichien 
und nicht auf ie<!e Phnse der einzelnen pafst dieser Vorwurf, doch ofl 
[!enu^ imterbrechea die Fremdartigkciten die IIIumod, »o dafs m in 
OrniKo zu keiner künctlenBchen Totalwirkung briogen kann. Chaocer bsl 
nie Kind seiner Zeit (Qr seine ZeitgeoOBBen gedichtet, das war natürLdi. 
>1ewleCt h»t aus Sucht uauh Kuriosität seine Zeit verleugnet, und so 
niil.sseii seine Zcilt,'enns3eu ihn verleugnen, denn sein Vorgehen ist uc- 
riatfirlicb. Immerhin ist aber seine geistvolle Arbeit voller luteresse d' 
litti'nirJsches E.xpcrinient, wenn auch hIe ein mÜBglücktes. 

Siinie wonieii I have ItDown by Maarten Maart«ns (Tauchniü 
edilion vol. 3541). 

Per Titel ist das Unglück des Buches. Er fflhrt irre mit semen Vb- 
siirechungen, dciiu einmal verheiftt er eine höhere Einheit der zwölf Gc- 
n liiihten, die dn^ Buch ausmatben, und darum liest man — als gewiasai- 
liiiltor Krttikuei — den Band in einem Zug durch, um dessen QesaiDl- 
ivirliuiiy fAi verspürcu, dann glaubt man sich auf etwas "Erlebtes' (ol' 
iviilir iider fingiert, bleibt gleich) getafst machen zu müssen und belwW 
^i('b mit Arispriiciien auf echt realistische Prägung. In beiden Entit- 
niiiu'en wir<l niaii iilier gründlich enttäuBcht. Man mirst durch das Vet- 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 437 

iie ersticken im engen Baum. Die Perspektive wird unnatürlich, die 
Uoflion bleibt aus. Vollere Fabeln oder gar Charakterentwicklungen ver- 
Bugen auch äulserlich mehr Platz, um überzeugend wirken zu können. 
)ie knappe Form der Skizze taugt eben nur für scherzhafte Komplikation 
»der für ein hinhuschendes Stimmungsbild. 

Der Autor hat den Gattungscharakter der von ihm gewählten 
^nnstform des öfteren verkannt Das ist eine litterarische Todsünde. Sie 
rächt sich auch unmittelbar dadurch, dafis sie dem Werk die Wirkung 
^immt. Sie wurde also nicht etwa b^angen an den Vorschriften des 
Ästhetikers, um den sich der schaffende Künstler gewüs nicht zu küm- 
mern braucht; der Autor hat sich vielmehr in diesem Falle an seinem 
Leser vergangen, dessen Aufnahmsfähigkeit er unrichtig eingeschätzt hat. 
^ Publikum einer bestimmten Zeit und Kultur ist eben als psycho- 
logischer Faktor eine konstante Gröfse. Es unterliegt psychologisch nur 
S&Dz geringen Schwankungen. Der Autor kann es kennen, und folglich 
mulk er es kennen. & schafft die Kunstform, das Publikum sanktioniert 
sie ^ ganz naiv, wenn es ihre lebensvolle Wirkung verspürt. Es ist ein 
^rlicher Handel 

Igls bei Innsbruck. B. Fischer. 

Dr. F. Köhler, Die Allitteration bei Ronsard. Münchener Beiträge 
zur romaDiscben und englischen Philologie. XX. Heft 1901. 
152 S. 8«. 4 M. 

8. IX— XV. Benützte Werke. 

Die wenig bekannte Arbeit L. Frogers: *Le8 premürea poisies de 
^omard (Ödes et Sonneis), Matners 1892' ist auch Köhler entgangen. 
^D8t würde er gewiis erwähnt haben, dals in der genannten Abhand- 
lung zweimal von der Allitteration bei Konsard die Rede ist. Hätte 
^ die Bemerkungen Frogers über die All. bei Bonsard gekannt, so 
bürden vielleicht einzelne Teile seiner Untersuchung anders ausge- 
fallen sein. Jedenfalls hätte er daraus ersehen, dafs eine Heranzie- 
linng der Ausgabe von 1584 (in dem Nachdruck von Marty-Laveaux) bei 
^er derartigen Arbeit unbedingt nötig ist. Die Untersuchungen Köhlers 
luben darunter gelitten, dafs er die unzuverlässige und unwissenschaft- 
^<^e Ausgabe von Bianchemain (cf. Hartwig, Bonsard-Studien I. Diss. 
^reifswald, 1001, S. 5 — 13) bei seiner Arbeit zu Grunde gelegt hat. Je- 
doch auch diese ist, was den Variantenapparat anbetrifft, von K. nicht 
Klagend ausgebeutet worden; vgl. im folg. S. 443, Z. 25 f. Im Kap. I (Die 
^tteration im allgemeinen) spricht K. zunächst über die Verbreitung der 
^tteration a) in den klassischen, b) iu den romanischen, c) in den ger- 
^^ischen Sprachen. Eine historische Grundlage für die Abhandlung 
^Ibst ist diese Zusammenstellung nicht. 

Sodann werden für das Bomanische folgeode AUitteratiousgesetze auf- 
K^tellt: im Bomanischcn allitterieren 1) gleiche Vokale, 2) gleiche Kon- 
^nanten (bei Doppelkonsonanz [mehrfache K.] genügt die Gleichheit de» 



I^S BeurteiluD^n und kurae Anzögen. 

traten Inlc-t !1 Dir All ist im Franz nicht 'an die Wiederkehr in t* 
stimiulen I [cbuiLgLn der beiden Verabalfteo, suwie an die Wiederkehr in 
jedem VerHp' gebunden sondern sie wird als blofser äu&erer Zierat fteitf 
arigenandt -ll Die All ist im Ronianischen auch nicht an die Heban; 
gebunden 

Fin8chr5nliuQgi.li 1) Zur Bildung von eelbständigen Allitt. 'nicht rechi 
gceignrt' sind Pronomina, Präpositionen und Partikeln. Diese dienen not 
zur 'Vcrstdrkuüg einer bereits vorhandenen' AI!. Man kann dann 
lliltäalli Iteration' sjireLben 2) V\ lederholungeii desselben Wortes ii 
mittelbarer Folge enthalten Leine All S| EbenBOwenig ist diee der Fili 
bei Brndtingen in denen danseibe Wort zuerst als Simplex, dann mit eins 
Vorsilbe niederholt erscheint 41 Sind beule gebundenen Wörter n 
-iclben Präposition zii^ammLOgctietzt, so kann bei nicht allitter. Stsnini- 
i\ortcn von Vllitleratiouen keine Rede «em. ."i) Auch die etymologincif 
higur (jeiloch nvir der sogen Accus des inneren Obj.) bleibt uoberück- 

Bei dieser Zusammenstellung ist jedoch folgender Gesichtspunkt anüci 
ntlit gilanseii in iler Mehrzahl der von K. angeführten Beispiele bandelt 
1-^ -nh ni F niibt um eine bcwufate, beabsichtigte Häufung vi 
U riern mit jrleiLhem kulant, sondern um ein zufälliges Zusamn»- 
Ireffiii deriolbcti De-iwegeii kanu K aiuh nur für wenige Fälle 
I»ir III hier nendet lie All an' oder er macht ausgiebigen Gehrawl' 
1 V II Enn '^[liPidung von beabsiihtigter uuJ zufälliger AlUtt (In d 
/«Htm Falk - Uli min eigentlich gar nirbt von 'AIH Iteration' 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 489 

Ähnliches gilt auch von 

Pottes divins, divina poates de Dieu. 

A. XXXI, p.|19, V. 15, T. I. 

Wir woUeu gleich hier bemerken, dais die Durchsicht der Köhler- 
hen Arbeit durch ungenaue oder unrichtige Citate erschwert wird. Auf 
28/29 z. B. enthalten folgende der acht Citate, welche aus den Amours 
itnommen sind, Ungenauigkeiten oder Unrichtigkeiten. 

S. 28. Köhler: erUre rampus, Blanchemain : entre-rompus. K. saurire, 
. sou-rire, 

8. 29. K. souapirs, Bl. aoupirs. K. A. XXI V* • • (stott XXXTV). 
* A. Biadrigal, V. 17, 18. Es fehlt die Angabe der Seite (152), wodurch 
u Auffinden fast unmöglich gemacht ist. K. Pour me tuer tira dauce- 
ent; es ist me (hinter tuer) ausgelassen und das Semikolon hinzugefügt 

Das Citat: *De miüe et miUe et de miUe couieurs* ist fälschlich be- 
»chnet mit A. OL VII. Jede weitere Angabe (Seite, Band) fehlt, infolge- 
i88en war es nicht aufzufinden. Allerdings lassen sich bei dner solchen 
ülle Ton Citaten, wie K. sie giebt, Druckfehler und Versehen wohl kaum 
irmeiden; aber wenn sie so häufig und in solch unangenehmer Form 
iftreten wie bei K., so wirken sie doch recht störend. Auiserdem ciUert 
- meist nach der ZeUenzahl der Seite, was mindestens für die Sonette 
Qpraktisch ist. 

Was von der Allitteration in der Wortwiederholung gesagt war, gilt 
ich von der *Allitteration im Wort- und Klangspiel'. Auch hier ist die 
Hitteration etwas Sekundäres, Unvermeidliches. Ebenso darf man wohl 
zweifeln, dafs K. recht hat, wenn er behauptet: 'In den meisten Beispie- 
Q zeigt sich nun, dafs es Konsard nicht auf ein Spiel mit dem Gedanken, 
Indern auf ein solches mit dem Klange ankommt.' In den Wortspielen, 
s K. anführt, ist das 'KlangspieP sekundär. Dem Dichter kam es ledig- 
h auf das Wortspiel an. 

Sehr hypothetisch sind die Ausführungen des Absatzes 4 : 'Qrund der 
'Wendung der Allitteration bei Ronsard'. K. sagt: Ronsard sucht mit 
Ife des Lautes den Gedanken zu versinnlichen, den Inhalt seiner Verse 
^ Ohre sinnlich darzustellen. Begreiflicherweise (I) bringt er zarte 
fohle mit Hilfe stimmhafter Laute zum Ausdruck, während Härte und 
techlossenheit durch Allitteration stimmloser Laute versinnlicht werden, 
'erhörte leidenschaftliche Liebe und die ihn verzehrende Qual soll der 
c:liter durch die stimmlosen Konsonanten j9, /) k zum Ausdruck bringen, 
^e Behauptung sucht er durch zehn Beispiele zu stützen. 

Von beabsichtigter Allitteration kann m. E. jedoch nicht die Rede 
li in S. ^, Z. 31 : J*aij la langiie et le canir perces de part en pari. 
^ensowenig in 33, Z. 33 nach der Definition: 'Unter Allitt. versteht njaii 
n Gleichklang der Wort an laute . . .' 

Auszuscheiden ist auch 34, 21. 

In den meisten Fällen scheint es sich um beabsichtigte Häufung 
>ö Konsonanten zu handeln. Stjhr zweifelhaft ist aber, ob dabei Ron- 



l|(i Beurteilungen und kurze Anmgen. 

snril Jip Abnichtrn gehnbt hnt, die K. ihm zueclireibt: 'Die Härte und 
Unerliittlichkeit des Tode» bringt er mit Hilfe der atiwnilosen Konsonm- 
Im ;■ lip/iv, f xmn Auadj-uck.' 'Mit dem Laute * lafat der DJrhler Cha- 
rnliterBlürke und Mut, liriegeriache Neigungen, Iturz alles, was sich ml 
Kampf und Krie^; be/ieht, liervortreten.' 'Mit f und m antworlei te 
Dichter nuf die Frage: «Was ist die LiebeW Waa die 'Amours' ai 
Uli Ist wieder zu bemerken, dafs R. hier die nuEfolI endeten Häiifangen 
vou tionaonaiitün später beschränkt bat, offenbar weil er sie aU iiDBcb<Wi 
einpfaud, z. B.: 

S. Ü3, iri. Un I'romdkee en paasione je auit; — Et [,!] pom- mW 
IKrditnt timle pnüsance (,!] — Ne poiieanl rien, je fay ce que je p«v 
Poiir ist flUBZUSciliersen, da hier — nach K.b Definition — nur von T "' 
nlliltemtiun' die Rede i^ein kmiD. 15S4 Uutea die beiden leteten Ycrw: 
J'iiat, ie mtx, ii- m'efforfe, et ne puü, — Tant d'vn fil noir la Pai'C 

Ähnlich 3a, yg— 20; 34, 1— ^; 35, 9; 36, 1!»; 37, 3. 

r w t ( u ! de A w ndung d AU den K. angiebt, ISfst sicli 

h h al d t M t Hdf d All u ht Ronsard 'seine Sprache 

I I b n hr k fl und St ke zu Ihn de Verse glatt und ge- 

I dg af Das tnfft u fu d e BoBpele 8. 37, Z. 19, Z, 16. 

/ n 1 / 1 In I Bei p 1 n S 38 3 nd 40 dagegen, die mil 

n A 1 u \\ t n t gl hem Anlaut haben, nehme i'i 

i I t uf Ibg / m t ff d gla h nlButenden Worte an. Zu 

d r t t b k h 1 f Ij, des k t rt auf Seite 39 mwl- 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 441 

6. lY (S. 53 — 98) handelt von der Allitteration in formelhaften 
Verbindungen, worunter K. koordinierte Glieder yersteht, Mie durch 
en Inhalt ihrer Begriffe einen festen, formelhaften ZusammenschlulB er- 
alten haben'. Aber, sagt er, abweichend vom Deutschen ist 4m Fran- 
&8ischen 1) eine Umstellung der allitterierenden Glieder recht wohl möglich, 
hne dals der Allitteration dadurch Abbruch gethan wird oder die allitte- 
ierenden Glieder ihren formelhaften Charakter verlieren'; 2) sind sie 'in 
tezng auf ihre Stellung auch nicht an einen Vers gebunden, sondern 
önnen auf zwei Verse verteilt sein.' 

Eine derartige Lockerung des Begriffes 'formelhafte Verbindung' ist 
1. E. ganz unstatthaft, da auf diese Weise die betreffende Verbindung 
[ires formelhaften Charakters entkleidet wird. Deshalb kann ich auch 
ie überwältigende Mehrzahl der Beispiele K.s nicht als 'formelhafte Ver- 
ändungen' anerkennen, ganz abgesehen davon, dals ich die Allitteration 
Q ihnen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, für zufällig, unbeabsichtigt 
lalte. 

Seite 60 — 70 sind dann die (angeblich) formelhaften volkstümlichen 
/Verbindungen aufgezählt, d. h. solche, die 'im Munde des Volkes ent- 
tehen und . . . meist Begriffe umfassen, die der grofsen Masse jederzeit 
'or Augen stehen. — Sie sind meistens schon im Lateinischen vorhanden 
ind verpflanzen sich von Mund zu Mund, von Jahrhundert zu Jahr- 
lundert.' In dieser Zusammenstellung finden sich wirkliche 'formelhafte 
Verbindungen'. Z. B. pleintes ei pleurs — ccBur et corps oder corps et 
v£ur u. s. w. In diesen Fällen handelt es sich offenbar um allitterierende 
(Tolkstümliche Verbindungen, die Bonsard einfach übernommen hat. Sie 
sind dementsprechend auch häufig. 

Keine formelhaften Wendungen sind m. E. z. B. son bei yvoire blanc 
— beües iresses blandes u. a., wo jedoch die Möglichkeit einer 'volkstüm- 
lichen Verbindung' vielleicht nicht ausgeschlossen ist. 

In den Beispielen S. 70 — 97 jedoch vermag ich keine 'formelhafte Ver- 
l>indungen' zu erblicken, 'die Ronsard selbst gebildet zu haben scheint' 
Ebensowenig glaube ich, dafs in ihnen die Allitteration beabsichtigt ist. 
^as Zusammentreffen der gleichen Anfangskonsonanten dürfte vielmehr 
'iü Spiel des Zufalles sein. Sehen wir uns einige von den Beispielen an, 
^^e K. giebt S. 76, Z. 11 und 13 findet sich zweimal die Wendung 
^re — tarrentf jedoch aus dem Zusammenhang herausgerissen. Die Verse 
®B betr. Sonettes lauten (bei Blanchemain) : Ores en forme ou d'un foudre 
^flamme — Ou d'un torrentj cni d'un tigre affamej — Ämour la nutet 
^f^ant mes yeitx la guide. — Mais qtiand mon bras en songe les poursuit, 
" Le feUj le tigre et le torrent 7ne fuit, — Et pour le vray je nc pren que 
' ^mide. In solchem Zusammenhange kann man doch unmöglich in tigre — 
^^^eni eine 'formelhafte Verbindung' sehen. Dasselbe gilt von trarail 
^^tesse (S. 76), coiides — col (S. 78), rtgeifr — vie (S. 79) ; forests — fleurs 
^.81) verteilt sich sogar auf zwei Verse: ^Je vous supplyy ciel, air, rents, 
**onte ei plaines, — TailliSy forests y rivages et foniaüiesy - AyitreSj prex, 
^^eurs, dites-le-luy pour woy/ 

Archiv f. n. Sprachen. CIX. '2^ 



'142 Beurteilungen und kurze Anseigen. 

Pie iliirrl: Tier ^uhstHiil.iva getrennten Worte sollen eine formellmfls 
Verbimliinf; dnrslcüon! So trägt der ganze Alisclmitt den Charakter ift 
künstlii'li KouHlniitTteii, Die 'formelliaften Verbindungen' sind der AUitte- 
ratinn wegen lirinsLruiort, und diese wieder ist in der überwiegenden Mehr- 
zahl der Fälle uubeabsiohtigt. Cbarakteristisch (St die Art, wie K. AUitK- 
rntion auch dort findet, v/o R. sie gar nicht beabsichtigt hat, ist S. SU, 
Z. :1;1 'fkurx fl fruj'. IJIea ist für K. eine allitteriereode formelhsftc 
Verbindung, Nun lautet der Text im Zusammenhange be Blancberaiin 
folgen d erm nfBen : -L'hh ide ses yeiixj dang les niieiis darda lant de Uqumr, 
— S l'autre. apres, lant de flatnea au etcnr, — Qite fleurs et feux dtpuU 
l'hmire je veraE.' Nntürlich giebt 'jieurs' hier keinen Sinn. Es ist ver- 
druckt für 'pkiirs', welches schon aus dem Zueammcnhange hätte konji' 
ziert werden können. Vgl. auiHerdem: Ainours I5ö2; Que pleurs el feia . . ■ 
1553; Qiie pfeiirs el feus ... l-")78 finden wir dafür: 'Que rien qveftiad 
tarnies ie jie rerse'. Von Verseheii nenne ich 8. 73, Z. 8 und 10 LCV 
«tatt CLV. 

SekimdSr und ganz unbeabüichtigt ist die Allittcration in den Be- 
spielen S. fiÖ^lU8 lEtyiiiologischee VerhÜllnis), wo sie durch das Ver- 
wand tstiintt« Verhältnis der lietr. Worte bedingt ist (amour — amoiatui, 
fieiiiilet — belle etc.,1 

Kbensowenig vermag ich in den Beispielen S. 108 — HO be&bBtchdgte 
Allillerotiun zu erljlicfceu. Die Worl^ mit gleichen Anlaut sind dcber 
(ilclit ili'^bnlb irewühll, 'um an [lassender Stelle mit ihnen eine beatiniDiW 
Wirkung 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 443 

oder S. 146, Z. 10 *Le feu, Ic tigre et le torrent me futf, wo wir 1584 lesen: 
*Le feUf la nef, et ,..* 

Auch in Abschnitt VII sind wieder einige Beispiele, in denen Ronsard 
absichtlich Worte mit gleichem Anlaut gehäuft hat. In der Mehrzahl der 
Fälle ist aber auch hier an beabsichtigte Allitteration nicht zu denken. 
Hier hat K. zwar ausgesprochen, dais bei der Aufstellung der Allittera- 
tionsschemata 'leicht dem Zufalle Thür und Thor geöffnet werden könnet 
aber auch von den Schematen, die er anführt, kann nicht ^angenommen 
werden, dafs sie beabsichtigt waren\ 

Fälle von augenscheinlich beabsichtigter Allitteration finden sich end- 
lich auch unter den Beispielen S. 148—152; sicher ist K. aber auch hier 
nicht berechtigt, Schemata aufzustellen, 'von denen man annehmen darf, 
daifl sie beabsichtigt waren'. Die aufgestellten Schemata sind zweifellos 
ein Spiel des Zufalls. 

a aa aa aa aaa 

a a a a a aaa a a 

Aufserdem ist auch in diesen Beispielen Mer Begriff Allitteration im weite- 
sten Sinne aufzufassen'! 

Im einzelnen bemerke ich noch: S. 148, Z. 22 lautet 1584: '0 samt 
braxieTj 6 flame entretenue — I^vn feu diuin . . .' Das angebl. All.-Schema 
ist also beseitigt; ebenso S. 149, Z. 16: ^Doux fut le trau qu^Ämour hora 
de sa trousae — Tira sur moy : doitx fiU racraiaaement . . .' 

S. 150, Z. 19: *Vn PromethSe en paaatona ie auia: — J'oaej ie veuXj 
ie m^efforcCf et ne puia, — Tant d^vn fil noir la Parque ourdit ma vie.* 
Dafs hier die All. später beseitigt wurde, hätte K. übrigens selbst angeben 
können, da ihm die diesbezügliche Variante bei Blanchemain doch bekannt 
sein mufste. Ebenso S. 150, Z. 28, wo ganz neue Verse eingeführt sind. 

Nach dem Gesagten können wir natürlich K. nicht zustimmen, wenn 
er sagt: *Aus vorliegender Untersuchung ergiebt sich zunächst, dafs Ron- 
sard . . . einen weit ausgiebigeren Gebrauch von der Allitt. macht, als 
bisher allgemein angenommen wurde' und 'Ferner kann man sich der 
Erkenntnis nicht mehr verschlicfscn, dafs die All. bei Ronsard eine geradezu 
überraschend mannigfaltige Anwendung findet.' 

Denn in den meisten Fällen, die K. citiert, handelt es sich um un- 
beabsichtigte AU., um ein Spiel des Zufalls. Dem gegenüber finden sich 
allerdings mehrfach Fälle von unzweifelhaft beabsichtigter Häuftmg von 
Worten mit gleichem Anlaut. Es scheint jedoch, als ob Ronsard sich 
bemüht hat, diese Fälle später zu mildern oder zu beseitigen (sicher für 
die 'Amours'). 

Minden i. W. H. Hartwig. 

A. Schenk, Etudes sur la Rime dans 'Cyrano de Bergerac^ de 
M. Rostand. Kieler Inauguraldissertation. Kiel, 1900. 109 S. 

Das Befremdliche des Unternehmens, die Untersuchung der Reime 
^'nes einzelnen modernen Drnmas zum Gegenstand einer Promotionsschrift 

^9* 



iU Beurteilungen und kuree Anzeigen. 

üu niüclioi), int ilom VrrfuBser der vorliegenden Arbeit selbst wohl einiget- 
tiinffien Ijewuß^t gewesen und hat ihn zu einer kurzen Rechtfertigung ve^ 
anlaJsl. Kr beruft sich S. 7 auf Lubarech, den frühveratorbenon Förderer 
der rrnDZ'3siachcn Metrik, der für eine 'folgerichtige Theorie' des franzüsi- 
sehen Reimes die Aufstellung einer ReiiiiRtatiatik uach den beateu Didi' 
tern gefordert und in Aussicht gestellt hatte, aber zu der AuBfilhruDg 
dieser Arbeit nicht mehr gekommen war. Schenk kSndigt nun, sich ml 
LnbHTBthcns Forderung beziehend, eine Reihe von Arbeiten iJber den 
R«im der wiohtigiiU'U zeitgenössischen Dichter an und legt als ersif 
derselben diese Studien über den Reim in Cjrano de Bergerac vor. 

Sein Abai^hen bei dieser Arbeit iat auf eine 'volliitändige Statistik Jes 
Beiines' gerichtet, und er bemüht sich nicht ohne Brfolg, den Kreii« der 
Gesichtspunkte, unter denen man bisher den Reim betrachtet hat, zu er- 
weitern, Cesoudcrs gcuHU fafst er die akustische Wirkung des Gleicb- 
klanges beim Reim im* Augo, oder vielmehr ins Ohr, und stellt, um eiue 
Meth[Hl.- Ir \\''Tt-^i'i:it/niig dfsafn zu finden, was Rostand und andere, 
noch /u 1 'iihter in der Herstellung des Gleichklang« lei- 

sten, Ml' Ki'imtyt>eji auf, begiuuend mit solchen, die di-o 

Glcii'iikl.ii j .;. I f. III;. '..Iit] l.aut^^ in geringstem Umfange zeigen, wie /, B- 
iioiig:rh'iii^, iiiiU i.-üUi^end mit dem reichen Reim, der sich über mehrere 
Sill)..|i erstrrekt. Ferner zählt er das Vorkommen jede« einzelnen Vokals 
oder nijdithimgs in der betonteo Ileimsilbe und stellt die Ei^ebniss« 
dicfier ZiUilung, mit denfii diT eben erwähnten vereinigt, graphisch dar. 
Kr /.figt dril.teiia, wie dio akustische Wirkung des Versausgangte nwi 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 445 

Plan erregt Bedenken. Ohne bestreiten zu wollen, dafs die Wiederholung 
der vorliegenden Untersuchung an anderen Dichterwerken einige nützliche 
Ergebnisse haben könne, müssen wir doch bezweifeln, dals davon die 
Theorie des französischen Keimes eine wesentliche Förderung zu erwar- 
ten habe. Uns scheint das Wesen und die Wirkungsbedingungen des 
französischen Keimes, seine Bedeutung als Kunstmittel, kurz, alles, was 
sich unter dem Worte Theorie denken läfst, so widerspruchslos festgestellt 
zu sein, dais von Untersuchungen, wie Schenk sie beabsichtigt, eine Um- 
gestaltung oder auch nur Berichtigung dieser Theorie durchaus nicht er- 
wartet werden darf, und zwar um so weniger, als eine Theorie des fran- 
zosischen Keimes sich aulser auf mancherlei Erwägungen psychologischer 
und ästhetischer Art auf geschichtliche Betrachtung zu gründen hat, 
nicht auf die Untersuchung der Praxis 'zeitgenössischer' Dichter. Wie 
nötig es, beiläufig bemerkt, für den weiteren Ausbau und die tiefere Be- 
gründung der französischen Metrik ist, die einzelnen metrischen Erschei- 
nungen in ihrer geschichtlichen Entwickelung durch möglichst grofse 
Zeiträume hindurch zu verfolgen, das hat schon vor Jahren Ernst Weber 
in der Zeitschrift für neufranzösische Sprache II 525 ausgesprochen ; und 
Fritz Johannessons Arbeit über den französischen Keim (Wissenschaftliche 
Beilage zum Jahresbericht des Andreas-Kealgymnasiums zu Berlin, Ostern 
1896 und 1897), die Herrn Schenk zu offenbarem Nachteil für seine eigene 
.Arbeit unbekannt geblieben ist, bietet in ihrer zweiten Hälfte ein glän- 
zendes Beispiel für den Gewinn, den die Metrik aus solch einer längs- 
schnittlichen Behandlung metrischer Fragen zu ziehen vermag. Jene An- 
regung und dieses Beispiel sind freilich ohne Wirkung geblieben. 

Aber noch einer zweiten Ansicht Schenks, die sich in gelegentlichen 
Äufseningen kuadgiebt, müssen wir entgegentreten, nämlich der, dafs 
man mittels einer Statistik des Keimes zu einem irgendwie überzeugenden 
Werturteil über die Kunst des Dichters im Punkte der Keimfindung ge- 
langen könne. Die ästhetische Wirkung eines Paares von Keimwörtem 
läTst sich unseres Erachten« gar nicht feststellen, ohne in Betracht zu 
ziehen, welches die Gesamtwirkuug der voraufgehenden Keimpaare gewesen 
ist, oder mit anderen Worten, welchen Grad der Aufmerksamkeit, der 
Spannung, der Sättigung desjenigen Bedürfnisses, das durch den Keim 
befriedigt werden soll, das in Rede stehende Keimpaar, dessen Wert be- 
stimmt werden soll, beim Hörer vorfindet. Unmöglich beruht doch die 
Kunst eines Dichters hinsichtlich des Reimes darauf, dafs er in seinem 
^nzen Werke lauter wohltönende, möglichst reichgereimte, glcichmäfsig 
»tark betonte, durch den Inhalt der reimenden Wörter oder auch durch 
Neuheit überraschende Reime Schlag auf Schlag einander folgen läfst, 
sondern darauf, dafs er mit den angedeuteten Wirkungen Mafs zu halten 
versteht, dafs er auffallende Reime mit weniger auffallenden, volltönende 
mit mageren, wenn das Wort erlaubt ist, in einer Weise zu mischen ver- 
steht, die dem Gesamteindruck seines Gedichtes günstig ist. Wenn Schenk 
auf Seite 18 seiner Arbeit nach Feststellung des Prozentsatzes der von 
ihm als iVssonanzen bezeichneten Reime fragt: Esi-ce un restätat farordble?^ 



4'i<) Beurteil DU gen und kurze Aaseigea. 

ao if^t ilk-i' I'^r.'ipc r^d iviii).' berechtigt, als wollte jemand auf tirund der 
ZShliiN.' .:i r ii, lii'.ii MuHikslüüfc vorkommenden Dreiklüage fragen, ob 
die i-'n- ■■ liijiiflten des ästhetischen Wertes dieses Werli» 

filireclii - !i iik- erklärt dann, fortfahrend, jene Frage deshall' 

iiii'ht 'ir:iiii'' "[^'.:: :.u l.i'iiiiieti, weil ee an einer Statistik der Rdme bfi 
deu Klaasikecii l'eiilt, V.i ivird vielleicht verwundert sein zu hören, dnis 
Rostaiid, deu er gewils mit Recht als 'bon rimeur' bewundert, mit den 
ermittelten zwölf Prozeut jener mageren Reime nach dem Beispiel noiu : 
elioux (auf ihre Beoeonung kommen wir noci zurück) recht weit nidit 
nur hinter Riicizie /uriiekaleht, der in seiner Athalie nur fHoi Proieut 
dieser (uiitürticli mit Rücksicht auf den damaUgcn Lautstond gezähllen) 
Roiuie aufweist, .-iondcrn auch gegen seinen Zeitgenoasen Richepiu, in 
dessen 8ehaus|iicl 'Pur le j^laivo' wir nur sieben Prozent solcher Reiwe 
gefmideu liabeu. Wir bezweifeln trotz dieses Umstandes und trotz des 
anderen, ilaf^ Richepins Drama den reichen Reim erheblich häufiger idgl 
uk Cyranü de Bergcrac, keiueswegs, dafs Rostand der geschicktere Heim* 
küiistler sei ; nur die.^i halten wir für ganz verfelilt, ein soichea Werturteil 
auf i<1atifilLSche Züblung aufbauen eu wollen, wozu bei Schenk eine gcwi&se 
Neiguii),' hervortritt, lier wir warnend entgegenzutreten nicht verBäumen 
müelitcn. Schon einmal it^t auf dem Arbeitsgebiete der franzSaischeo 
Metrik dieser Fehler, freilich in ungleich schlimmerer Weise als bei Schenk, 
gemacht wonleii, uiiinltch in Groebedinkebi 18S2 erschienener Arbeit: 'l>er 
V(>r=bnii bei Dcsportes und Malherbe', iu der der Verfasser nach ( 

[Tfuiideticu -^lati^tiBcben Metbude bewiesen zu haben glaubt, dalf 




Beurteilungen und kunse Anzeigen. 447 

i de genSraliser; wogegen wir gern dem folgenden Satze zustimmen : Pour 
e faire avec chance de rester dans la rerite, ü faiU aitendre que les termes 
k eomparaison avee d'autres atUeura soierU donnes. Für künftige Arbeiten 
lieser Art ist aber eine noch gröisere Übersichtliclikcit und zweckmäXsigere 
Lnordnung der Ergebnisse dringend wünschenswert, namentlich eine alpha- 
etische Liste der Reimend un gen, nicht blofs der reimenden Vokale. 
lUS Schenks Arbeit ist nicht mit Sicherheit zu ersehen, ob in Cyrano die 
Indungen er« : es im Keime gebunden vorkommen, eine Freiheit, die sich 
loderne Dichter gegen die Regeln der Theoretiker zu gestatten anfangen ; 
esgleichen nicht, welche verschiedenen Wortausgänge, die betontes nasa- 
ertee a haben, Rostands Stück aufweist. — Für wenig empfehlenswert 
alten wir die Anwendung des Terminus Assonanz auf Reime von dem 
;hon öfter erwähnten Typus noua : choux, wofür Schenk übrigens Vor- 
änger zu haben scheint. Ganz abgesehen davon, daiB viele Reime dieser 
rt ursprünglich deutliche Reime waren und nur durch das Verstummen 
irer Endkonsonanten äulserlich mit einer zufälligen Form der Assonanz 
isammenfallen, erscheint efl uns sehr wünschenswert, den Namen Asso- 
anz für diejenigen Paarungen von versabschliefsenden Wörtern vorzu- 
ehalten, in denen sich hinter den betonten Vokalen ungleiche, obwohl 
ihr ähnliche konsonantische Elemente gegenübertreten, wie sich solche 
ei den modernsten Dichtern seit Verlaine finden. Wir führen nach der 
levue des deux Mondes' vom 15. Juli 1897, Seite 447 ff., als Beispiele 
)lcher wirklichen und absichtlichen Assonanzen folgende aus Henri de 
l^gnier an : glaire : lerrCf citeme : referme, salvämea : äneSj Paarungen, die 
ir in einen inneren Zusammenhang setzen möchten mit dem, natürlich 
aders gearteten, was Schenk auf Seite 25 und 26 erfolgreich darzuthun 
ersucht, nämlich, dals dem Dichter des Cyrano schon der ähnliche Klang 
er dem Reimvokal vorausgehenden Konsonanten zur Herstellung reichen 
Reimes genügt. Von dieser Gattung gepaarter Wörter sind natürlich zu 
Qterscheiden die von Schenk Seite 60 — 64 zusammengestellten Reime, in 
3nen dem Reim vokal solche stummen konsonantischen Elemente folgen, 
3ren Gegenübertreten die aus dem Gebrauch der klassischen Dichter 
>strahicrte Theorie verbietet, wie quand : ca7np. Diese Zusammenstellung 
t ein wirklich lehrreiches Ergebnis der -vorliegenden Arbeit. Sie zeigt, 
\£b Rostand mit ebensoviel Kühnheit als MäTsigung die lästigen Schran- 
;n jener bekannten Regel durchbricht, die infolge des veränderten Laut- 
andes der Sprache nach dem Urteil der meisten Theoretiker ihre Be- 
cbtigung eingebülst hat. Den in dieser Zusammenstellung aufgeführten 
eim Ronen : jouant v. 19 führt Schenk sehr mit Unrecht auch unter 
;n *rimes doubles' auf. Der Name Rouen ist nämlich von Rostand ein- 
Ibig gemessen, so dafs dieser Reim in die Klasse solcher Reime wie 
terrier : pliery famüier : crier tritt (Schenk, Seite 31), von denen Cyrano 
3 Bergerac vier Beispiele, Richepins *Par le glaive*, auf das wir hier not- 
^rungen exemplifizieren, keines zeigt. Weshalb Schenk Reime wie 
acuex : hues als ^rimes doubles' auffafst, dagegen solche wie espion : agres- 
071 nicht, vermögen wir nicht einzusehen, um so weniger, als er Seite 31 



M8 



Bc'iirteiluDgen und kurze Anzeigen. 



1 1 f ! g tt gt (Ce« ) n nei de repTeAetutUc 

i I p I I Jk w tnt \ Mögl hk t d tU h 

Ib g \ I 1 i W te «■( /i/e, t 1 m M ch loch 

1 1 h a) d I It Van al t der E düng f sdra t 

I h t g t ht Wen h k w t (, bt Rc feu 

1\ bh ddßiiaitW rter d mod neu 

V s=i h H b b f Gl f U den D pt tl g gehei 

i b : d d re Grün] bedenkl ch ^ 

i ItfegiesAff g d >\ jedoch 

R htf t gt f. d m Ib l Ro t d \. gl Äit H ge- 

l hte R ; y Wh ht m dm Jitgegw 

I It iilfi R t 1 ica Oft d V, l pay w Ib g n I 

i\e- dt dA hmdftlRtad dmLat 

kö p p j ht w t hl p t hf lg d m fall d 

Djhth f. hj.at); hintWg gerandred 

\l 1 rilmtchklgb mF w 

I kö wir ea ht guth C d f ci 

hl} I I— wwtdQlltdese8\it»ls 

II hl d th h h - f S ch \ II n 

l t t li^ U I t,k t tu d es P kt PI ti in ei BvBt 

t 1 D t 11 t 1 f ö h \ SSI h h re h d Ibt 

th 1 h h t — N hl d Ä 1 h !l betnfft w 

l k kl t d : d 1 tmm J A ht d Theo ik 

1 Mg ; ( / / ' I R II i. (iit bei] n ht 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 449 

en von Schenks Auffassung spricht. — Fassen wir zum Schluls 
T Betrachtung den Gresamteindruck der Arbeit ins Auge, so müssen 
gen, dafs sie der Befähigung ihres Verfassers zu wissenschaftlicher 
. ein recht günstiges Zeugnis ausstellt, dafs uns aber die Ergebnbsc 
)en nicht in richtigem Verhältnis zu der aufgewendeten Arbeit zu 
scheinen. 
iel-Hassee. Felix Kalepky. 

re, Les Pr^cieuses ridicules. Für den Schulgebrauch erklärt 
^on W. Mangold. Leipzig, Renger, 1901. XXXI, 44 S. 8. 

en fleüsigen und sorgfältigen Ausgaben des Misanthrope, des Ävare, 
mrgeais gentilhomme und der Femmes savatUeSf die Mangold zu der 
rschen Schulbibliothek früher bereits beigesteuert hat, schliefst sich 
)rliegende Bearbeitung der Prieteuses ridietäes würdig an. Voran - 
ckt ist eine aus Mangolds älteren Ausgaben bereits bekannte Bio- 
ie Moli^rcs, die hier mit einigen Änderungen wiedererscheint; dem 
selbst ist eine sehr ansprechend geschriebene Einleitung gewidmet, 
r Orientierung über das Hotel de Bambouillet, die Pröcieuses u. s. w. 
ausreicht und von neuem Zeugnis dafür ablegt, dafs der Heraus- 
mit der Moli^re- Forschung wohl vertraut ist. Der Text ist, von 
Q aus pädagogischen Gründen vorgenommenen Kürzungen abgesehen, 
sr Ausgabe von Paul Mesnard iu den Grands J^rivains de la France, 
sind die Bühnenanweisungen von 1734 hinzugefügt worden. Auf 
►ruck wurde augenscheinlich grofee Sorgfalt verwendet, indes sind, 
einigen unbedeutenden Fehlern, die Silbentrennungen instru-iies 
, Z. 3 — 4) und sang-lanie (S. 23, Z. 12 — 13) durchgeschlüpft, und 
zu 20, 82 (lies : 30) steht pas statt pieds. — Zu dem Kommentar 
gendes zu bemerken. Es sind nicht alle Fälle bezeichnet worden, 
aliferes Sprache von der heutigen abweicht. So vermisse ich z. B. 
I^otiz zu Ce bien sacre ou ils aspirent (3, 29 — 30), zu oüir (3, 34), zu 
s faites venir ces messieurs (10, 22 — 23). Auch ßonst ist der Heraus- 
wohl etwas zu haushälterisch mit seinen Anmerkungen umgegangen, 
leint es mir zweifelhaft, ob die Wendung Je vous apprendrai ä vons 
Ure (S, 13—14 und ähnlich 21, 13—14) Schülern ohne Hilfe ver- 
ich ist. Jedenfalls entbehrt man ungern eine Bemerkung zu der 
des Du Croisy: Et comment encore? (2, 10), da die Wörterbücher 
zu dieser Stelle passende Erklärung von encore geben. Meiner An- 
Qach enthält encore die Aufforderung, zu dem bereits Gesagten noch 
Genaueres hinzuzufügen (vgl. Littrds Erklärung von mais encore 
encore l\^). Ich würde übersetzen: ^Ja, aber wie?' — In der P"r- 
ig von brimborion (3, 8) hat sich Mangold au Livet angeschlossen, 
i im Lexique gleich *bagatelle' setzt. Littrö indes definiert britnborioti 
ose Sans raleur et sans utilift', und die Acadömie umschreibt es mit 
hety babiolCj chose de peu de raleur. Ich würde daher nicht übersetzen 
igkeit*, sondern Hinnütze Kleinigkeit', was nicht nur hier, sondern 



\Ti\i üeiirtt^lungen imd kurze Anzeigen. 

iiiiL'li in ili'ji lou I.iveL iiDgefilhrten audereu Beistellen dcH Wurles bea«t.-r 
]i.Lr-t. 'Au :\ II— lil: Dites-moi wi peu et que votu anx, fail ä ea 
„;,.../,(;(,■, i/Kr j.' ka rois soriir arec tont de froideur heifut es, 'j«« steht 
. Ili|p|i-rli, liier etw.i für /juwr/ue'. Mir stheint indes der Neben aatz mit 
ijii'. ui'lii ilcullniud, soudcrn dieWirkuug dee im Hauptsatz enthaltenen 
l'tiidikiilt^ä flus/uiirücken (vgl, Litträ, unter que 9°). — Sinserire en fma 
(0, In) (irklärt HAtzfeld-Duntieitcter: faire inscrixe en justice la di^araiion 
ijti'riiH' pih'; iiroiliiili: par la parlie inverse esi fausie, 'Die Unwahrheat 
-iri' r ~;ii Iü !i -.■ Inviiren' sagt also zu viel. — Tudieu (13, 5) ist trotz 
I '■ . ' ' ' liiim, fundeni Enteteilung von vertu Dieu. — Unver- 

'.'■■ : . ■ - ilic Bemerkung: Hirer de but en blatte, so schielÄen. 

>l.ii'.- .jl i;ii^l.;il.:i die Viaifrlinie gerade ins Weifse (der Scheibe) trifft'. 
!■;,■- iiiiirn liciieeii: '... im Weifsen trifft (oder besaer: achneidet)'. — In 
ilcr Anm. zu 11, 20 wiederholt Mangold die achoD in seiner Ausgabe der 
l'^finnics nuv. iiuf gestellte Behauptung, die Atrad^mie sei 1685 ans dem 
HAtel de Rniiibriiiilli't hervorgegangen. Worauf er sie begrQndet, entzieht 
sidi meiner Kenntnis. Die SHftung der Ac. 1685 ist Bichelieuä Verdieiisl 
und ein;' der Mittel seiner centraüsierenden PoUtik gewesen (vgl. Boar- 
t;oiu, Viilentiu Conrurt etc.), und Conrarte bekannter £rei6, der den Kera 
fflr die Ac. hrrfiiib, hnt sich ganz unabhängig vom H4t«t de Bambouillet 
KcbildeC. Pi.'llixKiin (t, 1, ji. l») sagt von den Freunden, die sich in dem 
Ki'kbause der nie Baiiii-MicJiel und der rue des Vieüles-Etuvea allwöchent- 
lii/b /.us;iniinriif.T[nlf]i : Ld ils s' enlreieimient famitikremcnt, 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 451 

Zahl der Abhandlungen und Bücher, in denen deutsche Schulmänner vor- 
getragen haben, was sie an hohen und niederen französischen Bilduogs- 
anstaiten beobachteten oder über sie erfuhren, aber — soweit dem Refe- 
renten bekannt ist — eine zusammenfassende Darstellung der Organisation 
des französischen Schulwesens fehlte bisher, abgesehen von den bezüg- 
lichen Artikeln in Encyklopadien. Daher kann man es dem Verfasser 
des vorliegenden Buches nur Dank wissen, dafs er sich der Mühe unter- 
zogen hat, eingehend darzustellen, welches der derzeitige Stand des ge- 
samten französischen Unterrichts- und Erziehuugswesens ist, und welche 
gewaltige Summe von Energie und materiellen Opfern unter der dritten 
Republik aufgewendet worden ist, um diesen Stand zu erreichen. Jeder 
deutsche Schulmann und jeder Schulfreund wird aus diesem Werke wert- 
volle Anr^ung in Fülle schöpfen. 

Nach einigen einleitenden Bemerkungen über die üniversitS de France, 
ihre Gründung durch Napoleon I. und ihre Schicksale unter den folgenden 
Regierungen giebt der Verfasser zunächst eine übersichtliche Darstellung 
der Organisation der französischen Unterrichtsverwaltung. Der zweite 
Abschnitt ist dem Enseignement superieur gewidmet, und aus ihm mögen, 
um dem Leser eine Vorstellung von der Anlage des Buches zu geben, die 
Überschriften der einzelnen Unterabteilungen hier Platz ^nden: I. Die 
Entwicklung des Hochschulwesens . seit der Revolution ; 2. Die Hoch- 
schulen : Institut de France, gelehrte Gesellschaften ; staatliche und private 
Institute für Wissenschaft und Kunst; 3. Die Universitäten : Anerkennung 
derselben, Ziele, SocUtes des amis des Universües, Comites de patronage; 
A, Vorlesungen und Docenten : Zutritt zu den Vorlesungen, freie Fakul- 
täten, Besoldung der Universitätslehrer, Volkshochschulen; 5. Akademische 
Grade und Studenten: Licenz und Doktorat der einzelnen Fakultäten, 
tUres umversüaireSf Examen der Agregation, Zahl der Studenten, Stipen- 
diaten, Vereine. In ähnlicher Weise behandeln der dritte und der vierte 
Abschnitt das Enseignement secondaire und das Enseignement primaire. 
Der fünfte Abschnitt endlich beschäftigt sich mit der Stellung der Lehrer 
als öffentliche Beamte, dem Pensionsgesetz, den militärischen Verhältnissen 
der Lehrer u. s. w. und giebt schliefslich einen Überblick über die päda- 
gogische Litteratur, sowie statistische Angaben über das Unterrichtsbudget 
des Staates und dasjenige der Stadt Paris. 

Der Verfasser hat augenscheinlich viel Fleifs und Sorgfalt auf sein 
Werk verwendet, das Referent, wie oben bereits angedeutet, allen denen, 
die Interesse für Schulangelegenheiten haben, nur empfehlen kann. Es 
ist bei einer so weitschichtigen Materie wohl begreiflich, dafs überall nach 
möglichster Kürze gestrebt werden mufste, sollte das Buch nicht zu allzu 
grolsem Umfange anschwellen. Aufserdem fehlen auch nicht die Nach- 
weise der Quellen, aus denen diejenigen, die über einzelnes eingehendere 
Belehrung wünschen, sie schöpfen können, immerhin aber will es dem 
Referenten scheinen, als ob der Standpunkt des 'gebildeten Laien', für 
den der Verfasser in der Vorrede zu schreiben erklärt, nicht überall ge- 
wahrt sei, wie z. B. bei der Auseinandersetzung über die agregation 



fü Beurteilungen und kurae Anieigrai 

"- I — I 1 I lil "(.hiirf genug hervorgehoben ist dafs dfte Eigenartigi' 

1 I I I liCL.1 iUiFn nur hu viel Kandidaten besteheji kSnaen, 

frlinnden wnd Auch von der Stellung eines ehrf 

[hen UntemchtfimiDiBtenum nird maDchrr Le«er 

I I ii'le \ orslellimg machen wenn dieser Titel einfach 

mit I iiieimgroiehpr' hg] S lu Anni ) wiedergegeben wird ohne Hin 

t^eIIi darauf dar« iliese Beamten ungefähr den fpreufsi sehen) 'vortragenden 

Raten' entsprochen Irrtfuhrpn mufa femer die Ühereetzuug 'Tituiarpro- 

fLtsor' für prufibsiui tiiulatre [S ]], Anm ) wozu sieh die Erklärung 

1 inn allerdiD^ niif '^ U) findet Sehr zu wünschen »are dafa dem nCtz 

hellen Buche iii einer neuen Auflage ein Indes beigegeben wurde. 

Berlin E PBriselle. 

( )L-ftcriii{r, MiHiaci, Heliodor und seine Bedeutung für die littera- 

tiir. Hcrlin, Emil Felber, 1901. XII, 176 8. 8. (In: IJt- 

tpmrliistori.si'lie Forschungen, herausgegeben von Dr. Josef 

Sfiiicli, o. ü. Prüf. a. d. Univ. München, und Dr. M. Frhr. 

V- Wiildbcrg, a. 5. Prof, a. d. Univ. Heidelberg, XVm. Heft) 

DiEHP Hilf Anregung des H. Univ. -Prof. Dr. Schick eiitutondene nnd 

ilun geiiidiiiele Arbeil hnt den Zweck, alle Werke aiitzii zeich neu, die ihren 

(ieL'i'nsland entiveilcr dorn meist 'Aethiopica' benannten Eoiiian dea Helio- 

iliir uniiiilli'lhiir fritU-hnt ndcr ihm wenigdtciis wesentliche Anregungeo 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 453 

beeinfluDsten Franzosen nicht zurück; selbst Ohristoffel yon Grimmels- 
hausen bringt dieser Mode seinen Tribut dar mit seinem 'keuschen Joseph' 
und mit 'Dietwalds und Amelinden anmutiger Liebs- und Leidsbeschrei- 
bung*. Doch wurden um die Wende des 17. Jahrhunderts diese galanten 
IdebeRromane durch die Robinsonaden verdrängt. 

In England fand Heliodor noch früher Eingang als in Frankreich; 
denn schon Philip Sidneys 'Arcadia' (1590 — 93) ist mit Heliodorschen 
Elementen verquickt. Auch William Warners 'Pan his Syrinx' und Roger 
ßoylea Roman *Parthenissa' sind in demselben Geiste geschrieben. 

Der bedeutendste Nachahmer in Spanien ist Cervantes, dessen Tra- 
bajos de PersUes y Sigismunda' im Jahre 1617 erschienen und innerhalb 
* zweier Jahre acht Auflagen erlebten. Im Jahre 1665 erschien Suarez de 
Mendozas Roman *Eustorgia y Clorilene', 1729 Francisco de Quintanas 
'Hipolito y Aminta', die ganzlich vergessen sind. Montemayors berühmter 
Roman von der schönen 'Diana' hingegen ist trotz der Ähnlichkeiten in 
der Art der Darstellung von Heliodor unabhängig; Qil Polos Fortsetzung 
dieses Buches enthält jedoch mehrere Erzählungen, die offenbar auf 
Heliodor beruhen. 

Auffällig ist die geringe Beachtung, die Heliodor in Italien gefunden 
zu haben scheint. Freilich hat kein Geringerer als Torquato Tasso die 
Geschichte von der wunderbaren Geburt Charicleas auf seine 'Olorinda' 
im XII. Gesang seiner 'Gerusalemme liberata' übertragen. Der merkwür- 
dige Verfasser des in neapolitanischem Dialekt geschriebenen 'Cunto de 
11 Cunti', Giambattista Basile, hat den griechischen Roman nach der Über- 
setzung des Leonardo Glinci in zwanzig aus Oktaven bestehenden Gesän- 
gen wiedererzählt. Dieses Werk wurde fünf Jahre nach des Verfassers 
Tode von dessen Schwester Adriana in Rom 1637 herausgegeben. 

So ungeeignet auch ein Abenteuerroman ohne psychologische Ent- 
wickelung für dramatische Behandlung war, so nahmen gleichwohl viele 
Autoren ihre Stoffe aus Heliodor. In Deutschland diente sein Werk 
mehrfach als Grundlage für Schul komödien, deren erste (von Wolf gang 
Waldung) unter dem Titel ^Aethiopicus amor castus' zu Altdorf im Jahre 
1605 erschien. Doch haben nicht blofs Schuldichter sich dieses Stoffe» 
hemächtigt. So hat im Jahre 1666 der poeta laureatus Job. Jos. Beckh 
versucht, den Roman Heliodors zu einem lustigen Stück in der Volks- 
sprache, 'die erneuerte Chariklea' genannt, zu verarbeiten. 

In Frankreich ist besonders Alexandre Hardy zu erwähnen, der acht 
j Dramen mit je fünf Akten in Versen über diesen Stoff geschrieben hat, 
\ die die schlechtesten von den paar hundert Stücken sind, die er auf die 
Bühne gebracht hat. Bei Racine, der in seiner Jugend den Heliodor mit 
Lädenschaft gelesen hatte, sind nur einzelne Erinnerungen an diese Ge- 
schichten zu finden. Am auffälligsten ist, dafs noch im Jahre 1762 der 
Dichter Claude-Joseph Dorat den freilich mifslungeneu Versuch machen 
konnte, den Stoff zu einer Tragödie 'Thdagfene' zu verwerten. 
'1 In England wurde die Geschichte von Theagenes und Chariklea im 

f»- 1 Jahre 1572 zum ersten Male drei französischen Abgesandten zu Ehren 



r 1! 

K |) 1 1 



h p 

i m t 



t 1 9^ v d kurze Anzeigen 

I D <>tQ k h t 1 reu u sein Im 

II i e= Tw Ifth N gh Wha y ii wiU >oll 

II] d noinii I gen D h ma ht midi 

k 1 r 1 OB ff Koch Stud en 1 < I 

1 lies h tie Rhamp n t becidit, 

ai F es Vai- Ed t re eht »cho 

B Hp4fltg Uh \ucb Job 

I gllaMdKlidrehMo erwertet 

If hkacbud ^ rred zu dem 

1 Lee g m rfflf t€ O d pu äae Z ge- 

gfJ dr fdSu od« 
i rs bl g D I>a] I a fl es hwären Urnen 
an hlilodesAehip^es benuts hsbcn 
I h \ktJII 1 uudbe H 1 d in Buch Tl 

il li I hter w Cald undajaa/mll 

i handl g d \ h p ca rsu ht In ftal 
Ettn 1 t, t !h g ttind S ( an 1 

Q d al Jab 158 offenüicht 

1 h t w Ü fte g angi bt noch □ iwat« 

L Ca ch T aged Napoli 16 7 I d 

)8 d 1 2 f f nd g Jab e I gen er 

h (t f IhHft bdeswkicben e^ 

tD C 1 




Beurteilnngen und kurze Anzeigen. 455 

rat im 7. bis 9. Buch, wer Agathon war^ und was er zu Delphi und zu 
Lthen erlebt, bevor er nach Smyma kam; die Geschichte der schon im 
. Buche auftretenden Danae wird erst im 14. Buche nachgeholt. Die 
jebensgeschichte der Ps^rche, die im 4. Kapitel des ersten Buches* zuerst 
luftritt, wird im 3. Kapitel des 13. Buches aufgehellt. Abgesehen von 
lieser Methode der Erzählung finden sich auch nicht zu verkennende 
k.nklänge des neuen Bomanes an den alten. Hdiodor beginnt mit dem 
jemälde eines wüsten Kampfplatzes bei Tagesanbruch, Wieland mit der 
k^hildernng des Getümmels im Mondenschein schwärmender Bacchantin- 
len. Wie Theagenes und Chariklea von Räubern fortgeschleppt werden, 
o Agathon von cilicischen Seeräubern. Wie sich Chariklea den Räubern 
^genüber als Theagenes Schwester ausgiebt, so erklärt sich Agathon als 
Bruder der Psyche, um die Räuber zu bewegen, sie nicht zu trennen. 
iV^ie Chariklea wird auch Agathon in frühester Kindheit in den Tempel 
:u Delphi gebracht und dort erzogen. Wie jene ihre Eltern erst nach 
Fahren findet, so trifft auch dieser seinen Vater erst spät wieder. Wie 
Chariklea durch allerlei Gegenstände in ihrem Besitz und durch ein Mut- 
ermal ihre Abstammung beweist, so hat Psyche ein Halsgeschmeide mit 
lern Bilde ihrer Mutter und ein kleines Mal unter der Brust als Erken- 
lungszdchen. Die Rolle, die Arsace dem Theagenes gegenüber spielt, 
iberträgt Wieland der Pythia hinsichtlich des Agathon. Selbst der Name 
1er sittenreinen Chariklea, der sich sonst nur in Lucians 'Toxaris' als der 
iiner durch Sittenlosigkeit ausgezeichneten Ephesierin findet, kommt im 
Agathon' XV, 3 vor. Danae hat sich diesen Namen beigelegt, um nicht 
nehr an ihr früheres Leben erinnert zu werden, und um unter dem neuen 
!^amen sich ausschliefslich der Tugend zu widmen. Auch ohne diese 
Vufzählung von Analogien zu verlängern, wird man Joh. Gottfr. Gruber, 
lem Biographen Wielands, zustimmen können, wenn er (Bd. II, S. 837) 
lagt, bei der Abfassung des 'Agathon' habe dem Dichter des Bischofs 
[ieliodorus 'Aethiopica' nebst Aristaenets Liebesbriefen öfter vor den 
Vugen geschwebt. Auch dem *Ion' des Euripides verdankt Wieland viel 
'ür seinen 'Agathon', aber Heliodor erscheint ebenfalls dem Euripideischen 
Ion' zu Dank verpflichtet: Chariklea wie Ion werden in den Tempel zu 
Delphi verbracht; beide bleiben bis zu ihrem sechzehnten Jahre dort; 
beiden sind Erkennungszeichen mitgegeben, und beide werden schliefslich 
in die ihnen durch die Geburt zukommenden Ehren wieder eingesetzt. 

Von Einzelheiten, die verbessert werden könnten, sind folgende zu 
erwähnen. Seite 7, Zeile 18, ist Kalasiris statt Theagenes zu setzen. Seite 50 
Mitte steht: die erste (italienische Übersetzung) erschien 1556 zu Venedig 
von Leon Ghini. Es ist dies ein aus S. T. W. Hoffmanns Bibliographi- 
schem Lexikon der gesamten Litteratur der Griechen übernommenes Ver- 
sehen. Der Übersetzer heifst Leonardo Glinci. Seite 08, Note 2, ist zu 
lesen 1621 statt 1651. Seite 111, vorietzte und letzte Zeile, ist nicht zu 
lesen: Nemorabilium, sondern: Nemoralium. Seite 116, Note 1, steht, dafs 
Giambattista Basile noch vor 1684 gestorben sei. Nach Croce, Einleitung 
2u seiner Ausgabe des *Cunto de li Cunti', Seite LXI, starb Basile zu 



-j'iti Beurteilungen und kurze Anzdgea. 

(iiuglmnii um i!l1. Februar 161)2, wafl er Säte CC dnrdi Jen Abdruck 
einer Stdlo aus dem Sterberegister der Pfarrei S. Anna di OiugliRao in 
Campnnifl beweist. 

MTiiitlicn. Wohlfahrt, 

WillLelm Meyar aus Speyer, Professor iu Göttingen, Fragments 
nuraim. Mit 15 Tafelu. Berlin, Weidmanu, 1901 (Sonder 
iiljdi'uck aiia der Festschrift zur Feier des ISOjälirigen Be- 
sieliens der Küiiig], Gesellschaft der Wissenschaften zu Göt- 
tinnen 1901). 190 9. 4. 

In ik'iii Üiirsuntt iiibnilreidietj Buche, der Frucht Bcharfsinniger, weil- 
niia^reifeJitler Studien, die gleich sehr nuch den kleiaen Einzelheiten die 
gcbühreudt; Sorgfnlt güiiuen, wie sie die grolsen kulturgeschichtlichen Zu- 
HuiunLCuhiiage zu erkeuneu sich bemühen, wird znnächet durchaus Dber- 
zeugcnd ilsrgelpgt, wie die Blätter der Handschrift, die wir durch Schrael- 
Icrx Carinma burana ISJT kennen gelernt haben, urapriuiglich gestellt 
waren, und wie gewisite Durchbrechuuj^en des Syetems der Anlage sieb 
erklären, und werden liierauf den sieben Blättern, deren einstige Zugehörig- 
keit zn der nünilicheii .SHinnilunfr dem ScharMicke des VerfaMers nicht 
entgangen wnr, die Stellen angewiesen, die sie vormals darin einnahmen. 
i;inpr Neuniijgnbc des kostbaren Liederbuches, die aus mehr als einem 
(iruiidi' iKit thul, 1^1. ilmtiit in ausgiebigster Weise vorgearbeitet. Dile 
auf deiit^rbem Boden zu stände 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 457 

irfundenen Reden zu biblisch nur berichteten Vorgängen und aus hinzu- 
retenden Vorgängen samt Beden, wie der Sinn für verständliche und 
laturgemäTse Wirklichkeit sie begehrte; wie andererseits der Zusammen- 
chlufs der zunächst getrennt entstandenen Spiele zu einer allumfassenden 
Darstellung des geschichtlichen Ablaufs versucht werden mochte, in wel- 
chem das Verhältnis Gottes zu den von ihm Erschaffenen dem christ- 
ichen Bewufstsein erscheint (vom Falle der Engel zum jüngsten Gericht), 
vird in anschaulicher Weise und mit vorsichtiger Scheidung der Wege, 
iie die Entwicklung hier und dort nahm, vorgeführt, wobei es nicht an 
Ausblicken auf spätere Erscheinungen und an Hinweisen auf wichtige 
i^inzelfälle fehlt (z. B. S. 73 das Verhältnis von Greban zu dem grofeen 
Mysterium von Arras). 

Mit nicht geringerer Spannung folgt man dem Verfasser, wo er, im 
Iritten Teile seines Werkes, sich mit der Entwickelung der mitteUatd- 
lischen Dichtungsformen beschäftigt, um zuletzt auch noch die mittel- 
ilterliche Lyrik der Franzosen und die der Deutschen in den Kreis der 
Betrachtung zu ziehen. Ob nun freilich der Ursprung der rh3rthmischen 
ateinischen Dichtung mit Recht auf die semitischen Christen, beziehungs- 
veise auf die griechischen Fassungen der Ephrem'schen Verse zurück- 
geführt ist, scheint mir noch nicht völlig entschieden. Grewilä ist das 
Auftreten langer Folgen von durchweg gleich viel Silben zählenden und 
)ei gröiserer Länge (im allgemeinen) in Silbengruppen von immer gleichem 
Jmfang zerlegbaren Versen, in denen der Quantität gar keine Rolle ein- 
geräumt ist, eine höchst beachtenswerte Thatsache; aber dais für diese 
i^eilen und Silbengruppen der Wortaccent gleich bedeutunglos ist 
vie die Quantität, mindert doch ganz beträchtlich ihr Grewicht für die 
Beantwortung der Frage nach der Herkunft des rhythmischen Verses, 
'ür dessen Verwendung zudem das Festhalten an einem und demselben 
Vlafse gar nicht einmal wesentlich ist. Auch die Ublichkeit des zunächst 
luantitierend , hernach rhythmisch nach gewissen Gesetzen gestalteten 
I?atzschlus8es in der Prosa, jene Thatsache, auf die der Verfasser hier 
iberraals zurückkommt, und deren Beachtung ohne Zweifel immer noch 
inerläfislicher sich erweisen wird,* dürfte für den lateinischen Versbau 
luf Grund des Accentes wenig in Betracht kommen; was jene von diesem 
;rennt, ist, dafs der rhythmische Prosaschlufs doch immer bei aller Gesetz- 
ichkeit eine Fülle von Möglichkeiten zuläfst, wie sie dem accentuierenden 
^erse versagt ist, und dafs die für ein Gedicht einmal gewählte Art des 
2eilenschlusses in ihm durchaus festgehalten bleibt. Dagegen folge ich 
5erne des Verfassers Darlegimgen (mit Bedenken nur gegenüber weniger 
>edeut8amen Einzelheiten), wo er die abendländische weltliche Lyrik mit 
ler Entwickelung der Sequenz in engsten Zusammenhang bringt, und 
;timme ihm durchaus bei, wo er bestreitet, dafs die deutsche lA'rik des 
^ttelalters aus Frankreich eingewandert sei. Dafs die französische und 

* lu der lubaltsUbersicht S. 190 ist zu S. 163 gedruckt 'Nutzen des r. Schlusses' 
fatt *Nntzen der Kenntnisi des r. Schhissos'. 

Arohiv f. n. Sprachen. CIX. ^V) 



■ir>R Beurteilungen und tuTEe Anzeigen. 

lue pruveiizaliaclu- diesBcit iles Rheins bekannt gewesen und vielfach nacb- 
geabm! worden ist, dnrf mnii nicht in Abrede stfillen; aber nur dämm 
liut mau in ileiit«i'lii.'ii Lundtii auf sie geachtet und ilir manches abgt- 
sdien, weil eine limliiiskindige I.iederdichtung bereits blühte und allseitig 
hoch gell älteu tvur, Dicäe ist zum Olüok vorhanden und braucht nicht 
aus biciri^cn Refraius un^chloasen zu werden; und daTs ein Reif aus der 
Freiudc tiol, hat doch nicht allem heimiRchoH Wachatuui die natürliche 
Farbe verdenkt, und er ist lange wieder weggeschmolzen. Es lie^ im 
Wessen des doutwheji Geistes, mit erstaunlicher Dehnbarkeit uud Sehmi^- 
Kamktjil sich aueh daa Fremde verauchsweise zu eigen zu mocheo und 
eine Weile sieh des dauut gewonnenen neuen Reielituais zu freuen, au 
ileni er Knifte übt und Geatlimeidigkeit erhöht. Aber es luuis scboa 
etwa- von uiiviTgänglicheni Werte sein, wenn er es über kurz oder lang 
nicht wieder fsUen iSfst. Bo hat er es in nueh nieht fernen Tagen sugu 
mit SvitLbiilisiiiiis, Dekaden/. Ünvers-Kunst, nngequälter Sinnlosigkeit ver- 
sui'ht uiiil i's di'u I.elinncii'tcru beinahe gleich gethan; uud schon jetit 
iiair> uvMi niiih'^:!!)! >uchei;, wenn man eich mit dem, was die flüi;htige 
Milde ini^ liiiM'iii L'i-rulen liiit, eine Viertelstunde des Krgötzens bereiten will 
Den U'uiiMli di=t \'prfasserB, es möchte an den Universitäten etwas 
(vir dii' l'Hf^e 'Wt litteiui»chen Philologie des Mittelalter« geschehen, die 
aK iiiinillielirlirlii' Hü f.- Wissenschaft von so vielen .Seiten willig anerkauut 
wird, <ii-r it- iilier an L^auz sich ihr wldmeuden Bearbeitern a» sehr und 
im üFffiitlidu-ii l'nterrieht fast völlig fehlt, teileu gcwifs mauche. Viel' 
; KrfrLiluu}; das Centrnm z 




Beurteflungen und kurze Anzeigen. 459 

wie würden wir das Bekenntnis des gewaltigen Meisters beherzigen, 
in die geheimsten Tiefen der menschlichen Natur eindrang, dem das 
m wirklich Leben, potenziertes Leben bedeutete. Allein Shakspere 
f unvergängliche Dramen, und Ben Jonson schrieb vergängliche Pro- 
, Epiloge und Bruchstücke einer Poetik. Den Tiefsinn Shaksperee 
fs Lope bei weitem nicht; von einer Aristotelesnatur hatte er auch 
wenig an sich: die Schwingen der Phantasie trugen ihn weit vom 
iternen Verstand, das Tief begründen war nicht seine Sache ; und doch 
iel hatte er uns in Stunden der Sammlung, wo das Denken unser 
»finden im Banne hält, von seiner Kunst, der Kunst Comedias zu ver- 
gen, berichten können I Wie die Wahl dramatischer Stoffe getroffen 
len mulste, wie und in welchen Grenzen sich die Handlung entwickeln, 
das Komische mit dem Tragischen, das Scherzhafte mit dem Erhabenen 
inem und dem gleichen Stück nach spanischer Art sich vertragen 
e, darüber und über hundert andere Dinge hätte wohl Lope am besten 
klärung geben können. Lesen wir nun den Arte ntievo, so möchten 
dem Dichter seinen eigenen Spruch: 'Oye atento, y del arte no dis- 
s' zurufen, so kläglich ist sein Lehrgedicht ausgefallen, so sehr täuscht 
lle unsere Erwartungen. 

Selbst als litterarisches Werk ist diese versifizierte Poetik minder- 
ig und, sagen wir es offen, Lopes ganz und gar unwürdig. Der innere 
Dg fehlte ; dem Dichter wurde diese sogenannte neue Kunst von einigen 
»nios nobles' in die Feder gelegt; ohne Ernst, ohne Lust kleidete er 
ide Gedanken, die Regeln der tonangebenden Ästhetiker, in reimlose 
llber ein. War die auferlegte Predigt, die nahezu 400 Verse um- 
, vollendet, und hatte er nicht ohne leise Ironie zugestanden, dafs 
id ein Gelehrter, welcher weniger Dramen zusammengeschrieben hatte 
er und doch 'nias sabe | Del arte de escrivirlas y de todo' sie besser 
ilten haben würde, so verbeugte er sich artig, verschlofs die Regeln 
T sechs Riegel und dichtete, unbekümmert um seinen Arte nueoo, 
3 Comedias nach Herzeuslust weiter. Die Praxis war ihm unendlich 
jr und nützlicher als die belehrende Theorie. Wie anders und mit 
hem Ernst hatte Corneille einige Jahrzehnte darauf seine Discours, 
^refacesy die Examens verfalst! *II ne parle plus que des rfegles*, sagte 
lal Chapelain von seinem Freunde (am 15. Januar 1639). Um diese 
aristotelischen Regeln hat sich Corneille redlich geplagt, gemartert, 
ans Kreuz geschlagen. Von solcher Qual wurde er erst durch den 
erlöst. Und wie herrlich, laut und stark hat Victor Hugo in der be- 
uten OromweU 'Yorrede seinen theatralischen Glauben verkündigt und 
>osaunt 1 

Möglich ist es, dafs Lope in späteren Jahren seinen mifsgluckten Arte 
o bereute; kaum glaubwürdig scheint mir jedoch, dafs er einen zweiten, 
Itvolleren Lehrtraktat über seine Liebliugrikunst wirklich schrieb, wie 
Panegyriker Montalvan in einem 1032 gedruckten Anhange seine« 
i todos behauptet. Es gehörte nur wenig Phantasie dazu, um eine 
eicht mehrfach ausgesprochene Absicht des vergötterten Dichters auch 

^0* 



4Ü() Beurteilungen und kurze Änndgen. 

zur bereitH vcrtrirklicbten That nenlen zu Sasieu. Ein uinfaugn-lclur 
Traktat, deaseii our der Schüler und iVeund Lopes gedenkt, koiinl» aa- 
deryaeita scbwertich so spurlos wie viele der rasch bliigeworfenen St{)dn 
verschwinden. Der Aiie nimro diesee 'rimeur . . . dell lea Pytin&cs', irii ' 
Boileau den grn&eD, ihm Boast gänKÜcb unbekannt«n Lope naoDte, roachM 
im AuBlaüde wenig Aufaehen. Das 'petit Uvret . . , en vers librra' liat 
Chapelain um das Jahr lt>i>2 aufgesucht [Leäres p, Ttiiiiizey de lAirotgus 
11,236). In Spanien sdbst hat Lopea Dramaturgie in den Ldirtiskt«teii 
der Gpigoaen einige Spuren hinterlassen ; den hrcilaugelegteti EomioenUi 
des Caramuel Lobcowitx (Rhytkmiea) plünderte ein Jeauit«»pater Job£ A1> 
cajiar reichlich in den um daa Jalir lölK) niedergeschriebenen Bemerkung« 
über das Theater; etwa£ später druckte und kommentierte Lui&n <lw 
Arie liiiero eher vernünftig, im Sinne Graviiias, als geistreich. Leutii^ 
bediente sich des Arie ntievo als Waffe, um gegfs die natumidrigm 
KnnstanschauuDgcQ der Frauzoeen zu kSmpfeo — und auch Orillpan«r, 
dem trefflichen Kenner lyipea, war die 'neue Kunst' nicht entgangen, ejo 
Urteil Ober dieses Werk hat er uns aber nicht hinterlaasen. 

Ein Jahr nachdem Mcuänden ; Tela^o im dritten Bande seiner Historie 
de las ideas csteitcas den Arte nueiso ausführlich und scharfsinnig besprach, 
hat Morei-Fatio das Gedicht gleichkam als Grundlage »einer |!^ gehal- 
tenen 'Lefon d'ouverture' La Comeäia espagnoU du XVU »iicU genoumim, 
und alle damaU geäulsertcn feinsinnigen, gelehrten Uemerkungün erschei- 
oeu jetzt, iu etwas erweiterter und veränderter Form, in einer tadelioMai 
NE^muiRP-Hhe des Arte, nueeo wieder, die wir als das Werk dea priindlich- 



Beurteilungen und kurze Anzeigen. 461 

gedruckt worden) vermuten. Andererseits erwähnte bereits Agustin de 
Rojas Villandrando in seinem Viaje erUretenido (1608) die Semiramis 'vale- 
rosa en paz j en guerra'/ auf welche auch Lope im Arte nuevo anspielt. 
Mit dem welterfahrenen Hauptmann und Dichter stand Lope offenbar 
noch vor 1609 in Beziehung, und wohl bekannt ist es, wie die erste Ausgabe 
der Bimaa von Viru^s in einem überschwenglichen Sonett begrüfst wurde. 
Dals die 'pfile et p^dante dissertation', wie M.-F. den hauptsächlich 
aus der Paraphrasis in librum Horatiiy qui vülgo de arte poetica ad Pi^ones 
iiueribüur des Bobortello und aus Donatus' De Tragoedia et Comoedia ab- 
geleiteten Arte nuevo nennt, im Grunde den damals in Spanien sowie in 
England, in Frankreich und Deutschland herrschenden ästhetischen An- 
schauungen der Italiener huldigt, wufste man bereits. Wie knapp aber, 
oft wörtlich, sich der grofse Erfinder dramatischer Situationen und Hand- 
lungen an seine Vorlagen hält, wie sehr er jede Vertiefung des Gegen- 
standes vermeidet, das zeigt erst die scharfsinnige, schöne, gründliche Studie 
M.-F.H zur Genüge. Die Vorrede der Süvanire beweist, dafs auch Mairet 
die Dogmen des Aristoteles blofs durch die Brille eines Donatus und eines 
RoborteUo erblickte. Sidneys ältere und bedeutendere Defense of Poesy 
stützt sich gleichfalls im wesentlichen auf die Poetiken der Italicner und 
giebt Scaliger und Mintumo den Vorzug. Und Mintumo, Bobortello, 
Castelvetro sind den Si)aniern Juan de la Cueva und Cascales kurz vor 
Corneilles Zweikampf mit Aristoteles, wie Lemaitre geistreich, aber unzu- 
treffend die selbstquälerischen, jahrelang fortgesetzten Kommentare des 
grofsen Tragikers hat nennen wollen, anerkannte und gern geplünderte 
Autoritäten." So trifft Lope als Dramaturg, wie so viele seiner Zeit- 
genossen, der Vorwurf der geringen Selbständigkeit. Sein Arte nuevo hat 
blutwenig Neues an sich. Plan- und kunstlos versifiziert er die vorgeschrie- 
l>enen Vorlagen. Ob er seinen Vorgängern, den Begründern und ersten Re- 
formatoren des spanischen Theaters, Recht oder Unrecht widerfahren läfst, 
«las kümmert ihn wenig. War nicht die Comediu erst durch seine Ver- 
mittelung zur wirklichen Blüte und Reife gelangt? Hat er nicht die dra- 
matischen Spiele, welche früher auf allen vieren wie Kinder krochen, aus 
ihren 'principios viles* herausgezogen : *engendrando en Espafia mas poetas 
Que hay en los aires atomos sutiles' ? Vor Lope hatte Cervantes im Dcni 
Quijote (I, 48) sein dramatisches Bekenntnis abgelegt, und M.-F. hätte 
uns gewifs am allerbesten Aufschi ufs erteilen können, ob Ix)pe die sati- 
rischen Deutungen des grofsen Novellisten in seinem Arte verwertete oder 
sie unbeachtet liefs. Das erstere dünkt mir wahrscheinlicher, und wiewohl 
Mendndez y Pelayo in seiner lllstoria (III, 421—424) eine Beeinflussung 
Cervantes* durch den Arie nuevo annimmt (er rechnet ja mit einem Druck 
des Traktats vor 1005), so wollen mir einige Stellen des Gedichtes Lopes, 

* Vgl. die loa de la Comedia in El ^in/'e entretenidOj Xeudrack in drr Cohc.cion 
'^ Ubros picarescos, Madrid 1001, S. 145, * 

' Die FJutory of Uterary criticism in the li^naiasance dos AmorikHncrH .1. K. Spin- 
8*ri» (New York 1899), welche dir poetischen Theorien der Spanier hlols streift, 
"*t Morel-Ftttio anberücksichtigt lassen wollen. 



teil g dkm AnEeigen 

r li! k ges| It 1 w 



hl 



I 



Lope edber den 
ch al M bvo 
!N hkliuig d«t 



lai 



Se 



umT 1 gt 

Dae ff Lob 
en I Ib r«te<,fct T d ! Up k W 

h Itflhl d b t m es E litc 

Ph 1 pp k h W L mg f d Arte 

g ht Lof f L. I d R cd i 

Pr p lad a, ä m li mal acbgeahtDl 

r d 1 F WC antes ( a Dw 

Ca t d C t pe) erechw gt er se 
I C 1 ht gHwfird g 

I an l g Fff pl poHeaCibOb 

I I C w b Agu t d R jss 

t b tt \\ m ci w d fses 

ta gt M I q !q 



t f 1 



II 



i J die 1 Bl C goer fuhll 

f te üb gu g W l der 

V f I It L p« S II (E d 1 01 der fsngb 

grg d ''kdl bgrf wlhe Lop?* 

1 St dt m C d [q f tgea Ut La b« 

K h 1 tt D ■^fMittg d hte d 

I t, b tt 1 Alg d p h V lke= 




BeurteilungeD und kurze Anzeigen. 463 

mit dem vielgeprieeenen Herrera, mit anderen Oröfsen des spanischen 
Parnasses bereits überworfen, auch Meister Lope geflissentlich gebissen 
habe. So nur begreifen wir, dafs Juan de la Cueva seinen Gegner im 
Ejemplar poStieo totschweigt, und dafs Lope seinerseits weder im Arte 
nuero noch in den im Laurel de Äpolo verschwenderisch ausgeteilten Lob- 
sprüchen auf die Dichter seiner Heimat den Sevillaner irgendwie berück- 
sichtigt ' 

Mit gewohnter Gründlichkeit bietet uns M.-F. einen kommentierten, 
kritischen Neudruck der *editio princeps' des Arte nuero vom Jahre 1609. 
Da mir selber in diesem entlegenen Erdenwinkel die späteren Ausgaben 
des Lehrgedichtes nicht zugänglich sind,^ so vermag ich nicht anzugeben, 
ob diese oder jene von M.-F. vorgeschlagene Besserung bereits erwogen 
und angenommen wurde. Die Nachlässigkeiten in Sprache und Stil, die 
Unklarheiten, die in dem musikalischen Lope so befremdenden Härten 
im Ausdruck, die Verseheu von früheren Erklärern und Übersetzern des 
Arte nuero werden in den knappen, aber höchst lehrreichen Fufsnoten 
hervorgehoben (vgl. z. B. die Note zu V. 264—65). Vielleicht könnte man 
auch auf das ungeschickte deüas (V. 13) aufmerksam machen, welches 
halbwegs in der Luft schwebt und der Dichter natürlich (wie das Pro- 
nomen las im folgenden Vers) auf Comedias beziehen will. Das in der 
Note (S. 16) vorgeschlagene yu5to (oder vielleicht listot) könnte schwerlich 
das leicht verständliche visto in V. 106 ersetzen.^ V. 371 eontre ist wohl 
Druckfehler für contra (vgl. S. 40 Ouarda für Gtmrdta), 

Zu den zahlreichen historisch - philologischen Anmerkungen, welche 
dem Texte folgen, und die wir zum Teil aus dem Vortrag La Comedia 
espagnole kannten, füge ich hier ein paar meiner Itandkritzeleien, einige 
gar unbedeutende Anhängsel hinzu. Mein trefflicher Lehrer in den 'cosas 
de Espafia' wird wohl die Weitschweifigkeit des Recensenten, welche den 
I^esern des Archivs vielleicht von Nutzen sein könnte, entschuldigen.^ 

V. 36. apariencia scheint mir, wie tramoya und andere Ausdrücke 
aus der Technik des Theaters {recitante u. s. w.), italienischer Herkunft 
zu sein. Die Italiener sagten freilich 'apparecchi', selten 'apparenze' (mei- 



* Wie konnte Restori in seiner gelehrten Besprechung der Obrtu Lopes (Ztschr, 
f. rom. Phil. XXllI. 58) Liope 'amieo ed estimatore del Cueva' nennen? Lope de 
Vega, sagt F. A. Wulff, Pocmts inedits de Juan de la Cueva, Lund 1887, S. LXVl, 
'vint cclipser pricisemont Juan de la Cueva, et c'est peut-etre lui qui d^tourna 
Cueva da ih^atrc*. 

' Die recht dürftige Ausgabe in M. 6. de Villanueva Ilugalde y Parra: Ori- 
gmes, epocas y progrtsos del Teafro espatiol, Madrid 1802, S. 275 ff., hat M.-F. 
nicht genannt. 

' Mit Bezugnahme auf den um das Jahr 1826 gelesenen Arte nuevo bemerkt 
I/eopardi in seinen Pensieri W II, Ol * Visto spagnuolo "per awtduto* und, scharfsinnig 
genug, citiert er den Vers 110 des Arte: 'Porqui en esto Terencio lue mas cauto'. 
— traya (V. 264) könnte man im Sinn«' von 'gastar', verderben, verstehen. 

* Durch die unliebsame Verzögerung d«*.s Druckes finde ich mich veranlafst. 
t'inige ergänzende Bemerkungen in den Fufsnoten mitzuteilen. Mittlerweile hat 
auch Morel-Fatio seine Studie über den Arte Nuevo mit einem Zusatz: Le$ defcri' 
tfurs dt la Comedia {Bull hisp. IV, 30 — 62) wesentlich bereicherk 



464 lleiirteilungeii und karte Auzeigea. 

stcDs aber 'ingegni' — 'fl[ipareoÄe di mivolc' itaUenisiert« lurCk^ FaUo 
Franchi im Eagraglio), 'traaiezd', nicht 'trunoggie' ('tnuniiggta di mii- 
lioo' bei Saccbetti, Cellini u. s. w.). In den Rima» de Burgtiülot fCanc. : 
'Ya pueB que todo ei mundo' u, a, w.) verwendet Lupe deu AuAcIrark: 
'a maners de torno de tramoyn', und die Jaela poKiea zur Feter dt« Eiui 
leidro bat folgende Verae, welche auch Clemencin in eeüiein Kuoi- 
mentar zum Don Quijote erwähnt: 'Si comedia eaclibieree , pleg« al 
delo I La ycrre un jugador represeu taute, \ con las npurieocias veagit 
al Buelo I Nube uarpinteril, Angel volanta' Cervantes rftlimt im Proto; 
seiner Comedias den Toledaner Navarro, welcher die TbfsterxuntAnde in 
Spanieii w^seotlicb besserte; '»acd la milsica, que anles eantnbtt UHms it 
1h manta, al teatro pdblico: quit^ las barbas de los faraant«s ,.. iavenif 
Iramoyas, nubes, tnienoa y relämpagos, dcaaäos y batalla>).' Nararru 'fuj 
el primerü que iiiveutö tcatroa' sagt Romirez im Viaje des Agnaiin de 
ßojas, unmittelbar nach der loa de la Comedia. und Pftl^ir Joert Alcuat 
berichtet in seinen der Rhylkmiea Caramuela entlehnten bunducliriftlic^en 
Bemerkungen über das Theater (OaJlardo I, lir» i.)-. 'Siu emburgo an 
deben admitir apariencias o tramoyaa . . . En Veweda, donde ae Iiacni 
las comedias con aumo aparato, ve eon sumo deleite el docto y el ludoctu 
que se hunden los montee, nacen de lae yerbaa paJactoa, m conrierten Im 
DiareH ea jardiuca, sc cubre el cielo de nubes . . . beia datd« el sumo OIiiii|M 
Jupiter eu nube de oro; ea Ganimedee urrebatadu de el iSguila y llevado 
al cielo, y otrae cosas semejaoteB.' — Am Schlüsse seiuer poetischen 
Epistel an Pablo ßonnet macht Lope elneii Ausfall g^en die uaculäng- 



Beurteilungen und kurze Anzeigen. 4(i5 

Bervissero alla Comedia: ma ora si fanno le Comedie che servono agFInter- 
medj.' Die Zwischenspiele 'traviano la mente a lo spettatore^ sagt De 
Sommi in seinen um 1565 yerfalsten Dialogen in materia di rappresen- 
taxione aceniea (vgl. D'Ancona, Origvni II, 410 f.). 

96. Möglich ist, dals Lope in den wirklich kläglichen Versen, wo er 
die Commedia Dantes erwähnt (sogar die falsche Aussprache Äligero hat 
Bich Lope zu schulden kommen lassen I), den Verfasser des kürzlich (OoUex. 
di opuae, danU 37 — 39) wieder abgedruckten Dialogo drea al aito, forma et 
misure deUo Inferno di Dante, mit Landino, Manettis Freund, verwechselte. 
Was sich aber Lope unter den Prölogo Manettis, unter der 'Comedia', den 
'Inferno', 'Purgatorio' und *Oielo*, unter Dante überhaupt vorstellte, wird 
man schwerlich enträtseln. Ich glaube nicht, dals Lope den in Spanien 
sonst nirgends erwähnten Dialogo Manettis jemals vor Augen gehabt hat. 
Wozu denn, wenn er der Commedia selbst so geringe Aufmerksamkeit 
schenkte? Irgend eine Stimme aus der Ferne hat Lope den Namen 
Manettis gebracht, wenn er ihn nicht durch die Noveüa del Oraseo legna- 
itiolo kannte; die Phantasie hat dann weitergesponnen und einen sinn- 
losen Vers geschaffen. (M.-F., welcher grofses Interesse und feines Ver- 
ständnis ffir Dante zeigt, hätte hier nicht so ohne weiteres die berühmte 
Epistel an Cangrande als ein Werk Dantes ansehen sollen; vgl. D'Ovidio 
L'epistola a Cangrande in Riv. d'Ralia 1900 und Studii suUa divina Com- 
media, Milano, Palermo 1901, S. 448 ff.; Vandelli in Bull. d. Soc. dant, 
ital, VIII, 136 ff.) Eine Definition der Commedia im Sinne Boccaccios 
bringt bereits Petrus Alighieris Kommentar: 'et quod eins Stylus erat 
in materia incipiente a tristi rccitatione et finiente in laetum'. Was 
Landino betrifft, so war sein Kommentar in Spanien sowohl wie in 
Frankreich so ziemlich der einzige, dessen sich die wenigen Verehrer 
Dantes und seiner Dichtung bedienten. So hat der 'Arcediano' von 
Burgos, Pero Fernandez dcVillegas ausschliefslich den *docto y muy ele- 
gante Xtoforo Landino que mojor y mas copiosamente que ninguno lo 
comentö (Dante)' für seine wässerige Übersetzung benutzt und geplündert. 
(Im Proemio: *De la vida y costumbres del pocta' sagt er: *quiero, se sepa 
que el auctor Hämo comedia a csta su obra porque la comedia comieca 
en turbado y atribulado principio corao en csta fue: y acaba con alegre 
y gracioso fin'.) Ebenfalls aus Landino, und nur aus ihm, hat der ano- 

mm 

nyme Übersetzer des Purgatorio (im Vcrsmafs der 'quintillas'), ein Zeit- 
genosse ViDegas', seinen Kommentar geschöpft (vgl. F. de Uhagon, Una 
iraduecion castellana descmiocida de la Divina Comedia in der Rer. de 
arch,, bibl, y mus., 1901, S. 3 des Sonderabz. ; fol. 151 enthält den 'Pro- 
logo de Christöforo Landino en el Parayso de Dante, florcntino'). Auch 
Di^o Guillen de Avila benutzte Landino als Dolmetscher der Commedia. 
Der Verfasser der Quinquagenas, der sich einbildete, nach dem Muster 
der 'terza rima', eine *segunda riiria* erfunden zu haben, stützt sich mehr- 
fach auf die Autorität Landinos. - - Wie weit Lope, ein eifriger Hewundfrer 
und Nachahmer Petrarcas, Ariostos und Tassos, mit der liCkture des niuy 
celebre poeta' Dante gekommen, kann ich im Augenblick nicht sagen. 



i'iü ßeurteilungen and kurze Anzeigen. 

Ucivifs iv;ir ihm Dante weniger liekannt (vis einigeu seiner Vorgänger, 
Alojifij Je ItcüIm z. li., linrahoDB de Suto (vgl. seine TcrKinen an Gre- 
^oriu Silvestro; 'Mr» qiie Beatriz, qae Cintia y qtie Diana | Del Dante, 
del Properciii y 1-usitiino' u. s. w.) und anderen, deren icti späUr einmal 
geilenlien werde' 

Kl". M,-F. rJifit, ich glaube diesmal mit Unrecht, die wenig volts- 
tiimlii-hen Aiisdrüelte sujclo, asunio, caso u. s. w. und nennt sie schlecfat- 
weg (S. 27) 'exjires-'ioQs bnnnlcs'. Gewilg klingt svjeto fremdartiger lUa 
dii'^ gowöhnliclie Wort Ira-ia (mir ist gegeuwartig nunier Viifje entreleniiio 
<h'~ Agiistiii de Rojns in Erinnerung, wo siijrlo im Sinne von atunto et- 
-■Hieint; lim a In fnmosa caea de Auslria: 'y con eujeto tan alto'); man 
viTfresse iilier niclit, ilar» Lripe bewillst riie gewöhnliche Sprechwdee des 
'vulgo' vermeidet und sirli mögliclifit akademiBch, d. h, gesucht BundrOckea 
will. Er sjiricbt ja y.u den 'ingenioa nobles', welche Menschenrasae er 
iiiidersu'o bonilire^ cientIficoB' nennt. Ihnen zuliebe dichtet er die letztes 
ViTse Peines Lehrgedicbtea in der ihm ziemlieh geläufigen Sprache Cicerw. 
'HInnse de In comcdia, | digan que ee impertinente, | nialos vereos, mala 
Irii^a' ( Viaß enir. I, SlKl der letzten Ausg.). 'Vcrso humilde, traxa bueoa' 
(lins. I, aOit). 'Los que dicen mal del verao, | de la comedia j 1a traxa, 
i<\ iu6 prupin l'j si fue imprnpin' (das. II, 24). 'Las maranas, loa amons, 
y entre lo? paHOS de verns' Üoa de la Com.). 'Dnon hucen las faraas de 
■mriranas ; | Otros de IiiatoriaB, fäbulas, ficciones' (Vioje 11, l.')l). 'Maa la 
invrncion, ia pradii v tra^a es propia ] A In iogenioea fäbula de Espaiia' 
(»'ufva, EJcmj)!'!'- pm'lico). 'Huisa, como iinisieres, la marana' {I'Jiiebaii 




Beurteilungen und kurze Anzeigen. 467 

1754 begonnene Art poetique des Vauquelin de la Fresnaye (Ausg. Pel- 
lisfiier III, 1G3 f.) tadelt die Tragikomödie als Mifsbrauch: ^On fait la 
Com^ie aussi double, de sorte | Qu'avecques le Tragic le Comic sc rap- 
porte. I Qu and il y a du meurtre et qu'on voit toutefois, | Qu'ä la fin 
80Dt Contents les plus grands et les rois, | Quand du grave et du bas le 
parier on mendie, | On abuse du nom de Tragicom^ie." Die nach der 
Dramatttrgie Lessings weit schallende Oowtre/fo -Vorrede sollte uns wieder 
mit den ästhetischen Anschauungen der wackeren Spanier versöhnen. Der 
Dichter darf unbedenklich das Lächerliche neben das Rfihrende, das Tra- 
gische neben das Groteske setzen. Durch den Zusammenstois der Q^en- 
sätze wirkt das Schöne um so stärker. — Nicht ohne Bedenken nahmen 
die Italiener den Ausdruck *Tragicommedia' an.^ So war auf dem Titel- 
blatt einer dramatischen Vorstellung der heiligen Teodora zu lesen (D'An- 
cona, Saere Rappres. II, 823): 'incomincia la Commedia ovrero la Tra- 
gedia di Santa Teodora'. 

178. *Per troppo variar natura h bella' ist wohl kein Dichtervers, 
sondern eine sprichwörtliche Redensart. Ob die Spanier auch die obscöne 
Nebenbedeutung des sehr verbreiteten Spruches (die jetzt noch, wie mir 
B. Croce mitteilt, in Neapel und anderswo erhalten bleibt) kannten, ver- 
mag ich nicht anzugeben. — Lope sagte in den Rtmas de Burguüloa 
( Cancion : ^ Ya pues quc todo el mundo ...'): ^pero siendo juez naturaleza, 
DO es siempre agradecida la belleza, | y la f^ mas sincera | quejarse de 
Aristoteles pudiera'. 

203. In seinem Ejemplar poitico rQhmt Juan de la Cueva: 'Huimos 
la observancia que forzaba | A tratar tantas cosas difereutes | En termino 
de un dia que se daba'.^ 

207. Lope hat mehrmals selbst angegeben, dafs die Comedia ungefähr 
zweiundeinhalb Stunden dauern sollte. Im Fingido verdadero (Tirso 
de Molina gewidmet — das Stück ist mir jetzt leider nicht zugänglich) 
scheint Lope jedoch, wie Grillparzer angiebt, zufällig die Dauer eines ge- 
wöhnlichen Schauspiels auf anderthalb Stunden beschränkt zu haben. 

210 — 211. Nach den hier gegebenen Grundsätzen sollten Novellen 
8o gut wie Comedias geschrieben werden. So bei Gelegenheit der Des- 
dicha por la honra, drastisch genug: *yo he pensado que [las novelas] tienen 

* Die Mischung de8 Ernötni mit dem Komischen wird aber von Fran<;ois Ogior 
in der Vorrede zum Tyr el Sidon dos Schclundre (1628) gebilligt, weil sie beson- 
ders geeignet sei, wiederzugeben: 'les cunditions de la vic des hommes, de qiii 
les jimrs et les heures sunt bien souvent entreeoupe:* de ris et de Inrines, de et»n- 
teutement ou d'affliction'. 

* Vgl. den berüchtigten Discorso intomo a quti principiy cause et nccrtscimento 
che la comedia e la tragedia et il poema croico ricevono dalla ßlosofia moraU etc. des 
Giasonc di Nores {Ifi^l). 

' Zum 'periodo del sol' vergleiche man die Vorrede KonHurds zur Franciadt 
Und Jodelles erste Scenr der Cleopatre: 

Avant que ce soleii qui vient ores de nnitre 
Ayant trac6 son t<»ur ehez sa tente se plonge. 
Cl^opÄtre mourra. 



l(iS Beurteilungen iind kurze Anzeigen. 

Iii^s iiiisiMi.li- j)rci:c|it'i^ i[uc las comediaa, cuyo fin ee haber dailo hu sutor 
riirUentd y jiusLii hI pueUo. jiunque se ahogue cl arte". Auf die Veree 
l.iipra iüj Arlf lUicro spielt vielleicht Guillen de Castro im Ourioso imperti- 
iiimlr nn, durt. wo er deü Herzog von Florencia eagen läßt: '. . , ee tu 
flu (iler Cowedin) el prncurar | Que las oiga un pueblo entero, 1 Dando 
!l1 sabio y iil groBero | Que reir y que gustar; | Parecete discrecioD | El 
buacar y lA prevenir | Maa arte que coDseguir | Et fin para que ellas son?' 
~ Die Itaiicner, vor welchen Lope sich respektvoll verbeugte, haben, wie 
e» Echeiiit, «eine Freiheiten im Theater Kuin grorgen Teil gebilligt, und 
Beine Panegyriket iti den Essequü ponliehe oiero Lamento deUe Mute Ila- 
Hani' in rnorle del Si'jnor l^pe de Vega haben nicht versäumt, die natur- 
treuen DflTBtellungen des Meisters zu rühmen ; eie nacnteii den Arie ntara 
die einzig wahre Kunst. So Fabio Frajichi in der fÄlechlich betitelten 
Oroiiont falla in Panioxo dal Sic/, earaiiter Marino (vgl. mein Orülpanrr 
wid Lopc de Vcßn): 'Vera arte di comedia "k quellit che mette in teatro 
quello ehe place nirli viHitori ; queatu ö regola inviucibile di Natura, e voler 
1» cnreBtia d'iDgcgmi, o i! far di critico a poca spenn sostentar, che una 
effigic Bia liella, jiortlit' liabbin le figure del volto correspondenli aH'arte, 
t^e 11 manea qurll' ingnsto e arin ineaplicabile, e invisibile, con il quäle la 
Nntura (cuii ['artei Ic üga inHieme, sarä voler sostentare, che la Natura 
n\n. inferiore n quelli, che crepando di critici, e fingono a loro benepladt« 
l'arle in ogiii coaa. ... Lope fu summsraente pleno deli'arte conveuevole, 
I- il'tino Iiiipulso niiturnl a neasun'altro eoncesäo.' Im liagttaglio di Par- 
iinm yidil Frniicbi auch den Rat, 'a quelli, che per parere artiatl, gridarono 




BeurteiluDgen und kurze Anzeigen. 469 

die Ansicht Lopes, daüs das erste Ziel der dramatischen Kunst doch die 
Belustigung der Zuschauer und der Wille des Publikums das höchste 
Gesetz sei.* 

211. Was A. Gil y Zdrate in dem von M.-F. angeführten Artikel des 
Semanario pinioreseo über einen 'borrador' Lopes berichtet, wonach Lope 
sich für einige seiner Comedias einen Entwurf in Form einer Novelle in 
Prosa zurechtstellte, war bis jetzt den Litterarhistorikern entgangen. Julio 
sagt in der Dorotea Akt IV, 8c. 8 : 'Oid lo que respondia en una comedia 
un poeta & un principe que le preguntaba como componia, y vereis con 
que facilidad lo dijo todo: — Öomo compones? — Leyeudo, | Y lo que 
leo imitando, | Y lo que imito escribiendo, | Y lo que escribo borrando. 
De lo borrado escogiendo'. 

215 — 217. Viru^, Cueva, Cervantes, Lope, alle besten Ingeniös, 
glaubten mehr oder weniger etwas Neues für die Ekitwickelung der Co- 
fnedia gefunden zu haben, und gerade das, was bereits längst vor ihnen 
gang und gäbe war. Die Josefina des M. de Carvajal hat bereits vier 
Akte, somit irrte J. de la Cueva, wenn er sich der erste nennt: *.,, que 
el un acto de dnco le he quitado, | Que reducf los actos en jornadas 
(und das hatte Torres Naharro bereits gethani) | Cual vemos que es en 
nuestro tiempo usado' (Cueva sagt freilich blois : ' A mi me etUpan'). Das 
Widersprechende dieser Präcedenzbeteuerungen war schon Lessing auf- 
gefallen. In der Dramaturgie (St. LXII) vergleicht er die Stelle des Arte 
nuevo, wo Viru^s als der erste genannt wird, welcher die vier Aufzüge 
auf drei brachte, mit der Stelle des Prologs Cervantes' zu seinen Oome- 
diasy wo sich dieser den Ruhm anmafst, die spanische Comedia von fünf 
Akten, aus welchen sie sonst bestanden, auf drei gebracht zu haben. 
*Der spanische Litterator,' schliefst Lessing, 'mag diesen Widerspruch ent- 
scheiden; ich will mich dabei nicht aufhalten.' — Man beachte noch die 
Frage, welche Frau 'Curiosidad' ihrer Kollegin 'Comedia' in dem bereits 
erwähnten Rufian dicJioso des Cervantes stellt : 'Como has reducido ä tres 
Los cinco actos que sabes [ Que un tiempo te componian, | Ilustre, risuefia 
y grava' 

225. Angaben über Aufführungen von Balletten, eine notwendige 

Ingredienz der Comedias, enthalten die Nuevos daios acerca del Histrio- 

nistno espanol en los siglos XVI y XVII recog. p. C. P^rez Pastor, Madrid 

1901. So sollte im gleichen Jahre, wo der Arie nuevo im Druck erschien 

(7. Mai 1609), Andres de Näjera eine 'danza de cascabel' aufführen (S. 112 f.), 

'intitulada Danxa de Don Gayferos y rescate de Melisendra, que ha de 

ilevar nueve personajes, quatro franceses, quatro moros, y la infanta Meli- 

^Qdra, y un castillo encantado y un caballo de papel6n pintado y Don 

^*yferos ; los quatro franceses vestidos de terciopelo y brocatel y damasco 

^ö mangas de tela, medias y ligas de color y zapatos blancos, cou sus 



* *Je voudrois bleu savoir si lu gruiiile rej^le de toiites les r^glcs nVst pas 
f^ Plaire et si une picce de tlieätre (j[ui a attrapc sou but n'a paH sulvi son ohcinin' 
^**':>li^re, O-iL de VKcoU des femmes Sc. VII). 



170 Bpurteilungen nnii kvirze Anzeigen. 

r:uiiibri?ros fmiuTHei^ t'un,jnd<js de trenciltaB con bub pliimas; y los quatro 
ni<ir<m veBtidie de lo luesmu ä la tiioriama, con sus looados de raorn», 
con BUS plumas y tncns pendientes, ctin aus donzas y adargas, y Meli- 
Beodra vt^tida c(in uns biiBijiiinn de brnoLtel, pon nu vaqiiero de raao 
pren^ndii cuo pQBniiianii? de oio j mangae de tela; y un caatillo hecho 
de gi>ziieii que äe pueda abrir donde quisieren.' — Über die spanischen 
hdites vgl. F. Ascnju Burbieri, Z)a>iuu y baites en Espana en Ua siglot 
KVI y YYU in der Uustrar. Espan. y Americ. 1887, 22. u. aa. November. 
■J52. Bald schreiben die Spauier emicepto, bald eonceto, und, ich denke, 
iihnc Unterschied in der Bedentung. Lopc nennt im Laurel de Äpolu 
(,ailv.i 5) die Dichtkunst; 'Un arte qiie L'unstando de precetos, | Se ™te 
de figuras y concetoa'. (Im Prolog zur l*arte XIX: 'deamayo la imagi- 
naciou il Ina CDneeto^', in den Rimas de Burguiltoa: 'cl altna de mü veraw 
y cnncepto»' etc.) Agustin de Roja» hatte in der loa en alabamca de las 
ladrones (II, lllSl] boreits, wie Lope, eoncepto ab Synonym von sattencia 
aufgefafat: '. .. niir:id los poetaa | que per puntoe Iiacen eeto, [ hurtandose 
aquol nl utro | la» Kciitencias, lus conceptua' {loa de la Comcdüx: 'traxas, 
coni'eptüs, seritciicia.--, | inventivas, novedades' etc.) (Juan de la Cneva, 
EplsUila I. A Don Airaro. Gall. II, «40: 'Coraeranse los raieeroa Ioe manoa 
Tras Uli conceU. . . .'; Epüt. ä D. J. de Arguijo, 11,695: 'Y al poeta me- 
ladu f> Sleliwiiio, 1 De indigestos ooncetoe . . .'). Fabio Franchi empfahl in 
»eiDfiii Biguaglio, die Dichter möchten auch Lijpe nachahmen in 'qnella 
i nffettuosi, e quelle novitä dellc aue facetie'. — Auf 
o KJQtpilung der Coneeptos stützte später Gn 




Beurteiluogen und kurze Anzeigen. 471 

tcUienüeher Schauspieler, auf deren la/xxi und Arlequinaden. Dafs ita- 
lenische Schauspieler schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Spanien 
3rlück und Nachahmer fanden, ist eine längst bekannte Thatsache. So 
tnthalten, nach Pellicer, die früher erwähnten Nuevos dolos aeerea del 
liatrumismo eine aus dem Jahre 1587 datierte Bittschrift (S. 21): 'La com- 
)afiia de los Ck)nfidentes italianos representantes, dicen . . . que las Corne- 
lias que traen para representar no se podran hacer sin que las mugeres 
|ue en su compaüia traen las representen . . .^ und die entsprechende 
Licenda': 'para que pueda representar Angela Salomona y Angela Marti- 
lelli, las cuales Consta ... ser mugeres casadas y traer consigo sus mari- 
los'. Es folgt die Aussage eines Zeugefi: 'vi6 ... una comedia de los 
[talianos e con ellos vi6 representar tres mugeres en el corral de la calle 
iel Principe'. (Nebenbei bemerkt ist diese Angela Martinelli die Frau 
ies Tristano Martinelli, welcher mit seiner Schauspieltruppe um die Zeit 
Spanien bereiste: 'staremo tutto quest'anno qui en Spagna', schreibt 
Drusiano M. an seine Mutter Lucia Martinelli den 18. August 1588. Vgl. 
(\.. Bartoli, Seenari inediti della Commedia deWarte, Firenze 1880, S. CXXX.) 
Zu den von J. Sanchez Arjona in seinen Noticüu referenUs d los anales 
iel teairo en Sevilla desde Lope de Rueda hasta fines del siglo XVÜ, Sevilla 
1898, gelieferten Nachrichten über Vorstellungen des Alberto Ganassa 
hoffe ich demnächst in meiner Ausgabe des Burlador weitere Einzelheiten 
hinzufügen zu können. * Ganassa gelangte in Spanien recht bald zu wahrer 
Volkstümlichkeit, bald wuüsten alle Provinzen, selbst das Baskenland, von 
den tollen SpäDaen und Scherzen, welche der gefeierte Italiener bald in 
sdner Muttersprache, häufiger jedoch in einem Gemisch von Spanbchem 
und von bergamaskischer Mundart zum besten gab. So berichtet Ottonieri 
io der Oristiana moderaxione (II, 37) : Tanno 1644 in Fiorenza intesi da un 
fiorentino, huomo di molto spirito e pratico della Spagna, ch'egli circa 
i'anno 1610 stando in Siviglia, seppe da certi suoi amici, huomini vecchi 
^ testimoni di vista, che Ganassa, comico italiano e molto faceto ne'detti, 
^udö lil con una compagnia di comici italiani, e cominciö a recitare al- 
'uso nostro; e se bene egli, come anche ogni altro suo compagno, non 
^^ bene e perfettamente iuteso; nondimeno, con quel poco che s'inten- 
^va, faceva ridere consolatamente la brigata; onde guadagnö molto in 
^elle cittä, e dalla pratica sua impararono poi gli Spagnuoli a fare le 
i^<nmedie all'uso hispano, che prima non facevano.' Ob Lope irgend einer 
orstellung des Ganassa beiwohnte, kann ich nicht mit Bestimmtheit 
*^gen. (In der 4. Ep. der Füomena erwähnt er zwar die 'donaires de 
»^nasa y de Trastulo*.) Olemencin (Kommentar zum Don Quijote II, 7, 
^- 20) meint, dafe die lustige Rolle des Ganassa 'acaso sugeri^ la idea 
^^ papel del Oracioso, que Lope de Vega introdujo despues en las co- 
*^^ias espafiolas'. Weiter gedenkt Clemencin einer Anspielung an die 

* Adam Hochreiter berichtet in Hcinon Roimiorinnnrungon (27. l>ezcinb<'r 1583; 
^J§i. meine Apunle* dt viajes y viajtros S. iU)). 'Den Dag bin Ich das ersteiiiall in 
^^s Gauassj, ItaliauiBcheu CunnHlianten, ho mit sehier Compagnia aohr berüemt 
*5*ögea, agiert m Coruhiovo'. 



172 Rpurteikinfieii und kurze Aoedgen. 

l^püfte des Giiiijissa in tieiii Rofnaticero genial 'ies Pedro de Flom: 

'EBtnbii el jiastor Ga/.pacho I Apacentando unoa mulos . . , | Blmfemaba del 

-.imoT, QiiF tieuc tretae de putu, Que ddb beea y dob eagaüa Como QanaM 

y Tra»tulu. (Oaiiassa wird auch im Apologäieo des Ricardo de Turia [1GI6] 

uuJ im dritten Kü]iitcl des in der Üee.espan. vorturacm wiederabgedruckten 

Latanllo de Maiixanarrs [\62ii\ ernähnt.)^ Rasi, I eofniti üaliani l 979£f 

g el t 1e de n ng ^ nde Nb hnchten über d e That gke t Oanassaa 

hpa eu — W 1 1 gl h daii d c \rlequiiiaden GimaBsas sowie 

I 1 n tal ea 1 Lu ts] len und hoTclIen häufig vorkommeadeo 

\ i t □ n 1er hi» gamisk a !icd Mundart (vgl Zcrb a \oie stoneht 

l I ni ga las o D Ail d II ÄIfi m d Bergan o I68ü) Lope zu ahn 

1 i Vu f el ngen und ^e »[KittUDgen m Per grt c en au patna und 

nl n ^ten (\ers[ottung ti de» Be gan aek sehen be Juan de la 

( Fl t D U a de Po t igal, Gall II dil Que guato diera i 

I \ u laca;o hecha an mHntuano | \ ä los brazos re- 

II \ I iz tar el pa80 del Toscano | Farlar en berg« 

h] t a D Jua deÄgujo wo auch von Arlequm 

el ot o escalf dor de la ofic na | Que por mo 

I F leog be gamas v le ua na u a w ) — 

OS aelbst betnfft (es s nd h er wohl nur die 

1, me nt) hu haben a e n den dran absehen 

htb r n D ht^rs m 1 e Spu en h □t«rlnsHui 

h e de V bc t d esel! en N gi oir ante Anostoe 

LuBtap elen Cecchn, Are- 




Beurtdlungen und kurze Anzeigen. 47B 

iqueddndole de adomo; bu8c6 el mismo repreeentantee, dispuso com- 
ifiias y avasallö todos los farsantes, en quien tubo un abeoluto dominio, 
)rque lo8 ensefiö y los enrriqueci6 dändoles mil y novecientas comedias. ... 
ero Lope de Vega, ingenio en quien con perenne facundia destilava 
polo todos los raudales de su influencia, haviendo militado en el Pie- 
lont y en el Milands en las guerras de Italia, y haviendo visto las re- 
resentaciones de aquel pais, vino ä E^pafia, donde ya havia comediantes 
ue representavan prosa, y puso en estilo las comedias. Las primeras 
lias fueron & imitacion de la antigua tragedia, en un yereo heröico suelto, 
n asonante ni consonante', etc. 

821. Dafs die von Cervantes, Rojas, Lope und anderen gepriesenen 
oplas tan milagrosas' und sämtliche bis auf die zwei kürzlich von 
[. Rennert wieder abgedruckten Comedias des 'divino' Miguel Sanchez 
purlos verschollen sind, ist ewig zu bedauern. Nach Lopes Tod war 
Gguel Sanchez' Buhm gesunken; Fabio Franchi, weit entfernt, ihn als 
en Erfinder des wirklich dramatischen Kunstgriffes des 'engafiar con la 
erdad' zu rühmen, tadelt ihn im Raguaglio, weil die Personen in allen 
;inen Stücken niemals zwanzig Verse hintereinander hersagen konnten: 
rüchel Sanchez . . . desidera, che nelle sue comedie si faccia parlare a 
ualche Personaggio venti versi seguenti, perch^ haver fatto che gl'Inter- 
icutori si dimandino e si rispondino in fretta, da a credere, che il Poeta 
OD hebbe capitale per far dire a nessuno un lungo discorso, dove bisogna 
pendere concetti e sentenze; anco desidera, che a molti de' suoi versi si 
li metta la pelliccia, perch^ conosce, che hanno freddo.' — Nach den 
on M.-F. nicht erwähnten Angaben Bestoris {Appunti teatrali spagnuoli 
1 den Studj di filol. rom.j Livorno 1898, ext. B. XX, S. 12 ff.) sollte die 
"sla harhara neuerdings mit grölserer Sorgfalt wieder abgedruckt werden. 

352. * Autor de comedias', sagt Alcazar (Gall. I, 116), 'entre los 
spaüoles, es el que sustenta ä los comediantes y les da sus salarios'. Elr 
hersetzt so ziemlich wörtlich aus der Rhythmica des Caramuel. Über 
ie Recüanti vgl. den Lehrtraktat des Ingegneri, 1598. (D'Ancona, Orig, 
I, 418.) 

363 — 366. Um das Urteil der Fremden scheint sich Lope sein Leben 
mg mehr als um das Urteil der Spanier gekümmert zu haben. Stets 
ichtete er seine Blicke jenseits des Vaterlandes und sagte sich mit bangem 
Kerzen: Ich schreibe wohl nach meinem inneren Drange und meinem 
Volke zuliebe und zur Freude, was aber werden fremde Dichter und Ge- 
lehrte von meinen Schöpfungen halten? Diese ewige Besorgnis blickt 
auch im Arte nuevo durch den dünnen Schleier der Ironie. Wie wilde 
Sprossen eines unbebauten Gartens mögen seine Comedias auf dem Boden 
^er Heimat emporwachsen, seine anderen Bücher zeigen zum Glück 
genug Wissen und Bildung, um sich in der Fremde Stellung zu ver- 
schaffen (Prolog zum XV. Teil der Comedias: *. .. teniendo ingenio y 
Petras para los libros que corrcn suyos per Italia y Francia, tiene las 
^medias por flores del campo de au Vega, que sin cultura nacen; solo 
P'^e & los noveleros 6 novatos quo no levanten ji Roma testimonios tan 

Archiv f. n. Sprachen. CIX. %\ 



474 Beurlpiliingcn und kurae Anzeigen. 

frioe, (licieiiilii r|iii? mnDilaban eatorrar BUe senndores ti los sacerdot«« de 
9ua i]ioRe3 ijiie las eäcribian, paro satirizar sin habilidad los que agora lu 
(acribcii'), Plii-clier uod Spekulanten Terdarben ibm Bein Werk, und 
wiewohl Lopc mit innerer IjefricdiguLg bemerkte, wie des 'extranjero' 
'tantas nuves' mit eeiuen Versen 'loetra' (Epist. d Qaspar de Barriotiueni). 
m quält« ihn oft der Gedanke, die Fremden, die Itahener möchten seine 
Werke nur nacii den üblichen VemuBtaitunEen beurteilen ('Si pasa i Itaü» 
eate Iibrazo nucTO, Decildes la verdad, Gaspar aniigo, Deeengaönd ä Italü, 
Barridriiiovo', Episl. ä G. dt B.). Sein Gewiaaco lieis ihjii keine Kühe. 
]> li:itli' {lip:<en Italienern und Friiazoaen gegenüber nagen können: 'Laf^t 
mir uioine Comi'dias und behaltet in Gottei Naiuen eure Regeln'. Er zog 
vor, .-icii unahliiSBig vor den 'hombres cientificos' zu verbeugen, um stel* 
zu wiederholen : 'Ich könnte schon — nur mag ich nicht'. Äfit einer der» 
artigen Entschuldigung widmet er seine Locoe de Valencia dneni Fru- 
zosen. '. .. Adviertan los estranjeros', sagt er im Prolog zum Pertgriwi 
ni HU jialria, '>)Lie \im eouiedias cn Espafla no guardan el arte, y qne fO 
las prosegul en el «stado que las hallfi, sin atreyerine & guardar los pre- 
i'eptos, porqiie con aquet rigor, de ninguna manera fueran oldas de los 
eH|>ailoles'. — Nur zu häufig und auf sehr unritterliche Wäae nannten 
die Italiener des li>. Jahrhunderte ihre spanischen Nachbarn Barbaren, 
und Herrcra und andere lieklagten sich bitter darüber. Der billige Vor. 
wurf scheint zur Zeit, als Tassoni, Testi, Bocculini ihre Pfeile auf Spanieu 
losschössen, iiuL'li Lope de Vega getroffen zu haben, aüein darübea' Bind 
r nicht genügend unterrichtet. Wiederholt nennt BJch l»pe ii 




Verzeichnis 

r vom 24. Juli bis zum 30. November 1902 bei der Redaktion 

eingelaufenen Druckschriften. 



Scherillo, Michele, I limiti della poesia (Discorso inaugnrale delP- 
DO scolastico 1901 — 02 letto Dell'auia magna della R. Accademla 
entifico-letteraria di Milano il 12 novembre 19a2). Milano 1902. 58 ö. 8. 

Tumlirz, K., Die Lehre von den Tropen und Figuren. 4, Auflage, 
jipzig, Freytag, 1902. 116 S. Geb. M. 2. 

Scripture, E. W., Researches in experimental phonetics, 2. fteries. 
udiee from the Yale Psychological Laboratory, voL X, p. 49—80. New 
aven, Yale üniversity. 

Zeitschrift für österreichische Volkskunde. VIII, 5, Oktober. Mit 

Textabbildungen und 6 Tafeln [J. W. Nagl, Die Hienzen. — J. Blau, 

uhn und Ei in Sprache, Brauch und Glauben des Volkes im oberen 

igelthale, Böhmen. — L. Mlynek, Das Emaus-Fest am Hfigel 'Za rzy- 

•m' bei Wieliczka. — Kleine Mitteilungen. Chronik. Litteratur etc.]. 

Schweizerisches Archiv für Volkskunde . . . herausgeg. von Ed. Hof f - 
ann-Krayer und Jules Jeanjaquet. VI, 8 [A. ^ssat, Chants patois 
raasiens. S. Singer, Zur Volkskunde vergangener Zeiten. E. Wymann, 
le ersten schweizerischen Verehrer des Grabtuches Christi in Turin. — 
iscellen. Bücherao zeigen u. s. w.l. 

Potter, M. A., Sohrab and Kiistem: the epic theme of a combat 
tween father and son. A study in its genesis and use in literature and 
pular tradition (Grimm library, 14). London, Nutt, 1902. XII, 235 S. 

Pädagogische Abhandlungen. Bielefeld, Helmich (o. J.). 8. 
70. Bilder und Bildung. Von Friedrich Lappe, Pfarrer in Bielefeld. 
23 S. M. 0,50. 

Pädagogische Abhandlungen. Neue Folge. Herausgeg. von W. Bar- 
olomäus, Jttektor in Hamm i. W. 

VII. Band. 7. Die Bedeutung des Märchens für Erziehung und Unter- 
richt. Von Heinr. Oberg, Rektor in Camen. 9 S. M. 0,40. 

8. Kunst in Ernst und Scherz. Von Heinrich von Stephan. 11 S. 

M. 0,40. 

9. Die Gefahr des Alkoholgenusses und die Aufgabe der Schule, in der 

Bekämpfung derselben mitzuhelfen. Von Wilhelm Mörker. 22 S. 
M. 0,50. 
Heintze, A., Lateiu und Deutsch. Ein Beitrag zum zeitgemäfsen 
Ausbau höherer Lehranstalten. Stolp i. Pomm., Hildebrandt, 1902. 78 S. 
Wilm, Elise, Sprachvergleiche und Sprachgeschichte in Mädchen- 
schule und Seminar. Ein Hillsbuch für Lehrer und Schüler. Halle a. S., 
Hauer-Schwetschke, 1903. 5G S. 8. M. 0,80. 

Die neueren Sprachen . . . herausgegeben von W. Victor. X, l 
[J- Ackerknecht, Wie lehren wir die neuen Vereinfachungen des Franzo- 

2>\* 



Verzeichuia der eingelaufenen DnickBchiiften. 



Betz, Louia I'., Studien zur vergleichenden Litteraturgeacbichte der 
neiierou Zeit. Fruiikfurt a. M., Eutteu & Loening, 1902. III, 364 S. S 
llCiiilcitiKif;. I.ilienUurvergleichiing. 1. Edgar Poe in der fnuiKilsischen 
[,iiriv.iiiii '. I .."rrLril de Nerval. Ein Dichterbilii aus Frankreiche deutuch- 
lii-.i .:■ " ■[ [ I . II. ;1 Heinrich Leuthold. 4. Emile Mont^gut. Ein inu- 
/.. ~ - ■■ \ . , :, 1 ilrr Weltlitterntur. 5. .1. J, Bodmer und die franzo- 
-i- ' ' I ; '■. Hpiijumin ConstÄnt's 'Adolphe', Ein wesfschweiz«- 

II- ■' ijin 7. Gottfried Keller in der Parifier Sorbonne. 8. Die 

^-i 1 • Leben und Dichten. 9. Heinrich Heine. Ein Weit- 

'li ; In liier der Weit, 10. loternationale Strömangen und 

L<-< ,1 : I -' tR'iiiiingen. — ÄumcrkuDgeD. Register]. 

!:'._■., I'r [.liii. Jul., Pädagogische Betrachtungen ranes Neuphilo- 
li>-,'n. i:iii Heiinig /nrSL'Jiulreform. Kßthen, Schulze, 1903. VII, 52 S. S. 

-Ii-Ilinck, A. L, Die Litteratur des Theaters im Jahre 1901. HO & 
Sepiiriitiiltzug ans h\ A. Mayers 'Deutsche Thalia', 1. Bd. Wien, Bran- 
mülkT, lUO-J. 

Kluar, A., Schausi)iel uud Gesellschaft. Berlin, Raede, 1902. 34 S. 

Vollniiiller, K., Da^ Recensionsexemplar und die bezahlte ReceDsinii. 
Zur Wahrung der Dnalihäugigkeil litterarischer Kritik. Erlangen, Junge, 
VM2. !■) B. 

Hevne, M., Fünf deutsche mittelalterliche Erzählungen 

Versen.' Mit Bildern vnn 0. Meve». Berlin, Mever & Wunder, 19IÖ. 
XVIll, 71 S. fl. Der eehlägel. in Blankversen. 2. Kaiser Otto mit dem 
Barte, in reinilosen Vierful'sversen. H. Drei Wunsche und 4. Der talgche 
Wahrsager in tiiTeinitm Vitirfuftvernen. Gewandte, wohl lesbare Ober- 
tnigungi'ii' 




Verzeichnis der eingelaufenen Druckschriften. 477 

Micfsner, W., Ludwig Tiecks Lyrik ^itterarhist. Forschungen her- 
ausgegeben von Schick und v. Waldberg, XXIV). Berlin, Felber, 1902. 
X, 106 8. M. 2,40. 

E. Th. A. Hoffmann. LeTonnelier deNurembere. Texte allemand 
publik ayec une notice et un commentaire p. Alfred Bauer. Troisi^me 
edition, revue et augment^e de nouvelies notes. Paris, .Hachette, 1902. 
X, 200 S. kL 8. Geb. Fr. 2. [Über die 2. Ausg. s. Archiv XCVII, 443.] 

Mos tue, Dr. W., ühlands metrische Studien. Berlin, SQlserott, 
1902. 66 8. 

von Elenze, Camillo, The treatment of nature in the works of 
N. Lenau (The üniversity of Chicago, The decennial publications). Chi- 
cago, University Press, 1902. 83 8. fol. 

Petzet, Chr., Die Blütezeit der deutschen politischen Lyrik von 1840 
bis 1850. Mfinchen, Lehmann, 1902. 2. Lieferung: Dingelstedt, Herwegh, 
Pmtz, Freiligrath. 8. 99—212. M. 2,20. 3. Lieferung: Heine, Geibel, die 
österreichischen Dichter. 8. 215—326. M. 2,10. 

Frommel, O., Neuere deutsche Dichter in ihrer religiösen 8tellung. 
Acht AuEsStze. Berlin, Paetel, 1902. 287 8. 

Schmidt, 0. £., Kursächsische 8treifzüge. Mit 1 Titelbild und 
22 Federzeichnunj^en. Leipzig, Grunow, 1902. 350 8. M. 3,50, geb. M. 4,5ü. 

Wel trieb, K., Wilhelm Herz, zu seinem Andenken. Zwei litteratur- 
geschichtliche und ästhetisch - kritische Abhandlungen. Stuttgart, Cotta, 
1002. 92 8. [I. Nekrolog. IL Kritische Studie über 'Bruder Rausch, 
ein Klostermärchen']. 

Langer, E., Deutsche Volkskunde im östlichen Böhmen. II. Band. 
Braunau m Böhmen, £. Lan^r, 1902. 192 8. M. 2,20. 

Engelien, A., Grammatik der nhd. Sprache. 5. AufL, herausgegeben 
unter Äfitwirkung von Dr. H. Jantzen. Berlin, W. Schnitze, 1902. vlll, 
619 8. 

Cuttin^, StW., The modern German relatives *das* and 'was' (The 
University of Chicago, The decennial publications, V). Chicago, Uni- 
versi^ Press, 1902. 21 8. fol. 

Erbe, K., Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung. Nebst einer 
eingehenden Darstellung der neuen Rechtschreibregeln und der Lehre von 
den Satzzdchen. Zugleich ein Handbüchleiu der deutschen Wortkunde und 
der Fremdwortverdeutschung, sowie ein Ratgeber für Fälle schwankenden 
Sprach- und Schreibgebrauchs. Stuttgart, Union, 1902. XXIV, 288 8. 

Krause, K., Deutsche Grammatik für Ausländer. Auszug für Schü- 
ler, bearbeitet von Dr. K. Nerger. 2. verb. Aufl. Breslau, Kern, 1902. 
VIII, 200 8. 

Kummer, K. F., Deutsche Schulgrammatik für höhere Mädchen- 
schulen und verwandte Anstalten. Leipzig, Freytag, 1902. IV, 252 8. 

Victor, W., Deutsches Ijcsebuch in Lautschnft, als Hilfsbuch zur 
Erwerbung einer mustergültigen Aussprache. IL Teil, II. Lesebuch. 
Leipzig, 'ftubner, 1902. VI, 189 S. Geb. 

Deutsche Dichter des 19. Jahrhunderts, ästhetische Erläuterungen für 
Schule und Haus, herausgegeben von Prof. Dr. 0. Lyon. 1: Prof. Dr. 
P. Vogel, Fritz Reuter, Ut mine Stronitid. II: Dr. R. Petsch, Otto 
Ludwig, Makkabäer. Leipzig, Teubner, 1902. Jedes Heft zu 2 — 8 Bogen 
M. 0,50. 

Hebbel, F., Die Nibelungen. Für den Schulgebrauch herausgeg. von 
Oberlehrer Dr. A. Neu mann. I^ipzig, Freytags Schulausgaben, 1002. 
272 S. Geb. M. 1,50. 

Handausgabe von Hölzeis Wandbildern für den Anschauungs- und 
^rachunterncht. IV. Serie: Wohnung, Hafen, Hausbau, Berg- und 
Hüttenwerk. Wien, Hölzel. M. 1. [Sehr nübsche und interessante Tafeln, 
"» 4», farbig, broschiert. A. B.] 



■ns VfreeichniB der eitigelfiiifeiien Druck«c)iriften. 

,!iiril:iri, V.., Mutcrialicii für die uulerricbtliclie nebandluug der H51zel- 
rrhei: WandliiMpr für den Anschanunga- und Sprachanterricnt. IV. Ab- 
teilung; Hniishnn, Wohnung, Hafen, Berg- und HQttenwerke. Wien, 
HüImI, VM>2. H7 S. M. l,yu. _____ 

Kiif,'IUche Sindien. XXXI, 1 IM. Förster, Friü-me. Spricli w öfter. - 
i> Kn i||'. !'■■ \ij>liri'ilurig des flektierten Genitivs «uf -b im Me. — 
] I I '< ~i .ilitTi zum ültereD engl. Drama. Besprechungen. Mia- 

I . I ■ . U I yraufli, Zur Komposition, Knlelshungszeit und Be- 

INI. i.ijiij .11 ii . ItiiiMaiiKe 'TIio squyr of lowe degre'. ~- P. MBcbiüe, 
1 uli-iiiigi-s U iilifii-ieiu-Cbereetzung. — 0. JeaperBen, Der Nasal in nightin- 
gale. — Biaprefbungen. Miscellen]. 

Anglift XXV, :l fF. Klaebcr, Zur ae. Bedaüberfletzung. — E. A. Eock, 
InterpretHtioiie aod emendations uf Early Fn^^lieb texte. I. — F. Si^el, 
Aplira Bebn»< Gedicbte uud Prosawerke. II. — F. Holthausen, Zu ae. und 
Nie, Denkuiälern. XXVI]. 

Beiblatt zur Anglia. XIII, 8—10, August — Oktober. 

Litteraturblatt für )|;enntuiiBche und romanische Philologie. XXIII, 
7— In, ,1 Uli— Oktober. 

The American Journal of philology. XXIII, 2 [King Hörn ed. Lambj- 
Mi'KiLi(;lit und ed. .T. Hall, besprochen von Gh. G. Osgood p. 2Ü7— 2111 

rul>lii:iitione uf ibe Modern Lanpiage AMOciation of Amerika. XVII,2 
lA. H. Tbnrnilike, Tbe relations of Hamlet to conteniporarv revenge plaji. 

Uli. !•. Bftldwiu, Tbe literary infhience of Sterue in France. — P. C. 
The bume uf tbe Bevcs saga. — W. W. Lawrence, The fiat riddle 

, lewiilf. - W. H. Sehofield, Signy'a lameut]. — 3 [C. Thomas, Tbe 
iimeliorstioii of uur spelling. — E. R. Hooker, The relation of Shakespeare 
to Jlontaigno. — A. t?. e'tiok, Notes on the Rulhwell cmga. — J. T. Hsl- 
fii'ld. äcbolarabip and the commonwenllbj, 

"" ' modern lauguage quarterly. V, 2 [J. W. Haies, Shelley's ' ' 



Jloyl, 
of Cy 




Verzeichnis der eingelaufeneu Druckschriften. 479 

William of Shoreham, The poems, re-edited from the unique ms. in 
the British Museum by M. Konrath. Part I: preface, introduction, 
text, and notes (Early Engh'sh Text Society, extra series LXXXVI). 
London, K. Paul etc., 1902. XVII, 246 S. 10 sh. 

Crown e, J. V., Middle English poems on the joys and on the com- 
passion of the blessed yirgin Mary. Beprinted from The Catholic Uni- 
versity bulletin, July 1902. Washington, p. 304—816. 

Chaucer, G., The pardoner^s prologue and tale, a critical edition by 
John Koch (Englische Textbibliothek lierausgeg. von Hoops, 7). Berlin, 
Felber, 1902. LXXXII, 164 S. M. 3. 

Grower, John, The complete works, edited from the mss. with intro- 
ductions, notes, and glossanes by G. C. Macaul ay. Vol. IV: The Latin 
works. Oxford, Clarendon press, 1902. LXXVIII, 430 S. 16 sh. 

Smith, G. G., Specimens of Middle Scots with introduction, notes 
and glossary. Edinburgh and London, Blackwood, 1902. LXXVI, 374 S. 

Schmidt, A., Shakespeare lexicon, a complete dictionary of all the 
English words, phrases and constructions in the works of the poet. 3. ed., 
revised and enlarged by G. Sarrazin. Berlin, G. Reimer, 1902. Vol. I: 
XIII, 678 p.; voL II: 679—1485 p. Zusammen M. 24 brosch., M. 30 geb. 

Franz, W., Grundzüge der Sprache Shakespeares. Berlin, Felber, 
1902. VIII, 225 S. 

Chettle, H., and Day, J., The blind beggar of Bednall Green, nach 
der Q. 1659 in Neudruck herausgegeben von W. Bang (Materialien zur 
Kunde des älteren englischen Dramas, Bd. I). Louvain, Uystpruyst, 1902. 
X, 80 S. 

Snoek, H., Die Wortstellung bei Bunyan (Marburger Studien zur 
engl. Philol, 3). Marburg, Elwert, 1902. 88 S. 

Ruskin, John, Ausgewählte Werke in vollständiger Übersetzung. 
Bd. XI — XII : Moderne Maler, im Auszug übersetzt und zusammengefaßt 
von Charlotte Bro icher. Leipzig, Diederichs, 1902. XII, 312 S. Brosch. 
M. 5, geb. M. 6. 

Bro ich er, Charlotte, John von Ruskin und sein Werk. Puritaner, 
Kfinstler. Kritiker. Erste Reihe: Essays. Leipzig, Diederichs, 1902. 
XXXVI, 298 S. und ein Porträt. Brosch. M. 5, geb. M. 6. 

Collection of British authors. Tauchnitz edition. ä M. 1,60. 
Vol. 3587: E. W. Hornung, The shadow of the rope. 

„ 3588: M. Pemberton, I crown thee king. 

, 3589: Edna Lyall, The hinderers. 

, 3590: Mrs. E. Cot es, Those delightful Americans. 

„ 3591: Mark Twain, A double-barrelled detective story etc. 

^ 3592: J. Mi Ine, The epistles of Atkins. 

„ 3593: F. F. Moore, A damsel or two. 

, 3594: F. C. Philips, Schoolgirls of to-day, etc. 

^ 3595: W. R. Trowbridge, A girl of the multitude, 

, 3596: P. White, The new Christians. 

„ 3597—8: R. Bagot, The just and the unjust. 

„ 3599: A. Ben n et, The grand Babylon hotel. 

, 3600: Helen Mathers, *Honey'. 

^ 3601 — 2: Marie Corelli, 'Temporal power*. 

„ 3603: H. S. Merriman, The vultures. 

^ 3604: D. Gcrard, Holy matrimony. 

« 3605: A. Morrison, The hole in the wall. 

, 3606: M. Betham -Edwards, East of Paris. 

, 3607 — 8: Mrs. Alexander, Stronger than love. 

« 3609: F. Macleod, Wind and wave. 

^ 3610 — 11: Jerome K. Jerorae, Paul Kelver. 

^ 3612: Stanley J. Weyman, In kings* byways. 



Verz chniB ler emgelaufenen Druckschriften 



1+ •}•) Tau^cid Berln 
I 4 15" B 

nd vollatandigea Hand vorterbucb der en^ 

he 1^ Auflage vollstoii 1 g neu bearbeitet 

1 I Engl seh Deut« h Bmunschweig Viewpg 

u en (»lang und oant Wörterbuch der Lon 

I b hat« bauner Matronen '^port und 
lllemeut 7U hIIcd eiigl e Ji deutschen W rter 

i stark vermehrte Auflage Bcrl Laugen 

'^ M 'S gcb M 5G 

prhk oth lliDord Nbera HVnpunkter n ed 
kin Sartryck ur Sjatte hordiaka FilologmötctB 



<fer'l 



n L Elementarbuch* der en^l flehen Sprache nach der ans 

Methode bear] c tet I Te 1 Dt itlehre. Der einfache batz nebst 

n enlehre u n^e rb Auflage, karkruhe li elefeld I9C l\ 

eh M 1 & 

r h pr F PrnfesBor der Haudele neaens haften EinfQhrung n 

T 1 C eecbüftefprache. kurze praLtiBche Anlei 

n kurztrZet verstehen lesen echreiben nnd 

nd l^cbudi fuT kaufmaiiD Bche tcchn acbe 

I p Fnvat und Selbst nterr cht m t genauer 

eu I Betonung Lepm, Huberts m" XVI 




Verzeichnis der eiDgelaufenen Druckschriften. 481 

Bd. 188: Bracebridse Hall or the humoriBts, von W. Irving. Auswahl, 
für den Schul^rauch erklärt von G. Wolpert VIII, 119 S. Geb. 
Reihe B, Bd. 29: G^riolanus, a tragedy by Shakespeare, with introduction 
and explanatory notes for use in schools by £. Penn er. XXI, 
128 8. Geb. 
Freytags Sammlung französischer und englischer Schriftsteller. Leip- 
zig, Freytag, 1902: 

G. A. Henty, Sturdy and strong or how George Andrews made his way, 
in gekürzter Fassung ffir den Schulgebrauch herausgeg. von Ober- 
lehrer Dr. M. Thümmig. IV, 100 S. Geb. M. 1,20. Hiezu ein 
Wörterbuch, M. 0,50. 
Stories and sketches, für den Schulgebrauch herausg^. von Mathilde 
Beck. IV, 125 S. Geb. M. 1,40. Hiezu ein Wörterbuch, M. 0,50. 
Englische und französische Schriftsteller der neueren Zeit für Schule 
und Haus herausgeg. von J. Klapperich. Glogau, Flemming, 1902: 
XIV: A. R. ^pe, Snowed upl An ad venture on Exmoor, mit Ein- 
leitung und Anmerkungen von Prof. Dr. J. Klapperich. VI, 67 S. 
Geb. M. 1,20. 
XVI: Life and customs in Cid England from the sketchbook of 
Washington Irving, für den Schulgebrauch bearbeitet von Prof. 
Dr. J. Klapp er ich. VI, 88 S. Geb. M. 1,40. 
Irvine, W., Tue Alhambra, mit einer Einleitung und Anmerkungen 
in Auswahl herausgeg. von Prof. Dr. C. Th. Lion. 2. umgearb. Auflage. 
Berlin, Weidmann, 1902. VI, 146 S., mit Wörterbuch. Geb. 

Henty, G. A., In freedom's cause. In gekürzter Form für den Schul- 
gebrauch herausgeg. von Dr. Paul Geifsler, Oberlehrer (Frey tags Samm- 
lung franz. u. engl. Schriftsteller). Leipzig, Frey tag, 1902. VII, 128 S. 
Geb. M. 1,40. Hiezu ein Wörterbuch, 40 S., M. 0,50. 

Reu seh, A., Realschul-Professor, Ein Studienaufenthalt in England. 
Ein Führer für Studierende, Lehrer und Lehrerinnen. Marburg, Elwert, 
1002. VIII, 143 S. Brosch. M. 1,80, geb. M. 2,25. 



■1 
I 



Romania ... p. p. P. Meyer et G. Paris. 1902 A vril — Juillet. 
122 — 123 [Can^ao de Sonata Fides de Agen, texto provenyal p. p. J. Leite 
de Vasconcellos. E. Philipon, Les accusatifs en -an et en -ain, La vie 
ä la transleUion de Saint Jactfues le Majeury mise en prose d'un po^me 
perdu, p. p. P. Meyer. C. Salvioni, Etimologie. J. A. Candrea- Hecht, Ety- 
tnologies roumaines. A. Plaget, La heue dame sans merei et ses imi- 
tations (suite). A. Delboulle, Mots rares et obscurs de Tancicnne langue 
franyaise. — M^langes: P. M., Satire en vers rythmiques sur la legende 
<ie Saint Brandan. P. M., Po^me en quatrains sur la p^cheresse de 
l'Evangile. A. Mussafia, Flamenca 27()1 sgg. Fr. Wulff, Les premiferes 
^baiiches de P^trarque apr^s le 19 mai 1348. A. Delboulle, Canle et ses 
döriv^s. A. Delboulle, Grane. A. Thomas, Ancien francais fauteme, 
J. Loth, Ganelon et le breton yanas. — Comptes rendus : W. Meyer- Lübke, 
Einführung in das Studium der roman. Sprachwissenschaft (R. Roques). 
Foerster u. Koschwitz, Altfranz. Übungsbuch (P. M.l Enneccerus, Vers- 
^>au und gesanglicher Vortrajj des ältesten französischen Liedes (AI. Fran- 
g)i8}. M^gnan, La tapissene de Bayeux (G. P.). Clig^s herausgeg. von 
roerster, 2. Ausg. (J. Mettrop). Gröber, Altfranzösische Glossen (A. Sal- 
nion). Kemna, Der Begriff 'Schiff im Französischen (A. Thomas). Ci- 
priani, Etudes su;^ quelques noms propres d'origine germanique (A. Tho- 
mas). Gautier d'Emnal, Chansons p. p. Lindelöf et WallenskÖld (A. Jean- 
roy). Richard von Seniilli, Gedichte herausgeg. von Steffens (A. Jeanrojr). 
(Jppaatser i romansk filologi tillägnade P. Ä. Geijer (G. P.). — Pdrio- 
diques. Chronique]. Octobre. 121 [A. Thomas, Lcä substantifs abstraits 



•1S2 



Vrrafichnin der eingelaufeaen Druckschriften. 



IS. C. Nigra, Notes ("'tyniologiijucs et lesicales, 
nisnuscrit du P(tä Jean de. Saintri. L. Sainean, 
u roum&in. — Mfilnngea: P. E. Guamerio, Parti- 
A. ThomaB, Anc. franc. gers. Anc tna^. mouir 
, ?ur le poimc latiu aee Misires de la vie Iw- 
aii texte de In pifecc Flors de paradü. Ä. Pinget, 
)■ (imoureuge de Charks VT. — OomptM rendue: 
li vari di filologia (G. F.). Beiträge zur ronia- 
Pliiiologie, Festgabe für W. Foemter (G. P.l. 
iirdle (A. Jeanroy). Thurau, Der Refrain in dfr 
\. .teanroy). Päriodinnes. Chronique], 
iiüine». XLV, ^ [J. Coulet, Sur la nouvelle pro- 
>liiijrrapliie. Chronique]. 5 [A. Restori, Reertl** 
\.~. ile iii&Jeciiie. G. Bertoni, Notereile provenialL 
lü Kouveau Testament en ancien haut-eoMdinoii' 
(siiite). i!ibliij|:rii|iliie: Jeanroy, R£g1e des chftnoinc^see augustinee; Kempe, 
llTtsnnmpti des Philomena (J. noulet)]. 

Miissaf irt, Adolf, Zur Kritik und Interrirclation romanischer Texte. 
l-iwli.ll IT HfilriiL'. Sit7,iinc8 berichte der Kais. Akademie der Wiaaensohaften 
in W'lrii. I'lül.iHiphi.Hi-historische Clawe. Band CXLV. X. Wien \Wi. 
M S, -. I V, R„.n:iii ilr Fliimenca. B. Clig^s.] 

ISini tun i.'el<i, S., Studio snlla poesia goüardica. Palermo, Beber, 



( 'u Riiynniid, Vt 
I.e.' Wtin.'iits orientaux i! 
feile pronomirinli »arde, 
ik fni«'n>t. A, Wiillner 

mniili: F', M-, IIi. nniivp; 
.\ i':r^. -■' ■■■]■ -. nr 

l'illel. '>' '. . ■ i 

ib fmir,.„i..i 




Verzeichnis der eingelaufenen Druckschriften. 483 

eewählt, bearbeitet und mit Anmerkungen herauseeg. von Dr. Theo- 
dor Haas, Oberlehrer am Egl. Gymnasium zu rulda. Mit zwei 
Kärtchen (Wörterbuch gesondert). VII, 158 8. 
Freytags Sammluns^ französischer u. englischer Schriftsteller. Leipzig, 
Freytag, 1902. 8. Geb. 
Edouard Pailleron, Le monde oü Ton s'ennuie, com^ie en trois actes. 
Ffir den Schulgebrauch herausgegeben von Dr. Max Banner. X, 
110 S. M. 1,60 (Wörterbuch dazu, 17 8., M. 0,80). 
Prosper M^rim^. Colomba. Für den SchuJgebrauch herausgeg. von 
Dr. Max Kuttner. X, 126 S. M. 1,50 (Wörterbuch dazu, 42 8., 
M. 0,50). 
Englisdie und französische Schriftsteller der neueren Zeit Für Schule 
und Haus herausgegeben von J. Klapperich. Glogau, Flemming, 1902. 
8. Geb. 
XIII. Le Malade imaginaire par Moli^re. Mit einer Einleitung und 
Anmerkungen von Dr. F. Lot seh, Mberfeld. XI, 84 S. M. 1,50 
(Ausg. A Einleitung u. Anm. in deutscher.. Ausg. B in französischer 
Sprache). 
XV. Quinze jours ä Paris par A. Lebrun. Ffir den Schul^ebrauch 
herausgegeben von Dr. Philipp Rofsmann. Mit 10 Abbildungen 
und einem Plan von Paris. o5 8. Ausg. A. M. 1,50 (Wörterbuch 
dazu, 24 S., M. 0,40). 
XVII. La bataille de Beaumont par M. Defoumy, cur^ de Beaumont 
en Ar^onne. Für den Schulgebrauch bearbeitet von H. B ret- 
schnei der. Mit einem Kärt(3ien. 60 8. Ausg. A. M. 1,20. 
XIX. Dix petits contes pour les jeunes filles. Ffir den Schulgebrauch 
erläutert von Oberlehrer Dr. F. Lot seh, Elberfeld. 96 S. Ausg. A. 
M. 1,40. 
Pitt Press Series, Cambridge, University press. 8. 
Histoire d'un consent de 1813 by Erckmann-Chatrian edited with intro- 
duction, maps and notes by Arthur Reed Ropes, M. A., late fellow 
of King's Ck)llege, Cambridge. XVIII, 276 S. Geb. Sh. 8. 
Mademoisefle de la Seigli^re by Jules Sandeau, with introduction and 
notes by Arthur R. Ropes. VIII, 174 8. Geb. 
Ausgew^lte Essays hervorragender französischer Schriftsteller des 
19. Jahrhunderts. Herausgegeben und erklärt von Dr. M. Fuchs, Ober- 
lehrer in Berlin. Bielefeld u. I^ipzig, Velhagen & Klasin^, 1002 (Samm- 
lung französ. und engl. Schulausgaben. Prosateurs fran^ais, Lief. 142 B). 
IX, 109, 32 8. kl. 8. Geb. M. 1,10. 

Krön, Dr. R., Französischer Lektüre-Kanon. Verzeichnis aller bis 
zum 15. März 1902 vom Kanon -Ausschufs des Allgemeinen deutschen 
Neuphilologen- Verbandes für brauchbar erklärten Schulausgaben franzö- 
sischer Schriftsteller. Sonderabdruck aus W. Victors 'Neueren Sprachen\ 
Bd. X. Marburg i. H., Elwert. 28 S. 8. M. 0,50. (Der Reinertrag fliefst 
der Kasse des Allgemeinen deutschen Neuphilologen-Verbandes zu.}, 

Wershoven, Prof. Dr. F. J., Frankreich. Realienbuch für den fran- 
zösischen Unterricht. Geographie und Geschichte Frankreichs. Staats- 
einrichtungen. Geschichte der französischen Sprache und Litteratur. Stoffe 
zu Sprechübungen und freien Arbeiten. Reden. Synonyma. Dritte ver- 
beaserte Auflage. Köthen, Schulze, 1903. VIII, 224 S. 8 Geb. 

Morceaux choisis en prose et cn vers. Th^mes oraux ä Tusage des 
cours sup^rieurs par Ed. Asciier, agr6p<5 de l'Uni versitz, professeur au 
lyc^ Henri IV. Paris 1902. En vente chez le Concierge, 11, rue du D6- 
part. Wx net 3 fr. IV, 276 S. ^. Fortlaufende Vokabularien und Prä- 
parationen zu den Ausgewählten Lesestücken nebst einem kleineren alpha- 
oetischen Wörterverzeichnis von Ed. Ascher. Paris 1902 (ebenda). 223 S. 
8. Fr. 3. 



Verzeiehuis der eiBgelaufeneD Druckschriften, 

"^ introduction \Mi- 
1 gloasairc CompM 

e it"-"- 

, . . __ J. I 

1*1' '' .iNilre vim Jehaii lo Nevelon (herausgegeben 

Seil II 1- . I ' i'.xeiiiiiiaren gedruckt [o. 0. u, J.]. 10[ S. 1 

I.i !■ ■ ■: '. ■ ■ 'W Uli BartBS par Hcnrv Guy et Alfred Jej 

rti\, 1 :!■- 'Ii> Mi-l,; tome X]V,'lS02. Toulonae, PhtM, 

'1"|-. J ! "■ I ' ■ !iiT M'liuM gedruckt«, hier zum ereteDmal gescbicJit- 

lii-li 1 il . . ■ 1. .incT Übersetzung begleitete (Jedicht ist eine im 

l'uwiiil I ■ ■ . I ii- der von Heinrich III. von Navarra für seine 

lieniaiiiii ■! iiiL'liche Mutter in N^rac veraji stalteten Featlkh' 

keitcii .1 ■ I 1 riiliing, in welcher die lateinische, die französische 

:iiid ilii .yiiiphe, jede in ihrer Sprache, sich um die Ehre 

>treiii [i l.irLMret« zu begrOfseo, und die letztgenannte das 

Wurt < r' ..innerer Rede Bodann an die FQratin richtet] 

'lii- 'Ur franzBaiHchen und deutschen Sprache, Mil 

Anpün- .. nach dem phonetischen System der Mpthwlo 

Tuu:.-:uii[-I..ui^, [i-d,.i-lt- Zuaammeugeatellt von Prof. Dr. Cäsaire Vil- 
liitte. Zklüc liciirbeilung, 1302, 3ti.— 35. Tausend, Berlin. Langen- 
«eheidt. XX, .Uli, 47:! S, kl, R. Geb. M. 3.50, in zwei Teilen M. i. 

Engelke, Dr. K., Lepel.it vocahulaire. F ran löai seh -deutache Wörter- 
i<nmnilung, geordnet nach Büdem aus Natur und Menschenleben und ver- 
teilt nuf die KliiHSf-n Sexta bin Untersekunda, Nebst einem Anhang: Die 
i^tiimmformeti der niireKeimäraigeii Verben, Gotha, Perthes, 1902, SüS. S- 
M. 11.70. 

Bulletin du Glossaire des patoie de la Suisse romnnde, 1902, No. S 
|J. Jearijaijuet, Lii konta d Pakftin, randonni^e cn patoie de Chamji^rT 
,\'..i..; .. T (;aii,j]jnt^ l,i ]„ (, \f, gru (ijstois de la montagno neuchAteloiüH. 
. T-. ,._■_. I /. — ' -', La demifere page de rhist)'" 




Verzeichnifl der eingelaofenen Drackflchriften. 485 

.necdotiques avec uDe iDdication preise des sourceB. Quatri^me Edition 
omprenant 'Les mots qui restent' et de nombreux articles nouveaux. La 
leuxi^me Edition a ^t6 honor^e d'une mentioD par i'Acad^mie francaiBe 
concours de Jouy, 1896). Paris, Bouillon, 1902. Zwei Bände: XKIV, 
137 S. 8. Frs. 15. fS. Archiv CVI, 4570 

Plattner, Ph., Formenbildung und Formen Wechsel des französischen 
/erbums. R^elmälsiges und unre^elmalsiges, unvollständiges, unpersön- 
iches und ref&xives Verbum, transitiver, intransitiver und absoluter Qe- 
)rauch, Bektion (Ausfuhrliclie Grammatik der französischen Sprache. 
I. Teil: Ergänzungen. II. Heft). Karlsruhe, Bielefeld, 1902. 222 S, 8. Geb. 
Banner, Dr. Max, Oberlehrer am Goethe-Gymnasium in Frank- 
urt a.M., Tabelle der unreRelmäisigen Verba des Französischen. Zweite 
rerbesserte Auflage. Frankmrt a. M., Jfigel, 1902. 15 S. 4. M. 0,50. 

Pitschel, Dr. Ernst, Oberlehrer am Bealeymnasium Musterschule 
:u Frankfurt a. M., Einführung in die französische Sprache auf lautlicher 
Grundlage. Im Anschluls an die Vorschule zu Lehr- und Lesebuch der 
ranzösischen Sprache von X. Ducotterd verfalst Frankfurt a. M., Jügel, 
902. II, 31 8. 8. 

Fetter, Johann, Regierungsrat, k. k. Direktor der Staatsreaischule 
m IV. Bezirke Wiens, und Als eher, Rudolf, k. k. Direktor der Staats- 
ealschule in Teschen, Lehr^an^ der französischen Sprache fflr Realschulen 
md Gymnasien. I. und II. leil. Zehnte, umgearbeitete Auflage. Aus- 
rabe B. Wien, Pichiers Witwe u. Sohn, 1902. Xll. 224 8. 8. Geb. Kr. 2,50. 
Weitzenböck, Georg, Lehrbuch der französischen Sprache für höhere 
^Mädchenschulen und Lehrerinncn-Seminarien. Erster Teil. Leipzig, Frey- 
tag, 1902. 180 S. 8 Geb. M. 2,50. 

Kühn, Dr. K., und Diehl, Dr. R., Französisches Elementarbuch für 
lateinlose und Reformschulen. Mit dreiunddreifsig Illustrationen. Bielefeld 
LI. Leipzig, Velhagen & Klasing, 1903. XXIV, 318 S. 8. Geb. M. 2,80. 
PlOBtz-Kares, Kurzer Lehrgang der französischen Sprache. Ele- 
mentarbuch, verfalst von Dr. Gustav Ploetz. Ausgabe F. Neue Ausgabe 
für Realgymnasien, bearbeitet nach den Lehrplänen von 1901. Berlin, 
Herbig, 1902. XVI, 270 Ö. 8. M. 2. 

Cron, le dr. J., professeur au Gymnase ^piscopal de Strasbourg, 
Supplement de la grammaire fraD9aise pour l'Alsace ou Recueil des fautes 
que Ton commet le plus et des r^gles que Ton observe le moins dans le 
fran9ai8 aJsacien. Strasbourg, Herder, 1902. 78 S. kl. 8. M. 0,80. 

Lebierre, Joseph, Le mouvement r^formiste des 35 demi^res ann^es 
et l'^tat actuel de la langue fran9aise. Leipzig et Berlin, Teubner, 1902. 
54 8. 4. 

En^elke, Dr. K., Oberlehrer an der Oberrealschule zu Flensburg, 
Cahier de notes. Stilistisches Hilfs- und Merkbuch des Französischen für 
Schüler der Oberklassen, eingerichtet zur Aufnahme von weiteren im 
Unterricht gewonnenen spracnlichen Beobachtung